A Man or a Monster

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
03.02.2019
15.05.2019
9
53513
24
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Dieses Kapitel
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Hey Lucifans,
wow, ich bin sprachlos von so vielen lieben Kommentaren von euch. Vielen lieben Dank dafür! Es freut mich wirklich sehr, dass so viele unbedingt wissen wollen, wie diese Geschichte weiter geht. Und nach dem Release von Staffel 4 letzte Woche und der ganzen emotionalen Achterbahntour konnte ich gar nicht anders, als mir die Finger wund zu tippen, um meinem ganzen emotionalen Trauma Luft zu machen *Staffelfinale räusper*

Ich wünsche euch wie immer teuflisch viel Vergnügen beim Lesen und hoffe, dass euch die Entwicklung gefallen wird. Ich war selbst etwas überrascht wie nah ich doch am Verlauf der vierten Staffel liege und wie einfach sich diese Story dort einpflegen ließ :-)

Natürlich geht wieder ein ganz großes Dankeschön an meine Betareaderin Manu. xoxoxo





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Der Aufprall auf den Boden hallte durch Chloe Deckers gesamten Körper und presste ihr gewaltsam die Luft aus den Lungen. Sie keuchte entsetzt auf, als der Schmerz durch ihren Rücken zuckte und ihren Verstand benebelte. Lucifers Arme waren schützend um ihren Körper geschlungen und hatten einen Großteil des Aufpralls abgefedert, doch fühlte Chloe sich, als wäre sie aus einer Höhe von zehn Metern auf eine Betonschicht geknallt.

Was vielleicht sogar stimmte! Panisch riss sie die Augen auf und blickte direkt auf eine Wand aus schwarzen Haaren und weißen Federn. Sie brauchte einen Moment, ehe sie verstand, was los war.

Lucifer lag über ihr. Sein Kopf war in ihrer Halsbeuge verschwunden und er stöhnte leidvoll gegen ihr Ohr, während der Rest ihres Sichtfeldes aus schimmernd weißen Federn dominiert wurde – seinen Federn. Die Federn eines Erzengels. Flügel, mit denen er sie gerade in Sicherheit geflogen hatte.

Heilige Scheiße! Es war eine Sache, darüber nachzudenken, aber es war etwas völlig anderes, es zu sehen! Es zu erleben! Der Wind brauste immer noch in ihren Ohren und das leichte Gefühl von Übelkeit war nur die Folge dessen, was ihr Partner getan hatte, um sie beide aus einer völlig aussichtslosen Situation zu retten.

„Lucifer“, stieß Chloe besorgt aus und versuchte sich zu bewegen, doch ihr Partner erdrückte sie förmlich mit seinem Gewicht. Er stöhnte erneut auf.

„Lucifer!“, wiederholte sie ängstlich seinen Namen.

„Det- Detective“, krächzte der Teufel. Endlich gelang es ihm, sich zu rühren. Mühsam hob er den Kopf. Sein schmerzerfüllter Blick traf ihren und sie stieß entsetzt die Luft zwischen den Zähnen aus. Schweißperlen liefern über sein viel zu blasses Gesicht, seine Pupillen waren geweitet und die Augen glasig. Er sah grässlich aus.

„Bist du?“, setzte sie an und schluckte schwer. „Die Schüsse. Bist du verletzt?“

Er schwieg und presste stattdessen die Lippen aufeinander.

Eine Welle aus Adrenalin schoss durch Chloes Körper. Natürlich war er angeschossen worden. Die Situation war viel zu ernst gewesen, um nicht mindestens von einer der tödlichen Kugeln erwischt worden zu sein.

Es gelang Chloe, ihre Arme unter seinem Körper hervorzuziehen. Vorsichtig drückte sie gegen seinen Brustkorb und half ihm, sich in eine aufrechte Position zu begeben. Ihr eigenes Sichtfeld begann sich zu drehen und sie schwankte gefährlich weit zur Seite, als sie den Anflug des Schwindels hinunterzuschlucken versuchte, der sie zu übermannen drohte. Der Flug mit Lucifer hatte sie definitiv an ihre körperlichen Grenzen getrieben. Sie zwang sich einen Moment die Augen zu schließen und tief Luft zu holen.

Lucifer atmete schwer, als er sich mit ihrer Unterstützung wackelig auf die Beine zog. Sofort kippte er zur Seite und stützte sich mühsam mit seinem Unterarm an der Wand ab. Er wäre beinahe wieder zusammengesunken, als er sein Gewicht verlagerte, um den Flügeln im Rücken mehr Platz zu bieten.

Seine Flügel!

Strahlend weiße Schwingen, die von innen heraus zu leuchten schienen und in vielen Bereichen kahle Stellen aufwiesen. Stellen, an denen eigentlich lange Schwungfedern sein Kleid zieren sollten. Es erinnerte sie irgendwie an einen Vogel in der Mauser. Zahlreiche zerknickte oder merkwürdig abstehende Federn trübten das sonst so perfekte Bild ihres Partners. Doch es war nicht das Fehlen seiner Federn, das sie aus ihrer Starre riss, sondern die dunkelroten Sprenkel in der Nähe seiner rechten Schulter.

„Lucifer!“, kreischte Chloe entsetzt und riss sich von dem majestätischen und gleichzeitig so verstörenden Anblick seiner malträtierten Flügel los.

„Mir geht es gut“, versuchte ihr Partner sie zu beruhigen, doch der Schmerz tanzte förmlich in seinen Augen. „Gib mir einfach ein paar Minuten.“

Chloe starrte ihn entgeistert an. „Du bist angeschossen worden. Dein Flügel…“ Sie zeigte auf die dunkelroten Sprenkel in seinem Federkleid.

„Das ist nicht das erste Mal, Detective. Gib mir einfach einen Moment“, presste er hervor und nahm den Arm von der Wand. Sofort begann er zu schwanken.

Chloes Instinkte setzten ein. Eilig trat sie neben ihn, sodass er sich auf ihrer Schulter abstützen konnte. „Dir geht es überhaupt nicht gut“, zischte sie. „Kannst du gehen?“

Jetzt erst viel der Detective auf, wohin Lucifer sie gebracht hatte. Der Anblick seiner Flügel und die Sorge um sein Leben hatten sie alles andere komplett ausblenden lasen. Lucifer hatte sie zurück zu seinem Penthouse geflogen. In wenigen Sekunden waren sie einmal quer durch die Stadt geflogen und auf seinem Balkon gelandet!

Ihr Partner stöhnte erneut auf, doch es gelang ihm, sich mit ihrer Hilfe in Bewegung zu setzen. Vorsichtig führte Chloe ihn zu der Glastür seines Balkons. Sie hatte einige Mühe, den Haufen von Federn zusammen mit Lucifer durch die Tür zu schieben. Irgendwie gelang es ihr und so schleppten sie sich zu der ockerfarbenen Couch in seinem Wohnbereich. Er wog unheimlich viel und Chloe keuchte bereits schwer, als sie ihm vorsichtig half, sich auf das Sofa zu setzen. Lucifer sackte augenblicklich in sich zusammen. Seine Lider waren halb geschlossen und er war leichenblass. Sie musste unbedingt die Wunde finden und schließen.

Panisch ging sie vor ihm in die Hocke. „Lucifer? Wo bist du angeschossen worden? Ist es dein Flügel?“ Ihr Blick glitt zu den blutroten Sprenkeln in seinem Federkleid, doch die Menge war zu gering, um der Ursprung der Quelle sein zu können.

„Schulter“, presste ihr Partner schmerztrunken hervor.

Chloe lehnte sich vor und strich mit den Fingern über seine Brust. Vorsichtig glitten ihre Hände unter das dunkelgrüne Sakko. Sie spürte sofort die Feuchtigkeit darunter. Eilig strich sie den Stoff beiseite und entdeckte einen großflächigen Blutfleck auf Höhe seines Schlüsselbeins. Zumindest schien es, als wäre die Kugel nicht durch seinen Lungenflügel gedrungen.

„Hast du irgendwo ein Erste Hilfe Set? Ich muss die Kugel suchen und den Blutfluss stoppen.“ Sie blickte auf.

„Detective, das ist nicht meine erste Schussverletzung. Ich brauche nur Zeit. Außerdem ist die Kugel durch mich durchgegangen.“

„Warum bist du dir da so sicher?“, konterte Chloe aufgebracht.

Er seufzte tief. „Weil sie sich in meinen Federn verfangen hat. Glaub mir. Das Gefühl kenne ich in letzter Zeit viel zu gut.“

Sie wollte ihn anschreien. Sie wollte wissen, was er damit meinte, doch es war aktuell nicht wichtig. „Wo ist dein Erste Hilfe Set?“, wiederholte sie stattdessen ihre Frage.

„Badezimmer. Im Schrank neben dem Spiegel“, antwortete er schließlich resignierend.

Eilig erhob Chloe sich aus der Hocke und musste einen Augenblick gegen eine weitere Schwindelattacke ankämpfen. Sie strauchelte in Lucifers Badezimmer und nahm sich nicht die Zeit, es ausführlich zu inspizieren. Stattdessen visierte sie den genannten Schrank an und riss nacheinander die Türen und Schubladen auf, bis sie fand, wonach sie suchte.

Sofort stürmte sie zurück ins Wohnzimmer. Lucifers Kopf war nach vorne gefallen und eine Millisekunde fürchtete Chloe, dass er durch den Blutverlust ohnmächtig geworden war. Doch als sie um das Sofa herumtrat, wurde sie vom Gegenteil überzeugt.

Achtlos ließ sie das Erste Hilfe Set auf das Sofa fallen und breitete es aus. Lucifer war es gelungen, sich sein Sakko von der verletzten Schulter zu streifen. Die Menge an Blut, die darunter zum Vorschein kam, trieb ihr eine neue Welle der Angst durch den Körper. Unschlüssig starrte sie auf seine Schulter.

„Du musst die Kugel suchen und den Blutfluss stoppen“, erinnerte Lucifer sie und deutete mit einem Kopfnicken auf sein Schlüsselbein.

„Ich weiß“, entfuhr es Chloe gereizt. Zögerlich griff sie nach einer Kompresse, riss sie aus der Verpackung und setzte sich rittlings auf Lucifers Schoß. In jeder anderen Situation hätte sie vermutlich anders agiert, doch nicht in diesem Augenblick. Sie hatte größere Sorgen, als sich zu wundern, ob die Position anzüglich wirkte.

„Detective“, schnurrte Lucifer überrascht. Aus dem Affekt heraus legte sich seine Hand um ihre Hüfte, um sie zu stabilisieren. Sie zuckte zusammen und versuchte die intime Geste zu ignorieren.

„Bild dir bloß nichts darauf ein“, ermahnte sie ihn vorsichtshalber.

Er stieß einen erheiterten Laut aus, der sofort in ein leidvolles Stöhnen überging und die Detective wieder an das Wesentliche erinnerte.

Ihr Blick war auf das blutüberströmte Hemd fokussiert. Zaghaft fingerte sie an seinen oberen Knöpfen herum und öffnete einige davon, um die Wunde freizulegen. Es gelang ihr, den Stoff soweit zur Seite zu schieben, dass sie das Einschussloch erkennen und die Kompresse draufdrücken konnte. Lucifer zuckte peinvoll zusammen.

„Entschuldigung“, murmelte Chloe, ehe sie seinen Oberkörper vorbeugte und über seine Schulter blickte. Sie ignorierte die Tatsache, dass er ihr inzwischen so nah war, dass er seinen Kopf problemlos in ihre Halsbeuge drücken konnte.

Lucifer hatte recht. Die Kugel war durch seinen Körper hindurchgegangen. Sie konnte das Austrittsloch auf seinem Rücken entdecken, was wiederum bedeutete, dass die Kugel irgendwo in den Federn dahinter feststecken musste.

Schwer schluckend warf sie ihrem Partner einen langen Blick zu. „Ich muss die Kugel suchen“, erklärte sie. „Darf ich…?“ Es gelang ihr nicht, die Frage fertig zu formulieren, doch Lucifer wusste, worauf sie hinauswollte und nickte.

Sie befahl ihm, seine Hand auf die Kompresse zu drücken, sodass sie selbst beide Hände frei hatte. Zögerlich griff sie um seinen Kopf herum nach den Federn. Sie waren unglaublich weich, beinahe wie zarte Seide. Unendlich langsam strich sie mit ihren Fingerspitzen darüber.

Lucifer gab einen erstickten Laut von sich.

Sofort stoppte sie mit der Bewegung und blickte ihn verunsichert an.

Sein Gesicht verzog sich zu einer angespannten Grimasse. „Schon okay, Detective. Sie sind nur sehr… empfindlich. Ich spüre jede noch so kleine Berührung.“

Entsetzt starrte Chloe ihn an. Das war doch alles zum Verrückt werden. Sie saß auf dem Schoß des Teufels und durchwühlte sein Federkleid nach einer Kugel, die sich darin verfangen hatte. Einen kurzen Moment hatte sie das Gefühl, einen Nervenzusammenbruch zu bekommen, doch Lucifers unregelmäßige und schwere Atemzüge erinnerten sie daran, warum sie das alles tat. Sie konnte sich später immer noch mit ihrem Verstand auseinandersetzen.

Mit neuer Entschlossenheit griff Chloe nach seinem Flügel. Sanft schob sie die Federn in der Nähe seiner verletzten Schulter auseinander und suchte nach der Kugel. Ihr Partner zuckte von Zeit zu Zeit zusammen, doch er ließ sie wortlos gewähren.

„Deine Flügel“, bemerkte Chloe schließlich, um sich abzulenken. „Sehen sie immer so aus?“

Lucifer stieß ein sarkastisches Lachen aus. „Du meinst so gerupft wie jetzt?“

Sie brachte es nicht fertig, ihn anzusehen und konzentrierte sich stattdessen darauf, die Kugel im dichten Federmeer zu finden. Das flauschige Gefühl seiner weichen Federn in ihrer Hand war kaum mit menschlichen Worten zu beschreiben.

„Meine Flügel sind noch nicht wieder vollständig geheilt“, erklärte Lucifer mit zusammengebissenen Zähnen. „Es ist der Teil von mir, der am längsten dafür braucht.“

„Das heißt, unser Zusammentreffen eben ist nicht für das jetzige Aussehen verantwortlich?“, vergewisserte sie sich zögerlich.

Lucifer grunzte. „Natürlich nicht, Detective. Es waren Pierces Männer, als sie auf uns geschossen haben und ich die Flügel als Schutzschild genutzt habe, um dich zu retten.“

Chloe erstarrte. „Du hast was?“, hakte sie entsetzt nach.

„Es war der einzige Weg, dich vor dem Kugelhagel zu beschützen. Ich habe einen Großteil der Schüsse mit den Flügeln abgefangen und dich bei der erstbesten Feuerpause aufs Dach geflogen.“

Chloe spürte, wie sie von einer mächtigen Gefühlswelle überrollt wurde. Er hatte sich diesen Qualen ausgesetzt und seine Flügel zerstört, um sie zu retten. Der Gedanke war erdrückend und gleichzeitig so unglaublich überwältigend.

„Lucifer“, stotterte sie perplex. Ihr Blick glitt über die Länge seines linken Flügels, der einen Großteil des Sofas einnahm. Er hatte seine Flügel geopfert, um sie zu retten. Der Teufel hatte sich in die Schussbahn begeben, um sie zu retten. Was sagte das über ihn aus? Wie sollte sie diese Geschehnisse einordnen?

Chloes Verstand begann sich zu drehen und sie musste mehrmals bewusst Luft in ihre Lungen ziehen, um die drohende Panikattacke abzuwenden.

„Sie werden schon wieder heilen, Detective. In der Vergangenheit haben sie das zumindest immer, auch wenn ich zugeben muss, dass sie dieses Mal sehr lange dafür brauchen.“

Chloe biss sich hart auf die Unterlippe und konzentrierte sich wieder darauf, die Kugel zu finden. Sie war nicht mehr in der Lage dazu, die Bedeutung dessen zu erfassen, was Lucifer ihr mitzuteilen versuchte.

Es dauerte einen kurzen Moment, doch sie entdeckte das metallische Objekt schließlich unter einer weiteren Schicht der kleinen flauschigen Kurzfedern. Es sah nicht so aus, als wäre sie im Fleisch steckengeblieben, sodass Chloe die Kugel mit einem kurzen Ruck herauspflückte.

Lucifer stieß einen zischenden Laut aus.

„Tut mir leid“, sagte sie eilig und lehnte sich zurück. Die Kugel landete achtlos auf dem Boden.

Lucifer hatte die Lippen zusammengepresst und funkelte sie aus seinen dunkelbraunen Augen heraus an.

„Ich bin zwar kein Arzt, aber die beiden Schusswunden müssen vermutlich genäht werden, um den Blutfluss zu stoppen“, erklärte sie ihm zögerlich.

Ihr Partner grummelte, ließ sie jedoch gewähren. Unschlüssig griff Chloe nach der Nadel mit Faden aus dem Erste Hilfe Set. Sie hatte in ihrer polizeilichen Ausbildung zwar grundlegende medizinische Kenntnisse erworben, doch lagen diese schon eine ganze Weile zurück. Ein Arzt würde die Wunde sicher schöner zusammenflicken können als sie, doch leider stand eben dieser aktuell nicht zur Verfügung.

„Tu, was du tun musst, Detective“, gestattete Lucifer ihr.

Sie begann mit dem Austrittsloch in seinem Rücken. Der Winkel war ungünstig und sie musste die Arme merkwürdig verrenken, um über seine Schulter hinweg daran zu kommen. Lucifer gab keinen Laut von sich, als sie sowohl die Wunde auf der Rückseite als auch die auf der Vorderseite mit zwei kleinen Stichen zusammennähte.

Erst als sie sich zwei Mal davon überzeugt hatte, dass der Blutfluss gestoppt war, lehnte sie sich zurück und atmete tief durch. Sie konnte an Lucifers bereits zurückkehrender Gesichtsfarbe erkennen, dass sie Erfolg hatte.

Erleichtert schloss sie für einen kurzen Moment die Augen und gestattete ihrem Körper, sich zu entspannen.

„Detective?“, fragte Lucifer zögerlich.

Sie spürte, wie er sich unter ihr bewegte. Seine Hände hatten einen Weg zurück zu ihren Hüften gefunden und er strich sanft mit seinen Daumen über den Stoff ihrer Kleidung.

Das war der Moment, in dem ihr bewusst wurde, in was für einer intimen Position sie sich immer noch befanden. Sofort flogen ihre Augen auf und sie sprang quasi aus seinem Schoß auf. Wenn Lucifer überrascht über ihre panische Reaktion war, ließ er es sich nicht anmerken, im Gegensatz zu ihr. Chloes Mund öffnete sich fassungslos, als sie sah, dass seine Flügel von einer Sekunde zur nächsten verschwunden waren. Einzig der sanfte Windhauch ließ erahnen, was er soeben getan hatte.

„Ich könnte jetzt einen Drink gebrauchen. Möchtest du auch einen?“, fragte Lucifer unbeeindruckt und erhob sich langsam vom Sofa. Er schwankte kurz, doch es schien, als würden seine Kräfte zurückkehren, denn er fing sich ab und trat auf seine Bar zu.

Völlig überwältigt sank Chloe auf das Sofa und starrte in ihren Schoß. Der ganze Abend war das reinste Chaos und eine wilde Achterbahnfahrt der göttlichen Offenbarungen. Chloes Kopf war voller überwältigender Bilder, die sie nicht so recht einzuordnen wusste und die sie zu erdrücken drohten.

Lucifers Räuspern riss sie aus ihrer Schockstarre. Unaufgefordert reichte er ihr ein halbgefülltes Glas mit Whisky und setzte sich mit einem eigenen neben sie. „Hast du eine Idee, was da vorhin passiert sein könnte?“, fragte er nachdenklich und schwenkte den Whisky im Kreis.

Chloe nippte an der bernsteinfarbenen Flüssigkeit und zog prompt die Nase kraus, als sich der Whisky ihre Kehle hinunterbrannte. „Ich bin mir nicht sicher. Es scheint beinahe so, als hätten sie auf uns gewartet.“

„Also eine Falle“, schlussfolgerte Lucifer und lehnte sich vorsichtig zurück in die Kissen des Sofas.

Chloe warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. „Es sieht danach aus. Wir sind so dumm gewesen, Lucifer. Es hätte uns auffallen müssen, als wir die Nachricht zurückverfolgt haben und die Telefonnummer des Täters nicht unterdrückt gewesen ist. Die Leute wollten uns dorthin locken und wir sind ihnen einfach in die Falle getappt.“ Sie fluchte leise. „Ich frage mich, was diese Menschen von uns wollten.“

Lucifer starrte sie ungläubig an. „Sie haben direkt auf uns geschossen, Detective. Ich denke, ihre Absichten sind ziemlich offensichtlich.“

„Ja, aber warum lotst uns einfach jemand zu diesem verlassenen Industriegelände, um uns umzubringen? Es sei denn…“ Die Erkenntnis traf sie wie ein Blitzschlag. Alarmiert fuhr sie vom Sofa auf. „Es sei denn, jemand weiß, wer du wirklich bist.“

Ihr Whiskyglas landete auf dem Glastisch, ehe sie in ihre Jackentasche griff und ihr Smartphone herausholte. Zum Glück hatte es den Flug und die Bruchlandung unbeschadet überstanden.

„Was hast du vor?“, fragte ihr Partner und erhob sich ebenfalls von der Couch.

Chloe war bereits dabei, eine eilige Nachricht an Dan zu formulieren. „Dem LAPD Bescheid geben, dass sie mit einem Team anrücken und das komplette Gelände absuchen sollen. Dan soll außerdem versuchen, die GPS Daten neu zu ermitteln. Es ist gut möglich, dass unser Täter unter den Angreifern war und inzwischen geflohen ist.“

Sie schickte die Nachricht ab und steckte das Telefon zurück in ihre Jackentasche, als Lucifer seinen Whisky in einem schnellen Zug hinunterkippte und das Glas auf den Tisch stellte. „Lass mich nur ein frisches Hemd überziehen und dann fahren wir zurück.“

Chloe fuhr zu ihm herum. Sie konnte sehen, wie ihr Partner bei dem Versuch, sein altes Hemd von seinem Körper zu streifen, schmerzerfüllt zusammenzuckte. Ihre Entschlossenheit verpuffte von einer Sekunde zur nächsten. Zögerlich trat sie einen Schritt auf den Teufel zu. „Dan wird sich darum kümmern. Du bist aktuell nicht in der Verfassung, Kriminelle zu jagen.“

„Ich habe schon weitaus schlimmeres ertragen“, widersprach er prompt, doch Chloe schüttelte den Kopf. So gerne sie auch zurück zum Tatort wollte, um herauszufinden, was los war, Lucifer war aktuell nicht in der Verfassung dazu und das LAPD würde sich der Sache annehmen. Das Team würde auch ohne sie das Gelände absuchen können.

Gedankenverloren blieb ihr Blick an Lucifers nackter Brust hängen, die überall mit angekrustetem Blut übersät war. Das ruinierte Hemd war zu Boden gefallen und entblößte seinen durchtrainierten Oberkörper.

„Hast du irgendwo eine Schale mit Wasser und einen Waschlappen für mich?“ Sie hasste, wie brüchig ihre Stimme plötzlich bei seinem Anblick klang.

Lucifer neigte den Kopf. „Im Badezimmer, wieso?“

Chloe antwortete nicht und eilte stattdessen zurück ins Bad. Sie brauchte ein paar Sekunden, ehe sie alle Gegenstände gefunden und die Schüssel mit lauwarmem Wasser gefüllt hatte. Sie drehte gerade den Wasserhahn zu und fuhr zur Tür herum, als sie Lucifer im Rahmen entdeckte.

„Detective, was hast du vor?“, fragte er verwirrt nach.

Chloe schluckte den dicken Brei aus Emotionen hinunter, der ihr die Kehle zuschnürte. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um über ihre widersprüchlichen Gefühle nachzudenken.  

„Setz dich!“, befahl sie ihm und deutete auf den Rand der schwarz gefliesten Badewanne.

Lucifer tat, was sie befohlen hatte. Neugierig beobachtete er ihre Bewegungen, als sie zu ihm trat und vor ihm in die Hocke ging. Sie tauchte den Waschlappen in das wohltemperierte Wasser und begann das angetrocknete Blut von seiner sonst so makellosen Haut zu waschen. Er zuckte zusammen, als sie mit dem Waschlappen in der Nähe der Schusswunde entlangstrich.

„Detective“, sprach er ihren Titel mit einer merkwürdig belegten Stimme aus.

Chloe blickte von seiner Brust auf. Seine dunkelbraunen Augen bohrten sich in ihre.

„Warum tust du das alles?“, wollte er verwirrt wissen.

Seufzend lehnte sie sich ein Stück zurück, um den Waschlappen in der Schale auszuwaschen. „Weil ich das Gefühl habe, dass alles ist meine Schuld. Ich meine, du bist der Teufel. Ohne mich hättest du dich bestimmt schneller aus der Schusslinie begeben können.“ Vermutlich hätte er all diese Menschen genau wie den Zaun zerreißen können oder er wäre einfach in die Luft gesprungen und direkt davongeflogen. Sie hatte ihn zurückgehalten. Weil er nach ihr greifen musste, hatte er wertvolle Millisekunden verloren genau wie in dem alten Kunstmuseum, als Pierces Männer auf sie geschossen hatten. Ihr Partner hatte bereits das zweite Mal mit seinem Körper die Kugeln abgefangen.

Lucifer verspannte sich merklich. „Es ist nicht deine Schuld, dass auf uns geschossen wurde. Diese Menschen haben sich dazu entschlossen, nicht du“, erklärte er ihr mit Nachdruck.

Chloe warf ihm ein schwaches Lächeln zu, ehe sie den Waschlappen auf seine nackte Haut legte und in sanften Kreisen die angetrockneten Blutreste entfernte. Ihr Blick hing an seiner Brust. Seine wohldefinierten Muskeln zuckten leicht unter ihrer Berührung und der sanfte Schimmer der Badezimmerbeleuchtung betonte seine Körperformen auf eine sinnliche Art und Weise. Sie schluckte schwer. Der Teufel war wahrlich die reinste sündhafte Versuchung.

„Weißt du“, setzte Chloe an, um sich abzulenken. „Eine Sache versteh ich nicht richtig.“ Sie wusch den Lappen ein weiteres Mal in dem inzwischen rötlich verfärbten Wasser aus, ehe sie sich seinen Oberarm vornahm und vorsichtig über seinen Bizeps strich. „Du bist der Teufel! Du kannst das tiefste Verlangen in Menschen zum Vorschein bringen, du bist unmenschlich stark, besitzt diese roten Augen und kannst fliegen. Wie kommt es, dass du verletzlich bist? Ich dachte immer…“ Sie brach ab und blickte zu ihm auf. „Ich dachte immer, göttliche Wesen wären unsterblich. Alle Legenden und Mythen über dich sprechen von einem unsterblichen Wesen, und dass du seit so vielen Äonen existiert, beweist es ja eigentlich auch. Wie kann es sein, dass du durch eine menschliche Waffe getötet werden kannst?“

Lucifers Gesichtsausdruck wurde wachsam. „Ich bin in der Tat unsterblich“, gestand er ihr. „Zumindest die meiste Zeit.“

„Die meiste Zeit?“, wiederholte sie irritiert seine Worte.

Lucifers Blick wurde weicher und ein sanfter Schimmer bildete sich in seinen Augen. „Du machst mich verletzlich, Detective. Wann immer du in meiner Nähe bist, kann ich sterben.“

Sie machte ihn verletzlich? Sie war sein Kryptonit? Das war doch völlig unmöglich. Wie sollte sie – ein einfacher Mensch – den wahrhaftigen Teufel sterblich machen?

Ihre Augen weiteten sich ungläubig und der Waschlappen entglitt ihrer Hand. „Wie?“, hauchte sie überfordert.

Lucifer beugte sich vor. „Ich verstehe es selbst nicht genau. Ich weiß nur, dass ich bluten kann, wenn du mir nahe bist.“

Deshalb hatte er gewollt, dass sie damals auf ihn schießen sollte. Er hatte angenommen, dass er unverletzlich wäre. Die Erinnerung daran schoss zurück an die Oberfläche.



„Du brauchst Beweise? Schieß auf mich!“, forderte Lucifer sie in seiner schwarzen Lederjacke auf und deutete mit der Hand auf die Pistole in ihren Händen.

„Ich kann nicht auf dich schießen“, weigerte Chloe sich völlig irritiert.

„Sicher. Drück einfach ab!“, ermunterte Lucifer sie.

„Nein.“ Chloe schüttelte völlig überfordert den Kopf, doch Lucifer verlor die Geduld. „Schieß einfach, Detective! Vielleicht begreifst du dann endlich…“

Sie drückte ab und traf ihren Partner im rechten Bein. Der Knall der abgefeuerten Waffe hallte durch das gesamte Lagerhaus.

„Gut gemacht“, presste Lucifer hervor und machte eine bestätigende Geste mit seiner Hand. „Siehst du? Tut fast gar nicht weh.“

Ungläubig starrte sie auf sein Bein, das eigentlich von der Kugel durchlöchert sein sollte. „Das kann nicht…“

„Ahhh, ein bisschen weh tut es doch“, stieß Lucifer zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Es tut sehr weh. Verdammt, es tut richtig weh.“ Er beugte sich vor, um das Bein zu inspizieren. „Ich blute“, stellte er völlig überrascht fest.

„Du blutest“, wiederholte Chloe seine Worte und steckte die Waffe weg.

„Ich blute“, sagte Lucifer perplex und besah sich seine rotverfärbte Hand.

„Natürlich blutest du“, stieß Chloe verärgert aus und trat auf ihn zu. „Gott, was hab ich getan?“

Lucifer sah völlig verwirrt zu ihr auf, so als könnte er nicht begreifen, was geschehen war „Ich blute sonst nicht, es…“ Er sackte in die Knie.



Die Offenbarung raubte Chloe den Atem. Überfordert sah sie von ihren Händen auf und streifte Lucifers Blick. Er sah sie mit so viel Wärme und Verständnis an, dass es sie beinahe in die Knie zwang.

„Ich mache dich verletzlich“, krächzte sie unfassbar. „Und trotzdem hast du dich dazu entschieden, mit mir zusammenzuarbeiten.“

Die Erkenntnis war zu überwältigend. Was sagte das über ihn aus? Was sagte das über sie beide aus? Warum entschied er sich freiwillig dazu, in ihrer Nähe zu bleiben, obwohl es ihn töten konnte?

„Detective“, hauchte Lucifer leise. Eine Hand legte sich auf ihre Wange. Sanft - unendlich sanft - fuhr sein Daumen über ihre Haut, während er sie zwang, ihren Blick zu heben. Sie ertrank augenblicklich in diesen dunkelbraunen Augen, die sie bis auf den Grund seiner Seele zu ziehen schienen. Augen, die ihr so vertraut waren und die sie mit so viel Gefühl ansahen, dass es ihr den Atem raubte.

Wie durch eine unsichtbare, magnetische Kraft näherten sich ihre Gesichter einander an. Chloe spürte, wie sie die Kontrolle über ihre Bewegungen verlor und sich ihre Hand von ganz allein auf seinen Brustkorb legte, um nach Stabilität zu suchen. Sie erhob sich ein Stück aus der Hocke und lehnte sich zwischen seinen Beinen nach vorne. Ihr Blick fiel auf seine sündhaft weichen Lippen und sofort begann ihr Herz mit doppelter Geschwindigkeit zu schlagen. Sie musste daran denken, wie sie Lucifer das letzte Mal auf der Dachterrasse geküsst hatte. Die Erinnerung daran, wie zärtlich seine Lippen die ihren berührt hatten, ließ ihren gesamten Körper wohlig erschaudern. Es war ein sehr romantischer Augenblick gewesen, doch zeitgleich auch der Moment, in dem er ihr versucht hatte, zu erklären, wer er wirklich war.

Der wahrhaftige und echte Teufel.

Der Gedanke pflanzte sich wie ein Parasit in ihren Kopf und brach den Bann, unter den sie geraten war. Eilig zog Chloe sich zurück und wäre beinahe nach hinten gefallen, als sie panisch vom Fliesenboden aufsprang.

Sie wagte nicht, Lucifer in die Augen zu sehen. „Ich kann… nicht. Es tut mir leid“, stotterte sie völlig durch den Wind und floh überstürzt aus dem Badezimmer.

„Detective!“, brüllte Lucifer ihr hinterher. Sie hatte es zurück zur Couch geschafft, ehe er sie einholte und am Arm zu fassen bekam. Sie zuckte unter der unerwarteten Berührung zusammen.

„Wieso?“, verlangte er aufgebracht zu wissen und ließ sie los. Es war so ein kleines Wort und doch löste es den Damm an zurückgehaltenen Emotionen in ihrem Inneren. Sie schluchzte überfordert auf.

„Wieso, Detective?“, wiederholte er seine Frage mit einem Schmerz in der Stimme, der sie innerlich zerspringen ließ.

Chloe verlor die Nerven. „Weil ich Angst habe“, schrie sie ihm überfordert entgegen und hob den Blick.

Sein verletzter Gesichtsausdruck traf sie völlig unvorbereitet und ließ sie erneut aufschluchzen. Den Tränen nahe ruderte sie einen Schritt zurück und versuchte sich zu erklären. „Ich bin verwirrt, Lucifer! Ich meine, du bist der Teufel. Der wahrhaftige, echte Teufel! Egal was ich über dich gelesen habe, jede Quelle bezeichnet dich als die Verkörperung und den Inbegriff allen Bösen auf dieser Welt.“ Chloe brach ab und holte zittrig Luft. Sie spürte bereits, wie ihr die Tränen in die Augen traten und ihre Sicht verschwamm. „Ich meine, wie soll ich – ein unbedeutender Mensch – mit dieser Erkenntnis umgehen?“

Lucifer starrte sie einen Moment fassungslos an, so als könnte er nicht glauben, was sie da von sich gab. Gekränkt wandte er sich schließlich von ihr ab und trat einen Schritt auf die bodenlangen Fenster zu, um auf die Skyline von Los Angeles zu blicken.

„Du verstehst es einfach nicht“ entgegnete er mit einer Stimme, die so abweisend und kalt klang, dass es ihr förmlich das Herz zerriss.

Zögerlich trat Chloe einen Schritt näher. Die ersten Tränen liefen über ihre Wangen. „Doch, ich habe es in den letzten Tagen verstanden, Lucifer“, schluchzte sie. „Als wir gezwungen wurden, diesen Fall zusammen zu lösen, sind all die alten Gefühle über dich wieder an die Oberfläche gekommen. Ich habe mich daran erinnert, was ich in deiner Gegenwart fühle und ich habe mich daran erinnert, wer du wirklich bist. Du bist nicht diese Person, über die ich gelesen habe. Es ist nur alles so verdammt viel zu verarbeiten aktuell. Ich weiß einfach nicht genau, was ich fühlen soll oder was ich will.“

Lucifer stieß einen abfälligen Laut aus. „Was ist, wenn ich genau diese Person aus deinen Geschichten bin, Detective?“

Chloe wusste nicht, was er mit dieser Aussage andeuten wollte. „Das musst du nicht sein. Du kannst dich ändern.“

„Aber was ist, wenn ich das nicht kann?“, fragte er verbittert zurück. Im nächsten Moment drehte er sich mit diesem vernarbten Teufelsgesicht zu ihr herum. „Kannst du mich so akzeptieren?“

Chloe erblickte nur einen winzigen Teil von dem rotvernarbten Gesicht, ehe sie bestürzt zu Boden sah und seinem Anblick auszuweichen versuchte. Diese glühendroten Teufelsaugen jagten sie bis heute.

Ihre Stimme versagte ihr den Dienst. „Ich… du… du hast keine Ahnung… wie sehr ich es möchte“, stotterte sie irritiert. Die Tränen rannen ihr über die Wangen und sie nahm all ihren Mut zusammen, um ihn anzusehen – zu sehen, wer er wirklich war.

Sein Anblick war furchterregend. Er sah aus wie das Monster aus ihren Alpträumen. Die Panik und die Angst drangen an die Oberfläche und drohten sie einmal mehr zu übermannen. „Ich…“, schluchzte sie. „Ich versuche es.“

„Aber kannst du es?“, spie er ihr entgegen. Sein Gesicht verwandelte sich zurück und die Tränen in seinen dunkelbraunen Augen waren nur ein Indiz dafür, wie sehr ihn die Konversation innerlich aufwühlte. „Kannst du es akzeptieren, Detective?“

Chloes gesamter Körper begann zu zittern. „Ich weiß es nicht“, schrie sie ihm förmlich unter Tränen entgegen. „Ich weiß es nicht.“

„Ich glaube, es ist besser, wenn du jetzt gehst“, entgegnete er tonlos und wandte sich von ihr ab.

Chloe fühlte, wie der Schmerz sie zerriss. Sie wollte ihm eine bessere Antwort geben. Sie wollte ihm sagen, dass alles gut werden würde und sie nur etwas Zeit brauchte. Doch wenn sie ehrlich zu sich selbst und ehrlich zu Lucifer war, dann wusste sie es nicht. Der Abend heute hatte sie zutiefst aufgewühlt. Da war eine Seite in ihr, die ihn küssen wollte - die ihn vielleicht sogar lieben wollte - doch dort war auch diese andere Seite, die voller Panik vor ihm zurückschreckte.

Zitternd und schluchzend trat sie ein paar Schritte zurück, ehe sie gegen das Sofa prallte. Sie musste nach Hause. Sie brauchte etwas Zeit, um ihre Gefühle zu sortieren und das alles hier zu verarbeiten. Lucifers Teufelsanblick hatte sie einmal mehr erschüttert. Da waren diese zwei Seiten in ihm - ein Mann mit wunderschönen Engelsflügeln und ein Monster. Sie wusste, dass sie den Engel in ihm akzeptieren konnte, doch konnte sie auch seine Teufelsseite akzeptieren? Konnte sie damit Leben, dass ihr Partner sowohl Engel als auch Teufel war? Sie hatte keine verdammte Ahnung!

Ohne ein weiteres Wort drehte Chloe sich um und floh weinend zum Aufzug.
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