Geschrieben in Feuer

von Cyndaquil
KurzgeschichteAllgemein / P12
03.02.2019
09.11.2019
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Hintergrundinfos
Der letzte Text für 2019 ist wieder ein Wettbewerbstext aus 2012. Beim Thema bin ich mir dieses Mal nicht ganz sicher, ob ich es richtig im Kopf hab. Möglicherweise war das Thema eine Szene aus den Pokémonspielen aus der Sicht eines Pokémon zu schreiben. Jedenfalls würde das zu diesem Text passen, der das Zusammentreffen der drei Raubkatzen mit dem Spieler in der Turmruine aus der Sicht der Pokémon beleuchtet. Johto ist meine liebste Pokémonregion und das hat sicherlich viel mit Nostalgie zu tun, da mein erstes Spiel die Silberne Edition damals war. Deshalb fiel mir die Wahl damals leicht und ich hatte auch viel Freude daran mich in die drei Raubkatzen hineinzuversetzen.
Da die Wortgrenze auch hier 1,5k war, gehen ein paar Details aufgrund fehlender Beschreibungen verloren, aber ich hoffe trotzdem, dass man sich die Umgebung vorstellen kann.
Vielen Dank für's Lesen! Wie es 2020 hier mit Veröffentlichungen weitergeht, weiß ich noch nicht, weil mein Backlog langsam aufgebraucht ist und ich bisher noch nichts Neues fertig für die Veröffentlichung habe. Aber vielleicht ändert sich das ja noch. (:



Turmruine

Stimmengewirr ließ sie erwachen. Erholung hatte sie diese Nacht nicht finden können, nicht wie ihre Brüder, die harmlos wie junge Pokémon rechts und links von ihr lagen. Sie blickte auf, durch das große Loch in der Decke, in der Hoffnung die Verursacher des Lärms zu erkennen. Aber dafür fiel noch nicht genug Licht der gerade erst steigenden Sonne durch das zerstörte Dach des Turmes. Es war nicht ungewöhnlich, dass Menschen diesen Ort betraten. Sie war nicht in der Lage ein Wort zu verstehen, nur Wortfetzen und anschließend die unverkennbaren Rufe von Pokémon.
„Was ist da oben nur los”, hauchte sie und konnte den Blick nicht abwenden. Der Schrei eines Zubat hallte ohrenbetäubend in ihren Ohren wider; verärgert knurrend erhoben sich ihre Brüder.
„Grah! Woher kommt dieser Lärm”, wollte Entei wissen. Er schüttelte sich und blickte sich suchend um. „Ich dachte wir hätten eine Vereinbarung mit den Zubat.”
„Genau. Warum müssen sie sich gerade jetzt streiten. Ich hab so schön geträumt…”, stimmte Raikou mit ein und legte sichtlich enttäuscht seinen Kopf auf die Vorderpfoten.
„Das war keines der Wildlebenden. Dort oben findet ein Kampf statt”, erklärte Suicune ruhig, wandte den Blick jedoch nicht von der Decke ab.
„Ein Kampf? Hier?”, fragte der Tiger verwirrt und schaute ebenfalls hinauf.
„Was für Dummköpfe. Bestimmt wieder ein paar dieser Kinder. Die sollten lieber in die Schule gehen, anstatt uns den Schlaf zu rauben”, schnaubte der Löwe ungehalten und legte sich wieder hin.
Ein flammender Strahl tauchte plötzlich auf und tauchte das alte, verbrannte Holz der Decke in ein rötliches Licht. Erneut kreischte das Zubat auf, dieses Mal klang es schmerzerfüllt und im nächsten Moment fiel etwas dumpf zu Boden. Raikou knurrte aggressiv, blitzten doch vor seinem inneren Auge dieselben schmerzhaften Erinnerungen auf, die auch gerade in Suicunes Kopf lebhaft auftauchten.
„Warum müssen sie hier mit Feuer spielen!”
„Ich weiß es nicht.”
„Wenn sie so weitermachen, wird auch noch der Rest des Turmes abfackeln!”
„Beruhig dich, Raikou.”
Ruckartig drehte sich der Angesprochene nach links und blickte über den blauen Rücken seiner Schwester zu seinem Bruder.
„Damals waren wir noch nicht das, was wir heute sind. Selbst wenn der Turm erneut brennen sollte, dieses Mal können wir fliehen. Außerdem bin ich mir sicher, dass Ho-Oh uns auch erneut retten wird”, versuchte Entei seinen Geschwistern die Angst zu nehmen. Suicune ließ sich diese weniger anmerken, als Raikou, aber auch sie wollte den Turm nicht erneut in der Gewalt des Feuers stehen sehen.
Eine kleine Flamme tauchte jetzt am Rand des Loches auf, für einen Moment hatte die Gepardin das Gefühl, ihr Herz würde stehen bleiben, aber dann erkannte sie, dass es ein Igelavar war. Es kauerte sich nieder, schien bereit den Gegner anzugreifen und wartete auf den Befehl des Trainers, der kam, auch wenn Suicune ihn nicht verstehen konnte. Danach verschwand die kleine Flamme wieder aus dem Blickfeld der drei Pokémon.
„Scheint fast so, als ginge es dort heiß her”, bemerkte Entei trocken, der sich inzwischen seinen Geschwistern angeschlossen hatte und nach oben blickte. Die beiden anderen nickten, fasziniert und sichtlich gespannt.
Immer wieder schallten Befehle durch den Turm und mehr als den Gefühlszustand konnten die drei Raubkatzen kaum ablesen. Die Worte waren meist verzerrt oder gingen gerade in einer Attacke oder den Rufen der kämpfenden Pokémon unter. Was alle drei aber deutlich spüren konnten, war die Verbissenheit mit der gekämpft wurde. Keine der beiden Parteien war gewillt aufzugeben. Allerdings merkten sie auch deutlich, dass einer der beiden aggressiver vorging, als der andere Trainer es tat. Ersterer hatte nicht einmal ein paar freundliche Worte für seine Pokémon übrig. Kurz schwebte ein Magnetilo mit gefährlich unter Strom stehenden Magneten über das Loch, doch dann war es wieder verschwunden, kurz darauf schrie ein Tauboga schmerzerfüllt auf. Das Flügelschlagen war deutlich zu hören, ein paar Federn segelten in das untere Stockwerk und blieben auf dem staubigen Boden einige Meter von den drei Pokémon entfernt liegen.
Irgendwann herrschte Stille, kein Kampfgebrüll war mehr zu hören, keine Befehle hallten durch die stickige Luft, die sich langsam erwärmte, als die Sonne höher stieg. Noch kurz vernahmen die Raubkatzen Worte, dann fiel etwas dumpf zu Boden.
„Was meint ihr, wird jetzt geschehen?”, flüsterte Raikou und schien sichtlich unsicher zu sein.
„Ich weiß es nicht, das kommt ganz darauf an, wer gewonnen hat”, erwiderte Suicune und ihr Blick wanderte zu der Leiter, die die beiden Stockwerke miteinander verband.
„Egal, wer von ihnen gewonnen hat, keiner wird es wagen uns anzugreifen. Weil wir sobald sich einer der beiden nähert fortlaufen werden.”
Verblüfft starrten seine beiden Geschwister Entei an, der diesen Plan wohl schon länger ins Auge gefasst hatte. Er erkannte ihre Blicke und meinte: „Dachtet ihr etwa, dass wir für den Rest unseres Lebens hier unser Dasein fristen? Das würde Ho-Oh nicht wollen.”
„Aber woher willst du wissen, dass Ho-Oh will, dass wir hier fortgehen?”, wollte der Tiger skeptisch wissen. Der plötzliche Wandel seines Bruders verwirrte ihn, immerhin war er lange der Ansicht gewesen, dass sie hier auf Ho-Oh warten sollten, bis dieser wieder in Teak City leben würde.
„Woher der Sinneswandel?”, legte Suicune nach und beide musterten Entei eindringlich.
„Mir ist klar geworden, dass wir nicht auf Ho-Oh warten können. Wir müssen ihn schon eigenmächtig suchen. Und wenn ich die Wahl habe, durch ganz Johto auf der Suche nach unserem Meister zu laufen oder von einem jungen Trainer hier gefangen zu werden, dann nehme ich ersteres.”
Beide nickten zustimmend, denn ihnen gefiel die Aussicht gefangen zu werden, ebenso wenig wie dem Löwen.
Ein Geräusch ließ die drei Pokémon zusammenzucken und sie richteten ihre Augen auf die Leiter zu ihrer linken. Unverkennbar war gerade jemand dabei vom oberen Stockwerk in das untere zu klettern, das Geräusch von knackendem Holz unter dem Gewicht kannten alle zu gut.
Entei erhob sich, Raikou dagegen kauerte sich etwas nieder, bereit zum Sprung. Suicune betrachtete neugierig und gespannt die hölzerne Leiter, hinter deren Sprossen sich langsam eine Silhouette abhob.
„Igel? Igelavar!”, schallte es laut durch das Untergeschoss. Das kleine Feuer-Pokémon tappte durch die dicke Schicht aus Staub und musste niesen.
„Sei vorsichtig Typh”, meinte das Mädchen besorgt, welches nun auf dem schmutzigen Steinboden stand und sich fasziniert umschaute. Ihr Blick blieb an den drei Pokémon hängen, die ihrerseits den Menschen musterten. Für die Raubkatzen wirkte sie klein, zierlich und recht zerbrechlich in diesem Umfeld aus Gestein, verbranntem Holz und mehrere Meter dicken Stützpfeilern des Turmes.
„Wahnsinn”, hauchte sie und Suicune war sich sicher, dass sie gedacht hatte, dass dieser Ausspruch ihren Brüdern und ihr verborgen bleiben würde. Dabei konnten sie sogar den Atem des Mädchens hören.
„Typh”, flüsterte sie und das Igelavar drehte sich zu ihr um. Es war bereits einige Schritte weiter auf die Raubkatzen zugegangen, ohne jegliche Furcht zu zeigen.
„Igel?”, erwiderte es verwundert.
„Komm her. Na, komm schon”, lockte sie ihren Freund zu sich, der geschwind zu ihr sprintete und sich von ihr auf den Arm nehmen ließ.
Eines wurde Suicune in diesem Moment klar, dies war nicht der Trainer, mit dem aggressiven Kampfstil, deren Zeugen sie vorher waren. Zwar konnten sie nicht alles genau sehen, aber die Aussprüche -- obwohl sie unverständlich waren -- hatten ihnen gereicht um sich ein Bild zu machen.
Mit vorsichtigen Schritten näherte sich das Mädchen den drei Pokémon, die sie noch nie zuvor gesehen hatte, das erkannten alle drei deutlich in ihren braunen Augen.
Entei spannte die Muskeln zum Sprung an, auch Raikou verlagerte sein Gewicht, bereit jederzeit loszulaufen.
Die Trainerin stand nur noch wenige Meter von der Vertiefung entfernt, in der die drei Pokémon standen und jede ihrer Bewegungen verfolgten. Mit jedem weiteren Schritt konnte Suicune spüren, wie der entscheidende Moment näher rückte, ihr Herz begann vor Aufregung schneller zu schlagen.
Gerade hatte das Mädchen einen weiteres Mal ihren Fuß auf den Boden aufgesetzt, als Raikou das Maul öffnete und brüllte, mit so einer Intensität, dass der junge Mensch einen Schritt zurück machte. Entei stimmte sofort mit ein und Suicune folgte dem Vorbild ihrer Brüder. Dem Mädchen war anzusehen, dass es nicht wusste, wie ihm geschah und fast tat es der Gepardin leid, es so erschrecken zu müssen.
Kraftvoll sprang Raikou aus der Vertiefung, sprintete an dem erstarrten Mädchen vorbei sprang im nächsten Moment hoch in das obere Stockwerk, wo er brüllend durch die Öffnung verschwand. Entei tat es ihm gleich und seine Pfoten wirbelten Staub und Asche auf. Zuletzt überwand Suicune die Höhe und landete auf der Ebene, auf der die junge Trainerin stand. Einen Moment lang blieb sie stehen und blickte ihr Gegenüber an, welches sich förmlich an dem jungen Feuer-Pokémon in ihren Armen festklammerte. Die Gepardin wollte dieses Mädchen nicht vergessen und sich sein Aussehen merken, denn sie hatte das Gefühl, dass sie erneut aufeinander treffen würden. Schließlich wandte sie sich mit einem kühnen Ruf ab und folgte ihren Brüdern.
Sie verließ die Turmruine in der Gewissheit, nie mehr dorthin zurückzukehren.