I close my eyes

GeschichteAllgemein / P18
10.02.2019
22.02.2019
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-Theodore-

Mit einer Hand stützte ich mich in der Dusche ab, den Kopf leicht gesenkt und die Augen geschlossen. Das warme Wasser floss meinen Körper hinab, während ich angestrengt versuchte ihr Gesicht aus meinen Gedanken zu verbannen. Noch nie war mir ein Mädchen so unter die Haut gegangen wie Avery, noch nie hatte ich ein Mädchen angesehen und das Bedürfnis gehabt sie bei mir zu haben, sie zu küssen und ihren Körper zu erkunden. Leicht schlug meine Hand bei dem Gedanken gegen die Fliesen und ein Seufzen entwich meinen Lippen, meine andere Hand zuckte. Nur langsam legte ich sie an mein erregtes Glied und dachte erneut an Avery, an ihr Lächeln, an ihre vollen Lippen und…Ich stellte das Wasser auf kalt und legte den Kopf in den Nacken um mich zu beruhigen, aber es dauerte einige Augenblicke, bis ich meinen Körper wieder vollkommen unter Kontrolle hatte und mich schließlich aus der Dusche heraustrat. Meine Hände griffen nach einem Handtuch, welches ich mir um die Hüften legte und dann vor den Spiegel trat. Denk nicht an sie. Ob sie nun in ihrem Zimmer lag, ob sie las oder einfach nur schlief? Denk nicht an sie. Was sie wohl trug, ob sie ihre Haare erneut in einem Zopf trug oder ob es offen auf dem Kissen ausgebreitet war? Denk nicht an sie. Denk nicht an sie. Frustriert seufzend trocknete ich meinen Körper ab und zog mir schließlich eine lange Schlafanzugs Hose an, trat aus dem Bad. Vor ihrem Zimmer jedoch blieb ich stehen und betrachtete die alte Holztür. Ich fühlte mich wie ein Stalker und da sie nichts sehen konnte, fragte ich mich, wie es ihr damit ging und ob mein Verhalten vielleicht unangenehm für sie war. Aus ihrem Zimmer konnte ich keine Geräusche hören und hob leicht meine Hand um an dies zu klopfen. Ich wartete und dann war da ein Geräusch, es klang beinahe wie ein Schluchzen und leicht runzelte ich meine Stirn, blickte den Gang entlang. „Avery?“, fragte ich durch die Tür und dann vernahm ich ein Klopfen ungefähr 5 Meter rechts von mir an der Wand, leise Geräusche waren aus dem Zimmer zu hören und schließlich trat ich einfach in das Zimmer ein. Als ich Avery sah, brach mein Herz und meine Schritte beschleunigten sich in ihre Richtung. Sie weinte und ihre Hände waren gegen das Holz gepresst, Panik konnte ich auf ihren Gesichtszügen erkennen und ganz sacht legte ich meine Arme um ihren zitternden Körper. „Shht… Avery“, meine Hände gruben sich sanft in ihr Haar und ich blickte zu ihr hinab. „Was ist passiert?“, fragte ich leise und runzelte meine Stirn. „Ich wollte nur aufstehen, um in das Bad zu gehen und dann habe ich sie nicht mehr gefunden… Ich habe die Tür nicht mehr gefunden und Panik bekommen. Auf einmal hatte ich das Gefühl eingesperrt zu sein und…“, sie schluchzte erneut und meine Arme legten sich etwas enger um ihren Körper, meine Lippen legten sich auf ihre Stirn. „Morgen reden wir darüber, wie ich dir das Haus näherbringen kann. Du bist hier nicht alleine, du bist nicht gefangen“, flüsterte ich in ihren Haaransatz und zog sie ganz sachte zum Bett, setzte mich mit ihr auf die Decken und ganz langsam versiegten ihre Tränen. „Das vermisse ich auch… Orientierungssinn… Ich muss nur einen kleinen Moment vergessen, wo ich bin und dann bekomme ich Panik, finde sie nicht mehr zurück“, sie hatte sich zurückgelehnt und ihre Haare aus dem Gesicht zu strichen, aber wie im Restaurant gab es eine Strähne, die immer wieder in ihr Gesicht fiel. Sacht schob ich sie nach hinten und ließ meine Hand an ihrer Wange liegen, strich einige Tränen beiseite. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie das Gefühl sein muss, aber ich kann deine Angst sehr gut nachvollziehen und morgen…“, sie unterbrach mich und schüttelte den Kopf.

-Avery-

Morgen…Übermorgen, eine Woche, ein Monat, ein Jahr. Zeit, alles was ich machte kostete Zeit und ich war erschöpft davon, wollte nicht schon wieder meinen ganzen Tag damit verbringen einen neuen Ort kennenzulernen. Im Moment brauchte ich etwas Vertrautheit, meine vier Wände und so wohl wie ich mich bei Ana und ihrer Familie fühlte, so wohl wie ich mich mit Theodore fühlte, es ging einfach nicht. Ich konnte das Leben dieser Familie nicht sofort auf den Kopf stellen und ihnen alles beibringen was man über eine blinde Person wissen musste. „Ich möchte nach Hause, Theodore. Ich möchte nach Hause, weil ich meine vertraute Umgebung brauche“, schwer schluckte ich und wusste, er würde es spüren, weil seine warme Hand noch immer auf meiner Wange lag und das Gefühl sorgte dafür, dass mir warm wurde. Innerlich wartete ich darauf, dass er mir widersprach und in seinem Kopf nach neuen Möglichkeiten suchte, aber, dass er noch schwieg gab mir die Hoffnung, er würde es im Moment verstehen. Ich konnte ein Seufzen von seinen Lippen vernehmen und dann legte er sie wieder auf mein Haar, hielt mich fest, als würde ich mich sofort in Luft auflösen, wenn er es nicht tun würde. „Ich fahre dich sofort nach Hause“ und dann war er verschwunden und ich biss mir sprachlos auf die Lippen. Es dauerte einen Moment, aber dann fanden meine Hände den Stuhl auf welchen ich meine Tasche und meine Jacke gelegt hatte, zog diese an und griff noch nach meinen Schuhen um mir diese anzuziehen. Fertig, lehnte ich an der Tür und wartete auf Theodore, als seine warme Hand sich in meine schob. Ich hielt ihn fest während wir das Haus verlassen und uns in das Auto setzten. Ich sagte ihm, wo meine Wohnung war und schweigend fuhren wir los, meine Hände gruben sich etwas in den Gurt, weil sich das hier wie ein Abschied anfühlte und ich nicht wusste, ob ich mich vollkommen von ihm trennen wollte. An meiner Wohnung, ließ er mich einfach machen, ich spürte seinen Blick auf mir als ich die Tür aufschloss und in das Gebäude trug. Meine Wohnung war unglaublich klein und bestand nur aus einem Flur, einem Bad, einer Küche und einem Schlafzimmer. Mehr hatte ich nicht gebraucht und an mehr hatte ich mich damals nicht gewöhnen wollen. Ich fragte mich, wie die Wohnung für Theodore aussah und ob sie wirklich so unpersönlich wirkte, wie sie sich anfühlte. Ganz langsam stellte ich meine Tasche im Schlafzimmer ab und drehte mich in die Richtung von Theodore. „Danke, dass du mich nach Hause gebracht hast… Es bedeutet mir sehr viel, dass du meine Gründe verstanden hast und nicht versuchst von jetzt auf gleich mich an eine vollkommen neue Umgebung zu gewöhnen“, ich spürte wie er einen Schritt auf mich zutrat und griff nach seiner Hand um diese festzuhalten. „Vielleicht gehen wir ja noch einmal essen und vielleicht magst du ja dennoch lernen, wie man kocht…“, meine Stimme brach ab. Es war kein Abschied, es würde mit Sicherheit kein Abschied für immer sein, aber er war so unglaublich still. Seine Stille machte mir Sorgen, er sagte sonst auch nicht besonders viel, aber manchmal konnte ich dennoch spüren, dass er wenigstens etwas dachte. Ohne Vorwarnung legte sich seine Hand erneut an meine Wange und wie jedes Mal zuckte mein ganzer Körper zusammen. „Es tut mir leid… Ich werde dich jetzt küssen“. Bevor ich mir sicher sein konnte, dass ich seine Worte richtig verstanden hatte, lagen auch schon seine warmen Lippen auf meinen.
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