~Lost~

GeschichteDrama, Familie / P16
OC (Own Character) Suga
09.02.2019
13.06.2019
40
83969
12
Alle Kapitel
129 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
„Mama wer ist eigentlich mein Papa?“, fragt die kleine Yuna Elise aufgeregt. Es ist nicht das erste Mal, dass sie fragt. Sie fragt relativ oft danach. Es liegt allerdings daran, dass sie die Antwort meistens wieder vergisst. Dieses Mal fragt sie, weil sie gerade das Thema Familie in der Schule haben. Natürlich gibt es bei ihr in der Klasse auch Kinder, die nur bei ihrer Mutter wohnen, aber alle wissen wer ihr Vater ist. Alle wissen es außer sie. Ihre Mutter geht vor ihr in die Hocke, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein. Sanft streichelt sie eine, aus dem Zopf lose gegangene, Strähne hinter das Ohr ihrer Tochter und sagt mit sanfter Stimme „Es ist nicht wichtig wer dein Vater ist. Es ist nur wichtig das ich deine Mutter bin, die dich vom ganzen Herzen liebt. Okay?“ Yuna muss noch etwas überlegen, aber schließlich nickt das sieben jährige Mädchen zustimmend. Danach drückt sie ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und verschwindet lachend in ihrem Zimmer.

Ihre Mutter lässt sich seufzend auf die Couch fallen. Irgendwann muss sie ihrer Tochter die Wahrheit sagen, doch noch ist es zu früh. Außerdem hat sie keine Ahnung wie sie es dann anstellen soll. Wie erklärt man seinem Kind, das man sich nicht mehr an den Vater erinnern kann? Dass man keine Ahnung hat wie dieser überhaupt aussieht und man nur eine Vermutung hat wer er überhaupt ist. Es ist schon schwer für sie selbst damit klar zu kommen, wie soll es dann erst ihre Tochter schaffen?
Den Leuten, die sie Fragen wer der Vater ihrer Tochter ist, sagt sie immer nur das er ein One-Night-Stand war. Dass sie keinem Namen von ihm bekommen hat und er sich auch nicht weiter für sie nach dem Sex interessiert hat. Die Leute akzeptieren diese Antwort, denn das ganze kommt ja nicht selten vor.
Sie selbst weiß aber nicht einmal ob es die Wahrheit ist oder nicht. Doch eigentlich kann sie sich nicht vorstellen das sie zu sowas in der Lage war, zumindest ist sie es jetzt nicht.  Genau kann sie es natürlich nicht sagen, denn sie erinnert sich an nichts. Sie erinnert sich auch nicht an ihre Familie oder Freunde. Ihre Erinnerungen reichen nur noch zu dem Zeitpunkt zurück als sie im Krankenhaus aufgewacht ist. Sie weiß nicht einmal was zu ihrem Unfall geführt hat. Natürlich weiß sie das es kein Unfall war, aber so sagt sie es immer den anderen, denn sie weiß ja nicht mehr welche Gründe sie dazu gebracht haben den Hügel herunter zu springen. Doch sie kann es einfach nicht glauben, dass sie sich mit keiner Faser an den Erzeuger ihrer Tochter erinnern kann. Diese Fehlenden Erinnerungen machen sie kaputt, doch lässt sie es sich nicht von ihrer Tochter anmerken. Vor ihr will sie als starke beschützende Mutter dastehen und nicht als die gebrochene Person, die sie eigentlich ist.
Die Tatsache das sie allein ist macht sie genau so kaputt. Sie ist einfach immer allein. Natürlich hat sie Freunde, doch es ist nicht dasselbe als wenn man einen Partner hätte. Sie hat niemanden mit dem sie ihre Liebe teilen kann, ausgenommen ihrer Tochter natürlich. Jedoch ist das nicht das gleiche, denn sie liebt Yuna eben wie eine Mutter ihre Tochter lieben sollte. Doch sie möchte so eine Liebe wie sie in den ganzen Romanzen gezeigt wird. Sie möchte ihr Herz an einen Mann verlieren, der um sie kämpft. Allerdings weiß sie ganz genau das sowas nie passieren wird. Es ist nicht so dass sie hässlich ist, nein eigentlich ganz im Gegenteil, sie ist eine recht attraktive Frau für ende zwanzig. Doch sie ist Realistin, sie weiß das es die große Liebe nur in Filmen und bei ihren Freundinnen Lisa und Dahlia gibt. Außerdem gibt es noch das Problem, das sie keine Gefühle für Männer aufbauen kann. Natürlich kann man jetzt auch sagen, dass sie bestimmt lesbisch ist, doch da sie das ausprobiert hat kann sie das hundertprozentig verneinen. Es gibt einfach niemanden auf der Welt der dafür sorgt das ihr Herz anfängt schneller zu schlagen. Es ist fast so als hätte sie denjenigen, den sie vor langer Zeit voll und ganz geliebt hat, ihre ganzen Gefühle gegeben und nie wiederbekommen.




7 Jahre später



„MAMA WER IST MEIN VATER!“ Yuna ist außer sich. Warum kann ihre Mutter ihr nicht einfach sagen wer ihr Erzeuger ist? Was ist daran so schlimm? Mittlerweile hat sie sich schon so viele Gedanken darüber gemacht, warum sie es ihr nicht sagen will. Sie hat sich innerlich schon auf jede Antwort vorbereitet, selbst das er ein Mörder ist, doch sie soll es ihr endlich sagen. Yuna schnaubt wütend die Luft aus ihren Lungen raus und guckt dann ihre Mutter ganz genau an. Diese hat sich mittlerweile auf die Couch gesetzt und ist komplett in sich zusammengesunken. Sie sieht dabei so zerbrechlich aus wie sie so dasitzt. Yuna hat ihre Mutter noch nie so kaputt gesehen. Sofort tut es ihr leid, dass sie ihre Mutter so angeschrien hat und setzt sich deswegen neben ihr. Dann legt sie einen Arm um sie und zieht sie zu sich ran. Als der Kopf ihrer Mutter auf ihrer Schulter landet spricht sie leise zu ihr „ich werde nicht zu ihm gehen. Ich werde immer bei dir bleiben, egal wer er ist. Und ich liebe dich Mama, ich hoffe du weißt das. Es ist nur einfach so dass es mich fertig macht, dass ich nicht weiß wer mein Vater ist. Alle Kinder wissen wo ihre Wurzeln herkommen, alle außer ich. Außerdem kommt es mir so vor das du es mir auch gar nicht sagen möchtest.“ Es dauert ein paar Sekunden bis sich ihre Mutter bewegt. Langsam hebt diese ihren Kopf und blickt Yuna genau an. Diese fallen natürlich sofort die Tränen auf, die ihrer Mutter über die Wangen laufen. Jetzt, wie Yuna sieht das ihre Mutter so leidet tut es ihr nur noch mehr leid, sie so angefahren zu haben.

„Es ist nicht so dass ich es dir nicht sagen möchte“, fängt ihre Mutter zögerlich an zu reden. Ihre Tochter runzelt verwundert die Stirn. Was will sie ihr denn damit sagen? Wenn sie es ihr hätte sagen wollen, warum hat sie es dann noch nicht gemacht? Das ergibt doch alles keinen Sinn. „Es ist nur… ich… ich weiß nicht wer dein Vater ist.“

Stille tritt ein und Yuna kann gar nicht glauben was sie da gerade gehört hat. Was sie auch nicht glauben kann ist das, was sie gerade sieht. Noch nie in ihren Leben hat sie ihre Mutter weinen gesehen, doch nun ist das unvorstellbare eingetreten. Was soll Yuna jetzt nur tun? Es tut ihr weh ihre Mutter so verletzt zu sehen. Darum drückt sie sie einfach noch näher an sich heran. „Was meinst du damit?“ fragt sie ihre Mutter zögerlich, da Yuna Angst hat sie noch mehr zu verletzen. „Kannst du dich daran erinnern, dass ich dir mal erzählt habe, dass wo ich mit dir Schwanger war einen Unfall hatte und deswegen bis zu deiner Geburt im Krankenhaus bleiben musste.“ Die Stimme ihrer Mutter ist nun nur noch hauchdünn, als könnte sie jeden Augenblick kaputt gehen. Natürlich erinnert sich Yuna an diese Geschichte, schließlich hatte diese ihre Mutter ihr relativ oft erzählt. „Du weißt auch das ich dabei ein paar Sachen vergessen habe?“ Wieder kann Yuna nur nicken. „Ich habe damals auch vergessen wer dein Vater ist. Da sich bis heute auch noch keiner bei mir gemeldet hat, der mir irgendwie gesagt hat das er dein Vater ist oder damals mein Freund war, weiß ich es nicht. Ich gehe deswegen davon aus das ich ihm einfach nichts bedeutet habe.“ Yuna muss schwer schlucken, als sie das von ihrer Mutter hört. Es hat ihr komplett die Sprache verschlagen weswegen sie nur nickt. In diesen Augenblickt schwört sie sich, dass sie ihre sonst so starke Mutter nie wieder so zerbrochen sehen will. Darum wird sie diese auch niemals wieder nach ihrem Vater befragen.

Wenn seit diesem Augenblick außenstehende nach ihrem Vater fragen, sagt sie dasselbe wie ihre Mutter auch immer. Es war ein One-Night-Stand und er will nichts von ihr wissen.

Yuna hat seit diesem Gespräch mit der Sache Vater abgeschlossen, auch wenn sie gerne wissen möchte woher ihr asiatischer Teil kommt. Da sagt ihre Mutter immer, dass sie glaubt das er aus Korea kommt, doch sicher kann sie sich da natürlich nicht sein. Doch es gibt noch so viel mehr das sie wissen möchte. Was hat sie von ihm? In welcher Hinsicht ist sie ihm ähnlich oder ist sie das komplette Gegenteil von ihm. Doch das wird sie nie erfahren.

Es hat einige Zeit gedauert bis sie akzeptiert hat das ihre Familie eben anders ist als die anderen. In ihrer Familie gibt es nur sie und ihre Mutter. Das muss reichen, zumindest sagt sie das immer wieder zu sich selbst. Allerdings weiß sie genau, dass ihr sehnsüchtiger Wunsch ist ihr Vater einmal kennen zu lernen. Vielleicht erfüllt er sich ja doch irgendwann. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt.
Review schreiben