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Seelensplitter und Sternenlicht

GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P18 / Het
Feyre Archeron OC (Own Charakter) Rhysand Tamlin
07.02.2019
08.02.2019
2
2.221
1
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Dieses Kapitel
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08.02.2019 1.139
 
Hallo zusammen
Herzlich willkommen zum K2 meiner Geschichte!

Warnung: Das K2 enthält Fluch- und Schimpfwörter.

Ansonsten viel Spass beim Lesen!

Lg Angel Rose






Kapitel 2

Der Fehler


Elandra

„Deine Mutter war eine Hure!“, hallten die Worte meines Stiefvaters laut in der Küche wieder.

Ich hatte aufgehört zu zählen, wie oft wir dieses Gespräch nun schon geführt hatten. Uns anbrüllten, bis unsere Stimmen versagten. Und doch...es ging einfach nicht anders. Seine Worte, ich konnte sie einfach nicht hinnehmen!
„Das ist eine Lüge und das weisst du auch, Erik.“

„Eine Lüge?“ Er lachte. „Also habe ich mir alles nur eingebildet, was?“

Ich entgegnete nichts. Es war besser. Ansonsten würde sich diese Diskussion noch stundenlang fortsetzen, wie ich aus Erfahrung wusste. Also wandte ich mich wieder dem Spülbecken und dem Geschirr zu. Ausser mir kochte niemand auf dem Herd. Zwar hätten in der Küche durchaus mehrere Personen Platz gehabt, doch Erik fand, dass das die Arbeit einer Frau sei. Es war in Ordnung. Oder besser gesagt; ich nahm es hin. So oft wie wir aneinander gerieten, war ich froh für einige Stunden meine Ruhe zu haben und sei es nur beim Abwasch.

„Deine Mutter hat mich betrogen. Hat mich schändlich mit einem von Ihnen hintergangen. Das Resultat davon warst du. Also sag mir Elandra, was genau war an diesem Satz falsch?“

„Grundsätzlich nichts, aber...“

Erik unterbrach mich rüde: „Eben. Eva war eine Hure. Sie hat mit einem von Ihnen gefickt und noch nicht einmal verhütet.“

Ich schüttelte nur den Kopf. Dabei fielen mir die dunkelbraunen Haare ins Gesicht. „Ja, sie mag dich hintergangen haben. Doch dieser Begriff ist trotzdem nicht angemessen.“

„Oh doch. Und wie. Immerhin hat sie es mir jahrelang verschwiegen. Dich mir untergeschoben. Erst auf dem Sterbebett offenbarte sie mir die Wahrheit. Und jetzt habe ich dich am Hals.“

Seine Worte trafen eine Wunde in meinem Inneren, die noch immer nicht verheilt war. Erneut aufriss und begann zu Bluten. Mir war klar, dass ich nicht erwünscht war. Oft genug hatte es mir Erik zu verstehen gegeben. Es tat einfach nur weh. Auch jetzt, nach all den Jahren noch. Ich liess mir nichts anmerken. Zuckte nicht zusammen, obwohl sich mein Magen schmerzhaft zusammen krampfte. Unerwünscht. Unerwünscht. Unerwünscht.

Erik holte gerade Luft um mir weitere Worte an den Kopf zu schleudern, als Janosch das Haus betrat. Über seinen Schultern einen Hasen.

Sofort erhellte sich das Gesicht meines Stiefvaters. „Schön dass du wieder hier bist, mein Sohn. Was hast du auf dem Markt gesehen, erzähl!“
Man könnte nicht meinen dass dies derselbe Mann war, der meine Mutter noch vor wenigen Minuten als Hure beschimpft hatte.

Janosch winkte ab: „Ach das Übliche; reichlich Gemüse, Geschirr, Töpfe, Kräuter, erlegte Tiere und Eisenringe.“ Dabei griff er in seine Tasche und zog ein aus Eisen gearbeitetes Armband hervor. Er warf es mir zu. Ich lächelte. Obwohl Janosch genetisch gesehen nur mein Halbbruder war, fühlte es sich nicht so für mich an. Wir standen uns viel näher als etliche Geschwister, die ich kannte. Daran vermochte auch mein Stiefvater nichts zu ändern, auch wenn er mehr als einmal versucht hatte Zwietracht zwischen uns zusähen. Meine Augen wanderten über das Armband. Es war sehr filigran gearbeitet und hatte bestimmt einiges gekostet. Mehrere Runen waren darauf eingraviert. Ich kannte sie nicht, hätte aber darauf wetten können, dass es Schutzzeichen waren.
„Danke“, blickte ich ihn freudestrahlend an.

Janosch nickte. Er legte den Hasen neben den Herd.

Wir hatten Glück. Anders als viele Familien im Dorf brauchten wir nicht Hunger zu leiden. Meine Mutter stammte aus reichem Hause. Sie hatte mehr als genug Geld besessen und es uns nach ihrem Tod vererbt. Erik selbst verdiente auch gut. Er arbeitete als Schmied. Waffen waren ein begehrtes Gut. Wenn die Menschen sich schon nicht ausreichend gegen die Fae auf der anderen Seite der Mauer schützen konnten, dann fühlten sie sich wenigstens besser mit einem Messer bewaffnet als mit nichts in der Hand. Selbstverständlich konnte sich die einfache Bevölkerung so etwas nicht leisten. Doch seine Kundschaft waren eher die privilegierteren Leute. Janosch jagte gerne im nahegelegenen Wald. Er war auch gut darin, was ich von mir absolut nicht behaupten konnte. Ich konnte kochen, putzen und sonstige Haushaltsdinge. Und ich liebte das Lesen. Ich hatte einfach andere Stärken.

Erst am späten Abend war es mir möglich mit Janosch allein zu sprechen. Erik konnte wirklich einvernehmend sein!
Ich klopfte an seine Zimmertüre.
„Ah Andra. Komm doch herein“, lächelte er warm.

Eigentlich mochte ich es nicht, wenn man meinen Namen abkürzte. Doch Janosch konnte ich irgendwie einfach nicht böse sein. Äusserlich sah er aus wie Erik. Dieselben kantigen Züge. Die grauen Augen. Die lange Nase. Aber charakterlich war er wie meine Mutter. Ich trat ein. Mir war es immer noch ein Rätsel wie er mit so wenigen Sachen leben konnte. Nicht, das mein Zimmer bis in den letzten Ecken vollgestellt gewesen wäre, aber trotzdem. Gerade einmal ein Schrank, ein Schreibtisch, ein Stuhl und das Bett standen in seinem Zimmer. Nicht einmal einen Nachttisch hatte er. Ach ja. Da wäre noch die Vase mit Blumen auf seinem Schreibtisch, welche er jede Woche wechselte. Es war schon irgendwie eigenartig. Welcher Mann hatte schon Blumen in seinem Zimmer?! Egal.
Wir setzten uns auf das Bett.
„Danke für das Armband. Es ist wunderschön“, sprach ich und strich automatisch mit meinen Fingern an den Zeichen entlang.

„Gern geschehen, Andra. Schliesslich wollen wir doch nicht, dass sie dich holen kommen, oder?“

„Nein“, grinste ich und hätte mir gerne die Haare hinter die Ohren gestrichen, doch ich tat es nicht. Dafür schämte ich mich viel zu sehr, denn meine Ohren waren leider nicht rund, sondern wie die einer Fae. Offenbar hatte da das Erbe meines Vaters durchgeschlagen. Ich hasste sie!

„Ich werde in einigen Tagen weg gehen. Nach Evadon. Brauchst du noch etwas?“

Ich sah zu Boden. Der Gedanke Janosch länger nicht sehen zu können versetzte mir einen Stich ins Herz. „Musst du wirklich gehen?“ Ich wusste, dass es falsch war diese Frage zu stellen. Es war selbstsüchtig und egoistisch. Aber ich konnte nicht anders.

Er betrachtete mich lange: „Es ist nur für einige Wochen Elandra, ja? Nur um Vaters Waffen zu verkaufen. Schliesslich muss einer von uns hier bleiben. Und Vater...nun, du weisst, dass er schon jahrelang unter seinen Knieproblemen zu leiden hat. Ich werde baldmöglichst wieder kommen.“

„Versprich es.“

„Ich verspreche es.“

Den Rest des Abends sprachen wir nicht mehr über Janoschs baldige Abreise, die wie ein Damoklesschwert über mir hing. Bereit jeden Moment hinunter zu stürzen und mich gnadenlos zu zerquetschen. Ich versuchte mir einzureden, dass schon alles gut werden würde. Es waren schliesslich nur ein paar Wochen. Leider wollten diese Gedanken nicht bis in mein Innerstes vordringen. Denn dort hatte ich ein ganz anderes Gefühl. Die Vorahnung, dass bald etwas Schlimmes geschehen würde machte sich in mir breit. Und dieses Gefühl in meinem tiefsten Herzen, es sollte recht behalten.
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