On my way into your heart

von Lord Wais
GeschichteAllgemein / P18 Slash
Atsushi Nakajima Ryunosuke Akutagawa
06.02.2019
06.02.2019
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On my way into your heart



Vor Jahren bin ich zum ersten Mal dem Teufel begegnet und habe seine Hand geschüttelt.



Akutagawa hatte erhofft aus einem Albtraum zu erwachen, so froh war er die Augen aufzuschlagen aber der unbekannte Raum und die mit dem Erwachen verbundenen Schmerzen versprachen nichts Gutes. So schnell sich seine Augen an das grelle Licht gewöhnten, umso hektischer schaute er sich um, jedoch schien es ihm unmöglich sich zu bewegen.



Er ist aufgewacht?! Atsushi traf seinen Blick völlig erschrocken und wollte beinahe zurückspringen, erinnerte sich im gleichen Moment aber an den Tee in seiner Hand und hielt inne. Tief einatmend begegnete er den schwarzen Augen. Die folgende Stille war fast peinlich.

„Akutagawa- Geht’s dir gut?“

„Wo hast du mich hingeschleppt?“, flüsterte er schon fast von Hass besessen. Er fühlte sich nicht in der Lage auch nur noch einen Finger gegen ihn zu heben… nach dem Kampf auf dem Wolkenkratzer durfte das auch kaum möglich sein. Er erinnerte sich genau an den Absturz.

Atsushi fragte sich ebenso. Warum ist es so weit gekommen?? Ich wollte das nicht! Das hat er nicht verdient! Nicht das…

Er näherte sich dem Bett und schluckte. „In Sicherheit. Auch vor mir.“

Ungläubig begegnete er seinem Blick. „Wo!“

„Der Agency…“

Seine Augen weiteten sich leicht. Sie schienen sofort eine Tür… einen Fluchtweg zu suchen. War es eine falsche Entscheidung gewesen ihn hier her zu bringen? Und war dieses Gefühl in seinen Augen, das Atsushi zum ersten Mal erkennen konnte, etwa Angst?

„Ich hab mich bereit erklärt mich um dich zu kümmern, bis es dir besser geht und du laufen kannst. Yosano meinte, dass das irgendwann wieder möglich sein könnte.“

Warum hat sie ihn nicht behandelt? …Ich weiß, ich bin hierfür verantwortlich und muss es ausbügeln, aber wir könnten ihm dieses Leid doch ersparen.

„Sein könnte??“ Akutagawa registrierte mehr und mehr dass er sich nicht bewegen, ja nicht einmal aufrichten konnte. Hätte er sich bewegen können hätte er diesen Raum mit Sicherheit in einen Trümmerhaufen verwandelt.

Zerknirscht stellte er den Tee auf dem Tisch ab. „Wir kriegen das hin… Dazai kümmerz sich auch, weißt du?“ Irgendwie hoffte er, mit dem Erwähnen von Dazais Namen tatsächlich etwas zu erreichen.

  „Da- ich will ihn sprechen! Jetzt.“ Seine Lippen zitterten wütend. Sicher lagen auf seiner Zunge tausend Beleidigungen.

  Etwas unschlüssig schaute Atsushi zur Tür und wieder zurück. „Also…“ Warum eigentlich nicht? Vielleicht beruhigte es ihn etwas und Dazai könnte ihm gut zur reden. „Ich hol ihn. Warte einen Moment.“

Sobald er hinunter hing, um den Mentor anzusprechen, kam ihm dieser schon entgegen.

„Dazai san, ich glaube Akutagawa braucht mal ein beruhigendes Wort von dir.“

Der große Mann vor ihm formte die Augen etwas unglücklich schmaler. „Ach…“

Ach?

Er zögerte. „Naja was hab ich erwartet.“ Seufzend wandte er sich der Tür zu und betrat den Raum, wobei sich die Miene des Mafioso dort leicht aufhellte, aber auch ebenso leicht einfror.

„Dazai san, ich muss zur Mafia zurück! Ihr könnt mich hier nicht festhalten!“

Dazais Augen trafen ungeahnt kalt den ehemaligen Schüler in der weißen Decke eingehüllt. „Du bist hier auch nicht sonderlich willkommen. Glaubst du, du hast ein Recht darauf hier Anforderungen zu stellen? Nach dieser Aktion? Ich bin enttäuscht von dir. Dabei dachte ich, nach dem Kampf gegen Fitzgerald hört ihr auf euch zu fetzen.“

Atsushi erschrak, als er merkte, dass diese forschen Worte auch ihm gewidmet waren.

Was--- aber! Aber vor Akutagawas Behandlung war er doch ganz anders gelaunt…

Akutagawas Augen wurden langsam feucht. „Du siehst das falsch! Das war nichts weiter als ein Kräftemessen!“

„Ein Kräfteessen das bei dir immer mit einer Verwüstung endet und ebenso mit Toten! Hinter euch beiden herzuräumen ist das letzte was wir gerade gebrauchen können. Du hast dir die Lähmung verdient, nutze die Zeit und denke über Verhalten nach.“

Er klingt wie jemand aus einem Lehrbuch… oder so. Das ist gerade trotzdem nicht fair…

„Dazai, ich-“

Dazai wandte sich ab. „Ich bestrafe euch mit der Anwesenheit des jeweils anderen.“

Die Tür fiel zu während Akutagawa noch mehrmals verzweifelt seinen Namen rief, dann sogar schluchzte. Sicher war es schwer zu realisieren, dass er sich nicht mehr bewegen konnte und dass Dazai ihn nun auch noch wegen alle dem missbilligte…

Er tut mir zum ersten Mal richtig leid…

„Das war nicht fair…“ Er legte eine Hand etwas ermutigt auf Akutagawas Kopf. Ermutigt wohl gerade deswegen, weil der sonst so blutrünstige Mafioso gerade so unglaublich verletzlich in diesem Krankenbett lag.

Seine Augen schlossen sich, aber wohl eher vor Zorn. „Nimm die Hand da weg! Hätte ich meinen Mantel würde ich dich mit Rashoumon penetrieren!“

Er zog sofort seine Hand wieder zurück. „Sag doch nicht… penetrieren.“

„Meine Wortwahl kann dir doch grade egal sein!“ Er scheinte sich in jenem Moment trotzdem etwas zu beruhigen und schaute zur Tür. In dem Blick lag wohl eher mehr Traurigkeit als alles andere. Atsushi beschloss sich wortlos auf den Stuhl neben dem Bett zu setzen und knetete ein Taschentuch in den Händen. Er wollte ihm die Tränen vom Gesicht wischen, die immer noch unter den schwarzen Welpenaugen hervorqollen. Aber dadurch war er sich sicher, den Moment den Akutagawa gerade selbst durchlebte zu zerstören. Über was auch immer er nachdachte, es erschien Atsushi unglaublich wichtig.

Ich will nur, dass es ihm besser geht.

Nach einer Weile waren die Tränen von selbst getrocknet und Akutagawa blinzelte die gewohnte Standhaftigkeit in seine Augen zurück. „…egal.“

Was auch immer er mit egal meinte… Ja. Atsushi nickte und legte ihm einen Strohhalm an die Lippen, sodass der Schwarzhaarige den abgekühlten grünen Tee trinken konnte.

„Was kannst du bewegen?“

Akutagawa antwortete nicht sofort, aber gab sich wenigstens Mühe die Frage zu beantworten. „Meinen Kopf, meine Finger, Meine Beine kann ich minimal anwinkeln.“

Der Verband an seinen Kopf war mittlerweile wieder blutgetränkt, dabei hatte er ihn erst gewechselt, bevor Akutagawa aufgewacht ist. Er wechselte ihn vorsichtig, legte erneut eine saubere Kompresse auf die Verletzung und bietet ihm danach wieder den Tee an.

„Es tut mir leid… Ich hätte es vor Dazai ebenso als ein Kräftemessen bezeichnet. Ich hatte nicht die Absicht dich dort runter stürzen zu lassen.“

„Mach dich nicht für mein Versagen verantwortlich. Außerdem hätten wir uns doch wohl getötet, wenn wir die Gelegenheit dazu gehabt hätten.“

„Nein das stimmt nicht. Deswegen entschuldige ich mich doch.“ Er schaute etwas verzweifelt auf seine Hände. „Dazai hat es nicht gesehen… er kann nicht beurteilen wie… gut du in diesem Kampf warst.“

Das tiefe Knurren des Mafioso bewies ihm, dass er die absolut falschen Worte gewählt hatte. „Wirke ich so aufmerksamkeitsgeil?“

„Das meine ich so doch gar nicht! Ich fand Dazais Reaktion eben nur so unpassend.“

Für einen Moment schwieg Akutagawa, dann meinte er: „Nein er hat schon recht.“

„Hat er nicht, was wir beide tun ist doch unsere Sache. Wir haben kein Chaos veranstaltet oder Zivilisten mit reingezogen. Nichts. Es ist gemein zu behaupten, dass du Amok gelaufen bist. Ich meine, wir.“

„Hör auf das zu beurteilen.“

Wieder brach Stille in das Zimmer, aber diesmal unterbrach Atsushi sie gezielt. „Ich weiß, dass was schiefgelaufen ist. Darum hab ich auch sofort angeboten mich um dich zu kümmern, auch wenn du das sicher nicht hören willst. Es ist für mich nicht leicht, ich weiß auch nicht genau wie ich das machen soll, aber ich will es wieder gut machen. Und darin werde ich von der ganzen Agency unterstützt.“ Er zeigte auf einen Rollstuhl in der Ecke des Raumes.

Seine Miene verzog sich angewidert. „Ich bin doch kein Pflegefall!“

Im Moment schon!

„Du brauchst… Hilfe zur… Selbsthilfe.“

„Schöne Umschreibung für totale Unfähigkeit.“ Seine Finger krallten sich in das weiße Laken unter ihm, sofort schlug es Falten.

„Es wird sicher nicht lange dauern bis die Lähmung vollständig zurück geht.“

„Vorhin hörte es sich so an, als könnte es auch der Fall sein, dass ich mein ganzes Leben lang so bleibe.“ Man konnte richtig spüren, wie viel Zorn er gegen diesen Widerspruch hegte.

„Dann kümmere ich mich mein Leben lang um dich.“

Akutagawa schaute Atsushi nun doch etwas ratlos an. Er sagte dazu nichts mehr, aber für den Rest des nachmittags hatte Atsushi das Gefühl doch etwas in ihm getroffen zu haben, das ihn ruhiger stellte. Selbst macht er sich Gedanken, wie er den Alltag  von ihm etwas angenehmer gestalten konnte, ohne ihm zu sehr auf die Pelle zu rücken. Es spannte ihn einfach an, zu wissen, wie es Akutagawa gerade auch nur annähernd ging.



Erst am Abend traute er sich wieder in das Krankenzimmer und hatte zwei Bücher bei sich, die er kurz vorstellte und auf den Tisch legte.

„Wenn du willst halte ich sie dir oder lese daraus vor.“

Wenig begeistert legte Akutagawa den Kopf seitlich. „Aufs lesen hab ich grad am wenigsten Lust. Mein verdammter Nacken ist steif. Weißt du wie es sich anfühlt, kerzengrade in einem Bett zu liegen während man noch einigermaßen alles spüren kann??“

„Nein…? Aber wenn du willst lege ich dich um und bewege dich etwas durch.“

Er zog die Decke von ihm bevor er etwas sagen konnte und winkelte Akutagawas Bein ganz an. „Hm?“

Etwas überrumpelt, riss er die Augen auf. „Hey“

„Kannst du das spüren?“

„Was denn?“ Er schien nicht zu merken, dass sich Atsushis Finger gerade mehr oder weniger in seine Wade krallten. „Lass mein Bein los- leg mich auf die Seite wenn du nützlich sein willst!“

„Okay!“ Sofort stellte er sich auf die andere Seite des Bettes und zog Akutagawa zu sich herum, legte einen Arm angewinkelt unter ihn und winkelte auch beide Beine leicht an. „Jetzt hast du aber Abwechslung!“

Wenigstens schien der Ältere doch etwas zufriedener zu sein. „Ja, ja…“

Ob es ihm eigentlich peinlich war, dass er ihn weinend gesehen hatte? Eigentlich war doch sogar ein interessanter Anblick, wenn auch sehr Mitleid erregend.

Atsushi merkte kaum, wie seine Hand über den Oberschenkel strich, bis Akutagawa ihn murrend darauf aufmerksam machte.

„Oh- ja also das spürst du! Gut…“ Er nahm die Hand verlegen auf seinen Schoß. „Solange du also was fühlst muss es sich doch verbessern. Ich bin kein Arzt aber…“

„Lass mich schlafen.“

Atsushi musste schlucken, um den nächsten Satz zu sprechen. „Dazai san meinte, ich solle dich erstmal waschen. A-Aber weißt du was? Lass uns das auf morgen früh verschieben. Du siehst ziemlich fertig aus.“

Auch in seinem Gesichtsausdruck konnte er Blässe erkennen und ebenso darauffolgende Erleichterung. „Gut…“

Ich weiß nicht, er wirkt irgendwie schon etwas dankbar aber…

„Okay. Bis morgen.“ Es tat etwas weh ihn dort allein in dem Raum zu lassen aber dass er sich zu ihm legte, war sicherlich das letzte das er wollte. Atsushi fragte sich auch warum er sich das vorstellte. Andererseits war da nichts dabei oder?

Das wirklich Krasse ist, ist dass es mir tatsächlich nichts ausmachen würde mich mein Leben lang um ihn zu kümmern. Ich würde sein Leben verschönern, irgendwie, keine Frage! Ich zeige ihm das Licht das ich gesehen habe und diesmal hat er nicht mal einen Grund neidisch zu sein weil… !!!

Weil Dazai sich selbst als einen gemeinsamen „Feind“ geschafft hatte. Er hatte sie beide angemault. Sie gleichgestellt. Es musste nicht mal einen wahren Grund geben.

War das sein Plan? Er ist gar nicht sauer auf uns? Er wollte uns einfach zusammen schließen?
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