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Novize

von Headshot
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P16
Al Mualim Altaïr Ibn-La'Ahad Malik Al Sayf Talal
06.02.2019
06.02.2019
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06.02.2019 4.882
 
Dieser Oneshot befindet sich schon seit langem auf meinem Laptop und ich komme jetzt endlich mal dazu, ihn hochzuladen. Über eine Review würde ich mich freuen ^^
Viel Spaß beim lesen:
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„Ihr seid des Titels eines Meisterassassinen nicht mehr würdig“, murmelte Al Mualim, während er seinen Blick aus dem Fenster streifen lies. „Ihr werdet euer Handwerk neu erlernen und hoffentlich dabei begreifen, was es heißt ein Assassine zu sein.“

„Ja, Meister“, brachte der Novize hervor, bevor er seine Waffen ablegte und sich wieder mit gesenktem Blick vor seinen Meister stellte. „Ich möchte euch die Möglichkeit geben, euch von eurer Schande zu befreien, indem ihr neun Personen zur Strecke bringt, die dem Kredo schaden.“ „Habt Dank Meister“, nuschelte der degradierte Assassine und machte sich nach seiner Einweisung auf den Weg nach Damaskus. Stück für Stück befreite er sich von seiner Schande und nachdem er den Arzt Garnier von Nablus in Akkon getötet hatte, kehrte er nach Masyaf zurück, um den nächsten Namen von seinem Meister zu erfahren. „Al Mualim, wohin soll ich als nächstes reisen?“, fragte er unterwürfig und sein Meister drehte sich zu seiner kleinen Brieftaube um, bevor er sprach. „Als nächstes werdet ihr nach Jerusalem reisen und dort den Sklavenhändler Talal auszuschalten.“ Altaïr nickte stumm und verließ die Bibliothek mit schnellen Schritten.

Er ließ Masyaf schnell hinter sich und ritt weiter auf dem kleinen Sandpfad, welcher nach Jerusalem führte. Nach etlichen Stunden, die er schon unterwegs war, wurde es langsam dunkel und er beschloss seine Reise am morgigen Tag fortzusetzen. Nachdem er sich eine Höhle gesuchte hatte, schlug er dort sein Nachtlager auf und ließ sich erschöpft an der Steinwand hinab gleiten. Sein Pferd döste neben ihm und genoss die angenehme Kälte im Kontrast zur glühend heißen Sonne, welche ihnen den gesamten Tag lang auf den Rücken geschienen hatte. Altaïr legte die oberste Schicht seiner Robe ab und lehnte sich wieder an die kühlende Steinwand. Ein leiser Seufzer verließ seinen Mund und er griff nach der Seitentasche seines Sattels, wobei sein Pferd leicht hochschreckte. Beruhigend streichelte er den Hals des pechschwarzen Tieres, welches daraufhin zufrieden schnaubte. Altaïr trank etwas und aß ein paar von den Datteln, die er sich vorher für die Reise eingesteckt hatte. Anschließend gab er seinem Pferd den Rest seines Wassers und steckte anschließend alles wieder in die Satteltasche. Müde schloss er die Augen und döste ein wenig, immer darauf bedacht, nicht einzuschlafen, da man nie wusste, wer sich in der Gegend hier so rumtreiben könnte. Und morgen ohne ein Pferd dazustehen wäre wohl das Schlimmste, was ihm passieren könnte. Er nickte zwar immer wieder ein, aber das Geräusch eines Falken in der Ferne hielt ihn immer wieder wach, sodass er nicht allzu lange wegnickte. Immer noch müde erhob sich Altaïr am nächsten Morgen. Er sattelte sein Pferd und ritt weiter durch die Einöde. Nach einigen Stunden konnte er in der Ferne die Silhouette  der Stadt erkennen. Die Nachmittagshitze machte ihn noch schläfriger, als er sowieso schon war. Müde und ausgelaugt erreichte er endlich die Stadttore, vor welchen er abstieg und sein Pferd an einem Unterstand festband. In der Nähe entdeckte er eine Gruppe von Gelehrten, welche sich gerade auf den Weg in die Stadt machten. Schnell stellte er sich zu ihnen und tauchte in der Masse unter, sodass die Wächter ihn nicht als Assassinen identifizieren konnten. Nachdem die Gruppe die Stadttore passiert hatte, löste er sich wieder von den Gelehrten und kletterte die nächste Hauswand hinauf. Ein kühler Luftzug wehte über die Gebäude der riesigen Stadt und Altaïr war über jede Art der Abkühlung dankbar, weshalb er einen Moment stehen blieb und tief durchatmete.

Es dauerte nicht lange, bis Wachen ihn auf dem Dach entdeckten und er schreckte hoch, als ein Pfeil genau neben seinem Fuß landete. Er entdeckte den Schützen und rannte so schnell er konnte über die Dächer. An einem höheren Turm angekommen wägte er ab, ob er diesen erklimmen sollte, oder nicht. Nachdenklich sah er sich um, bis er merkte, dass er nicht mehr wusste, wo das Assassinenbüro war und er somit keine andere Wahl hatte, als nach oben zu klettern.  Er griff nach einem hervorstehenden Stein und zog sich immer weiter den Turm hinauf, bis er oben angekommen war, dort hockte er sich auf die Spitze des Turmes und beobachtete seine Umgebung angespannt. Nach einigen Sekunden hatte er schließlich das Dach mit dem Assassinensymbol entdeckt. Er prägte sich die Richtung ein und sah sich anschließend nach einem Heuhaufen um. Als er einen gefunden hatte, ließ er sich von dem Turm fallen und genoss die wenigen Sekunden des freien Falls. Er fühlte sich für einen Moment frei, keine Last, die auf ihm lag, keine Pflichten und keine Verantwortung, die er tragen musste. Alles verschwand für eine Sekunde und wurde unwichtig, in diesem Moment war ihm alles egal. Jedoch war der Augenblick auch schon wieder vorbei, als er etwas unsanft in dem verhältnismäßig kleinem Heuhaufen landete. Schnell rappelte er sich wieder auf und ging weiter in Richtung des Büros, wo ihm der Verbindungsmann weitere Information zu seinem Auftrag geben würde. Die Straßen der Stadt waren wie immer überfüllt, sodass man nur mäßig vorrankam, weshalb sich Altaïr dazu entscheid seinen Weg über die Dächer fortzusetzen. Nach wenigen Minuten auf den Dächern erreichte er das Büro und ließ sich elegant hinab gleiten. Als er den Verbindungsmann jedoch erblickte, stockte ihm kurz der Atem. Hinter dem Schreibtisch saß Malik.

Altaïr  senkte seinen Blick und wartete, bis Malik mit dem Händler zu Ende gesprochen hatte. Als er hörte, wie die Tür geschlossen wurde, trat er ein und sah Malik mit festem Blick am. „Was wollt Ihr Novize?“, zischte dieser und sah von seinem Papier auf. „Ich soll Talal den Sklavenhändler ermorden.“ „Und ich werde Euch meine Feder nicht geben, ehe Ihr mir nicht einen logischen Plan und genügend  Information über ihn bringt.“ Malik war sichtlich verärgert über die Anwesenheit des Novizen, was er mit einem verärgerten Schnauben bestätigte, bevor er sich wieder über seine Papiere lehnte und seiner Arbeit weiter nachging. Altaïr merkte, dass er nicht erwünscht war und machte sich so schnell es ging auf den Weg, um Informationen zu sammeln. Er half ein paar Bürgern in Not, erleichterte einige Verbindungsmänner um ihre Briefe und verhörte einige von Talals Männern. Es war schon tief in der Nacht, als er zum Büro zurückkehrte. Als er mit einem leichten Klopfen gegen den Türrahmen eintrat, konnte er Malik auf den ersten Blick nicht finden. Altaïr erschrak, als dieser plötzlich zwischen zwei Regalen hervortrat und den Novizen müde anblickte. „Ich hätte heute nicht mehr mit Eurer Ankunft gerechnet“, sagte er, während er sich verschlafen übers Gesicht strich. „Na los, was habt Ihr über Talal erfahren?“, fragte Malik gähnend. Als er aufsah merkte er, dass Altaïr genauso müde war, wie er selbst. „Oder wir verschieben das Ganze auf Morgen“, murmelte er leise und verschwand wieder zwischen den beiden Regalen, um in den hinteren Teil des Gebäudes zu kommen. Er legte sich zurück ins Bett und war kurz davor wieder einzuschlafen, als ihm etwas einfiel. „Altaïr, sei bitte so nett und schließe noch das Gitter oben am Dach, bevor du dich hinlegst“, rief er dem Assassinen zu und es klang so, als hätte er aus dem Nebenraum ein „Hm“, gehört. Jedoch fielen ihm anschließend die Augen zu und er schlief ein.
Altaïr ging währenddessen zurück in den kleinen Hof und schloss das Gitter. Geschmeidig sprang er anschließend zurück zu dem kleinen Brunnen und ließ seine Gedanken schweifen. Wenn Malik nicht mehr mit seiner Ankunft gerechnet hatte, warum hatte er dann nicht schon vorher das Gitter geschlossen? Die Leute, besonders hier in Jerusalem, konnten unglaublich skrupellos sein. Sie hätten Malik einfach überfallen und ausrauben können. Wenn man so bedenkt, was für wichtige Schriften in diesem Büro lagerten, dann hätte auch nur der Verlust einer dieser Schriften fatale Folgen gehabt.

Erschöpft ließ sich der Assassine auf einen der Kissenhaufen fallen. Es war eine, selbst für die Jahreszeit unglaublich warme Nacht, sodass er die oberste Schicht seiner Robe auszog und neben sich legte. Die Luft war unglaublich schwül, es würde morgen wahrscheinlich Regen oder Gewitter geben. Sein Blick schweifte durch den kleinen Innenhof.  Wie war es Malik überhaupt möglich, das Gitter eigenständig mit nur einem Arm zu schließen, wenn er schon damit seine Probleme hatte, das Büro zu verschließen, ohne dabei das Gitter von der Decke zu reißen? Während er so in Gedanken versunken war, fielen ihm auch allmählich die Augen zu und er nickte langsam weg, bis er schließlich tief und fest schlief.

Am nächsten Morgen wurde er von einem lauten Geräusch direkt neben sich geweckt. Als er sich verschlafen umsah, entdeckte er eines der Bücher von Malik neben sich. „Seid Ihr auch mal wach?“, fragte Malik und ließ das nächste Buch, welches er gerade werfen wollte, wieder sinken und stellte es zurück ins Regal, an seinen Platz. Altaïr erhob sich langsam und zog sich seine Robe wieder vollständig an, ehe er das Buch neben sich nahm und wortlos zurück ins Regal stellte. Er blickte nach oben und sah die dicken dunkelgrauen Wolken über der Stadt. In der Ferne hörte er ein leises Donnern. Er war gerade im Begriff das Gitter, welches er gestern geschlossen hatte, wieder zu öffnen, als ihn Malik aufhielt.

„Lasst es zu! Bei dem Wetter wird keiner mehr kommen“, murmelte der Verbindungsmann und Altaïr hätte meinen können, dass in seiner Stimme ein wenig Freude mitschwang. Während Malik es sich auf seinem Stuhl bequem machte und eine Karte vervollständigte, sprang Altaïr zurück in den Hof und sah sich diesen einmal genauer an. Als er gerade ein paar Schriften genauer begutachtete, donnerte es erneut und er sah nach oben. Das Gewitter war nun anscheinend genau über ihnen. Es begann zu regnen und Altaïr begab sich nach drinnen, wo er sich auf den Boden setzte und mit missbilligenden Blick nach draußen sah. „Nun dann, was habt Ihr über Talal in Erfahrung gebracht?“, murmelte Malik, welcher immer noch über der Karte lehnte. „Folgendes habe ich erfahren: Er handelt mit Menschenleben, entführt Bürger Jerusalems und verkauft sie in die Sklaverei. Ein Lager nördlich von hier dient ihm als Basis. Genau in diesem Moment bereitet er eine Karawane vor. Ich schlage zu, wenn er sein Lager inspiziert. Wenn ich seinen Männern ausweichen kann, sollte Talal selbst kein großes Hindernis darstellen.“ „Kein großes Hindernis? Nun ja, Ihr werdet sehen, was Ihr von Eurer Arroganz haben werdet.“ „Seid Ihr zufrieden mit meinem Wissen?“ Altaïr war langsam genervt, versuchte sich dies aber nicht anmerken zu lassen. „Nein, aber es muss reichen“, knurrte der Verbindungsmann leise, während er eine weiße Feder aus einer Schublade kramte. Diese reichte er Altaïr mit missbilligendem Blick. „Und nun ruht Euch aus, heult in der Eckte, tut, was Ihr immer tut, bevor ihr ans Werk geht, aber tut es leise.“ Malik war genervt und es passte ihm nicht, dass der Assassine mit solch einer Arroganz vor ihn trat. Jedoch hatte er keine andere Wahl, als ihm die Feder zu geben, denn Talals Tod war für Jerusalem außerordentlich wichtig. Während Altaïr die Feder einsteckte und sich auf den Weg in das Lager machte, arbeitete Malik weiter an der Karte und musste leicht grinsen, bei dem Gedanken, dass Altaïr wahrscheinlich große Probleme beim Erklimmen der Dächer haben würde, denn wenn es in Jerusalem regnete, wurden die Straßen zu matschig, um darauf zu laufen und die Dächer zu rutschig, um zu klettern.

So, wie Malik es schon vermutete hatte, war es auch. Altaïr konnte sich weder auf den Straßen, noch auf den Dächern fortbewegen. Erneut sprang er auf eine Häuserwand zu und versuchte sich an der Kante des Daches festzuhalten, rutschte jedoch ab und stürzte. Er fiel zwar nicht tief, aber es war schon unangenehm, auf einem Haufen Holz zu landen. Jedoch wollte er sich nicht die Blöße geben und zu Malik zurückkehren, ohne Talal umgebracht zu haben. Also versuchte er sich dem Lager so weit wie möglich zu nähern, was sich als fast unmöglich auf dem Boden herausstelle, da die Straßen zum einen so matschig waren, dass er fast mit dem ganzen Fuß versank und natürlich war die Basis unglaublich stark bewacht. Ein letztes Mal rannte er auf einen kleinen Dachvorsprung zu und krallte sich mit aller Macht in das Holz. Er schaffte es sich zur Hälfte hochzuziehen, bevor er abrutschte und wieder einmal in die Tiefe fiel. Er stöhnte leise auf, als er auf einige Vasen fiel, welche unter seinem Gewicht zerbrachen. Er versuchte sich aufzurichten, schaffte es jedoch nicht, da seine Beine unter seinem Gewicht immer wieder nachgaben. Schlussendlich gab er es auf und blieb einfach liegen. Er schloss die Augen und der Regen plätscherte auf sein Gesicht.

Als Altaïr nach einigen Stunden noch nicht wieder da war, begann Malik sich langsam Gedanken zu machen, wo der Junge blieb. Normalerweise waren die Assassinen nie so lange fort, wenn sie jemanden umbrachten. Als er auch 20 Minuten später seine Gedanken nicht von dem jungen Assassinen abwenden konnte, schmiss er genervt den Zirkel auf sein Blatt und stand von seinem Platz auf.  Er griff nach einem relativ großen Palmenblatt, welches ihm ein Händler mal mitgebracht hatte. Er verwendete es als Regenschutz und hielt es über seinen Kopf, als er aus der Tür trat. Es schüttete immer noch wie aus Eimern und die Straßen waren immer noch matschig. Malik kannte jedoch einige befestigte Wege, welche unter anderem auch zu Talals Basis führten. Also lief er zwar einen kleinen Umweg, schaffte es so aber ohne matschige Füße zur Basis zu kommen. Auf dem kleinen Platz vor der Basis sah er sich genauer um, konnte den Assassinen jedoch nicht entdecken. Erst, als er direkt vor der Basis stand und von dort aus eine kleine Seitenstraße sah, fand er Altaïr. Er trat näher und erkannte, dass dieser in einem Haufen zerbrochener Vasen lag. Der junge Mann stöhnte leise auf und versuchte erneut sich aufzurichten, was aber aufgrund der Scherben, die sich langsam in seinen Rücken bohrten, nicht möglich war. Malik stellte sich zu Altaïr und hielt sein Palmenblatt über den Körper des jungen Mannes.

Dieser schlug nun fragend die Augen auf und sah verwirrt zu Malik. „Was macht ihr hier?“, murmelte er und Malik schüttelte nur amüsiert den Kopf. „Euch den Arsch retten, was sonst?“, sagte er erstaunlich ruhig. Malik gab Altair das Palmenblatt und schob anschließend seinen Arm unter Altaïr und hob diesen hoch. Als sich der Assassine aufgerichtete hatte, musste Malik ihn weiterhin mit aller Kraft stützen. Erst jetzt sah er das volle Ausmaß der Wunden an Altaïrs Rücken. Er hatte tiefe Wunden und einige Scherben steckten noch in seiner Haut. Warum musste dieser Dummkopf auch auf Vasen fallen?

Langsam schlürften beide zurück zum Büro, wobei sich Altaïr fragte, woher Malik all diese Wege kannte. Dem Assassinen ging es von Minute zu Minute schlechter. Die Bewegung tat seinen Wunden nicht gerade gut, sodass er immer wieder leise aufstöhnte. Seine Sicht verschwamm immer mehr, sodass ihm auf halbem Weg schwarz vor Augen wurde und nach vorne kippte. Das Palmenblatt ließ er dabei schlapp aus seiner Hand fallen. Malik musste sich nun mit vollem Körpergewicht gegen Altaïr stemmen. Dabei ächzte er immer wieder unter dem Gewicht des jungen Mannes auf, da er es kaum schaffte, diesen alleine aufrecht zu halten. Kurz, bevor Malik zusammenbrach, kam Altaïr wieder zu sich und stützte sich an der Hauswand hinter Malik ab. Schwer atmend stützte sich Malik auf seinen Knien ab und sah zu ihm hoch. Altaïr war gerade unter großer Anstrengung dabei das Palmenblatt wieder aufzuheben und es mit zitternder Hand über sich und Malik zu halten. Malik klemmte erneut seinen Arm unter ihn und sie schlürften langsam weiter, bis sie vor dem Büro standen. Er öffnete langsam die Tür und zog den Assassinen hinter sich in das Gebäude. Mit letzter Kraft schloss dieser die Tür hinter sich und ließ langsam das Palmenblatt sinken. Malik zerrte ihn in den kleinen Innenhof, welcher teilweise durch Efeu trocken blieb. Altaïr ließ sich auf den Boden sinken und atmete schwer. Malik rappelte sich schnell wieder auf und holte Verbandsmaterial und einen kleinen Eimer voll Wasser. Vorsichtig entfernte er Altaïrs Robe und sah sich seine Wunden genauer an. Langsam entfernte er die Scherben aus seinem Rücken und verband wortlos seine Wunden. Altaïr war währenddessen die ganze Zeit über still gewesen und hatte sich nicht getraut, auch nur ein Wort über seine Lippen kommen zu lassen. Er war dem Verbindungsmann sehr dankbar, dass er ihm geholfen hatte. Immerhin hätte Malik ihn auch einfach liegenlassen und verbluten können. „Danke“, murmelte er leise, als Malik gerade dabei war das restliche, schon getrocknete Blut von seinem Rücken zu wischen. Nachdem Malik damit fertig war, gab er Altaïr das Tuch und dieser wischte damit den Schmutz von seiner Robe.

Erschöpft ließ sich Malik auf seinen Stuhl fallen und beobachtete den Novizen dabei, wie er seine Kleidung säuberte. Es hatte etwas Beruhigendes an sich, was ihn schläfrig machte. Das leise Plätschern und die gleichmäßigen Geräusche des Tuches auf dem Leder taten ihr übriges, weshalb Malik binnen Minuten eingeschlafen war. Er sackte ein wenig in seinem Stuhl zusammen und sein Kopf fiel auf seine Brust. Nachdem Altaïr fertig mit dem Reinigen seiner Kleidung war, sah er auf und entdeckte Malik, welcher schlafend auf seinem Stuhl saß. Mit einem leisen Stöhnen erhob sich der Assassine von seinem Platz und ging zu dem Verbindungsmann. Dieser schlief friedlich, sah aber aus, als würde er bei dieser Haltung morgen Nackenschmerzen haben, weshalb Altaïr seine Kleidung zur Seite legte und ihn hochhob. Mühselig und vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, trug Altaïr ihn zu seinem Bett und legte ihn darauf ab. Er zog ihm die erste Schicht seiner nassen Kleidung aus und deckte ihn zu. Er sah sich nach etwas Essbarem um, da er den ganzen Tag über noch nichts gegessen hatte. Schlussendlich gab er sich mit ein paar Feigen und Datteln zufrieden, welche er genüsslich aß. Anschließend begab er sich zurück zum Innenhof und machte es sich auf ein paar Kissen so bequem wie möglich. Der Regen ließ langsam nach und auch das Gewitter schien vorbeigezogen zu seinen. Altaïr wusste zwar nicht genau, welche Tageszeit es war, da der Himmel noch immer wolkenverhangen war, aber da er müde war, schloss er daraus, dass es Abend sein musste. Er schloss seine Augen, brauchte aber eine halbe Ewigkeit, um einzuschlafen, da er sich nicht erklären konnte, warum Malik ihn gerettet hatte. Nach etlichen Stunden des Nachdenkens schlief er endlich ein und konnte seine Gedanken für ein paar Stunden ruhen lassen.
 
Am nächsten Morgen wurde er durch ein heftiges Klopfen an der Tür des Büros geweckt. Er sah sich erstaunt um, da Malik anscheinend heute Morgen nicht mit Büchern nach ihm geworfen hatte. Schnell rappelte er sich auf und ging an die Tür. „Altaïr, man hat heute Morgen den Verbindungsmann auf dem Markt gesichtet, wie er von einigen Männern überwältigt und entführt worden ist“, platzte es sofort aus dem Informanten hinaus. Er kannte den Mann nur flüchtig, wusste aber, dass man ihm vertrauen konnte. „Seid Ihr euch sicher?“, hakte er nach und der Informant nickte zustimmend. „Vielen Dank für die Information. Bitte gebt mir Bescheid, wenn Ihr nähere Informationen über den Aufenthaltsort von Malik erfahrt.“ „Werde ich machen“, murmelte der jüngere der Beiden und verschwand wieder in der Menge, während Altaïr langsam die Tür zum Büro hinter sich schloss. Er konnte nun schlecht ganz Jerusalem nach einem Mann absuchen. Er hatte nicht einmal einen Anhaltspunkt oder irgendetwas. Mit einem Seufzer auf den Lippen ließ er sich auf einen Stuhl fallen und blickte auf die Karte, die Malik angefangen hatte zu zeichnen. Er konnte nichts anderes tun, als auf neue Informationen zu warten.

Gelangweilt nahm er sich ein Stückchen Papier und kritzelte mit einer Feder einfach drauf los.
Malik war schon am frühen Morgen wach geworden und wunderte sich, wie er in sein Bett gekommen war, da er eigentlich auf seinem Stuhl eingeschlafen war. Der Einzige, der ihn hierher tragen hätte können war Altaïr. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen stand er auf und zog sich an. Als er in den vorderen Raum trat, sah er den Assassinen auf einem Kissenhaufen friedlich schlafend. Zur Abwechslung hatte er mal nicht seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sodass man die feinen Konturen seines Gesichts erkennen konnte. Er hatte sich schon ein ganzes Stück verändert, seit damals in Salomons Tempel. Langsam richtete sich Malik wieder auf und ging zu seinen Vorräten, da sein Magen leise knurrte. Jedoch hatte er keinerlei Essen mehr in seinen Vorratskörben. Das bedeutete wohl oder übel, dass er auf den Markt müsse, um wenigstens ein bisschen zu Essen zu kaufen. Er wiederstand dem Drang Altaïr ein Buch ins Gesicht zu werfen und ihn anzuweisen es zu tuen. So hatte er sich gestern doch genug angestrengt, als er versuchte hatte bei dem Wetter die Dächer zu erklimmen. Malik öffnete und schloss die Tür hinter sich so leise, wie möglich um ihn nicht zu wecken. Die Straßen waren noch immer leicht matschig von gestern, aber man konnte wieder darauf laufen. Er ging mit schnelle Schritten zum Markt, wobei ihn viele Leute missbilligend ansahen, da sie den Stummel erblickten, wo normalerweise sein Arm hätte seien sollen. So schnell er konnte ging er auf den ersten Stand zu und holte ein wenig Obst, welches er in einem kleinen Beutel verstaute. Als er sich gerade auf den Rückweg machen wollte wurde er von jemandem festgehalten und spürte im nächsten Moment einen Schlag auf den Hinterkopf.

Ihm wurde schwarz vor Augen, und als er seine Augen wieder aufschlug fand er sich in Fesseln wieder. Vor ihm stand ein Mann, welcher gerade eine Liste überprüfte. „Talal“, knurrte Malik und sah ihn voller Hass an. „Ihr kennt mich also. Welche eine Freude“, murmelte Talal sarkastisch. „Schmeißt ihn zu den Anderen. Ich werde mich später um ihn kümmern“, rief Talal und in diesem Moment merkte Malik, dass er nur noch eine kurze Hose trug, so wie die anderen Sklaven, welche Talal gefangen hielt. Er wollte diesen gerade darauf ansprechen, als ihn zwei Männer grob griffen und in einen Käfig zu fünf anderen Männern schmissen. Er konnte nichts tun, außer zu beobachten, wie die Männer den Käfig verschlossen und anschließend Talal in einen Nebenraum folgten. Die Männer, mit denen er festsaß verstanden ihn nicht und redeten, wenn überhaupt nur wirres Zeug. Frustriert setzte sich Malik auf den Boden und sah zum Himmel. Hoffentlich würde der Novize so arrogant sein und einfach seinen Auftrag, Talal zu töten erfüllen.

Altaïr hingegen bekritzelte nun schon das dritte Blatt Papier, ohne jegliche Nachricht von dem Informanten erhalten zu haben. Plötzlich klopfte es wieder an der Tür und Altaïr sprang auf und hastete zur Tür. Er riss die Tür auf und war erleichtert, als es tatsächlich der Informant war und kein Assassine, der zu Malik wollte. „Wisst Ihr, wo Malik ist?“, platzte es aus ihm heraus und der Informant nickte leicht. „Er wird in der Basis von Talal gefangen gehalten.“ „Habt Dank für diese Information“, sagte Altaïr und ging mit schnellen Schritten aus dem Büro. Die Tür schloss der Informant für ihn und verschwand anschließend wieder in der Menschenmasse. Altaïr hingegen machte sich auf den Weg zur Basis. Er rannte auf die nächste Häuserwand zu und erklomm diese mit Leichtigkeit. Oben angekommen rannte er weiter, bis er vor einem riesigen Gebäude stand, welches er schnell erklomm und sich an den Wachen vorbeischlich. Seine Lungen brannten mittlerweile, bei jedem Atemzug und sein Puls raste. Er sammelte sich kurz und atmete tief durch, bevor er eintrat und sich die Tür sofort hinter ihm verschloss. Er saß in der Falle und kannte keinen Anderen Ausgang, außer dem, der gerade hinter ihm lag. Leise seufzend ging er weiter in den Hauptraum, wo er unzählige Käfige erblickte, in welchem Menschen auf brachiale weise zusammengepfercht wurden. Einige von ihnen erschraken bei seinem Anblick, Andere wiederum sahen ihn hoffnungsvoll an. Er sah sich genauer um und entdeckte einen relativ großen Käfig, in welchem mehrere Männer gemeinsam eingesperrt waren. Auf dem Boden lag ein Fetzen, welcher sehr nach Maliks Mantel aussah. „Wo ist der einarmige Mann?“, fragte er, bekam jedoch nur Antworten in Sprachen, die er nicht verstand. Die Männer schienen eine Sprache zu sprechen, welche ihm gänzlich unbekannt war. „Talal hat ihn mitgenommen und wird ihn wahrscheinlich foltern“, sagte ein älterer Mann in perfektem Arabisch und erhob sich von dem dreckigen Boden. Altaïr nickte ihm dankend zu und rannte zur nächsten Treppe, die nach unten führte. Und tatsächlich fand er unten die Folterkammer, in welcher er sich sofort nach Malik umblickte. „Ich werde schon noch etwas aus euch herausbekommen“, schrie plötzlich eine Stimme, welche ihm vertraut vorkam.

Talal

Er ging langsam näher, immer darauf bedacht seine Deckung zu wahren, sollte ihn jemand aus dem Hinterhalt attackieren. Er erblicke Talal und Malik, welcher vor ihm völlig blutverschmiert kauerte. „REDE!“, schrie Talal und Malik zuckte zusammen. Wut kochte in Altaïr hoch und er trat von hinten an Talal heran. Im nächsten Moment hatte er ihm seine Versteckte Klinge in den Hals gerammt. Der ältere Mann ging zu Boden und murmelte einige unverständliche Worte, bevor er für immer verstummte. Altaïr ging währenddessen zu Malik, welcher sich inzwischen nicht mehr rührte. „Malik!“, schrie er, als sein alter Freund nicht reagierte. Er rüttelte an ihm und versuchte ihm verzweifelt aufzuwecken. Jedoch blieben die Augen des ehemaligen Assassinen geschlossen und Altaïr verzweifelte langsam. „Malik bitte. Lass mich nicht allein. Komm schon“, schrie Altaïr verzweifelt und er spürte, wie tränen seine Wange hinabliefen und auf Malik tropften. „Bitte“, flüsterte er leise, bevor er sich die Tränen aus dem Gesicht wischte. Er konnte Malik nicht auch noch verlieren. „A-Al-Altaïr“, kahm es schwach von Malik, welcher die Augen ein wenig geöffnet hatte. „Du Idiot“, rief dieser und umarmte seinen Freund, erneut liefen ihm Tränen über die Wangen. Er war sonst nicht jemand, der bei jeder Gelegenheit weinte, aber Malik war für ihn trotz des Hasses, welchen Malik für ihn verspürte unglaublich wichtig. Malik kannte ihn, wie kein Zweiter. Sie hatten ihre gesamte Kindheit miteinander verbracht. Außer ihm hatte Altaïr niemanden, den er als Freund bezeichnen konnte.

Er spürte, wie Malik in seinen Armen anfing zu zittern und sofort zog er seinen Mantel aus und legte diesem seinen verletzten Freund über die Schultern, da dieser nur eine kurze Leinenhose trug. Der Assassine hob Malik langsam hoch und trug ihn nach oben. Er klaute einer Wache die Schlüssel und warf sie dem alten Mann von vorhin zu. „Danke für Eure Hilfe“, rief er noch, bevor er versuchte eine Leiter mit Malik im Arm hochzuklettern. Es dauerte zwar eine gefühlte Ewigkeit, aber schlussendlich schaffte er es. Malik war währenddessen wieder eingeschlafen und hatte sich leicht an Altaïr gekuschelt.

So vorsichtig, wie möglich versuchte dieser aus der Basis zu entkommen, um Malik nicht zu wecken und die Aufmerksamkeit der Wachen nicht allzu sehr auf sich zu ziehen. Sie schafften es zwar aus der Basis, aber nun standen sie vor einer weitaus schwierigeren Aufgabe. Wie sollten sie von den Dächern kommen? Altaïr konnte zwar klettern, aber nicht, wenn er Malik im Arm hielt. Er überlegte kurz, ob er sich einfach fallen lassen sollte und darauf hoffte, dass er sich zu hart landete, aber er wollte nicht schon wieder in einem Scherbenhaufen landen, also suchte er sich einen Heuhaufen. Er sprang einfach ab und landete glücklicherweise mit dem Rücken im Heuhaufen. Malik wurde von dem Sturz war und sah sich verwundert um, als sie beide im Heuhaufen lagen. Plötzlich hörte Altaïr wachen, welche nach Talals Mörder suchten. Wenn sie ihn erblicken würden, dann würden sie ihm sicherlich die Schuld geben. Und im Moment war er alles andere, als kampffähig. Also wartete er, bis die Stimmen leiser wurden, ehe er aus dem Heuhaufen sprang und in Richtung des Büros lief. Dort angekommen öffnete er die Tür und trat schnell ein. Er schloss die Tür und legte Malik in den Innenhof. Schnell striff er seinen Mantel wieder von Maliks Schultern und sah sich seine Wunden an. Glücklicherweise waren es nur Fleischwunden und es war nichts gebrochen. Er verband die Wunden und legte den Verbindungsmann in sein Bett. Er selbst war unglaublich müde und legte sich einfach neben den Verletzten. Binnen weniger Minuten war er schon eingeschlafen und merkte nicht, wie er sich im Schlaf immer weiter an Malik kuschelte.

Als Malik am nächsten Morgen erwachte musste er angestrengt überlegen, bis ihm die Ereignisse des gestrigen Tages wieder einfielen. Als er neben sich den schlafenden Altaïr entdeckte erschrak er leicht und zuckte vor schmerz zusammen, als er versuchte ein Stück von ihm wegzurutschen. Langsam und unter Schmerzen stand er auf und begab sich in das Büro. Dort machte er es sich auf einem Stuhl bequem und zog eine seiner Ersatzroben an. Sein Blick wanderte zu seinem noch immer schlafenden Freund, Altaïr sah so friedlich aus, dass man für einen Moment vergas, dass er ein kaltblütiger Mörder war. Malik hatte ihm innerlich schon lange verziehen und bezeichnete ihn auch als Freund. Er war ihm dankbar, für das, was er getan hatte. Er hatte ihm das Laben gerettet und seine Aufgabe hier erfüllt.

Lächelnd sah er nun auf seinen Schreibtisch und entdeckte ein paar vollgekritzelte Blätter. Sie mussten von Altaïr sein, da kein Anderer Zugang zum Büro hatte, seit er Weg war. Er hatte immer wieder das Symbol der Assassinen gezeichnet und ab und zu einen Adler skizziert. Noch immer lächelnd verstaute Malik die Kritzeleien und murmelte ein leises „Novize“, in Richtung seines schlafenden Freundes.
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