Staerdale Academy - Home of magical creatures

GeschichteRomanze, Fantasy / P16 Slash
06.02.2019
01.03.2019
10
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Die lauten, schmerzerfüllten Schreie der Frau hallen durch die leeren, kahlen Flure des Gebäudes. An den meisten Stellen blättert die Tapete bereits von den Wänden ab und es gibt weder Heizungen noch richtige Lampen. Stattdessen hängen an unzähligen Stellen Kabel aus den Wänden.

Langsam tropft immer mehr Blut auf den Boden neben dem klapprigen Bett, während die Laken sich bereits gefährlich rot verfärbt haben. Doch dafür hat in diesem Moment keiner der Menschen, die sich um die Frau im Bett geschart haben, ein Auge. Stattdessen machen sich die Kittelträger eifrig Notizen oder starren auf die leidende Frau hinab.

Diese hält die Augen geschlossen und versucht sich auf die Geburt zu konzentrieren, die sie gerade durchlebt. Der Schmerz wird jedoch immer stärker und sie kämpft bereits mit den Tränen. Wenn sie jetzt allerdings zu weinen beginnen würde, würde es die Herzen ihrer Gefängniswärter auch nicht erweichen. Stattdessen würden sie nur noch mehr notieren. Mit Hilfe kann sie in diesem Moment nicht rechnen.

Wut steigt in ihrer Brust auf. Am liebsten würde sie den Leuten ins Gesicht spucken oder sich endlich von den Ketten befreien, die sie ans Bett ketten. Erneut entfährt ihr ein Schrei. Ihre Kehle brennt bereits schmerzhaft, doch sie kann jetzt nicht aufgeben und ihr Kind sterben lassen. Obwohl es wahrscheinlich besser für ihr Kind wäre. In so einer Welt zu leben, wünscht sie keinem, doch sie hat die kleine Blase in ihrem Bauch über die letzten Monate lieb gewonnen und kann sie nun nicht töten. Das würde ihr das Herz brechen und ihr die Zeit nur noch schwerer machen.

Bei diesem Gedanken rollen ihr wie auf Knopfdruck Tränen über die Wangen. Sie liebt ihr Kind, wie jede andere Mutter auf dieser Welt und hasst die Menschen dafür, was sie ihr in den letzten Jahren angetan haben.

Plötzlich verlässt sie der Schmerz aber und sie öffnet die Augen schlagartig. Dort, vor ihr, zwischen ihren Beinen, liegt ein kleines Baby. Schnell huscht eine Frau im weißen Kittel mit einer Schere in der Hand heran. Sie schluckt ängstlich und presst die Beine zusammen. Was hat diese Frau vor?

Die Frau führt die Schere an die Nabelschnur und schneidet sie mit einer einzigen Bewegung durch. Dann hebt sie das Kind hoch und wickelt es in eine bereitgelegt Decke. Für einen Moment starrt die Frau, die die junge Mutter nun als Doktorin einordnen kann, mit großen Augen auf das Baby hinunter, reicht es dann aber der Mutter.

Vorsichtig nimmt sie das kleine Wesen in Empfang, welches sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrt. "Du bist wunderschön", haucht die junge Frau leise und streckt dem bedürftigen Wesen in ihren Armen den Finger hin. Reflexartig umfasst das Baby den Finger der Dunkelhaarigen mit der ganzen Hand und erneut laufen die Tränen. Ihr Herz macht einen Satz.

"Wie wollen Sie es nennen?", fragt ein Mann mit einer tiefen Stimme. Als sie die Stimme vernimmt, überkommt sie eine eiskalte Gänsehaut. Schon seit ihrem ersten Tag hatte er ihr Angst gemacht. Einige Sekunden lang sieht sie dem Baby tief in die Augen und öffnet dann den Mund, um zu antworten.
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