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Zurück?

von Seaside78
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Boris Saalfeld Tobias Ehrlinger / Saalfeld
28.01.2019
14.07.2020
74
160.454
45
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Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
28.01.2019 1.958
 
Ups, da bin ich schon wieder ;-) Ging jetzt irgendwie schneller als gedacht, aber so ist das, wenn man an einem trüben Samstag von lieben Menschen aufgeheitert wird und sich dabei eine neue Idee einschleicht!
Ich bin so froh, mit Euch in diesem verrücktem Universum kreisen zu können!!! Danke dafür!

So, nun bin ich gespannt und hoffe, es gefällt Euch!

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„Du willst zurück?“ Tobias sah Boris fassungslos an. „Ist das dein Ernst?“ Boris nickte leicht mit dem Kopf. „Ja, nein, ach ich weiß es doch auch nicht!“ Tobias rückte auf seinem Stuhl etwas nach vorn und schaute Boris eindringlich an. „Wir sind hier doch gerade erst richtig angekommen! Ich dachte du magst deinen Job? Die Kollegen?  - Und ich? Was ist mit meiner Ausbildung? Willst du das alles wegwerfen?“ Boris sackte auf seinem Stuhl zusammen und zuckte unsicher mit den Schultern. Tobias hatte ja recht! Sie beide waren so glücklich gewesen, vor anderthalb Jahren, als sie nach ihrer Hochzeit hier in Hamburg endlich in Ruhe ihr gemeinsames Leben starten konnten. Boris als Geschäftsführer eines großen Reiseunternehmens und Tobias mit seiner Ausbildung, die so rein gar nichts mit seinem früheren Berufswunsch Feuerwehrmann zu tun hatte. Lange hatte Tobias Internetseiten gewälzt, sich Arbeitsprofile durchgelesen, war dann schließlich bei der Ausbildung zum Technischen Zeichner gelandet und hatte tatsächlich in Hamburg einen Ausbildungsplatz bekommen. „Die Quote macht‘s möglich!“, sagte er dann immer mit einem Lächeln, das aber immer zeigte, dass er sich noch nicht wirklich mit seiner Behinderung abgefunden hatte. Wie auch. Wie ändert man einen ganzen Lebensentwurf in so kurzer Zeit? Und in einigen Momenten, die Gott sei Dank immer seltener wurden, kamen sie wieder hoch, die dunklen Gedanken, die Verzweiflung und die Wut. Aber er hatte gelernt sie als Teil seines Lebens zu akzeptieren und damit umzugehen und dazu gehörte vor allem zu reden. Mit Boris zu reden. Gerade das hatte sehr lange gedauert. Sie beide mussten erst einmal mit der veränderten Situation umgehen lernen. Boris damit, nicht immer sofort aufspringen zu müssen, um Tobias alles abzunehmen und Tobias damit Hilfe anzunehmen und sogar auch einzufordern. Anfangs hatten sie ihre Sorgen und Ängste oft nicht angesprochen, was häufig  dazu führte, dass sie enttäuscht voneinander oder gar wütend aufeinander waren, wenn der eine mal wieder etwas tat oder sagte im guten Glauben es wäre genau das richtige. Aber sie hatten gelernt. Gelernt über ihre Sorgen zu sprechen, ihre Ängste zu benennen und nichts mehr still in sich hineinzufressen. Das machte mittlerweile sowieso keinen Sinn mehr. Denn auch das hatten sie gelernt, sich gegenseitig zu fühlen, zu erkennen, wenn das schwarze Loch sich wieder auftun wollte und drohte ihr Glück zu verschlingen. Denn sie waren glücklich! Trotz der schwarzen Löcher. Immer wieder, wenn Boris an diesen Winter nach Tobias Unfall zurückdachte breitete sich eine ungeheure Wärme in ihm aus. Dieser Tag, als sie im wilden Schneetreiben draußen unterwegs waren und Tobias ihn, nach Wochen der Verzweiflung endlich mal wieder mit diesem Blick angesehen hatte, den er so sehr liebte, den er brauchte wie die Luft zum Atmen und der ihm sagte, dass das ganze Drama sie nicht entzweit hatte, dass er Vertrauen in sie und ihre Liebe haben durfte, haben sollte. Das alles gut werden würde. Und es wurde gut! Der Moment kurze Zeit später, als ihnen bewusst wurde, dass sie beide den gleichen Gedanken hatten, den gleichen Traum von einem gemeinsamen Leben. Ihre Hochzeit! So spontan, so schön, so glücklich. Dann die Entscheidung den Fürstenhof zu verlassen und in Hamburg neu zu starten. Neue Stadt, neue Wohnung, neuer Job für Boris, neue Ausbildung für Tobias, neue Kollegen und alles war gut gegangen, Job und Ausbildung machten Spaß, die Kollegen waren nett und Hamburg ein Traum.

Ja und jetzt, jetzt saß Boris ernsthaft in der Küche ihrer Wohnung und überlegte an den Fürstenhof zurückzukehren. Am Morgen hatte Denise ihn angerufen und sie hatten lange miteinander telefoniert. Mit Denise und Viktor sprach Boris regelmäßig und sie hatten sich auch schon gegenseitig besucht. Viktor lebte noch immer glücklich mit Alicia und der gemeinsamen Tochter in der Wachau und Denise hatte es nach ihrer Hochzeit mit Joshua in den Süden Italiens verschlagen. Dort bereitete sie gerade eine große Ausstellung in einer alten Kirche vor. Und Annabelle hatte nach Boris Weggang tatsächlich den Posten der Geschäftsführerin am Fürstenhof übernommen. Das Verhältnis zu seinem Vater hatte sich nach dem Prozess, bei dem sich herausgestellt hatte, dass Christoph tatsächlich keine Schuld an Tobias Unfall trug gebessert, war aber noch lange nicht so, als dass man es als wirklich gut bezeichnen konnte. Immerhin hatte es sein Vater geschafft und war auf Boris zugegangen und hatte sich für einiges entschuldigt. Dennoch fiel es Boris schwer wieder vollkommen unbelastet mit ihm umzugehen. Und seine Mutter? Die saß seit einem Jahr wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis. Boris konnte es immer noch nicht begreifen, wie seine Mutter soweit hatte gehen können. Er war mittlerweile der festen Überzeugung, dass sie ernsthaft krank war und dringend eine Therapie benötigte. Ihre Anteile am Fürstenhof hatte sie ihm und Tobias überschrieben, quasi als verspätetes Hochzeitsgeschenk. Boris hatte sich erst geweigert das anzunehmen, aber schlussendlich war es Tobias gewesen, der darauf bestanden hatte, die Anteile zu behalten. Nicht ohne den Hintergedanken, damit vielleicht auch seinen Schwiegervater an der ein oder anderen Stelle ein wenig ärgern zu können. Denn für eine Mehrheit, brauchte er jetzt immer auch die Zustimmung von Denise, Joshua und eben Boris und Tobias. Das war zwar aus der Ferne alles nicht ganz einfach, aber in regelmäßigen Videokonferenzen konnte das wichtigste geklärt werden.

„Tobi“, versuchte Boris sich zu erklären, „du weißt doch was gestern los war!“ Tobias verdrehte die Augen. „Ja, ich war bei der Videokonferenz dabei! Deine liebe Schwester hat die Brocken hingeschmissen und ist mit ihrem neuen Kerl auf und davon!“ „Ja, wenn das mal alles wäre“, Boris seufzte. „Sie hat sich in den letzten Wochen quasi gar nicht mehr um die Buchführung gekümmert und alles andere hat sie auch schleifen lassen!“ Boris war aufgestanden und lief in der Küche herum. „Das verstehe ich ja nicht!“, murmelte Tobias. „Hm?“ „Na, dass es keinem aufgefallen ist, dass sie ihren Job nicht mehr vernünftig macht!“, erklärte Tobias. „Du hast ja recht, das kann ich auch gar nicht begreifen, aber es ist nun mal so. Und so wie es momentan aussieht, kann man auch niemanden neuen für die Stelle des Geschäftsführers anstellen. Da muss erst einmal wieder Grund reingebracht werden!“ Boris hob die Arme, verschränkte die Hände im Nacken und blickte aus dem Fenster. „Und das sollst natürlich du machen!“, sagte Tobias mehr zu seiner Kaffetasse als zu Boris. Der drehte sich um. „Naja, ich kenne mich da wenigstens aus!“, sagte er leise und blickte Tobias entschuldigend an. „Aber wie stellst du dir das denn vor? Willst du hier kündigen und wirklich wieder Geschäftsführer am Fürstenhof werden?“ Boris sah die Angst in Tobias Augen. Mit zwei schnellen Schritten war Boris bei ihm, hockte sich vor ihn und nahm seine Hände. „Oh Gott, nein!“, sanft blickte er Tobias an und streichelte über seinen Handrücken. „Ich bin doch genauso glücklich wie du mit dem Leben das wir hier zusammen haben! Das war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten, aus Bichlheim wegzugehen!“ Tobias blickte von ihren Händen auf und schaute Boris irritiert an. „Aber wie stellst du dir das dann vor?“ „Naja, ich dachte, ich lasse mich für ein oder zwei Monate beurlauben und fahre für die Zeit runter!“, erklärte Boris. „Hm!“, brummte Tobias. „Schau mal. Nächsten Monat beginnt doch sowieso deine nächste Reha zur Anpassung und Gewöhnung der neuen Schiene. Da wäre ich dann sechs Wochen alleine hier und wir könnten uns auch nur am Wochenende sehen. Wenn ich meinen Urlaub also in diese Zeit legen würde, würdest du es fast nicht merken, dass ich weg bin!“ Boris blickte Tobias hoffnungsvoll an. Er war ja selbst nicht glücklich darüber, aber es schien ihm im Moment der einzig vernünftige Weg zu sein. Als Anteilseigner hatte er nun einmal auch gewisse Verpflichtungen. Tobias war aufgestanden und streckte sich. „Ich glaube, ich brauche mal ein bisschen frische Luft!“, sagte er dann und ging in den Flur um seine Jacke anzuziehen. Boris seufzte. „Soll ich mitkommen?“, fragte er vorsichtig. Tobias schüttelte den Kopf. Frische Luft war für sie so etwas wie ihr Codewort geworden. Wann immer sie Zeit für sich zum Nachdenken oder Grübeln brauchten, gingen sie frische Luft schnappen. Die Frage, ob Boris ihn begleiten sollte, war eigentlich nur eine theoretische, aber sie hatten sich versprochen, sie jedes Mal zu stellen. Boris wusste, dass er jetzt nicht viel ausrichten konnte. Also ging er noch einmal kurz auf Tobias zu und nahm ihn in die Arme. „Wenn du nicht willst, dass ich gehe bleibe ich! Das weißt du!“, flüsterte er und gab Tobias einen Kuss auf die Wange. Tobias lächelte ihn zaghaft an und ging zur Tür hinaus.

Zwei Stunden später war Tobias noch immer nicht zurück und Boris begann sich ernsthaft Sorgen zu machen. Er kannte die Wege, die Tobias normalerweise auf seinen Spaziergängen nahm und meist war er nach einer Stunde wieder zurück, denn längere Strecken stellten für ihn oft noch ein Problem dar. Nun war er seit zwei Stunden unterwegs und es dämmerte schon. Boris Versuch ihn anzurufen endete mit einem klingelndem Handy auf dem Küchentisch. „Tobi, wo steckst du!“, murmelte er besorgt und blickte abermals auf die Uhr. Er verstand Tobias ja, dass er einmal in Ruhe und allein nachdenken wollte, aber so schlimm schien zumindest ihm das doch alles nicht zu sein. Boris wollte sich gerade die Jacke anziehen und sich auf die Suche machen, als er den Schlüssel im Schloss hörte. Er atmete auf und legte seine Jacke zur Seite. Tobias blickte erschrocken auf, als er Boris im Flur stehen sah. „Entschuldige, hat ein wenig länger gedauert und mein Handy…“ „liegt auf dem Küchentisch! Hab vorhin schon versucht dich zu erreichen! Ich habe mir Sorgen gemacht!“, erklärte Boris und legte eine Hand auf Tobias Arm. „Alles gut! Tut mir leid!“ Tobias schaute Boris entschuldigend an. „Lass uns noch mal reden, ja?“, schlug Boris vor und ging ins Wohnzimmer. Tobias folgte ihm und ließ sich seufzend aufs Sofa fallen und legte die Beine hoch. Zögernd blickte Tobias Boris an. „Ich habe Angst, Boris!“ Boris nickte. „Sowas dachte ich mir schon!“, sagte er leise. „Ich habe Angst, dass dir die Arbeit am Fürstenhof, das Wiedersehen mit den alten Freunden, dass dir das alles so gut gefällt, dass es nicht beim kurz Aushelfen bleibt! Du weißt, kurze Besuche sind für mich immer ok, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, jemals wieder ganz zurückzugehen. Jedes verfluchte Mal kommen all diese Erinnerungen hoch auf die ich keine Lust habe, die ich vergessen möchte, aber nicht vergessen kann“, erklärte Tobias und Boris konnte die Sorgen in seinen Augen sehen. „Tobi, hey“, Boris setzte sich neben ihn aufs Sofa und blickte ihm fest in die Augen. „ Es wäre wirklich nur solange, bis wir einen neuen Geschäftsführer gefunden haben und alles ordentlich übergeben haben. Versprochen! Alles was ich will und brauche ist hier in Hamburg. DU bist hier und ich will immer da sein wo du bist. Du bist meine Familie, mein Zuhause!“ Boris legte einen Arm um Tobias, zog ihn ganz nah zu sich heran und begann ihm über den Arm zu streicheln. „Tut mir Leid, dass das immer wieder hochkommt“, murmelte Tobias und legte eine Hand auf Boris Knie und begann zu kraulen. Boris drückte ihm einen Kuss ins Haar und ein Lächeln machte sich in seinem Gesicht breit. „Woran sollst du denken, wenn du gerade alles zum Kotzen findest?“ Tobias hob den Kopf und blickte Boris an und nun machte sich auch in seinem Gesicht ein warmes weites Lächeln breit, das von strahlenden Augen begleitet wurde. Er zog Boris Kopf ein Stück herunter und gab ihm einen sanften Kuss. „Karwendelhütte!“
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