Days Of Our Lives

von Evenstar
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Brian May Freddie Mercury John Deacon OC (Own Character) Roger Taylor
06.02.2019
08.04.2019
22
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Das nächste Kapitel existiert auch bereits. Ich habe keine festen Zeiten, wann ich hochlade, ihr müsst euch also jeweils überraschen lassen, wann der nächste Teil kommt.
Tatsächlich gibt es zu dieser Geschichte bereits sehr viel, doch zum Teil habe ich nicht chronologisch geschrieben, weshalb zwischendurch noch einiges mit meinen Ideen gefüllt werden soll.

Viel Spaß.


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„Scheiß auf die Pressekonferenz! Autogramme geben? Freddie, das hast du nun wirklich nicht nötig“, bemerkte Paul Prenter, Mercury's persönlicher Manager, abfällig. Am Abend stand das letzte Konzert der „Crazy“ Tour im Hammersmith Odeon in London an und die vier Bandmitglieder waren sich sehr offensichtlich über vieles nicht einig.
„Kannst du vielleicht mal deine scheiß Fresse halten?“, fuhr Roger Taylor den Nordiren aggressiv an, der nur provokant grinste.
„Roger, bitte!“, klinkte Brian May sich letztlich ein und wandte sich an Prenter.
„Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du aufhörst, dich einzumischen, Paul, das ist nicht deine Angelegenheit“, klang der Gitarrist in seinen Worten deutlich gemäßigter, als sein Kollege kurz zuvor, auch wenn er Freddie's Lover mindestens genauso wenig ausstehen konnte. Der Mann war das reinste Brechmittel, eine Zecke, und Mercury leider aktuell in dieser Beziehung zu verblendet, um die Tatsachen zu sehen.
„Fred?“, richtete Brian an den Sänger, der nur unentschlossen von einem zum Anderen sah, während sein Liebhaber mit verschränkten Armen dastand und sein unausstehliches Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam.
„Komm schon, Freddie. Es gibt wichtigeres, als sich mit diesem Gesindel abzugeben. Ein paar Freunde von mir warten immer noch darauf, dich kennenzulernen. Heute Abend nach dem Konzert wäre doch eine super Gelegenheit“, wirkte Prenter wieder eifrig auf seinen Freund ein und Taylor stand ruckartig von seinem Stuhl auf.
„Pass auf, wen du hier Gesindel nennst, Alter“, kam es gefährlich leise seitens des blonden Schlagzeugers.
„Ich meinte dieses Pack, dass ihr „Fans“ nennt. Hab ihr euch die schon mal angeschaut, was da für Gestalten dabei sind?“, er lachte äußerst unsympathisch und schüttelte dann den Kopf. „Oder hast du dich angesprochen Gefühlt, Blondie? Vielleicht ja nicht ganz zu Unrecht“.
„Wie war das?“ gab Roger mit einem wutverzerrten Gesichtsausdruck zurück und konnte von seinen beiden Kollegen gerade noch davon abgehalten werden, auf den anderen loszugehen.
„Jim hat für heute Abend nach der Pressekonferenz etwas organisiert. Leute von der Plattenfirma, ein paar Freunde. Zum Abschluss der Tour ist das doch eine nette Idee“, wusste John Deacon zu berichten und veranlasste Prenter zu einem abfälligen Schnauben.
„Ja sicher. Nette Idee... und „nett“ ist der kleine Bruder von „scheiße“. Euer super Manager, wo ist er überhaupt? Hat sicher selbst keinen Bock auf diesen ganzen heuchlerischen Müll“.
„Trixie, nun benimm dich ein wenig“, warf Mercury nicht sehr überzeugend ein, der gegenüber Prenter einfach generell viel zu weich reagierte. Sicher, sie hatten eine Beziehung, aber man konnte doch nicht so blind sein.

„Jim liegt mit einer Gastroenteritis zuhause im Bett“, meldete sich von der Tür her eine Stimme, was alle Anwesenden dazu veranlasste, ihre Köpfe zu drehen.
„Mister Prenter, nehme ich an? Alana Beach.“, mutmaßte die Blonde, unterließ es aber, ihrem Gegenüber, vor dem sie sich eben positioniert hatte, die Hand zu schütteln.
„Du liebe Zeit“, lachte Prenter und spielte seine Show zunächst auch gegenüber Alana weiter. „Ich wusste nicht, dass Jim sich so ein junges Flittchen angelacht hat“, gab er weiter den Kotzbrocken und während Roger mit den Zähnen knirschte – der Kerl brachte ihn einfach zur Raserei – ließ Alana sich nicht groß von seinen Sprüchen beeindrucken.
„Nicht Flittchen. Cousine. Anwältin übrigens. Da Jim nicht in der Lage ist, das Haus zu verlassen, werde ich ihn heute vertreten“, erklärte sie neutral und das Grinsen war augenblicklich vom Gesicht des Nordiren verschwunden.
„Das ist doch jetzt ein Witz?“, schnarrte er und sah scheinbar mächtig angepisst in die Runde.
„Nein, mein Lieber, das ist es nicht. Im übrigen wäre ich an ihrer Stelle vorsichtig, wen sie hier „Flittchen“ und dergleichen betiteln. Sollten sie nicht den Wunsch hegen, mich in einer Verhandlung wegen schwerer Beleidigung vor Gericht wiederzusehen, so würde ich mich an ihrer Stelle zusammenreißen und...“
Sie wurde von Taylor unterbrochen, der Freddie's Liebhaber nun recht gutgelaunt anfunkelte „.. einfach mal die Klappe halten?“, versuchte er ihren Satz zu vervollständigen.
„Ich hätte es etwas diplomatischer ausgedrückt, aber der Inhalt trifft den Nagel auf den Kopf, danke“.

Mercury schien ein wenig zwiegespalten, wie er sich in der Situation gerade verhalten sollte, während die anderen drei ihr Grinsen nun nicht mehr unterdrücken konnten.
„Von allem anderen einmal abgesehen“, fuhr Alana in neutralem Ton fort. „Das hier ist eine Angelegenheit, welche nur die Band etwas angeht. Ja richtig, die Band im geschlossenen, keine persönliche Geschichte ihres eigenen Mandanten. Wenn sie nun also bitte den Raum verlassen und sich nicht in Interna einmischen würden, welche nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich liegen?“
Prenter war inzwischen puterrot im Gesicht geworden, denn ein Platzhirsch wie er, der sich von einer Frau so völlig unterbuttern ließ, passte natürlich in keinster Weise in das Bild, was er nach Außen hin selbst von sich so eifrig pflegte.
Ohne ein weiteres Wort stürmte der Nordire davon, knallte lautstark die Tür ins Schloss, ließ die anderen zuerst verblüfft und dann ausgelassen Lachend zurück. Selbst Mercury schmunzelte ein wenig. Vielleicht wusste er einfach selbst nicht, wie er seinen Freund in die Schranken weisen sollte, ohne dass es ihre persönliche Beziehung belastete.

„Scheiße, das war der Hammer“, freute Roger sich und trat ausgelassen gegen eine am Boden stehende Coladose. „Wo kommst du überhaupt auf einmal her?“, schaltete nun auch Brian sich wieder in das Gespräch ein.
Nach der ersten Begegnung an Halloween '78 in New Orleans hatte die junge Juristin sich tatsächlich dagegen entschieden, das Jobangebot anzunehmen, welches ihr von Jim und der Band gemacht worden war. Ihr Studium war kurz zuvor erst abgeschlossen worden, sie hatte noch keinen Tag wirklich richtig in einer Kanzlei gearbeitet – die diversen Praktika einmal außen vor gelassen – und wollte tatsächlich einfach nur dem Beruf nachgehen, für den sie während des Studiums hart gearbeitet hatte.
Der Band war sie in Jim's Kanzlei tatsächlich das ein oder andere Mal kurz begegnet im zurückliegenden Jahr und so kannte man sich zumindest etwas, auch wenn es nie über flüchtige, beiläufige Gespräche, ein kurzes Hallo auf dem Flur hinaus gegangen war.
„Jim war der Meinung, dass man euch Chaoten besser nicht allein lässt. Und er hatte schon die Befürchtung, dass nun ja...“ sie sah zu Mercury und behielt den Rest ihres Satzes dann lieber für sich. „Darling, es ist wunderbar, dass du hier bist“, hatte der Leadsänger sofort wieder zu seiner bekannt herzlichen Art zurück gefunden und drückte Alana einen dicken Kuss auf die linke Wange.

„Woher hat Miami dieses Gastro... was überhaupt?“, erkundigte sich John, dem der von Alana genutzte Fachbegriff nichts sagte.
„Magen-Darm-Entzündung“, klärte Brian ihn auf, der dann von Roger seitlich geboxt wurde. „Dr. May hat gesprochen“, stichelte er und bekam dafür ein Augenrollen von seinem Kollegen.
„Ach halt den Mund, du... Zahnarzt“, ärgerte der Gitarrist ihn zurück, während Alana grinsend ihre Aktentasche auf einem Tisch ablegte.
„Essen bei seiner Schwiegermutter am ersten Weihnachtstag. Vermutlich waren die Austern nicht mehr ganz frisch“. Die Musiker verzogen einstimmig das Gesicht und rümpften dann bei dem Gedanken an verdorbene Muscheln die Nase.
„Habt ihr eigentlich nicht noch zu tun? Jim sagte etwas von Proben für das Abschlusskonzert heute Abend?“, fragte sie nun in ernstem Ton nach, verschränkte die Arme und hob beide Augenbrauen.
„Aye aye, Sir... äh... Ma'am“, korrigierte Roger sich selbst und stieg auf das Podest an der Kopfseite des Raumes, um hinter sein Schlagzeug zu klettern.
„Welche Befürchtung hatte Miami?“, wurde sie von Brian gefragt, der mit seiner Gitarre in der Hand neben ihr stehen geblieben war, als sie sich gerade einen Stuhl heran zog, sich hinter den Tisch setzte und ihre Unterlagen ausbreitete.
„Dass Prenter einen auf Dicke Hose macht und versucht, alles auf den Kopf zu stellen, wenn Jim selbst nicht in der Nähe ist“, erklärte sie leise und blickte ihn dann an.
„Damit hat er wohl auch recht behalten. Sein Verhalten ist wesentlich präziser zu berechnen als jede Sonnenfinsternis“, gab der Musiker schnaubend zur Antwort und gesellte sich dann wieder zu seinen Kollegen. Leicht schmunzelnd sah die Anwältin ihm kurz hinterher... Dr. May, ganz unrecht hatte Roger nicht, denn sein Allgemeinwissen schien schon sehr breit gefächert.

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„This thing called love, I just can't handle it
This thing called love, I must get round to it
I ain't ready
Crazy little thing called love“

Irgendwie war das tatsächlich eine ganz coole Sache, wenn man so saß, sich durch einen Stapel von Unterlagen kämpfte und als Untermalung dabei die Live-Musik einer berühmten Rockband geboten bekam.
„I gotta be cool, relax, get hip
And get on my track
“, sang Mercury weiter, umrundete Alana und nahm der Anwältin flink ihren Stift aus der Hand, was sie dazu brachte, abwartend zu ihm nach oben zu sehen.
„Take a back seat, hitch-hike
And take a long ride on my motorbike“

Vermeintlich flirtend räkelte er sich nun ein wenig anzüglich auf ihrem Tisch und brachte die Blonde damit zum Schmunzeln. Solang er den Kugelschreiber nicht zurückgab, konnte sie auch nicht weiterarbeiten, womit ihr vorläufig nichts anderes als pausieren übrig blieb.
„Until i'm ready
Crazy little thing called love“


Als er den Song beendet hatte, spendete Alana ihm einen kleinen Beifall und er verbeugte sich ausladend. „Was für ein Instrument spielst du, Darling?“, fragte er scheinbar aus heiterem Himmel und die Juristin war leicht verdutzt. „Wie kommst du darauf, dass ich...“, doch sie kam nicht dazu, ihren Satz zu ende zu Sprechen, weil Roger sich in die Unterhaltung mischte.
„Miami hat vor ein paar Tagen erzählt, dass du an Heiligabend zuhause für die Familie spielst, er wollte nur nicht damit rausrücken, was und womit genau“, rief er vom anderen Ende des Raums und auch die beiden anderen sahen nun neugierig zum Tisch hinüber.
„Nichts, was ihr hier habt. Und auch vermutlich nichts, was euch gefällt“, versuchte die Blonde das Thema eilig zu beenden, doch Freddie war nun bereits angestachelt und gab so schnell wohl auch nicht mehr auf.
„Eigentlich war ich nur neugierig, aber jetzt MUSST du für uns spielen. Trixie kann gehen und das besorgen, was du...“
„Nein!“, kam es sofort von den anderen dreien, die mehr als froh waren, dass Prenter sich endlich verzogen hatte und wollten ihn auch so schnell nicht wieder im Raum sehen.
„Okay okay! Lasst mich kurz an mein Auto, dort habe ich, was ich brauche“, lenkte sie ein und erhob sich von ihrem Platz. „Ich bin gleich wieder da“.

„Blockflöte vielleicht?“, mutmaßte Roger, nachdem Alana den Raum verlassen hatte und grinste leicht schmutzig, wobei jeder wusste, worauf er hinaus wollte.
„Du bist und bleibst ein Wildschwein“, äußerte Brian an seinen Freund gerichtet und dachte dann selbst nach. „Sie hat sehr feine Hände. Ich würde ja auch auf eine Gitarre tippen, aber die hätten wir hier gehabt. Harfe?“ Freddie schüttelte daraufhin den Kopf. „Du und dein Handfetisch... Aber ja, sie hat etwas von einer Elfe. Ich tippe auf Panflöte.“. Alle sahen gespannt zu John, der sich noch nicht geäußert hatte. „Triangel...?“, nannte er einfach das nächstbeste, was ihm einfiel. „Uff.. sehr kreativ, Deacy, wirklich...“, ärgerte Roger ihn und sie stellten alle kurz darauf fest, dass jeder mit seiner Vermutung komplett falsch gelegen hatte.
„Eine Violine, natürlich!“, war Freddie der erste, der auf das Instrument reagierte, welches Alana aus einem kleinen schwarzen Kasten hervorholte.
„Darling, ich liebe klassische Musik“, fuhr er begeistert fort und zog einen Hocker heran, um sich direkt vor Alana zu setzen. Tatsächlich folgten die anderen seinem Beispiel, was ihr dann doch eher unangenehm war. Vier berühmte Rockmusiker wollten hören, wie sie auf ihrer Geige spielte?
„Das ist keine Stradivari, oder?“, erkundigte sich Brian und besah sich das sehr filigran gearbeitete Instrument. Lächelnd schüttelte die Juristin den Kopf und nahm den Bogen aus ihrem Kasten.
„Für eine Stradivari fehlt mir das Geld. Irgendwann vielleicht mal. Aber das hier ist eine Stainer von ungefähr um 1850. Ähnliche Bauweise und eigentlich auch ganz schön.“
„Na los, wir wollen hören, was für ein Privatkonzert du an Weihnachten bei Miami im Wohnzimmer gegeben hast“, zeigte Roger sich penetrant ungeduldig und bekam von Brian dafür einen Schlag an den Oberarm.
„Weihnachten, warte mal. Kannst du das Ave Maria von Bach?“
Die anderen sahen kariert drein und natürlich war Roger der erste, der wieder seinen Mund nicht halten konnte. „Fred, was zum... bist zu zum Christentum konvertiert?“, frotzelte er und erhielt seine Antwort prompt. „Ich bin gar nichts, du Banause. Das ist ein sehr schönes, klassisches Stück und praktisch gemacht für Streichinstrumente“. John nickte zustimmend, denn er spielte unter anderem Kontrabass und hatte somit zumindest Ahnung von der Materie.
„Kann ich schon, aber...“, doch Freddie wedelte eifrig mit den Händen. „Ich begleite natürlich auf dem Piano, was dachtest du denn? Los, los!“, scheuchte er und sie ergab sich einfach ihrem Schicksal.

Die einleitenden Noten am Flügel, und schließlich das einsetzen der Violine passten wirklich ausgesprochen schön zusammen, so dass Freddie sich zwischendurch – wenn auch etwas übertrieben theatralisch – mit einer Hand ergriffen an sein Herz fasste. Selbst der immer großmäulige Roger konnte für einige Minuten den Mund halten und hörte einfach nur zu.
„Du meine Güte“, säuselte der Leadsänger nach mehreren Minuten, als das Stück zu Ende war. „Liebes, wenn ich jemals heiraten sollte, dann musst du das spielen!“. Roger prustete nur und besah sich dann scheinheilig seine Fingernägel. Er hatte ja mal wieder überhaupt nichts gesagt, niemals, er doch nicht.
„Du hast eine unglaublich präzise Grifftechnik. Schon einmal mit einer Gitarre versucht? Sollte dir eigentlich nicht schwer fallen“, zeigte Brian sich interessiert und blieb neben Alana stehen, die nur den Kopf schüttelte, während sie ihr Instrument wieder verstaute.
„Handfetisch...“, nuschelte Roger und versteckte seine Anspielung in einem vorgetäuschten Husten und räuspern.
„So, genug jetzt. Jim würde uns sicher in den Hintern treten, denn wir haben alle noch Arbeit vor uns“, kehrte die Juristin wieder zum Geschäftlichen zurück. Richtig: Die Jungs mussten sich auf das Konzert vorbereiten und sie war eben deswegen hier, damit sie nicht zu viel unnötigen Unfug anstellten. Nachdenklich blieb ihr Blick dann doch noch einmal für mehrere Minuten an den Musikern hängen. Sicher, sie hatten einen dezenten Knall, waren aber eigentlich sehr liebenswürdige und umgängliche Menschen. Verständlich, dass Jim viel von ihnen hielt.

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„Nicht dein Ernst?“, äußerte Roger fast entsetzt gegenüber Alana. „Du hast nie eins unserer Konzerte Live gesehen? Aber letztes Jahr in New Orleans...“. Die Blonde schüttelte langsam den Kopf. „Jim hat mich nur auf eure Party geschleppt, im Konzert war ich nicht“. Alle vier zogen Gesichter wie auf einer Beerdigung, auch wenn sie das gerade vorwiegend spielten. „Aber du hast schon Konzerte besucht?“, ging die Fragerunde weiter und hier konnte Alana positiv Antworten. „Genesis '77 in Liverpool und diesen April bei Elton John in Birmingham“, verriet sie den Jungs, die immer noch skeptisch auf sie blickten.
„Dann, my dear, hast du das Beste, was es an Konzerten gibt, bisher verpasst. Aber nun bist du ja hier!“, stellte Freddie fest und bekam durch zustimmendes Nicken Unterstützung von seinen Bandkollegen.
„Eigentlich wollte ich gleich die Konferenz vorbereiten...“. Das klang schwer nach einem „aber“ und wurde auch sofort von Brian aufgegriffen. „Aber da du nun schon einmal hier bist und weil Jim bei den Konzerten immer direkt an der Bühne bleibt, wirst du natürlich das selbe tun“, stellte er in einem Tonfall fest, der keinen Widerspruch zuließ.
„Eh.. ja, so ungefähr, genau“, antwortete die Juristin eilig und räusperte sich dann kurz.
„Wie ich dir schon in New Orleans gesagt habe, Fred: Lass Brian das machen und sie tut alles, was man will“, posaunte er großspurig heraus und bekam dann von May einen Ellbogen in die Magengegend.
„Liebster Roger, wenn du nicht so ein Perversling wärst, würde ich vielleicht auch auf dich hören. Und jetzt seht zu, dass ihr auf die Bühne kommt. Der Sicherheitsdienst sagt, da sind 3500 Leute, die nur auf euch warten, also ab mit euch!“.
„Du bist herrlich, Liebes“, trällerte Freddie, küsste Alana zum zweiten mal an diesem Tag schwungvoll auf die Wange und schob dann seinen Liebhaber direkt neben die Anwältin. „Pass mir ein wenig auf Trixie auf, nicht dass er mir noch untreu wird, bei so vielen gutaussehenden Männern hier“. „Urgh, Trixie...“, täuschte Roger ein Würgen vor. „Warum gibt er ihm eigentlich einen Namen, der wie eine Fee klingt?“, tuschelte der Schlagzeuger mit Brian. „Rein optisch ist er doch viel eher ein Troll“. Beide lachten prustend, klatschten sich dann ab und folgten Freddie unter lautem Jubeln des Publikums auf die Bühne.

„Sind Sie jetzt öfter dabei“, erkundigte Prenter sich relativ angefressen bei Alana, als sie in den Flügeln der Bühne standen und das Konzert verfolgten.
„Eigentlich nur heute, aber wer weiß...“, gab sie sich absichtlich geheimnisvoll, um den Mann noch ein wenig zu triezen. „Soll heißen?“, schnarrte er ungeduldig, doch sie ließ sich davon nicht beirren.
„Nichts, was sie zu interessieren hätte, Mr Prenter. Aber eine andere Frage..“. Er war jetzt schon wieder ordentlich genervt von dieser, wie er fand, höchst vorlauten und aufsässigen Person.
„Die da wäre?“, knurrte er wenig begeistert, setzte jedoch ein falsches Lächeln auf, als Freddie kurz in ihre Richtung sah.
„Was wollen sie von ihm? Auch wenn er aus Verblendung und Zuneigung zu Ihnen glaubt, sie hätten ihn ernsthaft gern... ich weiß, wie Liebe aussieht und so ganz sicher nicht“, sprach sie gelassen weiter und er wurde wieder rot wie eine Tomate.
„Was geht sie das alles an. Und in ihrem Alter... Sie können unmöglich überhaupt schon volljährig sein, als wüssten sie auch nur irgendetwas über...“ er wollte gar nicht mehr weitersprechen und plusterte sich nur wie ein Truthahn vor ihr auf. „24 Mr Prenter, seit etwas mehr als vier Wochen. Und ich muss keine 50 Jahre Lebenserfahrung haben, um solche wie Sie einschätzen zu können“.
„Trixie“ sah aus, als würde er im nächsten Moment platzen und stampfte dann davon, um sich etwas weiter hinten allein hinzustellen. „Verschissene Anwälte“, fluchte der Ire vor sich hin, auch wenn Alana seine Worte nicht hören konnte.

Jetzt, wo sie ihn erst mal los war, konnte sie sich tatsächlich auf das Konzert konzentrieren und war nach relativ kurzer Zeit auch schon voll im Element. Alle bisherigen Erfolge waren in dem Programm ebenso untergebracht wie jeweils ein mehrminütiges Schlagzeug- und ein Gitarrensolo von Roger und Brian. John hatte keinen eigenen Programmpunkt, doch er war eben ein ruhiger Typ, wollte zwar zum Ganzen dazu gehören, aber nicht sonderlich hervorgehoben werden.
Zuvor noch eher leise am Summen und mit dem Fuß wippen, konnte Alana sich selbst spätestens bei „Bohemian Rhapsody“ dann auch nicht mehr zurückhalten und legte anschließend im Nachgang von „Tie your mother down“ eine Headbang-Einlage mit zwei Tontechnikern ein, gerade als die Band ihre Vorstellung beendet hatte.
Breit grinsend, jedoch auch enorm verschwitzt und zerzaust blieben die Musiker stehen und schüttelten den Kopf über die vermeintlich gute Stimmung im Backstage. „Oh, da hat sich jemand anstecken lassen!“, meinte Freddie fröhlich und rieb sich dann mit einem Handtuch über den Kopf. Sie griffen nach Wasserflaschen, nahmen einige kurze Schlucke und kehrten dann unter den lauten „Zugabe“-Rufen der Besucher noch einmal für vier weitere Songs auf die Bühne zurück. Es begann mit „Sheer Heart Attack“, ging über zu „We will rock you“,  „We are the champions“, und gipfelte schließlich in dem Gesang der Fans, die einzig von Brian an der Gitarre begleitet zum Abschluss laut und inbrünstig „God Save The Queen“, schmetterten.

„Irre!“, zeigte Alana sich begeistert, als das Konzert schließlich vorbei war, auch wenn man vereinzelt noch die Gesänge der Zuschauer aus dem großen Saal hören konnte.
„Warte, bis du die richtig großen Konzerte mitkriegst“, erklärte Brian und stellte seine Gitarre neben sich auf dem Boden ab. „Nächstes Jahr sind wir in den USA. Bis zu 20.000 Zuschauer pro Veranstaltung!“, erklärte er begeistert, während Freddie sich suchend umsah. „Wo ist Trixie eigentlich hin?“, erkundigte er sich und Alana hob nur die Schultern, während der Sänger ging, um sich auf die Suche zu machen.
„Ich glaub, ich muss brechen“, stöhnte Roger, doch die Juristin grinste.
„Und ich glaube, „Trixie“ kann mich schon jetzt nicht ausstehen“.
Taylor schien interessiert. „Was hast du dem Troll getan?“, musste er sofort in Erfahrung bringen, was passiert war.
„Ihm gesagt, was ich bereits nach nur einer Begegnung von ihm halte. Sein Kopf ist angeschwollen etwa auf die Größe eines Basketballs“.
„Ich glaube, ich liebe dich!“, äußerte der Drummer zur Belustigung aller Anwesenden. „Kannst du bei uns bleiben?“ Alana lachte nur und wechselte einen kurzen Blick mit Brian, der neben ihr stand. „Es gibt viele Fans, die wegen begrenzter Plätze keine Karten bekommen haben. Die Halle war sowieso schon übervoll. Sie stehen draußen und würden euch sicher gerne sehen, bevor wir in die Konferenz gehen, was meint ihr?“
Die aktuell anwesenden Bandmitglieder fanden die Idee durchaus einen schönen Tourabschluss und als Freddie, mit Lover im Schlepptau zurückkam, warteten sie alles auf, was sie an Überzeugung zu geben hatten.
„Fred, lass uns raus zu den Fans, sie warten alle auf uns, ist doch geil, oder nicht?“ führ Roger sofort sämtliche Geschütze auf. Prenter schien das Thema satt zu haben und sagte schon überhaupt nichts mehr dazu. „Let's go!“, stimmte Mercury seinen Kollegen zu und warf schwungvoll sein Handtuch beiseite.

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„Freddie, gibt es schon einen Titel für das Nächste Album? Wann soll es erscheinen?“, war ein anwesender Journalist sehr interessiert an der Zukunft der Band.
„Es hat noch keinen Titel, aber die Veröffentlichung ist für den 27. Juni geplant, drei Tage vor dem Start der nächsten Tour. Es wurde sich allerseits eifrig Notizen gemacht.
„Roger, stimmt es, dass sie hinter ihren Drums während Konzerten gern mal einen trinken?“, wollte eine hübsche, exotisch aussehende Journalistin wissen.
„Wollen sie mal vorbei kommen und es rausfinden?“, zwinkerte der Schlagzeuger ihr zu und es gab viele Lacher.
„John, denken sie darüber nach, zukünftig bei einem der neuen Songs, einen direkten Gesangspart zu übernehmen?“, kam ein Zuruf von weiter hinten.
„Das will nun wirklich keiner hören, ganz im Ernst!“, gab Deacon sich fast entsetzt, der mit seinem Bass vollkommen glücklich war.
„Brian. Hat die Band nach der Trennung von John Reid im letzten Jahr jetzt den nächsten Manager gefeuert? Und wen haben sie heute dabei?“, fiel jemandem auf, dass Jim nicht wie gewohnt die Band begleitete.
„Uhm... warum krieg ich immer die scheiß Fragen?“, beklagte sich May, grinste dann jedoch selbst und auch die Presseleute lachten. „Nein, es ist alles in Ordnung. Jim ist ein Manager, wie ihn sich jede Band nur wünschen kann. Und...“, er hielt inne, blickte zu Alana, bog sein Mikrofon dann etwas seitlich und warf ihr einen abwartenden Blick zu. Nicht sein Ernst? Doch sie kam der Aufforderung nach, trat einige Schritte nach vorne und beugte sich zwischen Brian und John zu dem Mikro hinab.
„Ich kann Ihnen versichern, zwischen Jim und der Band ist alles in bester Ordnung. Leider liegt er erkrankt zuhause im Bett, weshalb ich ihn für diesen Abend vertrete. Das Weihnachtsessen ist ihm nicht so gut bekommen“, scherzte sie und sorgte damit erneut für Erheiterung.
„Miss Beach!“, meldete sich ein in schreienden Neonfarben gekleideter Fernsehreporter, der scheinbar ihren Namen irgendwo her kannte. „Sie haben Prince Andrew neulich im Prozess gegen seinen ehemaligen Chauffeur vertreten. Wissen sie schon, wann in der Angelegenheit das Urteil gesprochen wird?“
Freddie, John und Roger sahen die Anwältin entgeistert an, während sie ihre Antwort formulierte. „Dominic, sind sie das?“, blinzelte Alana gegen einige aufgestellte Scheinwerfer und glaubte, die Stimme des Fragenstellers zu kennen. „Wie sie sich sicher vorstellen können, werde ich dazu schweigen wie ein Grab. Und heute sind wir sowieso aus ganz anderen Gründen hier“. Wo sie recht hatte.

„What the f...“, entfuhr es Roger eine ganze Weile später, als die Pressekonferenz beendet war. „Du vertrittst den Buckingham Palace vor Gericht? Kein Wunder, dass du dich nicht mit uns abgeben willst, eure hochwohlgeborene Durchlauchtigkeit“, blödelte der Schlagzeuger und machte einen sehr übertrieben albern aussehenden Knicks vor ihr. „Ich vertrete Prince Andrew. Als Privatperson und nicht den Palast“, korrigierte sie, doch der Musiker winkte ab. „Das hättest du ja ruhig mal erwähnen können“, beschwerte er sich weiter.
„Wie wärs, wenn du zur Abwechslung mal was anderes aufschlägst als den Playboy?“, schlug Brian vor und verschränkte überlegen grinsend die Arme. „Ach, Dr. May hat das natürlich wieder gewusst, unser Streber“, stichelte Taylor. „Stand groß und breit in der Zeitung“, antwortete der Gitarrist gelassen. „Aber man sollte schon auch lesen können und sich nicht nur an Bildern halbnackter aufg...“. Alana klinkte sich ein. „Ist gut jetzt. Brian ist ein Streber, Roger kann nicht lesen, schaut sich nur „Bilderbücher“ für Erwachsene an und vor mir muss man den royalen Knicks machen. Sind wir jetzt über alles im Bilde? Schön, wo ist dann die Party, die ihr Versprochen habt?“
Freddie grinste nur, so mochte er die Leute um sich herum. „Zur Party hier entlang!“, kommentierte der Leadsänger, legte seinen Arm um Prenter, der wohl leider unverzichtbar für ihn war, und bedeutete den anderen, ihm zu folgen.

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Alana hatte ihren Kopf in den Nacken gelegt und ließ sich von den Umstehenden dabei anfeuern, wie Roger Champagner aus einer Flasche in ihren Mund kippte. Zuerst waren alle skeptisch gewesen, als Freddie sie in den relativ neu eröffneten Club Heaven in London geschleppt hatte, tatsächlich ein Gay Club und die Party war von Jim – in Freddie's Auftrag – angeleiert worden. Nach einer Weile hatte sich jedoch herausgestellt, dass sich die Nachtschwärmer dort bis auf einige Kleinigkeiten von anderen Partygängern eigentlich nicht unterschieden. Es war keineswegs so, dass man als heterosexueller Gast dort nicht willkommen war, man musste eben nur tolerant sein und mit dem klar kommen können, was man so zu sehen bekam.
Zu „I will survive“ von Gloria Gaynor stiegen beide auf den Tisch und legten einen Tanz hin, der von den Stammgästen durchaus mit Applaus bedacht wurde. „Zigarette?“, rief Alana dem Schlagzeuger zu, zündete sich dann mit seinem silbernen Queen-Zippo eine an, zog daran und reichte sie ihm weiter, wozu er sich keineswegs erst bitten ließ.
Freddie klebte an Prenter und einem anderen, in Lack gekleideten Kerl, wobei sie sich auch nicht großartig stören ließen. John wiederum hatte seine Frau mitgebracht und tanzte am Rand einer schrill bunt beleuchteten Fläche mit ihr.
„Komm mal mit!“, deutete Alana mit den Lippen in Richtung Roger an, da die Musik irgendwie hoch gedreht worden war und zu laut, um sich zu unterhalten. Den Musiker an der Hand mit sich ziehend, und gemeinsam fast wie eine Polonaise, schlängelte sie sich im Tanzrhythmus zu „Gimme Gimme“ von ABBA durch die Menschenmenge auf eine Bar zu, an der Brian lehnte und mit einem Bier in der Hand versuchte, sich zu unterhalten.
„Los, tanzen!“, sagte Alana zu ihm, nachdem nun ein etwas langsameres und weniger dröhnendes Lied aus den Lautsprechern klang. „Ober-Streber Dr May tanzt nicht“, kommentierte Roger und nahm einen großen Schluck Champagner aus der Flasche, die er in der Hand hielt. „Der Zahnarzt hat vollkommen recht“, gab Brian schmunzelnd zurück und sah den beiden dabei zu, wie sie im Stand zur Musik hin und her wippten. „Ihr scheint euch ja gesucht und gefunden zu haben. Seid ihr dicht oder high?“, fragte der Gitarrist belustigt, doch sie schüttelten beide den Kopf. „Wir sind nur gut drauf. Nun sei nicht so “, forderte Alana ihn in einem Singsang-Tonfall auf und griff nach seiner Hand. „Ich wollte auch zuerst nicht hier sein und hab jetzt richtig Spaß, also bitte“.
Skeptisch sah er zwischen beiden hin und her, stellte dann seufzend sein Bier ab und gab dem Drängen der Beiden schließlich nach.
Passend zum nun beginnenden „Relight my fire“ von Dan Hartman positionierte Alana die Männer sehr geschickt so, dass sie genau zwischen ihnen tanzen konnte. Was Brian für ein Problem hatte, konnte sie überhaupt nicht nachvollziehen, denn er stellte sich alles andere als dumm an und schien sich nach kurzem von der guten Laune, die Roger und Alana an den Tag legten tatsächlich anstecken zu lassen.
„Ihr habt einen Hüftschwung, da könnte man neidisch werden!“, rief Alana den beiden über die Musik hinweg zu und koordinierte ihren Tanz für den Rest des Liedes dann so, dass sie sich immer abwechselnd einem der beiden zuwandte.
Als sie Roger nun die Champagnerflasche aus der Hand nahm und davon trank, um sie anschließend an Brian weiter zu reichen, ließ er sich tatsächlich nicht lange bitten. Es ging noch mehrere Songs lang so weiter, bevor sie sich irgendwann in eine kleine Lounge warfen und durstig nach Getränken griffen.

John und seine Frau gesellten sich zu ihnen, während Freddie von einem hochgewachsenen und kräftigen männlichen Clubbesucher auf den Schultern herumgetragen wurden.
„Schätzchen, du MUSST dich einfach öfter bei uns sehen lassen, du kannst gar nicht anders. Dein Cousin kann zwar bei Bedarf saufen wie ein Loch, aber mit ihm lässt es sich nicht mal ansatzweise so gut tanzen.“, plapperte Roger nach einem weiteren Schluck aus der Flasche und rückte ohne jegliche Scheu deutlich näher zu Alana. „Du bist jung, willst du wirklich die nächsten vierzig Jahre hinter einem Schreibtisch oder in einem Gerichtssaal vergammeln? Dafür bist du viel zu schön und zu schade“, schleimte er weiter. „Brian und John wollten gerade das selbe sagen!“, wobei zuletzt angesprochener sofort nach dem Motto „ich bin unschuldig“ beide Hände in die Höhe hielt und von Roger ein Augenrollen dafür kassierte.
„Das wollte ich nicht“, widersprach auch Brian dem Schlagzeuger, der sofort schnaubte. „Weil ich Leute nicht beeinflusse und ihnen ihren freien Willen zugestehe“, äußerte er wieder einmal sehr lyrisch klingend. „Aber Roger hat nicht unrecht. Und was wir dir letztes Jahr angeboten haben, das gilt auch jetzt noch“. Sie fand den Gitarristen wirklich ungemein sympathisch, eigentlich schon beim ersten Zusammentreffen in New Orleans hatte er bei Alana einen deutlichen Eindruck hinterlassen.
„Im Tausch gegen noch ein wenig weiter tanzen, würde ich mir das überlegen“. Tatsächlich war Brian dieses Mal der erste, der sich erhob und ihr die Handfläche entgegen hielt. „Ich opfere mich“, erklärte er sich sofort bereit und Alana folgte ihm ohne Widerstand.
„Argh, das hat er jetzt nicht getan! Und sie kommt auch noch einfach so mit. Was hat er denn, was ich nicht habe?“, beklagte Roger sich halb im Spaß bei John und dessen Frau. „Anstand und Manieren?“, kommentierte Veronika und fing an zu lachen. Roger konnte kaum widersprechen, denn er wusste selbst, dass er manchmal sehr ungehobelt rüber kam. „Unser Poet kriegt das sicher hin“, spekulierte er dann, dass es vielleicht gar nicht so eine üble Idee war, Alana ein wenig in Gesellschaft von Brian zu lassen.

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„Du wohnst bei Miami im Keller?“, prustete Roger, als sie später in der Nacht mit dem Taxi vor dem Haus von Jim vorfuhren. „Was denkt ihr denn? Das Studium hat Geld gekostet. Ich bin kein Super-Rockstar wie ihr, dem das Geld vom Himmel in den Schoß fällt.“, kommentierte die Blonde, ehe sie gemeinsam ausstiegen. „Na der wird Augen machen“, kicherte Roger und Brian räusperte sich kurz. „Mal sehen, ob Claudia uns gleich wieder raus wirft“, mutmaßte er über die eventuelle Reaktion von Jim's Ehefrau. Besuche weit nach Mitternacht waren ja nun nicht gerade üblich.
„Schhht!“, machte Alana, als sie ein wenig verpeilt versuchte, mit ihrem Hausschlüssel die Tür zu öffnen und es erst im dritten Anlauf schaffte.
Direkt leise waren sie nicht unbedingt und so stand Jim bereits in einem Bademantel im Flur, als sie die Tür hinter sich schlossen.
„Fuck, du siehst aus wie ausgekotzt“, platzte Roger wieder einmal schonungslos ehrlich heraus und brachte die beiden Anderen damit leicht zum Grinsen.
„Seid ihr betrunken?“, erkundigte Jim sich irgendwo zwischen erstaunt und belustigt und musterte die drei abwechselnd. „Nur ein bisschen. Ungefähr … so“, gab Alana zur Antwort und deutete zwischen Daumen und Zeigefinger einen minimalen Abstand an. „Okay, was hab ich nun verpasst?“, hakte Jim nach, während Alana und die Männer sich abwechselnd ansahen.
„Sie war phänomenal!“, war Brian voller Lob für die junge Anwältin und sie lächelte ihm flüchtig zu. „Du hättest sehen sollen, wie sie den Troll gekillt hat!“, ergänzte Roger höchst begeistert.
„Bitte was?“, sah der Manager alle drei entgeistert an. „Was habt ihr geraucht?“, vermutete er sofort, dass gewisse Substanzen im Spiel waren, wenn sie von Fantasiegestalten wie Trollen sprachen.

„Ach Miami! Überhaupt nichts! Wir meinen Trixie-Troll“, berichtigte der Schlagzeuger sofort und Brian sprang ein, um den Rest der Erzählung zu präsentieren. „Alana hat Prenter sowas von platt gemacht, dass er nur noch mit rotem Kopf abgerauscht ist, du hättest ihn sehen sollen! Es war eine wahre Freude“. Alle drei lachten bei der Erinnerung an Freddie's eher unangenehmes Anhängsel und Jim war immer noch nicht klar, was dieser Besuch gerade sollte.
„Warum genau seid ihr nochmal hier?“, stellte er schließlich die entscheidende Frage, woraufhin Alana die Arme um ihre beiden Begleiter legte. „Weil, liebster Cousin, ich einen neuen Job habe“.
„Nicht dein Ernst?“, sah er sie entgeistert an, da er nicht mehr damit gerechnet hatte, sie könnte sich in der Sache doch noch positiv äußern.
„Oh doch!“, grinste Roger breit. „Bedank dich bei mir. Ich hab sie eine weile mit Dr Shakespeare hier tanzen lassen und schon war die Sache in trockenen Tüchern“, prahlte der blonde Musiker und hüstelte nach einem Seitenblick von seinem Kollegen kurz. „Jaaa okay, wir haben alle was dazu beigetragen“. Auch wenn es spät war, schien Jim die Entwicklung zu gefallen. „Das ist großartig!“, äußerte er begeistert, auch wenn seine Gesichtsfarbe immer noch ungefähr so rosig war wie Kalk an der Wand.
„Wir wollten bei der Neuigkeit unbedingt selbst dein Gesicht sehen“, erklärte Brian letztlich, warum sie mitgekommen waren. „Jah, geil ist's nun zwar nicht, aber wir habens gesehen“, vervollständigte Roger und bekam von Alana dafür einen Puffer in die Seite. „Uh schon gut, ich schweige“, entschuldigte er sich umgehend und zog ein höchst unschuldiges Gesicht, was er wohl lange und eifrig geübt hatte.

„Jungs, ich glaube, ihr solltet nun gehen. Jim ist sicher nicht dafür zu haben, dass wir uns hier noch an seinem Weinvorrat vergreifen!“, erklärte den Musikern, dass der Abend nun wohl vorüber war.
„Dann sehen wir uns im neuen Jahr im Studio?“, hakte Roger noch einmal nach, ob sie sich tatsächlich sicher war. Alana nickte. „Aber dieses Mal wirklich?“, legte Brian noch einmal nach, denn vor etwas mehr als einem Jahr wollte sie sich ursprünglich auch nach Silvester melden und hatte dann durch ihren Cousin ausrichten lassen, dass sie lieber bei ihrem eigentlichen Job blieb.
„Versprochen!“, gab Alana deutlich zu verstehen, umarmte Roger dann ausgiebig und drückte Brian einen Kuss auf die Wange, ehe sie beide aus der Tür scheuchte.
„Alter! ICH geb mir Mühe und DIR liegen die Frauen zu Füßen? Irgendwas läuft doch da falsch!“, beklagte sich Taylor, als sie auf dem Weg zurück zum Taxi waren, dessen Fahrer sie im Voraus gebeten hatten, zu warten.
„Wer kann, der kann“, gab der Gitarrist etwas großspurig zu verstehen, rein um seinen Freund zu ärgern. Solche Angebereien waren ansonsten nicht seine Art.
Alana musste lachen, als sie ihre letzten Worte hörte und sich dann wieder zu Jim drehte.

„Richtige Entscheidung“, bekräftigte er noch einmal, musterte sie dann jedoch nachdenklich. „Aber rein privat gesehen... sei bei Roger ein wenig vorsichtig. Dir ist sicher aufgefallen, wie er drauf ist, was Frauen angeht“. Alana grinste und hängte ihre Jacke auf. „Total netter und witziger Kerl, aber überhaupt nicht mein Typ. Sein Mundwerk sitzt manchmal ein wenig zu locker. Privat könnte ich das nicht auf Dauer ertragen“, äußerte sie über den Schlagzeuger und öffnete dann die Tür, welche eine Treppe nach unten in ihre kleine Einliegerwohnung führte. „Und Brian ist verheiratet. Auch wenn seine gebildete Art schon vielen Frauen den Kopf verdreht hat“, hakte er noch etwas weiter nach, da er nach der doch sehr vertrauten Verabschiedung mit dem Gitarristen eben in dieser Richtung die meisten Bedenken hatte.
„Ist mir absolut klar. Wir sind uns in einigen Dingen ähnlich, das ist alles. Mach dir keine Sorgen“.
Der Manager nickte. Wenn sie es sagte, dann würde das schon passen. Eigentlich hatten sie noch nie das Problem gehabt, einander nicht die Wahrheit sagen zu können.
„Schlaf gut“, verabschiedete sich Jim und trat den Gang in sein Schlafzimmer an, wobei Alana selbst die Treppe nach unten ging, nur kurz das Gröbste auszog und sich in Unterwäsche ins Bett legte. Tatsächlich kreisten ihre Gedanken noch eine ganze Weile um den zurückliegenden Abend. Wenn das mal kein großer Schritt war, zu dem sie sich entschieden hatte.