Zündung und Herzblut

GeschichteAllgemein / P18 Slash
02.02.2019
27.08.2019
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..Ein ihn drückender Schmerz weckte ihn jählings, sein Gesicht noch immer schwer auf seinem rechten Unterarm ruhend, als er schliesslich erwachte und mühselig den Kopf anhob. Was zum..

Sein Nasenbein schmerzte.

Vor lauter Benommenheit fiel ihm der Kopf wieder auf seinen Arm nieder. Mit dem rechten Zeigefinger versuchte er mühselig, seine Hornbrille wegzuschieben, zog seine Augenbrauen verdrossen zusammen und hob schliesslich seinen Kopf ganz, um seine Brille zu richten.

verflucht..

Von der Frühlingssonne noch geblendet, welche ihre Strahlen freundlich in das im obersten Stockwerk gelegene Zimmer warf, öffnete James schliesslich seine Augen.

Die grellen Strahlen erhellten seine elfenhaften Gesichtszüge so sehr, dass er seine Stirn mit seiner rechten Hand halb verdecken musste, um überhaupt etwas sehen zu können.

Als sich seine Gesichtsmuskulatur allmählich wieder entspannte, konnte er die im einfallenden Licht schimmernden Staubpartikel tanzen sehen. Zwei verträumte, fast verloren wirkende, blauen Augen begannen nun lächelnd mit der Sonne um die Wette zu strahlen und liessen ihre Aufmerksamkeit sogleich durch ihren kleinen, aber feinen Arbeitsraum schweifen.

Ihre Ruhe fanden sie auf jenem Script, mit dem sich James schon zuvor so lange und intensiv abgemüht hatte.. Sein Seufzen schallte durch den Raum, sodann legte er seinen Kopf schwer in seine Hände, überschlug seine langen Beine und rieb sich mit dem rechten Handrücken an der hohen Denkerstirn.

..Angesichts der Zeit, in der er sich abmühte, seinen Text auswendig zu lernen, musste sein Kopf kurzerhand abgedriftet sein und - sehr zu seinem Glück - war seine Brille dabei unversehrt geblieben.

Es gab kein Accessoire, auf das er so sehr angewiesen war, wie auf dieses - seine geliebte Brille.
Er liebte, pflegte und brauchte sie, war sie doch sein ständiger Begleiter, wo auch immer es ihn am jeweiligen Tag hinzog (oder des Nachts, wenn er mal wieder nicht schlafen konnte, mmhh..)

Nun hatte er aber nicht nur seine Brille bitter nötig.. sondern einen heissen, duftenden Kaffee.. seufz ..

Die Wendetreppe hinunterschlendernd, kam ihm sogleich einer seiner weiteren, treuen Wegbegleiter, begleitet von fröhlichem Miauen, auf Samtpfoten entgegengetappst.

Es war eine cremefarbene Siamkatze namens „Marcus", mit der James seit etwa einem halben Jahr eine enge Freundschaft verband.
Und sein schon fast mürrisch gelangweilter, linker Mundwinkel erhob sich bereits bei seinem ersten Anblick, der ihm sein tänzelnder Kater bot.

Sogleich und voller warmherziger Freude, liess er sich schliesslich von Marcus' Schmeicheleien umwerben und hob ihn schliesslich in seinen Arm. Für Marcus hätte er einfach alles getan; dieser Kater war etwas ganz Besonderes - genau wie er selbst.. und Marcus bekam auch täglich seine eigens für ihn kreierte Katzenmilch, die genau nach seinen Bedürfnissen abgestimmt war, nach eigener Rezeptur à la Jimmy. Etwas anderes wäre bei seinem fürsorglichen Herrchen auch gar nicht in die Tüte gekommen; genau genommen verwöhne James seinen Kater ja geradezu..

Aber James erinnerte sich immer wieder, wie er selbst einst von seiner Mutter verwöhnt worden war. Sie war einfach die beste. Würde es immer und immer bleiben.. und wenn sie auch fort war - für Jimmy war sie stets präsent, obschon er noch immer nicht wirklich genau wusste, weshalb sie eigentlich genau von ihm geschieden war.. diese Fragen machten ihm noch heute zu schaffen und er hörte nicht auf, sich darüber seinen Kopf zu zermürben. Und sein sensibles Herz..

Wieso nur ich?!? Wer bin ich überhaupt?

..und wo, zum Teufel, liegen meine Wurzeln?

Natürlich, seine Wurzeln lagen im tiefsten Indiana.. aber was soll's?

Bin ja nur ich..

- Mildred Wilson Dean, James Dean's Mum, 15
- Mildred Wilson Dean, James Dean's Mum, 15.09.1910 - 14.07.1940 -



...

Das Apartment, in dem James Dean wohnte, lag mitten in einem Garten, direkt an einer Nebenstrasse. Die Gartenseite mutete sehr romantisch an; James liess sie verwildern, wie die Launen der Natur es vorgaben.

Er liebte sie, die Natur - und was sie ihm zu bieten hatte - und er wurde von dem durchdringenden Gedanken erfasst, dass nur in ihr seine wahren Wurzeln stecken konnten. Es konnte nicht anders sein.. denn er war wie sie.

Wild und natürlich, widerspenstig, sensibel.. sich regenerierend.

Ja, manchmal sollte man einfach mehr mit dem Herzen hinsehen, als mit den Augen..

Da seine Augen eh für nichts taugten (aus Jimmy's Sicht), versuchte er, nun in Zukunft vermehrt auf sein Herz zu hören - zu fühlen und..mit dem Herzen zu sehen.

Nachem er einige Schritte barfuss im Gras herumgeschlurft war, machte er es sich schliesslich auf seiner alten Hollywoodschaukel bequem.

Sie gab ein herrliches Knarren von sich, in welches James immer Melodien hineininterpretierte und sie wirkte fast so, als ob sie schon seit Jahrhunderten in diesem Garten gestanden hätte..

Da sprang ihm mit einem Satz Marcus auf seinen Schoss.

"Mein Marcus, da bist Du ja.."

Er begann sich mit seinen Zehenspitzen auf der Erde abzustossen und ein paar wenige Male zurück und vor zu schaukeln, als ihm Marcus erschrocken vom Schoss huschte. James hatte dabei ganz ausser Acht gelassen, dass sein Kater das Schaukeln nicht mochte.

Dieser Frühlingsnachmittag. Die Vögel, durch welche sich der Klang der rauschenden Bäume noch stimmiger anhörte.. James verschränkte beide Hände hinter seinem Kopf und liess diese mystische Stimmung auf sich wirken.

Als sich dieser wundervolle Tag zu Ende neigte, beschloss James oder, wie Freunde ihn nannten, Jimmy, diesen besonderen Tag mit einem Besuch im nächstgelegenen „Villa Capri" ausklingen zu lassen.



- Villa Capri, Hollywood -
- Villa Capri, Hollywood -



Er schnappte sich schliesslich seine Lederjacke, kämmte sich seine markante Frisur zurecht und drückte seinem Kater noch zum Abschied einen Kuss auf dessen feuchte Nase. Marcus schnurrte zustimmend, strich ihm ein letztes Mal um die Beine, um sich danach gleich ausgiebig seinem Fressnapf zu widmen.

Jimmy kam so lässig in jenes Restaurant hineingeschlendert, dass ihn wohl jeder nur schon an diesem, für ihn typischen Gang, erkannt hätte. Seine schweren Bikerstiefel gaben dem alten, knarrenden Parkett den Ton an, dass sie bereits wenige Meter im Inneren des Getümmels zu hören waren. Getümmel? Weit gefehlt.. Dass die Menschen heute der Bar fern blieben, mochte wohl daran liegen, dass die Temperaturen wieder den Wohlfühlbereich erreicht hatten. So konnte sich ein jeder Jungspund wieder mit seinem Rockabilly Girlie in Begleitung auf sein Mofa schwingen, die Abendpicknicke oder übrige, idyllische Behaglichkeiten abzuhalten.

James liess sich sodann auf einen der Barhocker aus dunklem Holz nieder, begrüsste den bärenstarken, dunkelhäutigen Barkeeper namens Jim per Männer-Handschlag und friemelte sich sogleich geschickt seine Zigarette aus einer Jackentasche. Sie hielten sodann ein angeregtes Schwätzchen über Gott und die Welt, wobei sich James nicht sicher war, ob er ersterem hätte Glauben schenken sollen.

Schliesslich stützte sich James auf seinen linken Unterarm und gönnte sich einen Schluck seines kühlen Malzbiers.

Endlich konnte er sich (wenigstens halbwegs..) entspannen..



Die Worte, die er auswendig lernen sollte, schienen in seinem Kopf nämlich schon Purzelbäume zu schlagen. Und unabhängig davon; wenn er erst einmal wieder am Set sein würde, überzeugte er ohnehin wieder alle davon, dass er, James Dean - Meister der Improvisationskunst! - auf nichts weniger, als auf ein verfluchtes Script angewiesen war! Diesen Schafsköpfen musste mal einer helfen, damit sie endlich aus ihren eingefahrenen Schienen kämen..

Versonnen liess James sodann seinen Blick durch die gedämpften Lichter wandern. Gemeinsam mit seiner geschweiften Nase und den markanten Augenbrauen, waren es diese tiefgründigen, blauen Augen, durch die sich sein markantes Gesicht auszeichnete. Und durch seine eingezogenen Schultern und seine, wie aus dem Nichts zu entstehen scheinenden Bewegungen, wirkte er zuweil auch wie ein unnahbares Mysterium mit düsterer Gesinnung..

Dann, wie unvermittelt! ..damn it!.. blieb sein Blick im Raum stehen..

Sein Atem stockte und als sein Mund offen stehen blieb, schloss er unvermittelt die Augen.
Er wandte sich wieder der Bar zu und blickte, innehaltend, auf sein Bier nieder, hob seine Augenbrauen, umfasste mit seiner rechten Hand sein Kinn..

..und fühlte diese Unruhe in sich aufkeimen..

War das wirklich.. ?

Er war es.

Er war es tatsächlich..

mal war er sein grosses Idol, mal wieder sein grosser Fluch.. aber er war ihm niemals gleichgültig - öhm..

trank er einen Brandy? Cognac? Oh.. auch egal.

Marlon ruhte vertieft in einen seltsamen Sessel gelümmelt, seinen rechten Fussknöchel auf dem linken Oberschenkel platziert, mit einer Zeitung, welche das Meiste seines Gesichtes verbarg und zeigte Stil, Anzug und Kravatte. James versuchte, ihn bestmögliche zu ignorieren.

Anzug.

Kravatte.

Jimmy und Anzug vertrugen sich ebenso wenig Robin Hood und Sheriff von Nottingham. Napoleon und Kutuzov. Marcus Antonius und..

„Hey Jimbo..ist mit Dir alles okay, mann?",

blubberte ihm Barkeeper Jim zu, der das ganze Geschehnis mit seinem Laserblick zu beobachten schien. James's Antwort fiel karg aus. Er warf ihm nur einen leicht konfusen Blick zu, murmelte etwas Unverständliches, um dann sogleich nervös mit seinen Händen im Schoß herumzuwuseln.

Jim brummte diesmal hörbar, seine Augen verdrehten sich, dann schüttelte er ungläubig den Kopf.

Diesen James Dean hatte er noch nie verstanden, würde ihn nie verstehen! Er war irgendwie.. ein sonderbares Individuum, ein traumtanzender Freigeist, ein ruheloses Sprachengewirr.. Dies würde er jedenfalls zu behaupten wagen..

Jim, der selbst bodenständiger war als die meisten Spiesser vom Lande, waren diese ganzen Schauspieler sowieso nie so richtig geheuer gewesen..

James Dean bedachte ihn nur mit einem „Was-gibt's-n-hier-zuglotz'n-alder-verpiss-dich-besser-bevor-Blick", friemelte sich eine für ihn genusswürdige Camel hervor, welche er sich sodann wie der grösste Westernheld aus Texas sich hinter's linke Ohr schob und schliesslich mit listigem Blick zu beobachten, wie Barkeeper Jim wie die Küchentür entnervt hinter sich zuschlug.

Nachdem sich James einen vollmundigen Schluck seines kühlen Malzbiers genehmigt hatte, blickte er nochmals hin und schüttelte mit einem verwegenen Schmunzeln den Kopf...

Huch! ... was sollte das denn bedeuten?

James hätte schwören können, in diesem Moment gefühlt zu haben, wie etwas - nur hauchzart! - an seinem linken Ohr vorbeigeglitten war..

James schluckte, zog seine Augenbrauen hoch zu einem Blick, der dem eines Dackels würdig gewesen wäre und blickte schliesslich schüchtern zur Seite, wo ihn bereits ein Gentleman mit einem kecken Grinsen auf dem Gesicht begrüsste. Ein solch unverschämtes Lächeln, in wessen Mundwinkel bereits die Kippe zu glühen begann, die sich James eigentlich in diesem Moment hätte selbst anstecken wollen..

„Guten Abend, Jimmy".

Verfluchte Scheisse.. nein, falscher Satz..
Reiss Dich zusammen, Jim!

"Hi Mar.."

Brando warf den Kopf mit dem dunklen Haarschopf in den Nacken, schlotete einen unverdienten Zug von James Zigarette und bedachte ihn mit einem anlassenden, beinahe überheblichen Blick in seinen dunklen Augen. Einmal tief durchatmen, dachte sich James, richtete seinen Blick gegen innen und herab zu Brando's säuberlich gebürsteten Schuhen; wieso nur klopfte dieses Herz, ausgerechnet–! bei diesem asozialen Menschen?

Charmierend, zog Marlon seine rechte Augenbraue leicht in die Höh, grinste nur frech, als er den Zigarettenrauch nach unten zu James' linkem Schuh hin ausströmen liess.

"Converse?"

James schenkte seine Aufmerksamkeit noch einen kurzen Augenblick diesen perfekt polierten Schuhwerk und hob den Blick sodann, um sich für einen Moment in diesen charismatischen Augen zu verlieren.

"Jack Purcell. Converse, sich unterhalten.."

In James' Stimme lag noch eine Menge Schüchternheit.

Marlon's tollkühner Blick schweifte nur kurz von ihm ab, um die hübsche Brünette im rosa Kleid beim Verlassen der Bar zu beobachten. Er bog sich leicht zurück, damit er noch einen letzten, betörenden Blick auf sie erhaschen konnte.

Nein.. dieser Marlon hatte weder Charme, noch Stil.. er hatte sich kein bisschen verändert.

Diesen Augenblick nutzte James, um sein Gegenüber besser zu mustern zu können, ohne dass es aufdringlich wirkte. Das dunkle Haar war ordentlich zurückgegelt, ein herber Duft ihn umschmeichelnd, der schwarze Anzug, der so perfekt stimmte, musste wohl eine Massanfertigung sein. Auch farblich war er haargenau zu seinen Schuhen abgestimmt. Die Krawatte, darunter ein weisses, klassisches Hemd. Gentlemanlike? Aber ganz und gar!

Etwas kräftiger war er geworden seit ihrem letzen Aufeinandertreffen, seine Kinnpartie etwas weicher – dies stand ihm gut, wie James fand; kniff sich selbst in seinen rechten, von Marlon's Augen verborgenen Oberschenkel und hielt sein Pokerface aufrecht.

Jetzt bloss nicht weich werden, so wie all' die anderen vor Dir.. Er ist Schauspieler, genau wie Du - er ist nur ein gottverdammter Schauspieler!

...

Marlon neigte seinen Kopf leicht zur Seite, hob sein Kinn und brachte ein neckisches Lächeln über's Gesicht.

"Man sagt sich, Du hättest wieder einen neuen Film am Start. Rocky Graziano, war das nicht diese Boxlegende?"

"Wusstest Du, dass ihm einmal die Boxerlizenz entzogen wurde, weil er einen Bestechungsversuch verschwiegen hatte?"

"Sieht Dir ähnlich...."

So, wie James Dean lächelte, tat es nur ein Mann, der sich geschmeichelt fühlte. Menschen zu lesen lag Marlon im Blut..

Es war so offensichtlich..

Marlon hatte James schon lange um den Finger gewickelt, noch ehe dieser etwas davon hätte mitbekommen können; seinen Reizen war sich Marlon sehr wohl bewusst gewesen und Menschen zu lesen lag ihm – und er wusste genau, wie er seine Vorzüge einzusetzen hatte. Diesmal verfehlten sie ihre Wirkung nicht..

So begann er neckisch, seinen linken, unteren Lippenbogen mit seiner Zungenspitze zu bespielen, wartete James' Reaktion taktierend ab, ehe er dem verwirrenden, schüchternen Blick James' mit jenem Lächeln quittierte, das den zahlreichen Mädchen schon reihenweise deren Kopf zu verdrehen wusste.

Auch dieses mal sollte mindestens ein Kopf nicht unverdreht bleiben.

James, der, mitten im brandoschen Bann, sich nichts sehnlicher wünschte, als sich in sein kuschliges Schneckenhaus zurückziehen zu können, konnte selbst gar nicht mehr anders, als sich, mit der vor Marlon verborgenen rechten Hand, am Barhocker festzukrallen, sich davor hütend, nicht noch mit all den verwirrenden Schmetterlingen jählings vom Barhocker zu plumpsen.

Er strich sich, seinen Gefühlen trotzend, über seinen Nacken und musste sich eingestehen, dass ihn Marlon Brando Schachmatt gesetzt hatte. Sein Idol spielte seine Asse mit einer so unverblümten Sexappeal aus dem Ärmel, dass es schon an Schänderei grenzte. Dieser unverschämte Brando.. rücksichts -und schamlos wie eh und je.

Ein spitzbübisches Schmutzeln konnte sich James bei all dem charmanten Geprotze dennoch nicht verkneifen und stimmte sich schliesslich auf das Balzritual ein, sich beide Daumen lässig in die Gürtelschlaufen seiner Levi's 501 Jeans einhängend, die er einst an seiner Röhrenheizung geschrumpft hatte. Nein, die Jeans, nicht die Daumen.. Oh, fuck.. wir sind alle mindestens so durcheinander wie Jimmy. Eigentlich sollten wir Marlon Brando dafür hassen. Wir tun's aber nicht.

Schande über ihn!!

Schliesslich zündete James Dean sich eine erneut gezückte Camel an, sein Becken in prächtigster Westenmanier zurückgekippt, diesen gemeinen Hundsköter von der Seite her mit seinem unmoralisch-sinnlich und trotzigem Blick bedenkend. Marlon's breites Grinsen schloss sich bei diesem unwiderstehlichen Anblick einem anerkennenden Lächeln, als er seine Kippe aus dem Mundwinkel befreite und deren Rauch mitten in's Gesicht dieses schüchternen, zugegebenermassen nicht ganz unsympathischen, kleinen Rebellen ausströmen liess.

James Dean blitzte ihn noch durch diese Rauchwolke hindurch so mysteriös an, wie er es schon eben getan hatte.

Marlon hielt inne, bevor er sich den nächsten Zug seiner Zigarette hätte gönnen wollen -

auf seine Weise hatte dieser Jimmy Dean etwas an sich, was ihn nicht im Geringsten an die anderen erinnerte.

Wem hätte er 'Charme' oder 'Charisma' zugesprochen, wenn nicht ihm?
Jedoch war Marlon mindestens ebenso verwirrt, wenn nicht gar verunsichert, durch die mysteriöse Ausstrahlung dieser blauen Augen..

Bei diesem Anblick zog Jim's aufmerksame Barkeeper-Augenbraue in unsagbare Höhen.

Diese Schauspieler schon wieder! Er wandte sich sogleich wieder seiner Arbeit zu. Was diese heute wohl schon wieder für Zigaretten geraucht hatten?! Er wusste es nicht und - wollte es nie erfahren.

James Blick wurde schwermütig, als seine Augen die Marlon's trafen, als er sich selbst ermahnte, dass er heimkehren musste.

„Hey.. man.. sorry. Die Proben sind morgen früh wieder dran. Und Zuhause wartet noch meine kleine Katze auf mich..", er räusperte sich und rieb sich seine Nase. Sein Blick war abgewendet.

"Eine Katze?
Ah, klar.."

"Nein! Ich meine, ja..
sie trinkt Milch und frisst Fleisch. Keine solche Katze."
James kicherte und hielt sich die Faust mit der Zigarette zwischen den Fingern vor den grinsenden Mund.

"Aha?"
Marlon schmunzelte quittierend und klopfte schliesslich mit seinem Zeigefinger einen Bongo Rhythmus auf den Barthresen.

„Lass uns morgen Abend hier treffen "

Sein leidenschaftlicher Blick richtete sich, von seinen Schuhen, direkt in James' blaue Augen, die diesen Moment wieder von der braunen Brille umrahmt wurden. Jimmy lächelte, diesmal offen und direkt, legte das Brillenputztuch zur Seite, hob die Augenbrauen an und stützte sein Kinn schliesslich in die Handfläche.

Hinter dieser offensichtlich schwer zu verstehenden Fassade wusste ein sehr sensibles, kreatives Herz, bisher auch erfolgreich, sich zu verstecken.
Marlon wusste es..

Es war so.. gewisse Dinge konnte man auf Anhieb erkennen, das gewisse Etwas sah man aber eben nur mit dem Herzen gut - und erst danach auf den zweiten Blick (den es also gar nicht zu geben schien..).

„Um sieben?"

schlug James prompt vor, während sein rechter Fuss umgehend nervös zu wippen begann, er zog ihn jedoch gleich mit seinem linken Turnschuh wieder an sich.

Marlon legte den Kopf schief und stützte sein Kinn in seine rechte Handfläche.

„Dinner.",

Oh, Marlon... Du wirst schon sehen, dachte sich James und versicherte sich, dass sie nach bester italienischer Sitte verwöhnt werden würden.

Nach einem Handschlag machte Marlon auf seinem linken Absatz Kehrt, und verliess mit seinem beschwingten Gang das Villa Capri.

Ach, alles was hier momentan beschwingt schien, war die leise rieselnde Swing Musik..

Als die Tür hinter ihm in's Schloss fiel, blickte James verstohlen über den oberen Rand seiner Brille hinweg und begann zu kichern.

Jim, der Barkeeper, der wieder grummelig seine Gläser stapelte, schüttelte nur ungläubig den Kopf. Er lachte auf und würdigte James seines Blickes.

"Diese Schauspieler!"
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