Das Geschenk des Hexenmeisters

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
OC (Own Character) Tessa Gray Will Herondale
04.02.2019
17.04.2019
8
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04.02.2019 1.842
 
Hey Leute,
ich bin Clarissa-Sophia, ich habe schon einige Geschichten über die Chroniken der Unterwelt hochgeladen, nun ist die Chroniken der Schattenjäger an der Reihe. Ich freue mich schon sehr auf eure Feedbacks. Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!
Eure Clarissa-Sophia







Alices Sicht
Heute Nacht waren meine Eltern, meine Geschwister und meine Verwandten wieder auf der Jagd. Ich saß in unserer großen Bibliothek und suchte in den Büchern nach dem Dämon, gegen den meine Familie gerade kämpfe, bis ich endlich den fand, der auf die Beschreibung von James passte. Als ich eine Zeichnung von dem Dämon sah, lief es mir kalt den Rücken runter und ich pfiff. Sofort erschien mein Wanderfalke, den ich von Vater zu meinem 8. Geburtstag bekommen hatte. Ich schrieb den Namen des Dämons auf einen kleinen Zettel, band ihn an dem Bein meines Falkens fest, der auf seiner Stange saß, die ich überall mit hin nahm, falls ich meinen Eltern dringend eine Nachricht zukommen lassen musste, weil ich ja keine Flammenbotschaften verschicken konnte. Dann flog er los aus dem Fenster, das ich zuvor geöffnet hatte. Ich schaute ihm nach, als ich eine Stimme hörte, die ich sehr gut kannte: » Mach dir keine Sorgen, Alice, sie werden deine Nachricht rechtzeitig bekommen.« Es war der Geist von Jessamine, meiner Tante, die mich beruhigen wollte. Sofort spürte ich, wie ich leichter atmen konnte, und meine Hand sich löste, wo sie zuvor noch das Fensterbrett umklammert hatte. Ich drehte mich um, sah meine Tante an, die leicht lächelte, und ich hoffte so sehr, dass sie recht behalten würde. Trotz ihrer beruhigenden Art, hatte  ich immer Angst um meine Familie. Ich stand auf und lief zu meinem Zimmer. Tante Jessamine begleitete mich. Vater und auch Lucie konnten Geister auch wie ich sehen. Meine Schwester kann sie auch sehen, wann sie will, und nicht wie Vater. Er bemerkte die blassen Gestalten der Verstorbenen nur, wenn sie sich zeigen wollten.
Ich setzte mich auf mein Himmelbett, das mitten in meinem Zimmer stand, und blickte auf mein großes Bücherregal, bei dem sich vom Gewicht des gebundenen Papiers schon die ersten Balken durchbogen, da ich leidenschaftlich gerne Bücher über die Schattenwelt las. Ich war sehr fasziniert von den Schattenweltlern, weshalb ich alles über sie wissen wollte. Auf meinem Nachttisch lag ein Buch über Dämonenfürsten. Ich schlug es auf und las das Kapitel über Abbadon, den Dämon der Rache. Es existierte keine Zeichnung von ihm, weil ihm noch niemand begegnet war.
Ich hörte ein Klirren an meinem Fenster und sah auf in der Hoffnung, dass es mein Falke war, aber es war ein Pfeil, der auf meinem Fensterbrett lag. Um den Schaft war ein Brief gewickelt. Ich öffnete das Fenster, nahm den Pfeil und schloss es wieder. Der Pfeil, den ich in meinen Händen hielt, sah ganz normal aus. Ich machte den Brief ab.
“An die Schattenjäger des Londoner Institutes, ...”
Was ich da las, berührte mein Herz sehr, weil ich kein Schattenjäger war. Ich war ja nur eine Mundie und könnte nie eine Nephilim werden, außer wenn ich aus dem Kelch der Engel trinken würde. Und selbst dann würde ich mit großer Wahrscheinlichkeit sofort sterben. Ich trug auch keine Runen, da ich bei dem Versuch wahnsinnig geworden wäre. Zum Glück war Magnus da gewesen, ein Freund meiner Eltern und ein sehr mächtiger Hexenmeister. Er hatte mit nur einem Blick erkannt, dass trotz meiner Eltern kein Tropfen Engelsblut in meinen Adern floss, sodass es gar nicht erst zu der heiligen Runenzeremonie gekommen war, die schon in der Vergangenheit Kindern wie mir das Leben genommen hatte. Gut möglich, dass er mir damit das Leben gerettet hatte.
Ich setzte mich wieder auf mein Bett, da fragte mich Tante Jessamine: »Was hast du da, eine Nachricht von Will?« Ich sah meine Tante an und erwiderte: » Nein, das ist ein Brief von einem Hexenmeister, der mit Vater unbedingt sprechen will. Aber Vater ist nicht Zuhause und ich kann nicht ins Sanktuarium gehen, das ist die Aufgabe von Vater, nicht von mir.«  
Meine Tante legte mir eine Hand auf meine Schulter und sagte aufmunternd: »Geh, du kannst es dir anhören und Will ausrichten. Und wenn er fragt, warum du da warst, sagst du, dass es sehr wichtig war. Und jetzt auf mit dir.«
Ich lächelte und ging zum Sanktuarium, dabei passte ich auf, dass ich nicht auf mein Kleid trat, das Mutter mir gekauft hatte. Als ich bei der Tür ankam, suchte ich nach dem Schlüssel hinter dem losen Backstein. Damit schloss ich die Tür auf und trat ein. Als ich in dem salonähnlichen Raum ankam, saß ein sehr attraktiver junger Mann in einem der Ohrensessel. Er sah auf und fragte mich leicht belustigt: »Oh, ich habe den Institutsleiter erwartet und nicht seine Mundietochter.« Ich war innerlich leicht wütend, weil die ganze Schattenwelt wusste, dass ich keine Schattenjägerin war.
Der Hexenmeister stand auf und ich sah sein Hexenmal. Seine Arme waren von Schuppen überzogen. Über seinen Unterarm hatte er sein Jackett gelegt, mit dem er sie normalerweise verbergen musste. Dann stand er vor mir und lächelt mich an. Ich starrte in seine Augen, die golden waren. Er war sehr gut gebaut und hatte kurz geschnittene Haare.
»Eigentlich war es nur ein Vorwand, dass ich den Institutsleiter sprechen möchte. Ich bin wegen Euch hier, denn ich kann Euren Wunsch erfüllen Schattenjägerin zu werden.«
Als ich das hörte, traute ich dem Hexenmeister nicht, da ich seinen Namen auch nicht kannte. Deshalb fragte ich ihn misstrauisch: »Wie ist Euer Name, Hexenmeister?«
Der junge Hexenmeister nahm meine Hand in seine. Ich spürte, wie die rauen Schuppen an seinen Fingern über meine Haut kratzten, und er legte seine Lippen auf meinen Handrücken. Dann sah er mir in meine blaugrauen Augen und stellte sich mir vor: »Mein Name ist Dexter Morgen, Hexenmeister aus Manchester. Ich bin nach London gekommen, als ich gehört habe, was mit Euch ist, und habe mir gedacht, dass ich Euch mit großer Wahrscheinlichkeit helfen kann.« Sein Name passte zu ihm als Hexenmeister, denn er kam mir bekannt vor. Vielleicht hatte Magnus ihn mir gegenüber einmal erwähnt, der selbst den König eines Ureinwohners in Australien mit Namen kannte. Aber was meinte er damit, dass er mir meinen Wunsch erfüllen konnte? Ich wollte unbedingt wissen, wie er mir helfen wollte, also fragte ich nach: »Und wie wollt Ihr mir helfen, Mister Morgen?«
Er sah mich an und erwiderte: »Ich habe etwas für Euch vorbereitet, aber es fehlt noch eine Sache, um Euren Wunsch zu erfüllen.« Dexter griff in seine Hosentasche und holte eine Schachtel heraus. Er öffnete sie vor meinem Augen und zum Vorschein kam eine Kette mit einem Diamanten als Anhänger. Der Diamant war schlicht eingefasst, aber die Kette war, trotz ihrer Einfachheit, wunderschön . Da fragte ich: » Und was brauchen Sie noch von mir?«
Da lächelte Dexter und sagte: » Ich brauche einen Blutstropfen von Euch. Und wo wir schon einmal dabei sind, Euch zu einer Kriegerin zu machen: was für eine Art Waffe bevorzugt Ihr?«
Ich nickte und hob mein Kleid an, um an meinen Dolch zu kommen, den ich mit einer Ledervorrichtung an meinem Oberschenkel trug. Diesen hatte mir mein Onkel Gabriel gegeben. Auch wenn er es nicht mochte, dass ich nur eine Mundie war, war ich trotzdem auch seine Nichte. Deshalb hatte er mir zu meinem zehnten Geburtstag die einzige Waffe geschenkt, mit der ich mich gegen das verteidigen konnte, was in der Welt lauerte.
Ich war ganz in Gedanken vertieft gewesen, als mir seine zweite Frage wieder in den Sinn kam und ich nachdachte. Da ich ja nicht kämpfen durfte, hatte ich noch keine andere Waffe in der Hand gehalten, dabei war die Welt voll von den unterschiedlichsten Stücken. Allein unsere Waffenkammer beherbergte mehr, als ich benennen konnte. Deshalb antwortete ich ihm: »Ich habe keine bevorzugte Waffe, aber ich liebe die verschiedenen Metalle und ich bewundere die Eisernen Schwestern, wie sie die Waffen herstellen.«
Dexter fuhr sich mit seiner Hand übers Kinn und sagte: »Ah, so ist das also. Ihr wollt Metalle beliebig in alle Waffen wandeln können, je nachdem, welche gegen Euren Gegner geeignet ist. Da lässt sich was machen, aber so ein wertvolles Geschenk hat seinen Preis. Was möchte ich von Euch, lasst mich nachdenken.« Ich hätte es wissen müssen, dass ein Hexenmeister für sowas Aufwendiges etwas sehr Teures oder sehr Wertvolles wollen würde. Ich überlegte, was ich ihm geben könnte, als er mir zuvorkam: »Jetzt weiß ich, was ich von Euch will.«
Ich hoffte sehr, dass er nichts verlangen würde, was ich nie tun würde, auch wenn es meinen Wunsch erfüllen würde.
Dexter sagte mir nach einer kleinen Denkpause: » Ich lebe schon lange auf dieser Welt, aber bis jetzt war es mir noch nicht vergönnt, einen Partner zu finden, um sie mit jemandem zu teilen. Ich will, dass Ihr mit mir zusammen seid. Und ich möchte, dass Ihr mich so behandelt, als seien wir verheiratet. Ihr müsst nicht mit mir schlafen, aber kochen, bei mir sein oder auf mich zu Hause warten, bis ich zurückkomme.«
Als ich seinen Preis hörte, schaute ich ihn einen langen Moment nur fassungslos an. »Das ist unmöglich«, krächzte ich, als ich meine Stimme wiedergefunden hatte. »Ich kann nicht einfach so von Zuhause ausziehen. Mein Vater würde das nie erlauben und mich ausfragen.« Ich verstummte erneut, als mein Blick auf die Kette in seiner Hand fiel. Ich musste mir etwas einfallen lassen, wie ich dennoch die Kette bekommen und endlich Schattenjägerin sein könnte. Und dann fiel mir was ein: »Ich kann nicht mit Ihnen zusammen wohnen, aber wir können es so machen: Wenn meine Familie aus dem Institut ist, wir treffen uns hier im Sanktuarium, solange niemand bemerkt, dass Sie hier waren, Mister Morgen.« Obwohl es mir bei diesem Vorschlag nicht gut ging, war es das kleinere Übel. Bei ihm zu wohnen und seine Hausfrau zu spielen, dafür war mein Stolz zu groß, auch wenn ich keine Schattenjägerin war.
Der Hexenmeister dachte über meinen Vorschlag nach und sagte schließlich: »Na gut, ich werde Euren Vorschlag annehmen, aber Ihr müsst auch kommen.«
Ich war sehr erleichtert, dass er meinen Vorschlag annahm, und ich erwiderte ihm: » Ich werde kommen, aber Sie müssen sich immer mit einer Nachricht ankündigen.«
Er nickte und ich nahm meinen Dolch, drücke ihn in meine Fingerspitze, bis Blut rausquillte.
Der Hexenmeister nahm meinen Finger, sodass ein Tropfen auf den Diamanten fiel. Da veränderte sich der Diamant und wurde zu einem blutroten Rubin. Der Hexenmeister begann zu salmudieren und aus seinen Händen traten grüne Flammen. So vollendete er seinen Zauber. Nachdem er fertig war, trat er hinter mich. Mit seinen schuppigen Fingern streifte er meine offenen, dunkelbraunen Haare, die fast schwarz waren, zur Seite und legte mir die Kette an. Dann verschwand er, bevor ich ihm danken konnte.
Ich ging wieder zurück ins Institut, verschloss das Sanktuarium und tat den Schlüssel wieder in sein Versteck zurück. Dann lief ich zu meinem Zimmer, schloss die Tür und machte mich bettfertig. Danach legte mich ins Bett, die Kette ließ ich um, und schlief ein mit der Hoffnung, dass meine Eltern, meine Geschwister und Verwandten wieder heile zurück ins Institut kommen würden.
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