Die Halbe Gesellschaft

von Monklet
GeschichteFreundschaft / P12
Lucifer Mephisto Pheles OC (Own Character) Rin Okumura Yukio Okumura
01.02.2019
20.03.2020
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Genervt schaute ich durch die Gegend, die meisten Schüler verzogen sich bei meinem Blick. Warum musste Yukio mich auch immer so wie ein Kleinkind behandeln? Ich war sein Zwilling, verdammt nochmal! Nur weil ich vielleicht nicht so gut im Pauken war wie er, musste er mich noch lange nicht so behandeln. Nun gut, möööglicherweise hatte ich auch wieder die Hausaufgaben vergessen. Aber nur weil er mein Lehrer war, musste er mir dafür nicht gleich Strafaufgaben geben… Immerhin war ich sein großer Bruder.

Seufzend ließ ich mich auf eine der Bänke im Park neben der Cafeteria fallen, mein Rucksack und Kurikara landeten mit einem dumpfen Geräusch neben mir. Demotiviert beobachtete ich die anderen, lachenden Schüler, bevor ich mein selbstgemachtes Bento aus der Tasche kramte und nach den Stäbchen griff. Ich grinste selbstzufrieden. Yukio konnte bloß froh sein, einen so tollen Bruder zu haben, der ihm auch noch das Mittagessen kochte! Ich wünschte mir selbst einen guten Appetit und stopfte mir schon die erste Ladung in den Mund.

„Guten Appetit, Rin!“ Kuro hüpfte geschickt neben mir auf die Bank und setzte sich auf meinen Rucksack, beäugte neugierig mein Essen. So aufgeregt, wie er schwänzelte, würde er gleich zu sabbern beginnen. „Hey, Kuro!“, begrüßte ich ihn nur aufgemuntert und pickte sogleich ein Stück Fleisch aus meinem Bento, hielt es ihm hin. „Du siehst hungrig aus.“, gab ich ihm zu verstehen, dass er gerne zugreifen konnte. „Danke, Rin!“, rief er glücklich und knabberte an seinem Snack. Ich lachte leise. Zu zweit aß es sich immer besser.

Plötzlich überlief mich ein Schauer, mein Schweif juckte unter meinem Hemd. Auch Kuro war stocksteif geworden, seine Schwänze schnurgerade aufgestellt. Er hatte sogar sein kostbares Fleisch fallen lassen, das glatt auf den Gehweg purzelte. Mit großen Augen beobachteten wir, wie ein schlanker, schwarzer Hund darauf zusprang und es mit einem Bissen verschlang, uns einen hechelnden Blick zuwarf, mit gespitzten Ohren sofort weiterhetzte. Irritiert sah ich zu Kuro. „Hatte der Hund gerade ein Shirt an?“

Der kleine Kater antwortete nicht, sondern sah trauernd dem anderen Tier nach, das gerade sein Mittagessen geklaut hatte. „M-Mein Essen…“, wimmerte der Cait Sith, ich lächelte nur aufmunternd und strich ihm über den Schädel. „Denk nicht darüber nach, Kuro. Hier, nimm noch etwas von mir. Die Kampfstunde heute fällt aus, ich werde auch so satt.“ Rin, du bist der Beste!“, maunzte er und rieb seinen Kopf an mir, ich lachte nur. „Du doch auch, Kuro!“



Wenige Minuten später saß ich in der nächsten Stunde – eine der wenigen, die ich zusammen mit den normalen Schülern und nicht nur mit den anderen Exwire hatte. Wenn ich schon Yukios Unterricht für langweilig befand, das hier toppte es bis zum seligen Entschlafen. Die Lehrerin war eine alte Schrulle, die wie angetrunken vor sich hin laberte. Ich war mir nicht einmal sicher, welches Fach es war – vermutlich Geschichte oder Geografie oder so. Das einzig Gute an ihrem Unterricht war, dass diese Frau so schlecht sah, dass ihr nicht einmal auffiel, dass Kuro sich mitten in der Stunde in den Raum schlich und auf meinen Schoß sprang, um sich Streicheleinheiten abzuholen. Ihm war eben auch langweilig, wenn ich nicht da war. Die Blicke meiner Mitschüler merkte ich nicht einmal mehr.

Müde lungerte ich auf meinem Pult herum, musterte die anderen Schüler. Die hatten bestimmt auch andere Probleme als ich. Eine angedrohte Hinrichtung war eine ganz andere Motivation als einfach nur der Druck von den Eltern. Alle wirkten sie motiviert und fröhlich, weil sie auf so eine tolle Schule gehen konnten. Fast schon nervig, die meisten von ihnen, auch wenn ich es verstehen konnte. Die Heilig Kreuz war eben die wohl beste Schule des Landes.

Gerade stand ein Mädchen von ihrem Platz auf, um mehr als nur ausführlich die Frage der Lehrerin zu beantworten. Genauer gesagt war sie dabei so detailreich, dass nicht einmal mehr diese mitkam. Das irritierte Gesicht der Frau brachte mich dann doch zum Grinsen, als sie nachhakte und das brünette Mädchen tatsächlich ihren Kurzvortrag wiederholte. Und noch weiter vertiefte. Ob es ihr Hobby war, Lehrer um den Verstand zu bringen? Yukio wäre beeindruckt, würde ich mir eine Scheibe von ihrer Taktik abschneiden.

„Vielen Dank für deine Ausführungen, Portia.“, unterbrach die Lehrerin sie schließlich zögerlich, ich beobachtete das Ganze nur interessiert aus der hintersten Reihe, auch Kuro hatte das Köpfchen gehoben. „Irgendwas hier riecht komisch, Rin.“, informierte er mich nach einigen Sekunden, schnüffelte in der Gegend herum. Ich zuckte mit den Schultern, Portia setzte sich gerade wieder auf ihren Platz direkt vor mich und strich ihren kurzen Uniformrock zurecht. Ich blinzelte überrascht. Hatte ich heute zu wenig getrunken oder wedelte da wirklich die Spitze eines Schwanzes hinten aus ihrem Bund, dort, wo sich die Bluse etwas gelöst hatte?

„Rin, ist das…“ Ich drückte Kuro wieder unter den Tisch, nicht dass die alte Schrulle noch etwas bemerkte. „Hast du das auch gesehen?“, flüsterte ich, zuckte zusammen, als Portia sich stirnrunzelnd umdrehte und mit einer Hand ihre Kleidung richtete. Prüfte sie gerade, ob ich irgendetwas gemerkt hatte? Unauffällig, unauffällig, wie verhielt ich mich am Besten unauffällig?

„Ist alles in Ordnung, Okumura?“, wurde ich plötzlich von der Lehrerin angesprochen, der Schweiß stand mir auf der Stirn. „Ja, ähm, Frau…ehm…“, stammelte ich. Sie stemmte ihre dürren Arme in die Seiten, hob mit einem teuflischen Zucken ihrer ledrigen Mundwinkel die faltigen Augenbrauen. „Dann kannst du doch sicher auch meine Frage beantworten, nicht?“



„Ich hasse Schule… Warum müssen die Lehrer immer auf einem herumhacken?“, grummelte ich missmutig nach der letzten Stunde, Kurikara locker über die Schulter geschwungen, mein Rucksack schliff lustlos über den Boden. Wenige Meter vor dem Wohnheim, das nur mir und meinem Bruder als Schlafplatz diente, begrüßte mich zum wiederholten Mal an diesem Tag Kuro, der still neben mir her lief. Der kleine Kater schien nachdenklich, aber ich ließ ihm seine Ruhe. Bestimmt wartete er nur darauf, etwas von Ukobachs Essen abzubekommen.

Gelangweilt stieß ich die Tür zum Wohnheim auf, grüßte im Vorbeigehen Ukobach in der Durchreiche der Küche, ohne zu wissen, ob er überhaupt zu sehen war, und trat nach weniger Zeit in unser Quartier. Warum wir überhaupt in einem der höheren Stockwerke wohnten, wo doch auch im Erdgeschoss Zimmer waren, fragte ich mich nicht. Es war Yukios Entscheidung gewesen, vielleicht war die Aussicht hier besser oder so. Oder eher seine hochgeschätzte Lernatmosphäre.

„Auch endlich hier? Wo hattest du denn Unterricht, dass du erst jetzt zurück bist?“, grüßte mich mein Zwilling direkt. Ich rollte mit den Augen. „Dir ist schon klar, wie verdammt riesig dieser Campus ist? Sich hier nicht zu verlaufen, ist schon eine Leistung, und die Räume für die Standardfächer sind nun mal auf der anderen Seite der Welt. Das hättest du schon früher gemerkt, hättest du nicht immer ewig Lehrerbesprechungen im Kolleg.“

Ich schmiss mich rücklings auf mein Bett und vergrub mein Gesicht in den Kissen, Kuro rollte sich vorsorglich neben mir zusammen. „Vergiss nicht, dass du Hausaufgaben hast, Rin.“, erinnerte mich Yukio wie jeden Tag. Nur heute mit besonders peniblem Ton, als würde er sich an unsere kleine Situation vorhin in seinem Unterricht erinnern. Ich grummelte nur verstehend.

„Sag mal, Yukio…“, begann ich schließlich nachdenklich und drehte mich auf den Rücken, mein Schwanz wedelte langsam in der Luft. „Gibt es eigentlich auch andere Wesen mit einem Schweif, außer Dämonen?“ Mein Bruder sah mich irritiert an. „Ehm, klar. Pferde, Hunde, Katzen, such dir was aus.“, antwortete er, ich schüttelte den Kopf. „Auch welche, die menschlich aussehen, wie ich?“

Yukio runzelte die Stirn. „Also mir würden da auf den ersten Gedanken wirklich nur hochrangige Dämonen einfallen. Das liegt vielleicht am Fachgebiet… Warum fragst du?“ Ich zuckte nichtssagend mit den Schultern. „Ich dachte vorhin in der Hitze, ich hätte etwas gesehen. Wahrscheinlich nur Einbildung, weil der Unterricht dieser Lehrerin so schrecklich öde war.“ „Ich hab das auch gesehen, Rin, mit dem Mädchen!“, schnurrte Kuro nur leise neben mir, ich strich ihm über das Fell.

„Sei lieber vorsichtig, wenn du so etwas siehst. Hochrangige Dämonen sind kein Spaß, du weißt, wie sie auf dich reagieren. Informier lieber direkt die richtigen Exorzisten wie Shura oder mich.“, informierte mich Yukio im Professorton, ich rollte mit den Augen. „Ja, ja, schon klar. Die letzten Begegnungen waren mir da schon genug. Alles, was Amaimon nur im Entferntesten ähnlich geht, kann mich mal.“, entgegnete ich und drehte ihm den Rücken zu. Yukio seufzte nur, als ich in Sekundenschnelle einschlief. Ich war seiner Ansicht nach wohl der Einzige, der mit dieser Taktik Gesprächen entging, ohne überhaupt die Augen schließen zu müssen.



Als ich aufwachte, war es mitten in der Nacht. Kein Wunder, so früh, wie ich eingeschlafen war, allerdings bedeutete das auch, dass ich das Abendessen verpasst hatte und jetzt fürs Erste keinen Schlaf mehr finden würde. Yukio auf der anderen Hälfte des Zimmers schlief noch, murmelte unruhig etwas vor sich hin. Solange er keinen satten Alptraum hatte, würde ich ihn nicht wecken. Leise schob ich meine dünne Decke beiseite und schwang die Beine aus dem Bett, gähnte. Kuro, den ich wohl ausversehen geschubst hatte, hob den Kopf.

„Rin?“ „Ich kann nicht mehr schlafen. Wollen wir draußen etwas spielen, Kuro?“, fragte ich ihn grinsend. Meine Hausaufgaben würde ich einfach vor dem Unterricht machen, das war kein Problem, wenn ich jetzt allerdings das Licht anschalten und meinen Bruder wecken würde, schon eher. Der Cait Sith nickte übermütig, schon vorfreudig auf unser nächtliches Herumtollen auf den Dächern der Akademie. Für ihn ein Heidenspaß, für mich ein gutes Training für meine Reflexe und ein bisschen zwanglose Zeit mit meinem so ziemlich besten Freund. Vielleicht könnte ich auch noch etwas für Shura üben…

Wir tollten bestimmt eine Stunde herum, bis ich mich auf einer der kleinen Grünflächen der Akademie liegend wiederfand, lachend von Kuros riesigen Pfoten in den Boden gepresst. Schnurrend funkelte der Kater mich an, ich setzte mich auf und streichelte ihm über die Nase. „Das hat Spaß gemacht!“, gab er von sich und verwandelte sich in seine kleinere Form, setzte sich auf meine Schulter. „Immer doch!“, antwortete ich nur grinsend und ließ mich schließlich auf einer Parkbank nieder. Von hier aus konnte man die halbe Stadt unter uns überblicken, die bunten Lichter und dunklen Fenster, ganz in der Ferne schon die Felder und Gebirge.

Ich lehnte mich zurück. Etwas müde war ich jetzt schon, wenn wir jetzt zurückgehen würden, könnte ich noch ein paar satte Stunden Schlaf abstauben… Meine Augen fielen gerade schon zu, als sich jemand plötzlich neben mir auf die Bank setzte. Überrascht ruckte ich auf, schmiss fast Kuro von meinem Schoß, starrte so irritiert das Mädchen neben mir an, dass ich ganz vergaß, wie mein Schwanz wild hinter mir wedelte.

Die Schülerin mit ihren hellbraunen Haaren und ihrer absolut geraden Haltung kam mir bekannt vor, aber Kuro fiel eher der Hund auf, der vor ihren Füßen Platz gemacht hatte. Der Kater fauchte das Tier böse an, das nur dümmlich hechelte. „Rin, der hat mein Essen geklaut!“, beschwerte sich mein Freund und blickte mich bettelnd an. Was sollte ich denn jetzt bitte machen? Ich könnte doch niemals ein Tier verletzen, geschweige denn Anschreien!

„Kein Guten Abend?“, wurde ich schließlich von der Seite angesprochen, das dünne Mädchen sah mich mit gehobenen Augenbrauen an. Trotz der Dunkelheit leuchteten ihre großen Augen mit einem hellen, klaren Grün. Verdutzt sah ich sie an. „Ehh… hi?“ Mit ratterden Gedanken versuchte ich, auf ihren Namen zu kommen, aber sie hob nur einen Mundwinkel, weniger amüsiert als eher auf eine arrogante Art.

„Ich heiße Portia Macbeth, wir sind schon das gesamte Schuljahr in derselben Klasse. Und du bist Rin Okumura, der hinter mir sitzt und nie aufpasst.“, erklärte sie, schmunzelte jetzt wirklich. Sie zeigte auf ihren Hund, dann auf Kuro, der in einigem Abstand Stellung bezogen hatte. „Und anscheinend haben wir beide die seltsame Angewohnheit, mitten in der Nacht mit unseren Haustieren spazieren zu gehen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich niemanden kenne, der seine Katze ausführt.“

Ich starrte sie nur verwundert an, während mein Blick langsam zu ihrem Schweif wanderte – der offen sichtbar aus ihrem Rock wedelte.

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Erst mal hey an alle, die mich nicht kennen! Und an alle anderen!
Seit ein paar Tagen schwebte das hier in meinem Schädel herum und bat darum, auch wirklich Projekt genannt zu werden...
Tja, hier sind wir.
Ich wollte nur hier, kurz vor (oder nach) dem Start kurz erklären: Meine Uploads sind abhängig von den Reviews. Grundsätzlich gibt es ein Kapitel pro Woche, bei einer Review verkürzt es sich um 2 Tage, für jede weitere um einen Tag. Es hängt also von euch ab, wann das nächste Kapitel kommt! Auch wenn ich nicht an Cliffhangern sparen werde, um euch "Starthilfe" zu geben.
Versteht sich.

LG Hima
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