Liebe mich, wenn du kannst

von AliceNott
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
08.02.2019
13.02.2019
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Die Wochen gingen ins Land und Harry und Draco entwickelten eine rege Brieffreundschaft.
Sie schrieben täglich miteinander und Harry hatte das Gefühl, dass es Draco von Tag zu Tag besser ging, auch wenn es hin und wieder einige Rückschläge gab und Harry merkte, dass Draco gerade mal wieder alleine und verzweifelt in Malfoy Manor saß und einfach nicht weiter wusste. Er spürte, dass nur sein Sohn im Kraft gab.
Aber er war froh, dass Draco sich ihm gegenüber so geöffnet hatte. Denn auch wenn sie nur über die Arbeit sprachen und wie man am besten einen Garten entgnomen konnte, was Draco übrigens zu Harrys entsetzen noch nie getan hatte und es unbedingt auf seine To- Do Liste schrieb, war dies doch ein großer Schritt in der Beziehung zwischen den beiden.

Harry merkte, dass Draco, aber auch er selbst um die Frage kreisten, warum Harry eigentlich das machte. Warum Draco das machte. Warum beide füreinander da waren, obwohl zumindest Harry viel engere und langjährige Freundschaften hatte als Draco. Wie ein Falke über eine Waldmaus kreiste, so kreiste die Frage in ihren Briefen, sie umschifften die heiklen Passagen und lenkten ab, sobald das Thema aufkam. Sie versuchten in ihren Briefen nicht über die Schuld zu reden, die sie beide, so hatten sie das Gefühl, trugen, an dem Tod, derer vieler, die gestorben waren. Aber natürlich schrieben sie über Dracos schlaflose Nächte und seinen Alpträumen und so sah Harry sich auch in der Pflicht über seine zu schreiben und so landeten sie wieder unvermeidlich in der Vergangenheit. Als ob sie sich in einem Maislabyrinth befanden und keinen Ausweg fanden.

Trotzdem genoss Harry jedes Wort von Malfoy. Er studierte genau seine Schrift und konnte genau sagen, wann Malfoy aufgeregt, erregt war, wütend war und auch traurig war.
Die feine, säuberliche Schrift, die mal schneller über das Papier glitt, dann zögernd, langsam, an manchen Buchstaben und an manchen Satzanfängen mehr dunkle Tinte hatte, als an anderen.
Harry war Draco noch nie so nah. Nur mithilfe dieser Briefe fühlte sich Harry all die Jahre verstanden und das Sehnen in seiner Brust und das Verlangen nach mehr als nur Worte, nach mehr als nur die entfernte Nähe, die Draco ihm mit diesen Briefen anbot, wuchs von Tag zu Tag wie das Gras in seinem Garten.

Er stand vor der Klassenraum, indem er Dracos Stimme und das Kratzen des Pergaments hörte.
Sie hatten festgestellt, dass sie an am gleichen Tag Vertretungsunterricht hatten und sie wollten sich treffen.
Harry war nicht oft in Hogwarts. Es gab im Fach Verteidigung gegen die Dunklen Künste kaum Vertretungsstunden, bei Arithmantik dagegen sah es anders aus.
Harry fragte sich, warum das eigentlich so war. Vielleicht war das Fach wirklich so langweilig wie es klang und der Lehrer hatte selbst kein Bock auf Unterricht. Er grinste.

Sie hatten beschlossen, Albus und Scorpius mit nach Hogsmead zu nehmen, Butterbier zu trinken und sich mit Süßigkeiten einzudecken. Damit war der Vorsatz: Ich kann mich ja nicht nur von Zucker ernähren für Harry dahin – das war ihm aber herzlich egal, bei der Vorstellung, was alles auf ihm im Honigtopf wartete.
Die Tür ging auf und die ersten Schüler traten aus dem Klassenzimmer. Er sah Draco seinen Sachen zusammenräumen und als alle die Schüler den Klassenraum verlassen hatte, klopfte er leicht an den Türrahmen des Raumes.
>>Hallo.<< Er lächelte leicht.

Draco strahlte ihn an.
>>Hallo Harry!<< Er schritt zu ihm herüber und hielt ihm seine Hand hin.
Das war ja schon mal ein ganz großes Fortschritt zum letzten Mal, dachte sich Harry und griff erleichtert die Hand von Draco. Sein Grinsen wurde breiter und er betrat den Klassenraum.
>>Also hier arbeitest Du? <<
Er schaute sich um und drehte sich zur Tafel. Er hob eine Augenbraue.
Ein wildes Durcheinander an Zahlen bedeckte die Tafeloberfläche.
Harry sah verwirrt zu Draco. Draco lachte leise auf und grinste Harry an.
Harry öffnete gerade den Mund, um irgendetwas schlaues zu sagen... Hatte Hermine ihm nicht auch mal versucht etwas in Arithmantik beizubringen? Was war das nochmal? Er grinste Draco verlegen an und strich die Haare aus der Stirn. Gerade als er ein zweites Mal ansetzen wollte, wurde er unterbrochen.

>>Vater?<<
Harry drehte sich um sah Scorpius in der Tür stehen. Erstaunlich. Eine 1:1 Kopie von Draco. Nur in Kleiner.
>>Scorpius! Schön dich zu sehen!<<
Er schritt rüber zu seinem Sohn und schloss ihn fest in seine Arme und drückte ihn.
Scorpius war dies anscheint unangenehm und drückte ihn leicht von sich weg.
>>Ja, ist gut Vater.<<
Draco leichte leise auf und grinste Harry an. Der Ausdruck sollte wohl so etwas sagen wie: Mein Sohn. Kann ich nicht stolz auf ihn sein?
Harry erwidert nur sein Grinsen. Darin wollte er in keinem Fall Wiedersprechen.
>>Mister Potter..<<
Scorpius hielt ihm die Hand hin. Harry nahm auch diese gerne an, wunderte sich aber doch sehr, dass er in dem Alter so förmlich war. Aber, so dachte er sich, er war ja immer noch ein Malfoy. Das bedeutete wohl so etwas wie gute Manieren. Und ehe dieser Gedanken in seinen Kopf auf, sah er einen schwarzhaarigen Jungen in das Klassenzimmer stürmen, Scorpius zur Seite schubsen und in seine Arme springen.

>>Daddy!<<
Das war doch eher die Art von Begrüßung, die er kannte. Vielleicht auch nach seinem Geschmack. Er drückte Albus an sich und küsste seine Stirn. Er grinste Draco genauso stolz an wie er ihn eben gerade, lies Albus los und durchstruppelte seine Haare.
>>Na, wie wars heute?<<
>>Voll cool, wir haben heute Flubberwürmer platzen lassen!<<
Harry zog eine Augenbraue hoch. Das klang viel eher nach seinem Sohn James.
Albus kicherte und boxte Harry in die Seite. >>Aua!<<
Harry schaute spielerisch erbost zu Albus herunter und versuchte ihn zu kitzeln. Albus entwischte ihm und lachte.
>>Können wir jetzt nach Hogsmead gehen? Ich will unbedingt Zischende Wisbees haben.<<
>>Boah Ja! Und ich will die Schokokugeln vom letzten Mal!<<
>>Ausdrucksweise, Mister Malfoy..<<
Er hörte eine leise, deutlich schärfere Stimme von Draco, als die, die er eben vernahm. >>Das heißt: Ich möchte und was war das gerade? Boah Ja...?<<  Eine Augenbraue war noch oben gezuckt.
>>Tschuldigung, Vater<< Scorpius schaute bedröppelt auf den Boden.
Na kein Wunder, dachte sich Harry. Er räusperte sich. >>Ja und ich will - Harry betonte dieses Wort extra, um Scorpius ein klein wenig zu unterstützen -  unbedingt Butterbier.Mit Sahne. Wer noch?<<
>>Hier, ich!<< Albus und Scorpius meldeten sich gleichzeitig. Und er sah, dass auch Draco die Hand hob. Harry grinste ihm zu.

Sie waren von oben bis unten mit Süßigkeiten eingedeckt. Harry war sich sicher, dass das eigentlich für ein Jahr halten würde, schaute er sich aber Albus und Scorpius an, die ein paar Schritte vor ihnen ging, so dachte er sich, würden sie das Ganze sicherlich innerhalb von 24 Stunden aufgefuttert haben. Er schüttelte in Gedanken den Kopf. Die Lehrer taten ihm jetzt schon leid, bei dem Zuckerschock. Er schmunzelte und als er zu Malfoy herübersah, sah er, dass er wohl die gleichen Gedanken hatten.

Als Harry erneut zu Albus und Scorpius rüberblickte, bemerkte er, dass ihre Kinder auf eine Gruppe Jungs aufgeschlossen hatten. Er konnte nicht erkennen, wer es war und er sah fragend zu Malfoy herüber. Er zuckte mit den Schultern.>>Ich glaube...<<
Albus gestikulierte wild und Harry, nachdem er den Kopf leicht zur Seite geneigt hatte und Albus die Geste dreimal wiederholt hatte, verstand er, dass er wohl mit den anderen schon mal hoch nach Hogwarts gehen wollte. Er hob bestätigend die Hand und er sah, dass auch Malfoy nickte. Sie blieben beide stehen.
>>Wollen wir nochmal durch Hogsmead gehen? Wir könnten jetzt die Chance nutzen, uns ganz unauffällig mit Süßigkeiten einzudecken. Ich habe noch keine Schokofroschkarte von Dir, Harry.<<
Harry biss sich selbst in die Wange, um nicht anfangen zu grinsen. Au.
Er schaute zurück in die Dorfmitte, dann wieder zu Draco und ging voran.

Harry spürte die Wärme, die Draco ausstrahlte. Seine Hand war nur einige Millimeter von seiner eigenen entfernt. Er konnte jetzt einfach, er konnte jetzt einfach, er könnte jetzt einfach zugreifen. Immer schielte immer wieder zu Dracos Hand. Er war vertieft ein Thema, dass er heute Morgen im Tagespropheten gelesen hatte. Harry nickte nur bejahend. >>Mhh, ja<< und schaute wieder aufs Dracos Hand.
Draco bemerkte, dass Harry gar nicht richtig zugehört hatte. Es verärgerte ihn leicht, denn es war ja schon wichtig, welche Heilwirkung die Milchblume hatte und das jetzt sogar weitere entdeckt worden waren. Er versuchte unauffällig seinem Blick zu folgen, um herauszufinden, was es gerade bitteschön spannenderes gab und Harry sah, dass er immer wieder auf seine Hand schaute.Oh..

>>Ich mag am liebsten Unterhosen mit Drachenmotiven.<< Er verlangsamte seine Schritte.
>>Oh ja.<< Harry strahlte ihn abwesend an und schaute dann wieder auf seine Hand.
Draco schob beide Hände in seine Tasche und legte seine Stirn in Falten. Harry schüttelte irritiert den Kopf. >>Wie...was..?<< Er lief rot an. Draco räusperte sich.
>>Milchblume, Potter, Milchblume.<< >>Oh...<< Harry schaute weiterhin irritiert zu Draco und kniff ein Auge leicht zu. >>Davon habe ich die letzten fünf Minuten geredet...<< Draco schaute ihn an.

Natürlich wollte er Potter anfassen. Und wenn es nur seine Hand war. Aber jetzt mit ihm am helligten Tag durch die Gegend zu spazieren, in Hogsmead. Er drehte sich um, aber er sah niemanden. Er schluckte und zog seine Hand aus der Tasche. Er ging auf Harry zu und wollte sie vorsichtig in seine legen. Harry hatte aber Dracos Bewegung aufmerksam verfolgt. Er überwand schneller, als Draco vermutete,die wenigen Zentimeter, die sie noch voneinander trennten und griff kräftig zu.
Er drückte Dracos Hand und strahlte wie ein kleines Kind, dem seine Mami gerade ein Blutlutscher gekauft hatte. Er strahlte und drückte nochmal zu. Fester.
>>Au. Potter. Ich bin kein Schnatz.<< Harry grinste nur und biss ich sich wieder selbst. Diesmal auf die Lippen und schaute verlegen weg. Er sah, dass sie vor dem Laden mit Quidditchbedarf angekommen waren und zog Draco mit sich.

So standen sie dort für einige Minuten, Hand in Hand und schauten sich die Auslage an. Ein Besen, nicht das neuste Modell, aber von guter Qualität lag im Schaufenster aus. Harry erinnerte sich noch, wie er selbst im dritten Schuljahr jeden Tag in den Ferien bei Qualität für Quidditch in der Winkelgasse den Feuerblitz bestaunt hatte.

Er war so in seine Erinnerungen vertieft, dass er erst merkte, dass etwas nicht stimmte, als Malfoy nach Luft schnappte. Er schaute verwirrt zu Malfoy rüber.
Seine Hand hatte er locker in seine gelegt. So Schmerzempfindlich konnte selbst Malfoy nicht sein. War es ihm unangenehm Hand in Hand in Hogsmead mit ihm zu stehen? Ja, vielleicht. Aber da konnte er die Hand doch einfach loslassen.
Er sah, dass Tränen in Dracos Augen standen. Also das hatte auch noch keiner geschafft, dass jemand weinte, wenn Harry mit jemand Händchen hielt.Außer Cho vielleicht. Aber das zählte nicht.

Harry hörte, dass sein nächster Atemzug von einem Schluchzen unterbrochen worden war. Er löste vorsichtig seine Hand von Dracos und strich ihm beruhigend über den Rücken. Er war irgendwo anders aber sicherlich nicht in Hogsmead. Vielleicht nicht Mal im gleichen Jahr, im gleichen Monat, sondern mit seinen Gedanken weit, weit weg.
>>Hey Ma-Draco.<< Er legte seine warme Hand auf Dracos Schulter, als er sah, dass er weinte.
>>Kannst Du mir sagen, dass alles gut werden wird?<< Er schaute verzweifelt in Harrys grüne Augen. Hoffnung braucht er jetzt.
Harry sah ihn traurig an, dann sagte er mit bestimmter Stimme: >>Es wird alles gut werden.<< Draco schluchzte nochmal auf, diesmal noch heftiger, noch lauter.
Harry überlegte nicht lange und zog ihn in eine Umarmung. Fest an sich. Draco klammerte sich an ihn wie ein ertrinkender. Er krallte seine Fingernägel in Harrys Jacke und vergrub sein Gesicht in Harrys Halsbeuge.
Harry strich beruhigend über den Rücken des blonden Mannes. >>Sh...Shh.<<
Er küsste leicht seinen Kopf. >>Ich hab dich, ich hab dich.Es wird alles gut werden.Alles.<< Er küsste nochmal Dracos Stirn. >>Alles Gut werden.<<

Sie blieben einige Zeit so stehen. Draco beruhigte sich nur langsam und weichte Harrys Pullover mit seinen Tränen auf.
Als Dracos Atmung sich langsam wieder normalisiert hatte, drückte Harry ihn leicht von seiner Schulter weg und strich mit seinem behutsam über seine Wange, um die Tränen zu entfernen. Er spürte, den kleinen Flaum um Dracos Mund, der viel weicher war als Harrys und so hell war, dass er kaum erkennbar war.
Er lächelte ihn liebevoll an.
>>Ich glaube, wir brauchen noch ein Butterbier.<< Er zog Malfoy wieder zu sich und eng ineinander geschlungen schleifte er ihn zu Madame Rosmerta.

Sie unterhielten sich noch lange. Harry spürte, dass Draco dringend etwas Normalität brauchte. Sie beobachten andere Hexen und Zauberer und waren doch sehr irritiert über deren sehr interessanten Modegeschmäcker.
Sie lachten über die Witze von Madame Rosmerta und Harry drückte ab und zu bestätigend Dracos Hand. Es war ihm immer noch unangenehm, in der Öffentlichkeit zu sitzen. Die Leute starrten immer noch und tuschelten. Aber Harry ließ sich nicht irritieren.
Sie hatten noch zwei Butterbier getrunken und dementsprechend waren sie leicht angeheitert. Sie hielten sich gegenseitig fest, damit es nicht so auffiel.
Malfoy, Potter, Hogsmead, Betrunken. Was hätte wohl Rita Kimmkorn daraus gemacht?
Harry kicherte, aber Draco bemerkte nicht mal mehr das.

Als sie in Hogwarts angekommen waren, hatten sie es irgendwie geschafft, sich wieder zusammenzureißen. Minerva hatten sie beide noch zum Mittagessen in der Großen Halle eingeladen. Draco sah, dass es Harry genauso ging: Drei Butterbier auf leerem Magen. Plus Sahne. Ihm war genauso schlecht. Aber ihre Söhne waren so begeistert – sie konnten nicht ablehnen.

Sie verbrachten noch einen schönen Nachmittag in Hogwarts – auch wenn beide speiübel waren.
Harry war gar nicht begeistert, morgen wieder ins Ministerium zu gehen. Und sich von Draco zu verabschieden. Sie umarmten sich und blieben noch lange so stehen, mit dem Blick auf die Ländereien um Hogwarts.
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