Was man sieht

OneshotAllgemein / P12
Albus Dumbledore Minerva McGonagall Severus Snape
06.02.2019
06.02.2019
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Hallo liebe Leserinnen und Leser!


Ich freue mich endlich mal wieder einen getippten Text von mir hochladen zu können.
Das geschieht im Rahmen des Meine Vorgabe – Dein Pairing-Wichtelns  das von der lieben Augurey organisiert wird und die gleichzeitig mein Wichtelkind ist.

Die Vorgaben lauteten:
Prompt: „Wo sich das Mitleid einschleicht, ist bis zur Liebe nur noch ein Schritt“ (Julius Grosse)
Ersatz-Prompt: Schneesturm, Kästchen, Versteck
Wünsche: Rating maximal P16/P16-Slash. Die Figuren sollten in character sein. Wenn die Figuren im Canon nicht verliebt oder sogar Feinde waren, will ich nur eine Andeutung von Romanze lesen. Gern auch rein platonisch („Liebe“ darf dann als freundschaftliche Liebe aufgefasst werden)
Lese-No-Gos: Pairings mit den Bösen (außer Malfoys); Inzest; Mpreg; Seme/Uke; Smut; out of character; Zwangsverkupplung; Gewalt; Pairings mit Altersunterschiede 15 Jahre + (platonisch ist okay); Snape-Pairs (außer mit Lily oder polyamorös mit Lily und der Figur);
Pairing-Likes:
Figuren -> Severus Snape, Albus Dumbledore, Remus Lupin, Hermine Granger, Minerva McGonagall, Luna Lovegood, Lily Evans
Allgemein -> Pairings/Freundschaften im Hogwarts-Kollegium und im Orden des Phönix.

Im Voraus ist vielleicht zu sagen, dass meine letzte Geschichte eine Weile her ist und ich dementsprechend noch nicht wieder so ganz in meinen Schreibfluss gefunden habe. Mal war er da, mal nicht, sodass ich persönlich das Gefühl habe, dass die Geschichte ein wenig stückhaft geschrieben ist. Dazu hat mir vor allem das Zitat langes Kopfzerbrechen bereitet, bis ich endlich eine Idee gefunden habe, wie ich es einbauen konnte.
Ich hoffe dennoch, dass ich dir, Augurey, eine Freude mit dem Oneshot machen kann.

In diesem Sinne dir und allen anderen viel Spaß beim Lesen. :)

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Weiße Flocken trieben unter dem schneeschwangeren Himmel über den Ländereien von Hogwarts in der Luft. In wilden Wirbeln und Pirouetten tanzten sie um Türme und Zinnen, bis sie ermattet zu Boden sanken. Tagelang trieb der Winter nun schon dieses Spiel, dass jede neue Flocke, die sich zu ihresgleichen gesellte, nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein war. Schon lange waren Gras und Moos, Fels und Stein, Tannen und ihre vom Laub erleichterten Verwandten von Schneehauben bedeckt. Über den See hatte sich eine feine Eisschicht gezogen, die in den seltenen Momenten, in denen die Sonne Überhand gewann und der Wind die nötige Kraft aufbrachte das Eis von dem Schnee zu befreien, in strahlendem Türkisblau schimmerte.

Momentan tobte vor den Fenstern aber erneut ein Schneesturm, sodass die Bewohner des Schlosses die Schönheit des Winters nur erkannten, wenn sie sich an die zurückliegenden Tage von weißem Schnee unter blauem Himmel erinnerten. Von dieser Erkenntnis ein wenig betrübt, da er wusste, dass friedliche Momente des Glücks im regen Trubel des Alltags viel zu schnell in Vergessenheit gerieten und stattdessen die schlechten Erinnerungen im Gedächtnis der Menschen verblieben, wandte sich Albus Dumbledore von dem wilden Schneetreiben ab. Es hatte geklopft.

*

„Herein!“
Wie Minerva mit ihrem Kollegen vor der Tür des Schulleiterbüros wartete, erkannte sie, dass sie im Laufe der Jahre schon so mit Albus Dumbledores Wesen und Charakter vertraut geworden war, dass sie Tonfall und Bedeutung seiner Worte erahnte, noch ehe sie gesprochen waren. Darum überraschte es sie auch nicht, Albus‘ durchdringende, aber keineswegs unfreundliche Stimme zu vernehmen, die sie aufforderte einzutreten.
Ein Blick zur Seite, in das im Schatten liegende ausdruckslose Gesicht, ließ sie die Stirn runzeln. Von Severus Snape konnte sie das wahrlich noch nicht behaupten.
„Nach dir.“ Er hatte die Tür geöffnet und bedeutete ihr einzutreten.
Mit hochgezogenen Augenbrauen kam Minerva der Aufforderung nach. Er sollte bloß nicht glauben, dass sie sich so leicht um den Finger wickeln ließ.

„Minerva, Severus.“ Dumbledore schritt die Empore seines Büros hinunter und bedachte sie mit einem feinen Lächeln.
Von dem um die Mauern heulenden Schneesturm war hier drinnen nichts zu hören. Doch die Kerzen waren zu wenige, um das von dem Sturm gedämpfte Nachmittagslicht aufzuhellen, sodass in dem Büro eine Atmosphäre herrschte, als wäre das Schloss höchst selbst unter dem Schnee begraben.
Von der Außenwelt abgeschnitten und in der Stille des Schnees gefangen – zum ersten Mal hatte Minerva das Gefühl, dass Hogwarts tatsächlich das optimale Versteck für eines der begehrtesten Dinge auf der Welt war. Ein Gefühl, das sie beunruhigte.

„Setzen Sie sich doch.“ Entweder standen ihr ihre Gedanken ins Gesicht geschrieben oder Dumbledore hatte dieselben gehabt. Denn neben der Herbeizauberung eines zweiten Stuhls, ließ er noch weitere Kerzen entflammen. Eine nach der anderen entzündete sich in einem Knistern und vertrieb Stück für Stück das unheimliche Zwielicht. Fawkes, der in seiner Blüte stehende Phönix, stieß auf seinem Stab ein melodisches Krächzen aus, als der Lichtschein der Kerzen auf sein Gefieder fiel und es in kräftige Rottöne tauchte. Schlussendlich begann auch das Holz in dem Kamin zu prasseln und es dauerte nicht lange, bis eine behagliche Wärme in Minervas Glieder drang.
Dankend ließ sie sich auf einem der Stühle nieder, während Severus alles schweigend beobachtet hatte.  

„Severus, setzen Sie sich doch.“ Dumbledore nahm hinter dem Schreibtisch Platz und wies auf den freien Stuhl. Minerva sah, wie der Tränkemeister widerwillig der Aufforderung nachkam. Offenbar hatte er eine andere Vorstellung vom Ablauf dieses Treffens gehabt. Dabei hätte er doch wissen müssen, dass zumindest Minerva nicht zuließ, dass das Los ihres Schützlings in wenigen Sätzen abgehandelt wurde. Und dem vertrauensvollen Nicken nach zu schließen, mit dem Albus sie bei ihrem Eintritt empfangen hatte, hatte sie über die Jahre hinweg nicht nur ein Gespür für sein Verhalten, sondern auch für seine Ansichten entwickelt.
Ihm lag das Schicksal des Jungen genauso am Herzen wie ihr. Wie konnte es ihn auch kaltlassen, wenn man bedachte, dass sie beide es vor mehr als elf Jahren gewesen waren, die ihn in die Obhut seiner neuen Familie überbracht hatten. Familie – wenn Minerva nur an das Wort dachte und dabei diese schrecklichen Leute vor Augen sah, verspürte sie das starke Bedürfnis sich in eine Katze zu verwandeln und fauchend ihr Fell zu sträuben.

Offenbar überaus zufrieden sie vor sich sitzen zu haben und die unangenehme Stille zwischen ihnen ignorierend, lächelte Dumbledore. „Es freut mich, dass Sie beide Zeit gefunden haben.“
„Selbstverständlich.“ Minerva straffte ihren Rücken. „Immerhin geht es hier um einen Schüler meines Hauses, dem abermals ohne Beweise Verdächtigungen unterstellt werden.“ Seit ihr gestern ein Hauself die Nachricht überbracht hatte, dass Albus sie beide zu sprechen wünschte, war sie zigmal im Geiste durchgegangen, was sie Severus schon lange einmal sagen wollte.
Darauf ertönte neben ihr nur ein lautes Schnauben.
„Hast du Einwände, Severus?“ Mit hochgezogenen Augenbrauen und tief gefurchter Stirn sah sie ihn an und sprach dabei schärfer, als sie es beabsichtigt hatte. „Weder beim ersten Mal, noch jetzt, konnte Mr. Filch eine Beschreibung der oder des Schülers abgeben, die sich auf den Gängen herumgetrieben haben sollen.“
„Das ändert aber nichts daran, dass sich Schüler auf den Gängen herumgetrieben haben. Und Potter habe ich bereits vor zwei Monaten erwischt, wie er ein Buch aus der Bibliothek unerlaubterweise mitgenommen hat.“
Quidditch im Wandel der Zeiten – ich bitte dich, Severus. Jeder Junge hat das Buch zu Hause im Schrank stehen.“
„Potter offenbar nicht“, stellte Severus ungerührt fest.
„Und du weißt nur zu gut, warum.“ Ihre Hände ballten sich zu Fäusten.
„Und ebenso weiß ich, wer ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt hat.“
Minerva zwang sich einmal tief durchzuatmen, ehe sie zu einer Antwort ansetzte. „Diese Sache hat nichts hiermit zu tun! Nirgendwo ist festgehalten, dass Erstklässler nicht in die Quidditchmannschaften dürfen!“
„Ich meine nicht das, Minerva“, erwiderte Snape ölig. „Ich dachte  eher an den Nimbus 2000, der ihm so unerwartet zugeflogen kam.“ Und als er sah, wie Minerva rot anlief, zeigte sich erstmals der Ansatz eines spöttischen Lächelns auf seinen Zügen.
„Das hatte alles seine Richtigkeit! Ohne Professor Dumbledores Zustimmung hätte ich nicht gehandelt!“ Minerva richtete sich auf und sah Severus herausfordernd an. Sie würde sich nicht unterstellen lassen, Schüler zu bevorzugen.
„Natürlich hatte es die, da offenbar einige dazu neigen, die Augen vor den Unzulänglichkeiten und dem Verhalten des Jungen verschließen.“
Ruhig, aber bestimmt, mischte sich Dumbledore nun zum ersten Mal in ihr Streitgespräch ein: „Severus.“  Der tadelnde Unterton verfehlte seine Wirkung nicht. Snapes zuvor so siegesgewisse Miene wich einem Ausdruck verkniffener Wut. Was wiederum Minerva ein Gefühl von Oberwasser bescherte.
„Der Junge hat das Talent seines Vaters. Ich würde sogar behaupten, dass er besser ist als Charlie Weasley. Warum sollte er dann nicht fliegen dürfen? Nur weil ihm ein Besen fehlt? Das ist lächerlich, Severus.“
„Das Talent seines Vaters?“ Severus Augen funkelten und seine Stimme schwoll an. „Wohl eher darin, sich in Schwierigkeiten zu bringen und jede Regel zu brechen, die es gibt! Aber kein Wunder. Wie sagt man bei den Muggeln so schön: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“
Überrascht von Severus‘ Ausbruch, zuckte Minerva zusammen. Sie hatte ja gewusst, dass er nicht gut auf den Jungen zu sprechen war. Aber dass seine Abneigung so groß war, hatte sie nicht vermutet. Ein leichtes Schuldgefühl beschlich sie, dass sie damals nicht härter eingegriffen hatte. Doch vergangen war vergangen und Severus konnte doch die Wut auf den Vater nicht auf den Sohn übertragen!
„Seit wann interessieren wir uns hier für Muggelweisheiten? Harry Potter ist ein begnadeter Sucher und als dieser wurde er in die Quidditchmannschaft berufen. Und da du weißt, dass er aus Gründen, die hiermit nichts zu tun haben, bei Muggeln aufgewachsen ist, weißt du auch, dass er keinerlei Verständnis von Quidditch hat. Da zeugt sein Versuch sich Wissen anzueignen doch nur von Ehrgeiz und Strebsamkeit. Einmal davon abgesehen, dass ich keinen Grund sehe, warum ausgerechnet Mr. Potter in die Verbotene Abteilung eindringen sollte; ein Erstklässler. Im Regelfall sind es die Älteren, die sich für Mutproben dieser Art begeistern.“  
„Der Regelfall schließt aber die anderen Möglichkeiten nicht aus. Erst recht wenn man bedenkt, dass es an Halloween einzig Potter und seine Freunde waren, die sich über die Anweisung des Schulleiters hinweggesetzt haben und sehenden Auges, tollpatschig wie ein Mondkalb vor die Füße eines Trolls gestolpert sind.
Und nur aus Mitleid, weil er keine schöne Kindheit hatte, soll ich nun darüber hinwegsehen? Damit ist er nicht der Einzige und das macht ihn noch lange nicht zu etwas Besonderem.“
Es versetzte Minerva einen Stich, wie gefühllos Severus sprach.
„Ich habe nicht von dir verlangt, dass du ihn bevorzugst! Für Verfehlungen hat er wie alle anderen geradezustehen. Als seine Hauslehrerin habe ich bei dem Troll dafür gesorgt, dass es ihm, Miss Granger und Mr. Weasley eine Lehre sein sollte. Und sollte er sich weitere Verfehlungen zu Schulden kommen lassen, so werde ich das wieder tun. Doch Mr. Filch hat keinen Schüler auf dem Gang erwischt, also kann auch kein Schüler bestraft werden. Das sehe ich doch richtig, oder Dumbledore?“
Minerva zog ungerne weitere Personen in eine Zwistigkeit hinein. Doch Albus hatte sie zu sich bestellt, also sollte er als Schulleiter auch Stellung beziehen. Zudem vertraute sie darauf, dass sie sich in dieser Sache auf ihn verlassen konnte. Er unterstütze stets diejenigen, die im Recht waren.

„In der Tat, so ist es.“ Albus Dumbledore legte seine Hände auf den Tisch und wandte sich an Severus. „Unschuldig bis zum Beweis der Schuld. Solange ich Schulleiter bin wird dieser Grundsatz immer in den Mauern von Hogwarts gelten. Und wenn sich jemand etwas zu Schulden kommen lässt, so erhält er die Möglichkeit Wiedergutmachung zu leisten. Es gibt wenig Schlimmeres, als jemandem nicht die Möglichkeit einzuräumen, ein besserer Mensch zu werden.“
Sein fester Blick und die Eindringlichkeit mit der Dumbledore sprach, ließen in Minerva das unbewusste Gefühl aufkommen, dass die Männer sich nicht zum ersten Mal darüber unterhielten. Umso besser, vielleicht ließ Severus nun endlich von seinen Vorurteilen gegenüber Harry Potter ab.
„Und da es in diesem Fall nur um das unerlaubte Verlassen der Schlafräume geht, halte ich es für angemessen, wenn alle Hauslehrer ihre Schülerinnen und Schüler nochmals an die Hausregeln erinnern.“ Dumbledores Blick streifte nun auch Minerva. „Zusätzlich werde ich Mr. Filch bitten, seine Kontrollrunden in kürzeren Intervallen zu drehen. Vielleicht war auch ich in letzter Zeit zu nachlässig was die Sicherheit angeht, wenn ich daran denke, was unsere Mauern zur Zeit verwahren.“
Minerva nickte und aus dem Augenwinkel sah sie, wie auch Severus zähneknirschend zustimmte.
„Und bezüglich dieser Sache möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass die letzte Sicherung von Mr. Filch heute Morgen an ihren Platz gebracht wurde. Der Stein sollte also nun wieder vor allen schädlichen Einflüssen geschützt sein.“
„Das ist gut zu hören, Professor.“
„Sind wir dann fertig?“ Severus schien seine Niederlage nicht sonderlich gut zu verkraften. Ohne eine Antwort abzuwarten, stand er von seinem Stuhl auf.
Minerva entging nicht, wie Dumbledore ihn mit seinen hellblauen Augen einen kurzen Moment stumm musterte, ehe er sie entließ. „Ja, ich denke in dieser Angelegenheit sollte nun alles gesagt sein. Würden Sie Pomona und Filius darüber unterrichten, dass sie ihre Schüler nochmals an die Hausregeln erinnern?“ Auch wenn es als Frage formuliert war, war es doch eine Bitte, die er an sie herantrug. Ohne Zögern stimmten sowohl Minerva als auch Severus zu.

Erst als sie aufstand merkte Minerva, dass ihr Unwohlsein, das sie noch beim Betreten des runden Raumes verspürt hatte, verschwunden war. Wie viel Licht, Wärme und ein positives Gespräch doch ausmachen konnten. Sie beschloss auch in ihrem Zimmer ein paar Holzscheite mehr in den Kamin zu legen.
Zusammen mit Severus wandte sie sich zum Gehen, als Dumbledore ihn vor der Tür zurückrief. „Severus, auf ein Wort noch.“
Verwundert blickte sie ihren Kollegen an, der in seiner ohnehin steifen Haltung stehen blieb. Fragend sah sie zu Dumbledore, der sie jedoch mit einem Lächeln entließ. „Sie können gehen, Minerva.“
„Gut. Ich sehe dann einmal nach Pomona und Filius.“ Mit einem letzten Nicken und einem prüfenden Blick zu Severus, schloss Minerva die Tür hinter sich.
Sie wusste, dass es sie nichts anging, was Dumbledore von Severus wollte. Und da sie Albus‘ Verlässlichkeit in vertraulichen Sachen schätzte, zwang sie sich alle möglichen Ideen, die ihr durch den Kopf schossen, zu vergessen. Was zählte war, dass Harry Potter kein weiteres Unheil drohte. Severus mochte Recht haben, dass er nicht der einzige Schüler mit unglücklicher Kindheit war. Doch Minerva wollte verflucht sein, wenn es ihr nicht gelang, wenigstens diesem Jungen zu einer besseren Zukunft zu verhelfen.

*

„Was, Professor?“

Albus schloss die Augen. Er hatte geahnt, dass dies ein weiteres ihrer vergangenen und noch kommenden Gespräche war, das Severus unzufrieden verlassen würde. Darum hatte gezögert, zu diesem Gespräch einzuladen. Natürlich wusste er, dass die Rivalität zwischen Severus und Minerva sich nicht nur auf Quidditch beschränkte, auch wenn sie im Alltag nur noch dort sichtbar entbrannte. Das hätte vieles so viel einfacher gemacht. Aber die Wahrheit war eben, dass eine missglückte Vergangenheit zwischen diesen beiden so sturen Charakteren stand. Umso erleichterter war er deshalb, dass er sich bisher stets auf Minerva hatte verlassen können. Dass sie Severus vertraute, weil sie ihm vertraute.  
Ohnehin hatte er wohl selbst mehr zu Severus‘ Verbitterung beigetragen, als Minerva. Unzählige Male hatte er des Nachts überlegt, wie er James Potter und seine Rumtreiberfreunde hätte zügeln müssen. Unzählige Male war er zu keinem Ergebnis gekommen, ob ein verstärkteres Eingreifen seinerseits etwas am Verlauf der Geschichte verändert hätte. Vor allem ob es etwas zum Besseren geändert hätte.

Vorhin hatte er Severus noch für seinen angeschlagenen Ton getadelt. Nun ließ er ihn unkommentiert stehen. Gefühle konnten nicht ewig unterdrückt werden. Besser er wurde seinen Zorn nun los, als dass er ihn in sich hineinfraß und damit womöglich weiter schürte. Und er brauchte Severus.
Nicht nur für dann, wenn Voldemort wiederkam, sondern auch so. Als Vertrauten, als Berater, damit er ihn mit Wahrheiten konfrontierte, die er, Albus, nicht sah oder nicht sehen wollte.
Müde öffnete er die Augen und sah die dunkle Gestalt vor der Tür an.
„Mit zu leiden ist der erste Schritt zu Liebe und Liebe ist ein so viel schöneres Gefühl als Hass. Vergessen Sie das nicht, Severus.“

Fawkes, der die gesamte Zeit auf seiner Stange geschlafen hatte, krächzte und schüttelte sein Federkleid. In der Stille auf diese Worte, wanderten ihrer beiden Blicke kurz zu dem Vogel. Eifrig machte der Phönix sich an die Pflege seines Gefieders.
„Noch etwas, Professor?“ Die Hand auf der Türklinke sah Severus ihn wieder an.
„Nein“, Albus Dumbledore schüttelte den Kopf, „das war alles.“
Ohne weitere Worte verschwand auch Severus im Dunkeln der Treppe.
Albus blieb noch einen Moment hinter seinem Schreibtisch stehen und tippte mit den Fingerspitzen unkonzentriert auf das Holz.
Er hatte alles so gemeint, wie er es zu Severus gesagt hatte. Er hoffte, er nahm sich etwas davon zu Herzen. Das würde sein Leben erleichtern. Denn was man sieht, hängt davon ab, was man sehen wollte. Sah man nur den wilden, abweisenden Schneesturm oder sah man den reinweißen Schnee unter dem blauen Himmel, den Schutzmantel der Natur?
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