Carina

GeschichteRomanze / P16 Slash
03.02.2019
09.03.2019
16
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Mit völlig steifen Gliedern und einem dröhnenden Schädel wachte ich irgendwann auf. Da wir die Fensterläden nicht geschlossen hatten, schien die Sonne in das Zimmer und direkt in mein Gesicht. Ächzend drehte ich mich unter Carinas Arm hervor, den sie quer über meinen Bauch gestreckt hatte. Mein Fuß steckte ebenfalls unter ihr fest, doch ich schaffte es, mich zu befreien ohne dass sie davon wach wurde. Ich holte mir ein großes Glas Wasser aus der Küche, trank es in einem Zug aus und ging dann ins Bad, unter anderem um meinen wirren Haaren Herr zu werden und die verlaufene Schminke zu reparieren. Dann legte ich mich wieder neben Carina, stützte den Kopf in eine Hand und betrachtete sie. In nur sechs Tagen ging mein Flieger nach Hause, wo ich zurückkehren musste zu den Verpflichtungen, die mit der Masterarbeit nun auf mich warteten. Während ich vermutlich zuhause vor dem Computer stundenlange Internetrecherchen zu uralten Wälzern machen würde, hatte Carina ihr Leben hier auf der Insel.

Endlich wachte auch Carina auf. Noch mit geschlossenen Augen räkelte sie sich genüsslich, dann schlug sie die Lider auf. Sie blinzelte in die plötzliche Helligkeit. „Guten Morgen, Schlafmütze.“, begrüßte ich sie mit einem nachsichtigen Lächeln. Sie erwiderte es verschlafen, gähnte herzhaft und brummte: „Guten Morgen, hermosa.“ Dann verzog sie das Gesicht und rieb sich die Stirn. Ihr Kopf schien genauso zu schmerzen wie mein eigener. Waren wir etwa schon zu alt für Alkohol? Glücklicherweise war Sonntag, und so warteten keinerlei Verpflichtungen auf uns. Wir konnten uns einfach wieder ins Bett kuscheln und Löcher in die Luft starren, bis der Kater etwas nachließ. Fast zwei Stunden gammelten wir so herum und redeten über den gestrigen Tag.

Als Carinas Magen hörbar zu knurren begann, schlug ich vor: „Lass uns doch Pizza bestellen!“ Sie stimmte sofort zu, schnappte sich ihr Handy und rief den Lieferservice an, um ihre Wünsche durchzugeben. In einer halben Stunde würde unser Essen da sein. Bis dahin vertrieben wir uns die Zeit mit fernsehen. Als es an der Tür klingelte, erschraken wir: wir waren beide immer noch nackt! Schnell schnappte sich Carina einen Morgenmantel, während ich mich unter der Decke versteckte. Kichernd schloss sie die Tür wieder, die duftende Pizza in Familiengröße in der Hand. Freudig setzten wir uns im Schneidersitz auf das Bett und hatten die riesige Pizza schneller aufgegessen, als ich zugeben wollte. „Das war genau das richtige Katerfrühstück.“, stellte auch Carina fest, als sie den letzten Bissen heruntergeschluckt hatte. „Lust auf Nachtisch?“ Ich war mir nicht sicher, ob sie damit tatsächlich essbaren Nachtisch oder Sex meinte, denn ihr Blick war wieder einmal irgendwo an meinem Körper hängen geblieben. Sie las an meinem Gesicht ab was ich dachte und begann laut zu lachen. „Ausnahmsweise meinte ich wirklich was zum Essen. Ich hab noch Eis in der Gefriertruhe!“ Immer noch glucksend ging sie los, um die Packung Schokoladeneis und zwei Löffel zu holen. Nachdem wir auch da die ganze Packung verspeist hatten, ließ ich mich erschöpft in die Kissen zurücksinken. Mein Bauch war so voll, dass ich das Gefühl hatte, bei der nächsten Bewegung zu platzen.

Irgendwann wurde uns das Fernsehen zu langweilig. Carina schaltete das Gerät aus. Wir lagen bäuchlings auf ihrem Bett, die Köpfe einander zugewandt. Eine Weile guckten wir uns nur an, dann strich Carina mir wieder eine Haarsträhne hinter das Ohr. Die Bewegung war mir schon so vertraut, als hätte sie das mein ganzes Leben schon so getan. „Eres perfecta.“, murmelte sie leise, mit einem traurigen Ausdruck in den großen Rehaugen. „Ich fasse es einfach nicht, dass du bald wieder nach Deutschland zurückgehst. Kannst du nicht einfach hier bleiben?“ Mit jedem ihrer Worte wurde Carinas Stimme kräftiger, fordernder. Sie setzte sich auf, hatte sich richtig in Rage geredet. „Ich meine das ernst. Wohn‘ bei mir! Das Leben hier ist nicht so teuer, die Wohnung kostet keine Miete und du findest sicher einen Job, du könntest kellnern oder so.“ Als mir daraufhin ein Lachen entfuhr, zuckte Carina zurück, als hätte sie sich verbrannt. Sofort entschuldigte ich mich bei ihr, nahm ihre Hände in meine. „Halt, so meinte ich das nicht. Ich würde so unglaublich gerne bei dir bleiben. Aber ich habe zuhause eine Familie, die auf mich wartet und mein Studium hab ich auch bald abgeschlossen. Ich kann nicht einfach alles hinschmeißen.“ So groß die Versuchung auch war angesichts der Träne, die bei meinen Worten über Carinas Wange kullerte. Auch mein Hals fühlte sich an wie zugeschnürt. Zärtlich verwischte ich die Spur, welche die Träne hinterlassen hatte. „Wir telefonieren so oft es geht.“, versuchte ich sie zu trösten. „Und sobald ich wieder Urlaub habe, komme ich wieder her.“

Doch ich wusste selbst, dass ich erst nach der Abgabe meiner Masterarbeit wieder Zeit haben würde für längere Urlaube. Tief seufzend vergrub ich mein Gesicht in Carinas Halsbeuge und hielt sie einfach nur fest, solange ich es noch konnte.
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