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Zur Zeit der zirpenden Zikaden

von MrKatsumi
GeschichteDrama / P16
Keiichi Maebara Mion Sonozaki Reina Ryuuguu
29.01.2019
29.01.2019
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Es war einmal.....so beginnen ja viele Geschichten. Ich kann mich noch gut daran erinnern als ich ein Kind war und vor dem einschlafen Geschichten vorgelesen bekam, begann fast jede mit diesem Satz.

Wie gerne würde ich doch wieder in diese Zeit zurück kehren und mit den Helden jener längst vergangener Geschichten Abenteuer erleben und unsere Feinde tapfer in die Flucht schlagen.
Doch bevor ich diesen Gedanken auch nur zu Ende bringen kann holt mich auch schon wieder die Realität mit ihrem ganzen schrecken ein. Ich stehe hier in einer dunklen, modrig feuchten Ecke eine Hand mit meinen beiden Händen fest umklammert, völlig Atemlos und Entkräftet durch den Ereignissen die in den letzten Stunden stattfanden und das Leben meiner Freunde sowie auch das meinige auf so Erbarmungslose Weise für immer unwiderruflich zerstört haben.

Wer von uns hätte sich am Anfang des Tages der so Alltäglich und froh begann auch nur Ansatzweise solche ein Szenario, in dessen ich mich jetzt befinde ausmalen können ?



…...........Hinamizawa, Donnerstag 26. Juni 2003..................


Hallo Kei-eii-chi hörte ich es schon von hinten rufen, wo eine Person mit schnellen Schritten nach Atem ringend      mich wie jeden Tag begrüßt.
Ich muss nicht lange überlegen um diese Stimme einordnen zu können. Klar, es ist meine Klassenkameradin Rena Ryuugu, welche ich schon seit Kindheitszeiten kenne. Als Kleinkinder haben wir immer im Sandkasten gespielt oder uns auch als Prinzessin und Prinz verkleidet.

Rena ist 16 Jahre alt genau wie ich. Sie trägt Schulterlange, Orange-Rote Haare. Ihre Augen sind Tiefblau, welche wunderbare Lichtreflektionen bilden sobald Licht auf ihnen trifft. Renas zierlicher Mund ist stets zu einem Lächeln aufgelegt welches sie immer sympathisch wirken lässt.  Unbeeindruckt von der Tatsache das Rena völlig außer Atem stehen geblieben war lief ich an diesem heißem Sommertag, an dem es schon um 7.30 ungemütlich warm war einfach weiter.

„KEIICHI!“ hörte ich es wieder rufen. Nach kurzem zögern musste ich leicht schmunzeln und drehte mich zu Rena um, denn wer könnte schon solch eine lieblich klingende Stimme ignorieren.
Und in der Tat wer, wenn nicht ich hat eine Ahnung davon was Rena doch alles um die Ohren hat. Seit dem ihre Mutter sie verlassen hatte ist Rena sozusagen die Hausfrau, hält ihrem Vater den Rücken frei und kümmert sich Aufopferungsvoll um ihre kleine Schwester Rika.
Ja man könnte sagen Rena opfert sich immer nur für andere auf und vergisst sich dabei selbst leider zu oft.
Darüber nachdenkend sehe ich das Rena an diesem heißem Tage schwer an ihrer Schultasche zu tragen hat und sie sichtlich erschöpft zu sein scheint. „ Komm Rena, ein so liebreizendes hübsches Mädchen wie du sollte bei so einem Wetter keine so schwere Tasche wie du sie jetzt trägst schleppen müssen. Gib schon das Teil her ich trage es dir bis wir vor der schule sind“ sagte ich mit sanfter Stimme zu ihr. Rena die immer eher schüchtern und still ist schaute verlegen drein und ihr schönes Gesicht begann sich sofort rot zu verfärben. Leise, und mit großer Unsicherheit in ihrer Stimme erwiderte sie „sage doch nicht sowas Keiichi, du willst mich doch nur wieder austricksen ich bin doch alles andere als hübsch“. „Rede keinen Unsinn Rena, du bist eines der schönsten und das liebste, hilfsbereiteste Mädchen an unserer Schule. Gib schon deine Tasche her, lasse mich nicht betteln“. Sprach ich sie direkt an, während ich in ihre Augen sah und meine Hand zu ihr ausstreckte. So hob auch Rena ihre beiden Arme in Erwartung dass ihre zarten Finger, die sich fest um den Griff der alten Ockerfarbenen Ledertasche klammerten meine Hand streifen würden.
Doch bevor dies stattfand zog ich meine Hand wieder zurück und rief „ Bääääääh.... verarscht!“ Rena, die in den ersten Sekunden gar nicht wusste wie ihr geschah wurde zornig und stapfte an mir vorbei.
„Komm du Depp, wir sind eh schon spät dran“ warf sie mir harsch entgegen. Doch im wissen das wir noch rund einen Kilometer Fußmarsch vor uns hatten ließ ich mir trotz Widerspruch ihre Tasche geben um sie bis ins Klassenzimmer zu tragen.

Kaum im Klassenzimmer angekommen hörte man es schon aus der Ecke rufen „Maebara du alter Weiberheld stehst ganz schön unterm Pantoffel“ Klar, das kann ja nur Mion sein die immer einen Witz oder blöden Spruch auf den Lippen hat. Die Großgewachsene, schlanke Mion ist erst vor zwei Jahren in unser Dorf gezogen, davor lebte sie in einem ca. 5 Km  entfernten Nachbarort genau so ein Kuhkaff wie unseres.

Unser Dorf liegt von tiefen Fichtenwäldern umschlossen weshalb unsere Region auch für ihre Holzindustrie bekannt ist.
Da wir noch gerade so pünktlich zum Unterricht erschienen, hatten wir keine Zeit mehr vor Unterrichtsbeginn zu schwatzen und nahmen deshalb sofort unsere Plätze ein.
Nach einer Doppelstunde Mathe die sich bei dieser Hitze wie eine Tageslänge anfühlte ertönte endlich der Pausengong.
Hurtig eilten wir in den Pausenhof wo wir unter der alten knorrigen Buche Schutz vor der brennenden Sonne fanden.

Kaum nahmen wir im weichem Grass platz fing Mion auch schon aufgeregt an zu reden während sie wie meist auf ihr Smartphone starrte um wahrscheinlich wieder im Internet nach irgendwelchen blöden Sprüchen zu suchen.
„Hey, wisst ihr schon das neueste? Frau Tendo wurde Tod in ihrer Wohnung gefunden. Als ich heute früh auf dem Schulweg an ihrer Wohnung vorbei lief standen da Krankenwagen, Polizei und Leichenwagen“.  
Wie schrecklich dachte ich. Doch bevor ich diesen Gedanken auch nur zu ende bringen konnte schnellte Rena auf und ihr immer währendes Lächeln wich nun tiefster trauer.

Ach stimmt ja, ich sowie Mion kannten Frau Tendo nur vom sehen und führen ein zwei Gespräche, aber sie schien mir immer eine nette ruhige Frau zu sein.
Doch Rena kannte sie sehr gut, man könnte sogar sagen das sie sich nahe standen. Frau Tendo war Mitglied im Gemeinderat wo auch Rena des öfteren Ehrenamtlich aushilft.
Mit trauriger, von Schmerz erfüllter Stimme antwortet Rena „Warum nur? Warum? Sie war so eine hilfsbereite Frau. Was ist ihr nur zugestoßen?“
„Nah...“ sprach Mion mit ruhiger Stimme „Ich habe beim vorüber laufen einzelne Wortfetzen von Polizisten und Sanitätern mitbekommen, die sagten sie hätte sich erhängt“ Sofort wich die Trauer aus Renas Gesicht und machte blankem entsetzen platz.
„NIEMALS! Niemals würde sie sich umbringen“ brachte Rena mit energischer Stimme vor wie man es von ihr in keinster weise gewohnt ist.

Völlig verdutzt stand ich auf um Rena zu beruhigen, doch da hatte sie sich auch schon selbst wieder unter Kontrolle und sagte nur „Das hat sie beim besten Willen nicht verdient, nicht sie“. Doch auch schon ertönte wieder der Schulgong und wir mussten zurück in den Unterricht welcher von nun an nur unter ziemlich bedrückender Stimmung verstrich.

Während dessen musste ich des öfteren zu Rena blicken die von Plötzlichen Tode Frau Tendos doch sehr mitgenommen war.
Ich bemerkte weiterhin das auch Mion sich um Rena zu sorgen schien  da auch sie sich oft zu Renas Tisch, dem mit der Ledertasche am Haken umdrehte.
So ging auch der Schultag zu ende und Rena lief fast Wortlos zum Ausgang.
Mittlerweile schien der Tod Frau Tendos in der schule auch schon die Runde gemacht zu haben, man hörte Sachen wie „Ey, die Tendo hat sich umgebracht krass“, „Ja sie hat sich erhängt, hatte anscheinend Probleme“, „Ne, was redet ihr da, das war ihre Mutter die alte Hexe, die hat sie zu sich geholt“.......
Rena hing darauf hin ihren Kopf noch mehr zu Boden. Mion und ich schauten uns einander an und brauchten nicht miteinander zu reden um zu wissen was zu tun ist. Rena ist unsere Klassenkameradin, NEIN! Unsere Freundin!. So gingen wir schnellen Schrittes zu ihr und nahmen sie in unsere Mitte. „Und Rena, heute Nachmittag gehen wir wieder Eis essen, schön alle drei zusammen. Das mit Azuki Geschmack welches du so sehr magst“ war von Mion zu hören.
Doch dies schien Rena heute nicht wirklich zu kümmern und ihr kam nur ein „Heute lieber nicht ich habe noch Gartenarbeit zu erledigen“ über die Lippen.

Mion schaute zu mir rüber als ob ich an der Reihe wäre. „Hey Rena“ sagte ich zu ihr „Wenn du so viel Gartenarbeit hast kommen wir vorbei und helfen dir dann, So bist du schneller fertig“.
...doch Rena blieb stumm. „Und Tee bringe ich auch mit, ich habe eine geile Mischung aus vier verschiedenen Minzarten zusammen gestellt. Wenn wir den bei der Hitze leicht gekühlt trinken vergeht die Arbeit wie im Flug“.
Renas Widerstand hielt zwar noch an aber nach und nach gab sie auf und willigte schlussendlich zu unserem Gartenarbeit- Teetrinknachmittag ein.

Zuhause angekommen sprach ich auch gleich meine Mutter, diese gerade Curry kochte auf Frau Tendo an. Diese bestätigte dass sich Frau Tendo erhängt habe, beim einkaufen im Dorfladen habe sie ähnliches gehört.

Hmmmm... scheint also zu stimmen. Doch warum sollte sich Frau Tendo erhängen? Doch dann viel mir wieder ein wie wenig ich doch diese Person kannte. Ich wusste zwar wo sie wohnte aber weder noch  wer ihre Eltern waren, hatte sie einen Mann, Kinder oder Geschwister? Diese, und noch weitere Fragen gingen mir durch den Kopf als ich den Schotterweg zu Renas Haus, der an flachen Lotusfeldern vorbei führte entlang schlenderte. In meinem Arm den Teebottich tragend, welcher mir angenehm Kühlung verschaffte.

Als ich am Ziel ankam sah ich auch schon Mions klappriges Fahrrad am Hauseingang stehen. Die werden doch nicht schon ohne mich begonnen haben? Murmelte ich während ich durch das moderne Gartentor aus Edelstahl ging. Da sah ich die beiden auch schon an einem großen Gartenteich und gesellte mich mich natürlich auch gleich mit in die Runde.
Rena scheint es zumindest wieder ein wenig besser zu gehen. Junge, das ist ein Garten! Kiefernbonsai, massive Azaleen die über einen Koiteich hängen in diesem stattliche Koi gemütlich ihre bahnen ziehen. Ich sehe hier Kohaku, Sanke, Showa und da hinter dem Wasserfall sogar einen Matsukawabake!. Ich war zwar schon oft bei Rena zu hause aber im Garten war ich noch nicht so wirklich.
Umso mehr mein Blick durch den Garten wanderte fragte ich mich: Was soll in diesem Garten an Arbeit sein? Alles wunderbar in Form geschnitten, Rasen gemäht, kein Blatt oder Blüte liegt auf der Erde. Hmmmm.... Wollte Rena einfach nur ihre Ruhe haben und schob die Gartenarbeit nur als Vorwand vor um uns abzuwimmeln?
Normal nehme ich kein Blatt vor dem Mund und würde einfach drauf los fragen. Aber da es offensichtlich war ließ ich Rena heute in Ruhe und goss den mitgebrachten Tee in drei schon bereit stehende Gläser.
„Rena, wo ist denn dein Vater? Als ich gekommen bin stand gar kein Auto im Hof“ fuhr es aus mir heraus.
Rena, welche zu lächeln begann antwortete „ Papa ist gestern mit Schwesterchen weg gefahren und kommt erst Morgen Abend wieder, so lange habe ich hier sturmfrei“
Und wieder einmal wurde mir klar wie Selbstständig Rena doch ist und was ihr ihr Vater doch schon alles anvertraut, sich um so ein großes Anwesen alleine zu kümmern.
Ohne den Gedanken richtig zu Ende zu bringen vernahm ich auch schon meine Freundin Rena leise vor sich hin murmeln „Und so lange sie weg sind bin ich wieder alleine, alleine wie Frau Tendo es immer war“. Diese Worte fuhren mir tief ins Rückenmark und sofort herrschte Todesstille während die Kondenstropfen langsam an den Teegläsern herab glitten und dabei wundervoll im Sonnenlicht schimmerten.
„Du kanntest Frau Tendo sehr gut nicht wahr?“ warf Mion ein in der Hoffnung die bedrückende Stimmung ein wenig zu mindern
„Ja, sie lehrte mir richtig nähen, brachte mir bei wann man Azaleen richtig schneidet oder auch das beste Mocchi der Welt herstellt. Sie wusste so viel und sie war auch immer bereit ihr Wissen gerne weiter zu geben, so kam es auch das sich viele bei ihr Rat holten und man sich immer auf ihr verlassen konnte.Und dennoch war sie oft still und unglücklich“.
„Wieso unglücklich?“ Fragte ich erstaunt. Rena zögerte als ob sie es nicht richtig sagen wollte. „Naja es ist so, sie hatte familiäre Probleme“.
Ja gut, da man nicht viel von ihrer Familie mitbekam konnte man sich schon denken das hier was im Busch sei, aber ich dachte nie das sie so darunter leiden würde und sich schlussendlich das Leben nimmt.

„Was meinst du mit Familienprobleme“ fragte Mion die immer für ihre direkte Art bekannt ist. Man merkte deutlich das Rena nicht so wirklich darüber sprechen wollte. Klar, Frau Tendo wird ihr das im Vertrauen erzählt haben. Aber Rena, die immer die Person war welche die Sorgen anderer auf sich nahm, die immer zuhörte musste auch einmal ihre Sorgen und Gedanken mit anderen teilen.
Und so sprach sie „Nabiki,wie ich sie immer ansprach zog ja erst nach dem Tode ihrer Mutter in unser Dorf, davor wohnte sie mit ihr zusammen in einem, im Nachbardorf recht abgeschieden liegenden Haus am Waldrand. Ihre Mutter war eine recht Herrschsüchtige Person die immer schlecht gelaunt zu sein schien. Sie kannte sich sehr gut mit Kräutern und Heilmethoden aus, machte ihre eigene Medizin. Sie war auch der Meinung das man die Geister vor allem die Waldyokai nicht erzürnen dürfte und ihnen ständig Opfergaben reichen müsse. Dies alles, und die Tatsache das sie sich mit ihrer Tochter völlig abschottete brachte ihr den Ruf einer sonderbaren Person ein, ja von manchen wurde sie sogar als Hexe bezeichnet.
Dies führte dazu das auch ihre Tochter gemieden wurde. Nabiki litt unter der Ausgrenzung sehr, sei es im Kindergarten oder später in der Schule. Sie konnte machen was sie wollte aber sie blieb immer die Tochter der Hexe aus dem Wald. Und auch wenn sie dies nicht oft zeigte nahmen sie jene Geschehnisse aus ihren Kindertagen doch sehr mit.
Erst als ihre Mutter vor einigen Jahren starb zog Nabiki vom alten Haus am Wald in ihre Wohnung wo sie bis heute lebte. Alleine könne sie dort oben im Haus mit all den Erinnerungen nicht leben sagte sie einmal zu mir.“ „ Was?“ unterbrach Mion sie „Die ist gleich abgehauen? Und was ist mit dem Haus passiert?“ Rena fuhr weiter fort „Das steht heute immer noch da wie Nabiki es verlassen hatte niemand hatte mehr Zutritt und es Interessiert auch niemanden mehr, so steht das Haus nunmehr schon mehr als 15 Jahre leer.
Sie erzählte mir oft wie sie früher immer den langen Feldweg hoch lief der mitten durch die weiten Buchweizenfelder führte. Hinauf zum Waldesrand wo auch direkt das alte gemauerte Blocksteinhaus steht“.
„Lasse uns doch einfach mal hingehen“ unterbrach Mion die immer die Abenteuerlustigste von und war. Ich „Ich will das Haus sehen, wir kennen doch den Nachbarort und wenn du den Weg aus den Erzählungen in Erinnerung hast werden wir die Hütte der alten bestimmt finden“ Ich war zwar von der Herangehensweise Mions nicht begeistert aber verspürte nach den ganzen Erzählungen und Geschehnissen der letzten Stunden selbst große Lust mir das ganze einmal anzuschauen. „Was meinst du Rena, wollen wir Morgen einmal einen Spaziergang unternehmen und zum Haus hoch laufen? Dann könntest du auch einmal sehen wie Frau Tendo in ihrer Kindheit so gelebt hat“. Rena zögerte erst und sprach dann mit leiser Stimme „Ich weiß nicht so recht ob das gut ist, ich möchte nicht so wirklich in Nabikis früheren Leben rumstöbern, Sie selbst hat ja schon sehr ungern darüber geredet“.
„Aber Rena, es sagt doch keins was von stöbern wir möchten doch nur gerne einen schönen Spaziergang unternehmen und das Haus anschauen“ entgegnete Mion.
„Ich weiß nicht so recht was ist wenn... der Weg zu Fuß ist doch bestimmt recht lang... soll es Morgen nicht wieder so warm werden?  Hmmm.... aber... aber nur wenn du mitkommst Keiichi“ Mion schaute verblüfft zu mir rüber. Vorsichtig fragte ich Rena während sich mein Herzschlag beschleunigte „Warum denn Rena, warum möchtest du mich so gerne dabei haben?“
Rena blickte mit leicht erröteten Wangen zu Boden während sie genüsslich am kühlen Teeglas nippte. „Nun ja... nun Keiichi ich mag“ Mein Herz sprang wie wild „ Ich mag... dein... deinen Tee so sehr Keiichi bitte bringe doch Morgen wieder eine Kanne voll mit, er schmeckt mir so wahnsinnig gut“.
Nun konnte sich mein Herzschlag auch wieder normalisieren auch wenn ich insgeheim hoffte das dieser Satz anders enden würde.

Verdutzt wie ich in diesem Moment war kam mir nur ein „Alles klar, wird gemacht“ über die Lippen. Der Nachmittag ging langsam in den Abend über und so machten wir uns uns auf dem Heimweg.  Zuvor beredeten wir noch das wir uns Morgen Nachmittag gleich nach der Schule an der alten Papierfabrik die schon vor Jahren ihre Pforten  schloss treffen wollen.

In der Nacht konnte ich nur sehr schlecht schlafen, Gedanken schwirrten in meinem Kopf herum wie mag das Haus wohl aussehen? Spitzes Dach? Eingezäunt mit spitzen Zaunenden? Ungleichen Fenstern, Dämonenfiguren? Doch meinen Vorstellungen glichen wohl eher Bildnissen von Häusern aus schlechten Horrormangas. Doch so langsam in diesen Gedanken versinkend schlief ich irgendwann dennoch endlich ein.

Am nächsten Morgen auf dem Schulweg sprachen Rena und ich weniger als sonst, doch sie hatte einen Teil ihres Lächelns wieder erlangt was auch meine Stimmung wieder ein wenig hob.
Schon in Gedanken alle möglichen Szenarien durchspielend bemerkte ich nicht wie schnell sich doch dieser Schultag dem ende neigte, bis auch schon der Schlussgong ertönte.

Schnell gingen wir nach Hause um hastig unser Mittagessen zu schlingen um uns so schnell wie möglich bei der Papierfabrik zu treffen.
Ich hatte Tee dabei, Rena einen selbst gebackenen Kuchen der so lecker aussah das man ihn sofort hätte essen wollen. Und Mion....Naja Mion schnorrte sich wieder wie immer bei uns durch.

So also liefen wir erst der Hauptstraße entlang die nach ca. zwei Kilometern ins nächste Dorf führte. Wir waren doch schon recht außer Puste da es zwar nur eine leichte Steigung Bergauf ging dies aber dafür auf der ganzen Strecke. So kamen wir also nach einiger Zeit im Nachbardorf an welches noch ein kleineres Kaff als unseres ist. Als wir durch das Dorf schlenderten erblickten wir keine einzige Menschenseele, nur Kühe die ihren Kopf ab und an hoben und uns ein „Muh“ entgegen brachten.

Plötzlich sagte Rena „Da beim Bach hinter den Felsen müssen wir rechts den Schotterweg entlang, dahinter sollen die Buchweizenfelder sein“. „Alles klar“ antwortete Mion und wir liefen gemeinsam den steilen schmalen Weg hinauf. Auf der Spitze des Hügels angekommen erstreckten sich vor uns weite Buchweizenfelder und da, hinten am Horizont sahen wir auch schon die weiten Fichtenwälder.
Da der Feldweg den wir entlang gehen mussten oft so stark geschwungen war konnte man oft nicht erkennen was sich 100 mtr. Weiter dahinter verborg, Auf ihm wuchsen allerlei Gräser und Stauden, man merkte das dieser Weg selten genutzt oder befahren wurde.
Da wir aber den Wald mit seinen hohen Fichten immer näher kommen sahen mussten wir auf den richtigen Weg sein oder? Wir liefen immer weiter und weiter und der Weg wurde schmaler und immer wilder.
Die Buchweizenfelder wurden immer mehr von Sträuchern und Büschen durchzogen und bildeten langsam aber mit unumkehrlicher Sicherheit den Waldrand aus.

Nun gleich endeten die Felder.

Und Plötzlich stand es vor uns.

Ein kleines Haus, nicht größer als 4x6 mtr. Lag vor uns direkt neben den Feldweg. Gebaut aus Sandstein mit recht kleinen Fenstern und einem Giebeldach welches mittig durch einem Einschlag oder derartigem leicht geschädigt zu sein schien. Die Kletterpflanzen breiteten sich bereits üppig in den Fugen der alten Hausmauer aus, auch begonnen bereits die Holzfenster teilweise zu faulen.
Nun standen wir also direkt davor. Hier konnte man, wenn man das Gestrüpp ein wenig zur Seite schob einen alten tiefen Brunnen sehen welcher mit einem wackeligen, rostigen Gitter gesichert war.
„Was meint ihr wie tief das Teil ist?“ meinte Mion während Rena ziemlich besorgt drein schaute. „Schaut ziemlich tief aus, ich kann nicht einmal den Boden sehen gehe lieber nicht zu weit hin so was ist gefährlich“ Hörte man es ängstlich von Renas Seite. Doch als hätte Mion dies nicht gehört schnappte diese sich einen Stein und warf ihn in den Brunnen......21, 23, 24, platsch...“Wow, ziemlich tief der Brunnen und Wasser führt dieser sogar auch noch“ sprach Mion erstaunt.
Weiter dem Hause empor blickend sahen wir den Grund weshalb das Dach beschädigt war. Anscheinend fiel bei einem längst vergangenen Sturm eine Fichte des direkt angrenzenden Waldes aufs Dach. Man konnte vor dem Haus nur noch morsche Stücke des Stammes sehen auf diesem Pilze und Flechten wuchsen.
Als wir um die Ecke gingen sahen wir schon den Hauseingang.
Eine kleine, dreistufige Treppe führte zu einer alten Holztüre die dank eines kleinen Vordaches noch recht gut erhalten war, allerdings schien der Türgriff doch schon sehr verrostet.

Was aber für den Moment mein Interesse weitaus mehr weckte war das Fenster. Ich lief hin um einen kleinen Blick ins innere des Hauses zu werfen. Dies war aber gar nicht so leicht wie gedacht da Gardinen und Spinnweben den Einblick erschwerten. Man musste schon sehr genau hinsehen um auch nur grobes erblicken zu können.
Angestrengt hinein schauend konnte man eine Tischgarnitur, Tischdecke, einen Sessel, Teppich und Regale mit vielen Büchern erkennen. Was mir aber am meisten ins Auge stach war die alte Standuhr die aus dem ersten flüchtigen Blick durchs Fenster recht aufwendig gearbeitet und hochwertig aussah.
Bis auf den Staub und den Spinnweben sah alles recht gut erhalten aus. Man hatte den Eindruck nur einmal gut sauber machen zu müssen und man könne sofort wieder einziehen. Nun standen wir also vor der Türe und ich wurde von der Neugierde gepackt. Ja, ich wollte in das Haus ….unbedingt! Ich möchte mir die Zimmer anschauen und was alles darin zu finden ist!
So ging ich also die Treppe hinauf schon überlegend wie ich die Tür aufbekommen würde.
Doch diese Gedanken stellten sich als völlig belanglos heraus da beim anfassen der völlig verrostete Türgriff samt Schloss recht leicht heraus brach. Nun sollte ein leichter Ruck genügen um die Tür zu öffnen. Kaum öffnete ich die Tür einen Spalt schlug mir ein  modriger, staubiger Geruch entgegen.
„Keiichi, meinst du du willst da rein gehen hältst du das für richtig?“ fragte mich Rena mit besorgter Stimme. „Ich möchte da nur einmal kurz rein schauen wie es da drin ausschaut und es kann ja sein das wir ein zwei Antworten zu Frau Tendo bekommen, immerhin hat sie ja damals dieses Haus fluchtartig verlassen“ sagte ich um Rena ein wenig zu beruhigen.
„Ja aber wenn dann gehen wir da alle zusammen rein“ meldete sich Mion zu Wort.

So gingen wir, ich voran schreitend langsam in das Haus während die Sonne vom Himmel brannte.
Im Hausflur angekommen fiel mir auf wie angenehm kühl es doch hier drin war. Den Flur entlang blickend sah ich den Dielenboden, dann die Garderobe an dieser sogar noch eine Jacke hing diese aber schon deutlich von Motten angefressen schien.
Rechts von uns lag der Raum den ich schon Anfangs durchs Fenster gesehen hatte. Anscheinend ist dies das Wohnzimmer. Links mittig im Flur ging eine Treppe hinab diese an einer Tür endete. Dies scheint der Keller zu sein. Die Tür schaut recht morsch aus, scheint so als ob der Keller recht feucht wäre. Direkt neben uns liegt ein weiterer Raum, dies scheint die Küche zu sein. Ein alter, noch mit Kohle zu befeuernder Herd und ein verrostetes Spülbecken waren hier zu erkennen. Als wir uns weiter der Küche näherten stellten wir sofort fest das dieser Raum in einem deutlich schlechteren Zustand als der Rest des Hauses war.
Die ganze Decke war von Wasserflecken übersät, auch war ein Teil der Decke bereits weggebrochen. Scheint als wäre dies die Stelle an der die Fichte aufs Dach gefallen ist und so dieses Areal der vollen Witterung ausgesetzt ist. Die Fensterläden dieses Raumes sind zudem verschlossen wodurch es hier auch recht dunkel ist und man schon recht angestrengt schauen muss um genaueres zu erkennen. Bei schlechter Sicht langsam voran schreitend bemerkte ich dass die Bodendielen recht beschädigt waren, diese wurden zunehmend morscher und feuchter. Teilweise konnte man schon durch die Dielen  in die tiefer Dunkelheit des Kellers blicken welcher wie ein schwarzes Loch erschien das nur darauf wartet einen zu verschlingen.
Plötzlich zog es mich von hinten an meinem Hemdärmel....
„Keiichi, meinst du wir haben nicht genug gesehen? Ich möchte nicht weiter bitte lasse und doch umkehren“ sagte Rena und schaute mich mit besorgten Augen an.
„Bleibe doch einfach hier stehen, ich möchte nur noch schnell schauen was da in den Einmachgläsern drin ist. Es kann ja sein das  wir Apfelmus mitnehmen können“ begann ich zu scherzen.
So lief ich langsam, sorgsam meine Schritte wählend und achtete genau auf die mir gefährlich erscheinenden Stellen am Boden als Plötzlich ein lauter Knall eines mit Angst erfüllten Schreies die Stille jäh zu nichte machte. Es war Mion, die sonst nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Als ich mich völlig hastig umdrehte sah ich wie sie völlig panisch los rannte und nur noch das Haus verlassen wollte. Rena schaute ihr zwar hinterher, blieb aber stehen da sie anscheinend zu erschrocken war.
Verdammt! Ich muss Mion folgen und Rena gleich mit aus dem Haus nehmen. Und das sofort! So rannte ich in Gedanken los und Plötzlich.... ja Plötzlich.... KNACK!.... ja du Vollidiot der Dielenboden! Und schon verschwand mit lautem krachen der Boden untere meinen Füßen.
Wie in Zeitlupe fallend bemerkte ich wie irgendwas langsam an meinem Oberschenkel entlang glitt und sich tief in mein  Fleisch bohrte. Meine neue Hose gab nur wenig widerstand.
Scheint ein Nagel oder derartiges gewesen zu sein, doch dann schlug ich auch schon unsanft auf. Die ersten Sekunden auf den Rücken liegend wusste ich nicht wie mir geschah bis mich ein lauter Schrei der meinen Namen trug wieder zur Besinnung brachte.
„Keiiiiiichi“ Diese Stimme, das kann nur Rena sein. Und Tatsache, als ich meine Augen öffnete sah ich Rena welche knieend vor dem Loch saß das mein Körper in den Boden gerissen hat. So kniete sie nun da, mit ihrem von Angst erfüllten Gesicht und Tränen in den Augen „Keiichi KEIICHI“ zu mir nach unten in die tiefe rufend. #
„Alles gut Rena“ rief ich zu ihr nach oben und richtete mich auf. Und in der Tat hatte ich anscheinend Glück, denn bis auch die doch tiefere Wunde am Oberschenkel die moderat blutete und Schmerzen an der Schulter schien ich nichts größeres zu haben.
„Ist Mion bei dir“ schrie ich aus der tiefe zu Rena hoch. „Nein, sie ist weg gerannt und ich kann sie auch nicht mehr sehen“ antwortete Rena ängstlich.
„Gut Rena bitte gehe doch erst einmal raus und schaue was Mion macht mir geht es schon gut“
„NEIN! Ich gehe hier nicht ohne dich raus“ Hallte Renas Stimme zu mir nieder.  
Verdammt, ich kenne Rena zu gut. Wenn sie das so bestimmt sagt dann lässt sie sich davon auch nicht abbringen. Jeder weitere Versuch wäre verschwendete Zeit.
„Komme nun endlich von da unten hoch“ Hörte ich Rena nun mehr weinen statt sprechen. „Okay, aber hier unten ist es so dunkel ich kann gerade einmal meine Hand vor Augen sehen wie soll ich auch nur erahnen können wo sich die Tür nach oben befindet?
Rena du musst zur Kellertüre laufen und diese irgendwie öffnen dann kann ich durch den Lichtschein sehen wo ich hinlaufen muss sonst ist es zu dunkel. Ohne dich schaffe ich das nicht!“

„Keiichi ich möchte aber nicht weg und dich alleine lassen“ Aber es geht jetzt nicht anders Rena, bitte laufe zur Kellertüre und versuche diese zu öffnen, dann können wir auch schnell weg von hier“. „Gut Keiichi ich laufe schnell zur Türe, mache diese auf und dann bitte komme schnell her das wir von hier weg können Okay?“ Hörte ich noch Renas Stimme während sie sich aufrichtete.

Doch bevor sie stand ertönte ein dumpfer Schlag und Rena fiel, mit dem Gesicht nach vorne zu mir blickend auf den Dielenboden nieder.

Was ist passiert, ist sie gestürzt? Ist womöglich etwas auf ihr herab gefallen?  
Starr vor Schreck konnte ich mich nicht bewegen. Rena lag da, wimmernd und ächzend, mit ihren blauen weit aufgerissenen Augen zu mir herab schauend. Ihre Lippen trugen ihr liebliches, altbekanntes Lächeln. Unter primitiven, eher wimmernden lauten bewegte Rena ihren rechten Arm und lies ihn zu mir herab gleiten.
Wie durch ein Reflex hob ich sofort meinen Arm und Griff trotz der Schmerzen die ich in der Schulter verspürte nach ihrer zarten, warmen Hand die nun zu zittern begann und nur noch wenig Kraft in sich trug.  
Leise, kaum verständlich murmelte sie “Keiichi ich habe es leider nicht geschafft dich zu retten, ich war zu schwach“ Ihr Händedruck wurde immer schwächer und das zittern wandelte sich nun immer mehr in ein zucken um.

Nun nahm ich auch meinen anderen Arm und umschloss so mit meinen beiden Händen fest Renas Hand während diese immer schwächer und leiser werdender murmelnde „Nicht geschafft“ „Keiichi“

Das warme Blut, welches langsam an Renas Arm herab herab floss bedeckte jetzt schon meine beiden Hände.

Renas Lippen bewegten sich immer langsamer bevor Schlussendlich ihr Arm, ja ihr ganzer Körper das zucken aufgab und sie mich mit einem Lächeln im Gesicht tragend und ihren nun leblosen Augen anstarrte.

WARUM NUR RENA!

Rena die immer für andere da war und niemanden auch nur annähernd was böses wollte, die immer so fröhlich war und stets das  positive aus allem zog.

Wieso muss ihr sowas und dazu noch an so einem Ort passieren? Ich hoffe inständig ich konnte ihr wenigstens in ihren letzten Augenblicken das Gefühl vermitteln nicht alleine zu sein... ich hoffe das ich wenigstens dies für meine gute Freundin machen konnte.

Verdammt, warum kann ich ihre Hand einfach nicht los lassen? Nun stehe ich da, schaue zu ihr auf und kann sie einfach nicht los lassen, ja nicht GEHEN lassen.

Während ich den modrigen, kalten Geruch des Kellers einatme wird mir klar, Rena war und ist mehr für mich als eine gute Freundin.

Verdammt ich kann sie einfach nicht los lassen, NIEMALS!
Doch was ist das? Irgendein Schatten war doch da hinter mir, ja genau! Da gerade.....   Während ich Renas Hand weiterhin fest umschlossen halte und mir das nun kälter und zäher werdende Blut bereits beide Arme herab läuft und tief in mein weißes Baumwollhemd eindringt spüre ich einen frischen Luftzug.... jetzt erst bemerke ich wie etwas ruckartig meine Schulter berührt.

Was ist das, eine Hand?

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