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blessings wait for you

OneshotAngst, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Felix
09.02.2019
09.02.2019
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Heyhey,
ein paar Worte zum Anfang, bevor ich euch mit der Story alleine lassen. Ursprünglich habe ich diesen OS als Geburtstagsgeschenk für meine jüngere Schwester auf Englisch geschrieben (das Original kann hier gefunden werden). Nach einer halben Ewigkeit habe ich die Story jetzt endlich auch auf Deutsch übersetzt. Die Geschichte ist gespickt mit Anspielungen auf Lieder und Musikvideos (angefangen mit dem Zitat ganz am Anfang, das ist aus Broken Compass von 3Racha). Wer alle findet gewinnt nix, mal abgesehen davon, dass es mich sehr freut^^
Und jetzt wünsche ich euch einfach viel Spaß beim Lesen :3

~


"as long as I stay with my heart

I can rely on a broken compass"



Oben auf dem Dach fühlt Felix sich so lebendig wie sonst nirgendwo. Es fühlt sich nach zu Hause an. Wahrscheinlich sehen die anderen acht das genauso, obwohl niemand von ihnen es jemals wirklich ausspricht. Sie müssen es nicht als zu Hause betiteln, nur damit es sich wie eines anfühlt. Felix weiß nicht genau, wann und wie die anderen das verlassene Schulgebäude gefunden haben. Als er zu ihnen gestoßen ist, hatten sie sich bereits einen Unterschlupf auf dem Dach aufgebaut. Aber er hat ein paar Bilder davon gesehen, wie dieser Ort früher einmal ausgesehen hat. Seungmin hat wohl sowas wie ein Faible für Photographie. Er hatte ein ganzes Album gefüllt mit Bildern des Daches in verschiedenen Phasen und ein paar Bilder von der Gruppe zusammen auf dem Dach. Er hat Felix auch das erste Bild gezeigt, das er jemals hier oben geschossen hat, bevor sie sich hier ihre zweite Heimat aufgebaut haben. Alt, schmutzig und irgendwie kalt. Sie haben alle versucht diese Kälte mit so vielen kaputten, alten Sofas, auf denen man aber noch gemütlich sitzen kann, einem Berg aus Kissen und Decken, bei denen keine zur anderen passt und mehreren Lichterketten zu vertreiben. Es ist gemütlich hier oben. Gemütlich genug, um dafür zu sorgen, dass einige von ihnen regelmäßig die Nacht in ihrem kleinen Versteck auf dem Dach verbringen. Ein paar von ihnen schlafen sogar ab und zu hier. Felix hat noch nie eine ganze Nacht hier verbracht, aber er weiß, dass die anderen es gelegentlich tun. Ein paar von ihnen, so wie Chan und Changbin zum Beispiel, wohnen quasi hier oben. Sie kommen immer als erste an und gehen als letzte. Wenn sie überhaupt gehen. Also ist Felix auch überhaupt nicht überrascht, dass Chan bereits auf dem Dach ist, als er ankommt.
Chan kniet auf dem Boden, mit dem Rücken zu Felix und bastelt an einem alten Fernseher herum, den er und Woojin vor ein paar Tagen die Treppe hoch getragen haben. Obwohl er in die andere Richtung schaut erkennt Felix ihn sofort. Mit den wasserstoffblond gebleichten Haaren sticht Chan überall heraus. Und selbst, wenn er die Haare unter der Kapuze seiner dunklen Jacke verstecken würde, würde Felix ihn wahrscheinlich trotzdem erkennen. Niemand außer Chan würde früher kommen nur um zu versuchen einen alten Fernseher wieder zum Laufen zu bringen. Außer ihnen ist noch niemand hier.
Glaubst du wirklich, du kannst das verdammte Ding retten?“, fragt Felix auf Englisch. Er macht sich nicht die Mühe, seine Anwesenheit wirklich anzukündigen, Chan ist eh zu sehr mit dem Fernseher beschäftigt. Er schaut nur für einen Moment über seine Schulter und nickt Felix knapp zu.
Hey Mate, wie geht's?“, fragt er, ebenfalls auf Englisch mit einem breiten australischen Akzent und dreht sich dabei schon wieder zu dem Fernseher um. Anscheinend hat er es wenigstens schonmal geschafft ihn anzuschalten, der Bildschirm knistert statisch. Sie haben hier oben Strom, dank einem alten Benzingenerator, den sie im Keller gefunden und wieder zum Laufen gebracht haben. Angeblich hat Hyunjin, der auf dem besten Weg ist sowas wie ein Elektrotechniker zu werden, das Ding repariert. Wenigstens reicht es, um die Lichterketten mit Strom zu versorgen und die paar anderen Dinge zu betreiben, für die sie Strom brauchen. Sie haben so etwas wie eine kleine Küchenzeile mit einem Wasserkocher und einer Mikrowelle, die sie ab und zu benutzen. Es gibt auch einen Ofen und einen Kühlschrank, die allerdings beide nicht funktionieren und mehr wie ein Regal benutzt werden. Beide sind mit Sprühfarbe beschriftet. Ein paar Wochen zuvor, als Felix noch ganz neu hier war, war Jeongin, ihr jüngstes Mitglied, gerade dabei sich auf einen Vokabeltest in Englisch vorzubereiten. Also hat Chan eine Sprühdose genommen und ist damit auf dem Dach herumgegangen um alles was ihm in den Weg gekommen ist mit englischen Namen zu beschriften. Englisch ist seine Muttersprache, er kommt aus Australien, genau wie Felix auch. Vielleicht ist es das, was ihn dazu gebracht hat, Chan überhaupt anzusprechen. Der breite, warme Akzent den er manchmal absichtlich benutzt, erinnert Felix an seine Heimat. Daran, wie seine Schulfreunde früher mit ihm und miteinander gesprochen haben. Wahrscheinlich merkt Chan, dass seine Stimme für Felix irgendwie tröstlich ist und spricht deshalb immer mit einem extra breiten Akzent, wenn sie sich unterhalten.
Oi! Hörst du mir überhaupt zu?“ Chans Stimme schneidet durch Felix Gedanken und holt ihn in die Realität zurück. Chan kniet immer noch auf dem Boden vor dem Fernseher, aber jetzt schaut er zu Felix auf, vielleicht ein kleines bisschen irritiert. Aber es reicht, um eine heiße Welle von Scham durch Felix ganzen Körper zu senden. Er hatte schon immer die Angewohnheit in Gedanken verloren zu sein. Er ignoriert die Leute um sich herum nie wirklich mit Absicht, aber manchmal fangen seine Gedanken einfach an zu wandern. Und er weiß, dass alle um ihn herum inzwischen unglaublich genervt davon sein müssen, aber er kann nicht wirklich etwas dafür.
Sorry, könntest du das nochmal sagen?“, murmelt er. Er kann spüren wie Scham sein Gesicht glühend rot anmalt. Chan seufzt, dann steht er auf und wuschelt Felix einmal durch die Haare.
Ich hab gesagt, dass wir damit wahrscheinlich nicht wirklich fernsehen können, aber vielleicht könnten wir DVDs abspielen. Oder wir könnten irgendeine Konsole anschließen, hat Jeongin nicht neulich gemeint, dass sein Bruder ihm eine alte PlayStation vermacht hat? Die könnten wir mal probieren.“
Klingt cool“, meint Felix. Seine Gedanken treiben bereits wieder in eine andere Richtung aber dieses mal lässt Chan ihn. Er kniet sich wieder auf den Boden um an dem Fernseher rumzubasteln, während Felix sich auf dem Dach umschaut. Im Laufe der Zeit haben sie hier oben alles mögliche an Krempel angesammelt. Die meisten Sachen sind entweder alt, kaputt oder beides, aber erfüllen trotzdem noch irgendeine Funktion. Mittig auf dem Dach steht ein altes Trampolin, ohne ein Netz drum herum, das sie auffangen könnte, wenn sie zu wild darauf herum springen. Es ist die neueste Ergänzung zu ihrer Sammlung. Anscheinend hat Minho es irgendwo gefunden und es hat vier von ihnen gebraucht um es in Einzelteile zerlegt das enge Treppenhaus hinaufzutragen.
Hinter Felix schwingt die Tür zum Dach auf und trifft mit einem lauten Knall auf die Wand während Changbin und Jisung das Dach betreten, Jeongin ist zwischen ihnen eingequetscht. Chan steht auf um die drei zu begrüßen und Felix bleibt zurück und beobachtet nur etwas verlegen, wie sie sich umarmen. Er ist erst vor ein paar Monaten nach Korea gezogen und es ist nicht einmal ganz einen Monat her, dass er sich mit Chan angefreundet hat und in seinen Freundeskreis gezogen wurde. Und obwohl die anderen alles getan haben, um sicherzugehen, dass Felix sich bei ihnen willkommen fühlt, kommt er sich manchmal immer noch ein bisschen wie ein Außenseiter vor. Als er noch mehr Probleme damit hatte, Koreanisch zu sprechen, haben die anderen sich sogar bemüht, mehr Englisch zu reden. Er hat immer noch ein paar Schwierigkeiten mit der Sprache, aber es ist nicht mehr ganz so offensichtlich. Jedenfalls hofft er es. Zumindest bemüht er sich jetzt die ganze Zeit Koreanisch zu reden. Außer wenn er mit Chan alleine ist.
Jeongin ist der erste, der zu ihm kommt und ihn mit einer Umarmung attackiert, obwohl Felix versucht hat, diese Art von Begrüßung zu vermeiden. Changbin schließt sich schnell an und legt einen Arm um Felix Schultern, während er ihn begrüßt und Jisung winkt ihm wenigstens einmal zögerlich zu. Felix winkt genauso verunsichert zurück. Irgendwie hat Felix das Gefühl, dass Jisung ihn nicht wirklich mag. Es ist nicht so, dass sie überhaupt nicht miteinander klar kommen. Sie reden nur nicht wirklich miteinander, wenn sie alleine sind. Und für Felix ist es schwierig, Jisung einfach anzusprechen. Anfangs konnte er ihn ehrlich gesagt auch nicht wirklich leiden. Als er zum ersten mal bemerkt hat, dass Jisung ab und zu ein wenig Make-up um die Augen trägt, hat er ihn für eitel gehalten. Vielleicht ein bisschen arrogant. Er ist der einzige in der Gruppe, der regelmäßig Make-up trägt um „seine Makel abzudecken“ oder so. Es ist ein bisschen merkwürdig und Felix weiß nicht genau, was er davon halten soll. Außerdem hat er das Gefühl, dass Jisung ihm irgendwie aus dem Weg geht. Was noch viel seltsamer ist, wenn man mal darüber nachdenkt, wie anhänglich Jisung sonst ist. Eigentlich sind die meisten hier relativ anhänglich, die meisten Nächte auf dem Dach verbringen sie alle zusammengedrängt auf schmaler Fläche oder in kleine Gruppen aufgeteilt, die sich in provisorischen Lagern aus Decken und Kissen zusammenkuscheln. Aber Jisung behält immer eine gewisse Distanz zwischen sich selbst und Felix. Anfangs dachte er, dass Jisung einfach nur ein bisschen unsicher gegenüber Fremden ist, aber inzwischen ist er sich beinahe sicher, dass Jisung ihn nicht leiden kann. Aber wenigstens versucht er freundlich zu sein, damit es nicht unangenehm für den Rest der Gruppe wird, die Felix längst wie einen von ihnen behandeln.
Kommen heute alle?“, fragt Changbin in Chans Richtung, sein Arm immer noch locker um Felix Schulter gelegt. Changbin war einer der ersten hier, der sich Felix wirklich geöffnet hat. Was irgendwie überraschend war. Auf den ersten Blick fand Felix Changbin beinahe schon furchteinflößend. Mit seinen dunklen Klamotten, der anrasierten Augenbraue, dem ständigen Todesblick und seiner ich trage schwarz bis es was schwärzeres gibt Lebenseinstellung. Aber sobald Felix in näher kennengelernt hat, hat er festgestellt, dass Changbin so ziemlich das Gegenteil von dem ersten Eindruck ist. Chan schaut von dem Schulbuch auf, das er Jeongin abgenommen hat. Natürlich hatte Jeongin ein Schulbuch dabei. Der Junge ist ein kleiner Streber und immer irgendwie mit Schulaufgaben beschäftigt, selbst wenn sie sich am Wochenende treffen.
Klar, immerhin ist Freitag, also denke ich mal, dass heute alle kommen. Minho und Seungmin haben mir schon gesagt, dass sie wahrscheinlich erst später auftauchen. Hyunjin sollte demnächst hier sein und Woojin kommt sobald seine Schicht im Café vorbei ist. Er hat gemeint, er bringt uns allen was zu essen mit“, erklärt Chan bevor er sich abwendet um Jeongin etwas zu erklären. Changbin nimmt endlich seinen Arm von Felix Schulter und winkt Jisung zu ihnen herüber. Er macht zögerlich ein paar Schritte in ihre Richtung und zum ersten Mal bemerkt Felix den Plastikbeutel, den er um sein Handgelenk trägt. Er ist bedruckt mit dem Logo einer kleinen Supermarktkette aus der Gegend und Felix kann ein paar Flaschen aneinander klicken hören, während Jisung sich bewegt. Changbin nimmt Jisung die Tüte ab und hält sie für Felix offen, damit er hineinsehen kann. Ein paar Dosen billiges Bier, zwei verschiedene Weinflaschen, die eine bereits so gut wie leer und eine kleine Flasche Soju. Felix schnappt überrascht nach Luft und Changbin legt schnell einen Finger auf seine Lippen.
Hilf uns die für später irgendwo wegzupacken, wir sollten sie am besten kalt stellen, vielleicht in einen Eimer kaltes Wasser oder so.“
Woher habt ihr das überhaupt?“, fragt Felix, immer noch ein bisschen schockiert über den Alkohol. Es kommt nur selten vor, dass einer von ihnen Alkohol mitbringt und wenn, dann ist es meistens einer der ältesten. Felix hat Jisung und Changbin selten mehr als ein paar kleine Schlücke aus Höflichkeit trinken sehen. Jisung nimmt ihm den Beutel wieder ab und zuckt mit den Schultern.
Der Wein ist von meinen Eltern, hab ihn einfach mitgenommen weil sie eh nicht da sind. Und der Typ im Supermarkt hat Changbin nicht mal nach einem Ausweis gefragt, als er grade den Rest gekauft hat. Ich meine er braucht eh keinen, wir sind alt genug, also wen juckts“, erklärt er. Felix kommt sich ein bisschen dumm vor. Wie ein Kind. Natürlich sind die beiden alt genug Alkohol zu kaufen, wenn sie wollen. Jedenfalls glaubt er es, das koreanische Alterssystem bringt ihn manchmal immer noch durcheinander. Und natürlich können sie das Zeug auch trinken, wenn sie wollen. Das geht ihn überhaupt nichts an.
Sorry“, murmelt er, den Blick auf seine abgetragenen Turnschuhe gerichtet. Changbin klopft ihm einmal viel zu enthusiastisch auf die Schulter.
Mach dich locker, wir haben nicht vor uns heute Abend abzuschießen, wir wollen einfach nur ein bisschen Spaß mit den anderen haben“, sagt er. Felix zwingt sich dazu den Blick zu heben und zu lächeln. Zum Glück wird ihm das Wort abgeschnitten, bevor er überhaupt etwas sagen kann.
Woojin betritt das Dach mit einem großen Plastikbeutel um sein linkes Handgelenk, Seungmin, Minho und Hyunjin sind direkt hinter ihm. Alle mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.
Wir haben das Essen!“, verkündet Seungmin fröhlich, Woojin rollt neben ihm mit den Augen.
Du meinst ich habe das Essen“, korrigiert er, aber er lacht bereits. Woojin arbeitet tagsüber in einem kleinen Café und nachts in einem Supermarkt um seine Miete zu bezahlen. Er lebt alleine. Anscheinend ist das schon so, seit er die Schule abgeschlossen hat. Er hat es nicht auf die Universität geschafft. Aber er tut so, als würde es ihn überhaupt nicht stören. Behauptet immer, dass es ihm Spaß macht seine beiden Jobs zu haben, dass er vielleicht einen Tages eine Beförderung in diesem Supermarkt bekommt und dann nur davon leben kann. Felix ist sich sicher, dass nicht einmal Woojin selbst so wirklich daran glaubt. Aber wenigstens hat er genug um auf sich alleine gestellt zu überleben. Und manchmal bleibt dabei irgendwie noch genug übrig, um fried chicken für neun Jungen zu kaufen.
Sie sammeln sich alle um ihn herum, um ihn zur Begrüßung zu umarmen und versuchen dabei den Beutel voll warmem Essen aus seinen Händen zu klauen. Er lacht und umarmt jeden von ihnen einzeln, einen nach dem anderen. Felix nähert sich zögerlich, aber bevor er überhaupt protestieren könnte, hat Woojin ihn ebenfalls in eine Bärenumarmung gezogen und die anderen drei, die mit ihm gekommen sind, begrüßen Felix auf eine ähnliche Art. Manchmal fühlt es sich merkwürdig an so umarmt zu werden. Felix Freunde in Australien haben sich nie umarmt, jedenfalls nicht so. Normalerweise haben sich sich nur die Hände geschüttelt, die Fäuste aneinander gestoßen und sich vielleicht in kurze, ungelenkte Umarmungen gezogen, die auch mehr ein Zusammenprallen von Schultern waren. Vor Berührungen sind sie immer zurückgeschreckt, als hätten sie Angst davor, zu offen Zuneigung zu zeigen. Weil das etwas ist, dass Jungs nicht tun sollten. Anscheinend ist das eine Regel, die jeder kennt. Jeder, außer dieser Gruppe von Außenseitern. Echte Umarmungen sind schön, aber auch ein bisschen seltsam. Diese Gruppe ist nicht wie Felix früherer Freundeskreis. Sie sind nicht nur Freund, sie sind eine Familie. Eine Familie, die sich selbst zusammengefunden hat. Und Beziehungen, die man sich selbst aussucht, sind immer stärker, als die, in die man hineingeboren wird. Jedenfalls hat Chan das gesagt.
Chan ist sowas wie das Zentrum ihrer Gruppe. Sie alle gravitieren zu ihm und bewegen sich um ihn herum, obwohl er selbst nicht wirklich aktiv irgendetwas macht, um sich als ihr Anführer zu positionieren. Aber er hat etwas an sich, das dafür sorgt, dass man sich bei ihm wohl fühlt. So, als wären sie bei ihm willkommen und hätten ihren Platz gefunden. Um es einfach zu formulieren, Chan fühlt sich nach zu Hause an. Er ist ihr Anführer, obwohl er kein wirkliches Anführen macht. Er ist normalerweise nicht derjenige, der Entscheidungen fällt, er hat nur selten wirklich das letzte Wort und er ist auch nicht der älteste in der Gruppe. Aber sie alles sammeln sich um ihn herum. Felix kann verstehen warum, obwohl er nicht in der Lage wäre, es zu erklären. Aber dank Chan hat er angefangen sich in dieser fremden Umgebung wohlzufühlen. Und wahrscheinlich tut er dasselbe für andere. Felix weiß nicht viel über die anderen, aber er weiß, dass sie alle ihre eigenen Probleme mit sich herumtragen.
Jeongin ist ein totaler Überflieger und viel zu streng mit sich selbst, immer bemüht darum seine Noten weiter nach oben zu bringen und trotzdem schafft er es nie ganz, an der Spitze der Klasse zu sein. Immer gut aber nie der Beste. Minho träumt davon, ein professioneller Tänzer zu werden, vielleicht sogar ein Idol, wenn er es irgendwie in die Industrie schafft. Aber die Realität ist hart und unfair. Er tanzt regelmäßig nachts auf den Straßen von Hongdae, meistens an Wochenenden. Seine Eltern wissen nichts davon. Manchmal kommt Hyunjin mit ihm. In letzter Zeit schließt Felix sich ihnen ab und zu an. Weil er es mag zu Tanzen und es noch viel mehr mag, an einem Samstagabend etwas zu tun zu haben. Changbin gibt sich nach außen hin kalt und emotionslos und Felix ist sich sicher, dass es einen Grund dafür gibt, dass er dieses Image so verzweifelt aufrecht hält. Hyunjin steckt in einer Laufbahn fest, die seine Eltern für ihn ausgesucht haben und er hat das Gefühl, dass er sich nicht beschweren kann. Immerhin weiß er auch nicht, was er sonst mit sich anfangen sollte. Seungmin quält sich mit dem Gedanken, dass alle anderen immer wichtiger sind als er selbst. Er hat eine ältere Schwester und scheinbar ist sie in jeder Angelegenheit der Liebling ihrer Eltern. Manchmal, wenn es sehr spät abends und Seungmin sehr verbittert ist, sagt er, dass er verstehen kann, warum alle sie lieber mögen als ihn. Sie ist perfekt in allem, was sie macht, im Vergleich dazu bin ich nur eine Enttäuschung. Woojin hat es nicht auf die Universität geschafft und müht sich mit zwei Berufen ab, um irgendwie seine Miete zahlen zu können. Seine Eltern unterstützen ihn nicht mehr und Felix traut sich nicht nach den Gründen dafür zu fragen. Und Jisung... Also über Jisung weiß Felix eigentlich kaum etwas. Er weiß nur, dass Jisung unglaublich verloren wirkt.
Das sind sie alle. Sie alle sind verlorene Jungs, aber Chan ist nicht ihr Peter Pan. Vielleicht ist er von ihnen allen sogar am meisten verloren. Chan ist kein Anführer, nicht im klassischen Sinn. Er sagt ihnen nicht, was sie tun sollen, hilft ihnen nicht, ihre Probleme zu lösen. Aber es ist nicht die Lösung, nach der sie suchen. Sie suchen nach jemandem, der sie versteht. Jemand, der ihnen das Gefühl gibt, dass schon alles irgendwie in Ordnung kommen wird. Sie suchen nach einem zu Hause. Und sie haben es hier gefunden, auf einem verlassenen Dach, das mit Lichterketten dekoriert ist.
Oi, Felix, du träumst schon wieder“, ruft Chan von seinem Platz inmitten der restlichen Gruppe zu ihm herüber. Sie stehen gedrängt um einen Tisch vor einem heruntergekommenen Sofa und bewundern das Essen, das Woojin für sie mitgebracht hat. Chan steht zwischen ihnen, winkt Felix zu, wasserstoffblondes Haar sticht leuchtend in einer Masse aus größtenteils schwarzhaarigen Köpfen hervor. „Komm her und beanspruch deinen Teil, bevor die Kinder dir alles wegessen“, ruft er. Eine Familie denk Felix, während er die Gruppe anschaut. Er lächelt. Dann geht er zu den anderen herüber.

Es gibt nie wirklich genug Hühnchen um neun Jungs zu füttern, aber trotzdem stellen die jüngeren von ihnen immer sicher, dass keiner von ihnen das letzte Stück nimmt. Es ist eine ungeschrieben Regel, dass sie so tun, als wären sie bereits satt und den Rest Woojin anbieten. Der lehnt allerdings für gewöhnlich auch ab und besteht darauf, dass sie viel essen müssen, weil sie immerhin noch wachsen. Am Ende schließen sie sich also alle zusammen und zwingen Chan dazu, das letzte Stück zu nehmen. Weil er immer darauf achtet, dass alle anderen genug abbekommen und am Ende selbst kaum etwas ist. Er versucht sich dagegen zu wehren, aber letztendlich greift Minho das Stück Hühnchen einfach und stopft es Chan in den Mund und sie alle lachen darüber, wie er dabei die scharfe Soße über seiner ganzen Hand verteilt.
Felix schätzt diese gemeinsamen Mahlzeiten mit der ganzen Gruppe wirklich sehr. Obwohl es meistens ziemlich chaotisch zugeht und nie wirklich genug Essen für sie alle da ist, ist es einfach nett mit allen zusammen zu sitzen und gemeinsam zu essen. Die anderen unterhalten sich die ganze Zeit, lachen, erzählen dieselben Anekdoten zum zehnten Mal oder machen Witze. Die meiste Zeit hört Felix ihnen einfach nur zu, aber er genießt die Hintergrundgeräusche. Das Klappern von Plastikgeschirr, wenn einer von ihnen mit dem Knie gegen den Tisch stößt, der für sie alle viel zu klein ist. Das spielerische Kämpfen und Streiten darum, wer als erster Aussuchen oder das letzte Stück von etwas nehmen darf. Die gemurmelten Gespräche und das laute Gelächter. Es ist schön, ausnahmsweise nicht alleine zu essen. Und es ist gleich doppelts so schön, wenn es etwas besonderes wie heute ist. Wenn Felix eins aus seiner Zeit mit dieser Gruppe bisher gelernt hat, dann ist es, dass Essen nichts ist, was man als selbstverständlich sehen sollte. An den meisten Tagen schmeißen sie alle das bisschen Kleingeld, das sie bei sich haben, zusammen, um sich eine Pizza zum Teilen zu bestellen. Das endet immer irgendwie in Chaos weil Seungmin irgendwann damit anfängt sich über jemanden zu beschweren, der Ananas auf die Pizza will. Und dann macht Hyunjin sich darüber lustig, dass Seungmin seine Pommes in Eis tunkt und die beiden streiten eine Weile, während der Rest sich über das Menü des Lieferservices beugt. Manchmal entscheiden sie sich dann stattdessen für etwas ganz anderes, dass sie sich bestellen können. Gegen Jajangmyeon hat selten einer von ihnen etwas einzuwenden. Wenn sie alle wirklich knapp bei Kasse sind, dann benutzen sie einfach einen Wasserkocher um genug Wasser aufzuheizen um Instant-Nudeln für neun zu kochen. Und nur ganz selten bringt einer von ihnen Essen für die ganze Gruppe mit. Normalerweise ist es Woojin und wahrscheinlich ist das der Hauptgrund, warum niemand sich jemals wirklich mit ihm anlegen würde. Vielleicht spielt der Fakt, dass er der älteste in der Gruppe ist, auch eine gewisse Rolle, aber Alter ist hier nicht so ausschlaggebend. Sie reden alle wie Freunde miteinander, kein Grund sich mit Höflichkeitsformen abzumühen. Eines der zahllosen Dinge, die Felix an dieser Gruppe wirklich mag. Ausnahmsweise muss er nicht länger darüber nachdenken, wie er jemanden richtig ansprechen muss.

Sobald sie mit dem Essen fertig sind, teilt sich die Gruppe in mehrere kleine Grüppchen auf. Hyunjin hilft Chan mit dem alten Fernseher. Seungmin und Minho haben Jeongin zwischen sich eingequetscht, die drei sitzen auf einem Sofa und Jeongin wird von beiden Seiten umarmt und von den älteren wie ein Kuschelkissen benutzt. Woojin sitzt vor dem Sofa auf dem Boden, zupft entspannt an den Saiten seiner Gitarre und erinnert die beiden ab und zu daran, den jüngsten nicht zu sehr zu ärgern. Es bleiben also noch Felix, Jisung und Changbin übrig. Irgendwie überreden die beiden ihn dazu, mit ihnen Jenga zu spielen. Manchmal hat Felix die Vermutung, dass Chan Changbin dazu aufgefordert hat, auf ihn aufzupassen. Changbin versucht immer Felix in alles miteinzubeziehen. Allerdings, vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass sie sich gut verstehen. Außer Chan ist Changbin vielleicht Felix bester Freund in dieser Gruppe.
Das Spiel ist lustig und so lange es anhält vergisst Felix beinahe, wie merkwürdig er sich normalerweise in Jisungs Anwesenheit fühlt. Aber in dem Moment, in dem er den Turm zum Einsturz bringt und Changbin ihn mit einem schrillen Kreischen in einen Klammergriff zieht und eine Bestrafung für den Verlierer fordert, während Jisung nur unsicher lächelt, wird ihm wieder bewusst, dass er hier unerwünscht ist. Jeongin schließt sich ihnen für die nächste Runde an, anscheinend hat er sich befreien können. Minho und Seungmin folgen ihm Sekunden später, offensichtlich sind sie nicht gewillt ihr liebstes Kuscheltier in Menschengröße entkommen zu lassen. Felix nutzt das als Ausrede, um die nächste Runde auszusetzen. Eine Weile lang sitzt er bei Hyunjin und Chan, allerdings kann er ihnen momentan nicht wirklich aushelfen und die beiden sind zu sehr in irgendeine technische Diskussion, von der er nichts versteht, vertieft, um ihn wirklich zu beachten. Er spielt mit dem Gedanken, sich zu Woojin zu gesellen, allerdings spielt der älteste friedlich auf seiner Gitarre und Felix würde ihn lieber nicht dabei stören. Also landet er schließlich alleine auf dem alten Trampolin und beobachtet wie die anderen ihren Spaß haben. Die Sonne versinkt bereits langsam und die Luft wird ein bisschen kühler. Felix schlingt die Arme um sich selbst und lehnt sich auf dem Trampolin zurück, bis er flach darauf liegt. Wahrscheinlich sollte er demnächst zurück nach Hause. Er hat seiner Tante versprochen, dass er zurück sein würde, bevor es dunkel wird.
Hey, alles klar bei dir?“, ruft eine Stimme von irgendwo. Felix braucht einen Moment um zu verstehen, dass die Frage an ihn gerichtet war. Er richtet sich wieder auf, ein bisschen zu schnell, von der plötzlichen Bewegung schwirrt ihm der Kopf. Han Jisung steht direkt vor ihm, die Hände verlegen in der Bauchtasche seines zu großen Hoodies versteckt. Das Licht der untergehenden Sonne beleuchtet ihn von hinten. Es gibt seinen blonden Haaren einen roten Stich, es sieht gut aus an ihm. Seine Haare sind immer ein kleines bisschen rosa, irgendwie pfirsichblond, aber jetzt sind sie leuchtend orange. Er wedelt eine Hand vor Felix Gesicht hin und her, die größtenteils vom Ärmel seines Hoodies verdeckt ist. Er hat dieselbe Farbe wie der Himmel, ein etwas ausgewachsenes Blau, beinahe schon grau. Der Himmel kurz bevor die Sonne untergeht. Oder kurz bevor sie aufgeht. Das überschüssige Material flattert mit seinen Bewegungen durch die Luft. „Erde an Felix, bist du da?“
Oh, ja, sorry. Alles gut“, murmelt er. Jisung zögert einen Moment, dann setzt er sich zu ihm. Das Trampolin gibt unter seinem Gewicht nach und federt dann wieder nach oben, während Jisung zu ihm herüber krabbelt.
Warum bist du hier ganz alleine?“, fragt er neugierig. Felix zuckt mit den Schultern, er ist sich nicht sicher, wie er das am besten erklären soll. Manchmal fühlt er sich einfach wohler damit, von außen zuzuschauen. Er will sich nicht wie eine Art Wohlfahrtsfall fühlen, den sie nur in die Gruppe aufgenommen haben, weil sie es mussten. Manchmal ist es einfach zuzuschauen. Er fühlt sich sowieso meistens, als würde er alles aus zehn Metern Entfernung beobachten, auch wenn er von Leuten umgeben ist.
Du kannst mich nicht wirklich leiden, oder?“, fragt Jisung aus dem Nichts. Er kämmt sich verlegen mit einer Hand durch die Haare, wahrscheinlich nur, um seine Finger zu beschäftigen und schaut dabei in jede Richtung, nur nicht zu Felix.
Doch! Also nein!“, platz Felix heraus. Vielleicht ein bisschen zu schnell. Und ein bisschen zu laut. Jisung zuckt zusammen. Die Art auf die jemand zusammenzuckt, der so daran gewöhnt ist, angeschrien zu werden, dass er sich aus Reflex kleiner macht, wenn der Gesprächspartner nur die Stimme hebt. „Tut mir leid“, murmelt Felix, deutlich leiser dieses mal. „Ich glaube ich bin immer ein bisschen unsicher wie ich mit dir umgehen soll, aber nicht, weil ich dich nicht leiden kann oder so. Ich... weiß einfach nur nicht so richtig, wie ich mit dir reden soll. Ich dachte eigentlich immer, dass du.... mich nicht magst... Du weißt schon, weil du bei allen anderen immer so anhänglich bist, nur bei mir nicht. Ich meine, du kennst sie alle länger und.... ja... ich glaube ich bin dir auch ein bisschen aus dem Weg gegangen also... jedenfalls ich... ich mag dich nicht nicht. Also... ich mag dich. Ja.“
Ja“, Jisung flüstert das Wort auf die Art, auf die jemand Atem ausstößt, den er ein bisschen länger angehalten hat, als es angenehm ist. „Das ist gut. Also, dass du mich magst, meine ich. Ich denke, ich weiß auch nicht wirklich, wie ich mit dir umgehen soll. Ich wollte dir nicht zu viel auf die Pelle rücken und so. Ich hatte Angst, dass könnte dir irgendwie unangenehm sein. Du wirktest irgendwie so abweisend, als du zu uns gekommen bis. Und ich hatte Angst, ich könnte irgendwie.... zu viel sein. Ich wollte dich nicht gleich verschrecken. Aber dann hast du angefangen, dich den anderen mehr zu öffnen, aber bist mir immer noch aus dem Weg gegangen und ich dachte... es läge irgendwie an mir. Und ich habe mich immer gewundert, was ich eigentlich falsch gemacht habe, aber ich denke, es war alles... nur ein Missverständnis?“
Das Ende von Jisungs Satz verblasst zu einer Frage. Unsicherheit liegt schwer in der Luft zwischen den beiden und Felix weiß, dass er jetzt etwas tun muss. Er war noch nie wirklich übermäßig gefühlsbetont, nie wirklich gut darin Leute oder Beziehungen zu verstehen, aber er weiß, dass er in dieser Situation etwas unternehmen muss. Vorsichtig legt er eine Hand auf Jisungs Schulter und lächelt ihn ungelenk an.
Du bist nicht... das ist mir nicht unangenehm. Es tut mir leid, dass ich dir das Gefühl gegeben habe.“
Jisung lehnt sich instinktiv gegen die Hand und rutsch ein Stück näher an Felix heran.
Mir tut's auch leid. Also würde ich mal sagen, wir sind quitt. Wie wärs damit, wir hören einfach auf die Sache so merkwürdig zu machen und uns aus dem Weg zu gehen und wenn dir irgendetwas wirklich mal unangenehm ist, dann sagst du es mir einfach, okay?“
K-klar“, stottert Felix. Er hätte nie gedacht, dass es so einfach sein könnte, sich mit Jisung anzufreunden. Jisung gibt ihm ein zufriedenes Lächeln, bevor er sich für einen Überraschungsangriff in Form einer Umarmung auf ihn stürzt. Eine Sekunde lang erstarrt Felix zur Salzsäule, aber dann schlingt er auch die Arme um Jisung.
Unangenehm?“, flüstert Jisung ihm ins Ohr und gluckst dabei ein bisschen. Er ist so nah, dass seine Lippen sich gegen Felix Kreuz-Ohrring bewegen. Sein Atem kitzelt ein bisschen.
Angenehm“, flüstert Felix zurück.

Felix hat es bei den anderen Mitgliedern schon öfter beobachtet. Den Wunsch jemandem körperlich nah zu sein. Die Suche nach Trost in Wärme und kleinen Berührungen. Der Wunsch nach Liebe, egal von wem sie kommt. Ein Freund, ein Liebhaber, ein Familienmitglied, wo ist da schon der große Unterschied? Eine Umarmung ist eine Umarmung. Und eine Umarmung ist warm und tröstend und gibt dir das Gefühl, dass sich jemand um dich kümmert. Umarmungen sind schön. Jisungs Kopf in seinem Schoß zu haben, während er mit Strähnen von seinem pfirsichfarbenen Haar spielt ist auch schön. Woojin spielt eine sanfte Akustikversion von einem beliebten Song von einer koreanischen Band und Seungmin singt dazu, aber es hört sich an, als würde es von weit weg kommen. Wie immer beobachtet Felix das ganze nur von außen. Abgeschnitten in seiner eigenen kleinen Seifenblase. Nur ist Jisung dieses Mal mit ihm zusammen in dieser Blase. Und trotzdem ist Felix das ganze nicht im geringsten unangenehm. Was irgendwie merkwürdig ist. Der Gedanke jemand anderem nah zu sein, war für Felix schon immer seltsam. Also so richtig nah. Die Art von nah, bei der man sich all seine Geheimnisse erzählt und es dich trotzdem nicht stört, wenn es mal nichts zu besprechen gibt. Die Art, wo es okay ist, in gemütlichem Schweigen nebeneinander zu sitzen, ohne irgendwie das Gefühl zu haben, den anderen unterhalten zu müssen. Normalerweise sind solche Situationen stressig für Felix. Er fühlt sich immer unter Druck gesetzt irgendwie ein Gespräch anzufangen. Und trotzdem, hier auf diesem Trampolin mit Jisungs Kopf in seinem Schoß ist das Leben so einfach.
Einer nach dem anderen schließt der Rest der Gruppe sich ihnen an. Es fängt damit an, dass Jisung auf das Trampolin klettert um seinen „Mobbern“ zu entkommen und die besagten Mobber einen Moment später dazustoßen, um sich dem Gruppenkuscheln anzuschließen. Arme umeinander geschlungen, die Köpfe auf die Schenkel oder Brüste der anderen gebettet, ein Chaos aus Gliedmaßen, die sich ineinander verknoten, zusammengedrängt auf dieser engen Fläche, obwohl eigentlich mehr als genug Platz für sie alle auf dem Trampolin wäre. Wenn sie sich ein bisschen ausbreiten würden, könnten sie wahrscheinlich alle die Arme ausstrecken, ohne sich dabei überhaupt zu berühren. Aber das wollen sie nicht. Also sind sie alle zusammengedrängt und schauen hinauf in einen Nachthimmel, an dem kein einziger Stern steht.
Jeongin ist der erste, der geht. Weil seine Eltern mit ihm schimpfen würden, wenn er zu spät nach Hause kommt und er noch Hausaufgaben fertig machen muss oder irgendwie sowas. Er murmelt nur etwas in die Richtung und ein paar der anderen geben ihm mitleidige Blicke und ein paar einfühlsame Kommentare über das Schulleben, bevor sie ihn zum Abschied umarmen. Nachdem er weg ist fangen sie an die Flaschen herum zu geben. Jedes Mal, wenn eine davon in Felix Hand landet, nimmt er einen kleinen Schluck und reicht sie dann an die nächste Person weiter, bevor der leicht bittere und manchmal auch überraschend süße Geschmack überhaupt Zeit hat sich auf seiner Zunge auszubreiten. Der Soju, den die anderen gekauft haben, hat Pfirsichgeschmack. Felix merkt es erst, als die Flasche bereits zum zweiten Mal durch seine Hand gewandert ist. Vielleicht war es auch schon das dritte mal. Nicht, dass es wirklich einen Unterschied machen würde.
Sie haben nie genug Alkohol da, um wirklich davon betrunken zu werden, sie sind wirklich nicht hier, um sich die Kante zu geben. Aber es ist genug, um ein paar von ihnen ein bisschen beschwipst zu machen. Genug, damit Felix Kopf sich leichter und seine Sorgen sich kleiner anfühlen. Die Nachtluft ist kühl, die Sonne ist inzwischen komplett untergegangen und in seinem Hinterkopf ist eine leise Stimme, die ihm sagt, dass er längst zu Hause sein sollte Aber sie wird übertönt von all den anderen Stimmen um ihn herum. So viele Stimmen die flüstern und murmeln. Sanfte Stimmen, die ihn einlullen, bis er sich angenehm taub fühlt, beinahe so, als würde er träumen. Obwohl seine Augen weit offen sind. Auf der Suche nach den Sternen, die durch eine dicke Wand aus Wolken verdeckt werden. Als Kind hat er gedacht, dass die Sterne manchmal einfach verschwinden. Und er hatte Angst, dass sie irgendwann einfach nicht wiederkommen würden. Später hat er dann gelernt, dass sie nicht verschwinden. Sie verstecken sich nur. Aber selbst, wenn er sie nicht sehen konnte, waren sie trotzdem immer da oben. Es ist merkwürdig beruhigend darüber nachzudenken.
Die Gruppe löst sich langsam auf. Ein Junge nach dem anderen steht auf um zu ihrem zu Hause zurückzukehren, dass sich nicht nach einem anfühlt. Vielleicht wartet eine andere Familie auf einige von ihnen. Eine, die sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Hätte man ihnen die Wahl gegeben, hätten einige von ihnen sich vielleicht anders entschieden.
Nach einer Weile sind nur noch Felix und Jisung auf dem Trampolin übrig. Und schon wieder sind es nur sie beide, in ihrer eigenen kleinen Seifenblase. Chan und Woojin sind auch noch irgendwo auf dem Dach, sammeln die leeren Styroporbehälter ein, in denen vorher einmal das Essen war. Felix beobachtet sie dabei stumm, während er mit den Fingern durch Jisungs Haare fährt. Er ist sich halb sicher, dass der andere in der Zwischenzeit mit dem Kopf in seinem Schoß eingeschlafen ist. Er liegt einfach nur da, atmet ruhig und stört sich überhaupt nicht daran, dass Felix seine Frisur durcheinander bringt, die er sonst mit Hingabe stylt. Aber er richtet sich plötzlich auf, als Chan auf sie zukommt.
Ihr beide solltet auch langsam mal nach Hause gehen, es wird spät“, meint er, während er zum Trampolin herüber schlendert. Obwohl er mit ihnen beiden redet schaut er dabei Jisung eindringlich an. Und Jisung schaut mit einer ähnlichen Intensität zurück.
Ich bleibe heute Nacht hier“, kündigt er an. Er spricht auf eine Art, die keinen Raum für Einsprüche erlaubt. Er hat sich bereits entschieden. Chan seufzt, fährt sich mit einer Hand durch seine gebleichten Locken und wirkt dabei ein bisschen hilflos. Dann dreht er sich wieder zu Jisung um, dieses Mal ist sein Blick deutlich sanfter.
Es ist zu kalt um die Nacht hier zu verbringen.“
Ist mir egal, wir haben genug Decken und so, ich werde mich schon irgendwie warmhalten. Mir ist alles lieber, als zurück nach Hause zu gehen.“
Ich kann dich echt nicht alleine hier oben lassen... das wäre verantwortungslos.“
Bitte zwing mich nicht dahin zurückzugehen.“ Jisungs Stimme klingt flehend und Felix kann Chans Widerstandsfähigkeit quasi bröckeln sehen. Er schaut sich verzweifelt um und obwohl er kein Gedankenleser ist, hat Felix eine ziemlich klare Vorstellung davon, worüber Chan gerade nachdenkt. Er wohnt in einem kleinen Zimmer im Studentenwohnheim, in dem kaum genug Platz für ihn selbst ist. Er kann Jisung also nicht mit zu sich nehmen. Chan schaut hilfesuchend in Woojins Richtung, allerdings bemerkt der nichts davon. Woojin hat eine ausklappbare Couch in seiner Wohnung, auf der er ab und zu einen der anderen übernachten lässt. Felix weiß davon, weil Minho ihm erzählt hat, dass er einmal gut eine Woche dort verbracht hat, nachdem er sich mit seinen Eltern über die Universitätskurse, für die er sich eingeschrieben hat, gestritten hat. Alles Kurse für Tanz und darstellende Künste.
Ich kann Jisung mit zu mir nehmen“, hört Felix sich selbst sagen, bevor er den Gedanken überhaupt zu Ende gedacht hat. Zwei Augenpaare sind plötzlich auf ihn gerichtet, das eine vor Überraschung weit offen, dass andere funkelnd mit Neugierde. „Ich meine, wenn dir das nichts ausmacht“, murmelt Felix, dieses mal direkt an Jisung gerichtet.
Was ist mit deinen Eltern?“, fragt er, ein bisschen zögerlich. Felix lächelt.
Ich wohne mit meiner Tante zusammen“, erklärt er. „Wahrscheinlich ist sie nicht mal daheim, sie arbeitet als Nachtkrankenschwester. Ich denke mal, sie wird nichts dagegen haben, dass ich jemanden zum Übernachten mitbringe. Es ist immerhin nur für eine Nacht, nicht wahr?“
Genau, nur für eine Nacht“, wiederholt Jisung dumpf. Und dann, mit etwas mehr Emotion: „Danke.“
Ist schon okay, ich würde nicht wollen, dass du dir hier oben ne Erkältung einfängst.“
Aus dem Augenwinkel erhascht Felix einen Blick auf das erleichterte Lächeln auf Chans Lippen. Er hat das Gefühl, ausnahmsweise mal etwas richtig gemacht zu haben.

Jisung und Felix reden auf dem Weg zu dem grauen Zementblock, in dem die Wohnung liegt, die Felix sich mit seiner Tante teilt, kaum ein Wort miteinander. Zehn Minuten mit der Straßenbahn und dann noch einmal ungefähr fünf Minuten zu Fuß und die ganze Zeit über bleiben sie still. Die Stille wiegt jetzt schwerer als vorhin, ist nicht mehr so angenehm. Felix Kopf ist voll von Fragen, die er gerne stellen würde, sich aber nicht traut. Warum willst du nicht zurück nach Hause gehen? Was ist da passiert? Warum bist du so verloren? Felix behält sie alle für sich und sie gehen weiterhin stumm nebeneinander her.
Der Fahrstuhl ist nach wie vor kaputt, also müssen sie die Treppe benutzen. Das Treppenhaus ist leer und das Licht flackert immer wieder gefährlich, als würde es jeden Moment aufgegeben. Felix und seine Tante leben im siebten Stock. Und in der Zeit, die sie gebraucht haben, um diesen zu erreichen, hat Felix sich zweimal jeden Grund, warum das eine miese Idee war, durch den Kopf gehen lassen. Aber jetzt sind sie hier und können nicht einfach so wieder umdrehen. Felix hantiert ungelenk mit seinem Schlüssel herum und versucht dabei seinen flauschigen Schlüsselanhänger vor Jisungs aufmerksamen Augen zu verstecken. Wahrscheinlich hat er ihn sowieso bemerkt, allerdings sagt er nichts dazu. Bevor Felix es überhaupt schafft den Schlüssel ins Loch zu stecken wird die Tür bereits von innen aufgestoßen und vor ihm steht eine sehr gestresst aussehende Lee Yoora.
Yoora ist die ältere Schwester von Felix Vater und sie ist eine Frau wie das Meer. Manchmal ist sie ruhig und friedlich, ein anderes mal stürmisch und zerstörerisch. Sie ist immer in Bewegung, ihre Stimmung ändert sich mit dem Mond. Jetzt gerade ist Flut. Strähnen ihres schwarzen Haares fallen aus dem unordentlichen Dutt, ihr Make-up ist mehr schlecht als recht aufgetragen. Sie ist bereits in ihrer Arbeitskleidung, klammert sich an einer Thermoskanne voll Kaffee fest, als hinge ihr Leben davon ab. Felix ist genauso überrascht sie zu sehen, wie sie überrascht ist ihn zu sehen. Aber sie sammelt sich zuerst, Überraschung wird zu Ärger.
Lee Yongbok, ich habe dir gesagt, dass du vor Sonnenuntergang zurück sein sollst, hast du eine Ahnung, wie spät es ist? Du hättest mir wenigstens eine Nachricht schreiben können, außerdem-“, Yoora unterbricht sich, als sie Jisung bemerkt, der halb hinter Felix versteckt steht und sie schief anlächelt. „Wer ist das?“, fragt sie, die Stimme vor Überraschung sanfter.
Ein Freund“, erklärt Felix schnell. „Er bleibt heute Nacht hier, ist das okay?“
Yoora schaut zwischen Felix und Jisung hin und her. Dieses Mal sieht der Ausdruck von Überraschung auf ihrem Gesicht ein bisschen erfreut aus. Sie hat diesen positiv überraschten Ausdruck, den sie sonst auch hat, wenn sie nach Hause kommt und entdeckt, dass Felix den Abwasch gemacht hat, ohne von ihr daran erinnert zu werden. Wahrscheinlich ist sie kurz davor etwas dummes und peinliches zu sagen so wie ich wusste gar nicht, dass du Freunde hast aber Jisung hebt die Stimme, bevor sie eine Chance bekommt.
Ich bin Han Jisung, entschuldigen Sie bitte die Störung, Felix und ich waren zusammen unterwegs und haben dabei irgendwie die Zeit aus den Augen verloren und er hat gemeint, es wäre okay, wenn ich über Nacht bleibe. Vielen Dank, für ihre Gastfreundschaft.“
Er verbeugt sich sogar ein bisschen. Yooras Mund verformt sich zu einem stummen oh. Die oh du hast den Abwasch gemacht UND dein Zimmer aufgeräumt, was hast du angestellt? Art von oh.
N-natürlich“, murmelt sie, etwas überrumpelt. „Ich muss jetzt zur Arbeit. Bleibt nicht zu lange wach, Jungs.“
Sie wuschelt Felix einmal durch die Haare, während sie sich an den beiden vorbei ins Treppenhaus schiebt. Dann geht sie die Treppe herunter, wie eine Welle, die auf den Strand zurollt. Sowohl Felix als auch Jisung schauen ihr hinterher, bevor Felix sich endlich zu Jisung umdreht und zu der offenen Tür gestikuliert.
Komm rein.“
Felix zeigt Jisung, wo er seine Schuhe abstellen kann, bietet ihm ein Glas Wasser an – das er höflich ablehnt – und zeigt ihm dann sein Zimmer. Der Moment, in dem er die Tür aufstößt, fällt Felix wieder ein, dass seine Sammlung an Stofftieren perfekt sichtbar auf seinem Bett ausgestellt ist. Jisung bemerkt sie sofort, als er Felix in das Zimmer folgt. Seine Augen verharren auf Felix Sammlung und Felix spannt sich sofort an.
Niedlich“, kommentiert Jisung mit einem Schmunzeln. Es hört sich nicht danach an, als würde er sich wirklich über Felix kindische Sammlung lustig machen. Oder wenn er es tut, dann zeigt er es jedenfalls nicht zu offensichtlich. Felix ist ihm dankbar dafür.
Machs dir gemütlich. Ich suche so lange nach einer Decke und so für dich. Ich glaube Yoora hat irgendwo noch eine Luftmatratze, wär das okay?“, fragt Felix während er nervös sein Gewicht von einem Bein auf das andere verlagert.
Klar“, murmelt Jisung. Er setzt sich vorsichtig auf Felix Bett, beinahe so, als würde er befürchten, es könne unter seinem Gewicht einbrechen. Felix steht noch einen Moment unsicher im Türrahmen, bevor er schnell nickt und sich dann aus dem Staub macht um nach der Luftmatratze zu suchen.
Er findet sie in einer Kiste unter Yooras Bett, zusammen mit ein paar Bettbezügen, Decken und Kissen. Jackpot. Felix sammelt schnell zusammen, was er braucht und macht sich dann auf den Weg zurück zu seinem Zimmer. Als er dort ankommt findet er Jisung auf seinem Bett, wo er mit den Tatzen eines Teddybären spielt. Felix setzt sich neben ihn und fängt sofort damit an die Luftmatratze aufzublasen, damit er sich nicht mit ihm unterhalten muss. Das Gummiventil schmeckt widerlich, trotzdem behält er es im Mund. Er hyperventiliert nahezu in die Matratze.
Deine Tante hat dich Yongbok genannt“, meint Jisung in die von lautem Atmen gefüllte Stille. Felix nimmt das Ventil aus dem Mund um ein kurzes ja zu murmeln bevor er wieder Luft holt und einen weiteren Atemzug in die Matratze pustet.
Warum?“, fragt Jisung. Felix tut so, als würde er ein bisschen länger ausatmen, als er eigentlich Luft übrig hat bevor er sich zu Jisung umdreht und bemüht gleichgültig mit den Schultern zuckt.
Das ist mein koreanischer Name“, erklärt er. „Sie nennt mich so, weil sie glaubt, dass es mir helfen wird mich hier besser einzuleben. Meint es wird mir helfen, mich besser an die Sprache und so zu gewöhnen. Sie hat sich auch geweigert Englisch mit mir zu sprechen, anfangs hat sie oft mit mir geschimpft, als mein Koreanisch noch nicht so gut war. Ich mag meinen koreanischen Namen nicht wirklich, aber ich denke sie meint es nur gut.“
Yongbok“, wiederholt Jisung den Namen, dieses mal in einem leicht neckenden Ton. Felix verzieht das Gesicht.
Bitte nenn mich nicht so“, jammert er. Er ist Felix, er war schon immer Felix und ihm gefällt der Klang von jedem anderen Namen nicht. Es fühlt sich falsch an. „Und sag den anderen nichts davon, ich bin sicher, Seungmin würde nie aufhören, mich so zu nennen.“, fügt er noch hinzu. Jisung lacht und Felix bemerkt, dass es das erste mal ist, dass er Jisung heute wirklich lachen hört. Er hat ihn mit den Kuscheltieren zum Schmunzeln gebracht, hat ihn leise kichern hören, als sie sich vorhin umarmt haben und er hat das amüsierte Schnauben gehört, als Changbin den Jenga Turm fast zum Einsturz gebracht hat, bevor sie überhaupt angefangen haben zu spielen. Aber er hat bisher noch kein ehrliches Lachen von Jisung gehört. Felix hält einen Moment lang inne, eine warmes Gefühl breitet sich in seiner Brust aus, das er nicht genau benennen kann. The feeling was friendship, but neither had ever experienced it bietet der Teil in seinem Gehirn an, der nur dafür genutzt wird möglichst viele Memes und Anspielungen auf Vines zu lagern und Schwärmerei schlägt ein etwas rationalerer Teil vor.
Warum bist du so plötzlich nach Korea gezogen? Ich meine du bist mehr oder weniger mitten im Schuljahr dazugestoßen, gab es irgendwas, von dem du wegkommen wolltest?“, fragt Jisung neugierig nach. Normalerweise würde Felix dieser Art von Frage ausweichen aber anstatt das Thema zu wechseln lässt er die Matratze sinken und seufzt.
Schon irgendwie“, gibt er zu. „Mein Vater hat immer vorgeschlagen, dass ich irgendwann ein Auslandssemester in Korea machen könnte oder so sogar hier studieren könnte. Auch schon bevor das alles passiert ist. Meine Eltern sind beide hier geboren worden, aber sie sind wegen einem Job oder so nach Australien gezogen. Ich bin in Australien aufgewachsen, aber sie haben trotzdem versucht mir Koreanisch beizubringen. Falls ich irgendwann hierher kommen will um meine Wurzeln zu erforschen oder was auch immer. Eigentlich war ich nie wirklich scharf darauf aber dann gab es... Probleme in der Schule und ich wollte einfach nur noch weg von da.“
Probleme ist eine Untertreibung für das, was wirklich passiert ist, aber es ist die einzige Art, auf die Felix wirklich darüber sprechen kann. Er denkt nicht gerne darüber nach. Erinnert sich nicht gerne an das Flüstern hinter seinem Rücken, die merkwürdigen Blicke, die man ihm in den Gängen zugeworfen hat, die anderen Jungen, die plötzlich auf Abstand gegangen sind und die Mädchen, die ihn anders behandelt haben. Er zieht es vor nicht darüber zu reden.
Oh“, haucht Jisung. Vielleicht bildet Felix sich es nur ein, aber der Hauch von Mitleid in seiner Stimme bringt ihn zum Zusammenzucken.
Ist schon okay. Jetzt wo ich mit euch rumhänge fange ich tatsächlich an es hier zu mögen. Und ich komme mit der Sprache und der Kultur inzwischen auch viel besser klar, also ist es ganz in Ordnung“ Felix macht eine kleine Pause und lächelt, um seine Worte damit zu unterstreichen. Um zu beweisen, dass es ihm wirklich gut geht. Dass er kein Mitleid braucht. Weil er sich dann nur noch schlechter fühlt. Noch viel jämmerlicher, als er eh schon ist. „Was ist mit dir? Wovor rennst du weg? Warum wolltest du heute Nacht auf dem Dach bleiben?“
Jisung bleibt stumm und Felix hat bereits eine halbe Entschuldigung dafür, dass er eine Grenze überschritten hat, parat, als er Jisung zittrig einatmen hört. Seine Hände sind tief in der Tasche des himmelblauen Hoodies vergraben, der Stoff wölbt sich darüber, als würde er nervös mit seinen Fingern spielen.
Meine Eltern und ich... kommen nicht wirklich miteinander klar.“
Die Aussage an sich ist so vage, sie könnte so ziemlich alles bedeuten von meine Eltern und ich haben uns gestritten, weil ich mein Zimmer nicht aufgeräumt habe bis zu sie wünschten sich, ich wäre nie geboren worden und es liegt an Felix die Lücken zu ergänzen. Er erinnert sich daran, wie Jisung vorher zurückgezuckt ist und dass er ihn schon immer als etwas schreckhaft wahrgenommen hat. Er bekommt leicht Angst, auch vor kleinen Dingen. Einmal ist er fast vom Sofa gefallen, weil irgendjemand einen Teller fallen gelassen hat, der auf dem Boden zerbrochen ist. Felix denkt daran, wie die anderen, wenn sie aus Spaß miteinander kämpfen, immer einen Bogen um Jisung machen. Und er denkt darüber nach wie, bei dem einen Mal als einer von ihnen spielerisch die Hand gehoben hat um so zu tun, als wollte er ihn schlagen, Jisung sich so schnell geduckt hat, als wollte er einem echten Schlag ins Gesicht ausweichen. Er hat damals so verängstigt ausgesehen. Und Felix denkt über das Make-up nach, das Jisung normalerweise nur um seine Augen herum und sonst nirgendwo trägt. Felix schluckt den Knoten herunter, der sich in seinem Hals bildet, dann schlingt er die Arme um Jisung, weil er nicht weiß, was er sonst in so einer Situation überhaupt machen soll. Er war noch nie gut mit Worten, nie ein Fan davon, seine Gefühle zu offen zu zeigen, nie gut im Trösten. Er bietet Lösungen an, wenn die anderen nur jemanden wollen, der sich ihre Probleme anhört. Er stolpert über leere Worte, wenn er versucht Freunden Ratschläge zu geben. Er ist nicht wirklich gut in dieser ganzen Sache, aber er weiß, dass er irgendetwas tun sollte. Weil das immer noch besser ist, als nichts zu tun.
Zuerst versteift Jisung sich komplett, aber dann entspannt er sich. Er lehnt sich an Felix, als hätte man alle Energie aus ihm gesaugt. Er ist jetzt genauso leer und eingefallen, wie die Luftmatratze, die Felix auf den Boden fallen gelassen hat. Das bisschen Luft, das er hinein gepustet hat, hat sich inzwischen wahrscheinlich schon wieder verflüchtigt. Ein weiterer nutzloser Versuch etwas hilfreiches zu tun. Ein weiterer Anlauf, der einfach nicht gut genug war, um wirklich etwas zu bewirken. Jisung ist ein totes Gewicht in Felix Armen. Sein Körper fühlt sich überraschend schmal an. Unter den Hoodies in Übergröße, die er immer trägt, ist es nicht so einfach zu sehen, aber eigentlich ist er ziemlich leicht. Fast schon ein bisschen zu dünn. Seine Schultern sind knochig und bohren sich unangenehm in Felix Brust. Er wirkt so viel kleiner und zerbrechlicher, als sonst.
Einen Moment lang ist Felix sich sicher, dass Jisung weint. Aber als er seinen Kopf ein bisschen verdreht um zu ihm herunter zu schauen sind seine Augen trocken und weit offen. Er ist einfach nur da, atmet sanft gegen Felix Brust und lehnt seinen Kopf an ihn an. Er legt den Kopf in den Nacken, als er Felix Augen auf sich bemerkt und ihre Blicke treffen sich. Ihre Gesichter sind so nah aneinander, dass Felix einfach nicht wegschauen kann. Jisung ist hübsch. Soweit Felix sich erinnern kann, war Jisung schon immer hübsch. Er hat dieses niedliche Lächeln, dass seine Gesicht irgendwie ein bisschen pausbäckig macht, so wie bei einem Eichhörnchen und dazu noch diese großen braunen Augen, die es einem so schwer machen, sich nicht darin zu verlieren.
Ist dir das unangenehm?“, flüstert er. Es gibt keinen Grund lauter zu sprechen. Gesenkte Stimmen sind mehr als genug. Sie sind so nah aneinander, dass Felix die Worte wahrscheinlich von Jisungs Lippen ablesen könnte. Er schüttelt langsam den Kopf.
Nein. Das ist in Ordnung.“
Gut.“ Vorsichtig streckt Jisung eine Hand nach oben und legt sie in Felix Nacken. „Stopp mich, wenn du musst“, flüstert er, dann zieht er Felix Gesicht zu seinem herunter und verbindet ihre Lippen miteinander.
Der Kuss, den sie sich teilen, ist ein Placebo. Er trägt nicht wirklich dazu bei, die Schmerzen zu lindern oder etwas gegen ihre Einsamkeit zu tun. Aber für einen Moment fühlen sie sich besser. Er ist Medizin für eine Krankheit, die nicht geheilt werden kann, weil sie nur in ihren Köpfen ist und trotzdem ist sie nicht einfach nur ausgedacht. Aber die Medizin ist es. Sie verändert nichts, macht nichts besser, bringt nicht in Ordnung, was mit ihnen nicht stimmt. Genauso wie ein Placebo ist der Kuss unecht. Und bitter. An Jisungs Lippen hängt immer noch der Geschmack von Soju mit Pfirsichgeschmack und billigem Rotwein, der für Felix nur nach Essig schmeckt. Am Anfang ist es nur ein flüchtiger Kuss, aber nachdem Felix nicht sofort zurückweicht bringt Jisung ihre Lippen direkt noch einmal zusammen. Ein weiterer unschuldiger Kuss, aber dieses mal ein bisschen länger. Er schlingt den anderen Arm auch um Felix, zieht ihn näher zu sich, bis er beinahe auf seinem Schoß sitzt, was dazu führt, dass die beiden rückwärts übereinander fallen. Im nächsten Moment ist Jisung über Felix und schaut mit einem verlegenen Lächeln auf ihn hinab. Sein Blick ist schuldbewusst, er schaut Felix nicht direkt in die Augen. Vermeidet Blickkontakt. Felix legt seine Hände auf Jisungs Wangen bevor er ihn für einen weiteren Kuss zu sich herunter zieht.
Weil Jisungs Lippen warm und weich und so verdammt küssbar sind. Und dann noch einmal, weil er sich ein bisschen weniger einsam fühlt, wenn Jisung seine Finger in den Stoff von seinem Hoodie krallt, während er erneut die Arme um ihn schlingt. Und dann noch einmal, weil Jisung schon immer unglaublich hübsch war und Felix sich nach einer Gelegenheit gesehnt hat, endlich einmal mit ihm zu reden. Ihm näherzukommen. Vielleicht ist der wahre Grund dafür, dass Felix Jisung aus dem Weg gegangen ist, dass ihm nicht gefällt, wie sehr er sich daran stört, dass Jisung bei allen anderen so anhänglich ist. Denn das ist ein Gefühl, das Felix nur zu gut kennt. Und er weiß, dass es nichts als Ärger bedeutet. Für einen Sekundenbruchteil wundert er sich, ob Jisung tatsächlich auch schwul ist, oder ob er einfach nur einsam ist und jede Form von Zuneigung annimmt, egal, von wem sie kommt. Allerdings, was für einen Unterschied macht es schon? Für Jisung sind ihre Küsse bedeutungslos. Sie sind nur ein Arzneipflaster gegen den dumpfen Schmerz der Einsamkeit. Es sind Placebos und Felix redet sich nur ein, dass es etwas echtes ist.
Irgendwann schläft Jisung so ein. Den Kopf auf Felix Brust, die Arme lose um seinen Nacken geschlungen. Sein Körper ist warm . Und er fühlt sich so zerbrechlich in Felix Armen an. Er traut sich nicht, ihn von sich zu schieben, obwohl er sicher ist, dass er so nicht schlafen können wird. Einer seiner Arme ist unter Jisungs Körper eingeklemmt, es ist ein bisschen ungemütlich und morgen früh wird der Arm sicher taub sein. Felix nutzt seine freie Hand um nach seiner Halsschlagader zu tasten und seinen Puls zu fühlen. Das ist sowas wie eine nervöse Angewohnheit. Er fühlt das Pulsieren durch seine Haut, viel zu schnell, und fängt an in seinem Kopf mitzuzählen, bis das Klopfen wieder langsamer wird. Es ist ein bisschen merkwürdig, aber es hilft ihm irgendwie dabei ruhig zu werden. Irgendwie ist es beruhigend zu wissen, dass sein Herz immer noch schlägt. Dass dieser kleine Muskel ihn am Leben hält, egal, was passiert. Manchmal bringen gewisse Dinge es für einen Moment aus dem Rhythmus oder quetschen es schmerzhaft zusammen aber es kehrt immer wieder zu seinem ruhigen Takt zurück. Felix schließt seine Augen und lässt seinen Arm wieder fallen, vorsichtig legt er ihn über Jisung. Er bewegt sich ein bisschen in seinen Armen, bevor er leise im Schlaf seufzt und sich dann wieder an Felix ankuschelt. Felix seufzt auch. Das wird eine lange Nacht werden.

Felix hat es schon immer gemocht, sich mit so vielen Kuscheltieren, Decken und Kissen wie möglich zu umgeben. Es ist so, als würde er sich ein Nest aus allem bauen, was ihm Trost spendet. Und dann kugelt er sich in der Mitte zusammen, versteckt unter mehreren Decken, macht sich so klein wie nur möglich. Felix hat sich schon immer nach Wärme gesehnt, nach Geborgenheit. Nach Berührungen. Aber etwas wollen und tatsächlich in der Lage zu sein, darum zu bitten, sind zwei sehr verschiedene Dinge. Kuscheltiere können nicht nein sagen. Können dich nicht wegstoßen und merkwürdig anschauen wenn du sie einen Moment zu lange umarmst. Decken und Kissen geben dir keine skeptischen Blicke, wenn du nur jemanden willst, der deine Hand hält. Sie verurteilen dich nicht, sie nennen dich nicht Schwuchtel und vermeiden dich und machen sich über dich lustig und-
Sie sind keine Menschen. Sie tun nicht all die grauenvollen Dinge, die Menschen tun.
Felix hatte immer gedacht, dass er nicht in der Lage wäre einzuschlafen ohne etwas – oder jemandem – an dem er sich festhalten konnte. Er schläft immer mit einem Arm voll Kissen oder einem der Kuscheltiere, die sein Bett dekorieren. Und trotzdem kriegt er irgendwie kein Auge zu mit Jisung in seinen Armen. Jisung atmet ruhig, Felix kann seinen Herzschlag spüren, der so viel langsamer als sein eigener ist.

Irgendwann muss er dann doch eingeschlafen sein. Als Felix seine Augen wieder öffnet ist Jisung verschwunden. Das Bett ist kalt. Neben ihm auf dem Boden liegt eine komplett entleerte Luftmatratze. Die letzte Nacht kommt ihm wie ein Traum vor. Felix richtet sich langsam auf, sein ganzer Körper fühlt sich schwer und taub an, sein Arm kribbelt merkwürdig und sein Nacken ist komplett steif. Die Rückstände von Jisungs Anwesenheit sind omnipräsent, die Erinnerung an seinen Kuss hängt immer noch über Felix Lippen wie ein Geist, Jisungs Geruch klebt an seinem Bettlaken. Er ist nicht mehr hier und doch ist er überall.
Felix weiß genau, wo er nach ihm suchen muss.

Jisung sitzt im Schneidersitz mitten auf dem Trampolin im Zentrum des Daches mit dem Rücken zu Felix. Er hat beide Hände in die Bauchtasche seines Hoodies geschoben, von hinten sieht es beinahe aus, als würde er sich selbst umarmen. Felix nähert sich ein bisschen zögerlich und versucht dabei, Jisung dazu zu bringen, ihn zu bemerken, bevor er ihn erreicht. Er tritt ein bisschen lauter auf, als er es normalerweise tun würde, Kies knirscht unter seinen Füßen, aber Jisung dreht sich nicht um. Felix stoppt direkt vor dem Trampolin und wartet einen Moment. Dann klettert er darauf. Er krabbelt bis zu Jisung und setzt sich dann rechts neben ihn.
Hey“, flüstert Felix, in der kühlen Morgenluft formt sein Atem vor seinem Gesicht kleine Wolken. Jisung dreht sich nicht zu ihm um, aber er lehnt sich an Felix an.
Hey“, flüstert er zurück. Eine weitere kleine Dampfwolke. Wie der Atem eines Drachens. Sein Körper fühlt sich kalt an, Felix schlingt seine Arme um ihn und reibt seine Hände an den Seiten von Jisungs Körper auf und ab um ihn wieder aufzuwärmen. Seit wann sitzt du schon hier draußen?
Wann bist du gegangen?“, hört Felix sich selbst fragen. Eigentlich möchte er nach einem Grund und nicht nach der Zeit fragen, aber wann ist leichter zu sagen als warum. Jisung zuckt mit den Schultern.
Vielleicht so gegen fünf. Als ich aufgewacht bin. Ich wollte dich nicht weiter stören. Dass ich überhaupt bei dir übernachten durfte war schon mehr als genug. Viel mehr, als ich verdient habe. Und nach dem, was passiert ist, habe ich mich irgendwie schuldig gefühlt.“
Warum? Weil du mich geküsst hast?“
Ja... weil ich dich benutzt habe.“
Felix will sagen, dass es nicht wahr ist. Dass er sich nicht benutzt fühlt. Dass alles in Ordnung ist. Aber vielleicht fühlt er sich tatsächlich ein bisschen benutzt. Ein bisschen betrogen. Ein bisschen enttäuscht. Aber vielleicht wollte er auch benutzt werden. Wollte sich so fühlen, als würde ihn jemand brauchen und begehren, selbst dann, wenn es nicht echt ist. Er hatte sich genauso nach der Berührung gesehnt wie Jisung.
Ist schon okay“, flüstert Felix. Er weiß, dass es eine Lüge ist. Jisung weiß es wahrscheinlich auch. Aber das ist schon in Ordnung so. Es gibt nicht anderes, das sie tun können, außer sich wieder und wieder daran zu erinnern, dass alles in Ordnung ist. Und vielleicht wird es das dann auch irgendwann sein. Eines Tages. Und bis dahin müssen sie sich nur selbst betrügen und ein weiteres Placebo schlucken.
Ich bin einfach... ich fühle mich so verloren“, murmelt Jisung. Er hat seinen Kopf auf Felix Schulter, die pfirsichblonden Haare kitzeln seine Nase. Felix atmet Jisungs Geruch ein und seufzt in seine Haare weil er ihn jetzt schon so sehr vermisst hat. Jisung spricht weiter, die Stimme gesenkt, weil die Lücke zwischen ihnen so klein ist, dass sogar ein Flüstern zu laut ist.
Ich fühle mich so einsam. Und ich will einfach nur von irgendwem gemocht werden. Ich möchte, dass mich jemand in den Arm nimmt und mir sagt, dass alles okay sein wird. Ich bin einfach nur einsam und süchtig nach Aufmerksamkeit. Und nach unserem Gespräch gestern habe ich das Gefühl bekommen, dass du mich vielleicht wirklich magst. Und ich habe dich ausgenutzt, nur um mich ein bisschen an dir zu wärmen. Und das tut mir so verdammt leid. Aber ich wollte einfach nur für einen Moment alles vergessen. Ich wollte das Gefühl haben, geliebt zu werden.“
Ich auch“, gibt Felix nach einer Weile zu, in der er Jisung einfach nur im Arm gehalten hat, um ihn wieder aufzuwärmen. Ein kalter Windstoß bläst gegen ihre Rücken und Jisung verkriecht sich noch tiefer in seinem Hoodie. Felix schiebt seine Hände mit in die Bauchtasche von Jisungs Hoodie und greift nach seinen Händen. Sie sind warm. Es ist angenehm.
Ich will auch das Gefühl haben, geliebt zu werden. Ich glaube, das wollen wir alle, daran ist doch nichts verkehrt. Was solls? Wir sind beide einsam. Vielleicht können wir uns einfach aneinander festhalten und es wird schon irgendwie in Ordnung sein. Ich werde dich umarmen und warmhalten so lange, wie du es brauchst. Lass mich einfach nicht noch einmal alleine. Wir kriegen das schon irgendwie hin. In unserem eigenen Tempo. Du in deinem und ich in meinem. Glaubst du nicht, dass es in Ordnung ist, sich manchmal ein bisschen verloren zu fühlen?“
Du hörst dich genau wie Chan an.“
Schön wärs, er ist so viel besser mit Worten als ich.“
Du stellst dich selber gar nicht so schlecht an, weißt du? Eigentlich bist du sogar ziemlich außergewöhnlich. Manchmal überraschst du mich richtig. Ich glaube, du bist so viel großartiger, als du selbst siehst. Ich will, dass du das weißt. Ich will wirklich, dass du verstehst, dass du so viel besseres verdienst.“
Felix lächelt sanft, er kann sich nicht so wirklich dazu bringen, alles zu glauben, was Jisung sagt, aber es macht ihn trotzdem glücklich. Es ist schön. Obwohl der Wind kalt ist, ist es warm mit seinen Händen vergraben in Jisungs Hoodie. Es ist angenehm. Vielleicht wird alles in Ordnung sein. Wahrscheinlich nicht heute oder morgen oder sogar nächstes Jahr, aber es wird alles in Ordnung sein, irgendwann. Wo es Schatten gibt, muss es auch Licht geben. Jetzt gerade wirft die Einsamkeit einen riesigen Schatten über alles und es kommt ihnen so vor, als könnten sie dem nie entkommen. Aber irgendwo warten wieder sonnige Tage auf sie. Und bis dahin haben sie die Wärme von Jisungs Hoodie und den Trost, den sie sich gegenseitig spenden.

Chan findet die beiden zusammen auf dem Dach, als er gegen Mittag dort ankommt. Felix und Jisung halten sich auf dem Trampolin gegenseitig im Arm. Er kommentiert es nicht, wirft nur eine Decke in ihre ungefähre Richtung und fragt, ob sie auch eine Tasse Tee haben wollen. Vielleicht wird der Rest ihrer Gruppe – ihrer Familie – später zu ihnen stoßen. Es wird alles in Ordnung sein.
Sie sind jetzt zu Hause.
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