Days Of Our Lives

von Evenstar
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Brian May Freddie Mercury John Deacon OC (Own Character) Roger Taylor
06.02.2019
08.04.2019
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„Ist es für die Band eine besondere Sache, im Dezember in Wembley aufzutreten?“, wurde Alana von einem US-Fernsehreporter gefragt, noch während die Jungs im amerikanischen New York zum letzten von drei Konzerten auf der Bühne standen.
„Tatsächlich ist London für die Band immer etwas besonderes. Die Arena allerdings ist eine Halle und was wir über kurz oder lang anstreben, ist das Wembley-Stadion. Als sehr beliebter Veranstaltungsort jedoch, ist es oftmals über Jahre hinweg ausgebucht. Wir müssen erst sehen, was sich da machen lässt“.
Unter den Augen von 20.000 Menschen im Publikum tobten Freddie, Brian, John und Roger über die Bühne des Madison Square Garden, während Jim und Alana Backstage bereits jetzt unzählige Fragen der wissbegierigen Journalisten beantworten mussten.
„Miss Beach, sie sind jetzt seit einem Jahr bei der Band. Ihr Fazit bisher?“, erging die nächste Frage an die Juristin und sie sah kurz zu Jim hinüber, der genauso von amerikanischen Reportern belagert wurde. Seit dem Start der US-Tour im Juni schien Queen einen unglaublichen Hype auszulösen, denn nie zuvor waren sie von so vielen Fans belagert worden. Scharen von Anhängern campierten vor ihren Hotels und warteten förmlich darauf, bis einer der Musiker sich sehen ließ, der dann mit lautem Kreischen begrüßt wurde.
„Es ist noch kein Jahr. Ich kam erst diesen Februar zur Studioarbeit in München, in Deutschland, dazu. Aber lassen sie sich eines gesagt sein: Sie sehen hier gerade vielleicht die größte Band des neuen Jahrzehnts und ich persönlich weiß nicht, wann ich jemals zuvor etwas so Unglaubliches oder Intensives erlebt habe, wie in den vergangenen sieben Monaten“, gab sie schmunzelnd zur Antwort.
„Leiden private Dinge denn nicht unter dem ständigen Leben auf Tour?“, hakte ein anderer Reporter nach und auch die Umstehenden schienen an dem Thema sehr interessiert.
„Seien Sie versichert, dass die Mitglieder der Band in vollem Umfang von ihren Familien in dem unterstützt werden, was sie tun. Für mich persönlich ist die ganze Truppe inzwischen selbst fast schon wie eine Familie geworden und ich hoffe, dass dieser Zustand noch für eine sehr, sehr lange Zeit erhalten bleibt“.
Alana schien bei den Reportern beliebt. Sie war jung, gab auf Fotos und Filmaufnahmen ein gutes Bild ab und wusste sich auszudrücken. Es war anfangs sehr eigenartig gewesen, dass sie von Journalisten befragt wurde, doch gewöhnte man sich an alles und sie war scheinbar bei der Presse immer ein gern gesehener Gast für Fragen aller Art.

„Diese US-Veranstalter nehmen es mit vielem auch nicht so genau“, äußerte Jim sich etwas verwundert, als sie die Meute erst einmal los geworden waren. „Hatten wir je in Europa einen solchen Auflauf hinter der Bühne während einem Konzert?“, sprach der Manager weiter und sie sahen sich nachdenklich an.
„Bisher nicht, aber warte, wenn wir demnächst zurück fliegen. Ich hab mir die Berichte einiger Fernsehsender angesehen und die Beliebtheit der Jungs ist weltweit größer denn je. Nicht nur, dass bei uns zuhause der Vergleich mit den Beatles immer öfter kommt. Vor allem die Amerikaner stellen sie inzwischen praktisch auf eine Stufe mit den Rolling Stones. Und das will schon was heißen“.
Jim musterte seine jüngere Cousine anerkennend, da sie die Arbeit wirklich ernst nahm.
Zu Beginn der Zusammenarbeit war in ihm ein wenig die Befürchtung aufgekommen, dass Alana sich zu schnell auch persönlich mit den Musikern angefreundet hatte und dadurch der eigentliche Job zu kurz kommen würde.
Tatsächlich jedoch konnte die Blondine sogar ohne Probleme nachts in Hotelbars bis morgens um fünf einen Drink nach dem anderen Kippen und stand trotzdem schon um sieben wie eine Eins auf der Matte.
„Paul ist ja tatsächlich mal zu etwas zu gebrauchen“, kommentierte Alana gerade die Tatsache, dass Freddie's Liebhaber sich wirklich nützlich machte und die Reporter aus dem Backstage-Bereich scheuchte, weil alle aus dem Team wussten, dass die Band gleich eine kleine Pause einlegen würde.
„Seit München hat er sich sowieso ungemein gemäßigt verhalten. Diese Frau dort scheint ihm wirklich die Leviten gelesen zu haben“, stimmte Jim ihr im Prinzip zu und sie sahen beide kurz zu Prenter.
„Barbara Valentin? Eine grandiose Person, du musst sie kennenlernen“, erinnerte die Blonde sich grinsend an den Abend in München und das Zusammentreffen mit der Österreicherin.

Nach „Fat Bottomed Girls“schließlich, kündigte sich die bereits erwähnte kurze Pause an und während Prenter sofort an Mercury's Seite parat stand, sorgten Jim und Alana für die Bedürfnisse der anderen drei.
„Gib das her, woher hast du das überhaupt schon wieder?“, schimpfte die Juristin mit Roger und nahm ihm ein Glas mit Wodka aus der Hand.
„Gegen einen Schluck Bier sagt ja keiner was, aber übertreib es doch nicht den ganzen Tag über so mit diesem hochprozentigen Zeug“, wurde der Schlagzeuger auch von Jim zurecht gewiesen und rümpfte die Nase, als er stattdessen eine gekühlte Coladose in die Hand bekam.
„Freddie, wo ist heute Abend eigentlich Party angesagt?“, erkundigte der Manager sich bei dem Leadsänger und stellte sich zu ihm und Prenter.
„Ich dachte mir, wir bleiben heute zur Abwechslung mal im Hotel, die letzten beiden Nächte waren kurz genug“, äußerte Mercury zur Verwunderung aller gut gelaunt und biss ein Stück von einem Schokoriegel ab, welcher sein persönlicher Handlanger für ihn organisiert hatte.
„Ja nun... soll mir auch recht sein“, kommentierte Jim nur und notierte sich kurz etwas.

„Hier, das ist Beef Jerky, soll wohl gut sein, wenn man viel Energie verbraucht“, erklärte Alana den anderen dreien und machte Platz für einen Mitarbeiter des Catering-Teams, der einen kleinen Bistrotisch vor ihnen aufklappte und eine Platte mit dem Trockenfleisch dort abstellte.
„Du hascht Brian vergessen“, nuschelte Roger mit vollem Mund und spielte damit wieder einmal drauf an, dass der Gitarrist als Vegetarier von „fleischlichen Gelüsten“ wohl kaum etwas wissen wollte.
„Hab ich nicht“, gab sie schmunzelnd zur Antwort, kramte dann in ihrer Tasche und stellte eine Dose mit Studentenfutter vor Brian ab, der sich grinsend bedankte.
„Sein Lieblingsvögelchen füttert man eben gern selbst“, faselte Roger weiter und streckte dann die Hand nach dem – für ihn – vermeintlichen Vogelfutter aus.
„Kann man das da essen? Sieht komisch aus“, deutete er auf einige Cashewkerne und bekam dafür prompt mit dem Deckel der Dose einen Schlag auf die Hand.
„Finger weg von meinen Nüssen!“, warnte Brian ihn und nach einem zuerst doofen Blick allerseits, begannen sie gemeinsam zu prusten, während Alana sich eine der Cashews nahm und sie in ihrem Mund verschwinden ließ. Rein als Bestätigung für Taylor, dass es sich wirklich um etwas essbares handelte.
„Ach!“, machte selbiger sofort und deutete anklagend auf die Juristin.
„Aber Al darf an deine Nüsse, ja? Öh... okay... ich merk es selbst, sie ist 'ne Frau, da ist das natürlich was anderes“.  Bevor Brian nach ihm schnappen konnte, wich der Drummer einen Schritt nach hinten aus und nietete dabei beinahe Prenter um.
„Schluss jetzt hier. Raus mit euch!“, unterbrach Jim belustigt die kleine Einlage und erinnerte die Band daran, dass ihre Pause nur zum kurzen Verschnaufen dienen sollte und nicht, um eine Slapstick-Komödie Backstage zu veranstalten.

„Lieblingsvögelchen, mhm..“, machte Jim grinsend, als die Jungs wieder auf der Bühne waren.
„Ich glaube, Roger ist ein wenig eifersüchtig“, sprach er weiter und erntete von Alana dafür ein Stirnrunzeln.
„Dafür gibt es keinen Grund. Ich bevorzuge hier ja niemanden“, war sie felsenfest davon überzeugt, jedes Bandmitglied gleich zu behandeln.
„Verzeih mir, aber doch, das tust du. Persönlich und menschlich gesehen macht es bei dir am Verhalten tatsächlich einen Unterschied, ob es gerade um Brian geht oder einen der drei anderen“, gab er ehrlich seine Meinung preis und ließ ihr trotz kleiner Unterbrechung vorerst keine Möglichkeit, sich verbal zu rechtfertigen.
„Aber was den eigentlichen Job anbelangt, da stehst du für jeden von ihnen gleichermaßen ein und so soll es auch sein. Ich bin sogar ehrlich froh, dass du jemanden gefunden hast, mit dem du dich so gut verstehst. Gesund war das sicher nicht, dass du als Teenie und eigentlich bis vor kurzem noch praktisch keine Freunde hattest und immer nur mit uns langweiligen Erwachsenen deine Zeit verbringen wolltest“, fuhr er amüsiert fort und Alana konnte nicht viel mehr tun, als stumm zu nicken.
„Keine Sorge, ich sehe das völlig objektiv. Männer und Frauen können durchaus gut befreundet sein, ohne dass es im Bett endet. Roger meint es selbst nicht wirklich ernst, wenn er euch damit aufzieht“, ging es noch weiter und sie sahen sich kurz an.
„Weiß ich doch, ist alles gut“, antwortete Alana nun wieder relativ gelassen.

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„Wem gehört die Limo, Fred?“, wollte John wissen, als sie in einem sehr proletenhaften Gefährt nach dem Konzert alle zusammen Richtung Hotel fuhren.
„Keine Ahnung, wie er heißt, Darling. War so ein Kerl, den Trixie und ich kennengelernt haben. Er macht irgendwas an der Börse und hat mir von diesem schönen Stück erzählt. Gegen einen kleinen Gefallen hat er es uns für heute Abend zur Verfügung gestellt, inklusive Fahrer.
Roger wollte bei der Erwähnung des Gefallens schon seine üblich würgenden Geräusche machen, bekam aber sofort von Alana einen Puffer in die Seite. Nun, wo Prenter sich einigermaßen verhielt, musste man einen Streit mit ihm nicht unbedingt provozieren, auch wenn der Nordire nach wie vor keinem von ihnen sympathisch war.
„Trixie muss mit diesem netten Herrn am Steuger den Wagen gleich noch zurückbringen“, erklärte Mercury weiter und klopfte seinem Freund kurz auf den Oberschenkel, bis der Mann pflichtbewusst nickte. Natürlich tat er alles für Freddie, doch jeder der anderen fand einfach, dass er alles in allem ein schlechter Einfluss war, weil er gelegentlich Ansichten hatte, bei denen einem förmlich schlecht werden konnte.
„Paul, kommst du womöglich bei ABC vorbei? Sie würden in einigen Tagen gerne ein kleines Special senden und möchten die Aufnahmen, die sie hinter der Bühne gemacht haben, zuerst absegnen lassen“, zeigte Jim sich zumindest bereit, mit dem eher ungeliebten Kollegen trotz allem Hand in Hand zusammen zu arbeiten.
„Das übliche? Keine privaten Gespräche, keine Interna, nichts Zweideutiges? Wobei letzteres für die Amis ja sowieso nicht in Frage kommt“. Sie nickten einander zu und schienen sich somit einig.
Und ja, in den USA wurden des öfteren Songs oder auch Videos zensiert, wenn sie nur eine kleine Anzüglichkeit erahnen ließen.

Am Hotel angekommen, lagerten nach wie vor die bereits erwähnten Fans und bis die Musiker alle möglichen Autogrammwünsche erfüllt hatten, hielten Alana und Jim sich am Eingang dezent im Hintergrund.
„Schon Wahnsinn, welche Ausmaße das inzwischen angenommen hat“, bemerkte die Anwältin und musste lachen, als John gerade zum Zweck eines Fotos mit einer alten Sofortbildkamera, von zwei Damen mittleren Alters überschwänglich umarmt wurde. Eine davon hatte tatsächlich sogar die Hand auf seinen Hintern gelegt. Ausgerechnet Deacon, der immer so schweigsam und zurückhaltend war, aber da musste er wohl durch.
„Bar?“, fragte Roger sofort, kaum dass sie das Hotel betreten hatten und Freddie setzte umgehend ein Grinsen auf, hinter dem alle eindeutig etwas vermuteten.
„Kleiner Umtrunk in meiner Suite!“, korrigierte der Sänger und sah abwartend in die Runde.
„Für mich nicht. Morgen Abend steht ein Interview an und wenn ihr ein wenig auf die Fragen vorbereitet sein wollt, dann sollte ich das Konzept noch durchgehen“, musste Alana vorerst ablehnen und Jim schloss sich ihr an.
„Ich muss die Fahrt zum Flughafen übermorgen noch abklären“, gab er sein Vorhaben für den Abend an.
„Langweiler! Aber irgendwer muss hier ja erwachsen sein. Was würden wir ohne euch nur tun!“, säuselte Freddie und rauschte dann mit seinen Bandkollegen im Schlepptau ab, während Jim und Alana ihre Zimmer aufsuchten, um sich tatsächlich der Arbeit zu widmen.

Bis etwa zur Hälfte des Konzepts kam die Juristin auch, ehe es an ihrer Zimmertür klopfte und sie die Unterlagen für einen Moment beiseite schob.
Auf dem Flur wurde sie von einem überschwänglich grinsenden Freddie erwartet, der sich scheinbar überlegend über seinen Schnauzbart strich, der inzwischen durchaus voluminöse Ausmaße angenommen hatte.
„Ich habe mich gefragt, ob man dich vielleicht doch noch von der Arbeit ablenken kann, Liebes“, flötete er und legte sofort den Arm um ihre Schulter.
„Zwar ist Roger der Meinung gewesen, um dich zu überzeugen braucht es andere Geschütze, aber ich war mir völlig sicher, dass auch ich dazu in der Lage bin!“ Bei seinem breiten Grinsen zeigten sich die großen Schneidezähne und wenn er noch dazu seinen bittenden Blick aufsetzte, hatte das tatsächlich manchmal etwas von einem kleinen Jungen, der nach Schokolade fragte.
„Ich bin hier leider noch nicht fertig“, entschuldigte Alana sich lächelnd und öffnete die Tür ein Stück weit um zu dem Stapel an Unterlagen auf ihrem Tisch zu deuten.
„Aach, das Interview ist doch erst Abends und morgen ist auch noch Zeit dafür. Es wäre doch ungerecht, wenn du nicht auch mal Feierabend hättest, hmm?“ Alana fragte sich, was genau er wieder plante und warum er sie dazu offenbar brauchte.
„Ich werde dir nicht wieder irgendeinen Kerl heimlich über den Personaleingang rein schmuggeln, falls es nun darum geht. Sollte es aber etwas anderes sein, dann höre ich mir gerne nochmal an, was du zu erzählen hast“, erinnerte sie Freddie an eine Aktion im letzten Jahr und er begann zu lachen.
„Darling, ich verspreche dir hoch und heilig, dass es nicht um so etwas geht!“, sagte er gut gelaunt, ging dann kurzerhand in die Hocke und warf Alana über seine Schulter, um sie mit sich zu schleifen.
„Was zum... lass mich wieder runter!“, empörte die Anwältin sich, doch er dachte gar nicht daran, ihrem Wunsch nachzukommen.
„Niemals. Nicht, bevor wir nicht in meiner Suite sind, sonst haust du wieder ab zu deinem Papierkram“. Fröhlich summend schlug er ihre Zimmertür zu und ließ sich für den Rest des Weges auch von den seltsamen Blicken anderer Leute auf dem Flur nicht beirren. Ganz im Gegenteil grüßte er sogar bei jeder Begegnung ausgesprochen freundlich und setzte dann pfeifend den Weg fort.

„Darlings, ich hab euch etwas mitgebracht!“, rief der Leadsänger schließlich an der eigenen Tür angekommen, orientierte sich kurz und setzte Alana dann neben Roger auf einem Sofa ab, wobei sie mehr auf seinem Schoß landete, als auf den Polstern.
„Oh Mann! Woher hast du gewusst, dass ich mir genau DAS schon lange wünsche?“, ging Taylor sofort auf die Situation ein und legte zufrieden grinsend einen Arm um die Hüfte der Blonden. Zumindest so lange, bis sie sich aus seinem Griff befreite und im Raum stehen blieb.
„Was macht ihr hier eigentlich und warum braucht ihr mich dazu?“,  schien Alana irgendwo zwischen verwundert bis belustigt und sah sich dann auch gleich von den vier Musikern umringt.
„Weil jede Party, sei sie noch so klein, eine schöne Frau braucht“, gab Freddie charmant zu verstehen.
„Weil wir bei dir keine Angst haben müssen, dass irgendwas nach außen dringt“, fuhr Roger fort.
„Und weil ich wenigstens einen erwachsenen Menschen in diesem Zimmer brauche“, seufzte Brian gespielt und schnitt seinen beiden Vorrednern eine Grimasse.
„Das was die anderen sagen!“, handelte John das Thema rasch ab und trank Bier aus einer Flasche in seiner Hand.
„Los, los, ich muss euch was zeigen“, fiel es Freddie wieder ein, er füllte ein Tablett mit kleinen Shot-Gläsern, packte zwei Flaschen seiner Lieblings-Wodkasorte dazu und bedeutete den anderen dann, ihm zu folgen.
„In dein Schlafzimmer?“, schien Deacon etwas skeptisch zu sein, doch der Sänger ließ sich davon nicht beirren.
„Fred, für eine Orgie sind wir die falschen“, gab auch May gewisse Bedenken zu verstehen, doch es sollte um etwas ganz anderes gehen, was sich gleich zeigte, nachdem das Licht ausgeschaltet wurde und sie einen wirklich sehenswerten Blick über die Skyline von New York hatten.
„Cheers, Freunde!“, prostete er jedem zu, nachdem die Shots verteilt waren und gegen diesen kleinen Drink nach getaner Arbeit am Abend wehrte sich dann wirklich niemand – auch wenn Alana selbst genaugenommen noch nicht Feierabend hatte.
„Und es kommt noch besser“, gab Freddie allen anwesenden in einem Singsang zu verstehen, um gleich darauf sein silbernes Zippo aus der Hosentasche zu ziehen.
„Nicht für mich“, gab Brian sofort  zu verstehen, denn wenn er auch gelegentlich schon an der ein oder anderen Zigarette gezogen hatte, war er einfach nicht generell für den Genuss von Tabak zu haben.
„Nicht doch“, wehrte Freddie sofort ab, dass es um etwas ganz anderes ging, als man nun vielleicht erahnen mochte. Mit tänzelnden Schritten begab er sich zum Schrank hinüber und präsentierte nur wenig später eine Flasche mit leuchtend grüner Flüssigkeit darin.
„Ist Absinth in den USA mit solchem Prozentsatz nicht eigentlich verboten?“, warf Alana ein, besah sich die Flasche jedoch mit deutlichem Interesse.
„Exakt, Darling. Aber gut im Schuhfach eines Koffers versteckt, hat das am Flughafen niemanden interessiert“. Na das konnte ja noch was werden!

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„Was zur Hölle?“, kicherte die Anwältin eine ganze Weile später, als sie höchst neugierig durch den Garderobenkoffer von Freddie stöberte und dabei etwas entdeckte, was sie tatsächlich noch nie Live an ihm gesehen hatte. Eine weiße Lederjacke mit glitzerndem Zeug dran und einem Kragen der aussah, als wäre er aus Drachenflügeln gemacht.
Neben ihr saß Deacon, trug nur sein Hemd, Unterhosen, weiße Sportsocken und hatte sich aus einem unerfindlichen Grund eine grell gelbe Krawatte wie ein Stirnband um den Kopf gebunden.
„Sieh mal Fred, das Überbleibsel deiner Echsen-Phase“, kommentierte Brian und verzog kurz das Gesicht, als er einen Schluck aus seinem Glas nahm.
„Ach das gute Stück! Und tu nicht so, als hättest du nicht einen ähnlichen Fummel gehabt!“, grinste Mercury begeistert und zündelte gerade wieder mit seinem Feuerzeug im Glas herum.
„Der unterschied war nur, DU hast das in aller Öffentlichkeit auf der Straße getragen, wir nicht“, stichelte Roger und stand dann auf, um ein wenig schwankend zu Alana hinüber zu gehen.
„Los, zieh das Ding mal an!“, forderte er sie auf und da der Besitzer des Kleidungsstücks keine Einwände äußerte, sprach eigentlich nichts dagegen.

Dass sie tatsächlich ihre Bluse ablegte, sie irgendwo auf den nächsten Kleiderhaufen warf und die Jacke nur mit BH darunter trug, schien niemanden zu stören, auch wenn Roger mit dem Blick durchaus etwas länger als nötig an ihr hängen blieb. Er war eben so und so lange er seine Hände bei sich behielt, war auch alles im Rahmen.
Belustigt breitete die Juristin nun ihre Arme aus und machte Bewegungen, als wollte sie gleich durch den Raum fliegen oder aus dem nächsten Fenster abheben.
„Ich bin zum fliegen zu klein!“, fiel es Alana in ihrer überschwänglichen Laune nach wenigen Sekunden ein und sie sprang kurzerhand bei Brian auf den Rücken, der – wenn auch ein wenig überumpelt – der Aufforderung glatt nachkam und sie durch den Raum trug.
„Ja, das passt, groß genug“, kommentierte sie zufrieden und lachte dann, als Roger die Tür zum Flur öffnete und alle gemeinsam laut singend ihren Weg noch ein Stück fortsetzten.
„Gonna use my stack
It's gotta be Mack
Gonna get me on the track
Got a dragon on my back“


„Einen wunderschönen guten Abend, Sir und Mylady!“, grüßte Freddie ein Paar welches von den Aufzügen her scheinbar zu einer Suite am anderen Ende des Flurs wollte und an ihnen vorbei musste. Während der in Anzug und Krawatte gekleidete Herr eher steif drein sah, schien sein deutlich jüngeres Anhängsel die Szenerie ganz amüsant zu finden und hätte wohl lieber bei der kleinen Privatparty mitgemacht, anstatt ihrem eher langweilig wirkenden Begleiter für den Rest des Abends Gesellschaft zu leisten.
„Los, lasst uns wieder rein gehen, bevor noch so ein Abraham Lincoln – Verschnitt auftaucht und unseretwegen einen Herzanfall erleidet“, forderte Mercury den Rest abermals auf, ihm zu folgen und leicht unkoordiniert fielen sie irgendwie alle übereinander auf das Kingsize-Bett der Suite.
„Und bei wem übernachtest du heute, Al?“, fragte Roger mit einem gespielt anzüglichen Unterton, da er fast direkt auf Alana zum Liegen gekommen war.
„Nicht bei dir, Schätzchen!“, stellte sie zweifelsfrei fest, schubste ihn dann ein Stück von sich, er zog zuerst ein dummes Gesicht und schließlich fingen alle gemeinsam an zu lachen.
„Das ist doch keine Frage, von „bei wem“, denn wir bleiben einfach alle hier. Schaut mal!“, kommentierte Freddie vergnügt, legte seinen Kopf dann auf dem Oberschenkel der Anwältin ab und bedeutete seinen Kollegen, es ihm gleich zu tun.
„Holy Shit, wenn ich das jemandem erzähle“, faselte die Blonde und sah den Jungs zu, wie jeder von ihnen sich irgendwo bei ihr anlehnte.
„Freunde! Etwas glamouröse Kleidung und dieses Bild wäre glatt ein Albumcover wert, was meint ihr?“, hatte der Leadsänger wieder mal einen seiner berühmten Einfälle, doch sofort bekundete die Blondine ihren Protest darüber.
„Bei aller Liebe, aber der einzige Zweck, zu dem ich in die Öffentlichkeit gehöre ist der, eure Interessen vor allen Außenstehenden zu vertreten“, verteidigte sie sich umgehend und sah um sich herum nur grinsende Gesichter.
„Das ist mein voller Ernst“, bekräftigte sie noch einmal nachträglich, dass nichts dergleichen jemals passieren würde.
„Dann kommst du eben ins nächste Video. Fred kriegt ansonsten immer die Mädchen, die um ihn herum tanzen. Wir wollen auch mal welche!“, kam es ausgerechnet von Deacon, der dem Absinth wohl ausgiebig genug zugesprochen hatte, dass es ihn gesprächiger werden ließ.

„Wer stört?“, rief Roger laut zur Tür hinüber, als es klopfte und das Gesicht von Freddie erhellte sich sofort.
„Das wird Miami sein, ich hab ihn vorhin in seinem Zimmer angerufen“, erzählte er fröhlich und sofort sprang Alana vom Bett auf.
„Ich brauch ne Sonnenbrille!“, forderte sie Freddie auf, setzte dann das von ihm gereichte Teil auf ihre Nase und stolzierte in feinster Mercury-Art zur Tür hinüber, um ihrem Cousin zu öffnen.
„Was kann ich für dich tun, Darling?“, säuselte sie ihm entgegen und stemmte die rechte Hand in ihre Hüfte, während die Musiker hinter ihr auftauchten, alle unübersehbar am Grinsen.
„Oh shit, nun siehst du aus wie eine Mischung aus Freddie und Roger“, fiel dem Manager zu ihrer Erscheinung ein, ehe er an ihr vorbei zu den anderen sah.
„Bevor du zur Spaßbremse wirst, komm rein und trink was mit uns!“, lallte John völlig untypisch, was nur zusätzlich zur Erheiterung der anderen beitrug.
„Absinth“, kommentierte Brian, der aktuell auch deutlich aufgedrehter wirkte, als man es ansonsten von ihm gewohnt war. Er schien öfter immer noch der vernünftige in der Truppe zu sein, doch heute war es damit auch nicht weit her.

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„Das hast du uns nie erzählt“, beklagte Roger sich, als sie sich gemeinschaftlich darüber amüsierten, dass Jim ihnen nach ein paar Scotch seinen vollen Vornamen verraten hatte.
„Euer königliche Hoheit, King Henry James“, artikulierte Freddie sich besonders schwülstig, kam jedoch anhand seiner aktuellen Position nicht dazu, einen übertriebenen Knicks zu veranstalten.
Die Musiker saßen alle nebeneinander auf dem Bett, wie Spatzen auf einer Stange und Alana hatte sich geradewegs einfach über ihre Beine gelegt. Jim hingegen lehnte in einem Schwingsessel, hatte seine Füße jedoch ebenfalls an der Unterseite des Bettes abstellt und drehte belustigt sein Glas in der Hand.
Im Normalfall nahm der Manager nicht an jeglichen Ausschweifungen der Band Teil, doch hin und wieder konnte er sich der Überzeugungskraft der Musiker dann doch nicht erwehren und ergab sich seinem Schicksal irgendwann.
Der Zimmerservice hatte zwischendurch eine von Roger bestellte Essensplatte gebracht, auf der sich allerlei Zeug befand, was gut und gerne auch für eine Fußballmannschaft gereicht hätte.
„Probier den hier mal“, schnappte Alana einen aufgespießten Käsewürfel von der Platte und steckte ihn Brian geradewegs in den Mund, auf dessen Beinen sie mit ihrem Kopf lag. Im Gegenzug dafür hielt er ihr den, seit einer Weile herum gereichten Joint vor den Mund, so dass sie daran ziehen konnte, bevor er das Teil an Freddie neben sich weiter gab.
Jim war für den Alkohol durchaus zu haben, doch als die anderen damit anfingen, irgendwelches süßliche Zeug zu rauchen, hatte er sich eindeutig dagegen ausgesprochen. Einer von ihnen musste ja zumindest halbwegs klar im Kopf bleiben.
„Dezent widerlich, wie ihr alle daran nuckelt“, kommentierte der Manager, als er die anderen beobachtete und mit dem Finger einen Eiswürfel in seinem Glas hin und her schob.
„Wir doch nicht. Andere sind deutlich merkwürdiger, die Koks vom Körper einer Stripperin schnupfen. Wobei, wenn ich so darüber nachdenke“, plapperte er und legte dann dümmlich grinsend ein Cocktailwürstchen auf den nackten Bauch von Alana und beugte sich mit dem Kopf auch schon ein Stück hinab. Tatsächlich trug sie ja immer noch die lediglich halblange „Echsen“-Jacke von Freddie und hatte darunter nur Unterwäsche.
„Untersteh dich!“, warnte die Juristin sofort und nachdem der Schlagzeuger kurz eine Schnute zog, nahm er das Essen wieder weg, um es in seinem Mund verschwinden zu lassen, während Alana mit Brian Trauben gegen Melonenstücke austauschte.

„Darlings, habt ihr wirklich nichts miteinander am Start?“, wollte nun Freddie wissen, der das Verhalten der Beiden direkt neben sich ja bestens im Blick hatte. Man konnte es tatsächlich falsch verstehen, wenn man manches mal mitbekam, wie sie relativ oft zusammen klebten, doch es steckte wirklich nichts dahinter als eine ziemlich große Sympathie füreinander.
„Ich bin noch hier und will das wirklich nicht hören!“, klinkte Jim sich ein, der ganz offenbar nicht wissen mochte, was seine jüngere Cousine nachts, wenn er es nicht mitbekam, veranstaltete und ebenso wenig mit wem.
„Aber uns interessiert es! Miami, wenn du nichts hören willst, halt dir einfach die Ohren zu und mach laut „lalala““, prustete John noch immer recht aufgekratzt und bei ihm merkte man am deutlichsten, dass er ein wenig Hilfe brauchte, um aus sich heraus gehen zu können.
„Keiner muss sich die Ohren zuhalten, weil es da überhaupt nichts zu hören gibt“, stellte Alana sofort klar und richtete sich ein Stück auf, um Taylor nun die Haschzigarette aus der Hand zu ziehen.
„Ich hab übrigens nichts mehr zu trinken!“, beklagte sie sich und bekam von Freddie auch umgehend ein neues Glas mit Absinth gereicht, der seinerseits mit einer Hand das Material ihrer Hose befühlte.
„Darling, kann ich die vielleicht mal anprobieren?“, hatte er wieder mal eine Idee, die bei den anderen Jungs zuerst Stirnrunzeln und dann Grinsen erzeugte.
„Könnt' vielleicht im Schritt bisschen eng sein, Fred“, merkte Taylor an und betrachtete scheinbar fachmännisch das Kleidungsstück.
„Alles eine Frage, der Technik, mein Freund. Und das Teil macht einen fabelhaften Hintern“, fuhr der Leadsänger fort, was Alana dazu veranlasste, sich für einen Moment auf den Bauch zu rollen und ihre Rückseite zu präsentieren.
„Ich würde meinen, da hat er recht“, kommentierte die Anwältin grinsend und sah dann Jim dabei zu, wie er von seinem Sessel aufstand.
„Für die langweiligen Erwachsenen ist nun die Zeit fürs Bett gekommen!“, stellte er fest dass es für ihn jetzt wohl angebracht war, sich zu verabschieden. Tatsächlich war er nur vier oder fünf Jahre älter wie etwa Freddie oder Brian, doch konnte man ihn einfach als ganz anderen Typ bezeichnen, nicht unbedingt ein Partylöwe.
„Und ihr solltet auch nicht gerade bis morgen durch machen“, versuchte er zumindest, an die Vernunft zu appellieren.
„Wir haben doch genug Platz, du kannst dich einfach dazu legen!“, schlug Deacon schief grinsend vor, auch wenn er den Eindruck machte, bereits im Halbschlaf zu sein.
„Wir machen auch bald Schluss“, klinkte Brian sich dann ein und zumindest seine Anwesenheit ließ Jim glauben, dass der Abend nicht doch noch irgendwie unzüchtig ausufern würde.
Dankend lehnte der Manager jegliche Einladungen ab, die sich auf das Bett bezogen, bevor er sich dann tatsächlich verabschiedete.

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Irgendetwas weckte Alana, obwohl es draußen noch nicht einmal wirklich hell war. Im Nachhinein konnte sie nicht wirklich sagen, ob es das schlaftrunkene und unverständliche Singen von einem der Musiker war, oder doch eher die Tatsache, dass sie unentwegt von etwas an der Nase gekitzelt wurde.
„Kannst du vielleicht deine überdimensionale Frisur aus meinem Gesicht nehmen?“, nuschelte sie Brian etwas brummig zu, der direkt neben ihr lag und stieß ihn leicht gegen die Schulter.
„Und deine Finger da entfernen??“, kamen die Worte etwas deutlicher, als ihr bewusst wurde, dass eine Fremde Hand sich irgendwo zwischen ihrem Hintern und der Hüfte befand.
„Ich bin das nicht!“, kam es leise protestierend seitlich von ihr und als sie sich in die andere Richtung drehte, konnte sie zumindest schemenhaft den Ursprung des Ganzen erkennen.
Freddie lag in Löffelchenstellung praktisch direkt hinter ihr, Roger schräg auf ihm, von dem  - natürlich, wem sonst? - auch die Hand an ihrer Kehrseite stammte. John wiederum befand sich mit dem Kopf, warum auch immer, am unteren Ende des Bettes und hatte seine Beine irgendwie verdreht über allen anderen liegen.
„Oh heilige...“, seufzte die Juristin und wischte dann mit der Hand eine widerspenstige Locke aus ihrem Gesicht weg, die auch dieses Mal nicht ihre eigene war.
„Bevor Jim auftaucht und bei dem Anblick einen Schock erleidet, verzieh ich mich“, flüsterte sie mit Brian, der am Rand des Bettes lang, sich dann langsam hinaus bewegte und ihr so zumindest einen Fluchtweg frei machte.
„Hast du irgendeine Ahnung, wohin ich meine Bluse geworfen hab?“, fiel ihr auf, dass sie oben herum nur Unterwäsche trug, weil sie die ausgefallene Lederjacke von Freddie im Verlauf des Abends auch irgendwann los geworden war.
Stumm deutete der Gitarrist zu den Umrissen des Kleiderhaufens neben dem Garderobenkoffer von Mercury und es war praktisch sofort klar, dass sie wenig Erfolg haben würde, das Teil zu finden, ohne entweder Lärm zu machen, oder das Licht einschalten zu müssen.
„Geil, so auf den Flur, yay. “ kommentierte sie sarkastisch.
„Gestern Abend hat dich das scheinbar nicht gestört“, bekam sie leise zur Antwort und warf ihm zwar einen bösen Blick zu, doch war es nicht hell genug, dass er es hätte sehen können.
„Ich muss wohl erst zur Rezeption, Freddie hat mich aus meinem Zimmer ausgesperrt, als er mich mitgeschleppt hat. Abgesehen davon war ich nicht mehr nüchtern und kurz darauf dann auch noch high“, gestand sie etwas kleinlaut ein, während er aus seinem Hemd schlüpfte und es ihr über die Schultern legte.
„Nimm das so lang“, war die einfache Antwort, denn immerhin trug er noch ein Shirt darunter und konnte auf eines der beiden Teile durchaus verzichten.
„Und drauf waren wir alle“, ergänzte er die vorige Aussage der Blonden, um sie schließlich nach draußen zu begleiten, wo sie im Neonlicht auf dem Flur erst einmal seufzend blinzelten.
„Okay, so geht das nicht“, kommentierte Alana das viel zu große Hemd und knotete es dann relativ modisch kurzerhand seitlich zusammen, was ihn aus irgendeinem Grund zum Grinsen brachte. Sah jetzt tatsächlich so aus, als gehörte es so.

Nun, wo sie vorläufig tatsächlich einigermaßen salonfähig war, schienen beide sich einig, dass vor allem anderen ein starker, schwarzer Kaffee gerade das einzige war, was sie wirklich brauchten und saßen wenig später für eine ganze Weile einfach in stummer Eintracht in einer etwas weniger beleuchteten Ecke des Hotelrestaurants. Um diese Zeit war der Betrieb sehr überschaubar, denn nur einige wirkliche Frühaufsteher befanden sich bereits beim Essen, wohl zum großen Teil Handels- und Geschäftsreisende, die einen vollgepackten Tagesplan vor sich hatten.
„Wünschen sie noch Kaffee?“, kam eine Hotelbedienstete nach einiger Zeit vorbei, die nach einem Lächeln des Musikers knallrot wurde und den Kaffee zuerst beinahe in die Blumenvase kippte, anstatt in eine der Tassen.
„Kann ich öfter mit dir Frühstücken gehen? Alle müssen sich ihr Zeug am Buffet holen, aber du kriegst Bedienung am Platz“, murmelte Alana grinsend und gönnte sich selbst gleich den nächsten Koffeinschub.
„Neidisch?“, stichelte er zurück und lehnte seinen Kopf dann hinter sich an der Wand an, als die Anwältin ihre Schultern hob.
„Vielleicht ein wenig“, kommentierte sie und stützte den eigenen, etwas schweren Kopf in ihrer Handfläche ab.

„Einen wunderschönen guten Morgen!“, begrüßte Jim sie übertrieben fröhlich und beide zuckten leicht zusammen. Das Problem der vorigen Nacht war wohl nicht einmal die Haschzigarette gewesen, sondern viel mehr die fast zwei Flaschen Absinth, die sie zu fünft geleert hatten. Da handelte es sich eben nicht um „nur“ 40 % Alkohol wie etwa bei einem Wodka, sondern gleich um etwas bei 80%. Kein Wunder, dass der Kopf morgens dezent empfindlich war.
„Um die Worte von Roger zu benutzen: Ihr seht aus, wie ausgekotzt. Ich will ja nicht sagen, ich hätte euch nicht gewarnt“, hatte der Manager wirklich ekelhaft gute Laune und erntete von den beiden anderen dafür zuerst nur ein Brummen.
„Aber wenigstens seid ihr von allein wach. Auch wenn der Anblick durchaus herzig war, wie die anderen drei aneinander gekuschelt im Bett liegen wie kleine Welpen in ihrem Körbchen“.
Etwas geräuschvoller als nötig stellte er sein Tablett auf dem Tisch ab: Wieder ein kurzes Zusammenzucken.
„Manchmal hasse ich dich wirklich“, nuschelte Alana hinter ihrer Tasse und sah dann auf, als die restlichen Bandmitglieder daher geschlurft kamen, wobei Freddie einen halbwegs wachen Eindruck machte und John so wirkte, als würde er im Halbschlaf hinter den beiden anderen her taumeln. Roger war irgendetwas dazwischen, aber wach war trotz allem anders.
„Unsere Frühaufsteher wieder. In friedlicher Eintracht“, war es dann auch der Schlagzeuger, der sich, wie üblich, zuerst darüber ausließ, dass Brian und Alana wohl erneut zusammen hingen, auch wenn es dieses Mal mehr einem Zufall geschuldet war.

„Bevor auch nur einer von euch irgendwas auszusetzen hat..“, legte Jim sofort fest und verteilte irgendwelche Blätter an alle, nachdem jeder seinen Platz gefunden hatte.
„Das ist der Tagesplan für heute und untersteht euch, auch nur das kleinste Anzeichen von Jammern zu zeigen. Im Übrigen steht die Setlist für Europa noch nicht und die Schweizer Veranstalter für den Start in Zürich sitzen mir im Nacken“ Er hatte heute wirklich einen widerlichen Spaß daran, sie mit ihren nicht ganz klaren Köpfen auch noch zu scheuchen und im Prinzip, wie auch Alana insgeheim fand, hatte er ja sogar recht. Wer sich zudröhnen konnte, der musste am kommenden Tag auch mit den Konsequenzen leben.
„Ich hab vorher noch einen Einzeltermin mit Trixie“, erklärte Freddie kurz und Alana erinnerte sich daran, dass sie das Konzept für das Interview später am Tag nur halb bearbeitet hatte.
„Geht jemand freiwillig mit mir die Fragen für CBS heute Abend durch?“, warf sie in die Runde und Roger rieb sich mit beiden Händen die Augen. „Seh ich so aus? Und Deacy ist der reinste Zombie heute“, kommentierte er den Zustand seines Kollegen neben sich.
„Da ihr eh ständig zusammen am mauscheln seid... da ist doch dein Kandidat“, formulierte Taylor weiter seine Gedanken, während er beiläufig mit der Hand wedelnd zu May deutete.
„War mir klar“, frotzelte der wiederum, nickte Alana dann aber zu.
„Wird schon“.
Jim hatte noch einige andere Aufgaben zu verteilen und wollte sie scheinbar an diesem Morgen alle ordentlich auf Trab halten, mit dem was er an Arbeit ausgab.
„Und was machst DU eigentlich?“, war Roger derjenige, der wieder mal federführend war, wenn es darum ging, den Mund groß aufzureißen.
„Ich?“, grinste der Manager und erhob sich dann von seinem Platz.
„Ins Spa gehen. Ich melde mich später, um zu sehen, wie ihr voran kommt“, gab er ausgesprochen amüsiert zu verstehen und verschwand dann auch recht eilig.
„Geschieht uns wohl ganz recht“, stöhnte Deacon und es war zumindest das erste, was er heute wörtlich überhaupt heraus brachte.
Sie nickten sich alle etwas betreten zu. Jeder, wie er es verdiente.