Die Halbe Gesellschaft

von Himalaja
GeschichteFreundschaft / P12
01.02.2019
23.05.2019
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Zuerst einmal: Es tut mir furchtbar leid, dass ich den Upload vergessen habe, aber ich war den gesamten Sonntag unterwegs und hab dann total verpeilt. Jetzt: Viel Spaß mit dem Kapitel!

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Wie ich jetzt in diese Situation geraten war, war mir ein Rätsel. Ich saß in einem abgeschlossenen Raum, an einem alten Tisch, und mir gegenüber hatte sich Arthur Auguste Angel auf seinen Ellbogen gestützt. Herausfordernd sah er mich an. Ich sagte nichts. Was denn auch? Niemand hatte mir gesagt, warum ich hier war.

„Du bist der Sohn Satans.“, haute er dann ernsthaft raus, direkt in einem anschuldigenden Ton.

Ich murrte leise. „Ich bin Rin Okumura und kein Dämon.“

Er hob arrogant die Augenbrauen. „Für diese Behauptung bist du erstaunlich tief in die Illuminati verstrickt.“

„Was soll das-…“

„Die Schwarze Prinzessin.“, warf er mir vor. „Mir kam zu Ohren, dass du sie als Freundin bezeichnet hast. Und wenn der Sohn Satans mit Lucifers Tochter unter einer Decke steckt, macht man sich Gedanken. Vor allem nach einer solchen Kriegserklärung.“ Der nächstbeste Sündenbock, was? Warum nicht Samael? Ich verzog das Gesicht, spürte den Verband an meinem Bauch. Die Wunden heilten kaum.

„Also stimmt es wirklich?“, fragte ich leise nach. „Sie hat immer nur gesagt, dass sie nicht wüsste, wer ihr Vater war.“

Angel lachte hochmütig. „Ach ja? Wie naiv für einen angehenden Exorzisten. Man kann Dämonen eben nicht trauen.“ Ich biss die Zähne zusammen. Ruha steckte bis zum Hals in der Klemme und dieser Idiot machte sich noch über sie lustig.

Der Paladin beugte sich vor, etwas zu nah für meinen Geschmack. „Jetzt hör mir mal ganz genau zu. Diese Dämonin, ob Nephilim oder nicht, ist ein noch größerer Brandherd als du kleine blaue Sparflamme. Unkontrolliert, emotional und unversiegelt. Wenn auch nur der geringste Verdacht besteht, dass sie mit den Illuminati affiliiert ist und du Verbindungen zu ihr hast, wird der Vatikan augenblicklich deine Hinrichtung befehlen. Als Sohn Satans bist du schon so Gefahr genug, als Verräter können wir dich nicht gebrauchen.“ Sein Schwert funkelte mit blutrünstig an. Angel wollte mich lieber gestern tot sehen als heute, klar. Aber ganz ehrlich: Ich wurde verwarnt, während Samael derjenige war, der sie nach Strich und Faden vorgeführt hatte? Und um Ruha machte ich mir ernsthaft Sorgen. Als ich sie zuletzt gesehen hatte, war sie in einem erbärmlichen Zustand gewesen. Außerdem, so, wie ihr Vater sie behandelte, war ich froh darüber, wie ich aufwachsen durfte!

„Dann hätten wir das. Mehr darf ich leider nicht tun, als dich zu warnen.“, gab er dann vor sich, als wäre es eine Schande, dass er mich nicht hier und jetzt enthaupten durfte. Dabei war ich doch der Einzige gewesen, der sich ernsthaft gegen die Illuminati gewehrt hatte! Der Rest hatte nur tatenlos daneben gestanden…

Angel öffnete mir mit einem Schlüssel die Tür, zu meiner Überraschung führte sie in den Klassenraum des Kollegs, wo bereits die anderen Exwire, Yukio und Shura beisammen standen.

„Was ist denn hier los?“, fragte ich irritiert. Shiemi lächelte erleichtert, als sie mich sah. „Rin! Wo warst du?“

Ich kratzte mich unwillig im Nacken. „Der Paladin war der Meinung, mir einen weiteren Grund zu nennen, warum man mich hinrichten könnte.“, gab ich zu, Bon schnaufte nur, als hätte er sich das schon gedacht. Yukio winkte mich heran.

„Wir wurden beauftragt, schnellstmöglich auf die Suche nach Izumo Kamiki zu gehen und sie zu befreien.“, fasste er für mich nochmal zusammen. Ich nickte etwas überrascht. Wo Izumo war, sollte auch Ruha sein, und dementsprechend auch Nasu und Amon, wenn man sie nicht geschnappt hatte…

Und dennoch. „Wer hat den Auftrag gegeben? Mephisto?“, fragte ich grimmig nach. Das nächste Mal würde er mir nicht so einfach davonkommen! Das Schweigen der Anderen war mir Antwort genug.

„Was hast du eigentlich für ein Problem, Mann?“, schnauzte Bon mich an. Ich warf ihm einen bösen Blick zu. „Mich wundert’s, dass ihr keines habt! Er hat unsere Freunde ausgeliefert, ohne mit der Wimper zu zucken! Er war es, der Amaimon auf uns gehetzt hat, und trotzdem misstrauen alle nur mir! Seine einzige Absicht ist Entertainment, und wir bieten es ihm. Das kotzt mich an.“

Shura gab ein trockenes Lachen von sich und packte mich am Kinn. „Da macht sich wohl jemand etwas zu viele Sorgen um seine kleine, dämonische Freundin. Womit hat sie dich eigentlich um den Finger gewickelt?“ Ich riss mich los und spürte, wie meine Schwanzspitze aufflackerte. Was dachte sie eigentlich? Dass ich ein kleines, naives Kind war? Ohne Ruha säße ich längst wieder in einer Zelle und würde auf meine Hinrichtung warten!

Mein Blick fiel auf Bon, erst jetzt fiel mir die unfassbare Wut auf, die in seinen Augen brannte. „Ich kann nicht glauben, dass Shima ein…“, fing ich an, er knurrte. „Dieser Idiot ist doch viel zu dämlich, um ein Spion zu sein! Wenn wir ihn zurück haben, wird er die Abreibung seines Lebens kassieren.“, meinte er überzeugt, ich lächelte, als die anderen ihm zustimmten. Auch Yukio wirkte entschlossen, auch wenn unsere Chancen gering waren. Eine Handvoll Exwires gegen die Illuminati? Ich grinste. Immerhin hatten wir mich dabei, nicht?



Daheim machten Yukio und ich uns direkt daran, unsere Sachen zu packen. Wechselkleidung, falls welche zerfetzt wurde, und so was. Yukio warf mir einen abwägenden Blick zu, packte dann Verbände und eine seiner selbstgemischten Wundsalben in seinen Rucksack. Mit dem Rest trat er zu mir. „Zieh dein Shirt aus, ich will den Verband wechseln, bevor wir nachher im Zug sitzen.“, wies er mich an, ich gehorchte seufzend und setzte mich. Geschickt löste er die Lagen um meinen Bauch, ich zuckte minimal, als das angetrocknete Blut an meinen Wunden zog. Wenn ich nach unten sah, sah es wirklich ziemlich brutal aus. Lucifer hatte aus mir fast einen Schweizer Käse gemacht, zimperlich konnte man das nicht nennen. Yukio strich sie sorgfältig mit der Kräutersalbe ein, bevor er einen neuen Verband anlegte.

„Du solltest es nicht so strapazieren. Mit deinem dummen Angriff gestern Nacht hast du alles nochmal schlimmer gemacht.“ Ich rollte mit den Augen. Samael hatte es mehr als verdient!

Ich zog mein Shirt wieder über, ein Maunzen unterbrach mich beim Packen. „Geht ihr beiden irgendwo hin?“

„Wir haben eine wichtige Mission. Und wir wissen nicht, wann wir wieder zurück sind, richtig?“

Yukio sah auf. „Kuro?“ Ich nickte. „Das stimmt, wir wissen es nicht. Kuro, bleibst du hier?“, fragte mein Bruder.

„Nein, ich will auch mitkommen!“, rief der Kater aufgeregt. Ich schmunzelte, sah mich dann aber um. „Verdammt, ich hab’s vergessen! Wo steckt Oro? Ich kann sie hier nicht allein lassen…“

„Sag bloß, du hast den Hund nicht gefüttert.“, stellte Yukio glatt fest. Ich lächelte schief. „Wann denn, zwischen Tanzparty und Illuminati?“ „Der Köter ist draußen rumgelaufen!“, teilte mir Kuro mit, schien aber recht zufrieden mit dieser Tatsache zu sein. Ich sah zu Yukio. „Ich suche ihn, okay? Er ist Ruhas Begleiter, vielleicht kann er uns helfen, die Illuminati zu finden.“

Wenige Minuten später, in denen ich erfolglos gesucht hatte, hörte ich auf einmal ein Winseln, das mir bekannt vorkam. Um die nächste Ecke saß Oro und schnüffelte den Boden ab, bei Tageslicht konnte ich es kaum erkennen, aber die Brandspuren auf dem Boden sagten mir, dass wir hier gestern Abend gekämpft hatten. Und wo der Höllenhund (zu meiner Beunruhigung ohne Shirt, das seine Flügel verbarg) hockte, hatte Shima die gefesselte Nephilim abgelegt. Ich seufzte und streichelte das Hündchen. „Keine Angst. Sie kommt schon zurück. Das verspreche ich.“



Am Bahnhof wurde ich dann komisch angeguckt. „Seit wann hast du denn einen Hund, Okumura?“, fragte mich Koneko und warf einen zweifelnden Blick auf Oro, die trotz ihrer Leine wild herumstreunte und dabei so einiges vollsabberte. Yukio schnaubte, Kuro saß auf seiner Tasche, weil ihm der Hund nicht geheuer war. „Rin hat es sich wohl in den Kopf gesetzt, unser leeres Wohnheim in ein Tierheim zu verwandeln.“ Es wunderte mich, dass er ihnen die Sache mit Ruha verschwieg. Anscheinend wollte er es dem Welpen nicht schwerer machen als nötig.

„Der ist doch total niedlich!“, meinte Shiemi übermütig und akzeptierte die Freundschaftsküsse des Hündchens. Bon schnaubte genervt. „Das Tier ist uns doch ein Klotz am Bein.“ Skeptisch betrachtete er den Hundepullover mit der Aufschrift „Man’s best friend!“. Ich schüttelte den Kopf. „Ich kann ihn nicht alleine lassen. Außerdem…“ Yukio warf mir einen eindeutigen Blick zu, dass ich es nicht schlimmer machen sollte.

Paku lächelte uns schüchtern an. „Ich kann nichts tun, um zu helfen, aber ihr alle… passt gut auf euch auf!“ Ich grinste und winkte ihr zu, unser Zug war am einfahren. „Klar, du kannst auf uns zählen!“ Sie verabschiedete sich noch schnell von Shiemi, als wir auch schon einsteigen mussten. Hastig suchten wir uns Plätze, verstauten die Taschen. Kuro machte es sich ebenfalls auf den Gepäckhaltern bequem, während ich Oros Leine um die Armlehne meines Stuhls wickelte. Der Welpe schien sich ausgetobt zu haben, denn er rollte sich auf dem Boden zusammen und nickte zuckersüß ein.

„Wohin sind wir unterwegs?“, fragte dann Bon, nachdem wir es uns bequem gemacht hatten. Takara (oder seine Puppe) antwortete: „In die Nähe des Inari-Schreins in der Shimane-Präfektur.“ Yukio schob seine Brille hoch. „Dorthin waren die Illuminati unterwegs. Und wir fahren zum Haneda-Flughafen, wo wir ein Flugzeug nehmen.“

„Einen Flieger?“, fragte ich erstaunt. „Ich war noch nie auf einem!“ „Ich auch nicht…“, gab Shiemi nervös zu. „Eigentlich macht es mir ein bisschen Angst… Warum können wir keinen magischen Schlüssel benutzen?“

„Die kommen mit so vielen Leuten nicht klar. Wie in Kyoto, wenn du dich erinnerst.“, erklärte mein Bruder. Koneko wandte sich an Tanaka. Was es mit dem Typen auf sich hatte, hatte ich noch nicht ganz kapiert. Hatte er nicht gegen Shima gekämpft oder so? Auf jeden Fall war er da gewesen. „Woher wusstest du, dass sie in Shimane sind?“ „Ich habe eine Puppe beschworen und sie auf Izumo Kamiki platziert.“, krächzte die Puppe. „Ich kann die Objekte lokalisieren, die ich beschwöre. Wie mit Transmittern.“

Yukio räusperte sich. „Kamiki und Paku stammen aus Inari.“ „Ach, echt?“, bemerkte ich. Das hatte ich gar nicht gewusst… Ehrlich gesagt hatte ich nie gefragt, woher sie kamen. Und wo lag das überhaupt? Shiemi schien nachdenklicher als ich. „Also haben sie sie entführt und dahin zurückgebracht, wo sie herkommt? Ich frage mich, warum?“ Ich lehnte mich zurück und schloss die Augen. Das Warum war mir eigentlich egal. Ich wollte nur meine Freunde zurück.



Wenige Stunden später hatte ich Japan zum ersten Mal von so weit oben gesehen und stand vor dem Ausgang des Flughafens. Und was wurde uns dann gesagt? Alle Busse waren weg, also mussten wir tatsächlich bis zum Schrein laufen. Warum dahin überhaupt Busse fuhren, war mir ein Rätsel. Die Reisfelder in der Umgebung jedenfalls waren wirklich schön. Ich kam so selten aus der Stadt raus, dass das traditionellere Japan immer ein Wunder für mich darstellte. Und dass ich mich zwischendurch wieder mit dem grummeligen (noch schlimmer als sonst) Suguro in die Haare bekam, erleichterte mich tatsächlich. Wenn wir alle die ganze Zeit so trübe durch die Gegend starren würden, würden wir niemanden retten können!

Apropos retten… Ich spürte schräge Blicke auf mir liegen, als ich mein Telefon aus der Tasche zog und Nasus Nummer wählte. Hoffentlich störte ich nicht bei irgendetwas. Es klingelte. Lange. Mittlerweile waren die anderen stehengeblieben und beobachteten mich – kein Wunder, der einzige, den ich normalerweise anrief, war Yukio, und der stand hier. „Godaiin?“, rätselte Koneko, ich schüttelte den Kopf. Sie ging ran.

„Okumura?“, grüßte mich Nasus Stimme, sie klang abgehetzt.

„Hi! Ich wollte mal fragen, ob ihr was gefunden habt.“

„Ja, aber wir kommen verdammt nochmal nicht rein.“, fluchte sie.

Ich zögerte. „Ihr seid auch in Inari, richtig? Ich bin in ein paar Minuten dort.“ Im nächsten Moment musste ich das Telefon von mir weg halten, weil sie so laut brüllte, dass selbst Shiemi zusammenzuckte.

„Sag mal, hackt’s bei dir, du Idiot? Wenn du dich jetzt in die Bredouille bringst, sind wir alle am Arsch, also verkneif dir deine hirnrissigen Ideen und sitz den Mist zuhause aus!“

Ich verzog das Gesicht und näherte mich wieder vorsichtig dem Hörer. „Es ist alles, okay, das hier ist alles auf Befehl. Alles autoritiert.“

„Autorisiert, du Hohlbirne.“

„Jetzt mach ihn doch nicht so runter, Nasu.“, hörte ich Itachi im Hintergrund bitten.

Ich musste grinsen. „Habt ihr eigentlich Neuigkeiten von Sus-“

„Ich schwöre dir, Rin, wenn gerade Exorzisten neben dir stehen und du seinen Namen ausplauderst, mach ich dich einen Kopf kürzer.“, unterbrach Nasu mich. Ich warf einen Blick zu Yukio.

„Hey, das klingt vielleicht etwas dämlich, aber…“, fing ich an. „Wie wäre es, wenn wir diese Sache gemeinsam angehen? Zusammen haben wir vielleicht bessere Chancen, sie alle zu retten.“

Nasu zögerte, ich spürte das Misstrauen von Yukios Seite. Klar, er kannte sie nicht. „Wie viele Frauen sind in deiner Truppe?“ „Z-… Eine, Shiemi. Und sie ist in Ordnung.“ Der Ton aus meinem Handy verriet mir, dass sie aufgelegt hatte. Ich steckte es weg, stellte mich den Blicken meiner Freunde. Vor allem Shiemi war verunsichert.

„Was hat das zu bedeuten, Rin?“, fragte Yukio vorahnungsvoll. Ich grinste breit.

„Das, Brüderchen, war die Verstärkung, die wir für diese Aktion dringend brauchen können.“
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