To The Bone [18+]

GeschichteDrama, Romanze / P18
Jared Leto OC (Own Character)
08.02.2019
23.02.2019
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Leise schließe ich die Haustür und husche durch den Vorgarten, öffne leise das Gartentor und hoffe einfach nur, dass niemand mich bemerkt. Und obwohl ich das Schreien meiner Eltern bis hierher hören kann, was es sehr unwahrscheinlich macht, dass sie hören wie ich mich wegschleiche, besteht immer noch die Möglichkeit, dass sie mich durch das Küchenfenster sehen. Auf der anderen Straßenseite steht das Auto meiner besten Freundin, die lässig einen Arm aus dem Fenster hängen hat und auf mich wartet. Ich frage mich, was unsere Nachbarn wohl von uns denken. Erwachsene, die sich jeden Tag öfters so laut streiten, dass es jeder mitbekommt, und eine Tochter, die sich rausschleichen muss, obwohl sie alt genug ist, um zu entscheiden was sie tut. Und dann ist da noch der schwule Bruder. Ja, wir sind definitiv eine Familie, über die man sich unterhalten kann.

Als ich an Kayleighs Auto ankomme, sieht sie mich schon fragend an. Ich steige schnell ein und sie fährt los.
„Deine Eltern geben nie Ruhe oder?“, fragt sie dann schließlich und ich schüttele nur den Kopf, während ich auf die Stadt schaue, die an uns vorbeirauscht. Von außen scheint hier alles so perfekt, es sind große Häuser, mit riesigen Vorgärten, doch wenn man hineinschaut, dann kommen all die Geheimnisse hervor. Tiefgründige Geheimnisse. Leichen im Keller, von denen niemand was weiß. Manchmal nicht mal die Ehefrau. Die Kinder, die heimlich Drogendealer sind, obwohl ihre Eltern von einer großen Zukunft für sie träumen. Unternehmer, Ärzte, Manager. Das alles wollen sie, doch im Leben kommt immer alles anders als man gerne hätte.

„Sie haben eben immer irgendetwas anderes zu diskutieren und meistens ist es nicht mal wichtig.“
„Irgendwann suchen Paare, die sich streiten, eben nach jedem Grund, um es noch schlimmer zu machen. Ich weiß nicht warum das so ist, aber es scheint überall gleich zu sein. Entweder es hört irgendwann auf, oder es wird noch schlimmer.“
„Ich denke nicht, dass es noch schlimmer werden kann. Aber ist ja auch egal. Lass uns das Thema wechseln“, murmele ich und sehe sie aus dem Augenwinkel nicken.
„Heute kommt Jared wieder zu uns.“
„Oh, wirklich? Seit wann ist er wieder da?“, frage ich und sehe, wie wir auf den Parkplatz des Clubs fahren. Wir treffen uns jeden Freitag hier, Kayleigh, ein paar andere Freunde und ich. Als ich vor einem halben Jahr mit meiner Familie hierherkam, haben sie mich in ihren Freundeskreis aufgenommen und ich habe mich sofort gut mit jedem verstanden. Besagten Jared habe ich aber noch nie getroffen, da er mit seiner Band auf Tour gewesen ist.

„Seit Mittwoch“, antwortet Kay und lenkt das Auto auf einen Parkplatz. Sie fährt jeden Freitag, da sie ein eigenes Auto hat und keinen Alkohol trinkt. Ich bin zwar auch kein Freund von Alkohol, aber zwischendurch geht es doch mal. Und ein Auto habe ich eh nicht. Ich habe nicht mal eine Fahrlizenz hier in Amerika, da meine Fahrlizenz aus meinem Heimatland Norwegen nicht gültig ist. Wir sind vor einem halben Jahr nach Amerika ausgewandert, da mein Dad einen Job in einer sehr bekannten, amerikanischen Firma bekommen hat, den er nicht abschlagen wollte, obwohl die Lebensbedingungen in Norwegen deutlich besser waren. Ich trauere meinem Heimatland immer noch hinterher und werde ganz bestimmt zurückkehren, wenn ich mein Studium beendet habe, aber da meine Eltern noch immer alles für mich bezahlen, haben sie mich gezwungen mitzukommen. Immerhin habe ich tolle Freunde gefunden, was das Ganze ein bisschen einfacher macht.
„Du wirst ihn lieben.“

Gemeinsam steigen wir aus dem Auto und bahnen uns den Weg zwischen den Autos her bis zum Clubeingang, wo Mark, der uns selbstverständlich schon kennt, uns sofort reinlässt. In der gewohnten Ecke sitzen bereits schon Mila und Joe, ebenfalls zwei Freunde von uns. Mila habe ich von Anfang an beneidet. Sie hat langes, schwarzes Haar, das so schön glänzt, egal bei welchem Licht. Sie hat eine perfekte Figur und sieht immer gut aus, egal was sie trägt. Heute hat sie ein silberglitzerndes kurzes Kleid an und hohe Pumps. Neben ihr fühlt man sich direkt wie eine graue Maus, sie ist einfach zu perfekt. Aber auch so mag ich sie unglaublich gern, denn sie ist wirklich nett und hat mir schon oft zur Seite gestanden, wenn etwas war.
„Da seid ihr ja endlich“, grinst sie da auch schon und zieht mich neben sich auf die Couch, um mir ein Küsschen auf die Wange zu drücken. „Wir dachten schon, heute kommt gar keiner mehr.“
„Dachtet ihr wirklich, wir würden uns das hier entgehen lassen?“, lacht Kay und setzt sich neben mich. „Wo ist Jared? Und Mikey und Joana?“
„Joana kann nicht, Mikey und Jared sollten gleich auch irgendwann kommen. Du weißt ja, bei denen kommt immer irgendwas dazwischen.“
„Was ist mit Joana?“, frage ich neugierig.
„Keine Ahnung, hat sie nicht gesagt“, antwortet Joe und zuckt mit den Schultern. „Sie war ja in letzter Zeit oft nicht bei uns.“

„Vielleicht hat sie einen geheimen Verehrer, den sie heimlich trifft, wenn sie sich eigentlich mit uns treffen sollte“, grinst Mila und ich verdrehe lächelnd die Augen.
„Ist Joana nicht diejenige, die dauernd darüber redet, wen sie heiß findet? Ich glaube nicht, dass sie uns das Verschweigen würde“, merke ich an und der Kellner nähert sich unserem Tisch.
„Wie immer?“, grinst er uns an und Kay blickt einmal in die Runde, bevor sie nickt. „Wie immer.“
Er dreht wieder um und ich sehe mich im Club um. Es ist schon relativ voll, wie immer viele verschiedene Gesichter. Die Menschen in L.A könnten definitiv verschiedener nicht sein. Egal, ob in Hinsicht auf Style, Herkunft, Religion, Berufe – jeder ist anders. Das habe ich schon festgestellt, als ich hier ankam. Auch meine Freunde sind alle total unterschiedlich. Das ist auch gut so, denn so wird es nie langweilig mit ihnen.
„Jaaaaared“, ruft auf einmal Mila und springt neben mir auf. Ich drehe mich wieder nach vorn, nur um in zwei himmelblaue Augen zu schauen.

Für einen Moment scheine ich wie gefangen, und ich denke, dass ich kurz aufhöre zu atmen. Ein ganz merkwürdiges Gefühl breitet sich in mir aus, ich kann es nicht mal beschreiben. Als würde diese Person genau in meine Seele schauen. Ich werde erst von diesem Gefühl befreit, als Mila mir die Sicht versperrt und ich schaue kurz weg, nur um im nächsten Moment zu sehen, wie sie sich um den Hals dieses braunhaarigen, relativ schlanken Mannes wirft. Das ist dann wohl der berühmt-berüchtigte Jared Leto.
„Du bist wieder da!“
„Hier bin ich, hast du mich vermisst?“, ertönt seine leicht kratzige, tiefe Stimme und ich muss noch einmal schlucken. Er hat jetzt schon eine interessante Wirkung auf mich und ich weiß nicht genau was es ist.
„Was eine Frage.“ Mila löst sich wieder von ihm und endlich kann ich einen Blick auf sein Gesicht erhaschen. Er sieht jung aus, höchstens Ende 20. Und gut. Verdammt gut. Ich darf das Atmen nicht vergessen.
Nachdem die anderen Ihn und auch Mikey begrüßt haben, dreht er sich zu mir und ich muss mich konzentrieren nichts Blödes zu tun. Er lächelt mich sanft an.

„Du bist wahrscheinlich Alyssa?“, fragt er und hält mir seine Hand hin. Ich gebe ihm meine und nicke zaghaft. „Ich bin Jared. Freut mich dich kennenzulernen.“
„Mich ebenfalls“, bringe ich lächelnd hervor und bin froh, als er meine Hand wieder loslässt, jedoch schaut er mich noch einen kurzen Moment an, bevor er sich endlich hinsetzt. Natürlich direkt mir gegenüber. Das kann ja noch ein lustiger Abend werden, wenn er mich jetzt die ganze Zeit so anschaut.
Der Kellner kommt und bringt uns unsere Getränke, was mich etwas erleichtert, da ich mich jetzt einfach mit meinem Caipirinha beschäftigen kann und Jared nicht die ganze Zeit angucken muss. Während Jared sein Getränk bestellt, ertappe ich mich doch wieder dabei, wie ich ihn anstarre. Mila scheint es auch zu merken, denn sie lehnt sich grinsend zu mir.
„Er ist heiß mh?“, flüstert sie in mein Ohr und ich verschlucke mich beinahe an meinem Getränk.
„Ähm, ja.“ Sie grinst noch mehr und ich verdrehe nur die Augen.
„Jetzt erzähl mal“, sagt Kay zu Jared und er sieht sie an.

„Was denn?“, lacht er dann und fährt sich einmal kurz durchs Haar. Ja, ich analysiere seine Bewegung und seine Mimik, während ich an meinem Strohhalm knabbere. Warum tue ich das?
Seufzend stelle ich mein Glas auf den Tisch und lehne mich an das Polster.
„Na, wie war es? Was hast du so gemacht? Irgendwelche heißen Ladys abgeschleppt?“, lacht Kay und ich weiß nicht, ob ich die Antwort hören will.
„Ich wünschte dafür hätte ich Zeit“, kichert er und schüttelt den Kopf. „Die Tage waren meistens verplant. Manchmal konnten wir uns die Landschaften anschauen, oder klettern gehen.“ Er erzählt und erzählt. Ich hänge an seinen Lippen. Er hat so eine ruhige, aber zugleich spannende Art zu erzählen, sodass man mitfiebert und es total Spaß macht. Wahrscheinlich ist er so einer, der wahnsinnig gut vor anderen Menschen reden kann. Ich habe es nie gekonnt, bin auch generell eher introvertiert. Er scheint das komplette Gegenteil zu sein.
Kay hat mir auch mal erzählt, dass er neben der Band auch noch Schauspieler ist und Unternehmen führt. Ich habe ihn damals natürlich gegooglet und eine Menge herausgefunden, jedoch hätte ich  nie erwartet, dass seine Anwesenheit mich so nervös machen würde. Ja, ich wusste, dass er gut aussieht. Doch ich wusste nichts über seine Persönlichkeit. Und die spiegelt sich auf den Bildern bei Google nicht im Geringsten wieder. Und ich weiß nicht, was dieses merkwürdige Gefühl in mir ist, doch er macht mich nervös und mein Fluchtinstinkt scheint in diesem Moment sehr ausgeprägt. Ich mag nicht mehr hier sein, es macht mich unruhig.

„Und du kommst doch aus Norwegen, richtig?“
Alle Augenpaare richten sich auf mich und ich realisiere, dass er gerade mich angesprochen hat. Ich sehe ihn nervös an.
„Ähm, ja. Aus Lørenskog in Oslo“, schaffe ich es zu antworten. Reiß dich bloß zusammen. Er redet nur mit dir.
„Da war ich letztens auch. Warum würde man hierherziehen, wenn man auch in Oslo leben kann?“, fragt er und ich weiß nicht, was ich antworten soll. Ich kann ja schlecht sagen, dass meine Eltern mich gezwungen haben. Das klingt ja, als wäre ich total unselbstständig.
Zum Glück scheint Mila meine Verzweiflung zu merken und kommt mir zu Hilfe.
„Ich habe dir doch schon erzählt, sie hat hier ein Stipendium bekommen.“ Daran hab ich gar nicht gedacht.
„Ach ja, richtig. Psychologie, oder?“
Ich nicke und lächele leicht. Heimlich werfe ich Mila einen dankbaren Blick zu und sie grinst nur. Ich hoffe sie ahnt nicht, was in mir vorgeht, ich weiß es ja selbst nicht mal. Aber wahrscheinlich tut sie das eh. Andere Leute wissen immer direkt, wenn bei mir etwas nicht stimmt. Ich kann Gefühle nicht so gut verdecken.
„Dann kannst du ja unser Therapeut werden. So gestört wie wir sind bin ich mir sicher, dass wir einen brauchen“, lacht Mickey und ich grinse.
„Und wer therapiert mich dann?“
„Na du selber.“ Ich lache und trinke wieder einen Schluck. Dabei bemerke ich, dass Jared mich wieder mit diesem durchdringenden Blick anschaut, und auch als ich ihn kurz ansehe, schaut er nicht weg. Mir läuft eine Gänsehaut den Rücken hinunter. Warum ist dieser Typ so gruselig? Ich verstehe einfach nicht was er tut, dass er so eine Präsenz hat. Auch verstehe ich nicht, wie die anderen so locker damit umgehen können, ich kann es nämlich nicht. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass sie ihn schon länger kennen.
Plötzlich packt Mila meinen Arm und zieht mich hoch.

„Lys, das ist unser Song! Komm, wir gehen tanzen.“ Ich kann kaum nachdenken, da zieht sie mich schon hinter sich her auf die Tanzfläche. Ich schaue noch einmal zurück in unsere Ecke, nur um festzustellen, dass Jared mir nicht mehr hinterherschaut, sondern laut lachend mit den anderen rumalbert und ihnen irgendetwas auf seinem Blackberry zeigt. Ist das Gefühl, was nun in mir aufkommt, etwa Enttäuschung?
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