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Ein ganz normales Jahr

Kurzbeschreibung
DrabbleAllgemein / P12 / Gen
31.01.2019
31.12.2019
12
41.048
 
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30.09.2019 3.349
 
MiN Drabble Projekt: September

1. September: Sport ist Mord

"Wir beide werden heute joggen. Das hast du mir versprochen", meinte Finn und erhob einen ermahnenden Finger.
Lars seufzte schwer. Zwar hatte er es tatsächlich geschafft früh aufzustehen und sich Sportkleidung anzuziehen, aber sonderlich motiviert sah er immer noch nicht aus.
"Du erinnerst dich an einen gewissen Satz? Sport ist Mord! Ich will garantiert nicht unser nächstes Opfer sein."
Finn verdrehte die Augen. Wie theatralisch konnte jemand sein?
"Jetzt stell dich nicht so an. Du wirst das schon lebend schaffen. Los jetzt!"
Damit rannte er los und Lars folgte ihm erst langsam, dann etwas schneller. Das konnte ja Etwas werden.

2. September: Idiot

"Mir tut alles weh. Jeder einzelne Muskel", murmelte Lars, das Gesicht in seinen auf dem Tisch liegenden Armen vergraben.
"Würdest du öfter mitkommen, wenn ich jogge, dann hättest du auch nicht so einen Muskelkater", erwiderte Finn. Ihm ging es nach gestern sehr gut.
Lars blickte auf und sah ihn böse an. Er wirkte nicht sehr überzeugt.
"Jetzt stell dich nicht so an. So schlimm kann das gar nicht weh tun! Und nächste Woche wirst du wieder mitkommen", meinte Finn nur und sein Kollege ließ den Kopf zurück auf seine Arme fallen.
"Idiot", meckerte er leise und Kiesewetter lachte auf.
"Memme."

3. September: Höhen und Tiefen

Das Leben hatte nun einmal Höhen und Tiefen. Das musste auch Finn Kiesewetter immer wieder feststellen. Im einen Moment war alles gut und lief problemlos ab, im nächsten war man wieder ganz unten.
Deshalb überraschte es den Ermittler auch nicht als der neue Fall ihn ziemlich mitnahm. Sie hatten das vierzig Jahre alte Skelett einer Frau gefunden. Und diese Nachricht einem alten Mann mitzuteilen, der so lange vergeblich auf die Rückkehr seiner verschwundenen Frau gewartet hatte, war einfach schwer.
Aber irgendjemand musste es tun. Jetzt würde der Mann nach so vielen Jahren wenigstens Gewissheit bekommen... und das war etwas Gutes.

4. September: Gib mir noch Zeit

"Gib mir bitte noch etwas Zeit es zu verarbeiten, ja?"
Finn hatte Elke gefragt, ob sie nicht mit dem Team am Abend ausgehen wolle, aber die ehemalige Staatsanwältin hatte nur mit dem Kopf geschüttelt. Sie war noch nicht bereit wieder auszugehen.
"Ist schon okay. Du musst nicht mitkommen, wenn es noch nicht geht. Es war nur ein Angebot", antwortete Kiesewetter, verstehend nickend.
Ihm hatte es nach der Trennung von Anna geholfen unter Leute zu gehen, aber wenn Elke noch Zeit und Ruhe brauchte, dann sollte sie diese bekommen.
"Danke dir, Finn. Vielleicht bin ich beim nächsten Mal dabei."
Ja... vielleicht.

5. September: Klein

"Tja... Das waren Zeiten als wir noch klein waren", entsinnte Lars sich als er ein altes Foto aus Grundschulzeiten in seinem Album entdeckte. Eigentlich hatte er nach einem anderen Bild gesucht, aber das Klassenfoto war ihm sofort ins Auge gefallen.
"Oh! Zeigen Sie her!"
Sofort stand Nina hinter ihm und schaute über seine Schulter.
"Wie niedlich", grinste sie. Finn verdrehte nur die Augen.
"Ja... das waren Zeiten. Ich weiß noch wie du mich immer verpetzt hast, wenn ich mal etwas winziges Verbotenes getan hab."
Lars lachte nur.
"Und das tue ich auch heute noch."
"Das tust du. Alles wie früher."

6. September: Prüfungen

"Warum starren Sie eigentlich die ganze Zeit auf Ihr Handy?", fragte Finn Frau Weiss.
Sofort blickte sie von dem Mobilfunkgerät auf.
"Oh, entschuldigen Sie bitte, Herr Kiesewetter. Es ist nur, dass eine Freundin von mir heute ihre Abschlussprüfung hat und ich möchte unbedingt wissen, ob sie es geschafft hat. Sie hat mir noch nicht geantwortet und ich habe Angst, dass sie durchgefallen ist."
Kiesewetter hielt dieses Engagement für die Freundschaft ja wirklich in allen Ehren, aber er hatte da eine bessere Idee als auf eine SMS zu warten.
"Warum rufen Sie sie nicht einfach an? Das geht doch viel schneller."

7. September: Egoistisch

"Du bist so egoistisch! Wann denkst du endlich mal an andere?"
Mit diesen Worten und einem Kopfschütteln verließ Herr Schroeter das Großraumbüro und ließ Ernst einfach stehen. Dieser hatte, um Lob zu erhalten, gepetzt, dass Schroeter drei Stunden zu spät zum Dienst erschienen war.
"Er hat recht", erwiderte Lars zustimmend als Ernst ihm und Finn einen fragenden Blick zuwarf.
"Ich... wusste doch nicht, dass seine Cousine einen Unfall hatte und er deshalb-", versuchte Ernst zu erklären, aber Finn seufzte nur.
"Jetzt entschuldigen Sie sich doch einfach bei ihm."
Sein Gegenüber nickte und folgte dem Kollegen, um mit ihm zu reden.

8. September: Floß

"Du hast das damals doch nicht wirklich selbst gebaut."
Lars schüttelte ungläubig den Kopf als er das Foto von einem sehr jungen Finn auf einem Floß, welches auf der Trave schwamm, sah.
Kiesewetter hatte sich an sein eigenes Fotoalbum erinnert, nachdem die Beiden letztens Lars alte Fotos gesehen hatten, und es hervor gekramt.
"Natürlich. Was denkst du denn?", erwiderte er, gespielt empört, weil Lars die Tatsache anzweifelte.
"Du bist wirklich ein guter Handwerker. Existiert das Floß noch?"
Finn überlegte.
"Könnte sein. Ich muss meine Tanten mal fragen."
Er blickte auf.
"Wieso? Willst du etwa damit fahren?"
"Ist doch eine Idee."

9. September: Kneipe

Undercover an einem Montag in einer Kneipe zu arbeiten sei ja fast wie ein normaler Montag. Das hatte zumindest Frau Doktor Zobel über Finns Aufgabe in ihrem neusten Fall gesagt. Er würde einfach nur dort sitzen und warten müssen bis der Tatverdächtige käme.
Und das tat er nun... seufzend. Was sollte er sagen? Der Job war nicht wirklich spannend. Er durfte ja nichtmal etwas Alkoholisches trinken! Also hielt er sich an Wasser und ab und zu gab es auch ein Glas Cola.
Er blickte auf seine Uhr. Hoffentlich würde der Kerl bald auftauchen.
Nicht mehr lange und er würde einschlafen.

10. September: Wir kommen ins Geschäft

Als Finn gerade am frühen Morgen die Kneipe verlassen wollte, betrat der Mann, den sie verdächtigten, das Gebäude.
'Endlich.'
Eine ganze Weile lang beobachtete der Ermittler den mysteriösen Mann. Tatsächlich bemerkte dieser es nach einem Moment und Finn stand auf und setzte sich zu ihm.
"Ich hab gehört, dass du Drogen kaufst und verkaufst", sagte er zu ihm.
Ein Händler, dessen Käufer das Opfer war.
"Vielleicht. Vielleicht nicht."
"Ich hätte da ein Angebot für dich..."
Eine einfach Undercoveraktion.
Der Mann blickte auf und Finn erklärte ihm was genau er damit meinte.
"Na gut... Wir kommen ins Geschäft."
"Sehr gute Entscheidung."

11. September: Waschlappen

"Der Kerl ist eigentlich ein echter Waschlappen. Er tut nur so, als ob er der Boss wäre, der hinter allem steckt. Es gibt definitiv noch Jemanden, der über ihm steht", erklärte Finn, was er über ihren Tatverdächtigen herausgefunden hatte.
Der Rest des Teams nickte verstehend.
"Also bleiben Sie undercover und finden heraus wer dieser Jemand ist, Herr Kiesewetter", meinte Staatsanwältin Zobel, aber Lars schüttelte mit dem Kopf.
"Ich weiß nicht. Ich finde, dass das zu gefährlich wird."
Finn legte ihm nur eine Hand auf die Schulter.
"Ach was, jetzt hör auf dir solche Sorgen zu machen. Es wird schon alles klappen."

12. September: Umschlag

Er nahm den Umschlag entgegen und öffnete ihn, zählte das Geld nach. Es passte genau.
"Alles klar. Aber einen Wunsch habe ich noch", meinte Finn und blickte sein Gegenüber prüfend an.
"Und der wäre?"
"Ich will deinen Boss treffen."
Sofort begann Finns Gegenüber unruhig zu werden. Er tippte mit dem Finger auf einen Arm, den er mit dem anderen verschränkt hatte.
"W-wovon sprichst du?"
"Du weißt genau wen ich meine. Stell dich nicht dumm."
Ein Seufzen entfloh dem Mann, dann nickte er.
"In Ordnung. Aber ich warne dich. Er hasst es, wenn man ihn nervt."
Einen Schritt näher am Ziel.

13. September: Geschichten erzählen

Ein Fall war gelöst und schon stand der nächste an.
"Schon gruselig... An diesem Tag ums Leben zu kommen", meinte Nina, während sie sich zu Kiesewetter und Englen gesellte.
"Wieso das?", fragte Letzterer und Frau Weiss sah ihn nur überrascht an.
"Ähm... naja... Freitag der Dreizehnte?", erwiderte sie und Finn verdrehte die Augen.
"Ach kommen Sie. Das ist doch nicht Ihr Ernst, oder?"
"Natürlich! Kennen Sie denn nicht die ganzen Geschichten über diesen Tag?"
"Alles Aberglaube."
Nina glaubte doch wohl nicht an solche Märchen. Das konnte Finn nicht glauben. Andererseits war seine junge Kollegin doch immer wieder für Überraschungen gut.

14. September: Der Schuss ins Blaue

"Tja... das war dann wohl ein Schuss ins Blaue, mein Lieber."
Lars legte Finn eine Hand auf die Schulter. Die beiden Ermittler hatten soeben erfahren, dass Kiesewetters Vermutung über den Täter im aktuellen Fall einfach nicht stimmen konnte. Der Mann hatte ganz sicher ein Alibi. Es war wasserfest, aber Finn konnte und wollte es nicht glauben.
"Er war es."
Lars schüttelte den Kopf.
"Du hast doch gehört was Frau Weiss gesagt hat. Sieh ein, dass du einmal falsch liegst."
Seufzend tauschte Finn einen Blick mit Englen aus.
"Ich sage dir, dass er der Täter ist. Und ich werde es beweisen."

15. September: Hilf mir

Er hatte bewiesen, dass er richtig gelegen hatte mit seiner Vermutung. Das Alibi war gefälscht gewesen.
Aber dieser Beweis würde ihm nichts nützen, wenn er, eingesperrt in einer brennenden Hütte, sein Leben lassen müsste.
Finn wusste, dass Lars sich beeilen musste, um ihm rechtzeitig zu helfen, denn langsam ging ihm durch den Rauch die Luft aus.
"Finn!", hörte er Englens Stimme.
"Lars! Hilf mir!"
Sein Ruf wurde immer wieder durch Husten unterbrochen.  
Er hörte wie Lars sich gegen die Tür schmiss, um diese irgendwie zu öffnen.
Einmal noch... und der Qualm verzog sich. Finn konnte wieder atmen.
"Danke, Lars."
Gerettet!

16. September: Hoffnung

"Ich habe die Hoffnung darauf nochmal jemanden zu finden schon länger aufgegeben", seufzte Finn. Die Sache mit Anna war ihm einfach zu nah gegangen und er wusste nicht, ob er das nochmal erleben wollte. Es hatte ihn eine ganze Menge Vertrauen und Mut gekostet überhaupt nach Elke in Anna jemand Neues zu finden.
"Jetzt sei doch nicht so pessimistisch. Ich habe am Wochenende ein Date. Und... ich weiß, dass sie eine Schwester hat, die auch nach jemandem sucht", antwortete Lars und Finn hob eine Augenbraue.
"Wirklich?"
Lars nickte.
"Na klar! Du kommst einfach mit. Das wird lustig."
Das würde es.

17. September: Jung und alt

"Ich bin nicht sicher, ob die Spracherkennung funktioniert", meinte Toni, während sie wie wild auf dem Bildschirm des Smartphones herumtippte.
Laut den Angaben von Finns Tanten war ihr Handy kaputt, weshalb sie ihn um Hilfe gebeten hatten.
"Jetzt gib doch mal her!", protestierte Ria und riss ihrer Schwester das Handy aus den Händen.
"Gib das olle Teil Finn! Der ist jung und kennt sich damit aus."
Finn seufzte. Hoffentlich konnte er das Problem lösen.
"Das hat doch nichts mit alt und jung zu tun. Es ist kaputt!"
Mit diesen Worten gab Ria das Handy ihrem Neffen und verschränkte die Arme.

18. September: Bett

Vielleicht hätte er sich nicht einfach erschöpft auf das Bett schmeißen sollen. Das Lattenrost hatte diese Bewegung nämlich nicht sonderlich gut ausgehalten und deshalb musste Finn sich nun ein neues kaufen. Auch wenn er weder Lust, Zeit noch Geld dazu hatte.
Und der nervige Verkäufer riet ihm auch noch wieder und wieder dazu sich doch gleich ein neues Bett zu kaufen.
"Ich brauche wirklich nur ein Lattenrost, mehr nicht", wiederholte Finn seine Aussage zum vierten Mal. Hoffentlich würde es diesmal etwas bringen.
Der genervte Blick, den er dem Verkäufer dabei zuwarf, sprach Bände und endlich gab dieser nach.
"In Ordnung."

19. September: Es grünt so grün

"Der Übergang der Jahreszeiten ist wirklich immer sehr schön", merkte Nina an, als das Team nach einem abgeschlossenen Arbeitstag im Büro saß und aus dem Fenster blickte. Ein paar Blätter der davor hängenden Pflanzen waren bereits verfärbt, andere grünten noch immer. Es sah wunderschön aus.
"Aber bald wird es wieder kalt werden", murmelte Schroeter missbilligend, aber die anderen lachten nur auf.
"Na kommen Sie, Schroeter. Kalt ist es im Winter, wenn es schneit."
Finn nickte zustimmend. Da hatte Lars recht. Noch war es warm genug und auch der Herbst würde eine angenehme Temperatur bringen.
Nicht zu warm oder zu kalt.

20. September: Spielerein

"Jetzt hör auf mit den Spielerein und konzentrier dich auf die Arbeit", meckerte Lars, als er sah wie Finn gelangweilt einen Papierflieger bastelte. Eigentlich wollte Englen, dass sie mal wieder aufräumten, aber Kiesewetter hatte keine Lust darauf. Also faltete er weiter.
"Wie alt bist du eigentlich?", seufzte Lars und nahm ihm den Papierflieger weg.
"Genauso alt wie du", antwortete Finn und stahl sich den Flieger zurück, grinste dabei frech.
Der Blick, den Lars ihm zuwarf sprach Bände. Er hielt eine offene Hand hin.
"Muss ich den Süßigkeitenautomaten kaputt machen?"
Das war eindeutig eine Drohung.
Widerwillig gab Finn ihm den Papierflieger.

21. September: Tradition

Es war fast Tradition geworden, dass er und Lars mindestens einmal im Monat am Wochenende zusammen etwas unternahmen.
Und dieses Mal war es das Date mit den Schwestern. Finn musste zugeben, dass beide wirklich sehr nett waren, aber er fand irgendwie kein Gesprächsthema mit Lina, der jüngeren Schwester.
Es war eine komische Situation einfach nur bei dem Gespräch von Lars und der älteren Schwester Cora zuzuhören, aber er musste die Langeweile einfach ertragen... für seinen Freund.
Als Englen ihn nach dem Date auf sein Schweigen ansprach, wollte Kiesewetter allerdings auch nicht lügen. Also sagte er, dass es nicht  gefunkt hatte.

22. September: Jemandem eine Freude machen

Elke war noch immer ziemlich traurig nach der Trennung, also hatten Finn und Lars beschlossen ihr eine Freude zu machen.
Sie hatten ihr einen entspannten Tag in einem Wellnesshotel geschenkt, dafür gesorgt, dass ihr Kind einen guten Babysitter bekam und ihr gesagt, dass sie sich einfach mal ausruhen sollte.
Jetzt saßen beide bei Finn auf dem Balkon und schauten sich den Sonnenuntergang an.
"Das haben wir gut gemacht", meinte Lars zufrieden und Finn nickte zustimmend.
"Jeden Tag 'ne gute Tat."
Sie stießen mit den Bierflaschen an und ließen den Tag in Ruhe ausklingen.
Für heute war die gute Tat geschafft.

23. September: Intelligent

"Intelligent sein ist eben ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann", murmelte Lars, während sie Oberstaatsanwalt Dane dabei zusahen wie er das Revier verließ. Er hatte sich darüber moniert, dass Finn in einem der letzten Fälle undercover gearbeitet hatte und angemerkt, dass dieser Einsatz beinahe schief gelaufen war. Finn hatte beteuert, dass alles genausten geplant gewesen war, aber Dane fand schließlich immer etwas, dass ihn störte. Da half auch kein Protest.
"Wenigstens sind wir intelligent genug, um über diese dämlichen Aktionen hinwegzusehen, oder?", fragte Finn und Lars lachte nur auf.
"Ja, das sind wir in der Tat, mein Lieber."

24. September: Taschentuch

Ein Niesen durchbrach die Stille im Großraumbüro. Alle hatten konzentriert über ein paar Akten gesessen, aber bei diesem Geräusch zuckten sie zusammen.
"Sie müssen sich wirklich nicht zur Arbeit quälen. Wir sehen doch, dass es Ihnen nicht gut geht, Nina", meinte Finn nur und betrachtete seine Kollegin. Sie sah blass und müde aus, hatte dunkle Augenringe.
"Nein."
Sie schüttelte den Kopf.
"Ich brauche nur ein Taschentuch."
"Sie brauchen Ruhe und etwas Schlaf, Frau Weiss. Also gehen Sie nach Hause."
Diese Ansage von Schroeter schien die Kollegin doch umzustimmen. Sie stand auf und packte ihre Sachen.
"Gute Besserung!", folgte es ihr.

25. September: Plagen

"Diese Krankheitszeit ist echt eine Plage. Drüben beim Wasserschutz ist die Hälfte der Leute krank", meinte Schroeter und musste danach selber niesen.
"Ich hoffe mal, dass wenigstens Sie gesund bleiben, Schroeter", erwiderte Lars, während er den Dienstältesten kritisch beäugte. Wenn noch jemand krank werden würde, dann würde das die Arbeit nicht gerade erleichtern.
Schroeter schüttelte nur mit dem Kopf.
"Ach, ich war schon so lange nicht mehr krank. Bestimmt wird mir auch diesmal nichts passieren."
"Naja, also dieses Jahr-", wollte Finn ein paar Sachen anmerken, aber der Blick, den Schroeter ihm zuwarf ließ ihn verstummen.
"Ich bleibe gesund. Ganz bestimmt."

26. September: Vorhersehung

"Seit wann beherrschst du eigentlich Vorhersehungen?", neckte Finn seinen Kollegen. Schroeter hatte sich tatsächlich krank gemeldet.
"Ich wünschte, dass ich Unrecht behalten hätte", murmelte Lars, während er eine Akte zur Seite legte. Jetzt durften sie sich alleine um die Papierarbeit kümmern.
"Ach, wir schaffen das schon", erwiderte Finn aufmunternd.
"Solange nicht einer von uns auch noch krank wird."
Lars warf ihm einen mahnenden Blick zu.
"Beschwör es ja nicht herauf, Finn Kiesewetter."
Finn lachte auf. Er musste seinen Partner nunmal ärgern, denn es machte einfach viel zu viel Spaß.
"Also ich fühle mich ziemlich gesund. Es wird schon gut gehen."

27. September: Jahrmarkt

"Weißt du noch als wir dieses Jahr auf dem Jahrmarkt waren? Da hast du mich im Dosenwerfen besiegt", meinte Lars, während er den Ball auf dem Boden auftrumpfte und wieder fing. "Diesmal wird das nicht passieren, mein Lieber."
Finn lachte auf.
"Ganz sicher? Du forderst mich heraus?"
Lars nickte.
"Das tue ich."
"Du kannst nicht mehr Dosen als ich treffen", antwortete Finn schulterzuckend.
"Und warum nicht?"
"Weil ich mein Leben lang trainiert habe... und du gerade mal ein paar Monate."
Finn war sich ziemlich sicher und deshalb überraschte es ihn sehr als sein Kollege die Dosen traf... mit einem Wurf.

28. September: Der Sprung ins kalte Wasser

"Das war zwar ein Sprung ins kalte Wasser, aber ich habe es geschafft."
Zum ersten Mal im Leben hatte Lars den Kindergeburtstag seiner Töchter alleine organisieren müssen. Nunja... nicht ganz alleine.
"Mit deiner Hilfe natürlich."
Er warf Finn ein Lächeln zu. Ohne den Kollegen hätte er wohl kaum alles rechtzeitig geplant bekommen.
"Immer wieder gerne", meinte Finn nur und Lars blickte zu seinen Töchtern, die gerade mit ihren Freunden Topfschlagen spielten.
"Sie sagen manchmal, dass du sowas wie ihr Onkel bist."
Das zu hören berührte Finn sehr. Er hatte keine Geschwister, aber Lars' Familie... war irgendwie auch sowas wie seine.

29. September: Ersetzen

Er wusste, dass nichts und niemand ihr Team ersetzen könnte. Sie waren nunmal einfach gut. Das konnte keiner bestreiten, nicht einmal Oberstaatsanwalt Dane.
Aber manchmal machte Finn sich Sorgen, dass es einmal dazu kommen würde.
Dass der Job irgendwann einem von ihnen das Leben kosten würde und man tatsächlich jemanden ersetzen müsste.
Es wäre nicht möglich. Er konnte sich dieses Team nicht mehr mit anderen Mitgliedern vorstellen.
Schwartenbecks Abschied war schwer gewesen und Nina hatte sie nie ersetzt, war einfach ein neuer Teil geworden. Aber Finn würde es nicht ertragen, wenn einer von ihnen ging... und gar nicht mehr da wäre.

30. September: Es war einmal...

Es war einmal... damit fingen wohl so gut wie alle Märchen an. Und Finn? Finn Kiesewetter glaubte nicht an Märchen. Er hatte viel zu viel Schlimmes erlebt, um noch an das klischeehafte 'Und sie lebten glücklich bis ans Lebensende' zu glauben. Er hatte zu viel Leid gesehen und selbst ertragen.
Deshalb wollte er der Aussage Danes auch kein Vetrauen schenkte, als dieser sagte, dass er in eine andere Stadt wechseln würde. Denn das klang wie ein Märchen...
Wenn es wirklich so wäre, dann würde ihr komplettes Leben sich tatsächlich ändern.
Aber vielleicht war es ja kein Märchen, sondern ein Wunder.
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