so i stay the night

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Jason DiLaurentis Mike Montgomery
09.02.2019
09.02.2019
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burning bridges
Blow out all the candles, blow out all the candles
You're too old to be shy, he says to me, so I stay the night


Pairing: Mike Montgomery x Jason DiLaurentis
Wordcount: 1816
Warnings: Alkoholkonsum, Depressionen (angedeutet)


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so i stay the night




Er weiss selbst nicht genau, warum er hier ist, was er hier macht, ausgerechnet bei ihm, er weiss nur, dass auch nicht einfach zuhause in seinem Zimmer bleiben konnte, wo die Welt um ihn herum doch gerade von allen Seiten auf ihn einstürzt.

Es ist nur, vielleicht ist es falsch, dass er jetzt bei den DiLaurentis' auf der Veranda steht und sich nicht traut den Klingelknopf zu betätigen, weil er doch gar nicht weiss, ob er sich lieber wünschen sollte, dass Jason wirklich da ist, oder ob es nicht vielleicht besser ist, dass ihm niemand die Tür öffnet und er mit etwas Glück vielleicht wieder ungesehen verschwinden kann.

(Aber es ist auch so, dass sein Herz jedes Mal ein bisschen schneller schlägt, wenn er nur an Jason denkt. Und das tut er eigentlich ständig, wirklich. Wenn er endlich mal ein bisschen ehrlich zu sich selbst ist, dann kreisen seine Gedanken seit einer ganzen Weile nur noch um ihn.)

Doch als er jetzt im schummrigen Dämmerlicht der Glaslaternen auf Jasons Veranda steht überkommen ihn doch wieder Zweifel. Vielleicht war es doch nicht richtig ausgerechnet hierher zu kommen.
Was zur Hölle mache ich hier?, denkt er und lässt seine gerade erst erhobene Hand unverrichteter Dinge wieder sinken. Ein paar Sekunden lang steht er unschlüssig vor der verschlossenen Haustür und trippelt nervös von einem Bein aufs andere. Vielleicht ist es besser einfach wieder zu verschwinden.

Er hat sich gerade wieder umgedreht und es noch nicht mal eine Stufe der Veranda herunter geschafft, als hinter ihm die Tür aufgerissen wird.

»Verschwindet endlich, ihr sensationsgierigen Scheisskerle! Meine Familie hat genug durchgemacht, reicht es euch - Du?! Was willst Du denn hier?«

Langsam dreht Mike sich um, den Blick starr zu Boden gerichtet, weil er sich nicht traut Jason in die Augen zu sehen.
»Ich - wollte mich entschuldigen.«

(Und eigentlich will ich auch noch so viel mehr.)

-

Jason sagt nichts, er mustert ihn nur kühl und abschätzig und führt in schweigend ins Wohnzimmer.
»Meine Eltern sind nicht da, Du wirst also mit mir Vorlieb nehmen müssen.«

Mike schluckt, sein Blick huscht unsicher zwischen Jasons Gesicht und dem dunklen Holzboden hin und her. »Jason, ich.«

Doch dieser schüttelt nur ungeduldig den Kopf. »Du musst Dich nicht entschuldigen. Das hat Deine Schwester schon getan. Auch, wenn ich es bevorzugt hätte, dass Du soviel Anstand gezeigt hättest und von selbst zu mir oder meinem Dad gekommen wärst.«

»Ich weiss. Aber ich will mich trotzdem entschuldigen. Mir ist jetzt erst klar geworden, was ich da eigentlich getan habe und was für einen riesengroßen Mist ich gebaut habe.«

Jason verschränkt die Arme vor der Brust und lehnt sich lässig gegen die Wand. »Was hat Dich zu dieser weisen Einsicht kommen lassen?«

Mike verzieht das Gesicht und fährt sich unsicher mit der Hand durch die kurzen, braunen Haare.
»Ich weiss nicht, nachdem sie mich aus dem Lacrosse Team geworfen haben, hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Und mir ist - einiges klar geworden. Dass ich viel Scheisse gebaut habe und mich wie ein idiotisches Arschloch aufgeführt habe.«

»Das kann man wohl sagen.«

Seufzend stößt Jason sich von der Wand ab und geht mit langen Schritten auf das Sofa zu. »Setz Dich, Mike«, fügt er in etwas freundlicherem Tonfall hinzu und setzt sich neben ihn auf das Sofa.
»Warum hast Du mit den Scheiß überhaupt erst angefangen? Ich meine, Du bist doch kein Idiot, Mike. Und kein abgebrühter Profi Einbrecher.«

Mike schweigt eine Weile, bevor er zögerlich antwortet. »Ich weiss nicht genau. Es war einfach alles zu viel Zuhause, die ständigen Streitereien zwischen meinen Eltern, die Spannungen wegen Arias Beziehung zu Ezra, Mums Auszug. Das war irgendwann einfach alles zu viel. Ich wusste nicht, was ich machen sollte, aber ich musste diesen Druck in mir irgendwie loswerden.«

Jason sieht ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an. »Und da ist Dir nichts besseres als klauen eingefallen?«

Unsicher zuckt Mike mit den Schultern. »War jedenfalls besser, als ständig irgendwen zu verprügeln.«

Gegen seinen Willen muss Jason lachen. »Ja, wenn man es so betrachtet, ist da wohl was dran.« Doch schließlich wird er wieder ernst. »Mike, ich finde es gut, dass Du die Eier hattest, zu mir zu kommen und Dich zu entschuldigen. Wirklich. Das ist ein guter Anfang, aber eben nur ein Anfang.«

Ernst sieht er Mike in die Augen. »Du brauchst Hilfe. Jemanden, der Dir zeigt, wie Du mit dem Druck in Dir, wie Du es nennst, fertig wirst. Sonst gibt es keine Garantie dafür, dass Du bei der nächsten Krise nicht wieder in irgendwelche Häuser einsteigst, oder nicht doch noch irgendwann zuschlägst. Denn das nächste Mal könntest Du an den falschen geraten. Jemand anders ist vielleicht nicht so verständnisvoll wie ich.«

Niedergeschlagen erwidert Mike seinen Blick und nickt. »Ich weiss. Ich will das auch nicht mehr, aber - ich weiss nicht wie. Ich habe Angst, Jason. Ich habe Angst irgendwann vollkommen die Kontrolle zu verlieren.«

Nachdenklich fährt Jason sich mit den Fingern durch die Haare. »Das verstehe ich. Du solltest mit Deinen Eltern reden.«

»Mum und Dad werden völlig ausrasten. Dad versteht sowieso nie irgendwas. Ich will nicht, dass sie sich wieder streiten und Mum dann vielleicht … gar nicht mehr zurück kommt.«

Aus einem Impuls heraus legt Jason leicht seine Hand auf Mikes Knie. »Vielleicht hilft es ja, wenn ich dabei bin. Und wir zusammen versuchen ihnen zu erklären, was Du gerade durchmachst und warum Du es getan hast. Ich habe früher auch viel Scheisse gebaut, glaub mir, damit kenne ich mich aus.«

Erstaunt sieht Mike ihn an und kann nicht verhindern, dass sein Herz erneut ein bisschen schneller schlägt. »Das würdest Du wirklich tun?«

Jason nickt entschlossen. »Ich kann Dir nicht versprechen, dass es viel nützt. Aber einen Versuch ist es wert.«

»Danke«, erwidert Mike leise und Jason knufft ihm aufmunternd gegen das Knie.

-

»Mike?«

»Hmm?«

»Du hast vorher noch mit niemandem darüber geredet, oder? Wie sehr Dich die Trennung Deiner Eltern fertig macht?«

Hilflos schüttelt Mike den Kopf. »Nein. Weisst Du, irgendwie habe ich Angst, dass sie mich irgendwann zerreissen. Ich habe das Gefühl alle zerren an mir rum. Dad der irgendwas will, Mum, die genau das Gegenteil will und Aria, die sich eh nur um ihren wertvollen Ezra kümmert. Und ich stehe in der Mitte und habe Angst zu explodieren, weil alles einfach irgendwie zu viel ist.«

Einen kurzen Moment lang sieht Jason ihn nur an, und in diesem Moment erkennt Mike, dass Jason versteht, wirklich versteht, wie schwer das alles auf seinen Schultern lastet und es ihm fast die Luft zum Atmen nimmt.

»Sind Deine Eltern zuhause?«

Mike schüttelt den Kopf und nestelt unsicher an den Ärmeln seines Pullovers. »Nein. Meine Eltern sind heute Abend nicht da und Aria ist bei Fitz und -.«

»Dann bleib heute Nacht hier.«

-

Lächelnd reicht Jason ihm ein Bier und Mikes Finger zittern ein bisschen, weil ihre Hände sich leicht berühren, als er es entgegen nimmt.
»Danke«, sagt er und hat das Gefühl, dass seine Wangen ein helles Rosa annehmen, als er Jason ansieht.

»Hey, glaub ja nicht, dass das hier, also Bier, Alkohol, die Lösung für all Deine Probleme wäre, aber naja. Manchmal hilft es einfach mit einem Freund zusammen zu sitzen und abzuschalten«, meint Jason bevor er sich neben Mike auf das Sofa setzt, nah genug, dass Mikes Herz wieder anfängt zu flattern.

»Ich weiss, aber trotzdem danke. Für heute Abend, fürs Zuhören, für - Du weisst schon.«

Jason nickt nur und legt ihm kurz eine Hand auf die Schulter. »Ist schon okay.«

-

»Weisst Du«, meint ein inzwischen schon recht angetrunkener Jason ein paar Stunden später, wie viel später, wissen sie nicht genau, denn nach dem dritten Drink haben sie einfach aufgehört zu zählen. »Ich glaube, ich kann Dich nur allzu gut verstehen. Dieses Gefühl, wenn einem einfach alles zu viel wird und man einfach ausbrechen will, raus aus dem ganzen Mist hier, raus aus Rosewood, und einfach nur weg. Ganz weit weg.«

Mike sieht ihn an und weiss nicht so richtig, was er sagen soll, also nimmt er nur einen großzügigen Schluck von seinem Bier.
Doch Jason scheint auch keine Antwort zu erwarten, stattdessen starrt er nur in die tänzelnden Flammen der Kerzen vor ihnen, die sie aus irgendwelchen Gründen angezündet haben. Mike erinnert sich nicht mehr, wann das geschehen ist und schon gar nicht warum. Und eigentlich ist es ihm auch egal.

Während sein Herz sich seltsam leicht anfühlt, ist sein Kopf ungewohnt schwer, und eigentlich will er sich nur nach hinten gegen das Sofa lehnen, doch irgendwie ist er mittlerweile so unkoordiniert, dass sein Kopf die Lehne verfehlt und stattdessen auf Jasons Schulter landet. Vielleicht war das letzte Bier doch zu viel. Oder er ist einfach zu übermüdet. Oder beides.

Jason wirft ihm einen schiefen Blick zu und seine Lippen verziehen sich zu einem Grinsen. »Machst Du schon schlapp?«

Mike murmelt etwas unverständliches und schlingt ohne nachzudenken seine Arme um Jason, weil sich in seinem Kopf plötzlich alles dreht.

»Okay, Du machst schlapp«, lacht er, legt die Arme um Mike und versucht ihn wieder in eine sitzende Position zu bringen.

Bei der Berührung geht ein Prickeln über Mikes Haut und ohne weiter nachzudenken, lehnt er sich schwankend vor und drückt seine Lippen auf Jasons.

-

Als ihm klar wird, was er da gerade eigentlich tut, reisst er erschrocken die Augen auf und zieht sich zurück. »Oh mein Gott, es tut mir leid, Jason. Ich weiss nicht, was da gerade in mich gefahren ist.«

Doch Jason lacht nur leise. »Ich glaube, ich weiss ganz genau, was da gerade in Dich gefahren ist.«
Und bevor Mike noch etwas sagen kann, legt er die Hände in seinen Nacken, zieht ihn an sich und küsst ihn.

Es ist, als würden all die geheimen Träume und verborgenen Sehnsüchte in Mikes Herz sich in diesem Moment in diesem einen Kuss Bahn brechen. Er presst sich fest an Jason, seine Finger verfangen sich in blonden Haaren und er verliert sich.

Langsam lässt Jason seine Hände unter Mikes Pullover gleiten und streicht leicht über seine Brust, was Mike ein leises Seufzen entlockt.

»Puste die Kerzen aus« wispert Jason in sein Ohr. »Du bist zu alt, um schüchtern zu sein.«
Er zögert, woraufhin Jason kurz an seinem Ohrläppchen knabbert. »Mach schon, puste die Kerzen aus.«

Ein Lächeln legt sich auf seine Lippen, als er sich kurz von Jason löst und nach einem letzten nachdenklichen Blick in die Flammen die Kerzen löscht.

-

»Ich bin froh, dass ich geblieben bin.«

»Ich bin auch froh, dass Du geblieben bist.«

-

Vielleicht ist es eine einmalige Sache, vielleicht werden sie es morgen, wenn sie wieder vollkommen nüchtern sind, beide bereuen. Doch als sie sich gegenseitig die Lippen wund küssen und verzweifelt aneinander klammern, weil sie vielleicht doch beide einfach nur ein bisschen Halt in ihrer sturmgepeitschten Welt brauchen, weil Rosewood eben nicht nur ein friedliches kleines Städtchen ist, sondern für manche sehr wohl die Hölle auf Erden sein kann, ist es vielleicht wirklich einfach egal.

Für den Moment ist alles gut so, wie es ist.
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