[D'c III]  Destiny's choice ... Spiel mit dem Feuer II

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
08.02.2019
24.08.2019
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„Zum Teufel, wie kommst Du auf so eine bescheuerte Annahme? Verdammt Sam, gerade Du solltest wissen, dass man so etwas nicht einfach in den Raum knallt.“ Bryan sah Sam an und fuhr sich erneut durch die Haare. „Die Untersuchungen zu dem Unfall meiner Eltern und von Jamie gingen ewig und da ist absolut nichts. Verdammt, das eine war in LA und das andere in Richmond. Beide waren zur falschen Zeit, am falschen Ort.“ Bryan sah zu Sam und wie dieser sich mit beiden Händen durch die Haare fuhr, bevor er ihn mit leicht gequältem Gesicht ansah.

„Nein, Cinye.“

„Doch verdammt, ich habe diese verdammten Unterlagen gesehen, nichts … absolut nichts weist auf Gordon hin. Und in seinem Rachedurst hätte er mich wissen lassen, dass er seine Finger im Spiel hatte, doch das passierte nicht, und weißt Du warum? … Weil da verdammt nochmal kein Zusammenhang besteht. Und das heißt, Lisa und Takoda sind sicher, wenn ich mich von ihnen fernhalte...“ Mit den letzten Worten war seine Stimme leiser geworden und als er in Sam's Gesicht sah, auch zweifelnd.

„Bryan … ich habe Jahre gebraucht, um alle Puzzleteile zusammen zu bekommen. Deine Eltern starben bei einem Verkehrsunfall … auf einem verdammten Parkplatz. Der Wagen Deiner Eltern stand und von hinten ist einer mit voller Geschwindigkeit in sie hineingefahren...“

„Falsch … Ich weiß, wie meine Eltern gestorben sind, verdammt. Ein Betrunkener hat die Kontrolle über sein Auto verloren und den Wagen meiner Eltern gerammt. Das brauchst Du mir nicht erzählen...“ Wütend glitzerten Bryan's Augen auf, als er Sam ansah, der den Blick jedoch unbeeindruckt zurück gab.

„Das ist falsch, Bryan. Der Wagen Deiner Eltern stand auf einem Parkplatz, wo sie sich mit jemandem treffen wollten mit den Initialen C.H. Deine Mutter war sofort tot, Dein Vater...“ Beschwörend beugte sich Sam vor und sah Bryan an, als dieser ihn unterbrach.

„...ebenfalls, verdammt … hör auf.“ Bryan sprang auf und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare, bevor er, die Hände am Kopf lassend und sich die Schläfe reibend, anfing durch das Wohnzimmer zu laufen.

„Dein Vater … starb erst einige Minuten später … in den Armen eines Bikers, der am Tatort war und die beiden aus dem Wagen holen wollte und es nicht schaffte. Laut Zeugenaussagen bekam er die Türe auf der Seite der Frau, Deiner Mutter, nicht auf. Aber er zog die Fahrertüre auf und den Fahrer aus dem Wagen. Dein Vater sprach mit dem Biker, bevor dieser total ausflippte und abhaute.“

„Das stimmt nicht. Warum machst Du so etwas? Was zum Teufel soll der Scheiß jetzt? Verdammt, Sam.“ Bryan tigert vor dem Kamin hin und her, bevor er Sam vorwurfsvoll ansah. „Woher willst Du solche Informationen haben, wenn davon nichts, absolut nichts, in dem Polizeibericht steht? Woher willst Du wissen, dass sie sich mit jemandem treffen wollten? C.H. sind nicht Gordon's Initialen.“

„Ich habe meine Verbindungen und ich sagte bereits, es hat mich Jahre gekostet alles richtig zusammen zu setzen. Und nein, C.H. sind nicht Gordon's Initialen, aber Du kennst jemanden, dem sie gehören und den Du fragen kannst.“

Verwirrt sah Bryan zu Sam „Ich kenne jemanden? Nein, ich kenne niemanden mit C...“ Abrupt brach er ab und sah ungläubig zu Sam. „Chock? … Christian Howell? … C.H.? … Nein, er hätte es mir gesagt.“

„Ruf ihn an, Bryan. Lass es Dir bestätigen und dann reden wir weiter.“ Sam stand auf und ging mit seiner Tasse in die Küche, um sie aufzufüllen, während er Bryan's Blick im Rücken spürte.



                                                                     
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Chock griff nach seinem Handy und sah genervt auf die Uhr, bevor er erschrocken die Augen aufriss. Es war vier Uhr morgens und Bryan rief ihn an.

„Wer ist das, Darling? Wer immer das ist, Du bist in Rente und sie sollen Bryan anrufen.“ Verschlafen machte Isabel die Augen auf und gähnte, bevor sie sich wieder an ihren Mann kuschelte und die Augen schloss.

„Es ist Bryan, Darling.“ Chock sah immer noch verwirrt auf sein Handy, bevor er das Gespräch annahm. „Bryan? Was ist los? Ich habe eigentlich gestern mit Deinem Anruf gerechnet oder vorgestern, aber bestimmt nicht mitten in der Nacht.“

„Bryan? Wie geht es ihm? Und Lisa? Und dem Kleinen? Sag schon, frag ihn...“ Isabel richtete sich etwas auf und sah auf Chock und das Handy an seinem Ohr.

„Chock … Mir wurde gerade etwas Interessantes erzählt. Angeblich starb mein Vater in Deinen Armen. Als er sich mit jemandem treffen wollte, dessen Name mit C.H. anfängt.“

„Bryan...“ Chock schluckte und schloss die Augen kurz, als Bryan ihn so unvermittelt überfiel, und kam nicht einmal auf die Idee, etwas zu leugnen. „Das ist ein Thema, darüber sollten wir reden, wenn Du und Deine Familie wieder hier seid. Von Angesicht zu Angesicht und nicht am Telefon.“

Isabel sah erstaunt zu ihrem Mann, als sie seine gepresste Stimme und seine Worte hörte und richtete sich langsam auf. Entsetzt sah sie zu Chock, der leichenblass im Bett lag und sich nun langsam aufrichtete. „Ich glaube … ich geh uns Kaffee kochen, Darling.“ Leise stand sie auf und warf sich ein Morgenmantel über, bevor sie das Schlafzimmer verließ.

Dankbar sah Chock ihr nach, bevor er sich auf das Telefon konzentrierte. „Lass uns später darüber reden, Bryan, ok? Wer hat Dir davon erzählt? Braden sagte, das alles...“ Innerlich fluchend brach er ab, als er merkte, dass er mehr verriet als er eigentlich wollte.

„Also stimmt es? Ihr habt mich die ganzen Jahre belogen und Braden steckt mit drinnen? Zum Teufel Chock. Mein Vater starb in Deinen Armen? ...“

„Bryan, bitte … Don … Don war mein bester Freund.“

„Du hast mir nichts gesagt, Chock, all die Jahre, hast Du mich belogen...“

Chock hörte die tonlose Stimme von Bryan und wusste wie verletzt er nun war. „Bitte, Bryan … ich weiß nicht, wer Dir da gerade etwas ins Ohr flüstert. Aber lass uns darüber reden, wenn Du wieder da bist. Ganz in Ruhe, ja?“

„Nein. Ich will es jetzt hören, Chock. Sofort!“

Seufzend schloss Chock kurz die Augen und stopfte sich ein Kissen unter sein Bein und ein zweites in seinen Rücken. „Okay, Bryan, was willst Du wissen?“

„Alles Christian“, heiser fauchte Bryan ihn durch das Telefon an und resigniert seufzte Chock auf, als Bryan ihn mit seinem richtigen Namen anredete.

„Dein Vater, Paco und ich sind zusammen aufgewachsen, Bryan. Irgendwann zogen Paco's Eltern weg und wir sahen uns seltener, waren aber immer noch Freunde. Bis Isa in Paco's Leben trat...“

„Den Teil der Geschichte kenne ich, Chock. Den hat mir Isa damals beim Barbecue erzählt. Also erspare mir das, ja? Ich will die Wahrheit von Dir und meinem Vater hören, Christian.“ Knurrend unterbrach Bryan Chock und der seufzte leise auf.

„Okay … Wie gesagt, wir waren Freunde und es war immer klar, dass Don, wie sein Vater, Dein Großvater, auch Cop werden würde. Er wollte es so, für mich war das nichts. Doch wir wussten auch, dass es dann schwieriger sein würde. Ein Cop und ein Biker, wobei am Anfang war der Club noch nicht so wie er heute ist. Eigentlich sollte er auch nie so werden. Doch wie das Leben so spielt, brauchten wir Geld für die Motorräder, die Frauen einiger Leute waren schwanger, einige Member arbeitslos. Die falschen Leute, die falschen Kontakte, die falschen Entscheidungen und so nahm das Verhängnis seinen Lauf. Der Club rutschte immer mehr ab und am Anfang fand ich es nicht gut. Doch wir hatten Geld, die Leute Angst vor uns und wir unsere Ruhe. Doch das war nur Schein, wir wurden immer schlimmer, Böses zieht Böses an. Nicht, dass ich es entschuldigen will, es war einfach so. Der Einzige, der mich niemals aufgab, war Dein Vater. Immer und immer wieder wollte er, dass ich den Club zu dem mache, für was er ursprünglich geplant war. Einfach ein netter Club, wo sich gleichgesinnte Treffen können und über Motorräder fachsimpeln.“ Chock machte eine Pause und war einen Moment tief in Gedanken versunken, als er an damals dachte. Doch er hörte auch Bryan's unterdrücktes, ungeduldiges Fauchen und riss sich zusammen.

„Irgendwann hat er es dann doch geschafft und mich solange bearbeitet, bis ich den Club ändern wollte und so machte er mich mit Braden's Vorgänger bekannt.“ Chock lachte leise, wurde aber sofort wieder ernst, als er daran dachte, was dann geschehen war.

„Wir saßen lange zusammen, schmiedeten Pläne und wie ich es anstellen konnte, ohne dass es groß und sofort auffallen würde. Doch dann...“ Chock brach ab und seine Stimme klang mehr als heiser als er weitersprach, „...doch dann wurde Mikel erschossen und in mir brach alles zusammen. Glühender Hass und unendliche Verzweiflung. Du kennst den Zustand, Junge. Das ist der, in dem Du Dich befunden hast, als Lisa verschwunden war.“

Chock bekam nur ein Knurren von Bryan zuhören und hörte, wie er scheinbar hin und herlief. „Ich will nicht Deine verfuckte Lebensgeschichte hören, Christian. Ich will wissen, warum Du mich belogen hast.“

„Das gehört dazu, Junge. Also, dass ich etwas ausholen muss, nicht das Lügen. Ich wollte Dich niemals anlügen, aber ich wollte immer den richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch abpassen.“ Chock strich sich über das Gesicht und seufzte leise. „Aber sei es drum. Weißt Du, dass Dein Vater mich um einen Gefallen bat? Als Du nach Virginia bist, auf die Uni und als Du später dortgeblieben bist, um Marshal zu werden und dort gearbeitet hast, bat er mich … ein Auge auf Dich zu haben. Also hat unser Virginia Charter Dich immer im Auge gehabt. Deshalb wusste ich auch, dass Du im Krankenhaus lagst, lange bevor Deine Eltern den Anruf bekamen.“

„Du hast mich überwacht?“ Unendliche Wut klang aus Bryan's Stimme und Chock zuckte unwillkürlich zusammen.

„Nein, natürlich nicht. Was denkst Du? Meine Leute haben nur ein bisschen auf Dich aufgepasst.“

„Das ist das Gleiche und ihr habt jämmerlich versagt.“

„Ja...“ Trauer klang in Chock's Stimme mit, als er es zugab, „...ausgerechnet an dem Tag, war nur einer in Deiner Nähe und konnte nichts machen. Er wollte mich anrufen, doch er kam nicht durch, irgendwas lief an dem Tag völlig schief und alles schien sich gegen uns … gegen Dich, verschworen zu haben.“ Chock hörte wie Bryan etwas murmelte oder etwas zu jemanden sagte, aber es war leise und er verstand die Worte nicht. Doch es hörte sich sehr nach Lakota an, etwas, was Don damals hin und wieder gesprochen hatte und was Chock, obwohl Don es ihm beibringen wollte, nie gelernt hatte.

„Wie dem auch sei. Ich bekam die Nachricht, dass Du ins Krankenhaus eingeliefert wurdest und rief sofort Deinen Vater an. Noch während er die Flüge buchte und die Reisevorbereitungen plante, rief das Krankenhaus an. Und dann … er schickte mir eine Nachricht, dass er mich sehen und etwas mit mir besprechen wollte, bevor er nach Virginia flog. Doch als ich auf dem Parkplatz ankam … es war furchtbar. Ich sah die beiden da im Wagen sitzen und wie der andere auf sie zuraste … ich konnte nichts machen, Bryan. Ich sah, wie Mary starb und Dein Vater … ich holte ihn aus dem Auto, doch er starb in meinen Armen...“ Chock spürte wie Tränen über sein Gesicht liefen und schluckte.

„Ich habe aber die Info hier, dass mein Vater eine Nachricht von einem C.H. bekommen hat, dass dieser sich unbedingt mit ihm treffen wollte.“ Bryan's Stimme klang gepresst und Chock merkte, dass ihnen beiden das Gespräch näher ging als sie zugeben wollten.

„Nein, ich habe ihm nur gesagt, dass Du im Krankenhaus bist und er wollte hinfliegen. Doch dann war wohl noch etwas und er schickte mir eine Nachricht. Wenn wir beide eine Nachricht bekommen haben … dann steckt jemand anderes dahinter und es war eine Falle. Ich frage mich nur … verdammt, wer könnte es schaffen uns beiden eine Nachricht jeweils mit der Nummer des anderen zukommen zu lassen?“

Wieder sprach Bryan mit jemandem in Lakota und Chock hörte nur den Namen Gordon.

„Gordon? Bryan … Gordon hat Dich ins Krankenhaus gebracht und meine Leute sollten ihn killen, doch er ist ihnen wieder und wieder entwischt. Als Du in New York warst...“ Chock holte tief Luft und beschloss, wenn er schon dabei war, reinen Tisch zu machen. „...als Du in New York warst, hab' ich die Meldung bekommen, dass Gordon aus dem Knast entlassen wurde und unsere Leute erneut auf die Jagt geschickt. Doch er ist ihnen erneut entwischt und spurlos verschwunden … Weißt Du … Ich habe all die Jahre immer gedacht, dass Paco den Tod Deiner Eltern auf dem Gewissen hat und habe verzweifelt nach Beweisen gesucht, doch niemals welche gefunden. Als Todd ihn fragte, hat Paco es abgestritten und gemeint, er gebe das mit Mikel zu, aber er hätte niemals den Befehl gegeben, Deine Eltern zu töten. Gott, glaubst Du, dass es ...“

„Ich glaube und weiß gerade gar nichts, Chock.“ Knurrend gab Bryan ihm die Antwort und Chock seufzte leise.

„Bryan … Die letzten Worte und Gedanken Deines Vaters … galten Dir. Er wollte, dass Du die Kette für Deine Frau bekommst und er war furchtbar stolz auf Dich. Er bat mich … er bat mich, immer auf Dich aufzupassen. Deshalb...“

„Was deshalb? Kommt da noch mehr? ...“

Chock wartete, ob Bryan noch etwas sagte. Zu abrupt hatte er, Chock,  aufgehört zu reden, doch Bryan schwieg beharrlich und langsam setze er sich gerade hin. „Bryan? Junge? … Gibt es da etwas, was ich wissen sollte?“

„Nein! Es gibt da nichts und ich brauche keinen verfuckten Babysitter. Was zum Teufel glaubt ihr eigentlich alle, was ihr da macht? Ich brauche keinen Aufpasser. Ich bin ein verfuckter Marshal. Wenn einer auf jemanden aufpasst, dann ich auf andere.“

Isa kam in das Schlafzimmer zurück und reiche Chock einen Kaffee, den er mit einem dankbaren Lächeln annahm. Vorsichtig nippte er an dem heißen Gebräu, bevor er es beiseitestellte und einen Arm um Isa legte, die sich wieder an ihn gekuschelt hatte. „Isa lässt Dich grüßen und fragt wie es euch da unten geht, wann ihr zurückkommt und Du sollst dem Kleinen einen Kuss geben und Lisa grüßen.“

„Ich habe noch einiges zu erledigen. Keine Ahnung, wann ich zurückkomme. Ich melde mich.“

Bevor Chock noch etwas sagen konnte, wurde die Verbindung unterbrochen und er sah einen Moment verwirrt auf das Handy, bevor er die Augen schloss. „Ich glaube, irgendetwas stimmt da nicht, Darling. Ganz und gar nicht.“

„Warum?“ Isa sah ihn fragend an und Chock schüttelte nur stumm den Kopf, bevor er sie etwas enger an sich zog.

„Ich weiß es nicht, Darling. Nur ein verdammt mulmiges Gefühl. Warum sollte Bryan sonst um diese Uhrzeit anrufen und dann wissen wollen, was mit seinem Vater war und ob ich in seinen letzten Momenten wirklich bei ihm war.“

„Glaubst Du, … glaubst Du, es ist etwas passiert?“ Isa sah erschrocken zu ihm hoch und sah wie ein Schatten über Chock's Gesicht huschte.

„Ich weiß es wirklich nicht, Kleines.“