Josephine Klick - Fortsetzung (Staffel 3)

von Jessa
GeschichteRomanze / P18 Slash
Alexander Mahler Dr. Tereza Srna Fritz Munro Josephine Klick Karin Langkamp Karl Amann
30.01.2019
16.04.2019
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Josephine war spät dran. Mal wieder. Vor einer guten halben Stunde war auf dem Revier ein Einsatz eingegangen. Da Josephine zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor Ort gewesen war, hatten Alex und Fritz beschlossen, ohne sie zu starten. Jetzt irrte sie schon eine gefühlte Ewigkeit durch Berlin, auf der Suche nach dem Club, an dessen Hintereingang das tote Mädchen gefunden worden war.

Sie schnaubte frustriert. Nachdem sie nun schon eine Weile in Berlin lebte, hatte sie gehofft, dass es ihr leichter fallen würde sich hier zurechtzufinden. Tja, das konnte wohl noch dauern.

Als sie endlich die Straße fand, die Karin ihr weitergegeben hatte, und den Club betrat, wollten ihre Kollegen bereits wieder aufbrechen. Alex verdrehte bei ihrem Anblick die Augen und sagte irgendetwas bezüglich „mangelnder Orientierung“ und „dringend nötiges Navigationssystem“.
Josephine hörte ihm kaum zu. Sie hatte so langsam das Gefühl, dass Alex sie mehr aus Gewohnheit zurechtwies, als dass er tatsächlich genervt war. Stattdessen sah sie lieber Fritz an. Der verzog zwar auch das Gesicht, lächelte aber dabei. Bei seinem Anblick musste auch sie unwillkürlich lächeln. Sie sahen sich einen Moment in die Augen, dann räusperte sich Tereza und Alex, Fritz und Josephine wandten sich der Gerichtsmedizinerin zu.

„Guten Morgen, Josephine. Ich unterbreche euch zwei ja nur ungern, aber habt ihr alles was ihr braucht? Dann könnte ich nämlich meine Arbeit machen und unsere Tote mit in die Gerichtsmedizin nehmen“, erklärte diese auf ihre gewohnt trockene Art und grinste in die Runde.

Alex nickte. „Ja klar, Tereza. Danke, wir sehen uns dann, wenn du die Obduktion abgeschlossen hast. Kommt, ihr? Josephine, wir bringen dich im Büro auf Stand.“

***


Es dauerte nicht allzu lange, bis die beiden ihr berichtet hatten, was sie bisher wussten. Marie Waller war am Vormittag hinter dem Club „Luna“ gefunden worden, als die Putzfrau eintraf. Sie war 17 Jahre alt und nach ersten Erkenntnissen erwürgt worden. Außerdem hatte ihr jemand mit roter Schrift und in Großbuchstaben das Wort „NUTTE“ quer über die Stirn geschrieben. Die bunten, neonfarbenen Farbspritzer überall auf ihrem Körper wiesen eindeutig darauf hin, dass sie die Neon-Party besucht hatte, die am Abend zuvor im Club stattgefunden hatte. Da sie ihren Ausweis bei sich hatte, war die Identifizierung einfach gewesen. Das Team beschloss, zuerst bei ihren Eltern in Kreuzberg vorbeizusehen.

Familie Waller lebte in einem großen Einfamilienhaus mit gepflegtem Vorgarten. Die Eltern waren von den Kollegen des Einsatzdienstes bereits über das Schicksal ihrer Tochter informiert worden und saßen beim Eintreffen der Kripo weinend im Wohnzimmer. Außer dem Ehepaar war nur eine Frau vom psychologischen Notdienst anwesend, Marie war Einzelkind gewesen.

Während Fritz und Alexander die beiden befragten, sah sich Josephine im Wohnzimmer um. Ihr Eindruck passte zu den Aussagen von Herrn und Frau Waller, die das Familienleben als glücklich und intakt beschrieben. Überall fanden sich Fotos von den dreien, oder von Marie allein. Sie war offensichtlich ein hübsches Mädchen gewesen und es wirkte, als hätten ihre Eltern ihr jeden Wunsch von den Lippen abgelesen. Josephine sah Bilder von Reisen in den unterschiedlichsten Ländern, von Marie mit einem Pferd, beim Ballett, mit einer riesigen Geburtstagstorte.
„Sie macht dieses Jahr ihr Abitur“, erzählte Maries Mutter soeben, korrigierte sich dann aber unter Tränen: „Sie wollte dieses Jahr ihr Abitur machen und dann eine Ausbildung bei einer Versicherung anfangen. Marie ist – war – nie eine Überfliegerin in der Schule, aber sie war sehr beliebt. Wer tut denn so etwas?“ Schluchzend brach sie in den Armen ihres Mannes zusammen. Josephine sah die beiden voll Mitgefühl an. Zwar hatte sie in ihrem Job natürlich andauernd mit dem Tod zu tun, aber wenn ein so junger Mensch starb, ging ihr das trotzdem nahe. Eltern sollten ihre Kinder nicht überleben, das war nicht natürlich. Es gab nichts Schlimmeres, als wenn das eigene Kind starb, da war sie sich sicher. Und es gab viele Eltern, die den Tod ihres Kindes nie wirklich verkrafteten.

Auch ihre Kollegen schienen zu bemerken, dass das Ehepaar Waller keine Kraft für weitere Fragen mehr hatte. Also sahen sie noch einmal in Maries Zimmer, nahmen einige ihrer persönlichen Dinge mit, darunter den Computer der Toten, und verließen das Haus. Von dem Wort, das jemand in Maries Gesicht geschrieben hatte, verrieten sie den Eltern nichts. Wenn es nötig sein sollte, konnten sie sie auch später noch dazu befragen, für heute war es jedoch genug.

Den Rest des Tages war die Stimmung gedrückt. Niemanden ließ der Tod des Mädchens kalt und das Gespräch mit den Eltern war keinem von ihnen leichtgefallen. Immerhin hatten Alex und Fritz selbst Kinder.

So verschwand Alex an diesem Abend auch früher als sonst nach Hause zu seiner Familie. Josephine, Karin, Patrick und Fritz hingegen beschlossen, noch bei Adi vorbeizusehen. Sie alle brauchten heute dringend einen Drink und Gesellschaft. Nach einer Portion Pommes und dem ersten Bier hob sich die Stimmung dann auch allmählich. Fritz saß neben Josephine und allein das führte schon dazu, dass sie sich besser fühlte. Auch wenn sie sich nicht anders verhielten als bei früheren Gelegenheiten in Adis Kneipe und Karin und Patrick nichts Besonderes an ihnen auffiel, hatte sich seit ihrem Date am Wochenende doch etwas zwischen ihnen verändert. Sie hatten beschlossen, die Sache erst einmal ruhig anzugehen und dem Team nichts zu sagen, aber jedes Mal wenn Fritz‘ Arm sie streifte, spürte Josephine die Berührung überdeutlich und wenn er mit ihr sprach, sah er sie auf eine Weise an, die ihre Beine weich werden ließ. Irgendwann legte er unter dem Tisch seine Hand auf ihr Bein und malte mit dem Finger kleine Kreise darauf, was dazu führte, dass sie von den Gesprächen ab diesem Zeitpunkt nichts mehr mitbekam. Dabei war es so eine einfache Berührung. Genau wie bei ihrem Date, da hatte er sie auch kaum berührt und trotzdem wurde sie seitdem immer zappelig, wenn sie ihn sah. Oh, das Date. Das war ein wirklich schöner Abend gewesen.

Er hatte sie zuhause abgeholt und sie waren (wie beim Elfmeter-Schießen entschieden) in ein Steakhaus gefahren. Josephine war unglaublich nervös gewesen, hatte stundenlang überlegt, was sie anziehen sollte und sich gefragt, wie der Abend wohl laufen würde. Wie sich gezeigt hatte, war ihre Aufregung unbegründet gewesen. Das Kleid, für das sie sich schließlich entschieden hatte (blau, süß, aber nicht zu schick), hatte Fritz mit einem anerkennenden Lächeln quittiert. Und es gab nicht eine Situation an diesem Abend, in der sie sich unwohl gefühlt hätte. Sie hatten sich die ganze Zeit gut unterhalten, ohne dass größere Pausen entstanden wären und sie hatte seine Gesellschaft sehr genossen. Fritz hatte sich wie ein Gentleman verhalten, ihr die Tür aufgehalten, die Jacke abgenommen, ihr Komplimente gemacht und sie nach dem Essen nach Hause gefahren. Als sie wieder auf dem Hof standen, hatte sie kurz überlegt, ihn mit hinaufzubitten. Aber er hatte gegrinst und gesagt „Nächstes Mal, Bielefeld. Lass es uns ruhig angehen lassen.“ Fast wäre sie enttäuscht gewesen, aber es rührte sie auch, dass Fritz so umsichtig mit ihr umging. Geküsst hatte er sie zum Abschied aber trotzdem – und wie! Sie hatte ihm angesehen, dass er seine vorherigen Worte in diesem Moment fast bereute, dann hatte er ihr jedoch lediglich noch eine gute Nacht gewünscht und war gefahren. Josephine hatte nachdem er gefahren war noch zwei Stunden in ihrem Bett gelegen, bis sie ihre Nerven so weit beruhigt hatte, dass sie schlafen konnte. Seitdem lief sie die ganze Zeit mit einem Lächeln durch die Gegend. Sie seufzte zufrieden. Wer hätte gedacht, dass ihr Berlin so gefallen könnte?

Fritz stieß sie an und holte sie zurück in die Gegenwart. „Alles okay bei dir?“, fragte er mit einem Grinsen. Sie nickte schnell und wurde ein bisschen rot. Karin und Patrick beobachteten sie ebenfalls. „Man Josephine, du warst ja total abwesend! Und du hast echt verliebt geguckt gerade! Hast du irgendwen kennengelernt?“, löcherte Karin sie. Das rot auf Josephines Wangen vertiefte sich und sie trat Fritz gegen das Schienbein, als sie sein selbstzufriedenes Gesicht bemerkte. „Nein Quatsch, Karin, ich bin nur müde. War ein langer Tag“, wiegelte sie ab. Damit gab sich die Kollegin zufrieden. „Ich bin auch fertig. Lass uns nach Hause fahren, wir müssen morgen fit sein“, schlug sie vor und die anderen stimmten zu.

Nachdem sie sich verabschiedet hatten, begleitete Fritz Josephine noch zu ihrem Auto. „Woran hast du denn eben gedacht?“, wollte er wissen und sah sie von der Seite an. „An gar nichts“, erwiderte sie verlegen, was ihn erneut selbstzufrieden lächeln ließ. „Ich wette du hast an mich gedacht“, stichelte er. Sie schnaubte. „Hab ich gar nicht!“. Jetzt sah er etwas enttäuscht aus. „Schade. Dann hat sich meine Frage wohl erübrigt.“ Sie hatten ihr Auto erreicht. „Welche Frage denn?“, wollte sie neugierig wissen. „Ach, ist egal.“ Josephine drehte sich zu ihm herum. „Sag schon, Fritz!“ Er wusste genau, dass sie es hasste, etwas nicht zu wissen! „Okay“, gab er schließlich nach. „Also ich habe am Samstag Benny und, ähm, also weil du ja letztens meintest du wolltest ihn mal treffen, dachte ich, naja – aber vielleicht ist das auch eine blöde Idee…“ Gott, das war ja mal was Neues, Fritz verunsichert! Josephine legte ihm eine Hand auf den Arm, bis er sie ansah. „Fritz, ich würde total gerne deinen Sohn kennenlernen“, versicherte sie. Sofort breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. „Wirklich? Gut, dann Samstag.“ Sie nickte und schloss ihr Auto auf. „Ich freue mich. Gute Nacht, Fritz, bis morgen.“ Er beugte sich vor und gab ihr einen kurzen Kuss. „Gute Nacht, Bielefeld. Bis morgen“. Das Lächeln auf ihrem Gesicht blieb, bis sie eingeschlafen war.