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Glück ist nichts für die Ewigkeit

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Het
Arzu Ritter Dr. Lea Peters Jenne Derbeck
28.01.2019
02.03.2019
12
29.039
3
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18.02.2019 2.781
 
Nach einer knappen halben Stunde machten sie sich auf den Weg. Arzu wieder am Steuer, Lea neben ihr, die Großeltern saßen hinten. Arzu mochte die beiden alten Leute und freute sich, dass Lea in ihnen eine Familie gefunden hatte.

„Dort drüben steht Philipp“, meinte Lea, als sie den Friedhof erreichten, und zeigte nach rechts. Genau daneben war ein Parkplatz frei, sodass Arzu den Wagen dort zum Stehen brachte. Sie stiegen aus, Arzu und Philipp begrüßten sich mit einem kurzen Kuss, dann stellte Arzu ihm die Großeltern vor. Lea indessen schaute sich unauffällig um. Es waren einige Leute gekommen. Freunde von Jenne, die hier lebten. Ein paar davon kannte sie. Freunde und Bekannte von Hilger und Elli waren ebenfalls da.
„Hast du gewusst, dass Dr. Globisch und Dr. Heilmann kommen?“, wollte Lea überrascht von Arzu wissen, als sie ihre beiden Kollegen erblickte.
„Nein, ich hatte keine Ahnung“, erwiderte diese. „Allerdings habe ich auch mit keinem von beiden über die Beerdigung gesprochen. Da ich ab heute eh Urlaub habe, musste ich mir nicht freinehmen.“
„Mhm, woher wissen sie dann, dass sie heute stattfindet. Und wo?“, überlegte Lea.
„Das stand doch in der Traueranzeige.“
Lea schüttelte über sich selbst den Kopf, weil sie das vergessen hatte. „Ach ja, klar.“
„Ich denke, wir sollten jetzt in die Kirche gehen. Die anderen sind bereits reingegangen. Philipp, kommst du?“ Arzu sah zu ihrem Mann, der wie verträumt wirkte. In Wirklichkeit grübelte er noch darüber nach, dass seine Frau und Lea sich auf einmal duzten. Irgendwie irritierte ihn das. „Philipp!“
„Äh, entschuldige. Was hast du gesagt?“
„Dass wir jetzt in die Kirche gehen sollten.“
„Stimmt, wird Zeit“, nickte Philipp.
Lea hakte Elli auf der einen Seite und Hilger auf der anderen Seite unter. Ob sie damit den beiden oder sich selbst Kraft geben wollte, vermochte sie nicht zu sagen. Von jedem ein wenig vermutlich.
Arzu und Philipp folgten ihnen Hand in Hand.

Als sie die Kirche betraten, verstummten die ohnehin im Flüsterton geführten Gespräche und alle Blicke ruhten auf ihnen. Lea stoppte, doch als Elli ihr aufmunternd die Hand drückte, ging sie weiter.
Vor dem Sarg verharrte sie, länger als üblich. Elli, Hilger und Philipp hatten sich inzwischen gesetzt. Arzu aber blieb in Leas Nähe, was auch gut war, denn als diese schwankte, war Arzu sofort bei ihr, um sie zu stützen. Sie streichelte ihr über den Rücken und führte sie auf ihren Platz neben Elli, bevor sie sich zu Philipp setzte. In der zweiten Reihe, direkt hinter Lea.

Kathrin und Roland sahen sich verwundert an.
„Hast du gewusst, dass die beiden sich so nahe stehen?“, wollte Roland leise von ihr wissen.
„Ich habe nicht einmal gewusst, dass sie und ihr Mann heute hier sein würden. Aber Arzu und Dr. Peters hatten ja immer schon einen besonderen Draht zueinander“, entgegnete die Ärztin, bevor sie ihre Aufmerksamkeit nach vorne richtete, wo gerade der Pfarrer neben den Sarg trat. Die Verwunderung bei den beiden Ärzten stieg, als der Pfarrer in seiner Trauerrede die Heirat von Lea und Jenne erwähnte.

Lea verfolgte die Trauerfeier, als hätte sie ihren Körper verlassen und würde von oben zuschauen. Sie hörte die Worte des Pfarrers, lauschte den Liedern, die sie mit Elli und Hilger zusammen ausgesucht hatte, sprach die Gebete mit und war doch weit weg. Sie hatte sich geistig einfach ausgeklinkt, weil es so ein wenig erträglicher wurde.
Daran änderte sich auch nichts, als sie schließlich dem Sarg folgten, um Jenne zu seiner letzten Ruhestätte zu begleiten. Und wie in Trance trat sie nach vorne, warf etwas Erde in das Grab.
Die rote Rose, die das Bestattungsunternehmen auf ihren Wunsch hin, dort für sie bereitgelegt hatte, hielt sie in den Händen.
„Danke für deine Beharrlichkeit, dein Verständnis, deine Geduld und vor allem für deine Liebe. Es wird mir wohl für immer ein Rätsel bleiben, warum du dich ausgerechnet in mich verliebt hast, aber ich bin glücklich, dass du es getan hast. Und dankbar, dass du mein Leben bereichert und verändert hast. Ich habe viele Fehler begangen, doch mein größter war, dir nicht oft genug gesagt und gezeigt zu haben, wie sehr ich dich liebe, Jenne. Das tut mir leid.“ Sie warf die Rose in das Grab. „Du fehlst mir unendlich.“
Die Trauergäste mussten gar nicht sehen, dass Lea weinte, denn es war ihrer Stimme anzumerken. Sie war leise und zitterte. Dennoch konnten zumindest die Trauergäste, die vorne standen, jedes Wort hören und waren davon tief berührt. Vor allem diejenigen, die wussten, dass diese Frau eigentlich eine Meisterin darin war, ihre Gefühle zu verbergen.

Da in der Traueranzeige gebeten worden war, von Beileidsbekundungen am Grab abzusehen, wurde es nach und nach leerer, sodass am Ende nur noch die Familie und engste Freunde am Grab standen. Lea hatte sich etwas abseits gestellt, weil sie einen Moment für sich brauchte. Als sie jedoch sah, wie Kathrin und Roland fortgingen, folgte sie ihnen.

„Ist es nicht tragisch, dass die beiden erst eine Woche vor dem Unfall geheiratet haben?“, fragte Kathrin, während Roland und sie sich langsam zum Ausgang begaben.
„Und wie“, stimmte Roland ihr zu. „Mir tut Dr. Pet … Dr. Derbeck unglaublich leid.“
„Mir auch.“ Kathrin musterte Roland von der Seite. „Denkst du an Pia?“
„Natürlich. Das kommt automatisch. Wir haben beide unsere Partner auf tragische Weise verloren.“
„Daran habe ich auch schon gedacht. Ich …“
„Dr. Globisch, Dr. Heilmann. Warten Sie bitte.“
Die beiden drehten sich um. Lea kam auf sie zu.
„Vielen Dank, dass Sie gekommen sind. Das bedeutet mir viel.“
„Es war uns ein Bedürfnis“, entgegnete Roland ehrlich. „Sarah wäre auch gekommen, aber sie liegt mit Grippe flach.“
„Das tut mir leid. Sollten Sie mit ihr sprechen, richten Sie ihr bitte gute Besserung aus.“
„Das mache ich.“
„Möchten Sie noch mit auf den Hof kommen? Es gibt einen kleinen Umtrunk.“
„Das würden wir sehr gerne, müssen aber in die Klinik, Dr. Derbeck. Das ließ sich leider nicht anders regeln“, erklärte Kathrin.
„In diesem Fall hat Ihr Kommen noch mehr Bedeutung, immerhin liegt Schwerin nicht grad um die Ecke.“ Lea wandte sich an Roland. „Ich würde gerne später noch in der Klinik vorbeikommen und mit Ihnen sprechen, Dr. Heilmann. So zwischen achtzehn und neunzehn Uhr müsste ich wieder in Leipzig sein. Sofern es Ihnen passt.“
„Sicher, aber wollen Sie denn nicht hierbleiben?“
„Das brauche ich nicht. Elli und Hilger fahren mit Freunden für ein paar Tage an die See, um Abstand zu gewinnen. Um den Hof kümmern sich derweil die Nachbarn.“
„Verstehe. Dann sehen wir uns später, Dr. Derbeck.“
„Bis später und fahren Sie vorsichtig.“ Lea sah den beiden noch einen Moment nach, bevor sie zurückging.

Arzu ging ihr entgegen. „Alles in Ordnung, Lea?“
„Ja, ich habe mich nur bei Dr. Globisch und Dr. Heilmann für ihr Kommen bedankt. Sie wären gerne mit zum Hof gekommen, müssen aber noch arbeiten.“
Arzu pfiff kurz durch die Zähen. „Dennoch sind sie gekommen. Das ist wirklich nett.“
Lea nickte. „Finde ich auch. Frau Marquardt wollte eigentlich auch kommen, hat Dr. Heilmann gesagt, aber sie ist krank geworden.“
Arzu nickte. „Ich habe gestern so etwas gehört.“
„Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass jemand aus der Klinik kommen würde. Niemand von ihnen kannte Jenne, also richtig.“
„Sie sind deinetwegen hier, Lea.“
„Mhm“, machte Lea.
„Irgendwann wirst du begreifen, dass es Menschen gibt, die dich wirklich mögen, Lea“, meinte Arzu. „Dr. Globisch und Dr. Heilmann hätten nicht kommen müssen. Sie taten es, weil sie dir auf diese Weise ihre Anteilnahme zeigen wollten.“
Ein anderer Grund fiel Lea nicht ein, also musste Arzu wohl recht haben. Sie nickte, dann fiel ihr die Verabredung mit Dr. Heilmann ein. „Ach Arzu, wäre es möglich, dass ich Tim später bei euch abhole? Ich möchte noch in die Klinik, um mit Dr. Heilmann zu sprechen. Das habe ich mit ihm abgemacht.“
„Klar, kein Problem. Er könnte auch bei uns übernachten, wenn dir das besser passt oder lieber ist.“
Lea schüttelte den Kopf. „Ich möchte Tim heute Nacht bei mir haben. Zum Glück schläft er ja immer so fest, dass es keine Schwierigkeiten gibt, ihn zum Wagen und dann in meine Wohnung zu tragen.“
„Wenn Tim schläft, dann weckt ihn so schnell wirklich nichts auf“, bestätigte Arzu. „Ich wäre froh, wenn ich das von Pauline auch behaupten könnte.“ Sie zog fröstelnd die Schultern zusammen. „Es wird kalt. Ich denke, wir sollten langsam zum Hof fahren.“ Sie schaute sich um. „Die anderen sind offenbar schon zum Parkplatz vorgegangen.“

Gegen fünfzehn Uhr machten sich Lea, Tim, Arzu und Philipp auf den Heimweg. Lea hatte Arzu vorgeschlagen, sie sollte mit ihrem Mann zurückfahren, aber ihre Freundin hatte darauf bestanden, mit ihr zu fahren. Lea hatte sich nur seufzend in ihr Schicksal ergeben. Am Steuer saß aber diesmal sie.

***

Lea atmete erleichtert durch, als sie das Büro von Roland erreichte, ohne jemanden begegnet zu sein und schaute auf die Uhr. Halb sieben. Sie lag also in der abgesprochenen Zeit.
„Herein“, erklang es von drinnen, nachdem sie geklopft hatte. „Dr. Derbeck, nehmen Sie bitte Platz.“
„Danke.“
„Was kann ich denn für Sie tun?“, kam Roland direkt zur Sache, weil er wusste, dass Lea kein Typ für langes Drumherumreden war.
„Ich hätte ja eigentlich zwischen Weihnachten und Neujahr Urlaub … den ich jetzt nicht mehr brauche. Die Feiertage hätte ich gerne frei, aber danach können Sie wieder mit mir planen.“
„Ehrlich gesagt halte ich das für keine gute Idee, Dr. Derbeck. Sie sollten sich jetzt die Zeit nehmen, die Sie wirklich brauchen. Für sich selbst und für Ihren Sohn. Wie geht es Tim?“
„Er hat noch nicht begriffen, dass Jenne weg ist. Er spürt, dass etwas nicht stimmt, aber wie soll er auch verstehen, dass sein Papa nie mehr wiederkommt. Aber sonst … ich komme klar.“
„Glauben Sie“, erwiderte Roland. „Wenn ein Mensch, den man liebt, stirbt … ich habe das mehrmals erlebt … damit kommt man nicht klar!“
„Um mich müssen Sie sich wirklich keine Sorgen machen und ich möchte so schnell wie möglich zurückkommen.“
„Ich mach mir aber Sorgen, weil Sie dabei sind, den gleichen Fehler zu begehen wie ich. Nach Pias Tod habe ich mich auch in die Arbeit gestürzt und in die Routine gerettet. Anfangs hat es geklappt. Dann ist die Trauer wie eine Riesenwelle auf mich zurückgeschwappt. Ich bin da fast nicht rausgekommen.“
Lea hatte Roland aufmerksam zugehört, schüttelte nun leicht den Kopf. „Das kann man nicht vergleichen, Dr. Heilmann. Sie und Ihre Frau waren ewig verheiratet.“
„Die Dauer einer Beziehung hat damit nichts zu tun, Dr. Derbeck. Pia war für mich ein sehr besonderer Mensch. Jenne ist das für Sie auch. Ich vermisse sie jeden Tag. Immer noch.“ Roland gab Lea einen Moment zum Nachdenken. „Hören Sie auf mich. Erst die Trauer, dann die Arbeit. Beides zusammen funktioniert nicht.“
Lea nickte langsam. „Danke, Dr. Heilmann. Ich werde auf jeden Fall darüber nachdenken.“
„Das ist ein guter Anfang. Kann ich denn sonst noch etwas für Sie tun?“
„Nun, noch nicht“, entgegnete Lea. „Allerdings gibt es etwas, dass Sie wissen sollten, da es in den nächsten Monaten eine Rolle spielen wird.“
„Das wäre?“
„Ich bin schwanger.“ Sie sah, wie Roland schluckte und offensichtlich nicht wusste, was er sagen sollte. „Es ist in Ordnung, wenn Sie mir gratulieren, Dr. Heilmann“, half sie ihm über die Verlegenheit hinweg. „Es ist etwas Schönes. Und auch unsere Heirat war und ist es – trotz allem.“
„Das ist wahr“, stimmte Roland ihr zu. „Sogar etwas sehr Schönes. Also … Gratulation! Wie weit sind Sie denn, wenn ich fragen darf?“
„Dreizehnte Woche.“
„Erst recht ein Grund gut auf sich aufzupassen und erst wieder mit der Arbeit zu beginnen, wenn Sie wirklich soweit sind. Bis dahin …“
Es klopfte und Dr. Hoffmann kam herein. „Dr. Heilmann, ich bräuchte dringend Ihre …“ Er schaute von seinem Tablet hoch und entdeckte Lea. Erleichtert atmete er durch. Wirkte aber gleichzeitig ein wenig verunsichert. „Frau Kollegin, Sie kommen wie gerufen.“
„Dr. Hoffmann, das ist jetzt kein günstiger Zeitpunkt. Heute war …“
„Ist schon gut, Dr. Heilmann“, wurde Roland von Lea unterbrochen. „Worum geht es?“
„Es ist vorhin ein Patient eingeliefert worden, bei dem ich ein Kavernom vermute. Sicher bin ich mir aber nicht. Er hatte vor Kurzem einen Unfall, bei den Untersuchungen waren allerdings keine Auffälligkeiten entdeckt worden“ Dr. Hoffmann zeigte ihr auf seinem Tablett ein Bild, woraufhin Lea nickte.
„Ihr Vermutung ist korrekt. Bei den Untersuchungen wurde auf unfallspezifische Verletzungen geachtet, weswegen das Kavernom nicht entdeckt worden war.“
„Habe ich mir gedacht. Würden Sie den Patienten operieren?“
Lea musterte ihren Kollegen. „Vorher sollten Sie mir aber noch den Teil erzählen, den Sie offenkundig vor mir zu verbergen versuchen.“
„Verbergen?“
„Die Rolle des Arglosen steht Ihnen nicht, Dr. Hoffmann“, erklärte ihm Lea. „Sie wirken unsicher, vermeiden den Blickkontakt, was sonst absolut nicht Ihre Art ist. Und da ich nicht annehme, dass mein Anblick tatsächlich so fürchterlich ist, wie ich mich fühle, muss es etwas anderes sein. Oder irre ich mich?“
Lea hatte dunkle Ringe unter den Augen, in denen sich ihre Trauer zeigte. Sie sah erschöpft aus und war trotz allem eine attraktive Frau. Von fürchterlich aussehen konnte in der Tat keine Rede sein.
„Nein.“
Lea sah ihn abwartend an. „Also?“
„Bei dem Patienten handelt es sich um Herrn Kessler“, gab Dr. Hoffmann widerstrebend zu.
„Was ist geschehen?“
„Er ist im Badezimmer zusammengebrochen. Seine Frau hat ihn gefunden.“
„Frau nicht mehr Verlobte“, murmelte Lea. „Geheiratet hat er also inzwischen.“ Das setzte ihr zu. Seit dem Tod von Jenne waren erst zwei Wochen vergangen, und während sie trauerte und die Beerdigung vorbereitete, hatte er sein Leben zunächst einfach weitergeführt und geheiratet. „Hat er Ihnen auch die Vorgeschichte erzählt?“
Dr. Hoffmann sah sie verwundert an. „Was für eine Vorgeschichte?“
„Dass er schon einmal so einen Aussetzer gehabt hat. Sein Glück … und das der anderen Verkehrsteilnehmer … war, dass er zu dem Zeitpunkt auf einem Rastplatz stand. Er hat gewusst, dass er zum Arzt hätte gehen müssen, und zwar umgehend, tat es jedoch nicht. Weder danach noch später. Stattdessen tat er so, als wäre nichts gewesen und setzte sich weiterhin hinters Steuer.“
„Vorher wissen Sie das?“, wollte Roland wissen. Diese Neuigkeit haute ihn um und setzte den Tod von Jenne Derbeck in ein ganz anderes Licht.
„Sein Anwalt war gestern bei mir. Herr Kessler hat dies jetzt gegenüber der Polizei gestanden, weil er offenbar mit seiner Schuld nicht mehr klarkam, und wollte, dass ich es erfahre. Er hat mir über seinen Anwalt sein tiefstes Bedauern aussprechen lassen.“ Den letzten Satz hatte Lea voller Bitterkeit gesagt, was ihre beiden Kollegen durchaus verstehen konnten. „Der Unfall hätte vermieden werden können.“ Sie atmete durch, stand auf. „Es tut mir leid, Dr. Hoffmann, in diesem Fall werde ich Ihnen nicht helfen können. Herr Kessler muss operiert werden, daran führt kein Weg vorbei, aber dafür müssen Sie jemand anderen finden. Ich kann den Mann, der Jenne auf dem Gewissen hat, nicht operieren.“ Sie nickte den beiden zu und ging.
„An ihrer Stelle würde ich auch nicht operieren können. Oder wollen“, meinte Roland nach einer Weile. „Wie hält sich der Patient? Haben wir Zeit, nach Ersatz für Dr. Derbeck zu suchen?“
„Dr. Derbeck?“, fragte Dr. Hoffmann erstaunt nach.
Roland nickte. „Sie hatten eine Woche vor dem Unfall geheiratet. Das habe ich heute Vormittag auf der Beerdigung erfahren.“
„Die war heute? Verflixt, das hatte ich total vergessen“, ärgerte sich Dr. Hoffmann. „Sonst hätte ich Dr. Pet … Derbeck nicht um Hilfe gebeten.“
„Das war nicht die einzige Neuigkeit, die unsere Kollegin betrifft … sie ist schwanger“, klärte Roland seinen Kollegen weiter auf. „Das erzählte sie mir eben.“
Dr. Hoffmann schüttelte ungläubig den Kopf. „Da war das Schicksal diesmal aber besonders grausam.“ Er seufzte verhalten, dann erinnerte er sich an die Frage seines Chefs. „Zu lange sollte die Suche nach einem Ersatz nicht dauern.“
„Okay, dann kümmere ich mich darum. Wollen wir hoffen, dass wir jemanden finden. Am Tag vor Heiligabend dürfte das wohl schwieriger als die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen werden.“
„Vielleicht geschieht ja ein Weihnachtswunder“, meinte Dr. Hoffmann etwas ironisch, nickte seinem Chef kurz zu und verließ dessen Büro. Roland seufzte, griff zum Adressbuch und begann es durchzublättern. Zunächst rief er im Johannes-Thal-Klinikum in Erfurt an, erfuhr aber zu seinem Bedauern, dass sich die dortige Neurochirurgin, Dr. Ruhland, bereits im Urlaub befand.

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Das hätte Lea geschafft!

Die Infos für nicht Iaf Seher:
-Die Beerdigung wurde in der Serie lediglich erwähnt.
-Das Gespräch mit Lea und Roland hat stattgefunden. Teilweise auch tatsächlich so, ich hab nur ein wenig dazugeschrieben.
-Dr. Hoffmann kam in Rolands Büro und sprach Lea an, weil er ihr ein MRT zeigen wollte - die beiden haben das Büro dann verlassen. Das ganze Gespräch fand also nicht statt.
- Das Johannes-Thal-Klinikum ist der Hauptschauplatz im Serien Ableger "IaF - Die jungen Ärzte"


Das nächste Kapitel folgt am Donnerstag. Da wird mal wieder geträumt ;-)  Und wir machen einen Zeitsprung.

Habt eine schöne Woche bis dahin
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