Die rote Kaskade und die zwei Reiche

von Bibi98
GeschichteDrama, Romanze / P12
Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
29.01.2019
12.06.2019
19
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Hallo ihr Lieben,
hier ist das nächste Kapitel.
Ich habe die Charakterliste aktualisiert.
Habt Spaß beim Lesen.
LG Bibi
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Ich verneigte mich kurz vor der Königin und ging dann hinauf. Da ich nicht wusste, wo besagter Saal sich befand, öffnete ich eine große Flügeltür, die aussah als wäre sie sehr wichtig. Ich stand in einem großen Raum, an seinen Wänden hingen Porträts von Familien. Auf einem waren ein König, seine Frau und sieben Knaben und ein Mädchen zusehen. Einer dieser Knaben war, offensichtlich, König Ramon und ich sah, was für mich unmöglich schien, meinen Vater. Aus irgendeinem Grund war mein Vater, ein Sohn des Waldvolkes, auf dem königlichen Familienporträt. Das Porträt welches auf der rechten Seite hing, zeigte die Kinder im Jugendalter, doch hier fehlten mein Vater und das Mädchen. Der König, damals noch Kronprinz, stand stolz auf der linken Seite des Thrones, während seine Brüder auf der rechten Seite standen. Erstaunlicher Weise trug der König ein Kind, vielleicht einige Wochen alt, im Arm. „Was machst du hier?“ hörte ich die Stimme des alten Druiden hinter mir. Ich wandte mich um. „Ich habe mich verlaufen.“ antwortete ich erschrocken. „Das ist das Kind der Schwester des Königs. Sie wurde überfallen, ein Bandit hat ihre Ehre verletzt und sie kam erst Wochen später wieder. Völlig verstört, körperlich und geistig zerstört. Deshalb passt der König auch so sehr auf seine Tochter auf, er fühlt sich schuldig. Dein Vater wurde daraufhin aus dem königlichen Dienst entlassen. Er war ihre Leibwache. König Lucius hatte ihn als Knaben, was sag ich als Baby, aufgenommen. Es sollte ein letzter Versuch sein mit dem Waldvolk Frieden zu finden. Marie war damals ein glückliches Kind, aber nach diesen Tagen, war sie nie mehr die Gleiche. König Lucius wurde verrückt und sehr krank. Letztendlich wählte er den Freitod, nachdem seine Tochter bei der Geburt des Bastards verstarb. Das Bild wurde gemalt, da war ihr Tod drei Wochen her. Das war vor fast dreißig Jahren.“ erklärte er. Er klang betroffen und traurig. „Was ist mit dem Baby geschehen?“ fragte ich neugierig.  „Das Baby unterrichtet dich in Hofetikette und im Tanz.“ Er lächelte und wirkte fast schon stolz. „Casimir wurde von dem König aufgezogen, wie sein eigen Fleisch und Blut, bis er etwa sechzehn war, dann ist er mein Schüler geworden. Freiwillig. Trotzdem trägt er heute noch den Titel eines Prinzen.“ erklärte Rufus. „Aber er sagte, du seist für ihn Vaterersatz gewesen?“ antwortete ich verwirrt. „Der König hat sein Bestes versucht, aber ein fremdes Kind zu lieben ist schwer. Er liebt Casimir und Casimir ihn, aber als Marlon geboren wurde, hat er den Jungen mir anvertraut. Marlon war krank, brauchte ziemlich viel Fürsorge, bis Marlon laufen konnte. Für Casimir war das nicht gut, das haben wir aber erst zu spät gemerkt.  Trotzdem bestand der König darauf, dass Casimir ein königlicher Prinz bleibt. Für ihn war das wichtig.“ erklärte der Alte weiter. Ich verstand nicht wirklich, was er sagte, aber ich wusste, dass Casimir vermutlich damals sehr verletzt wurde und deshalb Rufus als Vorbild sah. „Ich wüsste allerdings nicht, was dich das angeht, Mädchen.“ Casimir stand in der offenen Tür des Raumes. „Wir waren vor zehn Minuten verabredet. Aideen und ich warten auf dich.“ tadelnd sah der junge Mann seinen Meister an, ehe er mich mit sich zog.

Der Saal war groß, hatte einen hölzernen Fußboden und riesige Fenster. Aideen saß neben Sandro auf einer hölzernen Truhe. „Ira, du fängst an. Aideen schau zu und versuch dir zu merken, was ich erkläre.“ Casimir klang sehr gereizt. Sandro sprang auf, stellte sich mir gegenüber, während Casimir sich neben mich stellte. „Mach deinen Rücken gerade, Brust und Po raus!“ motzte der junge Druide, legte eine Hand in meinen Rücken und die Andere auf meine Schulter. „Diesen Arm legst du auf seine Schulter.“ Er nahm meinen linken Arm und schob ihn in Position. „Mit dem Anderen nimmst du seine Hand.“ Wieder korrigierte er meine Position. „Halt die Spannung in deinem Körper!“ Ich spannte meinen Körper an. „Sandro führt dich! Achte auf seine Füße! Und los.“ Casimir dirigierte mich und Sandro durch den Raum. Lasst es mich abschließend kurz so formulieren: Sandro musste nach der Prozedur ziemliche Schmerzen haben und anschließend das Gleiche ein zweites Mal mit Aideen durchmachen.

Nach mehr als drei Stunden entließ der Druide uns zum Schneider. Der Mann war etwas älter als Casimir und trug lockiges kurzes Haar. Die Königin, noch immer mit der Frisur, die ich ihr gemacht hatte, saß in einem Sessel am Rand des Raumes. Wir verneigten uns kurz. „Also meine Damen, welche von euch möchte anfangen?“ fragte der Schneider und nahm, ohne eine Antwort abzuwarten Aideen bei der Hand, stellte sie auf einen Schemel und begann sie zu vermessen. „Wunderschönes dunkles Haar, helle Haut und rosige Lippen...“ murmelte er vor sich hin. Sein Assistent schrieb die Maße auf. Der Schneider ging an eine Truhe und wühlte eine dunkelblauen Stoff hervor. „Ich sehe das Mädchen in diesem Stoff, Majestät. Ein breit fallender Rock und Rüschen an den Schulter. Feine Applikationen auf der Brust.“ er präsentierte der Königin den Stoff. „Und sie wird keines Wegs schöner sein als Ihr, Majestät.“ Der Schneider gab der Königin einen Handkuss, diese war darüber sichtlich nicht erfreut. „Ich möchte sie aber lieber in Rosa sehen. Ein schön kräftiger Ton und eine Menge Tüll. Sie sollen unserem Volk gefallen.“ Der Schneider zog ein Bahn rosa Stoff aus seiner Truhe und legte sie um Aideens Arm. „Diese Farbe ist wunderschön an diesem Kind.“ wieder pries er die Farbe des Stoffes an. Diesmal stimmte die Königin zu, jedoch wünschte sie dann noch einmal den dunklen Stoff zusehen und entschied sich für diesen. „Aideen wird wunderschön aussehen. Wie eine echte Prinzessin eben.“ Aideen stieg von dem Schemel und wir tauschten die Plätze. „Haben die Damen eigentlich Begleitung?“ fragte der Schneider. Ich schüttelte den Kopf. „Doch,“ wandte die Königin ein „Ira wird von Prinz Marlon begleitet. Er wird die rote Gardeuniform tragen, wie immer.“ erklärte sie lächelnd. Der Schneider griff eine meiner roten Locken. „Ahhh...“ sagte er. „Ich habe die perfekten Farben für dich, Mädchen.“ Er holte verschiedene grüne Stoffbahnen heraus. „Das passt wunderbar zu deinen roten Locken und natürlich zu den blauen Augen.“ Er lächelte stolz. „Und was habt ihr mit dem Stoff vor?“ fragte die Königin. „Eine zarte Verzierung aus Ranken um die Brust und ein Rock der fällt wie die Blätter des Waldes.“ erklärte er mit einem noch breiteren Lächeln. „Wir dürfen nicht vergessen, wo die Mädchen herkommen.“ „Ich möchte Zeichnungen. Ich möchte wissen, in was ihr die Mädchen hüllen wollt.“ befahl die Königin. „Außerdem müssen wir den Beiden schließlich noch Schmuck aussuchen. Ihr habt Zeit bis morgen in der Früh.“ Der Schneider verneigte sich und ging. „Ihr solltet mich nun nach unten begleiten.“ sprach die Königin dann freundlich.



Wie gingen runter in den Thronsaal. Der König saß dort mit den Männern, die bereits heute Morgen im Saal gesessen hatten, Casimir und den Prinzen. Ich erkannte die Gesichter der Kinder, die ich einige Stunden zuvor auf den Porträts gesehen hatte. „Setzt Euch bitte.“ bat der König. Aideen und ich nahmen uns je einen Stuhl und setzten uns. „Wir wollen über die Zeremonie sprechen. Jeder hat seine feste Aufgabe und Position. Auch wir sind darin nicht unbedingt geübt...“ „Stimmt. Es ist ja auch äußerst unüblich zwei Kinder aus dem Wald in den Herzogsstand zu erheben!“ ein Mann mit blondem Haar erhob seine Stimme, er wirkte einige Jahre jünger als der König. „Stimmt, aber ich habe lange über diese Entscheidung nachgedacht. Bedenke bitte, Alexander, das Vater mich nicht umsonst zum König ernannt hatte.“  antwortete der König gereizt, ehe er fortfuhr „ Wie mein Bruder bereits gesagt hat, ist es für uns nicht gewöhnlich Herzöge und Herzoginnen zu ernennen. Ihr werdet damit Pflichten übernehmen müssen, für euer Volk, aber auch für mich. In einer Woche, werden wir die Zeremonie vollziehen. Die Zeremonie dauert nicht besonders lang, es ist aber trotzdem wichtig, dass ihr euch konzentriert und wisst, was ihr tut. Sie findet auf dem großen Balkon statt. Ich spreche ein paar Worte über euren Vater und erläuter kurz, warum ich in post mortem zum Herzog ernenne. Dann rufe ich euch zu mir und übergebe euch die Herzogskronen. Ihr sagt dann beide ein paar Worte, über das was ihr tun wollt. Da könnte es problematisch werden. Ich brauche jemanden, der für euch bürgt. Jemand, der mir bestätigt, das ihr eure Aufgaben erfüllen könnt. Wer  ist mir egal. Es wird mit Blut gebürgt. Also ein Blutschwur zwischen euch Beiden und den Beiden die für euch bürgen.“ Etwas irritiert sah ich den König an. „Ich bürge für Ira.“ sprach Casimir und stand auf. „Und ich für Aideen.“ Marlon tat es ihm gleich. „Seid ihr euch da sicher?“ fragte der König. Casimir nickte entschlossen. „Wir vollziehen ihn heute Abend.“ meinte er dann. „Gut. Es ist äußerst wichtig, dass ihr eure Worte weise wählt. Nachdem ihr eure Worte an das Volk gerichtet habt, beginnt der Ball, mit allem was dazu gehört. Tanz, Essen, Gespräche. Das übliche eben. Die beiden Herren werden euch darüber sicher bereitwillig aufklären. Ihr bekommt vorerst jede ein Zimmer im Südflügel...“ „Aber...“ unterbrach ich ihn. „Widersprich mir nicht, Ira. Ihr bekommt je ein Zimmer im Südflügel und euch wird Garderobe zu Verfügung gestellt. Es wird eine angemessene  Bleibe für Aideen im Wald gebaut...“ „Moment... Wieso nur für mich?“ wandte Aideen ein. „Ich habe gesagt, ihr sollt mich nicht unterbrechen! Ira wird hier bleiben, aber das soll sie dir selbst erklären. Bis deine Bleibe fertig ist, kannst du hier wohnen. Ihr dürft euch jetzt entfernen. Sandro begleitet euch nach oben.“ Ich stand auf und verneigte mich. Aideen folgte mir.
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