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Josephine Klick - Fortsetzung (Staffel 3)

von Jessa
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Alexander Mahler Dr. Tereza Srna Fritz Munro Josephine Klick Karin Langkamp Karl Amann
30.01.2019
16.04.2019
5
11.175
1
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26.03.2019 1.409
 
Heute waren ihre Schritte federnd. Auf dem Weg zum Revier waren alle Ampeln grün gewesen und im Radio liefen nur gute Lieder, die sie aus voller Kehle mitschmetterte. Sie hatte dieses beflügelnde Glücksgefühl, das Strom durch ihren Körper zu schicken schien und in ihrem Bauch flatterte. Mit Schwung manövrierte sie ihren Wagen in die letzte freie Parklücke – genau neben das Auto, an dessen Scheibe gestern Abend noch Viktor geklopft hatte, weil es mitten auf dem Hof stand. Bei der Erinnerung daran, was er dabei gesehen hatte wurde sie immer noch rot.



Der Rest des Teams war bereits da. Josephine grüßte Patrick und Karin überschwänglich, bevor sie das Büro der Jungs betrat. Da war er. Fritz drehte sich um als sie eintrat, lächelte und kam mit langen Schritten auf sie zu. „Guten Morgen, Bielefeld“, sagte er und küsste sie. Es war ein unschuldiger, kurzer Kuss, doch sie erschrak trotzdem und sah sich schnell um, ob irgendeiner ihrer Kollegen sie beobachtet hatte. Doch Alex war gerade in ein Gespräch mit Karin vertieft (sein Gesichtsausdruck sagte ihr, dass es wahrscheinlich um gehäkelte Goldfische oder etwas ähnlich Verrücktes ging) und Patrick saß an seinem PC. Sofort beruhigte sie sich. Fritz, der ihre Reaktion sehr wohl bemerkt hatte, lachte. „Bin ich dir etwa peinlich?“

Josephine richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihn und unterdrückte den Impuls, ihm die Zunge herauszustrecken. Er wusste genau, warum sie sich vergewissert hatte, dass niemand sie beobachtete! Sie waren beide der Meinung gewesen, dass das übrige Team zunächst nichts von ihnen beiden wissen sollte. Gerade als sie ihn daran erinnern wollte, warum sie diesen Entschluss gefasst hatten, hob er die Hände zum Zeichen der Kapitulation. „Ich weiß, ich weiß, wir haben es so abgemacht. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen.“

Sein Grinsen ließ ihre Haut kribbeln und jetzt war sie diejenige, die der Versuchung ihn zu küssen nur schwer widerstehen konnte. Glücklicherweise betrat jedoch Alex das Büro und unterbrach den Moment. „Morgen Bielefeld. Fritz, hast du den Bericht vom Fall Lübbe schon fertig? Man, ich hasse diese Pausen zwischen Einsätzen! Bescheuerter Papierkram!“

Als Fritz nicht wie sonst in seine Tirade einfiel, sondern lediglich leicht amüsiert die Schultern zuckte, wirkte Alex irritiert. Auf seiner Stirn bildete sich eine Falte und er musterte seine beiden Kollegen genauer. In diesem Moment wurde auch Josephine bewusst, wie dicht sie beisammenstanden und sie rückte schnell ein Stück von Fritz ab. Daraufhin hob Alex eine Augenbraue. „Was ist los mit euch heute? Habe ich was verpasst?“

Josephine schüttelte nur den Kopf und flüchtete zurück zu Patrick und Karin, es Fritz überlassend sich irgendetwas über gute Laune und das Fußballspiel am Wochenende auszudenken.



Der Rest des Tages verlief ereignislos. Gegen fünf Uhr beschloss Josephine, dass sie für heute genug auf den Bildschirm gestarrt hatte und machte sich auf den Weg in den Feierabend. Nachdem sie sich von allen verabschiedet hatte, passte sie Fritz an der Kaffeemaschine ab.

„Kommst du heute Abend noch vorbei?“

„Schon wieder? Du fängst doch nicht etwa jetzt schon an zu kletten, oder Bielefeld?“

Josephine starrte ihn an und überlegte gerade fieberhaft, wie sie wohl am besten zurückrudern könnte, da lachte er schon wieder.

„Entspann dich, Josephine, ich nehme dich nur auf den Arm. Ich würde gerne vorbeikommen, muss nur vorher einmal bei Stefanie vorbei. Ben hat gestern seinen Rucksack bei mir liegenlassen. So gegen sieben dann? Ich könnte was vom Chinesen mitbringen.“

Dieser Kerl! Warum musste er sie so aufziehen? Sie schnaubte innerlich. Das kannte sie gar nicht von sich, dass sie sich so schnell aus der Bahn werfen ließ! Irgendetwas hatte Fritz an sich, das sie vollkommen durcheinanderbrachte. Gingen ihre Gefühle für ihn etwa jetzt schon so tief, dass er so auf sie wirkte? Doch darüber wollte sie gerade nicht nachdenken. Stattdessen boxte sie ihm spielerisch gegen den Arm.

„Heute lieber kein chinesisches Essen. Aber ich könnte was kochen, ich hätte Lust auf Pasta“, bot sie an.

Er nickte. „Klingt super. Heute Abend dann.“ Schon wieder dieses Lächeln! Daran könnte sie sich gewöhnen.



***




19:34 Uhr. Sie hasste Unpünktlichkeit. Zumindest so gravierende Unpünktlichkeit, ergänzte sie in Gedanken an ihre eigene Verspätung in diversen Situationen. Das musste sie Fritz dringend beibringen! Bestimmt dachte er sich nichts dabei, dass er schon mehr als eine halbe Stunde zu spät war, aber sie ärgerte sich dennoch. Die Nudeln waren fertig und wenn sie die Sauce noch länger auf dem Herd ließ, würde sie verkochen. Gut, es war kein allzu aufwändiges Essen und sie konnte es später wieder aufwärmen, aber schön war das nicht. Dann jedoch dachte sie daran, wie sie Fritz‘ Gerichtstermin versäumt hatte und schämte sich etwas. Sie war selbst nicht gerade ein leuchtendes Vorbild, wenn es um pünktliches Erscheinen ging und was wusste sie schon davon, was Fritz vielleicht aufgehalten hatte? Also nahm sie das Essen vom Herd, schaltete den Fernseher ein und beschloss, noch etwas Geduld zu haben.



Um kurz nach acht wählte sie seine Nummer, landete jedoch nur auf dem Anrufbeantworter. Eine Viertelstunde später versuchte sie es erneut, mit dem gleichen Ergebnis. Jetzt begann sie ernsthaft, sich Sorgen zu machen. Was, wenn ihm etwas passiert war? Sie wollte ihn gerade noch einmal anrufen, da fiel ihr sein Kommentar vom Nachmittag wieder ein. Nein, sie war keine Klette. Er hatte es im Scherz gesagt, aber der Spruch hatte sie nicht völlig kalt gelassen. Nach der Sache mit Stefan wollte sie sich nie wieder als die Bittstellerin in ihrer eigenen Beziehung fühlen. Sie würde nie wieder einem Mann derart blind vertrauen, um dann so sehr mit einem Knall vor die Wand zu laufen. Also würde sie Fritz nicht noch einmal anrufen. Er konnte ja wohl einen Weg finden ihr zu sagen, wenn er sich einfach verspätete? Wenn ihm das nicht wichtig genug war, musste sie ihm ja wohl kaum hinterherrennen! Sie würde noch ein paar Minuten warten und dann allein essen. Entschlossen drehte sie den Fernseher wieder lauter. Von der Castingshow bekam sie allerdings nicht viel mit. Sie war viel zu sehr auf ihr Handy fokussiert. Und auf ihr Diensthandy. Sie hatte es nur aus Gewohnheit dabei und nicht, weil sie Angst hatte, es könnte die Nachricht eingehen, dass es in der Nähe einen schweren Autounfall gegeben hatte. Zumindest redete sie sich das ein.



Um 9 gab sie nach und rief erneut bei Fritz an. Mailbox. Sie war sich jedoch inzwischen auch sicher, dass sie etwas gehört hätte, sollte ihm etwas zugestoßen sein. Ob es wohl Stefanie war, die ihn aufgehalten hatte? Der Gedanke bereitete ihr Übelkeit. Überrascht von der starken Reaktion dachte sie nun doch über die Stärke ihrer Gefühle für Fritz nach. Sie war eigentlich kein sonderlich eifersüchtiger Mensch. Vor allem dann nicht, wenn es um einen Mann ging, mit dem sie gerade einmal ein paar Dates gehabt hatte. Woher also kam ihre Reaktion? Doch wenn sie ehrlich zu sich selbst war, war Fritz nicht einfach nur jemand, mit dem sie bisher ein paar Dates gehabt hatte. Sie arbeitete jetzt schon eine Weile mit ihm zusammen und hatte ihn dabei gut kennengelernt. Wie sollte das in ihrem Beruf auch anders sein? Außerdem lag ihre erste gemeinsame Nacht schon eine Weile zurück und die Beziehung hatte sich schon da verändert, also zählten nicht nur die Dates, die sie danach gehabt hatten. Was aber mit Sicherheit den gravierendsten Faktor darstellte war die Tatsache, dass er ihr das Leben gerettet hatte. Er hatte einen anderen Menschen getötet, war von einer Brücke gesprungen und hatte sie aus einem gesunkenen Auto geholt! Und auch sie hatte ihm schon das Leben gerettet, hatte für ihn geatmet, während er unter Wasser ausgeharrt hatte. Nein, sie musste zugeben, dass die Intensität ihrer Beziehung nicht nach normalen Maßstäben zu beurteilen war. Sie schwärmte nicht einfach nur für Fritz. Er war ihr wirklich wichtig, war in der vergleichsweise kurzen Zeit, die sie ihn kannte, ein zentraler Mensch in ihrem Leben geworden. Verliebt war sie auf jeden Fall in ihn. Als Liebe würde sie es noch nicht bezeichnen, aber viel fehlte auch nicht. Diese Einsicht verunsicherte sie heute Abend mehr, als es noch nachmittags der Fall gewesen wäre. Nachmittags, als sie sich noch sicherer gewesen war, dass er auch etwas für sie empfand. Wo war sie schon wieder hineingeraten?



Unruhig stand sie auf und ging in die Küche. Es war inzwischen halb elf. Sie versuchte erneut erfolglos, ihn anzurufen und warf dann das gesamte Essen, das sie gekocht hatte, in den Mülleimer. Der Appetit war ihr vergangen. Niedergeschlagen ging sie einige Minuten später ins Bett, aber schlafen konnte sie noch lange nicht.
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