Days Of Our Lives

von Evenstar
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Brian May Freddie Mercury John Deacon OC (Own Character) Roger Taylor
06.02.2019
08.04.2019
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Inspiriert durch den großartigen Film "Bohemian Rhapsody", eine Geschichte über meine "erste große Liebe" im Bereich der Musik ab dem Kindesalter.  Heute immer noch so fabelhaft wie damals.

Ich freue mich über freundliche Kommentare. Don't like it? Don't read it!

Queen - Legends never die!

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„Du hast es im letzten Jahr versprochen, Alana“, hörte die Blonde Frau die Worte von Jim Beach neben sich. „Sobald du das Jurastudium abgeschlossen hast, deine eigenen Worte!“, erinnerte der 36-Jährige Manager sie eindringlich und konnte über den Blick seiner Begleiterin zunächst nur schmunzeln.
Alana war 23, hatte ihr Medizinstudium nach 3 Jahren und der BA-Arbeit jedoch abgebrochen, um stattdessen zur Rechtswissenschaft zu wechseln, dem Gebiet, in dem Jim selbst schon seit vielen Jahren tätig war – zumindest mehr oder weniger.
Was sie hier, im amerikanischen New Orleans am heutigen Halloweenabend zu sehen bekam, überstieg praktisch alles, mit dem sie jemals zuvor zu tun gehabt hatte. Nach abgeschlossenem Studium hatte die junge Frau sich selbst eine kleine USA-Reise gegönnt und war am heutigen Abend von Jim zu einer Aftershow-Party mit der Band eingeladen worden, die er seit einem Jahr als Manager betreute, wobei er zuvor zuerst lediglich deren Anwalt gewesen war.
Dass sich die Veranstaltung allerdings so skurril gestalten würde, hatte sie im Vorfeld in keinster Weise auch nur vermutet.
„Warum zur Hölle sind hier alle fast nackt?“, richtete sie ihre nächste frage an Jim der nur verschmitzt grinsend die Schultern hob, während der Blick der Jüngeren einer Serviererin folgte, die außer einer dünnen Goldkette, hochhackigen Schuhen und einem dünnen Stoffstreifen in ihrem Schritt wirklich nichts anderes trug.

„Die bessere frage ist: Warum bist DU es nicht?“, meldete eine gut gelaunte Stimme sich hinter ihr und als Alana sich umdrehte, sah sie sich dem wohl herzlichsten Grinsen gegenüber, das ihr je begegnet war. „Darling, du bist umwerfend!“, erfreute sich der exzentrische Leadsänger der Band Queen scheinbar an ihrem Anblick. „Da stellt sich die NOCH viel bessere Frage: Miami, wie kannst du ausgerechnet mir etwas so schönes vorenthalten? Und weiß deine Frau davon?“
Jim rollte schmunzelnd mit den Augen. „Fred, das ist Alana“, erklärte der Manager und die Angesprochene war verwirrt. Nackte Kellner (und -innen), Miami – was auch immer das heißen sollte – und obendrein konnte der verflucht berühmte Freddie Mercury mit ihrem Namen sogar etwas anfangen, das konnte man an seinem Gesichtsausdruck ablesen.
„Ah, fabelhaft! Wie schön, dass du endlich da bist! Komm, du musst die anderen kennenlernen!“
Nur noch verwirrter bemerkte die Blonde, wie sie von dem sehr aufgedrehten Freddie am Handgelenk gehalten und mitgezogen wurde.
„Sie wissen, wer ich bin?“, hakte sie ein wenig verdattert nach und wurde nun von ihm vor sich her geschoben, während er ausgelassen lachte. „Liebes, so etwas wie „Sie“ gibt es bei uns nicht, sonst fühlen wir uns alt. Richtig?“ Er wandte sich an die anderen, bei denen sie stehen geblieben waren.

„Belisha, Maggie und Liz!“, stellte Freddie ihr seine Bandkollegen vor, denen er aus unerfindlichen Gründen gerade weibliche Vornamen verpasst hatte. Sicher, Alana wusste, wer die Männer waren – wer kannte sie heutzutage nicht? - aber wem er nun welchen Namen zugeordnet hatte, das konnte sie sich beim besten Willen nicht merken.
„Du wirst dich dran gewöhnen, geht schneller, als du jetzt vielleicht denkst.“, plapperte Freddie Mercury fröhlich neben ihr weiter und legte dann einen Arm um ihre Schulter.
„Freunde, das ist Alana! Nein warte, hast du den selben Nachnamen wie Jim? Dann bist du ab sofort „Venice“, allright?“ Was zum Teufel sollte das denn bedeuten? „
Und auch hier wieder der selbe Effekt, dass die Herren tatsächlich bei der Nennung ihres Namens etwas damit anfangen konnten.
„Wie kommt einer wie Miami zu einer so scharfen Cousine?“, schien Roger Taylor, der Schlagzeuger der Band, sich zu wundern, ehe er breit grinsend zu ihrer anderen Seite auftauchte. Du liebe Zeit, wo war sie hier nur gelandet? Und was zur Hölle hatte Jim den Jungs über sie erzählt? Oder warum hatte er sie überhaupt irgendwie erwähnt?

Ein gut gebauter, dunkelhäutiger Kellner – selbstverständlich mit ebenso wenig Kleidung am Leib wie die Dame zuvor – tauchte mit einem gefüllten Tablett auf und ehe man sich versah, hatte Freddie jedem der zusammen stehenden ein Glas Champagner in die Hand gedrückt. „Auf einen fabelhaften Abend, Darlings!“, prostete der Leadsänger allen zu und flitzte dann, mit Roger im Schlepptau, wieder davon. „Du kommst erst mal mit mir, denn wenn du die „scharfe Cousine“ flachlegst, wird Miami dich morgen früh sicher abmurksen“. Roger gab sich geschlagen und beide lachten ausgelassen, während Alana nur verwirrt hinter ihnen her sah und aus ihrer Handtasche eine Zigarette zu Tage beförderte. Aber wo war das Feuerzeug?
„Die können auch anders sein, aber sobald eine Party auf dem Plan steht, setzt bei ihnen scheinbar jedes logische Denken aus und sie fallen zurück in spätpubertäre Verhaltensweisen“, hörte die Blonde eine Stimme hinter sich und blickte dann ein wenig verkniffen zwischen den beiden übrigen Bandmitgliedern hin und her.  
„Wie soll ich euch denn nun nennen? Irgendwie.... Bellinda... wie war das noch?“ Brian May, der Gitarrist der Band, schmunzelte und gab Alana aus einem silbernen Zippo (mit Queen-Logo!) Feuer für ihre Zigarette. Er war es gewesen, der schon kurz zuvor das Wort an sie gerichtet hatte. „Belisha“, korrigierte er und deutete auf seinen Kollegen. „.. und Maggie“, womit er sich selbst bezeichnete. „Aber das ist nur so ein Spleen von Fred, nicht zum Nachahmen gedacht“. Er steckte das Feuerzeug zurück in die Hosentasche und hielt Alana dann seine Hand entgegen
„Brian, das genügt völlig“, meinte er freundlich, als die Blonde seine Hand schüttelte.
„John“, grüßte der andere sie höflich, aber etwas wortkarg und tat es seinem Kollegen gleich.

„Bitte“, bot Alana den Männern an und hielt ihnen ihre Zigarettenschachtel entgegen. Beide bedienten sich mit einem höflichen Nicken daran, doch es brachte sie ein wenig zum Grinsen, dass zumindest Brian mehr paffte, fast wie ein Teenager – somit war er wohl eigentlich kein Raucher. Warum aber hatte er dann überhaupt das Feuerzeug bei sich?
John schien eher ein stiller Beobachter zu sein, denn er nickte zwar immer wieder, doch stimmte er eigentlich nur seinem Kollegen zu und gab wenig von sich selbst preis.
„Okay“, setzte Brian nach einer Weile wieder an, nachdem er die Zigarette etwas ungelenk ausgedrückt hatte, und wies Alana einen Sessel zu, um sich selbst in einem anderen nieder zu lassen.
„Damit du das alles verstehst..“, fuhr der Gitarrist fort und nahm sich vom Tablett eines Kellners ein Bier.
„Wenn Freddie deinen Cousin „Miami“ nennt, dann bezieht sich das auf Miami Beach, angelehnt an den berühmten Strand und an euren Nachnamen. Darum hat er auch dir gleich dieses „Venice“ verpasst, ein bekannter Küstenabschnitt bei Los Angeles“.
Okay, das war zwar ausgefallen, aber man konnte zumindest logische Rückschlüsse ziehen.
„Roger heißt bei Freddie „Liz“, wegen der berühmten Schauspielerin Liz Taylor. John hier...“, er deutete auf seinen Nebensitzer. „Ist Belisha. Du kennst doch diese orangen Leuchten an Fußgängerüberwegen? Belisha Beacon? Du musst nur die Buchstaben im Nachnamen etwas tauschen, denn er heißt Deacon, mit D“
Alana nickte aufmerksam und musste grinsen. Freddie Mercury: Stimmwunder, Partymensch und kreatives Talent.
„Und Maggie kommt von „Maggie May“ aus dem alten Volkslied? Auch vertont von Lionel Bart Mitte der Sechziger. Oder von den Beatles 1970?“, wartete Alana mit ihrem Wissen auf und verursachte bei den beiden Männern damit eine kurze Sprachlosigkeit.
„Hat Jim nicht von einer Anwältin gesprochen?“, gab John Deacon, der stille Bassist, nun zum ersten mal einen wirklich ganzen Satz von sich.
„Sie sollten sich merken, dass Anwälte durchaus auch Geschmack und gefallen an Musik und Kultur haben können“, zwinkerte Alana den beiden zu und wurde dabei langsam etwas mutiger. Sie waren nicht ganz so dominierende Persönlichkeiten wie Mercury und Taylor, was den zwischenmenschlichen Umgang etwas erleichterte.

„Brian und John. Kein „Sie“... einverstanden?“, korrigierte May nun wieder„Wir sind mit Fred nicht grundlegend einer Meinung, aber was das betrifft, sind wir uns alle vier völlig einig. Zumindest unter Freunden ist die förmliche Anrede nicht notwendig“.
Freunde? Leicht stirnrunzelnd leerte Alana ihren Champagner und verfrachtete das Glas dann auf das Tablett eines vorbei huschenden Kellners, der ihr dabei anzüglich zuzwinkerte.
Die beiden schienen ihre Gedanken erraten zu haben und nun war es John, der sich zu Wort meldete. „Außerhalb der eigentlichen Band ist Jim der Mensch – und dessen Urteil – wir am Meisten vertrauen“, äußerte er und die Blonde musterte ihn aufmerksam, bevor ihr Blick wieder zu Brian ging, der den Satz seines Freundes vervollständigte. „Seine Freunde sind auch unsere. Du bist eng mit ihm verwandt, er hält große Stücke auf dich und wenn er nicht absolut sicher wäre, dass du in irgend einer Weise mit uns funktionierst, dann hätte er dich heute nicht eingeladen“.
Alana fand die beiden auf Anhieb nett, doch konnte sie nicht weiter darüber nachdenken, da Freddie und Roger erneut aus der Menge auftauchten, umgeben von einem penetrant süßlichen Geruch.
„Darling, du MUSST mit mir tanzen. Wie könnte ich mir etwas so unbestreitbar schönes entgehen lassen?“, überrumpelte Mercury sie mit einer Charme-Offensive, so dass Alana nicht viel mehr tun konnte, als sich von ihm mitziehen zu lassen. Ein wenig hilfesuchend sah sie zu Brian und John, hielt dann nach Cousin Jim Ausschau und ergab sich schließlich doch ihrem Schicksal.
„Meine Freunde, das ist Venice!“, stellte Freddie die Blondine einigen umstehenden Leuten vor, die überschwänglich applaudierten und sich den Tanzeinlagen von Freddie unaufgefordert anschlossen.
Was hatte Jim sich nur dabei gedacht? Natürlich hatte sie ihm vor über einem Jahr zugesagt, ihn bei seinem derzeitigen Job zu unterstützen, doch damals hatte sie ja noch keine Ahnung gehabt, wofür er tatsächlich verantwortlich war. Etwas später – und nach etlichen Zeitungsartikeln über die Trennung der Band Queen von ihrem bisherigen Manager John Reid – war ihr zwar klar, was genau ihr Cousin beruflich machte, doch hatte die 23-Jährige nicht im geringsten umfassen können, wie ausschweifend sich dieser Job gestalten würde. Und ursprünglich war die Rede davon gewesen, dass sie sich um seine Kanzlei kümmerte, während er bei der Band eingespannt war.

„Hast du eigentlich einen Freund?“, erkundigte Roger Taylor sich etwas später in relativ eindeutiger Absicht bei Alana. Schon beim ersten Zusammentreffen an diesem Abend hatte der Blick des Schlagzeugers beinahe Bände gesprochen. „Aktuell nicht“, antwortete sie kopfschüttelnd und man konnte förmlich sehen, wie es in den Augen ihres Gegenübers funkelte. Er war ja irgendwie total nett, doch seine ziemlich offensichtliche Anmache überforderte Alana dann zugegebener Maßen ein wenig.
„Rog, die Rothaarige da hinten wollte dich dringend sprechen“, klinkte Brian May sich in die Zweisamkeit der Beiden ein und die Juristin atmete unbemerkt erleichtert aus, als sie sich aus den Fängen von Roger befreit fand.
„Komm mit. Beeil dich“, riet Brian ihr und sie folgte ihm ohne viel Widerspruch.
„Danke..“, seufzte Alana deutlich erleichtert, zog ihm ungefragt das Bierglas aus der Hand, um einen großen Schluck daraus zu trinken, und es erst dann – mit einem entschuldigenden Grinsen – wieder zurück zu geben.
„John und ich sind verheiratet, Freddie ist vergeben. Roger ist Single und das scheint ein wenig an ihm zu nagen, du musst ihm das Pubertätsverhalten verzeihen“. Oh ja, an diesem Abend gab es vieles im Nachhinein zu verzeihen.
Koks, Alkohol und Joints gingen durch die Runde, als handelte es sich um etwas völlig alltägliches.

Zwar hatte man sie nicht dazu aufgefordert, doch sie folgte Brian durch eine Tür in die Außenanlagen des Fairmont Hotels und atmete nach längerer Zeit in dem verrauchten Ballsaal zum ersten Mal wieder frische Luft.
„Du bist also Anwältin?“, erkundigte Brian sich interessiert und stellte seine leere Bierflasche auf dem Absatz eines Geländers ab. „Eigentlich nicht so richtig. Ich hab das Studium fertig seit vier Monaten. Vor Jura hab ich 6 Semester Medizin studiert. Ich weiß nicht so richtig, was ich eigentlich bin. Vielleicht von beidem ein bisschen?“
Interessiert sah der Gitarrist zu ihr hinüber.
„Ich habe Physik und Infrarotastronomie studiert und während meiner Dissertation abgebrochen, um mich ganz der Band zu widmen“, erfuhr sie von dem Dunkelhaarigen, der scheinbar gerade versuchte, sie menschlich einzuschätzen.
„Ich weiß nicht, warum Jim dachte, dass er mich in dieser Sache braucht. Er hat das mit euch doch gut im Griff, oder nicht?“ Seit einem Jahr managte ihr Cousin die berühmte Rockband, nachdem sie sich vom bisherigen Manager aufgrund verschiedenster Gründe getrennt hatte. Ein Format wie Queen brauchte den Manager einfach dauerhaft an seiner Seite und Reid hatte den Nachteil, dass er  - bereits vor der Zusammenarbeit mit Queen entstanden – auch noch für Elton John zuständig war.
„Glaubst du, dass solche Parties wie heute nur zu besonderen Anlässen stattfinden? Das ist ein Irrtum, denn unser Frontman ist...“. Bevor er weitersprechen konnte, fiel Alana ihm ins Wort.
„Freddie fucking Mercury“, schmunzelte sie dann und er stimmte schließlich in ihr Lachen ein.
„Ich habe ungefähr zehn Minuten mit ihm gesprochen und weiß absolut was du meinst.“ Der Sänger mit den Markant großen Schneidezähnen war ein Unikum und noch weit exzentrischer, als die Presse ihn darstellte
„Jim hat mit uns alle Hände voll zu tun. Er ist seit dem letzten Jahr unser Manager, nicht mehr nur unser Anwalt. Er kann nicht alles auf einmal sein und tun und da wir keinem daher gelaufenen Wichtigtuer über den Weg trauen, hielt er dich für die einzig sinnvolle und brauchbare Möglichkeit“ Hatte Jim mit den Bandmitgliedern so ausführlich über ihre Person gesprochen?
„Denk darüber nach. Einen so einschneidenden Schritt zu wagen liegt ganz allein bei dir, völlig egal, ob Roger sämtliche Geschütze auffährt oder ob Fred alles aufbietet, was er an Charme zu geben hat“.
Mercury war schon sehr charismatisch, das war unbestreitbar, doch tatsächlich würde sie sich in ihrer Entscheidung davon nicht beeinflussen lassen.

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„Liz steht auf deine Cousine!“, erzählte Freddie ein wenig zu laut in Richtung Jim Beach, obwohl Alana nur einen halben Meter von ihnen entfernt stand.
„Dann richte ihm von mir aus, wenn er seine Finger behalten will, soll er seine Hände lassen, wo sie sind!“, gab der Manager stirnrunzelnd, wenn auch nicht ohne ein Grinsen zurück, während Freddie auf Roger Taylor deutete, über den sie gerade gesprochen hatten. „Am Hintern dieser Tänzerin? Ich glaube, damit kann er leben!“, flötete Mercury vergnügt, winkte dann jemandem zu, den er am anderen Ende des Raumes entdeckt hatte und war auch schon wieder verschwunden.
„Hätte ich dich nicht so gern, dann würde ich dir Abführmittel in deinen Tee mischen. Als Strafe dafür, dass du mich nicht vorgewarnt hast!“, grummelte Alana ihrem Cousin zu und fand sich Sekunden später bereits wieder mit einem neuen Glas in der Hand. Was es wohl dieses mal war? Ein Geschmackstest verriet ihr, dass es sich schätzungsweise um irgendeinen Cocktail mit ziemlich süßer Beigabe handelte, dessen Namen sie nicht kannte.

„Roger steht im ersten Moment auf alles, was Brüste hat und bei drei nicht schnell genug geflüchtet ist“, erklärte Brian ziemlich nüchtern, der sich seit geraumer Zeit in ihrer Nähe aufhielt. Diese Tatsache störte sie kaum, denn der Gitarrist war ihr in seiner Art praktisch auf Anhieb sympathisch gewesen. Weniger aufgedreht als Freddie, nicht so triebgesteuert wie Roger, dennoch deutlich gesprächiger als John und damit genau richtig geraten.
„Was denn? Ist doch wahr!“, verteidigte sich der Musiker, nachdem Jim ihm einen schiefen Blick zugeworfen hatte. Der Manager nickte schließlich resignierend und gab damit zu, dass sein Klient den Nagel praktisch auf den Kopf getroffen hatte.
Einige der Gäste scharten sich um eine, am Boden kurzfristig aufgebaute Präsentationsfläche, auf der zwei üppige Damen sich im Schlamm nun abwechselnd im Schwitzkasten hielten.
„Jesus... geht es bei euch immer so zu?“, wunderte sich die Blonde ein wenig und steckte sich zum wiederholten Mal an diesem Abend eine Zigarette an.
„Diese verfluchte Party hat 300.000 gekostet. In US-Dollar. Das sind gute 230.00 Pfund. Ich bezweifle, dass das schon der Höhepunkt dessen war, was wir heute zu sehen bekommen“, plauderte Jim aus dem Nähkästchen, der selbstredend die finanziellen Angelegenheiten der Band in vollem Umfang im Blick hatte.
„230.000 Pfund? Dafür muss ich in einer Kanzlei gute viereinhalb Jahre arbeiten und ihr werft das an einem Abend einfach so raus?“
Brian zuckte entschuldigend die Achseln. Er schien ein im Grunde bescheidener Mensch zu sein, dem solche Dekadenz dann doch etwas unangenehm war.  Ein – tatsächlich angezogener – Hotelangestellter drängte sich durch die Menge zu Jim und versuchte, über die Lautstärke der Musik hinweg, ihm etwas mitzuteilen, was er erst im dritten Anlauf verstand.
„Ich muss an die Rezeption, die Agentur ist am Telefon wegen der Termine im Winter in England!“, musste Jim beinahe schreien, um Alana über die nun dröhnende Musik hinweg zu erklären, wohin er sich vorläufig verabschiedete.
„Versuch einfach, dich so lange in nichts all zu verwerfliches verwickeln zu lassen“ Und damit war er auch schon verschwunden. Shit! Das hier war die reinste Orgie und nun ließ Jim, der für ihre Anwesenheit überhaupt erst verantwortlich war, sie schon wieder einfach so stehen?
„Du kannst alles hier auch ablehnen, selbst wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt“, schien Brian abermals ihre Gedanken erraten zu können und sie wäre tatsächlich irgendwie dankbar dafür, wenn er greifbar blieb, denn er schien ein vernünftiger Mensch zu sein, auch wenn er auf seine eigene Art der Party nicht abgeneigt war.
„Wenn dir jemand etwas anbietet, dann ist jeder hier tolerant genug, um auch ein Nein zu akzeptieren“.

„Nicht, dass es mich etwas angeht, aber.... steht er auf Frauen oder Männer?“, plauderte Alana nach einer Weile, als ihr Blick an Freddie hängen geblieben war, der unmissverständlich eng mit einem männlichen Gast tanzte, den er scheinbar irgendwo her kannte.
„Das ist bei ihm keine Frage des Geschlechts. Fred mag schöne Menschen mit Charakter, völlig egal ob Mann oder Frau“, antwortete May wahrheitsgemäß. Tatsächlich hatte der Leadsänger hinter den Kulissen einen festen, männlichen Partner, Paul Prenter, doch er schien es nicht so eng zu sehen, sich auch anderen anzunähern. Von Selbigem hatte Alana bisher nur über Jim erfahren – und er hielt von genanntem Herren nicht sonderlich viel. Jim Beach managte die Band im gesamten, warum also brauchte Freddie einen persönlichen Manager, der obendrein auch noch privat sein Lover war?
„Bist du verheiratet?“, erkundigte Brian sich nach einer Weile plötzlich und Alana sah für länger etwas verkniffen drein, ehe sie eine Antwort darauf geben konnte.
„Ich bin verlobt gewesen, aber … nein, zu mehr kam es nicht“. Was die Hintergründe dafür waren, wollte sie einem Fremden dann doch nicht erzählen, ganz ungeachtet dessen, dass er ihr einigermaßen sympathisch war.
„Du bist verheiratet und hast einen kleinen Sohn, etwa ein halbes Jahr alt, richtig? Das ist es zumindest, was die Presse so schreibt“. Natürlich verfolgte Alana einiges von dem, was in Zeitungsartikeln verbreitet wurde. Zumindest wenn es die Band betraf, die ihr Cousin managte. Dieser wiederum war selbst sehr verschwiegen, wie es sich gehörte und erzählte ihr nur unwichtige Kleinigkeiten, wenn überhaupt.
„James ist vier Monate als. Es ist nicht einfach, so lange nicht zu Hause zu sein, aber meine Frau bekräftigt mich darin, dass die Karriere wichtig ist und sie kommt zurecht, da habe ich keine Zweifel“.
Ein wenig merkwürdig klang das tatsächlich, denn wenn Alana versuchte, sich in seine Frau hinein zu versetzen, so hätte sie selbst doch eher so entschieden, alles dafür zu tun, dass ihr Mann bei ihr und dem neugeborenen Baby sein konnte, anstatt ihn darin zu bestärken, Monate lang um die halbe Welt zu touren.

„Wo sind meine Jungs??“, war nun die Stimme von Mercury an der offen stehenden Tür zu sehen und er winkte Brian zu sich heran. „Darling, ich muss Maggie nun leider entführen, wir haben da noch etwas dringendes zu klären“, flötete der Sänger überschwänglich und kaum gesprochen, waren die Männer auch schon verschwunden.
Hier im Garten trieben sich zwar auch einige der illustren Partygäste herum, doch beschränkte es sich darauf, dass sie in kleineren Gruppen zusammen standen, sich unterhielten und rauchten. Von ihr nahm vorläufig niemand so richtig Notiz und es kam der Gedanke auf, womöglich wäre es ganz schlau, sich nun einfach still und leise zu verziehen.
Im Grunde musste Alana zugeben, dass sie es hier gar nicht so übel fand, es war eben alles nur sehr gewöhnungsbedürftig und nicht gerade etwas, womit sie bisher so schon jemals zu tun gehabt hätte.

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„Hier bist du. Ich hatte schon befürchtet, dass du still und heimlich verschwunden bist, so lange ich am Telefon war“, bemerkte Jim, als er Alana nach einiger Zeit wiedergefunden hatte. Zwischenzeitlich hatte sie tatsächlich einige Gespräche mit dem bunten Partyvolk geführt, so unter anderem auch mit einer der leicht bekleideten Kellnerinnen und einem kleinwüchsigen Akrobaten.
„Oh glaub mir, die Idee war durchaus in meinem Kopf“, brummte sie als Antwort und musterte ihren Cousin dann abschätzend.
„Aber ich hab mir so überlegt, solltest du heute Abend vor gehabt haben, mich zu schocken, dann werde ich dir nicht die Genugtuung geben, dass du glaubst, es tatsächlich geschafft zu haben“.
Augenrollend verschränkte der Manager die Arme.
„Das war wirklich ein Jobangebot und kein schlechter Scherz zu Halloween. Ich meine es absolut ernst, Alana. Die Jungs sind schwer in Ordnung. Auf Parties schlagen doch viele gerne mal über die Stränge, auch wenn man ansonsten ein deutlich zurückhaltenderer Mensch ist.“
Natürlich glaubte sie nicht, dass die Musiker auch im normalen Alltag rund um die Uhr mit Joints in der Hand im Studio oder hinter der Bühne standen.
„Fred wollte dir noch irgendwas sagen, kommst du mit?“
Es erheiterte Alana durchaus ein wenig, dass Jim von Mercury scheinbar hin und wieder als Laufbursche eingespannt wurde. Aber für so etwas war ein Manager wohl auch ab und zu da.
„Dann wohl wieder hinein in die Höhle des Löwen!“, kommentierte die Juristin und folgte Jim dann, der sich geschickt durch die feiernde Menge auf ein kleines Separee zu schlängelte.

„Ah, da ist sie ja. Setz dich, Darling!“, war Freddie sofort wieder fest in seiner Charme-Offensive, stemmte die Hände in beide Seiten und sah sich dann überlegend um, wo genau er ihr denn nun eigentlich einen Platz anbieten wollte, da irgendwie bereits alles besetzt war.
„Komm gar nicht erst auf die Idee, Roger!“, warnte Brian May seinen Kollegen, der Alana in offensichtlicher Absicht ein Zwinkern zugeworfen und mit der Hand auf seinen Oberschenkel geklopft hatte.
„Ja was denn, Fred hat einen Platz gesucht!“, verteidigte er sich unschuldig grinsend und spielte ein wenig den Beleidigten, als der Gitarrist sich erhob, um Alana den Platz neben Mercury frei zu machen, während er selbst sich auf die Lehne des Sofas setzte.

„Also!“, begann Freddie in wichtig klingendem Tonfall, nahm sich dann die Hand der Blonden und sah sie an, als wollte er ihr im nächsten Moment einen Heiratsantrag machen. Selbstverständlich gehörte das alles zu seiner Show, denn er wollte es wohl wirklich so aussehen lassen.
„Nach reiflicher Überlegung und aus freiem Willen... blabla... du weißt schon! Wir haben uns unterhalten und beschlossen, dass wir alle vollkommen mit dir einverstanden sind. Du bist fast wie Jim, nur dass dein Anblick am frühen Morgen sicher wesentlich herzerwärmender ist, als seine zerknautschte Erscheinung. Nicht böse sein, Miami, wir lieben dich doch!“
Der Manager schüttelte einfach nur den Kopf, konnte jedoch sein Grinsen nicht verbergen.
„Also, wann fängst du an, Darling?“, ging die Frage nun wieder direkt an Alana.
„Gleich heute Abend oder lieber erst morgen? Dein Cousin hat den Vertrag fertig in der Tasche, es fehlt nur deine Unterschrift darunter!“

Erwartungsvoll wurde die Juristin von allen Seiten angesehen, doch zuerst war sie viel zu perplex, denn mit so einer Entscheidung von jetzt auf gleich hatte sie keinesfalls gerechnet.
„Leute... ich weiß jetzt überhaupt nicht, was ich sagen soll. Tatsächlich kann ich euch weder heute, noch morgen etwas zusagen. Ich hab für den Rest des Jahres noch einiges vor, was ich nur ungern über den Haufen werfen möchte. Ihr seid echt cool drauf und alles, aber ich bin ein organisierter Mensch“.
Freddie zog einen Schmollmund, was bei seinen übergroßen Schneidezähnen einen drolligen Anblick abgab.
„Lass Brian nächstes mal fragen!“, meldete Roger sich von seinem Platz aus. „Er ist doch hier der Romantiker und hat den Hundeblick besser drauf als du, Fred!“ Es folgte ein schäbiges Lachen seinerseits, Freddie grinste und Brian warf seinem etwas zu vorlauten Bandkollegen ein Stück der schreiend Neonfarbenen Tischdekoration seitlich an den Kopf.
„Dann zum Tourstart in Europa! Die Proben gehen Anfang Januar in London los. Was sagst du?“
Noch immer hatte Alana eigentlich keine Antwort parat oder auch nur Zeit gehabt, sich mit dem ganzen auseinander zu setzen.
„Deutschland, Belgien, Holland..“, erzählte Roger und runzelte dann die Stirn, da ihm scheinbar der Rest entfallen war.
„Schweiz, Jugoslawien, Spanien und Frankreich“, sprang Brian unterstützend ein und vervollständigte die Liste der Stationen ihrer anstehenden Tour.
„Und!“, fuhr Mercury bedeutungsvoll fort. „Von April bis Mai geht es nach Japan. Warst du schon einmal dort, Liebes?“ Alana schüttelte den Kopf und seufzte dann. Man erwartete zumindest irgendeine Antwort von ihr, das gebot auch schon der Anstand.

„Ihr Jungs seid wirklich in Ordnung, aber seid so fair und gebt mir Bedenkzeit, ja? Ich hatte tatsächlich meine Pläne in Jim's Kanzlei und kann oder will nicht alles innerhalb von Minuten völlig über den Haufen werfen. Könnt ihr damit leben, wenn ich Anfang des neuen Jahres Bescheid gebe?“
Die Musiker blickten sich gegenseitig für mehrere Minuten an und nickten dann einstimmig.
„Geht für uns in Ordnung, Darling. Und lass dich von Liz nicht beeindrucken, er durfte einfach schon lange bei keiner Lady mehr ran und ist ein wenig unter....“
„Ist ja gut! Du bist Tabuzone für mich!“, wandte Roger sich direkt an Alana, gab sich somit schließlich geschlagen und brachte damit alle zum lachen. „Ich glaube, du könntest sowieso viel eher ein Groupie von Brian sein. Er musste sich nicht mal Mühe geben, dass du dich mit ihm unterhalten hast, huh?“
Die Blonde hatte es inzwischen bereits aufgegeben, sich für solche Ansagen rechtfertigen zu wollen, denn sie hatte begriffen, dass man das eigentlich in dieser Runde auch gar nicht erwartete.
„Neidisch, „Liz“?“, stichelte sie in einem neckenden Tonfall, drehte sich dann zu Brian und warf ihm einen Blick zu, bei dem man tatsächlich hätte meinen können, sie würde in der kommenden Nacht wie ein Hardcore-Groupie vor seinem Hotelzimmer warten wollen.
„Sorry“, entschuldigte sie sich jedoch gleich lachend und auch er stimmte sofort mit ein.
„Ist sie nicht großartig? Und sie passt so gut zu uns!“, schwärmte Freddie und fasste Alana dann wieder an der Hand, um sie noch einmal auf sich aufmerksam zu machen.
„Dann gibst du uns nach Neujahr Bescheid, abgemacht?“ Sie nickte zustimmend und blickte dann abwartend in die Runde.
„Tut ihr Jungs mir einen gefallen? Dafür, dass Jim... Miami.. mich völlig ohne Vorwarnung hier hinein gezogen hat, verdient er noch eine Abreibung. Euch fällt sicher etwas ein. Ich bin tatsächlich davon ausgegangen, ich soll einfach nur in seiner Kanzlei arbeiten, so lange er mit euch unterwegs ist.“
Die Blicke, welche die Musiker sich gegenseitig zuwarfen sprachen Bände und Jim würde seinen Denkzettel ohne Frage noch erhalten, auch wenn selbiger wohl keinesfalls bösartig ausfallen sollte.

„So eine Party erlebe ich nicht alle Tage und ich würde gerne noch ein wenig davon mitbekommen. Wer meldet sich freiwillig? Roger? Unter dem Vorbehalt, dass deine Hände bei dir bleiben?“
Ein Strahlen zog sich über sein Gesicht, als er energisch aus seinem Sessel aufsprang und ihr gespielt vornehm seinen Arm anbot. „Nie im leben würde ich auf unzüchtige Gedanken kommen!“, schwindelte er sehr charmant, hielt sich aber tatsächlich für den Rest des Abends an die Abmachung, auch wenn er Alana zum Abschluss dann noch einen Zettel mit seiner Telefonnummer aus London zusteckte.