16 seltsame Fragen an Transgender

GeschichteAllgemein / P16
31.01.2019
31.01.2019
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In der letzten Zeit unterhielt ich mich sehr lange und ausführlich mit ein paar Freunden über das Thema „Transgender“, beziehungsweise „Transsexualität“, sowie über gängige Klischees und Fragen, welche (leider) nach wie vor in der Gesellschaft kursieren und davon zeugen, dass es bezüglich dieses Themas noch immer eine Menge Unwissenheit, Vorurteile und Klischees gibt, denen man als trans* Person ausgesetzt ist.
Dabei handelt es sich nicht nur um allgemeine, sondern vor allem auch intime Dinge, die man einen Cisgender ganz bestimmt niemals fragen würde. (Anmerkung: Cisgender ist das Gegenteil von Transgender. Damit werden Personen bezeichnet, deren Geschlecht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde).

Wenn es um das Thema „trans*“ geht, herrscht in der Gesellschaft nicht nur ein großer Berg an Unwissenheit und mangelnder Aufklärung, sondern auch eine, man kann sagen erschreckend niedrige Hemmschwelle, wenn es um intime und persönliche Details geht. Es werden Aussagen getroffen und Fragen gestellt, die man anderen Menschen nie stellen würde – und das mit einer Selbstverständlichkeit als wäre es „ganz normal“, die Privatsphäre von trans* Personen zu übertreten und einfach mal nach ihren Genitalien zu fragen.
Im Ernst: Wenn man sich mit jemandem unterhält, würde man niemals auf die Idee kommen, denjenigen zu fragen, ob er einen Penis oder eine Vagina hat oder „operiert“ ist. Aber kaum ist die Person trans*, wird diese Frage mit Selbstverständlichkeit rausgehauen und als „völlig normal“ hingestellt, denn schließlich muss man das ja wissen.
Ach ja? Muss man das? Und wieso? Was geht es mich an, was mein Gegenüber für ein Genital hat? Ist das irgendwie für den Umgang mit ihm oder das weitere Gespräch relevant? Das wage ich zu bezweifeln.
Das ist allerdings nur eine von vielen merkwürdigen Fragen, denen trans* Personen regelmäßig ausgesetzt sind. Damit will ich natürlich keineswegs behaupten, dass man bei Interesse nicht nachfragen darf – im Gegenteil: bei Unsicherheit, gerade was die richtige Artikulation angeht, soll man das sogar. Aber man sollte stets darauf achten, WIE man die Frage stellt und ob sie gegebenenfalls verletzend oder beleidigend wirken könnte. Der richtige Ton macht die Musik, sagt man schließlich nicht umsonst.

Im Folgenden habe ich mir einmal die Freiheit genommen und die 16 häufigsten und zugleich seltsamsten Fragen zusammengetragen, mit denen trans* Personen regelmäßig konfrontiert sind und die man einem Cisgender in dieser Form bestimmt nicht stellen würde.
Um genau diese Absurdität zu verdeutlichen, ziehe ich in manchen Fragen einen Vergleich zwischen trans* und cis Personen. Auf diese Weise wird vielleicht verständlicher, dass die „Empfindlichkeit“, die trans* Personen gerne unterstellt wird keineswegs so überflüssig ist wie mancher denkt, sondern die Empörung und auch Verletzung über die genannten Fragen völlig zu Recht besteht.

Noch eine Anmerkung: In den genannten Fragestellungen gebe ich immer nur Beispiele binärer trans* Personen, also trans* Frauen und trans* Männern, um den Text verständlicher zu halten – aber selbstverständlich betreffen sie nichtbinäre Personen genauso.

Frage 1: Als was wurdest du geboren?
Diese Frage ist im Vergleich zu vielen anderen noch relativ „harmlos“, nichtsdestotrotz im Grunde überflüssig und sinnlos. Mit etwas Logik sollte man sich herleiten können, dass jeder Mensch so geboren wird wie er ist – und auch nie etwas anderes sein wird oder will.
Demnach ist eine trans* Frau keine „Frau, die als Mann geboren wird“ und ein trans* Mann auch kein „Mann, der als Frau geboren wird“, sondern einfach das, was sie schon immer waren: Eine Frau, beziehungsweise, ein Mann. Und etwas anderes waren sie nie und werden sie auch nie sein. Auch wenn ihr Körper nicht dem Geschlechter(klischee)bild entspricht und sie bei der Geburt falsch zugewiesen wurden, da eben die Geschlechtsidentität nicht sicht- oder erkennbar ist und man folglich nur auf Genitalien baut, ändert das genau gar nichts an selbiger.
Hält man sich das vor Augen, wird klar, dass Frau immer Frau und Mann immer Mann war – auch wenn Frau unter Umständen mit einem Penis und Mann unter Umständen mit einer Vagina zur Welt kam.
Gegenbeispiel: Man stelle sich mal vor, zwei Cismenschen sitzen zusammen – und plötzlich fragt einer den anderen, als was er denn geboren wurde. Vermutlich würde der Gefragte komisch dreinschauen und den anderen auslachen oder ihm die Unsinnigkeit dieser Frage vor Augen führen. Und nicht anders ist es bei trans* Personen.

Frage 2: Bist du ein Mädchen oder ein Junge?
Auch diese Frage kann man noch als „harmlos“ bezeichnen – darüber hinaus kann sie in seltenen Fällen, wenn man sich unsicher ist, auch nützlich sein. Zumindest dann, wenn es um binäre Geschlechter geht.
Kommen allerdings nichtbinäre Personen ins Spiel, also Geschlechter jenseits von „Mann“ und „Frau“, greift diese Frage nicht mehr, denn es wird angenommen, dass jeder Mensch binär ist, was eben ganz einfach nicht stimmt.
Daher ist hier nicht direkt die Frage an sich falsch, sondern eher die Fragestellung. Statt der oben genannten Formulierung könnte – oder besser sollte man eher fragen: „Welches Geschlecht hast du?“. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass alle Geschlechter mitgedacht werden – und nicht nur die binären.

Frage 3: Warst du mal ein Mann / eine Frau?
Diese Frage ist ähnlich unsinnig wie die oben genannte erste, denn wie bereits erwähnt, ist und bleibt jeder immer das, was er von Anfang an war. Frauen waren niemals Männer und Männer niemals Frauen – von daher ist die Fragestellung überflüssig und sinnfrei.
Sollte man sich tatsächlich unsicher sein, welches Geschlecht jemand hat oder wie er angesprochen werden möchte, gilt es, die oben genannte Fragestellung „Welches Geschlecht hast du?“ zu verwenden. Darauf wird denke ich keine trans* Person negativ reagieren, sondern stattdessen ihr Geschlecht benennen.
Die Annahme, trans* Frauen seien Männer und trans* Männer seien Frauen gewesen, ist schlichtweg falsch und unzutreffend. Möglich ist, dass trans* Personen ihren Körper „andersgeschlechtig“ wahrnehmen, wenn sie vor der Transition stehen – jedoch trifft das auch nicht auf alle zu – und darüber zu urteilen ist anmaßend und respektlos.
Gegenbeispiel: Man stelle sich mal vor, ein Cismann und eine Cisfrau würden sich das oben Genannte gegenseitig fragen. Resultat? Vermutlich Belächeln und Spott, sowie Empörung.
Abschließend bleibt also festzuhalten: Diese Frage macht keinen Sinn. Ein trans* Mann war und ist ein Mann – eine trans* Frau war und ist eine Frau. Und das wird sich auch nie ändern. Also: Frage streichen und nachdenken.

Frage 4: Welche Toilette benutzt du?
Ganz ehrlich: Wen geht das etwas an? Und wen interessiert es wirklich? Wichtig ist, dass man selbst weiß, welche Toilette man benutzt – was andere machen, kann jedem egal sein und hat keinen zu interessieren. Also warum fragt man so etwas? Möchte man dabei zusehen, oder wie?
Es geht niemanden – und zwar wirklich niemanden – etwas an, welche Toilette ein anderer Mensch benutzt. Sofern also nicht wirklich absolut wichtige Gründe dahinterstecken (und ich wüsste nicht, was denn so ein Grund sein soll), fragt man das keinen.
Darüber hinaus kommt man mit etwas Nachdenken vielleicht selbst darauf. Zumindest gehe ich jetzt mal davon aus. Beispiele aus meinem Bekanntenkreis zeigen, dass dem scheinbar nicht so ist.
Gegenbeispiel: Frag(t) doch mal einen Cismann oder eine Cisfrau, welche Toilette er / sie benutzt. Macht Ihr das? Nicht im Ernst.
Falls doch, steckt entweder mangelndes Wissen oder ein komischer Fetisch dahinter. Eine andere Erklärung dafür habe ich nicht.

Frage 5: Willst du ein Mann / eine Frau werden / sein?
Die Frage ist in sich schon falsch: Männer „werden“ keine Männer – sie SIND es. Und Frauen genauso. Und zwar immer. Auch eine trans* Person, der erst mit 40 Jahren bewusst wird, was sie ist, war es immer schon – sie hatte vorher nur keinen Ausdruck, beziehungsweise kein Wort dafür.
Seine Geschlechtsidentität herauszufinden, ist ein komplexer und vor allen Dingen individueller Prozess – und er betrifft nicht nur trans* Personen, sondern auch Cisgender.
Doch das ist den meisten Menschen scheinbar gar nicht klar, da „Geschlechtsidentität“ nur dann verwendet wird, wenn sie von dem abweicht, was man erwartet, beziehungsweise, was bei der Geburt festgelegt wurde.
Doch es haben alle Menschen eine – auch wenn Cisgender sich in der Regel nicht so intensiv damit auseinandersetzen wie trans* Personen. Nichtsdestotrotz ist ein trans* Mädchen kein „Junge, das plötzlich ein Mädchen sein will“, sondern ein Mädchen, welches immer schon eines war und gemerkt hat, dass ihr Geschlecht falsch zugewiesen wurde.
Für nichtbinäre trans* Personen gilt natürlich selbiges: Sie „werden“ es nicht erst, sondern sind es von Anfang an und bleiben es auch. Nur, weil jemand erst später ein Wort dafür findet, um sich zu benennen, heißt das nicht, dass er „vorher was anderes“ war.
Gegenbeispiel: Ich stelle mir gerade einen Cisgender vor, dem diese Frage gestellt wird – und der den oder die Fragesteller/in auslacht oder für bescheuert erklärt. Klingt nachvollziehbar? Tja, ist es auch. Aber eine trans* Person das zu fragen, ist „natürlich“?
Nun möchte ich niemanden beleidigen oder ihm zu nahe treten, aber wer das wirklich denkt – der ist in meinen Augen WIRKLICH bescheuert. Nichts für ungut.

Frage 6: Seit wann willst du ein Mädchen / ein Junge sein?
Haargenau dieselbe, falsche Fragestellung wie oben: Ein Mädchen „will“ keines sein, sondern IST eines – und ein Junge genauso. Und zwar von Anfang an und immer. Wie gesagt: Nur weil man sein Geschlecht erst später korrekt benennen kann, heißt das nicht, das man vorher was anderes war. Man bleibt immer das, was man ist. Nur ist man nicht immer das, was andere vielleicht denken oder zu erkennen glauben.
Gegenbeispiel: Würde man einem Cisgender diese Frage stellen, würde sich daraus höchstwahrscheinlich dieselbe Situation ergeben wie oben genannt.

Frage 7: Warst du immer schon so?
Hm... war man denn immer schon eine Frau, beziehungsweise ein Mann? Schwer zu sagen. Es könnte natürlich sein, dass Frauen früher mal Mädchen und Männer früher mal Jungs waren. Aber das ist nur eine ganz grobe Vermutung von mir, für die ich keinerlei Beweise habe.
Ich bitte den Sarkasmus zu entschuldigen, aber bei der Frage ging das nicht anders.

Frage 8: Was bist du biologisch?
Ein unheimlich sympathischer Bekannter von mir antwortete auf diese Frage einmal mit den folgenden Worten: „Ein Mensch“. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, finde ich.
Wobei diese Frage natürlich darauf ausgelegt ist, die Behauptung „trans* Frauen seien Männer“ und „trans* Männer seien Frauen“ zu untermauern. Bringt in meinen Augen aber genau gar nichts, da das zum einen falsch und zum anderen absurd ist.
Eine trans* Frau, die XY Chromosome hat, ist nicht „biologisch männlich“, sondern hat lediglich „als männlich gelesene“ Chromosome. Bei trans* Männern und XX natürlich genauso. Nur weil ich etwas behaupte oder annehme, ist es deshalb noch lange nicht richtig.
Und die Trennung nach „biologischen Kriterien“ macht ohnehin allenfalls im medizinischen Bereich einen Sinn – ansonsten sehe ich dafür weder eine Veranlassung, geschweige denn, einen haltbaren Grund.
Eine trans* Frau ist weiblich, also nicht männlich, also auch nicht „biologisch männlich“. Hat sie einen Penis und XY Chromosome, beeinflusst das ihre Geschlechtsidentität gleich null – es bleibt also eine Frau. Umgekehrt bei trans* Männern.
Würde die Frage lauten „Was HAST du biologisch?“, wäre das etwas anderes, auch wenn es nur in den allerseltensten Fällen relevant ist, über welche biologischen Gegebenheiten andere Menschen verfügen.
Ansonsten gilt: Es geht niemanden etwas an und hat keinen zu interessieren, wie der Körper eines anderen Menschen aufgebaut ist oder aussieht. Im höchsten Fall findet man das beim Sex heraus – und vorher spielt es absolut keine Rolle. Wobei, in meinen Augen auch dann nicht.

Frage 9: Bist du operiert?
Tja, das ist so eine Frage. Ich kenne ein paar trans* Personen, die hatten schon OPs am Handgelenk, am Blinddarm, an den Füßen... Ach, halt. Davon reden wir ja gar nicht. Es geht ja um die OP im Genitalbereich, die weder von jedem angestrebt, noch durchgeführt wird.
Mal ganz abgesehen davon, dass es KEINEN etwas angeht, wie die Intimzone eines anderen Menschen aussieht. Es hat weder wen zu interessieren, ob jemand eine geschlechtsangleichende OP gemacht hat, noch, ob er dies überhaupt wünscht.
Im allerhöchsten Fall erzählt man so etwas dem Partner – und selbst das liegt dann einzig und allein im Ermessen der jeweiligen trans* Person, ob sie das erzählen will oder nicht. Danach zu fragen, noch dazu, wenn keine enge, geschweige denn, zwischenmenschliche Bindung besteht, ist nicht nur respektlos, sondern schlicht eine Sauerei.
In einer Partnerschaft könnte man noch eher nachvollziehen, dass man es thematisiert, wobei ich mich auch da schwer damit tue, die ganzen genitalfixierten Leute zu verstehen, die einen Aufstand machen, wenn sie es erfahren, dass da ein anderes Genital war oder ist als sie erwarten.
Darüber hinaus ist es mehr als lächerlich, von einer trans* Person zu fordern, das immer zu sagen, besonders wenn die Geschlechtsangleichung schon ewig zurückliegt. Von einem Cisgender fordert ja auch keiner, dass er seine(n) potentielle(n) Partner/in über die Größe und / oder Beschaffenheit seines Genitals aufklärt.
Warum sollte es bei trans* Personen dann anders sein? Was macht es zwischenmenschlich für einen Unterschied, welches Genital der Partner hat oder früher mal hatte? Ich sehe keinen. Aber natürlich ist es jedem freigestellt, seine Präferenzen zu haben.
Die oben genannte Frage ist trotzdem respektlos und sollte vermieden werden. Ansonsten kann es schnell passieren, dass man eine Ohrfeige kassiert. Und ja, das gab es wirklich schon. Ist auch verständlich.

Frage 10: Wie hast du Sex?
Auch hier lieferte eine Bekannte die passende Antwort, indem sie auf diese Frage einfach erwiderte: „Finde es doch raus“. Besser kann man das eigentlich nicht formulieren.
Und im Ernst: Sexualität hat unzählige Spielmöglichkeiten und Variationen, für die es absolut keine einheitliche Norm gibt. Jedem gefällt was anderes, jeder erlebt und lebt es anders. Somit hat also kein Mensch den gleichen Sex wie ein anderer, denn es ist immer ganz individuell. Und was einem gefällt, findet man nur auf eine Art und Weise heraus: Durch Ausprobieren. Wer das nicht tut, kann nie objektiv beurteilen, was ihm gefällt. Und wer sich nicht traut, der hat eben Pech gehabt.
Oder anders gesagt: Wer nicht will, der hat schon.

Frage 11: Willst du dich „umwandeln“ / operieren lassen?
Zuallererst gibt es niemanden, der sich „umwandelt“. Es gibt Menschen, die sich an ihr Geschlecht angleichen, „gewandelt“ wird dabei rein gar nichts. Durch eine OP wird kein Mann zu einer Frau oder umgekehrt. Es werden lediglich äußere Gegebenheiten an das ohnehin schon vorhandene Geschlecht angepasst, falls für die betreffende Person der Wunsch oder die Notwendigkeit dazu besteht.
Und die Idee, durch eine Operation werde „ein Mann zu einer Frau“ oder umgekehrt, entspringt der blühenden Fantasie unserer Gesellschaft, die nach wie vor von Genitalismus und „Biologie“ beherrscht wird und in der alles einzig darauf reduziert wird, wenn es ums Geschlecht geht. Dass dies nur ein winzig kleiner Bruchteil des Gesamtbildes ist, überschreitet die Vorstellungskraft vieler Menschen, woraus vermutlich auch die absurde „Umwandlungstheorie“ hervorgegangen ist.
Doch zurück zur Fragestellung: Welche geschlechtsangleichenden Maßnahmen jemand anstrebt, ist einzig und allein dessen persönliche Entscheidung und hat keinen zu interessieren. Denn dadurch ändert sich weder sein Geschlecht, noch seine Persönlichkeit.
Und auch wenn zum Beispiel ein trans* Mann sich gegen alle Maßnahmen entscheidet, seinen Körper so belässt wie er ist und lediglich rechtlich sein Geschlecht anpasst (Vorname und Personenstand), ändert das genau gar nichts an dem, was er ist. Er ist und bleibt das, was er immer war: Ein Mann. Auch mit Brüsten. Auch mit Vagina. Auch ohne Hormone. Auch ohne hohen Testosteronwert. Auch mit vorhandener Regel. Und auch mit der Möglichkeit zur Schwangerschaft.
Wenn er mit seinem Körper zufrieden ist, ohne dass es für ihn unangenehm ist, dann ist das einzig und allein seine Sache. Deshalb ist er noch lange keine Frau oder eine „Frau, die gerne ein Mann wäre“ oder „einen Mann spielt“.
Für trans* Frauen gilt das selbige natürlich genauso.

Frage 12: Hast du deine „Umwandlung“ schon fertig?
Schlicht gesagt: Nein. Denn es gibt überhaupt niemanden, der eine macht, weil es gar nicht möglich ist. Aber ja... gemeint ist natürlich die Angleichung. Und das Wort „fertig“ ist in dem Zusammenhang äußerst fehl am Platze, denn wann jemand mit der Angleichung „fertig“ ist, hängt völlig individuell von jedem einzelnen ab.
Der eine ist dann „fertig“, wenn er alle geschlechtsangleichenden Maßnahmen vollzogen und seinen Körper komplett angepasst hat. Der andere ist dann fertig, wenn er sein Geschlecht rechtlich angepasst und eine Hormontherapie begonnen hat. Der nächste braucht vielleicht nur die Hormone, ein anderer nur die rechtliche Angleichung. Und ein wieder anderer vielleicht überhaupt nichts, außer seinem „Coming-out“.
Genau das meine ich, wenn ich sage, das Wort „fertig“ ist hier fehl am Platz: Denn jeder definiert es anders und jeder gestaltet und geht seinen Weg vollkommen individuell. Von daher lässt sich das in keiner Form pauschalisieren, da für jede trans* Person unterschiedliche Maßnahmen von Bedeutung und Priorität sein können. Was der eine direkt braucht, benötigt der nächste vielleicht erst zum Schluss oder gar nicht. Was für den einen unabdingbar ist, kommt für den anderen überhaupt nicht in Frage.
Von daher lässt sich auf diese Fragestellung keinerlei allgemeingültige Aussage treffen, da jeder es wie gesagt anders definiert. Für mich persönlich gilt: „Fertig“ ist man ab dem Zeitpunkt, ab dem man seine Geschlechtsidentität herausgefunden hat und sie ausagiert. Alles, was danach kommt, ist absolut individuell. Und es ist absolut anmaßend und respektlos, jemandem seine Transitionserfolge abzusprechen, nach dem Motto: „Du bist ja noch nicht ganz fertig“. Weiß ich das denn? Kann ich wissen, welche Maßnahmen die andere Person braucht – oder ob sie vielleicht längst alles erreicht hat und zufrieden ist?
Nein, kann ich nicht. Daher steht es mir weder zu, das zu beurteilen, noch ihr etwas aufzudrängen oder sie darüber auszufragen, „was denn alles schon gemacht wurde“, beziehungsweise „was noch zu machen ist“.
Das ist, schlicht und ergreifend gesagt, eine Frechheit. Für mich gilt es, den Menschen so anzunehmen wie er ist, in seinem jetzigen Zustand und unabhängig seiner Erscheinung. Wenn ich zum Beispiel einen trans* Mann sehe, der noch seine „Brüste“ hat und diese auch nicht verbirgt – welches Recht habe ich dann, ihn als „nicht fertig“ zu bezeichnen?
Vielleicht gefällt ihm sein Körper ja so, wie er jetzt ist und er denkt gar nicht über eine Mastektomie (Brustentfernung) nach. Verständlich, dass er nicht gerade erfreut reagiert, wenn ich ihn darauf hinweise, dass das „weg“ muss, weil er ja ein Mann ist.
Inwiefern macht ihn die Tatsache, dass er „Brüste“ hat, weniger zum Mann? Steht es mir in irgendeiner Form zu, über seinen Körper zu urteilen? Ist es etwa mein Körper?
Nein? – Na eben. Also habe ich mich da auch gefälligst rauszuhalten. Und nicht zu sagen „Du musst aber...“. Er MUSS gar nichts, nur weil ich mir das einbilde oder es nicht in mein Weltbild passt.
Es ist sein Körper, sein Leben – und darüber bestimmt nur er. Deshalb ist er immer noch ein Mann und wird es auch bleiben. Und zu welchem Zeitpunkt er „fertig“ ist, oder um korrekt zu sein, seine Angleichung abgeschlossen hat, das bestimmt er. Er und sonst niemand.

Frage 13: Wann bist du ein „richtiger“ Mann / eine „richtige“ Frau?
Die einfache Antwort auf diese Frage lautet: Ab dem Zeitpunkt der Geburt. Und allerspätestens dann, sobald man seine Geschlechtsidentität herausgefunden hat, was von Person zu Person unterschiedlich sein kann. Da aber das Geschlecht ohnehin angeboren ist, kann man somit also festhalten, dass man ab dem Zeitpunkt der Geburt ist, was man ist. Und es auch bleibt.
Man kann es später vielleicht „herausfinden“ oder korrekter gesagt feststellen, aber gewesen ist man es schon immer. Wie gesagt: Nur weil man erst später ein Wort dafür findet, was man ist, war man vorher nicht was anderes.
Und ansonsten beziehe ich mich gerne auf die oben genannten Aussagen: Jeder muss und kann nur selbst entscheiden, welche geschlechtsangleichenden Maßnahmen er braucht. Deshalb ist er nicht mehr oder weniger das, was er ist als ohne die entsprechenden Maßnahmen.
Die Geschlechtsidentität verändert sich zu keinem Zeitpunkt. Sie bleibt gleich.
Gegenbeispiel: Wenn man einen Cisgender fragt, wann er denn ein „richtiger“ Mann oder eine „richtige“ Frau sei, wird er einem höchstwahrscheinlich den Vogel zeigen. Und bei trans* Personen ist das kein bisschen anders.

Frage 14: Wie viele OPs brauchst du noch?
Mal ganz abgesehen davon, dass das einzig und allein die entsprechende Person selbst entscheiden kann, geht es darüber hinaus niemanden etwas an, wer welche Maßnahmen macht, beziehungsweise braucht oder nicht. Und ansonsten gilt, was oben bereits genannt wurde: Ein trans* Mann ist ein Mann, egal für oder gegen welche Angleichungen er sich entscheidet. Für trans* Frauen gilt natürlich dasselbe.

Frage 15: Welches Geschlechtsteil hast du?
Bevor ich näheres erläutere, gleich vorneweg eine Botschaft an alle Cisgender, denen diese Frage auf der Zunge brennt: Es geht Euch nichts an! Diese Frage stellt man nicht. Die Genitalien anderer Personen haben niemanden zu interessieren, schon gar nicht aus reiner Neugierde heraus. Und weder ist es in Ordnung, trans* Frauen zu fragen, ob sie einen Penis haben, noch sie als „Schwanzgirls“ oder ähnlich verletzenden Mist zu bezeichnen. Analog natürlich für trans* Männer („Vaginaboys“). Wer das tut, begibt sich auf das absolut unterste Niveau und muss sich nicht wundern, wenn er dafür ordentlich Shitstorm kassiert.
Die Genitalien anderer Personen sind tabu – und sofern man nicht gerade kurz davor steht, Sex miteinander zu haben, geht es NIEMANDEN etwas an, was andere Leute in der Hose tragen oder nicht. Derlei Beleidigungen sind entwertend und respektlos und zeugen allenfalls von sozialer Inkompetenz, Ignoranz und primitivem, unreifem Charakter.
Darüber hinaus sollte man sich klar machen, dass auch hier eine absolute Individualität vorherrscht und man das Thema nicht pauschalisieren kann. Es gibt trans* Personen, die ihre Genitalien ablehnen und sich davor ekeln – und jene, die keinerlei Probleme damit haben und sich wohlfühlen. Es ist von Person zu Person unterschiedlich. Und niemand hat das Recht dazu, einem anderen das Verhältnis zu seinem Körper vorzuschreiben, geschweige denn, über selbigen zu bestimmen oder zu richten.
Und man sollte sich klarmachen, dass auch hier die Individualität des einzelnen im Zentrum steht. Dazu ein kurzes Beispiel, damit verständlich wird, was ich meine: Eine Bekannte von mir, die keinerlei Genitalangleichung anstrebt, bezeichnet ihr Geschlechtsteil als weiblich.
Im Zuge dessen entbrannte einmal eine Diskussion, bei welcher sie eben danach gefragt wurde und antwortete, dass sie ein weibliches Genital habe, sie sei schließlich eine Frau. Auf die weitere Nachfrage, wann sie ihre GA-OP gehabt hätte, antwortete sie dann mit „Gar nicht“.
Daraufhin wurde nachgehakt, ob sie ein Glied habe, was sie offen mit „Ja“ beantwortete. Und so fing schließlich die Diskussion an, in der es darum ging, dass das ein männliches Geschlechtsteil sei und sie gelogen habe, was sie jedoch konsequent verneinte.
Ihr Standpunkt war relativ klar: Sie ist eine Frau und hat einen Penis. Demzufolge gilt der Penis hier als weibliches Geschlechtsteil. Eigentlich ganz verständlich, wenn man sich von Zwängen und Normen gelöst hat, so wie sie – und das Verhältnis zum eigenen Körper individuell betrachtet.
Selbstverständlich gab es von der Gegenseite Einwände und es wurde darauf beharrt, dass ein Penis ein männliches Geschlechtsteil sei und sie demzufolge ein männliches habe. Und dass sie nicht einfach Definitionen verschieben könne wie es ihr gefällt.
Letztendlich führte die Diskussion zu keinem Ergebnis, da keiner von beiden nachgab. Jedoch möchte ich mal meine persönliche Meinung dazu kundtun und erörtern, wie ich das betrachte.
Eigentlich ganz simpel, denn in meinen Augen war und ist sie absolut im Recht. Das Glied einer Frau ist ein weibliches Geschlechtsteil. Die Vagina eines Mannes ein männliches.
Schließlich macht die Geschlechtsidentität das Geschlecht aus. Und sie bestimmt auch die körperliche Selbstwahrnehmung mit. Wenn also eine trans* Frau mit ihrem Körper zufrieden ist, ist es ja offensichtlich der Körper einer Frau. Und zum Körper einer Frau gehört ein weibliches Geschlechtsteil.
Selbiges Prinzip ließe sich natürlich auch auf nichtbinäre Personen anwenden: Eine agender Person hat demzufolge ein agender Geschlechtsteil. Ein Genderfluid hat ein genderfluides Geschlechtsteil. Und so weiter.
Im Prinzip ist das gar nicht so schwer zu verstehen, wenn man damit aufhört, alles normieren zu wollen und das, worauf es wirklich ankommt, nämlich die körperliche Selbstwahrnehmung und -bestimmung, in den Mittelpunkt rückt.
Gegenargumente, die gern von Cisgendern gebracht werden, hören sich zwar alle gut an, sind in meinen Augen aber haltlos, da sie nicht über das Leben, geschweige denn, den Körper einer anderen Person bestimmen oder entscheiden können.
Und wenn eine trans* Frau ihren Körper als weiblich bezeichnet und ihr Genital ebenfalls, dann ist daran genau gar nichts falsch, sondern ihr gutes Recht. Für trans* Männer und nichtbinäre Geschlechter gilt natürlich selbiges.

Frage 16: Bist du eine Transe?
Ich habe ehrlich keine Ahnung, wie oft diese Frage fällt, wenn es um trans* Personen geht. Aber auf jeden Fall gehört sie zu denen, die ganz oben auf der Liste der absurdesten Fragen stehen. Das zeigen nicht nur Online-Recherchen, sondern auch Erfahrungen und Geschichten aus meinem Bekanntenkreis.
So gut wie jeder verwendet das Wort „Transe“ als Synonym für trans* Personen, in dem absurden Irrglauben, es sei dasselbe oder gar eine Abkürzung dafür. Vermutlich wissen gerade mal 5 Prozent oder weniger aller Cisgender, dass es zwei verschiedene Dinge sind. Was aber angesichts der Tatsache, dass rund 99,9 % aller Cisgender noch nicht einmal wissen, dass sie cis sind, wenig überraschend ist.
Mit einer Freundin habe ich vor einiger Zeit mal ein Experiment gemacht und ein paar Leute (online und offline) danach gefragt, ob sie denn cis oder trans* seien. Von den Leuten aus meinem Umfeld konnten diese Frage gerade mal zwei Personen richtig beantworten, die restlichen hatten schlicht und ergreifend keinen Schimmer, worum es geht.
Online war das Resultat nicht viel besser – nur vereinzelt konnte jemand etwas mit dem Begriff anfangen. Ein paar typische Antworten, die regelmäßig kamen, wenn wir diese Frage stellten, habe ich nachfolgend zusammengetragen:

Bist du eigentlich cis oder trans*?
1. Hetero
2. Normal
3. Ein Mann / Eine Frau
4. Nichts von beidem
5. Was ist cis?
6. Ich bin keine Transe
7. Hä??

Was kann man daraus nun für Schlüsse ziehen?
1. Die meisten Cisgender haben keinen Schimmer, dass sie cis sind
2. Cis und trans* werden mit sexuellen Orientierungen verwechselt
3. Den Unterschied zwischen cis und trans* kennt fast keiner
4. „Transe“ wird immer noch als Synonym für trans* Personen verwendet
5. Cisgender beanspruchen einfach für sich „normal“ zu sein und meinen, dass es da keiner „besonderen“ Bezeichnung bedarf
6. Cisgender sind verwirrt darüber, dass sie cis sind, ohne es zu wissen

Das Ergebnis dieses kleinen Versuchs hat mich ehrlich gesagt ein wenig nachdenklich gestimmt. Vor allem die scheinbare Selbstverständlichkeit, mit der viele Leute sich selbst einfach „normal“ nennen und andere als „unnormal“ abstempeln. Denn was ist letztendlich schon „normal“?
Um ehrlich zu sein, mochte ich selbst diesen Begriff nie so wirklich, auch bevor ich mich mit trans* und queeren Themen beschäftigt habe. Für mich gab und gibt es in jeder Hinsicht nur Menschen, die allesamt grundverschieden sind und in ihrer Art, ihrem Tun und Sein nur ein einziges Mal vorhanden.
Keiner ist dem anderen gleich – folglich empfand ich es schon immer als falsch, von „normalen Menschen“ oder „der Norm entsprechend“ zu reden. Denn was ist denn letztendlich „die Norm“?
Laut Recherchearbeiten gilt rot als die seltenste Haarfarbe der Welt – und schwarz wiederum als die häufigste. Aber sind deshalb Schwarzhaarige „normaler“ als Rotschöpfe?
Eine Katze gilt als das häufigste Haustier Deutschlands. Ist es deshalb unnormal, einen Hund, einen Hamster oder Goldfisch zu haben? Vermutlich nicht.
Heterosexualität gilt ebenso als „normal“. Aber sind deshalb andere Sexualitäten „unnormal“? Bin ich „unnormal“, weil ich bisexuell bin? Ist ein polysexueller Bekannter von mir „unnormal“?
Genau das ist es, was ich damit ausdrücken möchte und worum es mir geht: Weniger „normal“ und mehr Individualität. Denn wie bereits gesagt ist kein einziger Mensch dem anderen gleich. Demzufolge ist auch keiner normal.
Der Ansatz sollte meiner Meinung nach in die Richtung gehen, dieses Denken zu lockern und anzuerkennen, dass jeder Mensch völlig unabhängig und individuell ist und keiner „Vorstellung“ entsprechen muss, um „normal“ zu sein. Denn letztendlich ist das niemand.
Weder Cisgender, noch trans* Personen. Weder Heterosexuelle, noch Menschen anderer Sexualitäten. Weder Schwarzhaarige, noch Blondschöpfe oder Rothaarige. Weder Katzen-, noch Hundehalter. Weder schwarz noch weiß. Weder Tag, noch Nacht.
Diese Herangehensweise hat in meinen Augen den Vorteil, Menschen nicht zu normieren und zu kategorisieren oder abzustempeln. Keinesfalls will ich damit bestreiten, dass es keine vorherrschenden Mehrheitsverhältnisse gibt.
Aber ist die Mehrheit deshalb auch immer gleich „normal“ – oder wäre es nicht einfacher, die Dinge direkt zu benennen, ohne diese zu normieren? Wäre es nicht einfacher, von heterosexuell zu sprechen, anstatt von „normal“ und homosexuell? Und von Cisgendern statt von „normalen Leuten“ und trans* Personen?
In meinen Augen schon. Für mich hat diese Herangehensweise den wesentlichen Vorteil, dass man damit aufhört, sich einzureden, Menschen müssten irgendwelchen „Richtlinien“ entsprechen, um in bestimmte „Kategorien“ zu passen.
Damit will ich keinesfalls implizieren, dass man Kategorien an sich abschaffen soll, denn sie sorgen sowohl im Alltag, als auch im sozialen Miteinander für Ordnung und Übersicht. Aber ich fände es einen großen und wichtigen Schritt, ebendiese Kategorien zu „entnormalisieren“ und anzuerkennen, dass Menschen individuell und unterschiedlich sind und keinerlei Vorgaben entsprechen müssen, um Menschen zu sein.
Ein trans* Mann ist genauso viel oder wenig normal wie ein Cismann – ein Bisexueller genauso viel oder wenig wie ein Heterosexueller. Wenn schon eine Kategorie, dann sollte man diese meiner Meinung nach direkt benennen, ohne vorher festzulegen, was als „Norm“ gilt und was davon abweicht.
Das würde, so glaube ich jedenfalls, nicht nur trans* Personen, sondern allen einen erheblichen Vorteil bringen und aufzeigen, dass wir alle eines sind: nämlich Menschen.
Abschließend dazu bleibt mir noch zu sagen, dass ich selbst nie für mich beansprucht habe oder beanspruchen würde „normal“ zu sein. Wenn man mich fragt, was, wer oder wie ich bin, dann nenne ich die Dinge beim Namen und sage ganz konkret: Ich bin eine bisexuelle Cisgender-Frau. Alternativ könnte ich es so formulieren: Ich bin eine bisexuelle Frau.
Und eine Freundin von mir würde wohl sagen: Ich bin eine heterosexuelle trans* Frau. Oder alternativ: Eine heterosexuelle Frau.
In beiden Fällen wird das einengende und zwanghafte „normal“ umgangen, denn: Bei Variante eins impliziere ich, dass weder cis noch trans* normal ist – und bei Variante zwei wird deutlich, dass eben beides „normal“ ist – wenn man diese Formulierung schon unbedingt verwenden muss.
Ich persönlich tendiere stärker zu Variante A, denn dort werden die Dinge direkt beim Namen genannt, sodass es klar und deutlich auf der Hand liegt, was gemeint ist.
Würde das nun ganzheitlich umgesetzt, könnte man, zumindest meiner Ansicht nach, die ganzen gängigen Klischees und Vorurteile abbauen oder zumindest hemmen, weil ersichtlich wird, dass eben keiner wirklich „der Norm“ entspricht, beziehungsweise, dass diese Norm ein gebildetes Konstrukt ist, aber kein unumstößlicher, in Stein gemeißelter Fakt.

Zu guter Letzt möchte ich noch einmal festhalten, dass es mir fernliegt, hier irgendjemandem böswillige Absicht zu unterstellen, wenn eine der oben genannten Fragen die Runde macht. Sicherlich gibt es auch solche Menschen, welche aus purer Provokation so reagieren und sich selbst als das einzig gültige, akzeptable „Ideal“ hinstellen, das für Vielfalt oder Andersartigkeit keinerlei Raum lässt. Menschen, die derlei böswillige Absichten verfolgen, werden sich von so einem Text wahrscheinlich kaum beirren oder in ihrer Ablehnung / ihrem Hass bekehren lassen.
Jedoch richtet sich dieser Text hier vor allem an „Uninformierte“, denen schlicht und ergreifend das Wissen fehlt und die völlig aus Versehen Fehler im Umgang mit trans* Personen machen, ohne dass eine böse Absicht oder Abwertung dahintersteckt.
All denen möchte ich zum einen gerne den Rat geben, genau hinzuhören, eventuell Formulierungen zu überdenken und sich zu überlegen, welche Fragen oder Aussagen angemessen sind. Bevor Ihr eine unüberlegte Äußerung macht, überlegt Euch, wie Ihr es ausdrückt – oder im Falle einer Frage, ob Ihr so etwas gefragt werden wollen würdet.
Und: Wenn ein Fehler passiert und Ihr darauf hingewiesen werdet, erkennt das bitte an und versucht, Euch zu verbessern. Keiner erwartet absolute Perfektion oder wird Euch verdammen, wenn Ihr Euch mal versprecht oder eine unüberlegte Aussage macht. Entschuldigt Euch gegebenenfalls und versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen.
Für Euch ist es möglicherweise nur eine kleine Geste, die richtigen Worte zu wählen – aber für Euer Gegenüber kann sie alles bedeuten.
Und wenn Ihr das nächste Mal über „normale Leute“ sprecht, dann haltet einen Moment lang inne und bedenkt: Wer oder was ist schon „normal“?
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