Gayngel

von spnblack
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
07.02.2019
18.02.2019
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Unruhig wälzte Gigi sich wenige Stunden später im Bett und dachte nach.
Zugegeben, er hatte kurz wirklich Angst vor Sam. Die brutale Art, wie er ihn an die Wand gedückt hatte, ließen keine Zweifel aufkommen, dass er das auch durchgezogen hätte, wenn die anderen nicht gekommen wären.
Zwar kannte er den jüngeren Mann erst ein paar Wochen, aber das was er von Gabriel wusste, war er eigentlich ein Lämmchen.
Und es ging alles so verdammt schnell, dass er kaum mit seinen Gedanken nachgekommen war.
Eigentlich konnte er sich nur noch daran erinnern, dass plötzlich sein Handtuch weggerissen wurde und ihn untenherum entblößte. In jeder anderen Situation hätte ihm das auch gefallen, aber nicht so.
Er war hin und hergerissen, was er nun von ihm denken sollte.
Jeder normale Mensch hätte ihm geraten, die Finger davon zu lassen ...
Aber er hatte noch nie auf andere Menschen gehört, sondern sich immer selber seine Meinung gebildet und in diesem Moment stand für ihn fest, dass er seinem großen, langhaarigen Serienpartner noch eine Chance geben würde, denn er so verdammt süß.

Dass das am vergangenen Nachmittag eine sehr dünne Entschuldigung war, war Sam klar und er war sich auch ziemlich sicher, dass Gigi ihm nur so schnell verziehen hatte, weil er ihn vor den anderen nicht noch mehr bloßstellen wollte. Aber es war keine Kleinigkeit, was er gemacht hatte und er war sich der Tatsache auch bewusst, dass es mehr als eine lächerliche Entschuldigung benötigte, auch wenn die anderen so taten, als wenn nichts geschehen wäre. Sam hatte sein Gesicht verloren.
Den ganzen Vormittag über hatten er und Gigi, außer bei den Dreharbeiten, keine zehn Worte miteinander gewechselt. Die Stimmung war angespannt.
Verdammt, er war doch kein gewalttätiger Mensch. Sam konnte sich ja selber nicht erklären, warum er so dermaßen ausgerastet war. Aber er stand zu seinem Fehler und er wollte es auch wieder gut machen; aber wie er das anstellen sollte ...
Materielle Geschenke waren keine Lösung. Er wollte sich nicht von seiner Schuld freikaufen, sondern Gigi sollte wissen, wieviel Sam an ihm lag.
Da er ohnehin keinen Hunger und ebenso wenig Lust auf Gesellschaft hatt, schlich er sich in der Mittagspause in das andere Gebäude, wo die Betriebsküche war, und so auch Eva.
„Entweder du redest mit mir, oder du siehst zu, dass du wieder Land gewinnst, ansonsten ist nichts mehr zum Backen übrig“, schmunzelte Eva und klopfte ihrem Freund auf die Finger, nachdem er diese zum dritten Mal im Kuchenteig versenkt und dann genüsslich abgeleckt hatte.
Kichernd setzte er sich auf den Tisch, ließ die Beine baumeln und zuckte mit den Schultern.
Sein Kichern erstarb aber, stattdessen seufzte er tief, wusste nicht was er sagen sollte.
„Ich habe es gründlich vermasselt“, murmelte Sam schließlich und Eva nickte, „es tut mir so leid, du kennst mich, ich bin so nicht. Keine Ahnung, welcher Teufel mich da geritten hat.“
Eva zog ihre Handschuhe aus, legte ihre Hände auf seine Oberschenkel und sah in seine traurigen Augen. Ihr großer Teddybär, der keiner Fliege etwas zuleide tun konnte ...
Es war, als hätte jemand anderer die Kontrolle über ihn gehabt.

„Ich könnte dich auspeitschen, wenn es dir danach besser geht“, murmelte sie beiläufig, während sie den Teig in aller Seelenruhe in die Form strich und anschließend in den Ofen schob.
„Wa ...?!“
Seine Augen wurden größer und das Gesicht blasser und mit einem nervösen Lachen fragte er sie, ob sie das ernst gemeint hatte und schwenkte schnell auf ein anderes Thema.
„Was mag Gigi gerne?“
„Süßes und ...“
„Und?“, fragte er und zog die Augenbrauen nach oben.
„...“
„Dich“, erwiderte sie etwas zögerlich und antwortete mit einem Schulterzucken, als er ihr sagte, dass sich das wahrscheinlich erledigt hatte, aber er alles daran setzen wollte, das wieder gerade zu rücken.

„Aber wenn du ihm einen Kuchen backen willst, wird er sich sicher freuen“, schmunzelte die Rothaarige, denn sie wusste das vor diesem süßen Schleckermaul nichts sicher war.
Das Problem war, dass Sam nicht backen konnte, aber nachdem er so lange mit den Augenbrauen gewackelt hatte, ließ Eva sich breit schlagen, das für ihn zu übernehmen.
Sam fiel ihr dankbar um den Hals; Teil 1 war erledigt. Erleichtert atmete er durch und machte sich wieder auf den Weg zu den anderen.

Der junge Mann hatte eine Idee, fürchtete aber, dass es kitschig war. Vor geraumer Zeit hatte seine Frau mit den Kindern gebastelt, für ihn; Gutscheine für den Valentinstag.
Egal, schließlich hatte er sich schon wie ein Vollidiot aufgeführt, warum also nicht weitermachen?
Auf dem Weg zurück zu seinen Kollegen kam er an dem Büro der Bühnenarbeiter vorbei und sah dort ein kleines Mädchen sitzen, das fröhlich summte; in der Hand hielt sie eines von diesen riesigen Überaschungseiern.
„Schau mal was ich bekommen habe“, kicherte sie und wackelte vor seinen Augen mit ihrem Geschenk herum.
„Toll, magst du es auspacken?“, fragte Sam und kniete sich vor ihr hin, denn ihm kam da eine Idee.
Die Zeit nahm er sich einfach und wartete geduldig, bis die Kleine das Papier gelöst und die Schokolade in zwie Teile gebrochen hatte.
„Kannst du mir das aufmachen?“, seufzte das Mädchen, das erfolglos damit kämpfte, die gelbe Plastikverpackung zu teilen. Schmunzelnd nahm Sam es ihr aus der Hand und öffnete es. Zum Vorschein kam ein großer, blauer Schlumpf, der darauf wartete, dass man ihm die Blume an den Hut steckte und das Buch an der Hand befestigte. Noch zwei Aufkleber auf das Buch und das Kunstwerk war vollendet.
„Kann ich das haben?“
„Nein!“, antwortete das kleine Mädchen entsetzt und drückte den neuen blauen Freund an ihre Brust.
„Nicht den Schlumpf“, lachte Sam und deutete auf das Plastikei.
„Ja sicher, das brauch ich nicht.“
„Hast du Spass?“, hörten die beiden plötzlich eine Stimme und das Mädchen kicherte, als ihre Mutter ihr einen Kuss auf die Stirn drückte.
„Sag mal Lili. Hast du Acrylfarbe?“
Sam stand auf und sah zu, wie seine Kollegin in einer Schachtel kramte.
„Welche Farbe?“
„Egal, die erste die du greifst“, antwortete der junge Mann schulterzuckend.
Nachdem er die restlichen Utensilien bekommen hatte, musste er sich beeilen, um keine Rüge einzustecken, wenn er zu spät kam. Eilig lief er den Gang entlang.

Nachdem er mit seinen Szenen fertig war und seine Kollegen ihm verwundert nachsahen, als er Hals über Kopf aus dem Set stürmte, setzte er sich voller Tatendrang in seinem Trailer an den Tisch, klebte und malte. Nach 20 Minuten, in denen er auch einige Male geflucht hatte, bewunderte er stolz sein Werk, nickte und verstaute die drei Gutscheine in dem kleinen Plastikei. In Windeseile zog er sich an und war schon halb aus der Tür raus, als er innehielt.
Der dritte Gutschein war eine Nacht mit ihm. Was, wenn Gigi das gar nicht wollte?
Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er eine Nachricht von Eva bekam, die wissen wollte, wann er denn endlich kommen würde.
„Egal. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt”, sagte er zu sich selber und nachdem er sich noch einen menthalen Arschtritt verpasst hatte, ging er auf schnellstem Weg zu seiner Freundin in die Betriebsküche.
Sam schüttelte den Kopf, als er gefragt wurde, warum sie ein Loch in den Kuchen schneiden sollte, damit er sein Geschenk darin platzieren konnte.
„Den letzten Schliff machst du“, sagte Eva, als eine dünne Platte gelber Fondant auf der Arbeitsfläche bereit lag. Zuerst sah er sie stirnrunzelnd an, aber als sie ihm das Bild von einem Smiley zeigte, der ein Schild hielt, auf dem ‚Sorry‘, stand, das sie ausgedruckt hatte, glänzten seine Augen und er nickte.
Lachernd, kichernd und natürlich zwischendurch auch kostend, hatten die beiden ihr Kunstwerk schnell fertiggestellt.
„Danke“, lächelte der junge Mann, umarmte Eva und drückte ihr einen lauten Kuss auf die Wange.
Schnell gab sie der kleinen Torte noch den letzten Schliff, packte ihn liebevoll in Celluphan ein und drückte ihn Sam in die Hand, wünschte ihm viel Glück und machte mit einem Seufzen ihren Arbeitsplatz sauber, als er schon gegangen war.

Gigi’s Trailer war schräg gegenüber von seinem eigenen und seine Schritte wurden immer zaghafter und lagsamer, dafür erhöhte sich der Herzschlag, je näher er kam.
Es war kein Mensch weit und breit zu sehen und als er klopfte, machte niemand auf.
Er wusste nicht genau, ob er enttäuscht oder erleichtert sein sollte. Vielleicht beides.
So legte er den Kuchen auf die Stufen und schmunzelte bei dem Gedanken, dass dieser wenigstens nicht kaputt werden würde, sollte es anfangen zu regnen.
Die nächste Stunde verbrachte Sam damit, dass er 13 mal aus dem Fenster sah, sich immer wieder erhob, kaum hatte er sich hingesetzt und duschen ging, um etwas Sinnvolles zu machen.
Mit dem Handy in der Hand setzte er sich auf die Couch und schaltete den Fernseher ein, obwohl, konzentrieren konnte er sich nicht. Stattdessen sah er immer wieder auf das Display, das aber schwarz blieb.
Beinahe etwas enttäuscht war er, als seine Frau anrief, um ihm zu sagen, dass sein Sohn gerade einen Zahn verloren hatte.
„War ein anstrengender Drehtag“, war seine Antwort auf den Vorwurf, dass er etwas abweisend war.

Sam war kurz eingenickt und schreckte hoch, als er ein Kopfen an seiner Tür hörte. Im ersten Moment etwas orientierungslos, schloss er auf und öffnete.
„Hast du Lust auf Kuchen? Der hier lag vor meiner Treppe“, grinste Gigi und entlockte auch dem jungen Mann ein Schmunzeln.
Mit klopfendem Herzen öffnete er den Schrank, holte zwei Teller und Gabeln und machte Kaffee.
Dann setzte er sich neben Gigi und atmete tief durch, bevor er sich noch einmal bei ihm entschuldigte.
„Sam, ich wäre nicht hier, wenn ich dir nicht schon verziehen hätte“, erwiderte der schwarzhaarige Mann und drückte kurz seine Hand.
Mit einem Nicken überreichte er das große Messer und deutete Gigi, den Kuchen anzuschneiden.
Es dauerte nicht lange, bis er auf einen Widerstand stieß und mit einem Stirnrunzeln sah er seinen jungen Freund fragend an. Dieser kicherte, als Gigi ihm sagte, dass er nicht im Gefängnis saß und deswegen auch keine Feile im Kuchen benötigte.
„Findest du das kitschig?“, fragte Sam leise, denn irgendwie hatte er ein ungutes Gefühl, als Gigi die drei Papierherzen, die er mit goldener Farbe bepinselt hatte in seiner Hand hielt.
„Du hast das gemacht? Was ist das?“
„Du musst rubbeln. Warte“, erwiderte der große Mann und holte eine Münze aus seiner Hosentasche.
„Die ... die sind nummeriert und ... du musst ... also“, stammelte Sam nervös, atmete tief durch und setzte noch einmal an um ihm zu sagen, dass er die Gutscheine auch nicht einlösen musste, wenn er nicht wollte. Verdammt. Er kam sich vor wie ein verliebtes kleines Mädchen.
Sein Herz klopfte so laut, dass er fürchtete, dass auch  Gigi es hören musste und in diesem Moment wünschte er sich, dass er diese Herzen nehmen und bei sich zu Hause aufrubbeln würde, nur um nicht der vielleicht peinlichen Reaktion ausgesetzt sein zu müssen.

„Filmeabend?“, fragte er amüsiert und wackelte mit den Augenbrauen.
Sam nickte nur. Gigi nickte ebenfalls und kratzte mit der Münze über das nächste Herz.
Darauf stand nur ein Wort. Kuss. Als er aufsah und sich ihre Augen trafen, bemerkte Gigi, dass sein Freund etwas rot geworden war und nervös auf eine Antwort wartete. Ein Lächeln; ein Nicken.
„Willst ... willst du vielleicht noch einen Kaffee?“, stammelte Sam.
Kopfschüttelnd verneinte der ältere Mann, denn seine Tasse war noch halbvoll. Angespannt knetete Sam sein Hemd zwischen den Fingern, als er bemerkte, dass sein Freund das letzte Herz in die Hand nahm.
Mit jeder Sekunde in der kein Wort zu hören war, war sich Sam sicher, dass es die dümmste Idee gewesen war, die er jemals gehabt hatte. Was hatte er sich bloß dabei gedacht?

Wow. Sam wollte eine Nacht mit ihm verbringen. So stand es jedenfalls auf dem kleinen Blatt Papier.
Jetzt fing auch Gigi an, nervös zu werden und da er nicht so recht wusste, was er darauf antworten sollte, ohne gleich über ihn herzufallen, wechselte er das Thema.
„Hast du den Kuchen gebacken? Der schmeckt gut.“
„Ähm ... ich ... Ich habe Eva ein klein wenig assistiert.“
Sam’s Herz rutschte in die Hose, denn genau das war eingetreten, wovor er Angst hatte.
Wie sollte er jetzt aus dieser verdammt peinlichen Situation herauskommen? Er wollte, dass Gigi geht. Sofort. Aber das konnte er ihm doch nicht sagen.

Unter dem Vorwand, kurz auf die Toilette zu müssen, schlich er sich in das kleine Badezimmer, wählte Cas‘ Nummer und sagte ihm, er solle in fünf Minuten anrufen.
Als er wieder zurück kam, fragte er seinen älteren Freund, ob dieser noch etwas trinken wollte und ehe dieser antworten konnte, läutete auch schon das Telefon.
„Oh ... ja, warte kurz“, sagte er, hielt das Handy an seine Brust und murmelte entschuldigend, dass es ein wichtiges und längeres Gespräch werden würde.
Gigi nickte und erhob sich, zog sich an und verschwand mit den Worten, dass sich die beiden am Set sehen würden.
„Danke Cas. Ich erkläre dir das später. Schlaf gut“, murmelte er in das Telefon und legte auf.
Ja, es war feige. Das wusste er. Mit einem tiefen Seufzen ließ er sich auf die Couch fallen, legte die Füße hoch und starrte an die Decke. Tränen brannten hinter seinen Augen und er verfluchte sich selber, dass er so ein Weichei war. Vielleicht hat er sich auch nur in etwas verrannt. Denn eigentlich sollte er nur an seine Frau denken und nicht irgendwelchen Hirngespinsten nachlaufen.
Einige Minuten später bekam er aber eine SMS, die ihm ein Lächeln auf das Gesicht zauberte.

Gigi’s Gesicht tat vom Dauergrinsen schon weh als er im Bett lag. Eine Nacht mit Sam? Er würde alles geben, damit daraus mehr als nur eine Nacht werden würde. Warum aber hatte er sich so komisch verhalten. Es schien beinahe, als hätte er ihn loswerden wollen, als er mit Cas telefoniert hatte.
Plötzlich durchzuckte ihn aber ein heißer Schauer. Gigi rollte sich auf die Seite und griff sein Handy.
‚Danke für die Gutscheine und ich werde alle drei einlösen. Schlaf gut‘
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