Fasst du Vertrauen?

von LordZissa
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 Slash
04.02.2019
19.02.2019
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Kapitel 5

Ich wollte mich gerade daran machen etwas aufzuschreiben als Alfred mir ein Bild rüber schob.

Ich sah auf und dann wieder zu dem Bild, ich nahm es in die Hand. Es war ein Passfoto, ziemlich alt, darauf konnte man einen jungen Mann sehen. Der Mann sah Alfred auf eine gewisse Weise ähnlich. „Wer ist das?“, fragte ich interessiert. „Christian Alfred Amhofer Er ist mein Vater, auf dem Bild war er ungefähr 19.“, erklärte der Braunhaarige. „Du wurdest nach ihm benannt.“, stellte ich fest. „Ja.“, nickte Alfred: „Nur es machen sich viele über meinen Namen lustig.“ „Mach dir nichts draus. Über meinem haben sich auch mal welche lustig gemacht und der ist ja wohl bis auf die Schreibweise ziemlich normal.“, ich zog die Augenbrauen zusammen. „Mein Name ist mir irgendwie wichtig, darum mag ich auch keine Spitznamen.“, murmelte er ganz leise. „Verständlich.“, stimmte ich zu und schob ihm das Bild wieder zu. Der Braunhaarige verstaute es in seinem Geldbeutel, ein alter sehr abgenutzter Ledergeldbeutel. Ein Wunder, dass sich das Kleingeld darin hielt. Ich lächelte Alfred nochmal an, er sah mich an aber sein rechtes Auge sah immer noch in eine ganz andere Richtung als das Linke. Mich störte das kaum noch.

Nun machte ich mich daran meine Arbeit fertigzustellen, Alfred sah sich währenddessen in der Bücherei um. Ich sah aus den Augenwinkeln wie er nach einem Buch griff und es ziemlich interessiert studierte. Der letzte Punkt war gesetzt und ich konnte nun endlich alles wieder aufräumen. Danach stellte ich mich hinter Alfred und versuchte zu erspähen welches Buch er da las. Er hatte offenbar bemerkt was ich wollte, da er mir den Buchrücken zeigte. „Ah, Astrid Lindgren. Hast du früher auch immer Bücher von ihr gelesen?“, fragte ich. „Nein.“, kam es langsam von Alfred aus irgendeinem Grund fiel ihm die Antwort schwer. Ich zuckte mit den Schultern: „Dann leih es aus und lies es im Zimmer.“ Alfred war manchmal wirklich seltsam. Er tat, dass was ich ihm sagte und war den restlichen Tag dann auch beschäftigt. Ich hingegen ging rüber zu Charalampos, welcher zu meiner Überraschung auch alleine war. „Guck mal, ich habe Alfreds und Lukas Bild mitgehen lassen.“, eröffnete mir Chara auch sofort. Ich empfand dies als falsch aber ich konnte meine Neugier auch nicht unterdrücken. Alfred hatte im Kunstraum, bevor er gehen musste, penibel darauf geachtet das keiner sehen würde was er da zeichnete. Ich guckte es mir gemeinsam mit Chara an. Man konnte genau sehen welche Seite von Alfred war und welche von Lukas. Lukas Seite war bunt und im Gegensatz dazu war Alfreds Bild schwarz-weiß und grau. Zu Anfang hatte er Lukas Bild noch vervollständigt aber schon bald hatte er angefangen wirre Gestalten und Wörter in die Mitte zu zeichnen.  „Irgendwie schön aber auch gruselig.“, flüsterte Chara schon fast.  Ich nickte nur stumm und erschrak ziemlich als hinter mir plötzlich die Tür aufging. Chara versuchte das Bild zu verstecken, Alfred hatte es jedoch schon längst gesehen. Mit festem Schritt kam er auf den Blonden zu und entriss ihm das Bild. Ihm entglitten die Gesichtszüge als er realisierte das es tatsächlich sein Bild war, er sah zuerst mich und dann Chara an. Ich konnte Wut und Enttäuschung in seinem Blick ausmachen. Zuerst zerriss er das Bild in zwei Teile, dann ging er auf Charalampos los und klatschte ihm eine. Ich wollte dem Braunhaarigen gerade ausweichen, doch da hatte er mich schon grob gegen den Türrahmen gestoßen. Chara und ich sahen uns beide geschockt an, wir sollten uns definitiv entschuldigen. Es war falsch uns einfach das Bild anzusehen. Alfred war zu Recht sauer.

„Scheiße. Was sollen wir machen?“, fragte der Blonde mich. Ich fuhr mir durch die Haare: „Ihn suchen?“ Charalampos nickte nur und so kam es das wir durch das gesamte Internat wanderten bis wir schließlich auf Paul trafen, Alfreds Betreuer. „Sucht ihr wen?“, fragte er uns. Chara und ich sahen uns an, nickten dann jedoch. „Vielleicht Alfred?“, fragte er weiter nach. Erneut ein Nicken von uns. „Der kam vorher zu mir, er war allem Anschein nach wütend. Habt ihr ihm etwas getan?“, Paul hatte die Arme verschränkt und musterte uns. „Irgendwie ja schon.“, gab ich zu, bevor ich dafür auch schon von Charalampos in die Seite gestoßen wurde. „Kommt her.“, Paul deutete mit dem Kopf auf eine Bank die an einer Wand stand. Wir setzten uns mit ihm dort hin und warteten ab was er zu sagen hatte. „Ihr glaubt es vielleicht nicht aber Alfred ist sensibel. Er überdeckt es nur mit Wut, ich verlange nicht von euch mit ihm umzugehen wie mit einem rohen Ei aber ihr solltet dennoch etwas Rücksicht auf Privatsphäre und seine Launen nehmen. Bevor ihr fragt, ich weiß was passiert ist.“, hielt Paul uns eine kleine Standpauke. „Schön und gut, es war falsch, ja aber Alfred hat auch überreagiert.“, rechtfertigte sich der Blonde. „Alfred hat Dinge erlebt die du dich nicht einmal zu denken traust. Seine Psyche hält einfach nicht mehr viel aus.“, Paul stand nun auf und ließ das einfach so im Raum stehen. Ich zuckte nur mit den Schultern als Chara mich ansah.
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