The Long Way Home Teil 1+2

GeschichteFamilie / P16 Slash
"Howlin' Mad" Murdock Bosco "B.A." Baracus John "Hannibal" Smith Templeton "Face" Peck
10.02.2019
10.02.2019
2
9.136
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Dieses Kapitel
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10.02.2019 4.594
 
Titel: The Long Way Home
Teil: 1 von 2
Autor: Lady Charena (Feb 2007)
Fandom: The A-Team (Serie)

Charaktere: HM “HowlinMad” Murdock, John “Hannibal” Smith, Templeton “Face” Peck, BA Baracus
Pairung: Hannibal/Face/Murdock
Rating: Alternative Realität, ab16, slash, Dreierbeziehung
Beta: T’Len
Worte: 4600



Geschrieben als verspätete Antwort auf die ffp-Threesome-Challenge Ende 2006

Summe: Stockwell hat das Team auf eine Mission geschickt, die schief ging. Die Geiseln, die sie hätten retten sollen, sind längst tot. Face wird angeschossen und auf der Flucht wird das Team auch noch voneinander getrennt. Face stirbt fast an seinen Verletzungen. Nach der Rückkehr nach Hause müssen die Wunden bei allen erst einmal heilen.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


* // * // * kennzeichnet Rückblenden


Lyrics by The Hooters.

There is never a time
to question our feelings
there is hardly a word,
that seems out of place
we'll find our way home,
we find it together-




“Mir ist kalt”, flüsterte Face, ein Schauer lief durch seinen Körper. Er wandte den Kopf, um den Mann anzusehen, der mit ihm auf dem Boden saß.

Besorgnis verdunkelte Murdocks Augen, als er seinem Freund seine Jacke um die Schultern legte. Der Pilot hielt seinen Blick fest. Dann lehnte er sich vor, legte die Hand in Face‘ Nacken und küsste ihn vorsichtig. Sein Herz schlug ein wenig schneller, als sein Liebhaber den Kuss erwiderte. „Es tut mir leid, Face, es tut mir so leid. Das ist alles meine Schuld. Es tut mir so leid. Ich war nicht vorsichtig genug.“




* // * // *

Sie hatten das Camp im Morgengrauen angegriffen, sobald es hell genug war, um die Hand vor Augen erkennen zu können. Sie konnten es nicht im Dunkeln riskieren.

Er hatte den Alarm ausgelöst, als er ohne zu zögern in den Raum gelaufen war, in dem die Geiseln gefangen gehalten wurden. Da war all das Blut gewesen und die Insekten und der entsetzliche Geruch des Todes – aber er hatte geglaubt, eine der Gestalten auf dem Fußboden würde sich noch bewegen.

Sekunden später war das ganze Camp von Stimmen, Schüssen und Gestalten erfüllt und sie mussten um ihr Leben rennen. Murdock verlor den Colonel und B.A aus den Augen. Face war zwei Schritte vor ihm, auf dem Weg zum Helikopter. Zumindest in diesem Punkt waren Stockwells Informationen korrekt gewesen. Sie schafften es auch bis zum Helikopter, doch als Murdock den Motor anwarf und die Rotoren sich langsam zu drehen begannen, tauchten vier Männer auf, die Waffen auf sie gerichtet. Sie hielten sich nicht mit Warnungen auf, sondern schossen sofort auf sie – und auf den Helikopter.

„Runter!“, schrie Face und riss Murdock zur Seite Diese Kugel verfehlte den Piloten – dafür traf eine andere Face in den Oberkörper, riss einen Krater unterhalb des Schlüsselbeins in seinen Körper und schleuderte ihn nach hinten, er verlor den Halt und fiel fast aus dem Sitz des Copiloten. Murdock packte ihn mit der einen Hand, riss ihn zurück. Er begann das Feuer zu erwidern, und schaffte es gleichzeitig irgendwie, den Helikopter in die Luft zu bringen. Face biss die Zähne zusammen und feuerte das Magazin seiner Waffe ebenfalls leer.

Sekunden später erhoben sie sich über das Camp. Hannibal und BA waren in dem Durcheinander nicht zu entdecken. Falls sie nicht in feindliche Hände gefallen waren, würden sie sich irgendwie durchschlagen und früher oder später an ihrem vereinten Rendezvouspunkt auftauchen. Der Colonel hatte klar gemacht, dass sie auf dem kürzesten Weg dorthin zu kommen hatten, ohne irgendwelche Rettungsversuche zu unternehmen.

Doch die Schüsse mussten den Helikopter schwerer beschädigt haben, als gedacht. Sie hatten weniger als die Hälfte der Strecke zum Rendezvouspunkt zurückgelegt, als der Motor zu stottern begann. Und egal, was Murdock auch versuchte, er konnte den Helikopter nicht halten. Sie stürzten ab. Die dicht stehenden Bäume verlangsamten ihren Fall so weit, dass sie fast in einem Stück unten ankamen, heftig durchgeschüttelt, aber lebendig.

Murdock schnitt die Gurte durch, die verhindert hatten, dass sie aus der offenen Kanzel geschleudert wurden und zog Face aus der unmittelbaren Nähe des Wracks. Er hatte Angst, der Motor könnte explodieren. Er lehnte Face gegen einen Baum und rannte zurück, um ihre Rucksäcke zu holen. Der von Face war verschwunden, irgendwann während des Absturzes herausgefallen, seiner hatte sich an einer Strebe verhakt. Er lief damit zurück und bedeckte Face‘ Schusswunde, aus der noch immer Blut quoll, mit einer Kompresse. Sie hatten jetzt keine Zeit, sich ausgiebiger um ihre Verletzungen zu kümmern. Zuerst mussten sie noch ein Stück weit vom Wrack weg.

* // * // *






Für einen Moment stand der Schmerz klar in den blauen Augen, dann glitt eine Maske über Face‘ Züge, wischte jeden Ausdruck daraus fort. „Unsinn. Es war einfach Pech.“ Er holte tief Luft. „Komm’, jetzt ist nicht die richtige Zeit, herum zu sitzen und sich schuldig zu fühlen. Wir müssen weiter.“

Der Pilot senkte den Blick. Er wusste, dass Face ihm niemals die Schuld geben würde an dem, was passiert war. Es änderte jedoch nichts daran, dass er sich schuldig fühlte. Murdock wünschte, sie wären nie hierher gekommen. Er riss einen Fetzen von seinem T-Shirt ab und wischte das Blut aus dem Gesicht seines Geliebten. „In einer Minute. Ich muss für Hannibal eine Nachricht hinterlassen. Für den Fall, dass sie hier vorbeikommen.“

Als Face nickte und die Augen wieder schloss, stand der Pilot schweren Herzens auf und ging zum Wrack zurück. Er zog einen Zweig aus dem Gestrüpp, schnitt ein Codezeichen hinein, das Hannibal erkennen würde und steckte ihn ein Stück entfernt in den Boden, so dass der Colonel ihn finden musste.

Er fuhr sich mit dem Ärmel übers Gesicht und machte, dass er zurück kam. Dann legte er den Arm um Face‘ Taille und half ihm auf die Beine. Sie machten sich auf den Weg, versuchten ihre Spuren so gut wie möglich zu verwischen, als sie sich durch den Dschungel schlugen.

„Wie geht es dir?“, fragte Murdock nach einer Weile. Es war ihm nicht entgangen, dass Face immer langsamer wurde und gelegentlich stolperte. Außerdem war er schweißgebadet und sein Gesicht hatte eine alarmierende Blässe angenommen. Murdock hasste es, dass er gezwungen war, Face in diesem Zustand durch den Dschungel zu hetzen, doch in der Nähe des gecrashten Helikopters wäre es ein Kinderspiel gewesen, sie aufzustöbern. Er zog ihn enger an sich. „Face?“, fragte er besorgt.

„Ich bin okay“, erwiderte Face atemlos. „Nur müde.“ Er lehnte sich stärker gegen Murdock, froh über die Nähe des Piloten. „Es wird alles wieder gut.“

Murdock stoppte einen Moment und tastete am Handgelenk nach seinem Puls. Sein Herz schlug langsamer, als es sollte.

Face schüttelte den Kopf und lächelte, um zu zeigen, dass er okay war. Es war nicht sonderlich überzeugend, trotzdem erwiderte Murdock es – doch seine Augen behielten den traurigen, besorgten Ausdruck bei.

Sie gingen weiter.


* * *


BA und Hannibal waren ebenfalls in Bewegung. Sie hatten es unverletzt aus dem Camp geschafft, in einem Jeep. Allerdings hatten sie ihn vor einer Weile ohne Benzin zurückgelassen, um den Rest zu Fuß zu gehen.

Der Colonel machte sich Sorgen um Face und Murdock. Er hoffte, dass sie es ebenfalls aus dem Camp geschafft hatten und sich in relativer Sicherheit befanden. Und doch nagte die ganze Zeit über ein ungutes Gefühl an ihm. Etwas war schiefgegangen. Stockwell hatte Mist gebaut. Und wenn seine Männer dafür den Preis bezahlen mussten, würde Stockwell ebenfalls bluten. Doch bis dahin konnte er nur beten, dass die beiden wenigstens noch am Leben waren.


* * *


„Hey, Face. Sieht das nicht wie ein guter Ort aus, um sich für eine Weile zu verstecken?“ Murdock zwang einen fröhlichen Ton in seine Stimme. Sie hatten eine kleine Lichtung entdeckt, von Bäumen und Gestrüpp so dicht umgeben, dass sie rein zufällig darüber gestolpert waren. Wenn man nicht gezielt danach suchte, lief man daran vorbei. Murdock hörte Face seufzen, als er ihm half, sich zu setzen, den Rücken gegen einen umgestürzten Baumstamm gelehnt. Er nahm seinen Rucksack ab und kniete sich neben ihn. „Okay, lass’ mich einen Blick auf diese Schusswunde werfen.“

Face versuchte, die Jacke enger um sich zu ziehen, doch der Pilot gab nicht nach und zog sie ihm aus. „Bitte lass’ mich dir helfen“, flüsterte er.

Face seufzte und schloss die Augen, lehnte seinen Kopf zurück gegen den Stamm. Er war zu erschöpft um zu streiten und es tat zu weh, als dass er vorgeben konnte, er bräuchte keine Hilfe.

Murdock beobachtete ihn, sah wie für einen Moment die Maske von Face Zügen glitt. Er schluckte gegen den Knoten in seiner Kehle an und half ihm aus dem Hemd. Die Kompresse war längst durchgeblutet. Er entfernte die provisorische Bandage von Face Schulter und musterte mit zusammengepressten Lippen die Wunde. Sie hatte bereits begonnen, sich zu entzünden, was auch erklärte, warum Face trotz der Wärme klagte, dass er fror – er hatte Fieber.

Er zog seinen Rucksack zu sich, öffnete ihn und zog den Erste-Hilfe-Pack hervor. Darin befand sich ein Desinfektionsmittel, dass er in und um die Wunde verteilte, um sie zu reinigen. Der Inhalt einer kleinen Ampulle mit einem oberflächlich wirkenden Betäubungsmittel folgte. Dann rieb er etwas mehr von dem Desinfektionsmittel auf seine Hände und riss eine versiegelte Packung mit einem Einwegskalpell auf. „Okay, Face. Wir haben keine andere Wahl, ich muss die Wunde öffnen und versuchen, die Kugel raus zu holen. Okay? Bist du bereit?“, warnte er ihn, als er die Schneide des Skalpells an die entzündete Wunde ansetze.

„Mach’ es.“ Face nickte, dann biss er die Zähne zusammen. Er wusste, was kommen würde – das war nicht die erste Kugel, die er abbekommen hatte. Und er wusste auch, dass die lokale Betäubung nicht wirklich helfen konnte, die Menge war zu gering, nur dazu berechnet, die Haut für ein paar rasche Stiche zu betäuben.

Murdocks Zähne gruben sich in seine Unterlippe, als er die Wunde weiter aufschnitt. Schon beim ersten Schnitt quoll mit gelbem Eiter durchzogenes Blut über seine Hand. Er spürte, wie sich Face‘ Körper unter ihm anspannte und ein rascher Blick auf das Gesicht seines Freundes zeigte ihm, dass Face alle Mühe hatte, nicht vor Schmerz zu schreien.

Face stöhnte, als der Schmerz weißglühend durch seinen Körper schoss, sein Brustkorb fühlte sich an, als ob er in Flammen stehen würde. Er drückte die Augen zu, spürte den Schweiß über sein Gesicht rinnen. Plötzlich konnte er nicht mehr atmen. Er öffnete den Mund, doch es kam nur ein Krächzen hervor. Und dann verlor er das Bewusstsein.

Murdock holte tief Luft, als Face‘ Körper schlaff wurde. Er fing ihn auf und ließ ihn sanft auf den Boden gleiten, bevor er sich wieder um die Wunde kümmerte. In gewisser Weise war er erleichtert und dankbar dafür, dass Face das Bewusstsein verloren hatte. Er hasste es, ihm noch mehr Schmerz bereiten zu müssen, als er ohnehin schon litt, aber er hatte keine andere Wahl. Wenn er die Kugel nicht herausholte und die Wunde reinigte, würde die Infektion nur schlimmer werden. Es war jetzt schon schlimm genug, mit all der Anstrengung und der Flucht aus dem Dschungel hatte sie sich schneller in Face‘ Körper ausgebreitet.

Endlich stieß er mit der Skalpellspitze gegen etwas Metallisches und konnte die Kugel mit einer Pinzette herausziehen. Mehr Blut und Eiter folgten. „Es tut mir so leid. Oh, es tut mir so leid, so leid, so leid“, murmelte er wieder und wieder, sich selbst gar nicht bewusst, dass er die Worte laut aussprach. Er reinigte die Wunde so gut er es vermochte, und begann dann, sie zuzunähen. Nur ein kleiner Spalt blieb offen, in den er ein Stück eines Plastiktrinkhalms schob, den er in seiner Tasche fand und durch den Blut und Eiter abfließen konnten, die sich in der Wunde erneut ansammeln würden, solange die Infektion anhielt. Schließlich bedeckte er das Ganze mit frischen Kompressen und klebte alles sorgfältig fest.

Der Pilot reinigte seine Hände so gut es ging und tastete an Face‘ Kehle nach seinem Puls, berührte seine Stirn. Es fühlte sich an, als würde Face innerlich verbrennen.

Murdock seufzte und strich sanft die schweiß-verklebten, blonden Strähnen aus dem Gesicht seines Geliebten. „Ich hoffe, Hannibal und BA finden uns bald“, flüsterte er, dann beugte er sich vor und küsste Face auf die Schläfe. Er zog zwei Ampullen mit Antibiotika und eine Spritze aus dem Erste-Hilfe-Pack und injizierte sie ihm. Er hoffte, dass sie die Infektion zumindest aufhalten würden, bis sie Face in ein Krankenhaus schaffen konnten, sie reichten aber sicherlich nicht aus, um sie völlig zu stoppen.

Er sollte dankbar dafür sein, dass er zumindest so viel für ihn tun konnte. Hannibal bestand darauf, dass sie immer Fieldpacks bei sich trugen, wie damals in Vietnam. Diese Packs enthielten alles, das man in Notfällen wie diesen zur Erstversorgung brauchte. Aber sie konnten richtige ärztliche Behandlung nicht ersetzen. Und egal, wie groß das Risiko für sie war, Face musste baldmöglichst in ein Krankenhaus. Sollte sich Stockwell darum kümmern, dass die Militärpolizei sie nicht aufstöberte. Sie befanden sich ohnehin nur seinetwegen in dieser Situation.

Als Face nach einer Weile immer noch nicht das Bewusstsein wiedererlangt hatte, steigerte sich seine Sorge fast ins Unermessliche. Er suchte seine Taschenlampe hervor und hob Face‘ Augenlider an. Der Pilot seufzte, als die Pupillen sichtlich zu langsam reagierten.

Es dauerte weitere fünf Minuten, bis sich Face‘ Augen endlich öffneten und er sich panisch umsah – erst als er Murdock sah, schien er sich wieder darauf zu besinnen, wo er sich aufhielt und was passiert war.

Murdock half ihm, sich aufzurichten und lehnte ihn gegen sich. Er schloss das Hemd über die Bandage und schlang dann die Arme fest um ihn. Ein paar Minuten lang saßen sie nur stumm so da und Murdock wiegte sie langsam vor und zurück. Er drückte sein Gesicht in Face‘ Haare, einfach nur froh, dass er ihn lebend in den Armen halten konnte.

Schließlich griff er nach seinem Rucksack und zog eine Wasserflasche heraus, um sie an Face‘ Lippen zu halten.

Face drehte den Kopf weg.

„Na komm’ schon, du musst etwas trinken“, drängte ihn Murdock sanft. „So ist’s gut“, murmelte der Pilot, als Face trank. Er nahm selbst einen Schluck, verstaute dann die Feldflasche wieder. Als er sah, wie Face zitterte, breitete er die Jacke über ihn. Sein Fieber musste weiter ansteigen, denn obwohl es noch drei Stunden bis zum Mittag waren, war es bereits stickig heiß. Unter seiner Lederjacke klebten ihm die Fetzen seines T-Shirts am Rücken. „Ich bin sicher, dass Hannibal uns suchen wird, wenn wir nicht am Rendezvouspunkt auftauchen. Und BA wird schimpfen und murren, dass er wegen uns noch mal durch den Dschungel laufen muss, nur um zu verbergen, dass er sich Sorgen macht“, sagte er leise und begann wieder, den Mann in seinen Armen langsam zu wiegen. Er bemerkte kaum, dass er damit in eine alte Gewohnheit zurückfiel.

Als Face nicht reagierte, legte er zwei Finger unter sein Kinn und drehte sein Gesicht sanft zu sich herum. „Bitte sprich mit mir“, bat er.

Eine Hand hob sich leicht und suchte nach seiner. Froh über zumindest diese Reaktion nahm er Face‘ Finger in seine und drückte sie sanft. Mit der anderen Hand rieb er langsam beruhigende Kreise auf Face‘ Rücken.

„Es tut mir so leid“, flüsterte er wieder. „Wenn du mich nicht aus der Schussbahn gezogen hättest...“

„Hör’ endlich mit dem Quatsch auf.“ Face verabscheute den schwachen Klang seiner Stimme. „Wir müssen uns darauf konzentrieren, dass wir so lange am Leben bleiben, bis Hannibal uns findet.“ Er drehte den Kopf und drückte einen Kuss auf Murdocks Kinn. „Hast du eine Waffe für mich?“, fragte er heiser. Seine war beim Absturz verloren gegangen. Er würde sich besser fühlen, nicht mehr so wehrlos.

Murdock blinzelte, griff in seinen Rucksack und zog eine 9mm hervor, die er durchlud und seinem Geliebten in die Hand drückte.

Face lächelte, als er die Waffe entsicherte. „Danke“, sagte er leise und legte den Kopf zurück an die Schulter des Piloten, während Murdock seine eigene Waffe nachlud. Seine Augen schlossen sich.

Der Pilot hielt ihn fest, als er sah, dass die Erschöpfung die Oberhand gewann und Face in einen unruhigen Schlaf fiel. Er nahm ihm die Waffe aus der Hand, sicherte sie und steckte sie in Face‘ Jacke. Dann legte er die Wange auf Face‘ Kopf und lauschte auf die Geräusche des Dschungels, hoffte auf Hannibal und BAs Auftauchen. Wenn nicht, mussten sie in ein paar Stunden weiter und versuchen, sich bis zum Rendezvouspunkt durch zu schlagen.

Aber er wusste auch, dass es nicht sehr wahrscheinlich war, dass sie so weit kamen. Face war schwer verletzt und er musste so bald wie möglich von hier weg - aber nicht zu Fuß.

Da war ein Geräusch, das sich von den anderen unterschied. Und es kam aus dem Gebüsch, das ihre kleine Lichtung umgab. Vorsichtig ließ er Face zu Boden gleiten, stopfte den Rucksack unter seinen Kopf und näherte sich dem Rand der Lichtung. Die Waffe im Anschlag bog er Zweige auseinander, um besser sehen zu können.

Die Erleichterung ließ ihn fast laut aufstöhnen, als er den Colonel und BA sah. „Hannibal“, flüsterte er. „Bin ich froh, euch zu sehen.“

Die beiden kamen auf ihn zu und Hannibal zog Murdock auf die Beine, der ihn umarmte. Er schob ihn nach einem Augenblick von sich, hielt ihn aber an den Schultern fest, sein Blick glitt über die Blutflecke auf der Kleidung des Piloten. „Bist du okay? Wo ist Face?“, fragte er angespannt.

„Mir ist nichts passiert.” Murdock schüttelte den Kopf. „Face, er… da drüben.“ Er löste sich vom Colonel und eilte voraus. Hannibal nickte BA zu, der am Rand der Lichtung blieb, um Wache zu halten.

Hannibal kniete neben Face nieder, zog die Handschuhe aus und berührte sein Gesicht. Sein Blick flog über seinen bewusstlosen Lieutenant, er schlug seine Jacke und sein Hemd zurück und betrachtete die Bandage. „Bericht, Captain“, sagte er, ohne die Augen von Face zu nehmen.

Murdock holte tief Luft und glitt zurück in die Rolle des Soldaten, als er berichtete, was geschehen war. Dann schwieg er einen Moment. „Wir müssen ihn so schnell wie möglich von hier wegbringen“, bat er und seine Stimme brach.

Hannibals Herz wurde schwer, als er dem Bericht über Face Verletzungen lauschte. „Wie lange schläft er schon?“

Der Pilot zuckte mit den Schultern. „Vielleicht zwanzig Minuten.“

Er spielte mit dem Ärmel seiner Jacke, als Hannibal zu ihm aufsah. „Und du bist wirklich okay?“

Murdock nickte. „Es ist meine Schuld, Hannibal“, sagte er stockend. “Er hat mich weggezogen, sonst hätte mich eine Kugel in den Kopf getroffen. Und wenn ich nicht den Alarm ausgelöst...“

„Komm’ her“, unterbrach ihn Hannibal leise, er streckte die Hand nach ihm aus. Murdock kauerte sich neben ihn auf den Boden. Er legte die Hand an die Wange des jüngeren Mannes. „Ich bin sicher, Face hat dir schon gesagt, dass das Unsinn ist, also werde ich das nicht wiederholen, verstanden? Ich brauche dich jetzt mit klarem Kopf, damit du uns hier wegbringst. Okay? Du musst uns fliegen, aber das kannst du nur, wenn du dich beruhigst. Schaffst du das?” Murdock nickte. „Gut.” Hannibal zog ihn nach vorne und drückte seine Stirn gegen die des Piloten. „Face braucht uns jetzt, das ist das einzige, was wichtig ist.“  

Face stöhnte leise auf und beendete so ihre Unterhaltung. Murdock kniete sich auf seine andere Seite.

Hannibal legte beide Hände um das Gesicht seines Lieutenants. „Face, kannst du mich hören?“

Sie warteten anspannt darauf, dass er die Augen öffnete. Seine Lider flatterten, dann hoben sie sich langsam. „Hannibal?“, murmelte Face.

„Ja, ich bin hier“, beruhigte ihn Hannibal leise, er half ihm vorsichtig in eine sitzende Position, als Face versuchte, sich aufzusetzen. Er bettete ihn gegen seine Brust und drückte einen Kuss auf seine Schläfe. Spürte das Zittern und die Hitze, die von Face Körper abstrahlte. Er senkte den Kopf, so dass seine Wange an der seines Geliebten lag. „Halte durch, wir bringen dich nach Hause.“

Dann sah er auf, wurde wieder zum Colonel, zum Anführer seiner Einheit. „Zeit von hier zu verschwinden.“ Er nickte BA zu, der sie vom Rand der Lichtung aus im Auge behalten hatte und nun näher kam. „Wir sind noch ein gutes Stück vom Rendezvouspunkt und unserem Flugzeug entfernt.“

BA schnitt eine Grimasse, als er das Wort Flugzeug hörte. Dann nickte er. Er wusste, auf die eine oder andere Art würde er am Ende ohnehin in der Maschine landen. Dieses Mal zog er es vor, bei Bewusstsein zu bleiben, um seinen Freunden helfen zu können. „Was ich nicht alles für dich mache, Faceman“, murrte er, doch seiner Stimme fehlte die übliche Grimmigkeit.

Hannibal lächelte unwillkürlich. So sehr BA es auch hasste, zu fliegen, sein Beschützerinstinkt war dieses Mal stärker als seine Flugangst.

BA schob sanft den Piloten zur Seite und beugte sich zu Face hinab, um ihn hoch zu heben. Erwartungsgemäß begann Face zu protestieren, wenn auch mit schwacher Stimme. Doch ein strenger Blick ließ ihn verstummen und sich fügen.

Der Colonel schickte Murdock als Vorhut voran, er selbst folgte BA und Face, versuchte ihre Spur bestmöglich zu verwischen.

Während sie ihren Weg suchten, fühlte BA, dass Face immer mehr zitterte. Sein Fieber stieg, während er in einen unruhigen Schlaf fiel.


* * *


Nach etwa einer Stunde signalisierte Hannibal ihnen, eine kurze Pause einzulegen. BA legte Face sanft auf den Boden und Hannibal schob seinen Rucksack unter den Kopf seines Lieutenants, der die Augen öffnete und sie anstarrte, ohne sie wirklich zu erkennen. Er prüfte seinen Puls und legte die Hand auf seine Stirn, er glühte förmlich. Es war nicht ermutigend. Face ging es schlechter. Murdock zog die Wasserflasche hervor und hielt sie an Face‘ Lippen, während Hannibal leise auf ihn einsprach, um ihn zum Trinken zu ermutigen.

Nach ein paar Minuten der Rast brachen sie wieder auf. Etwa eine halbe Stunde später spürte BA, dass Face‘ Körper in seinen Armen schlaff wurde. Er blieb abrupt stehen und rief leise Hannibals Namen. Sofort war der Colonel an seiner Seite und sie betteten gemeinsam Face vorsichtig auf den Boden. Er tastete nach Face‘ Puls und fluchte, als er keinen finden konnte. Er wechselte einen Blick mit seinem Sergeant und begann mit der Beatmung, während BA versuchte, sein Herz wieder zum Schlagen zu bringen.

Murdock stand wie erstarrt da und beobachtete sie, er hatte die Arme um sich selbst geschlungen, als versuche er sich vor dem Auseinanderbrechen zu bewahren.

Es schien ewig zu dauern, aber in Wirklichkeit verging kaum eine Minute, bis Face wieder aus eigener Kraft zu atmen begann. BA stand auf, ging ein paar Schritte von ihnen weg und drehte ihnen den Rücken zu. Der Pilot nahm seinen Platz an Face‘ Seite ein.

Hannibal sah atemlos Murdock an, sah die Tränen, die über die Wangen des Piloten glitten. „Er wird das schaffen. Ich lasse ihn nicht gehen“, versprach er.

Nach einem Moment ließ Murdock Face‘ Hand los, die er so fest gehalten hatte, wie er nur konnte. Er rappelte sich auf und wischte sich mit den Ärmeln das Gesicht ab.

BA kam zu ihnen zurück, drückte die Schulter des Piloten und nahm dann Face wieder hoch. Er bettete ihn sanft gegen sich, hielt ihn mit so viel mehr Vorsicht und Sanftheit, als man in seinem grimmigen Wesen und seinem großen Körper vermuten wollte.

So schnell es möglich war, legten sie den restlichen Weg zu ihrem Flugzeug zurück.

Während Murdock und Hannibal das Flugzeug von der Camouflage befreiten, brachte BA Face ins Innere. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper. Als die anderen ihm wenig später folgten, hatte er aus einem Schlafsack und ein paar Decken ein Lager bereitet und kniete neben Face, um beruhigend mit ihm zu sprechen.

Murdock lächelte ihm dankbar zu, bevor er sich zu Face hinunter beugte, um ein paar blonde Strähnen zurück zu streichen und ihn auf die Stirn zu küssen. „Du hältst durch, Facey, hörst du? Ich bringe uns in Sicherheit. Du hörst auf Hannibal und BA.“ Er stand auf und ging zum Cockpit.

„Murdock?“

Er zögerte, sah über die Schulter zurück.

„Ich lasse ihn nicht gehen“, wiederholte Hannibal und sah ihn an.

Der Pilot nickte. „Ich weiß“, sagte er leise. Dann eilte er ins Cockpit und fiel schwer in seinen Sitz. Einen Moment lang drückte er fest die Handballen gegen die Augen, holte tief Luft, zwang seine Gefühle zurück. Dann ließ er die Hände sinken und machte sich an die Flugvorbereitungen.

Hannibal durchsuchte ihre Ausrüstung und sammelte alles zusammen, was sie brauchen würden. Dann kehrte er damit zu Face zurück. Mit BAs Hilfe zog er Face die blutgetränkte, schmutzige und zerrissene Kleidung aus. Abgesehen von der Schusswunde wies sein Körper zahlreiche Prellungen vom Absturz auf. Mit zusammengepressten Lippen untersuchte er die provisorische Drainage, die Murdock angelegt hatte. Er injizierte ihm zwei weitere Dosen des Antibiotikums und dann begann er Face in nasse, kalte Tücher zu wickeln, um seine Temperatur zu senken.

BA holte das Fieberthermometer aus dem Erste-Hilfe-Kasten und versuchte bei Face Fieber zu messen, was alles andere als einfach war. Face spuckte das Thermometer immer wieder aus. Schließlich gab BA nach und steckte es unter seinen Arm. Face bewegte sich unruhig, versuchte die kalten, nassen Tücher weg zu zerren, doch die vertrauten Stimmen seiner Freunde beruhigten ihn so weit, dass sie sich weiter um ihn kümmern konnten.

BAs Augen weiteten sich, als er die Temperatur ablas, er reichte es stumm an Hannibal weiter, der leise fluchte, als er sah, dass das Fieber auf 41 Grad gestiegen war. Er biss sich auf die Lippen, für einen Moment sah er von Face weg und zum Fenster, auf die vorbei driftenden Wolken. Er dachte an das Versprechen, dass er Murdock – und sich selbst – gegeben hatte. Er nahm Face in die Arme und hielt ihn fest.


* * *


„Wie lange dauert es noch, Murdock?“

Der Pilot fuhr auf, als BAs Stimme hinter ihm ertönte. Er rieb sich schuldbewusst übers Gesicht, wie konnte er nur einschlafen, während Face um sein Leben kämpfte? Er drehte sich zu BA um und sein Mund wurde trocken, als er den besorgten Ausdruck auf dessen Gesicht sah. „Ist... Noch etwa eine Stunde. Ist mit Face alles in Ordnung?“

BA seufzte. „Sein Fieber ist weiter gestiegen und Hannibal denkt, er könnte in ein Koma fallen. Wir müssen...“

Im gleichen Moment hörten die beiden Hannibal um Hilfe rufen. Murdock sprang auf und folgte BA. Glücklicherweise hatte Stockwell ihnen ein Flugzeug mit Autopilot zur Verfügung gestellt. Er stoppte abrupt, als er sah, dass Face krampfte. Sein Körper zuckte unkontrolliert und Hannibal versuchte erfolglos, seinen Mund zu öffnen.

Die Augen des Piloten weiteten sich, als er das Problem erkannte. Face‘ Lippen waren schon blau angelaufen und Blut tropfte aus seinen Mundwinkeln. Er hatte schon gesehen, wie Leute Krämpfe bekamen und dann nicht mehr atmen konnten oder ihre Zungen verschluckten. So wie es aussah, hatte Face sich auf die Zunge gebissen und ließ jetzt nicht mehr locker. Er warf sich neben ihm auf die Knie und sprach beruhigend auf ihn ein, während er gemeinsam mit Hannibal daran arbeitete, den Krampf seines Kiefers zu lösen. Er drückte seitlich gegen sein Gesicht, während der Colonel Druck unterhalb des Kinns ausübte. Schließlich gelang es ihnen, seinen Mund zu öffnen. Der Pilot schob seine Hand in Face Mund und presste die Lippen zusammen, als sich beim nächsten Krampfanfall Zähne in seine Finger gruben.

Es waren nur einige Minuten, aber es kam ihnen wie eine Ewigkeit vor, bis der Krampf vorbei war und Face‘ Körper langsam still wurde. Sekundenlang öffnete Face die Augen, starrte sie an ohne einen Funken von echtem Erkennen zu zeigen, bevor er wieder erschöpft in einen tiefen ohnmachtsähnlichen Schlaf zurückfiel.

Der Pilot seufzte, zog seine Hand zurück und strich mit der anderen über das blonde Haar. „Bitte halt’ durch“, flüsterte er. „Ich brauche dich.“


tbc
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