Meine Yuuzhan Vong-Shots

von Sudooku
GeschichteAbenteuer, Humor / P16
Jacen Solo Jaina Solo Kyp Durron Lando Calrissian Luke Skywalker Mara Jade
03.02.2019
30.06.2020
29
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30.06.2020 5.503
 
Kennt ihr Komm Karsh? Dieser Yuuzhan Vong taucht in „Wege des Schicksals“ von Walter Jon Williams, dem 14. Band der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter“ (2006) auf. Man muss dieses Buch nicht gelesen haben, um diesen Oneshot zu verstehen.

Im Leben dieses essentiellen Charakters seines Beitrages zur Serie nun hat Walter Jon Williams frappante Lücken gelassen, die ich hiermit füllen möchte.

Im Jahre 28 nach der Schlacht von Yavin irgendwo in der weit, weit entfernten Galaxis

Nas Choka, seines Zeichens Oberster Kommandant der Yuuzhan Vong-Flotte und somit Stellvertreter von Kriegsmeister Tsavong Lah persönlich, nimmt den Villip in die Hand, der sich gerade umstülpt.

Endlich hat die Oberseite des Villips das rosafarbene Gesicht der Hutt angenommen. „Oberster Kommandant.“

Nas Choka neigt sein Haupt. „Ich entbiete Ihnen meinen Gruß, Borga Besadii Diori, wunderschönste aller Sumpfblüten von Nal Hutta und bete darum, dass der Odem Ihrer Weisheit noch lange den Huttraum erhellen möge.“

„Ihre Stärke und meine Weisheit werden noch lange ein unschlagbares Duo sein“, tönt die Hutt mit tiefer Stimme zurück. „Und die Tiefe unseres Einverständnisses wird noch tiefer werden.“

„Was gibt es?“, fragt der Oberste Kommandant zunehmend ungeduldig.

„Ich liege in den Wehen, also steht die Geburt meines zweiten Kindes kurz bevor und ich möchte, dass Sie dabei sind. Es wird eine ausschweifende Party geben, so dass sämtliche Sümpfe des Planeten über die Ufer treten werden.“

Nas Choka schmunzelt und der Bartflaum über seiner Oberlippe glänzt im Wechsel des Lichts. „Nal Huttas Sümpfe über die Ufer treten lassen könnte ich mit meinen Mitteln auch, aber ich lasse mich gerne überraschen.“

Borga leckt sich mit ihrer fleischigen Zunge über die Unterlippe. „Oh, das wird Ihnen gefallen, Exzellenz, dafür werde ich sorgen. Und ich möchte, dass sie der Pate von Klein-Boffa werden.“

„Ich eile, meine liebe Borga.“ Nas Choka lächelt gefällig. „Boffa – ein schöner Name.“

Ein anderer Villip stülpt sich in Nas Chokas Kommandozentrale um. „Tut mir leid, meine Liebe, aber den Kriegsmeister darf ich nicht warten lassen.“

„Nas Choka, wir haben ein Problem“, beginnt Tsavong Lah. „Jetzt, wo die Jedi fast alle Voxyn getötet und wir noch nicht einmal mehr die Klonvorlage dafür haben, müssen neue Kreaturen her, die auf Jedi-Jagd spezialisiert sind. Meine Beraterin Viqi Shesh hatte mir seinerzeit erzählt, dass in grauer Vorzeit der Alten Republik ein Sithlord namens Exar Kun lebte, der die Jedi jener Zeit mit sogenannten Terentateks gejagt hatte. Mal davon abgesehen, dass ich diesen Namen sehr schön finde, befehle ich Ihnen, sich in die Bibliotheken auf Obroa-skai zu begeben, um dort nach relevantem Material zu suchen und es unseren Gestaltern zu übergeben, so dass die Jedi-Jagd wieder aufgenommen werden kann.“

Nas Choka runzelt die Stirn. „Kann das nicht jemand von der Friedensbrigade übernehmen? Wofür bezahlen wir die überhaupt?“

Tsavong Lah schmunzelt. „Eine sehr gute Frage, Oberster Kommandant. Diese Idioten von der Friedensbrigade machen ihrem Namen wahrlich alle Ehre. Sie liefern in letzter Zeit viel zu wenig Jedi ab und Nom Anor erfindet für seine jämmerlichen Mietlinge immer neue Ausreden.“

„Das ist ärgerlich, Kriegsmeister, doch habe ich bereits einen äußerst wichtigen Termin mit Borga der Hutt auf Nal Hutta. Wie Sie zweifellos wissen, ist die Allianz mit den Hutten sehr wichtig für unsere Invasion – wir brauchen den Huttraum als Rückzugs- und Versorgungsbasis. Ich würde vorschlagen, Kommandant B’shith Vorrik mit dieser Mission zu betrauen.“

Tsavong Lahs Miene wird eisig. „Den habe ich vor zwei Tagen nach Ansion geschickt, damit er dort dem sogenannten Restimperium auf den Zahn fühlen möge.“

„Was ist mit Kommandant Ekhm Val?“, sondiert Nas Choka weiter.

„Den hat der Overlord auf eine so geheime Mission entsandt, dass noch nicht einmal ich sie kenne“, brummt Tsavong Lah.

Nas Chokas Schultern werden schlaff. „Aber das würde ja bedeuten, dass …“

„… das wir Komm Karsh schicken werden“, beendet Tsavong Lah feierlich den Satz seines Untergebenen. „Dem geht es dort hinten hinter Birgis ohnehin viel zu gut.“

Nas Choka reißt alarmiert die Augen auf. „Aber Komm Karsh ist unsere letzte Reserve! Der Overlord hat ausdrücklich …“

Tsavong Lahs schwarze Augen sprühen Funken deutlicher Zurechtweisung. „Mein Befehl steht.“

„Es wird geschehen, Kriegsmeister.“

„Gut“, sagt Tsavong Lah und seine Stimme wird tückisch-leise. „Und weil Sie ja unbedingt zu der Zeit im Hutt-Raum sein müssen, wird für die Dauer der Mission Obroa-skai Komm Karsh der Oberste Kommandant unserer Flotte sein und Sie sind derweil beurlaubt!“

Nas Choka hebt eine Braue. „Wie lange werden Komm Karshs Recherchen auf Obroa-skai denn ungefähr dauern?“, fragt er mehr als besorgt.

„Wer weiß das schon?“, versetzt Tsavong Lah schnippisch. „Bin ich Gestalter oder Verwalter, dass ich mich mit diesem Bibliothekskram oder der Tierzüchtung auskennen müsste?“

Der Villip des Kriegsmeisters stülpt sich ohne Abschiedsgruß wieder um und Nas Choka sucht den Villip des auserwählten Kommandanten heraus. Immerhin hat er seinen äußerst wichtigen Termin bei Borga der Hutt gerettet.

Im Weltraum hinter dem Planeten Birgis – noch hinter der Galaxis

Kommandant Komm von der Domäne Karsh steht vor dem organischen Spiegel. Er ist von fast weißer Hautfarbe und diese seine weiße Haut ist durchgehend mit roten Mustern tätowiert, natürlich auch im Gesicht. Diagonale Narbenlinien ziehen sich in zwei Richtungen über sein auch sonst ebenmäßig geformtes Gesicht, dem noch nicht einmal die Nase fehlt wie sonst bei vielen Yuuzhan Vong. Seine drei implantierten Fronthörner, das mittlere etwas größer als die beiden äußeren, sehen aus wie eine Krone und gerade hat Komm Karsh die Hörner eingeölt, auf dass sie auch schön hellweiß glänzen. Auch seine Vonduun-Krabbenrüstung ist spiegelblank und leuchtet schwarz durch den Raum. Sein eines Ohr sieht aus wie eine blaue, durchsichtige Schnecke und erweitert sein Gehör auf hundertfünfzig Prozent und aus den beiden zusätzlichen Fingern seiner sechsfingrigen Hände kann er Giftnebel erzeugen, der einen Feind in geschlossenen Räumen sofort töten kann. Und dann ist da noch sein bunt schillernder Umhang, der ihm direkt auf die Schultern implantiert wurde. Dieser Umhang birgt ein Geheimnis, welches zu lüften jetzt absolut zu früh wäre. All diese Implantate sind Vorsichtsmaßnahmen, um das Leben des Kommandanten um jeden Preis zu schützen, bis ein wirklich bedeutender Ernstfall eintreten wird, der es wert ist, dass Komm Karsh sein Leben geben wird, um seinem Volk zu dienen.

Aber gerade hat sich ein Villip umgestülpt, der des Obersten Kommandanten.

„Nas Choka, ich grüße Sie.“

„Komm Karsh, der Kriegsmeister befiehlt, dass Sie sich nach Obroa-skai begeben sollen, um in den dortigen Bibliotheken nach Informationen über die sogenannten Terentateks zu suchen, Tiere, die der Sithlord Exar Kun erschaffen hat, um Jedi zu jagen und zu töten. Finden Sie diese Informationen und übergeben Sie sie unseren Gestaltern.“

„Diese Terentateks wären dann solche Wesen wie unsere Voxyn?“, fragt Komm Karsh.

„Ja, genau solche. Aber sie sind seit viertausend Jahren ausgestorben.“

„Kann denn nicht Kommandant Ekhm Val an meiner statt gehen?“, schlägt Komm Karsh vor. „Immerhin bin ich …“

„Ich weiß, was Sie sind!“, braust Nas Choka auf. „Es ist ein Befehl von Tsavong Lah persönlich und der Befehl steht! Und jetzt stellen Sie sich nicht so an! Das ist kein Kampfeinsatz, sondern lediglich ein Bibliotheksbesuch! Das werden Sie doch wohl noch hinkriegen! Danach können Sie sich mit ihren Truppen gerne wieder hinter Birgis in den Leeren Raum zurückziehen und dort für den Ernstfall, der hoffentlich nicht eintreten wird, weiter vor sich hin trainieren!“

„So wird es geschehen“, erwidert Komm Karsh gehorsam und denkt dabei vor allem an den zweiten Teil von Nas Chokas Tirade.

„Sehr gut, Komm Karsh“, sagt Nas Choka etwas milder. „Und um unsere Forschungen an der Neuerschaffung der Terentateks genügend militärisch und autoritativ abzusichern, werden Sie hiermit für die Dauer der Mission zum Obersten Kommandanten der Yuuzhan Vong-Flotte ernannt.“

Dann ist das ja richtig wichtig. Und ich werde zumindest als Oberster Kommandant sterben und nicht als irgendein Kommandant. „Es ist mir eine Ehre, Oberster Kommandant.“

„Für diese Zeit Oberster Kommandant im Urlaub, wenn es recht ist“, korrigiert ihn Nas Choka mit einem nachsichtigen Lächeln.

Es ist nur ein Bibliotheksbesuch – nur angestrengtes, ermüdendes Büffeln über den Schriften der Ungläubigen, sonst nichts!, wiederholt Komm Karsh still im Geiste und das immer wieder. Und doch weiß er, dass ab jetzt nichts mehr so ist wie es bislang war. Der Ernstfall ist eingetreten und es gibt für ihn, den Kommandanten, jetzt gar Obersten Kommandanten Komm Karsh, kein Zurück mehr!

Zur selben Zeit auf dem Planeten Mon Cala

Jaina Solo ist aufgekratzt. Gerade hat ihr Dif Scaur, der Chef des Geheimdienstes der Neuen Republik, persönlich mitgeteilt, dass Shimrra, der Overlord der Yuuzhan Vong höchstpersönlich, nach Obroa-skai reisen wird, um dort die Bibliothek zu besuchen. Also stellt sie schon mal ihre Zwillingssonnenstaffel zusammen, um sich auf den Weg zu machen. Wenn Shimrra fällt, dann ist der Krieg vorbei. Die Invasion dieser vernarbten, tätowierten Barbaren wird in sich zusammenbrechen wie ein Kartenhaus und es wird Frieden einkehren – endlich Frieden ... und dann?

Je näher sich Komm Karshs Flotte dem Bibliotheksplaneten Obroa-skai nähert, desto unwohler wird ihrem Kommandanten. Dieses Unwohlsein hat gewichtige Gründe.

Im Jahre 7 vor der Schlacht von Yavin auf dem Weltschiff der Domäne Karsh im Leeren Raum vor der Galaxis

Es war einmal vor über fünfunddreißig Jahren, da lebte in der Krippe der Domäne Karsh der dreijährige Komm Karsh und schlich sich in die Küche. Dort kochte ein Topf voll von leckerem Von’u vor sich hin, die Süßspeise, die alle Yuuzhan Vong furchtbar gerne essen. Das Von’u war für den Nachtisch vorgesehen, aber das Hauptessen gab es erst in einer Stunde. Der dreijährige Komm kam also in die Küche, holte sich eine Trittleiter und stellte sie vor den Herd, worauf der Topf mit dem blubbernden Von’u stand. Komm hatte genau drei Minuten, bis der verantwortliche Gestalter wiederkommen würde, so hatte der Junge es die ganzen Tage über beobachtet, wenn der Gestalter Sh’roth genau in diesen drei Minuten jedes Tages aufs Klo ging, pünktlich auf die Minute genau.

Komm Karsh erklomm die Trittleiter, hob den Deckel vom Topf und sah das gelbliche Von’u unter sich. Ein Wunder, dass die ansonsten garstigen und aggressiven Funkenbienen dieses Labsal produzierten. Der süße Duft kitzelte Komms Nase und lockte den kleinen Jungen noch mehr. Im Topf selbst hing eine Kelle, die konnte er einfach nehmen und leerschlürfen. Er griff nach der Kelle und fühlte den angenehm ledrigen Griff dieses dunkelbraunen Küchenutensils in seiner kleinen Hand.

Komm Karsh wurde an den Knöcheln gepackt und kopfüber hochgehoben. Der Schrei des Entsetzens über das Ertappen auf frischer Tat blieb ihm in der Kehle stecken.

„Hab ich dich endlich! Du bist das also, der immer vom Von’u nascht!“, schrie der Gestalter Sh’roth. „Warte nur, das erzähle ich deiner Krippenmutter und Nash’tuh wird dich windelweich prügeln!“

„Nein, bitte nicht“, flehte Komm Karsh weinerlich. „Ich gebe auch alles zu.“

„Na gut“, sagte der Gestalter und ließ den Jungen nach unten fallen.

Unsanft schlug Komm Karshs kahler Kopf auf dem harten Yorikkorallenboden der Küche auf. Er erhob sich und schaute dem Gestalter in die zornigen Augen. „Sie werden meiner Krippenmutter also nichts erzählen?“

Sh’roth lächelte. „Nein, aber ungeschoren kommst du mir nicht davon.“

„Muss ich in der Küche arbeiten?“

Der Gestalter lachte böse. „Damit du dich hier weiter ungestraft mit Von’u vollstopfen kannst? Nie und nimmer!“

Komm Karshs blaue Augen weiteten sich. „Was dann??“, fragte er entsetzt.

„Du wirst ein Krieger werden, wie es allen deiner Domäne bevorsteht. Aber – und das schwöre ich bei Yun-Ne’Shel, Yun-Yuuzhan und bei Yun-Yammka - du wirst bei deinem allerersten Kampfeinsatz fallen, noch bevor die Invasion vollendet ist!“, verfluchte der Gestalter den genäschigen Jungen.

Mit gedrückter Miene ging Komm Karsh wieder in den Übungsraum der Krippe zurück. Seine Kameraden übten gerade Marschieren und Komm Karsh kam zu spät. „Das setzt was, wenn wir fertig sind, Komm!“, drohte ihm seine Krippenmutter an und so geschah es.

Und so ward Komm Karshs Schicksal besiegelt. Was sollte nun aus ihm werden? Er konnte nur hoffen, dass sein erster Kampfeinsatz wirklich derart heldenhaft war, dass sein Name und damit auch der Name seiner Domäne in die Annalen der Yuuzhan Vong-Chroniken eingehen und somit unvergessen bleiben würde. Aber wie sollte er das bewerkstelligen, an die wirklich wichtige Schlacht zu gelangen?

Zwanzig Jahre später – im Jahre 13 nach der Schlacht von Yavin auf dem Weltschiff der Domäne Karsh

Komm Karsh kam gerade vom Tätowierer. Seine roten Tätowierungen waren jetzt vollständig und auch seine Füße waren mit einem Zackenwirbelmuster versehen wie der Rest seines Körpers. Das würde Binu bestimmt wahnsinnig beeindrucken. Schon zweimal hatte er sich mit der äußerst attraktiven Speziesgenossin getroffen – etwas, was er sich schon seit langem gewünscht hatte, aber damals war Binu noch mit Selong Lian zusammen gewesen. Dann jedoch hatte es diesen Streit gegeben und Binu hatte mit Selong Lian schlussgemacht – oder war es umgekehrt gewesen? Es gab widersprüchliche Geschichten darüber, wer von beiden die Beziehung beendet hatte, aber das war Komm Karsh egal. Jetzt saß er hier im Tempel von Yun-Txiin und wartete auf Binu. Vor zwei Wochen war er mit ihr zu einem Schaukampf gewesen. Eine Woche später hatten sie beide einem Opfer für Yun-Yammka beigewohnt. Heute würde er sich ein Herz fassen und Binu zu sich in seinen privaten Raum auf dem Weltschiff der Domäne Karsh einladen, einen Raum, den er seit fünf Jahren bewohnte – nur er allein.

Komm Karsh wartete eine Stunde – noch eine, doch Binu kam nicht. Die dritte Stunde war angebrochen und Komm überlegte, ob er Binu in ihrem Teil der Domäne aufsuchen und nach ihr fragen sollte, da bog ein Priester um die Ecke, einer von Yun-Q’ah, dem Gott des Hasses.

„Nun, mein Sohn, ich denke, deine Liebe zu Binu wird sich schon bald in Hass verwandeln“, prophezeite ihm der Gottesmann.

„Wieso das denn?“, fuhr Komm Karsh auf. „Und woher wissen Sie überhaupt darüber?“

„Binu schickt mich, um die Verabredung mit Ihnen abzusagen“, eröffnete ihm der alte Mann. „Sie ist jetzt wieder mit Selong Lian zusammen und Sie, mein Freund, waren nichts als ihre Reserve.“

Reserve! Das Wort brannte wie Feuer in Komm Karshs Adern.

„Nutze deinen Hass und wandle ihn in Stärke um, mein junger Freund“, sagte der alte Priester und legte ihm die verstümmelte, dreifingrige Hand auf die Schulter. „Du wirst ihn bald brauchen.“

„Reserve! Ich bin keine Reserve!“, grollte Komm Karsh.

Der alte Mann lächelte. „Vielleicht ja doch.“

Ein Funken der Erkenntnis blitzte in Komm Karshs blauen Augen auf. Reserve! Jetzt wusste er endlich, wie er seine Kriegerbestimmung erfüllen würde.

Zwei Tage später

Komm Karsh sah Binu und Selong Lian Arm in Arm ihm entgegenkommen. Er tat so, als ginge es ihn nichts an.

„Selong Lian ist befördert worden“, begrüßte Binu ohne irgendeinen Anflug von schlechtem Gewissen Komm und ihre dicken, blauen Tränensäcke bebten freudig dabei.

„Wen interessiert‘s?“, gab Komm ostentativ gelangweilt zurück.

„Jeden Yuuzhan Vong sollte das interessieren“, meinte Selong Lian selbstgefällig. „Denn ich bin jetzt der Erste Adjutant von Kriegsmeister Tsavong Lah!“

Komm Karsh verzog die Oberlippe. „Na und, ich bin Reserve.“

Binus Mund öffnete sich vor Verwunderung. „Was ist das?“

Das Frohlocken über Binus Unwissenheit überstrahlte für einen kurzen Moment die Scham und den Schmerz ob der Zurückweisung.

„Ihr werdet von mir hören“, sagte Komm Karsh stolz und schritt souverän von dannen.

Im Jahre 25 nach der Schlacht von Yavin auf der Sunulok, dem Flaggschiff von Tsavong Lah

Komm Karsh trat vor den Kriegsmeister seines Volkes und wartete auf die Zuweisung. Soeben waren ihm die Schulterhaken für den Kommandantenmantel implantiert worden und einen Umhang hatte der frischgebackene Absolvent der Militärakademie dazu auch bekommen. Jetzt musste er nur noch einem zukünftigen Kriegsgebiet zugewiesen werden.

Der Kriegsmeister war nicht allein, ein alter Mann saß bei ihm und begutachtete die Neulinge unter den Kommandanten. Jeder Yuuzhan Vong kannte auch diesen alten Mann, dessen Haut fast so schwarz geworden war wie die Haare des Kriegsmeisters es noch waren.

Vor den beiden gestandenen Kriegern stand ein großer Bottich gefüllt mit Schnecken. Jeder Kommandant, der vor den Kriegsmeister trat, zog eine Schnecke aus dem Bottich und brach ihr Schalengehäuse auf. Innen gab es nicht nur schmackhaftes Schneckenfleisch zu essen, sondern auch einen Namen zu lesen – es war der Name der Welt, die der Kommandant schon bald erobern würde. Komm Karsh hatte beobachtet, wie sein Kommilitone Ikotch die Welt Zeltros zog und lächelte, Al’kov hingegen schien von seinem gezogenen Los – Klatooine – weniger begeistert zu sein.

„Komm Karsh“, hörte er, wie sein Name gerufen wurde.

Komm kam vor das Podest und schaute auf den Bottich mit ziellos über- und untereinander dahinkrauchenden Schnecken.

„Ja, genauso verhalten sich die Ungläubigen in ihrer Galaxis“, hörte er Tsavong Lahs abfällige Stimme vom Podium zu ihm herabdröhnen. „Vollkommen ziel- und zügelloses Leben ohne Sinn und Zweck. Darin sind diese Schnecken ihnen weit voraus, denn diese Tiere hier dienen uns, den Yuuzhan Vong, auf dass Sie jetzt aus ihnen eine Welt erwählen dürfen, die Sie für uns erobern werden.“

„Mit Verlaub, Kriegsmeister, aber ich werde keine Welt erwählen oder erobern“, erklärte Komm Karsh.

Der Kriegsmeister hob eine Braue. „Wie bitte?“

„Ich bin Reserve.“

„Reserve?“ Tsavong Lahs Stimme war unnatürlich hoch bei diesem Wort. „Was ist das?“

„Ich werde mit meinen Truppen erst dann in den Kampf eingreifen, wenn es wirklich nötig ist und dann werde ich mein Leben geben – für die Ehre meiner Domäne und die aller Yuuzhan Vong.“

„Das soll also heißen, während Ihre Kameraden Welt für Welt erobern, was in Ihren Augen völlig unwichtig ist, werden Sie einfach nur mit Ihren Truppen dasitzen und nichts tun?“, polterte Tsavong Lah. „Was für eine Verschwendung!“

„Das ist das erste Mal, dass ich dich dieses Wort sagen höre“, mischte sich der alte Mann neben Tsavong Lah in die Konversation ein.

„Weil es kein besseres gibt, Vater“, schnaubte Tsavong Lah. „Reserve! Hat man sowas schon gehört?!“

„Mein Sohn, eine strategische Reserve unserer Flotte ist in der Tat eine meiner kühnen Ideen, die ich bislang nicht geschafft hatte, in die Tat umzusetzen. Es ist an der Zeit, damit zu beginnen, eine stille Reservetruppe aufzubauen, von der niemand weiß und die wir im letzten Moment hervorzaubern können, wenn alle Ranken reißen.“

„Keine einzige Ranke wird reißen, solange ich der Kriegsmeister der Yuuzhan Vong bin“, röhrte Tsavong Lah, um sogleich viel leiser nachzusetzen. „Und überhaupt - was ist das für ein Pessimismus, Vater? Und das hier vor den Neuzugängen!“

„Gewähre diese Reserve mit Komm Karsh als Kommandanten und ich werde fürderhin schweigen“, versprach Czulkang Lah.

„Nun gut“, knurrte Tsavong Lah mit verkniffenem Mund, der sich bei diesen Worten kaum bewegte. „Komm Karsh, Sie werden ab sofort unsere Reserveflotte, bestehend aus fünfzigtausend Mann, befehligen. Aber beim ersten Einsatz, den ich befehle, werden Sie springen – ohne Wenn und Aber!“

Komm Karsh verneigte sich in Richtung des Kriegsmeisters. „Ich danke Ihnen, Tsavong Lah.“

Dann verneigte er sich vor dessen Vater. „Es war mir eine Ehre, Ihnen wenigstens einmal in meinem Leben gedient haben zu dürfen, Czulkang Lah.“

„Und mir als Ihrem Kriegsmeister zu dienen ist keine Ehre für Sie, Komm Karsh?!“, zischte Tsavong Lah ihm ärgerlich zu.

Czulkang Lah fasste seinen aufgebrachten Sohn am Arm. „Jetzt mach es doch nicht noch schlimmer, Tsavong!“

… und wieder im Jahre 28 nach der Schlacht von Yavin – über dem Planeten Obroa-skai

Die Letzte Rettung, so heißt sein Flaggschiff, fällt aus dem Hyperraum. Komm Karsh schaut hinunter auf die Welt, die die Yuuzhan Vong schon vor über einem Jahr erobert haben, und sein Magen zieht sich zusammen. Jetzt wird es richtig schlimm. Der Planet Obroa-skai liegt ausgebreitet vor ihm – grüne Wälder unterbrochen von Städten - Ansammlungen von schlanken, unnatürlich geraden säulenartigen Gebäuden, gesäumt von spitzen Kanten – dazwischen flache Quader – tote, abscheuliche Blasphemien! Ob es das letzte ist, was er sehen wird?

Auf neun Uhr von ihm kommt ein zweites Schiff aus dem Hyperraum – ein kurviges, langgezogenes Schiff, derart organisch aussehend, dass Komm Karsh beinahe glaubt, es sei zu seiner Unterstützung gesandt worden. Aber nein, das ist nur so ein Trick der Ungläubigen. Es handelt sich um einen sogenannten Mon Cala-Kreuzer. Wie können die Ungläubigen sich erdreisten, solche schönen Schiffe zu bauen?!

Der feindliche Kreuzer spuckt X-Wings und anderes lästiges Kleinzeug aus, aber der Yammosk steht bereit. Korallenskipper schwärmen aus und nehmen die feindlichen Kampfjäger in sauber geometrischer Anordnung, kombiniert mit wohlplatzierter Schussabwechslung, in die Zange. Mit vorsichtiger Zufriedenheit atmet Komm Karsh tief aus. Der Yammosk hat die Lage im Griff. Schon bald wird er zum Planeten hinuntersteigen und nach den sagenumwobenen Terentateks des nicht minder geheimnisumwitterten Exar Kun …

Der Yammosk ist verwirrt und gibt komische Befehle. [Das sind nicht meine Kinder. Die gehören alle abgeschossen!]

Komm Karsh streicht sich mit einer sechsfingrigen Hand über seine makel- da kratzerlose Vonduun-Krabbenrüstung. Wie ist das möglich? Wieso schießen seine Jäger aufeinander statt auf den Feind? Wieso erkennt der Yammosk die Dovin Basale an Bord der Schiffe seiner Flotte nicht als seine Kinder an und leitet sie, wie es seiner Natur entspricht? Sehen die Piloten denn nicht, dass da ein Irrtum vorliegt? Vielleicht sehen sie es, kommen aber nicht gegen die telepathische Macht der Befehle des Yammosk an. Komm Karsh sieht, wie die Ungläubigen ein Geschoss nach dem anderen ausbringen, ohne dass diese Schüsse den Korallenskippern wirklich Schaden zufügen. Von Ferne sieht es so aus, als würden die Schüsse des Feindes von den Dovin Basalen der Korallenskipper und Fregatten in die eigens dafür produzierten Schwarzen Löcher gesaugt werden. Aber kurze Zeit später werden jene Korallenskipper und Fregatten von ihren eigenen Leuten zerfetzt.

Und der Yammosk findet das in Ordnung.

Komm Karsh weiß nicht, dass Jaina Solo diesen Trick vor bereits über einem Klekket schon einmal bei Hapes angewandt hat. Er hat hinter Birgis noch nie davon gehört, dass der Feind selbst Dovin Basale züchtet, sie mit den Schwerkraftsignaturen eines Feindschiffes ausstattet und dann an die Korallenskipper heftet und sie somit für den Yammosk als feindliches Ziel markiert. Der Yammosk wundert sich auch nicht darüber, dass viele Schiffe dieselbe Schwerkraftsignatur aufweisen, als wären sie alle dasselbe Schiff. Effizienz der Massenproduktion und der Yammosk ist blind für dieses Muster.

Aber Komm Karsh wäre nicht Komm Karsh, hätte er nicht vorgesorgt. Er gibt einen Befehl und der Reserveyammosk beginnt mit der Arbeit. Urplötzlich hören die Korallenskipper auf, aufeinander und auf ihre eigenen Fregatten zu schießen und umzingeln wieder den Feind in gewohnter tödlicher Präzisionsabstimmung.

Komm Karsh atmet ein zweites Mal tief durch. Vielleicht wird er es schaffen, heute doch noch auf den Planeten zu kommen. Eine kleine Fregatte erregt seine Aufmerksamkeit. Sie hat sich an das Heck der Letzte Rettung gehängt und schirmt ihn dort vor Feindtreffern ab. Mehr noch, die feindlichen Jäger scheinen diesem eher unscheinbaren Schiff instinktiv auszuweichen. Also muss es sich beim Piloten um einen Teufelskerl handeln! Er nimmt sich vor, den Piloten dieses Schiffes nach der Vernichtung des Feindes zu belobigen.

Ein X-Wing erblüht in einer Feuerblume. Zufrieden schaut Komm Karsh dabei zu, wie seine Truppen den Feind dezimieren. Noch mehr Feuerblüten erfreuen sein Herz. Jetzt ist er nicht mehr Reserve – jetzt steht er mitten im Gefecht, wofür er ausgebildet wurde. Sein letztes?

[Das sind nicht meine Kinder. Die gehören alle abgeschossen!]

Der Orbit über Obroa-skai versinkt erneut in ziellosem Durcheinander. Unwillkürlich muss Komm Karsh an die vielen Schnecken im Bottich denken, aus denen er sich vor drei Jahren unter Tsavong Lahs Augen ein Invasionsziel aussuchen sollte. Damals hatte er sich geweigert – und jetzt ist das Ziel zu ihm gekommen. Er hat nur diese beiden Yammosks, während der Feind mit einem zweiten Störsender angefangen hat, jetzt auch die Signale des zweiten Yammosk zu stören. Wie viele von diesen Störsendern gibt es überhaupt? Dumme Korallenskipper - dumme Yammosks – dumme Schnecken!

Eine Erschütterung durchfährt die Letzte Rettung. Sie kommt vom Heck. Die kleine Fregatte hat auf ihn geschossen! Sicher auch ein Werk des fehlgeleiteten Yammosk. Nein, er wird diesen Piloten nicht belobigen! Sondern ihn bestrafen!

Komm Karsh verlässt die Kommandobrücke und sein bunter Umhang weht theatralisch hinter ihm her. In einem seiner lichten Momente hat der Yammosk, welcher eigentlich?, festgestellt, dass der Pilot in der Fregatte am Heck der Letzte Rettung ein Jedi ist! Wann, wenn nicht jetzt, ist die Gelegenheit, der Ehre der Domäne Karsh eine weitere schillernde Facette hinzuzufügen? Und wie sie schillern wird!

Komm Karsh lässt die Rettungskapsel starten, in die er sich eigentlich hineinsetzen soll, will. Nein, er soll nicht. Eine weitere Erschütterung durchfährt die Letzte Rettung. Sie kommt von vorn, vom Bug des Schiffes. Die Kommandobrücke, auf der er noch vor wenigen Minuten gestanden und Befehle erteilt hat, ist jetzt bestimmt dahingeschmolzen. Aber das ist bedeutungslos, denn das hier ist die Schlacht, von der vor fünfunddreißig Jahren der Gestalter Sh’roth in der Küche der Krippe der Domäne Karsh gesprochen hatte. Und der Yammosk, welcher eigentlich?, teilt Komm Karsh mit, dass der Mon Cala-Angriffskreuzer der Ungläubigen, welcher den Schuss abgegeben hat, Mon Adapyne heißt. Wie interessant!, aber das hat Komm Karsh eher sarkastisch gedacht.

Er wickelt den Umhang um sich und sobald sich beide Enden des Saums berühren, bläht sich der Umhang um ihn herum zu einer Kugel auf, die all die schillernden Federn, aus denen der Umhang des Kommandanten besteht, in ihr Inneres kehrt. Diese Kugel ist unsichtbar, denn sie soll nicht gesehen werden – und schwebt hinter der Rettungskapsel aus dem verendenden Flaggschiff, bevor die Schließmuskelluke Zeit hat, sich wieder zu schließen.

Um sich herum sieht er die Überreste der zertrümmerten Fregatten seiner Reserveflotte. Einzelne lilane Punkte schwirren gleich aufgescheuchten Grutchin-Käfern umher – Korallenskipper, die ohne die Führung des Yammosks oder ihres Kommandanten verloren sind – verloren wie er. Komm Karsh weiß, dass er keine Chance mehr hat, aber er wird sie nutzen.

Die unsichtbare Kugel treibt auf den Feind am Heck des verendenden Flaggschiffs zu und wartet auf ihre Chance. Jetzt, wo die Letze Rettung nicht mehr ist, wendet sich die kleine Fregatte von ihrem Zerstörungswerk ab und sucht neue Ziele. Und Komm Karsh in seiner Blase folgt ihr. Es gibt da einen Schacht, durch den die Ausscheidungen eines organischen Schiffes der Yuuzhan Vong ins All geblasen werden. Nur wenige Leute wissen, dass man durch diesen Schacht das Schiff auch betreten kann. Die unsichtbare Kugel quetscht sich durch den engen Tunnel – und erreicht die Öffnung auf der Innenseite.

Die Kugel flutscht aus dem Tubus und faltet sich auf. Komm Karsh steht im Inneren der Fregatte, die so aussieht wie alle Fregatten dieses Typs – und sich doch so anders verhalten hat. Vor ihm steht eine junge Menschenfrau mit braunen Augen und einem gezündeten Lichtschwert in der Hand. Und dann ist da ihr wirres, braunes Haar, dessen Plattheit man ansieht, dass es gerade eben noch von der Kontrollhaube im Cockpit bedeckt wurde. Sakrileg!

Komm Karshs erster Impuls ist, seinen Kopf zu senken und dem Feind, der die organischen Errungenschaften seines Volkes derart missbraucht hat, seine stolze Hörnerkrone in die Weichteile zu rammen, aber sicherlich würde die Jedi dieses Manöver durchschauen und Vorkehrungen treffen. Aber er ist Komm Karsh, der ewige Reservist. Er ist es, der Vorkehrungen trifft und die bestehen jetzt darin, den Feind in ein Gespräch zu verwickeln und somit abzulenken, bis …

„Sie sind eine Jedi?“, fragt er ganz direkt.

„Sie sind Shimrra, der Overlord?“, fragt Jaina Solo zurück und mustert den anderthalb Köpfe größeren Mann.

Komm Karsh lächelt. „Noch nicht. Ich bin Komm Karsh, Oberster Kommandant der Yuuzhan Vong-Flotte.“

„Und Shimrra? Ist … war er auf dem Schiff?“

Komm Karsh lächelt breiter. „Nein. Und wer sind Sie und was machen Sie auf diesem Schiff?“

Jaina stampft mit dem Fuß auf und ihre braunen Augen lodern vor Zorn. „Nein … Nein!“

Komm Karsh stutzt. War da eben ein gelbes Irrlichtern in den Augen der Jedi?

Das gelbe Glimmen verschwindet und Jainas Augen werden wieder so braun wie vorhin. Komm Karsh weiß nicht, dass seine Gegnerin gerade von einer lange nicht mehr gefühlten Präsenz gestreift wird …

Jacen? … Jacen!

…, aber das ist ihm egal. Die Ablenkung ist da! Komm Karsh zieht seinen sechsten Finger von der Hand. Es knackt hörbar und grünlicher Dunst breitet sich an Bord der Trickster aus. Jaina Solo ringt nach Luft. Wieso muss der Kerl mit dem bunt schillernden Umhang gerade jetzt …?!

Jaina fällt zu Boden und das Lichtschwert entgleitet ihrer Hand … erlischt.

Komm Karsh sieht das nicht, will es nicht sehen, denn er geht jetzt auf Nummer Sicher. Er hat sich bereits wieder in seinen Umhang gewickelt, dieses Mal mit den bunten Federn nach außen. In seinem Kokon geschützt, zieht sich der Oberste Kommandant den zweiten sechsten Finger von der anderen Hand und das dort befindliche Gift lässt seinen Umhang in einem lodernden Flammenball aufgehen, der das abtrünnige Schiff mit der Jedi an Bord verschwinden lassen wird – genau wie Komm Karsh selbst, der sich für seine Mission, seine Domäne und sein Volk opfern wird.

Der bunte Ballon dehnt sich aus und wird größer, platzt … und augenblicklich wird das Feuer, welches eigentlich die Fregatte und die Pilotin von innen verzehren soll, vom Vakuum des Alls erstickt. Als Komm Karsh das letzte Mal seine blauen Augen öffnet, sieht er um sich herum den freien Weltraum … und weiter hinten das Loch, welches Jaina in die Trickster geschnitten hat, damit der bunte Ball wieder von ihrem Schiff verschwindet. Das Loch wird sicherlich bald wieder heilen … und um Komm Karsh herum wird es kalt …

… sehr kalt ...

Einen halben Tag später auf dem Planeten Mon Cala, wohin sich alle Kampfgefährten und Freunde zurückgezogen haben, solange Coruscant dem Feind gehört

„Wie kann sich dieser Shimrra erdreisten, nicht an Bord dieses Flaggschiffs zu sein, wo ich ihn doch unbedingt dort töten wollte!“, schmollt Jaina.

„Aber Jaina, das bringt doch nichts“, sagt Luke Skywalker tröstend zu seiner neunzehnjährigen Nichte. „Wir haben über Obroa-skai gesiegt. Und gerade deshalb sollten wir alle diese Schlacht jetzt ganz neutral und ohne negative Gefühle auswerten und sinnvolle Schlüsse für unser weiteres Vorgehen daraus ziehen.“

„Aber Shimrra lebt immer noch! Wieso?“, begehrt Jaina auf.

„Jetzt analysieren wir doch einmal“, sagt Luke Skywalker wieder in dieser besänftigenden Tonlage. „Wir dachten also, Shimrra sei an Bord dieses Flaggschiffes, das über Obroa-skai mit seiner Flotte eintraf. Aber Shimrra war gar nicht dort. Was also bedeutet das?“, fragt Luke Skywalker in die Runde der Jedi und Nicht-Jedi.

„Das liegt doch auf der Hand“, sagt Jaina gereizt. „Shimrra ärgert sich darüber, dass ich bei den Yuuzhan Vong als lebende Inkarnation von Yun-Harla gelte und wollte mich vorführen.“

„Der Feind wollte Jaina in eine Falle locken, aber es hat nicht geklappt“, meint Kyp Durron.

Jacen Solo zuckt mit den Schultern. „Vielleicht hat es sich Shimrra einfach anders überlegt.“

„Das könnte sein, trifft aber nicht den Kern“, moniert Luke.

„Das bedeutet, dass die Information unseres Geheimdienstes falsch gewesen ist!“, wirft der fünfzehnjährige Valin Horn in die Runde.

„Wie großartig doch die Seele eines Jugendlichen ist“, sagt Luke andächtig. „Genauso wird es sein.“

„Da fällt mir noch etwas ein“, sagt Jaina. „Komm Karsh behauptete an Bord der Trickster, Oberster Kommandant zu sein, aber ist das nicht eigentlich Nas Choka? … Oder ist der vielleicht … auch tot?“, setzt sie etwas unsicher hinzu.

„Nein“, mischt sich Geheimdienstchef Dif Scaur ein. „Meine Agenten haben mir versichert, dass der Oberste Kommandant Nas Choka zuletzt vor einer halben Stunde auf Nal Hutta gesehen wurde.“

„War das derselbe Agent, der behauptet hat, dass sich Overlord Shimrra über Obroa-skai aufhalten würde?“, fragt Jaina Solo herausfordernd.

Leia gibt ihrer Tochter einen Klapps in den Nacken. „Jetzt ist es aber mal gut, Jaina!“

Schweigen erfüllt den Raum. Niemand der anwesenden Jedi und Nicht-Jedi hat für diese eklatante Doppelbesetzung eines hohen Amtes bei den Yuuzhan Vong eine plausible Erklärung.

Jacen Solo zupft seine neu gefundene Gefährtin an den lilanen Federn. „Jetzt sag du doch auch mal was dazu, Vergere.“

Die Fosh schaut in die Runde der versammelten Jedi und Geheimdienstler. „Über was genau soll ich denn überhaupt sprechen?“

Jaina zieht die Brauen zusammen. „War Komm Karsh nun der Oberste Kommandant oder nicht? Und wenn er der Oberste Kommandant war, was war in der Zeit Nas Choka?“

Vergere lächelt rätselhaft. „Das ist in der Tat eine Frage, über die man nachdenken sollte, nicht wahr?“

Derweil auf Nal Hutta in Borga Besadii Dioris Palast

Nas Choka wiegt den neugeborenen Boffa in seinen Armen. „Ist er nicht niedlich?“, sagt Borga und zieht dabei spielerisch an Nas Chokas langem, schwarzem Pferdeschwanz.

Er stinkt genauso wie seine Mutter, aber das wird der Oberste Kommandant im Urlaub Borga Besadii Diori niemals sagen. Um sie herum tanzen halbnackte Twi’lek-Damen und zwei Frauen einer Spezies mit Hörnern an den Schläfen singen dazu ein aufpeitschendes Duett, während die Bithband in der Ecke das Ganze mit lasziven Rhythmen untermalt. Ein Rodianer geht mit einem argentumfarbenen Tablett umher und bietet den zahlreich geladenen Geburtspartygästen blaue und braune durchscheinende Flüssigkeiten zum Erfrischen und Berauschen an.

Es wird vielleicht noch zwei Stunden dauern, dann wird sich der Oberste Kommandant im Urlaub an den penetranten Huttgeruch, der den Festsaal durchwabert, gewöhnt haben. Dazu noch ein paar alkoholische Getränke und Nas Choka wird für alles zu haben sein, was Borga in dieser Nacht wünscht … oder in zwei Nächten …

… oder werden es gar drei werden?

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Kleine Nerdpreisfrage zum Schluss: Neben vielen bereits bekannten Gesichtern aus "Wege des Schicksals" hat sich auch ein Charakter in dieses Kapitel eingeschlichen, der eigentlich erst in "Die Ruinen von Coruscant", dem 15. Band der Buchserie, auftaucht. Um wen handelt es sich?
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