Paranoia|Die Jagd nach dem Verfolger

GeschichteDrama, Übernatürlich / P18 Slash
Naruto Uzumaki OC (Own Character) Sasuke Uchiha
26.01.2019
26.03.2020
12
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10. Kapitel: Alte Bekannte und neue Freunde

Ein zittern, kaum spürbar aber dennoch vorhanden, ließ die Köpfe der Sonnenblumen hin und herwiegen. Ein Knurren kam von dem hochgewachsenem Mann, welcher trotz der Sommersonne einen Mantel umgelegt hatte. Der Blonde Begleiter ließ dies jedoch unkommentiert, hatte sein Partner in den letzten Minuten schon mehrere Laute wie diese von sich gegeben. Anfangs hatte er noch nachgefragt, was der Grund dafür wäre, doch mehr als ein 'Das geht dich nichts an du Bengel', war nicht aus ihm herauszuholen. Jedoch war ihm nicht entgangen, dass sein Gesichtsausdruck sich mit jeder weiteren Minute weiter verfinstert hatte, mehr und mehr Zornesfalten sich auf seiner Stirn gebildet hatten und seine fast komplett schwarzen Augen Feuer und Funken zu sprühen versuchten.

Es war beeindruckend, wie viel Mimik in einem Gesicht abzulesen war, trotz dessen, dass eben jenes nicht das echte ist, sondern nur eine Maske. Eine Maske aus... Was auch immer, so genau wollte er es auch nicht wissen, denn immer wenn er eine andere aufzog, gruselte es den jüngeren der beiden. Zu gerne würde er seinen Meister fragen, mit was für einem Freak er ihn zusammenteilte, doch so sehr interessierte es ihn nicht, als das er sich darum die mühe machen würde.

"Ohhh, siehst du das? Jetzt kommt Schwung in die Bude", frotzelte er ein wenig herum, nur um mal eine andere Reaktion als ein Knurren zu erhaschen, doch wieder war dieses monote und altbekannte Geräusch von seinem Partner zu vernehmen. Gespannt beobachteten die beiden das Geschehen aus sicherer Entfernung, wie zuvor alles andere auch. Was sich im Inneren der Klinik abspielte konnte der Blonde nicht sagen, woher auch? Sein Kumpane wusste zwar Bescheid, was da vor sich ging, hielt es aber nicht für nötig ihn ins Bild zu setzen. Dass es aber um den Zirkel geschehen war, konnte selbst er sagen, hatte er mehr als deutlich gespürt, wie sich eine der Präsenzen verkleinert hatte, ganz so, als wäre sie extrem geschwächt worden. Kurz darauf traten zwei neue auf, die nicht zu den beiden jungen gehörten, welche sie observierten. Diese waren dunkler und sehr mächtig, doch nicht der Rede wert, wenn man ihren Lead einmal zu Gesicht bekommen hatte.

Es dauert auch nicht sonderlich lange, bis die erste plötzlich erlosch und in fast dem gleichen Augenblick verdunkelte sich das Licht der Sonne. Scheinbar hatten nur sie das bemerkt, denn das Leben um sie herum ging weiter wie zuvor, ganz so, als würden die anderen Menschen nicht bemerkt haben, dass das Licht dieser Welt dabei war zu erlöschen. Der Himmel hatte sich verdunkelt, die Wolken hingen schwer am Himmel hinab und selbst die Vögel hatten in ihren Symphonien innegehalten. Aber erst als die Sonnenblumen auf dem Feld, in welchem sie sich versteckten anfingen ihre Köpfe hängen zu lassen, machte er sich wirklich Sorgen. Er war zwar kein Botaniker, aber er wusste, dass Pflanzen empfindlicher als Tiere auf Umwelteinflüsse reagierten, meistens auch um einiges heftiger. Doch kurz bevor er sich dazu durchgerungen hatte seinen Partner erneut zu fragen was denn in der Klinik vor sich ging, verdunkele es sich erneut schlagartig, nur um Sekunden später wieder hell zu erstrahlen. Ein zittern ging durch die Straßen, welche selbst die Passanten kurz innehalten ließ. Und plötzlich war er da. Der Lichtschein, welcher die Erde zum zittern brachte, die Gemäuer wie Säure zerfraß und unaufhaltsam gen Himmel schoss. Wie als würde sich ein Tor in dem beinahe wolkenfreiem Himmel öffnen, strömte das Licht dorthin, wurde verschluckt und bis auf den letzten Schein ausgezerrt.

Natürlich sahen dies die normalen Menschen nicht, nicht nur wiel sie nicht sensibel genug für solche Dinge waren, sondern auch, weil noch immer die Domäne des Zirkels wirkte und alles vor neugierigen Augen verbarg. Das einzige, was sie zu sehen bekamen, war die Erschütterung und das Feuer, welches ausbrach, wegen dem Lichtkegel. Müsste es der jüngere der beiden beschreiben, hatte diese Szenerie etwas anmutiges, einzigartiges und wunderschönes, so wie der Schein aus dem Inneren der Klinik seinen Weg gebahnt hatte. Wie es nichts anderes zurück ließ, als Schutt und Feuer, Rauch und Zerstörung. Die Geräusche, welche dabei entstanden hallten in seinen Gehörgängen, formten so ein Requiem der Vernichtung. Die Orgeln des himmlischen Gerichts dröhnten in seinen Ohren wider, formten eine Melodie in seinem Kopf, welcher er nicht widerstehen konnte. Wie ferngesteuert legte er sein Kinn auf das Holster der Violine, ignorierte das Kratzen seines Ohrrings auf dem Holz. Tief atmete er durch, wollte die passende Stelle zum einsteigen in dieser Melodie der Verdammnis nicht verpassen und plötzlich war sie gekommen.

(https://youtu.be/sh6V1zMmbuU)

Behände ließ er den Stock auf den Saiten aufliegen und ließ er die ersten Töne erklingen. Aggressiv, voller Kraft und in einem unglaublichen Tempo entlockte er seinem Instrument einen Ton nach dem anderen, erschuf so ein Crescendo des Unheils. Der Wind trug diese Melodie über das kleine Feld, über die Straße, ließ die Klänge seiner Zerstörung gegen Wände und Autos schlagen. Immer weiter spielte er sich in Ekstase, bekam nichts mehr von seiner Umwelt mit, bemerkte nicht, wie sein Spiel die Sonnenblumen verwelken ließ, ihnen ihre Köpfe abtrennte. Von den Kratzern im Lack der vorbeifahrenden Autos und den Schnitzern im Stein der Mauern bekam er ebenfalls nicht mit. Auch der Blick seines Partners blieb ihm verborgen, betrachtete dieser ihn interessiert hinter seinen Sonnenbrillengläsern heraus und leckte sich einmal über die Lippen. Es war ihm so, als würde er nicht alleine diese Melodie des Terrors spielen, sondern als würde ihm ein ganzes Orchester unterstützen, die fehlenden Noten, welche er nicht spielen konnte ergänzen. Dieses Gefühl beflügelte den Blonden, weswegen er noch einmal das Tempo steigerte, noch aggressiver seinen Stock über die Saiten zog.

Immer wieder, immer schneller, immer stärker, er konnte einfach nicht aufhören seine Finger über den Korpus gleiten zu lassen, die Noten zu variieren indem er die Länge kürzte oder mit seiner Kuppe auf und ab wippte um dem Ton eine noch tiefere Ausdrucksstärke zu verleihen. Immer wieder spielte er die Noten, hatten sie sich in sein Gedächtnis gebrannt, ohne dass er sie jemals gesehen hatte. Die Instrumente schienen ein eigenes Leben zu führen, spielten sie ihr eigenes Tempo, jedoch nicht ohne das seinige Spiel zu übertönen, im Gegenteil sogar, hob genau dies es sogar hervor. Noch einmal stimmte er zu langen Noten an, bis es geschah.

Plötzlich ertönte eine Stimme, nein, es waren Stimmen, welche sich zu seinem Spiel gesellten, ihn zu unterstützen suchten. Es war, als würde der Chorus des Himmels selbst sein Spiel auf neue Ebenen tragen wollen, den Klang und die Farbe seines Instruments über die Felder bringen, damit sie nicht ungehört blieb. Geleitet von den Stimmen variierte er sein Tun, passte sich den Stimmen an, wurde langsamer, leiser, nur um im nächsten Augenblick mit mehr Inbrunst seiner tat Ausdruck zu verleihen

Aus einem Impuls heraus wurde sein Spiel langsamer als die Stimmen versiegten, sanfter, fast schon einladend und liebevoll, ganz so, als würde er die Leute locken wollen. Doch alleine der Klang seiner Musik zeugte vom Gegenteil, war diese Melodie nicht bestimmt zu schützen, sich geborgen zu fühlen, nein, sie war dazu bestimmt zu verleiten, leiden zu lassen und zu zerstören. Und genau dann ertönten wieder diese Stimmen, verliehen seinem Spiel ein völlig anderes Flair, spiegelten das genaue Gegenteil wider was er zu spielen vermochte, doch ergänzte es dieses dennoch auf eigenartige Art und Weise perfekt, als wäre es dafür bestimmt gewesen. Nun war es so wie es sein sollte. Seine Musik sollte Angst und Schrecken in jeder Pore hervorquellen lassen, er wollte die Panik in den Augen seiner Zuhörer sehen.

Er konnte es spüren, der Höhepunkt ließ nicht mehr lange auf sich warten, bald würde sein Konzert den Klimax erreichen und wenn er nicht aufpasse, würde nicht nur das Feld auf welchem sie standen darunter leiden. Er wusste um seine Kraft, doch um seinen Partner brauchte er sich keine Sorgen zu machen, hatte er schon schlimmeres erlebt als ein kleines Spiel des Grauens. Ein letztes mal setzte er an, ließ seinen Bogen über die Saiten streichen und beendete sein Spiel, nur um wenige Sekunden später völlig erschöpft seine Augen zu öffnen. Er hatte überhaupt nicht wahrgenommen, dass er sie geschlossen gehalten hatte. Doch jetzt, wo er sie wieder geöffnet hatte, sah er, was sein Spiel für eine Verwüstung hinterließ. Voller Freude besah er sich das verdorte Blumenfeld, die bröckelnden Mauern, die beschädigten Karosserieen.

"Na? Hattest du Spaß?", holte ihn die tiefe Stimme seines Hintermannes aus seinen Ekstasischen Gedanken, ließ ihn wieder Herr seiner Sinne werden und im hier und jetzt ankommen. Das schmunzeln konnte er zwar nicht sehen, dazu brauchte er sich nicht einmal zu ihm herumdrehen, doch war es deutlich zu hören. "Ich habe mich hinreißen lassen, manchmal, wenn ich eine Melodie im Kopf habe, kann ich nicht anders, als mich gehen zu lassen und sie zum Ausdruck zu bringen. Ich wollte sie mit der Welt teilen", erklärte er sich selbst, wischte sich dabei den Schweiß von seiner glänzenden Stirn.

"Ich habe nichts gesagt", hielt er dagegen, doch noch immer konnte das schmunzeln in seiner Stimme nicht verbergen. "Die Jugend von heute ist sonst immer so zielorientiert und starrköpfig, da ist es gut, wenn du dir ein wenig Luft machst und besser hier, als bei unserem Meister. Ich schlage jedoch vor, dass du ersteinmal von hier verschwinden solltest, bevor die beiden Knirbse kommen und dich sehen. Wir treffen uns dann nachher wegen dem Lagebericht bei 'ihm'. Jedoch solltest du dich vorher noch einmal umziehen, bevor wir da zusammen reingehen. Du stinkst nach Schweiß und man sieht dir an, das du... Spaß hattest", ließ der Ältere der beiden noch verlauten, ehe er seinen schweren Mantel etwas zur Seite schob und einen Knochen vor seine Füße warf. Als dieser jedoch auf dem Boden aufkam, war von dem großen Mann in schwarz, der trotz der hohen Temperaturen eine Maske aufhatte und im dicken Wintermantel herumlief nichts mehr zu sehen.

"Du bist nur eifersüchtig, weil du schon so ein alter Knacker bist und nicht mehr zum Schuss kommst, du weißt bestimmt nicht einmal mehr, wie gut sich soetwas anfühlt. Der Höhepunkt einer Leidenschaft zu teilen, in die Welt hinauszutragen, ist einfach die wahre Kunst und Vollendung in unserer einen Welt", sprach der Blonde mehr zu sich selbst, als seinem Kumpanen, wusste er doch, dass er ihn nicht mehr hören konnte. Erneut setzte er zu einem Spiel an, dieses Mal waren die Noten aber nur sehr schwach und leise, beinahe unscheinbar. Je mehr Noten er jedoch spielte, umso mehr verlor er selbst an Kontrast, bis er gänzlich von dem Sonnenblumenfeld verschwunden war. Nur noch der Wind trug die Noten hinfort, gemeinsam mit seinen letzten Worten.

"Ich werde dafür sorgen, dass sich jeder meiner Musik beugt, auch du wirst bald auf die Knie gehen, so wahr ich Siegfried heiße..."

///

Keuchend lehnte er sich an die Wand, atmete noch einmal tief durch. So tief wie es ihm bei all dem Rauch möglich war. Wie sie alle heil aus den Trümmerfeld herausgekommen waren, war ihm Schleierhaft. Als die Decke nachgab und die riesigen Felsen auf sie niederrasten, hatte er schon mit seinem Leben abgeschlossen und nicht einmal im Traum daran gedacht Heil und unbeschadet da wieder herauszukommen. Das einzige, was er noch bewusst wahrgenommen hatte war, wie Kurama ihm befohlen hatte ihm Platz zu machen, es sei keine Zeit für lange Erklärungen und so hatte er getan wie ihm geheißen.

Das nächste, woran er sich erinnerte war, dass er aus den Haupttoren der Kirche getreten war. Scheinbar waren die Klinik und das Gebäude unterirdisch miteinander verbunden gewesen, weswegen sie aus eben jenem kamen. Noch immer konnte er es nicht ganz greifen, was alles passiert war, hatten sie nicht nur ihre Zielperson gefunden, sondern auch erfolgreich aus den Klauen des Zirkels gerettet, selbigen vernichtet und beinahe ihr eigenes Leben verloren.

"Mach dir keinen Kopf, wir sind ja nochmal gut aus der ganzen scheiße rausgekommen" holte ihn die Stimme von Sasuke aus seinen queren Gedankengängen heraus, was ihn kurz zusammenzucken ließ. Sofort blickte er zu seiner linken, wo der Schwarzhaarige auf dem Stein saß und ihn aus halbgeschlossenen Lidern anblickte. Sofort legten sich alle unruhigen Gedanken und ließen nur eine alles einnehmende Wärme in ihm zurück. Schwarz traf auf blau, beruhigte letzteres und ließ es wieder klar werden. Scheinbar hatte er einen beruhigenden Effekt auf Naruto, ging Sasuke in diesem Augenblick auf, denn er konnte sehen, wie sich der Sturm in seinen Seelenspiegeln beruhigte und wieder wie die Oberfläche eines ruhigen Sees in der Sommersonne wirkten.

Doch noch immer schien der gesamte Körper des Blonden unter Strom zu stehen, zitterte er noch immer von all dem Adrenalin, welches seinen Körper vor kurzen noch durchflutet hatte. Unwillkürlich drifteten seine Gedanken an die letzten Minuten zuvor ab, in denen Naruto nicht mehr der Naruto war, den er mochte, sondern ein völlig anderer.

XxX Flashback wenige Minuten zuvor XxX

Kaum hatte er den Vers beendet, bündelte sich das Licht um Lix herum erneut, nur um als allesvernichtende Schneise der Verwüstung durch die Decke zu brechen, dort ein Loch zu hinterlassen und von den Toren des Himmels aufgenommen zu werden. Zum Glück hatte sich Astaroth genug erholen können um diese Katastrophe abzuwenden, denn es wäre nicht sonderlich gut für sie ausgegangen, wenn das Licht hier unten seine wahre Kraft entfaltet hätte. Vorsichtig hatte sich Naruto dann dem Jungen genähert, welcher scheinbar bewusstlos geworden war. Doch kaum hatte er den Arm von Lix um seine Schulter gelegt um ihn zu stützen, hörte er etwas, was ihn innehalten ließ. Ein ungutes Gefühl keimte in ihm, als er zur Decke sah, in welchen ein Loch klaffte. Bildete er es sich ein oder...? Tatsächlich, die Decke wölbte sich unter ihrem eigenen Gewicht und war dabei nachzugeben. Doch noch bevor er den Blonden warnen konnte, kam schon der erste Teil der Decke auf sie herunter.

Es war, als würde die Zeit still stehen, denn wie in Zeitlupe sah er den riesigen Gesteinsbrocken auf sie zukommen, gefolgt von dem beinahe panischen, schmerzverzerrtem Schrei des Blonden. Animalisch hatte er sich auf alle viere begeben und den Kopf Richtung Felsen gewandt und schrie. Die Kraft von Kurama durchströmte seinen ganzen Körper, dass konnte selbst er mit einigen Metern Entfernung mehr als deutlich spüren, genauso wie die Hitze die von ihm ausging. Die Kraft war so gewaltig, dass der Mantel von Jack dem nicht länger standhalten konnte und noch am Körper von Naruto zu verglühen begann. Sogar vier Schweife hatten sich gebildet und ein tierisches Knurren entkam der Kehle des Blonden, als sich einer der Schweife selbstständig machte, Lix in sich einrollte und ein weiterer nach ihm selbst griff. Dies alles geschah so schnell, dass er nicht reagieren konnte, bis er sich selbst wie ein gut geschnürtes Packet in einem der Schweife wiederfand.

Mit ungeahnter Kraft und einem Animalisch grotesken Schrei preschte der Körper unter ihm den Boden entlang, gerade rechtzeitig, denn dort wo sie gerade noch gestanden waren, schlug der große Felsen auf und hätte sie alle mit Leichtigkeit zerquetscht. Doch davon ließ sich das Wesen nicht beeindrucken, auch nicht von der dicken Mauer vor ihm, welche er mit Leichtigkeit zerschmetterte. Er schlug einen Haken nach dem anderen, sprang gegen Wände um diesen Schwung zu nutzen und sie aus dem Gewölbe heraus zu bringen, bis sie schließlich in einem völlig anderen Keller waren. Dieser war kleiner als der, der Klinik und auch die allgegenwärtige bösartigkeit hatte stark abgenommen, war kaum noch zu spüren. Erneut entließ Naruto einen unmenschlichen Schrei, ehe er das Holz der Tür zerstörte und auf einem erhöhten Podium halt machte. Dieses Podium war jedoch mehr einem Altar angelehnt, als einer Erhöhung, um beim Sprechen die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Ein letzter Schrei entfloh noch einmal den Lippen von Naruto, welche sich in den hohen Decken und Säulen zu verfangen schienen, ehe sie sanft auf den Boden herabgesetzt wurden und sich die Aura von Kurama zurückzog und einen entblößten Naruto zurück ließ. Ohne weiter darüber nachzudenken streifte er sich seinen Mantel ab und legte ihn dem Blonden um. Kaum war dies geschehen, öffnete er auch schon seine Augen und blickte ihn verwirrt an, ehe er sich Lix über die Schulter warf als würde er nichts wiegen und sich Sasuke krallte, aus den Hallen der Kirche floh, ganz so, als wüsste er nicht, dass sie schon längst aus der Gefahrenzone hinaus waren. Dank ihm.

XxX Flashback Ende XxX

Schnell schüttelte Sasuke seinen Kopf um diese Gedanken loszuwerden, nicht mehr an sie und den Anblick von Naruto denken zu müssen. Das war nicht der blonde Chaot, den er aus unerfindlichen Gründen in sein Herz geschlossen hatte, den er als einzigen auf der Welt als Freund bezeichnen würde. Nein, das war nicht der Junge, den er versucht hatte zu töten und sich anschließend selbst das Leben zu nehmen, es war auch nicht der, den er im Verließ des Geistes seines Bruders kennengelernt hatte. Aber dennoch kam es ihm bekannt vor. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken und ein bitterer Geschmack breitete sich auf seiner Zunge aus. Er wusste, er hatte das schon einmal gesehen, doch konnte er nicht sagen wann und wo. Es war wie eine Ferne, sehr alte Erinnerung. Oder die Erinnerung an eine Erinnerung.

"Wir sollten Mia anrufen und sie ins Bild setzen. Dann kann sie herkommen und uns abholen, ich habe nämlich keine Lust ewig hier zu sitzen, was denkst du?", fragte er Naruto, nur um sich selbst abzulenken. Dieser jedoch schaute gedankenverloren in die Ferne, auf den Torbogen, welcher Einlass zu dieser Anlage gewährte. Das Gemäuer schien sehr alt zu sein und unzählige Ranken zogen sich durch die noch so kleine Furche. Es hatte beinahe etwas beruhigendes, wenn die Situation nicht so absurd wäre.

"Und was sollen wir ihr sagen? 'Oh, hey Mia, yup wir rufen nur an um Bescheid zu sagen, du kannst uns von der Kirche abholen, wir haben Lix. Wie? Warum wir bei der Kirche sind? Ganz einfach, wir hatten ein paar Probleme mit der Leiterin und haben sie und ihren Hexenzirkel mal eben vernichtet, dabei ist die Psychiatrie in die Luft geflogen, meine Klamotten sind spurlos verschwunden, Lix ist bewusstlos und Sasuke kann sich kaum bewegen. Ja, genau das übliche eben, bis dann, ciao'", sinierte der Blonde einfach mal frei heraus und der Sarkasmus in seiner Stimme war kaum zu überbieten. Doch leider musste Sasuke zugeben, dass er gar nicht mal so Unrecht hatte, mit dem was er sagte.

"Vielleicht sollten wir nicht erwähnen, dass wir die Klinik in die Luft gejagt haben, aber wenn du ihr sagst, dass du nackt bist, wird sie sicherlich in fünf Minuten hier sein. Mit einer Kamera so wie ich sie einschätze", entgegnete er ihm einfach, musste selbst über diesen Gedanken schmunzeln, doch so abwegig war es nicht einmal. Wenn sie Odette jedoch fragen würden, ob sie sie abholen kommen würde, wäre sie noch auf der Stelle hier, in dem Augenblick, wo das Wort nackt gefallen wäre. Eine leichte Übelkeit kam bei diesem Gedanken in Sasuke hoch, denn weit hergeholt war es leider nicht. Als er das eine Mal mit einem Muscleshirt zum Training gekommen war, wäre sie beinahe auf ihrem eigenen Speichel ausgerutscht. Unentwegt hatte sie ihn angestarrt und angeschmachtet. Zwar war er dieses Verhalten von vielen Frauen gewohnt, doch war er damals zum Training da und solch ein Verhalten war vieles, nur nicht produktiv.

"Aber ich denke, du hast recht, wir sollten die Schreckschraube echt anrufen, sonst kommen wir hier nie weg. Allerdings solltest du sie anrufen", bat Naruto den Schwarzhaarigen kleinlaut und sah sogar beschämt zur Seite. Der plötzliche Wechsel in Naruto hatte Sasuke neugierig gemacht, weswegen er auch seinen Blick über den Körper des Blonden gleiten ließ, wahrscheinlich etwas zu intensiv, doch das kümmerte ihn momentan gerade herzlich wenig. Skeptisch lagen die Obsidianen auf dem jungen Mann, welcher sich zu genieren schien, bis schließlich der Groschen auch bei ihm fiel. Am liebsten hätte er sich selbst vor die Stirn gehauen, wegen solch einer blauäugigkeit.

Ohne weiter darauf einzugehen, zog Sasuke ein schwarzes Smartphone aus seiner Hosentasche, entsperrte das Display und wählte den 'Kontakte' Icon aus. Bevor er jedoch auf das Bild der Polizistin tippte, hielt er noch einmal inne und blickte zu Naruto herüber, welcher es sich nun neben ihm auf den Boden gemütlich gemacht hatte, den Mantel um sich geschlungen um jeden noch so neugierigen Blick zu verhindern.

"Sobald wir wieder zurück sind und wieder bei Kräften, kaufen wir dir ein neues Handy, kann ja nicht angehen, dass du ohne unterwegs bist", waren die Worte des Uchiha, ehe das Feld drückte und ohne auf Antwort zu warten den Anruf startete. Zu seiner Überraschung dauerte es auch nicht lange, bis dieser entgegen genommen wurde und ihn eine wütende Stimme begrüßte.

"Was bei Merlins Bart und Morganas Haarpracht denkt ihr euch eigentlich dabei, die Klinik in die Luft zu jagen? Wisst ihr, was hier gerade für ein Zwergenaufstand losbricht? Als würde es kostenlos Sachen zu verschenken geben. Wenn ich euch in die Finger bekomme, dann... dann erwürg ich euch, der ganze Papierkram der jetzt auf mich zu kommt, ich habe jetzt schon keine Lust mehr. Wenn ihr nicht solche hohlen Butterkeksbirnen wärt, dann würde ich echt an eurem Verstand zweifeln", begann sie mit ihrer Schimpftirade, ging dabei in einen weinerlichen Ton über wegen der extra Arbeit, ehe sie wieder stinksauer wurde. Verwirrt über diese Stimmungsschwankungen blinzelte der Schwarzhaarige zuerst überfordert, ehe er sich räusperte um sich selbst zu sammeln und zu einer Antwort anzusetzen.

"Erstens, Kostenlose Sachen werden meistens verschenkt und zweitens wollten wir die Klinik nicht... Dem Erdboden gleich machen, das war eher ein Unfall. Aber zum eigentlich Grund, weswegen ich Anrufe", begann Sasuke ernster als zuvor. Scheinbar schien auch Mia dies mitbekommen zu haben, denn blieb sie stumm und wartete darauf, dass er fortfahren würde. Tief atmete er noch einmal durch und massierte sich den Nasenrücken um seine Gedanken neu zu ordnen, ehe er wieder zum sprechen ansetzte.

"Wir konnten Lix befreien und ihn in Sicherheit bringen, allerdings gab es... Komplikationen. Der Hexenzirkel der ihn gefangen hielt, ist uns dazwischen gekommen und wollte sowohl ihn, als auch uns loswerden, weswegen wir uns leider auf einen Kampf einlassen mussten. Wie du selbst bemerkt hast ist es für uns besser ausgegangen als für sie, aber wir sind dennoch ziemlich angeschlagen. Ich kann mich kaum bewegen, Lix ist bewusstlos und Naruto", bei seinem Namen horchte der Blonde auf, schaute in die schwarzen Augen des Uchiha, welcher ihn seinerseits betrachtete, während er telefonierte. Fast schon abwesend hob er eine Hand um den Mantel wieder zurecht zu rücken, da dieser verrutscht war. "Naruto hat auch einige kleinere Probleme, aber das können wir alles nachher klären. Es wäre übrigens gut, wenn du uns hier abholen könntest. Wir sind hier an irgendeiner Kirche, keine Ahnung wie, aber wir haben echt keinen Plan, wie wir zurück kommen sollen. Der Weg den wir gekommen sind, ist eingestürzt und unpassierbar" >>und die Kirche wegen Naruto ein wenig demoliert<<, fügte er in Gedanken zu, behielt es aber für sich.

"Mal so ne Frage nebenbei, hast du zufällig irgendwas zum anziehen in deinem Auto? Wäre klasse wenn du es mitbringen könntest", setzte er noch schnell an, ehe sich Mia mit einem schnauben und einem 'Ihr macht mehr Ärger als ihr wert seid' verabschiedete und das Telefonat beendete. Resigniert seufzte Sasuke, ehe er das Handy wieder zurück in seine Hosentasche schob und erneut sein Blick den des Blonden streifte.

Unverwandt blickten sie sich in die Augen, keiner der beiden traute sich die Stille zwischen ihnen zu durchbrechen, diesen Augenblick, was auch immer dies für einer war, zu zerstören. Immer wieder lagen die blauen Augen kurz auf den Lippen des Uchiha, ehe sie wieder in die schwarzen Seelenspiegel blickten und auch er selbst ertappte sich mehr als einmal, wie sein Blick die Lippen des Blonden streiften. Warum faszinierten ihn diese plötzlich so sehr? Luden förmlich dazu ein gekostet zu werden, berührt zu werden? Langsam kamen sie sich näher, trennten nur noch wenige Zentimeter sie von einander und wie in Trance hatten beide ihre Augen halb geschlossen, ehe sie wegen eines Geräusches innehielten und zusammen zuckten.

"Ihr fangt jetzt nicht ernsthaft an herum zumachen oder? Da hätten mich die Hexen lieber kalt machen sollen, denn das ist die wahre Folter", grummelte Lix verstimmt, als er sich langsam aufrichtete und seine Schultern knacken ließ. Als er jedoch bemerkte, wie sie peinlich berührt einander ansahen, ehe sie sich abwandten und so Taten, als wäre dies niemals geschehen, huschte ein kleines Lächeln über seine sonst so monotonen Züge.

"Gott seid ihr putzig, das war ein Scherz ihr Hohlbirnen", setzte er hinterher, bevor er sich an der Wand abstützend versuchte auf die Beine zu kämpfen, jedoch sofort das Gleichgewicht verlor und in sich zu sacken drohte. Kurz bevor er jedoch erneut auf den harten Steinboden aufkam, wurde er aufgefangen und fand sich in den Armen von Naruto wieder, welcher ihn stützte.

"Du kannst deine Flossen ruhig bei dir...", begann er leicht gereizt, ehe er sich selbst unterbrach und Naruto genauer musterte. Irgendwas stimmte nicht,  das wusste er sofort, als er in die blauen Augen des Blonden sah. Dieser schien nicht recht zu wissen, was dieser plötzliche Sinneswandel mit sich zog, weswegen er es sich sparte etwas zu sagen, lieber wandte er sich da an den Uchiha.

"Yo, Miesepeter, du kennst doch den Knilch hier bestimmt etwas, oder?", richtete er sofort seine Frage an Sasuke, welcher die Spitze gekonnt überging und einfach nur nickte. "Kommt dir irgendwas an ihm komisch vor? Als nicht komisch in Sinne von 'Haha' - komisch, sondern eher im Sinne von seltsam." Darüber musste Sasuke nur kurz nachdenken, wirkte Naruto tatsächlich etwas anders als zuvor, doch wusste er beim besten Willen nicht weswegen. Klar, es könnte daran liegen, dass Kurama den völligen Besitz über ihn ergriffen hatte, doch dies schloss er aus, denn ein Gefühl sagte ihm, dass es dies nicht war. Erst als er selbst aufstand und über die Schulter des Blonden zu Lix sah, bemerkte er, was so anders war, hatte sich ein seltsames Zeichen auf seine Schulter eingebrannt.

Schnell trat er an den Blonden heran, zog den Mantel zur Seite um die Stelle genauer betrachten zu können und tatsächlich war es keine Einbildung. Dort, wo vorher makellose, gebräunte Haut war, prangte nun ein Symbol was auch ein Tattoo hätte sein können, doch wann hätte er sich dies stechen lassen sollen? Es war ein ineinander verschnörkelter Kreis oder Spirale, welche immer weiter in sich selbst zusammenlief bis es in dessen Zentrum zusammentraf und eine Art Strudelmuster hinterließ.

"Hast du dich tätowieren lassen?", stellte er seine Frage gerade heraus an den Blonden, wusste aber noch im selben Moment, dass die Antwort Nein lauten würde. Wie als hätte er seine Gedanken gelesen, schüttelte er den Kopf, nur um selbigen leicht zu drehen und einen Blick auf seine eigene Schulter zu riskieren. Viel sah er nicht, da dieses Symbol welches die beiden meinten scheinbar auf seinem Schulterblatt prangte, doch die kleinen Kringel welche darum entlang liefen konnte er sehen, zogen diese sich weit über das Gelenk hinüber.

"Ich weiß nicht warum, aber irgendwie... Kommt es mir bekannt vor", sprach Naruto seine Gedanken laut aus und in ihr war keine Spur der Unsicherheit wahrzunehmen. Vorsichtig ließ er seine Finger darüber gleiten, nur um festzustellen, dass diese Zeichen wirklich unter seiner Haut lagen und nicht irgendwie ein Aufdruck oder dergleichen hätten sein können. "Ich gebe es ungern zu, aber leider muss ich gestehen, dass ich es auch irgendwoher kenne, ich komme gerade nur nicht drauf, aber ich bin mir sicher dieses Symbol schon einmal gesehen zu haben", murmelte Lix vor sich hin, die Augenbrauen überlegend zusammengezogen.

Er wusste wirklich, er hatte es schon einmal gesehen, vor langer Zeit, aber eben das war auch der Knackpunkt an der ganzen Sache. Gerade weil es so lange her war, konnte er sich nicht genau daran erinnern und bekam es nicht richtig zu fassen. Es war ihm, als würde die Erinnerung direkt vor ihm schweben, er bräuchte nur danach zu greifen, doch jedesmal wenn er seine Hand danach ausstreckte, entglitt sie ihm und entfernte sich wieder ein Stück. Es war, als würde dieses Segment seiner Vergangenheit aufgedeckt werden wollen, aber noch nicht zu diesem Zeitpunkt, weswegen es sich immer wieder etwas von ihm entfernte, kurz bevor er es erreichen konnte. So vertieft wie er deswegen in Gedanken war, hatte er die Person nicht wahrgenommen, welche auf sie zukam und bemerkte sie erst, als er wegen ihrer Stimme zusammenzuckte.

"Kinder, das Fummeln sollt ihr unterlassen, das ist Erregung öffentlichen Ärgernisses und ihr könnt den armen Jungen doch nicht sowas zumuten, der ist schon blasser als Alpinaweiß", gesellte sich Mia zu der kleinen Gruppe, warf bei diesen Worten ein Bündel Klamotten auf den Blonden, welcher diese nur perplex fing. Mehr als ein gestammeltes danke entkam ihm jedoch nicht, ehe er sich mit Puterrotem Kopf umdrehte und sich schnell die Hose überstreifte. Unter den wachsamen Blick von Mia natürlich, welche nicht einmal so tat, als würde sie ihre Neugierde verstecken wollen. Immer wieder streckte sie ihren Hals um auch ja nur einen klitzekleinen fetzen Haut erhaschen zu können, doch schob Sasuke ihrem Vorhaben einen Riegel vor, indem er sich direkt zwischen die beiden stellte.Doch gerade als der Schwarzhaarige etwas sagen wollte um den bösen Blick der Polizistin zu entgehen, durchbrach ausgerechnet Lix die Stille.

"Ich bin scheinbar echt von Hohlbirnen und Matschköpfen umgeben. Ich dachte schon die beiden seien... 'speziell', aber das ausgerechnet die Trulla noch schlimmer ist hätte ich jetzt auch nicht erwartet", murmelte der Scheitelträger mehr zu sich selbst, als zu den anderen, wurde jedoch genau gehört, weswegen nun alle Blicke auf ihm lagen.

Ein provokantes Lächeln legte sich auf die Lippen der Polizistin, während sie sich einige ihrer Dreadlocks zurück über die Schultern warf und langsam auf den Jungen zuging. Selbstbewusst baute sie sich in voller Größe vor dem Jungen auf und stemmte ihre Hände in die Hüften, dennoch musste sie noch immer zu ihm leicht aufblicken. Lix erwiderte die stumme Einladung des Blickduelles unbeeindruckt, hatte er in all den Jahren gelernt keine Emotion nach außen zu tragen, neutral zu wirken.

"Für so nen dreikäsehoch bist du aber ganz schön frech", eröffnete sie das Gespräch, war gespannt auf seine Widerworte, wollte wissen wie er reagierte auch ohne seine Gedanken zu hören. Noch immer gelangweilt schaute Lix sie an, ehe sich ein kaum wahrnehmbares Lächeln auf seine Züge schlich. "Und das von einer Knöllchenschreiberin. Dafür dass du nur ne Politusse bist, denkst du auch du könntest dir alles erlauben, hm? Aber hey, Einbildung ist auch eine Bildung, nicht wahr?", lächelte er sie scheinheilig an, ganz so als könne er kein Wässerchen trüben.

Stille. Weder Naruto, noch Sasuke hätten damit gerechnet, dass ausgerechnet Lix Mia Paroli bieten würde, sprach er allgemein eher weniger und schien der ruhige Typ zu sein. Die einzige Frau der Gruppe hingegen war eher überrascht, dass er so schlagfertig zu sein schien.

"Affenarschgesicht", murmelte sie herausfordernd, behielt den Jungen dabei genau im Auge, wollte keine Reaktion verpassen. Lange musste sie darauf auch nicht warten, kam diese schneller als sie es gewohnt war. "Sumpfralle." "Zwergenhirn." "Achtung, das Atombömbchen geht gleich hoch, sie schießt aus allen Rohren, aber bevor du explodierst, soll ich dir ein schönes schaumiges Waschbecken einlassen, damit du dich mal ausspannen kannst? Groß genug bist du ja dafür", erwiderte Lix gelassen auf ihren Kommentar, war er doch trotz das sie älter war größer, dieses Eigentor hatte sie sich selbst geschossen, dass wussten beide.

Ungläubig starrten Naruto und Sasuke die Szene vor sich an, schüttelten beide mit ihrem Kopf, ehe sie ein seufzen wie aus einem Munde entließen. "Ich hab doch gesagt, dass sich die zwei gut verstehen werden, aber das es so schnell geht, hätte ich jetzt nicht erwartet", wandte sich der Blonde leise an den Uchiha, welcher nur betreten nickte. Er wollte lieber nichts sagen und somit die Aufmerksamkeit der beiden auf sich ziehen, welche sich gerade ein Duell der kindischsten Art lieferten.

Das Lachen von Mia allerdings ließ beide zusammenzucken, kam es unerwartet und passte so überhaupt nicht in das vorangegangene Gespräch der beiden hinein. "Hey du Kackbratze, ich glaub, ich mag dich jetzt schon. Selten so jemanden beklopptes wie dich getroffen. Aber das mir das ja nicht zur Gewohnheit wird, Mama hat gerne das letzte Wort", sprach sie amüsiert an den jüngeren gewandt, trat auf ihn zu und legte einen Arm um den größeren, nur um ihn an sich zu drücken. Wenn die beiden die Polizistin nicht schon etwas kennen würden, hätten sie schwören können, sie hätte eben erfreut gequietscht, doch dies konnte nicht sein, passte es nicht zu Mia Scherandez, der Kriminaloberkomissarin mit der großen Klappe.

"Da werden wir ein Problem haben", murmelte Lix peinlich berührt, war er seit Jahren nicht mehr annähernd so berührt worden und die plötzliche Nähe war ihm auch zusehends unangenehm, dies jedoch störte Mia keinesfalls. "Ich habe auch gerne das letzte Wort und mit einer Nutellahexe wie dir streitet man sich doch gerne mal. Sei mir aber bitte nicht böse, doch hör auf mich so zu befummeln", brummte Lix nun mehr als er sprach, während er sich vergeblich versuchte aus dem Griff der Polizistin zu zu befreien. Doch je mehr er versuchte sich aus der Umarmung, wenn man dies so nennen konnte, zu winden, desto stärker schlang sie ihren Arm um ihn. Das dies nicht aufhören würde und er keine Chance hatte, begriff er dann auch nach einigen Sekunden, weswegen er die Versuche schließlich aufgab und sich seinem Schicksal beugte.

Jedoch kam es ihm mehr als gelegen, dass Mia von selbst von ihm abließ und einen Schlüsselbund aus ihrer Tasche kramte, den sie dann spielerisch um ihren Finger kreisen ließ. Noch einige Augenblicke ruhten ihre Augen auf den beiden anderen Jugendlichen, welche sich stark zurückgehalten hatten. Sie versuchte zu ergründen, wie es dazu gekommen war, wie es war, doch bei Naruto konnte sie nur noch die Erinnerung daran wahrnehmen, wie die Decke wegen Lix einzustürzen begonnen hatte. Danach war das nächste, dass sie hier draußen standen, was in der Zwischenzeit passiert war, blieb verborgen, ganz so, als hätte er selbst keine Erinnerung daran. Nahtlos gingen diese Gedanken ineinander über, was völlig unmöglich war, da etwas zu fehlen schien. Kurz erwog sie, bei Sasuke in seinem Kopf nach der Lösung zu suchen, doch verwarf sie den Gedanken genauso schnell wie er gekommen war wieder, war sie nur in der Lage wenige Bruchstücke zu erfahren, wenn überhaupt. Diese würden am Ende weniger Sinn ergeben, als das, was sie von Naruto in Erfahrung gebracht hatte.

"Na dann Kinderchen, folgt der Mama mal zu ihrer Kutsche, die Pferdchen sind gestriegelt und die Zügel gespannt", ließ sie noch verlauten, ehe sie den Schlüssel hochwarf und geschickt wieder fing, sich ihrerseits in Bewegung setzte um das Grundstück zu verlassen. Ohne irgendwas darauf zu antworten, folgten ihr die drei zu dem Torbogen, der den Eingang bildete. Die Mauern schienen schon alt zu sein und vieles erlebt zu haben, ging es dem Blonden durch den Kopf, ehe er selbigen leicht schüttelte und durch den Bogen trat, wieder zu den anderen aufschloss. Er hatte nicht bemerkt, wie er zurückgefallen, stehen geblieben, war, weswegen er sich beeilte zu dem Auto zu gehen, an dem die anderen schon warteten. Von dieser Seite aus, konnte man nur noch den Kirchturm sehen, der Rest wurde von den Mauern, welche rund um das ganze Gelände aufgebaut worden waren, verdeckt. Überall Sprossen aus dem Gestein Efeuranken, gaben dem kahlen und strengen aussehen etwas florales und beruhigendes.

Kaum waren sie in das Auto gestiegen, Sasuke und Naruto auf der Rückbank, Lix vorne als Beifahrer, herrschte Stille in dem Auto, ehe der Motor aufzuheulen begann. Ruhig und fast schon gesittet fuhr sie die Straße entlang, passte es kaum zu dem Fahrstil, welchen sie zuvor an den Tag gelegt hatte. Aber vielleicht lag es auch daran, dass die Straße sehr knapp angelegt worden war und Wohnhäuser den Weg säumten.

"Habt ihr eigentlich eine Ahnung, was vorne passiert ist?", stellte Mia völlig zusammenhangslos die Frage, welche sich keiner der drei beantworten konnte. Wie als hätte sie die Gedanken der Jugendlichen gelesen, vermutlich hatte sie dies auch, präzisierte sie ihre Frage." Wir sind vorhin vorne lang gefahren, wisst ihr noch? An dem Sonnenblumenfeld? Momentan sind wir auf der genau anderen Seite, aber hier scheint alles tutti zu sein. Vorne aber sieht es aus, als wäre Edward mit den Scherenhänden Amok gelaufen. Die Blumen sind alle fies zugerichtet, paar Autos sind hart zerkratzt und selbst die Mauern vorne sind angeschlagen. Von dem Schildchen will ich gar nicht erst anfangen, dass sieht aus, als wäre es im Aktenvernichter gelandet. Ich glaube kaum, dass ihr das wart, aber ich denke auch nicht dass es ein Zufall gewesen ist, denn daran glaube ich genauso wenig wie an das fliegende Spaghettimonster. Wisst ihr darüber vielleicht etwas?"

Ratlos schauten sich Sasuke und Naruto an, überlegten, was geschehen sein könnte, doch beim besten Willen konnten sie sich keinen Reim darauf machen. "Also nicht, hm? Schade. Hätte ich mal da gestanden und gewartet, aber im Nachhinein ist man immer schlauer, vielleicht sollte ich Elliot bitten sich das mal anzusehen. Der sieht bestimmt mehr als wir alle zusammen und kann mir die Frage beantworten, denn irgendwas sagt mir, dass das kein gutes Zeichen ist ", grummelte Mia zum Ende hin mehr zu sich selbst als zu den anderen dreien. Scheinbar kam da die Polizistin in ihr durch, doch auch wenn sie es nicht gesehen hatten, stutzig machte es die drei schon.

"Ich glaube du hast Recht", begann Sasuke in Gedanken vertieft zu sprechen, während er sich in das Polster des Sitzes krallte, weil Mia an Tempo zugenommen hatte. Scheinbar waren sie auf die Autobahn eingebogen und wieder in Richtung Kassel unterwegs, so wie sie raste. Ein Blick in den Rückspiegel versicherte ihm, dass er das Interesse von Mia geweckt hatte, da sie ihn durch selbigen ansah und stumm dazu aufforderte weiter zu sprechen.

"Als du uns da vorhin abgeladen hast, war Naruto nochmal kurz in dem Laden drin um ne Kleinigkeit zu kaufen, da fühlte ich plötzlich eine Art... Präsenz? Keine Ahnung wie ich es erklären soll. Es war, als wäre dort im Feld jemand gewesen, der uns beobachtet hatte, aber kaum hatte ich die Spur aufgenommen, war sie verschwunden und ich habe sie verloren, doch kurz darauf war es wieder zu spüren. Das ging im Sekundentakt so weiter, doch ich konnte niemanden sehen, auch wenn ich mir sicher bin, dass da jemand, oder etwas, gewesen war. Zuerst dachte ich ja, ich bilde mir das nur ein, weil ich nervös war oder sowas, aber ich denke nicht, dass es ein Zufall ist, dass ich dort jemanden gespürt habe und plötzlich sieht es aus, wie ein Schlachtfeld. Die Frage, die ich mir jetzt aber stelle ist, wie soll dein Bruder mehr sehen als ich?", stellte er Mia in frage, erklärte ihr aber genau, was vorgefallen war. Als Antwort bekam er jedoch zuerst nur ein kleines Lachen seitens der Frau.

"Ich glaube, du unterschätzt uns zuviel, oder du überschätzt dich selbst. Mag sein, dass ich nur ein Kategorie C bin und Elliot sogar D. Klar, im Vergleich zu einem Erzengel, der Klasse doppel S sind wir nichts, zu dir als gefallenen Erzengel der vermutlich sogar tripple S ist kaum zu reden, aber auch wir haben etwas auf dem Kasten. Mein Brüderchen ist zwar erst 23, aber genauso wie ich schon ein Experte seines Faches. Ich kann Gedanken lesen und sehe die Erinnerungen der anderen, was es für mich leicht macht den richtigen Täter zu finden, nicht umsonst bin ich schon mit meinem zarten alter Leiterin eines eigenen Abteils und in der Führungsriege. Elliot ist da nicht anders, er wird als das Wunderkind der Tatortuntersuchung gefeiert. Klar, er wirkt ziemlich verpeilt, aber was das angeht, macht ihm so schnell keiner etwas vor. Er erkennt Zusammenhänge und Abläufe verschiedenster Arten und kann mit einem Blick erkennen, was für die Ermittlung relevant ist und was nicht. Denn jede Bewegung hinterlässt Muster und diese kann er sehen. Wellen oder diffuse unregelmäßigkeiten in eben diesen Mustern kann er nach belieben abspielen. Es ist, wie bei mir mit den Erinnerungen. Während ich einen Menschen dafür brauche, kann er sie als unbeteiligte Person mehrfach mit nacherleben und sich seine Gedanken dazu machen. An sich mag das eine ziemlich unbrauchbare Fähigkeit sein, aber sie ist wirklich sehr gut dafür geeignet, um Sachen aufzuspüren, die andere nicht erkennen können", erklärte Mia mit ruhiger Stimme und selbst der Stolz war aus ihr heraus zu hören. Wenn Naruto ehrlich zu sich selbst war, konnte er das auch sehr gut nachvollziehen, denn ihm ging es nicht anders, wenn er über Deidara sprach. Er hatte schon in jungen Jahren ein unglaubliches Verständnis für die Kunst gehabt und sich für selbige interessiert. Dies war nicht zuletzt auch der Grund, weswegen er dies auch studiert hatte.

Gerne dachte der Blonde an die Zeit zurück, als Deidara mit ihm zusammen eine Leinwand bemalt hatte, sie Skulpturen aus Lehm, Gibs und anderen Alltagsgegenständen erschufen und teilweise Stunden damit verbrachten über die Kunst zu diskutieren. Erst durch seinen Bruder wurde das Interesse in ihm an ihr geweckt und dafür war er unglaublich dankbar, auch wenn er selbst keinerlei Talent besaß. Im völligen Gegensatz zu Deidara, welcher scheinbar alles zu schaffen schien, was er sich vornahm, solange es seine Künstlerischen Fähigkeiten weiterentwickelte. Zwar teilte er nicht die selbe Auffassung wie er, Kunst sei etwas vergängliches, etwas, was nur in einem kleinen Moment wirklich schön war wie etwa Feuerwerk, aber dennoch teilten sie dieses gemeinsame Thema. Für Naruto war Kunst weder etwas ewig währendes, noch etwas vergängliches, sondern die Art, wie etwas entstand. Es faszinierte ihn nachvollziehen zu können, wie der Künstler arbeitete, wie seine Pinselführung war und wie er aus dem Nichts etwas neues erschuf.

"Dein Vielfraß von Bruder hat Kunst studiert?", holte ihn die plötzliche Frage von Mia aus seinen Gedanken und zuerst blinzelte er perplex, verstand nicht, woher sie das wusste, doch dann dämmerte es ihm, hatte sie vor wenigen Augenblicken erst Preis gegeben, dass sie Erinnerungen abrufen und Gedanken lesen konnte. Simultan fuhr sie auch noch auf der stark befahrenen Autobahn 120 Sachen und achtete auf die anderen Verkehrsteilnehmer, als wäre es das normalste der Welt. Einen Augenblick war er wirklich beeindruckt, dass sie ihre Kraft so gut unter Kontrolle hatte, das dies automatisch ablief und sie nicht einzuschränken schien. Zu gerne wüsste er, wie es in ihrem Kopf aussah, wenn sie ihre eigenen Gedanken dachte und gleichzeitig die von anderen las.

"Ja, das hatte er und er war auch sehr begabt und konnte selbst mir etwas beibringen. Ich glaube nur wegen ihm bin ich so aufmerksam, was Details angeht", beantwortete er die Frage der Frau, welche verstehend nickte und den Blinker setzte, dazu überging die nächste Ausfahrt anzusteuern. "Stimmt, mit dem Gemälde von Agnes war das ja so. Du meintest ja irgendwas von wegen, der Baum wäre an verschiedenen Tagen und Stimmungen entstanden. Ich habe die alte Schachtel übrigens danach gefragt und sie hat es mir bestätigt, gutes Auge deswegen übrigens. Mit wäre das nie aufgefallen, aber Kunst ist eh nicht so mein Metier", erzählte sie weiter, bog in eine Straße ein und blickte in den Seitenspiegel um zu sehen, ob der Wagen hinter ihr genug Abstand hielt.

"Stimmt, ihm ist auch aufgefallen, dass wir in eine Falle gelaufen waren und die eine Wand nicht echt war. Mir selbst ist es nicht aufgefallen und ich wäre bestimmt erst viel später stutzig geworden", pflichtete Lix Mia bei, kam auf die Falle von Shizune zu sprechen, in welcher sie bestimmt noch jetzt irren würden, wäre der Blonde nicht so aufmerksam gewesen.

"Du siehst, liebes Federvieh, auch wir geringeren haben unsere Stärken, wenn dann noch die persönlichen Eigenschaften mit einspielen und sie ergänzen, können wir selbst höherrangige die Stirn bieten. Klar, was den Kampf angeht kann ich es persönlich mit keinem Wesen aufnehmen, was über eine Kreatur verfügt oder die körpereigenen Dinge verstärkt, doch kann ich den Gegner gut festsetzen, indem ich ihm mit Sachen aus der Vergangenheit aus dem Konzept bringe. Als unterstütztende Kraft bin ich also nicht zu verachten, genauso wenig wie mein Bruder" fügte Mia noch an, ehe sie auf den Karlsplatz einfuhr und nach einem Parkplatz ausschau hielt. Schnell war dieser auch gefunden und besetzt. Der Motor erstarb und eine drückende Stille breitete sich in dem PKW aus. Keiner rührte einen Muskel, wagte es die Stille zu durchbrechen.

"Du brauchst keine Angst haben, wirklich. Die Leute da sind zwar etwas... Hm... Komisch und ja, das kommt von mir, aber an sich sind alle total nett, selbst Odette die Eiskönigin. Die hat zwar echt nicht mehr alle Tassen im Schrank, obwohl doch, nur der Schrank ist umgekippt und die Tassen spielen jetzt Schrödingers Tassen, aber selbst sie hat ein gutes Herz. Hoffe ich zumindest", sprach Mia Lix neben sich gut zu, welcher unsicher und nervös auf seiner Unterlippe herumkaute. Den Blick gesenkt und die Hände miteinander verknotet hing er seinen eigenen Gedanken nach. Scheinbar saß die Angst in ihm tief, dass sie ihn nur aus dem Zirkel befreit haben, nur um ihn selbst wieder einsperren zu können, ihn auszunutzen.

Langsam befreite Naruto sich von seinem Gurt und lehnte sich nach vorne, sodass sein Kopf sich vor das Gesicht der Polizistin schob. Ein warmes Lächeln zierte seine Lippen, ehe er anfing zu sprechen.

"Ich kann nicht wissen wie du dich fühlst oder was du denkst, aber du brauchst echt keine Angst haben. Wenn es sein muss, holen wir dich aus noch so einem Zirkel heraus, nur damit du uns glaubst und hey, ich denke Jane wird dir das gleiche sagen wie uns beiden", begann er, zeigte bei seinem letzten Wort abwechselnd auf sich selbst und Sasuke, welche bisher stumm geblieben war und alles mit anhörte. "Es ist deine Entscheidung, ob du bleiben willst oder nicht, wir zwingen dich zu nichts, dazu haben wir weder das Recht, noch die Mittel glaube ich. Wenn du bleiben willst, würde es mich persönlich sehr freuen, denn so können wir uns näher kennen lernen und ich glaube, auch Mia wäre sehr froh darüber. Wenn du aber sagst, du willst lieber gehen, ist das auch gut, wir werden deine Entscheidung akzeptieren und wenn du nicht weißt, wo du hinsollst, kannst du erstmal bei mir wohnen. Also nicht bei mir unten in der Unterführung, sondern in der Wohnung von meinem Bruder und mir. Da wärst du ungestört und bräuchtest keine Angst haben, dass dir jemand zu nahe kommt", schlug er vor.

Während seiner Rede hatte Lix aufgehört mit seinen Händen zu ringen und seine malträtierte Lippe weiter zu quälen, er sah sogar in das lächelnde Gesicht von Naruto. Er suchte nach etwas, was ihm zeigen würde, dass er log, doch konnte er kein Anzeichen dafür finden, selbst Mia nickte zustimmend auf seine Worte hin nur leicht. Ein Blick auf die Rückbank zu Sasuke nahm ihm auch den letzten Zweifel. Dieser blickte ihn nämlich ernst entgegen, hatte die Arme vor seiner Brust verschränkt und lächelte ebenfalls beruhigend. Alles in ihm schrie, er solle ihnen nicht vertrauen, sich so schnell wie nur irgendmöglich aus dem Staub machen und nicht zurück blicken. Einfach laufen, so weit ihn seine Beine tragen konnten und noch darüber hinaus, doch etwas hielt ihn zurück. War es der Wunsch, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihm nichts böses wollte, sondern nur helfen? Oder lag es daran, dass Naruto und Sasuke ihre Leben für ihn riskiert haben um ihn aus den Fängen der Hexen zu befreien? Er wusste es nicht und dennoch spürte er, wie er nickte, der Sache eine Chance geben wollte. Sehen wollte, ob es wie zuvor ablief, oder ob es nun doch einmal bergauf ging.

"Na dann, alle Kinderchen aussteigen bitte, die Fahrt endet hier. Vielen Dank, dass Sie mit Scherandeztours gefahren sind. Wir freuen uns darauf Sie das nächste Mal begrüßen zu dürfen und nun schwingt eure Ärsche aus meiner Karre", diligierte Mia die drei, während sie sich selbst abschnallte und im Begriff war aus dem Auto zu steigen. Ein schmunzeln huschte über die Lippen von Lix, während er leicht den Kopf schüttelte und sich ebenfalls daran machte, wie die anderen aus dem Auto zu steigen. Doch kaum hatte er das Innere des Pkws verlassen, blinzelte er gegen die starke Sonne an, nahm die Außenwelt nun zum ersten Mal bewusst und vorallem auch gezielt wahr. Überall standen auf dem Parkplatz Autos, eingerahmt wurde das ganze von einer Hecke, welche rundherum angelegt worden war, dazwischen fanden auch noch einzelne Bäume ihren Platz zum wachsen. Wie lange war es her, dass er die Natur so sehen konnte? Oder überhaupt etwas anderes als die Zimmerdecke und die alte Tür? Seit sechs Jahren hatte er immer das gleiche vor Augen gehabt, war diesen Anblick nicht gewöhnt oder hatte gar mit ihm gerechnet.

"Soll Mama dich ans Patschepfötchen nehmen, oder kommst du von selbst mit?", wollte Mia energisch wissen, verstand nicht, dass Lix plötzlich wie angewurzelt stehen geblieben war und alles genau beobachtete. Doch bevor sie einen Schritt auf ihn hätte zugehen können, bewegte sich der Jugendliche Körper des Jungen auf die drei zu, das Gesicht betont neutral. Selbst wenn man gut im ablesen der Mimik war, konnte man aus diesem nicht einen Gedanken heraus erahnen.

"Nein, das ist nicht nötig. Ich war nur kurz überfordert, aber es geht schon. Wo müssen wir lang?", stellte er monoton die Gegenfrage, welche seine Gleichgültigkeit einmal mehr Ausdruck verlieh. Dieser plötzliche Wandel war den anderen beiden genauso wenig entgangen wie Mia, doch die fast schon farblose, hohle Stimme bescherte dem Blonden trotz seiner zu dicken Kleidung für den Sommer eine leichte Gänsehaut. Schnell wandte er sich deswegen auch von Lix ab und seinem Partner zu, welcher genauso irritiert über den Wandel zu sein schien wie er selbst. Keiner wollte es wagen diese unangenehme Stille zu durchbrechen, außer Mia natürlich, welche sich scheinbar keine Gedanken darum machte.

"Dann ist ja gut, denn das sähe komisch aus mit dir Hand in Hand durch die Gegend zu gurken, auch wenn es nur über die Straße ist, aber solange du so 'ne Fresse ziehst lass ich dich nicht rein. Da bekommt Agnes die alte Schachtel bestimmt einen Herzinfarkt und die ist blind... Wobei, einen Versuch ist es wert, also, schön die Schnute halten und brav folgen."

Ohne auf eine Antwort oder dergleichen abzuwarten, ging sie voran, verließ zusammen mit den drei anderen Jugendlichen den kleinen Parkplatz mit den künstlich angelegten Grünflächen, nur um zwei Läden weiter erneut über die Straße zu laufen, ungeachtet der Verkehrslage. Scheinbar war sie so fixiert darauf, Lix in der Unterführung zu wissen, dass sie das Taxi nicht mitbekam, welches gerade ausparken wollte und sie beinahe erwischte. Noch bevor jedoch Naruto, Sasuke oder Lix etwas dazu hätten sagen können oder sie warnen, war Mia schon wie eine Furie um das gelbe Gefährt herumgeeilt und war dabei den Fahrer zusammenzustauchen, er solle doch auf die Fußgänger achten, sich eine neue Brille kaufen, den Führerschein wiederholen und wenn sie gerade im Dienst wäre, würde sie dafür sorgen, dass er nicht nur seinen Job loswäre.

Stumm traten sie an der Frau vorbei über die Straße, gelangten so auf einen kleinen Kiesweg, der sie auf die große Wiese des Friedrichsplatzes führen würde, doch blieben sie oberhalb der Treppenstufen stehen und warteten auf die Polizistin. Diese schien ihren Frust nun auch endlich losgeworden zu sein, da sie ihn lautstark dazu aufforderte seinen plattgesessenen Arsch schleunigst aus ihren Augen zu bewegen.

Genervt trat sie an die drei heran, zog dabei abermals den Schlüsselbund aus ihrer Tasche und murmelte etwas von "Unfähiges Pack" vor sich her, ehe sie an die Mauer trat und dort die wenigen Stufen zu der ehemaligen Tunnelanlage herabstieg. Dicht gefolgt von den drei jungen Männern. Ein metallisches rattern war zu hören, als sie den Schlüssel in das Loch schob, ein knacken als sie ihn drehte und das für sie mittlerweile gewöhnte quietschen der Tür ertönte, als diese nach innen aufschwang. Begrüßt wurden sie von der ebenfalls ihnen nur bekannten schwärze, welche kein Ende nehmen zu wollen schien.

Unsicher blickte Lix sich um, doch keiner der Passanten nahm überhaupt Notiz von ihnen, ganz so, als wären sie nicht da. Als er wieder nach vorne blickte um etwas in den Gesichtern der anderen zu lesen, war Mia schon verschwunden und Sasuke zur Hälfte von der Dunkelheit verschluckt. Es war ihm so, als wäre dort eine Wand, die sämtliches Licht verschluckte, genauso wie jedes Lebewesen, doch dies konnte nicht sein, würde gerade er selbst soetwas mehr als deutlich spüren. Doch trotz dieses Wissen geschah nun dies genau vor seinen Augen. Naruto war das beste Beispiel dafür, hatte er zur Hälfte in der Tür halt gemacht und wurde von dieser Dunkelheit zum Teil verschluckt.

"Ist alles in Ordnung bei dir?", holte ihn die besorgte Stimme des Blonden aus seinen Gedanken zurück in die Realität. Perplex blinzelte er und schüttelte leicht seinen Kopf um wieder klarer zu werden, ehe sich sein Gesicht glättete und wieder ausdruckslos wurde.

"Ja, was sollte sein?", stellte er die Gegenfrage, bewegte sich jedoch keinen Zentimeter vom Fleck. "Naja, du stehst da wie bestellt und nicht abgeholt, da dachte ich mir, das irgendwas nicht stimmen könnte", präzisierte er seine Frage und trat wieder aus dem dunkel heraus, vollkommen unbeschadet. "Es ist komisch diese Wand aus Finsternis zu sehen, die alles verschluckt und die nicht von mir ist. Ich habe... Keine Ahnung wie ich damit umgehen soll", gestand er ehrlich und blickte peinlich berührt an die Seite. Er konnte schon förmlich das Lachen in seinen Ohren hören. Der Junge, der über Licht und Finsternis gleichermaßen gebietet hat Angst vor der Dunkelheit, welche nur allzunatürlich in dieser Welt war.

"Oh", machte Naruto nur kurz angebunden, ehe er sich selbst peinlich berührt am Hinterkopf kratzte. "Haha, weißt du? Das erste Mal als ich hier durch gelaufen bin, war ich auch... Skeptisch, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber du brauchst wirklich keine Panik bekommen oder so, es ist echt so, als würdest du durch einen sehr dunklen aber kurzen Tunnel gehen, ehe du in der Unterführung rauskommst und die anderen kennen lernst. Ich verstehe sowieso nicht, wie sowas überhaupt gemacht werden kann oder wie das abläuft, deswegen habe ich Jane nie danach gefragt, aber wenn du willst kannst du das ja tun", redete er Lix gut zu, welcher bei dem Namen kurz Hellhörig wurde. Es war ihm so, als hätte er diesen schon einmal gehört und ein Gesicht dazu, doch konnte er nicht genau sagen wieso das so war und wie dieses Gesicht aussah. Es wurmte ihn, dass es mittlerweile das zweite Dejavue dieses Tages war, welches er vor Augen hatte, aber nicht greifen konnte. Bevor er jedoch weiter darüber nachdenken konnte, hatte ihn der Blonde schon am Arm gepackt und war dabei ihn durch die Tür zu ziehen.

Viel zu spät registrierte Lix, dass er sich in Bewegung gesetzt hatte, nur dem Blonden hinterher stolperte ohne eigenständig einen Fuß zu setzen. Reflexartig hatte er die Augen zusammengekniffen und hielt sie auch geschlossen, nachdem sich sein Körper nicht mehr bewegte, zum stillstand gekommen war. Stille. Er wagte es nicht einmal zu  atmen, geschweige denn die Augen zu öffnen. Doch diese Entscheidung wurde ihm abgenommen, als ein leichter Schmerz zwischen seinen Schulterblättern entflammte. Dieser war zwar nicht stark, doch intensiv genug um ihn dazu zu zwingen, gierig die Luft in seine Lungen zu saugen und geschockt die Augen zu öffnen.

Das erste was er wahrnahm, war der kräftige Geruch nach altem Holz und bei genauerem hinsehen erkannte er einen riesigen Torbogen aus dunklem Holz. Alleine durch die schiere Größe drängten sich in Lix die Fragen auf, wo er hier war, wie er hierher gekommen war und wie soetwas unter der Erde existieren konnte. Jedoch wurden all diese Fragen über Bord geworfen, als er eine Gestalt unter dem Bogen hervortreten sah. Es waren weder Sasuke, Naruto noch Mia, doch war ihm die Frau, welche auf ihn zukam, bekannter als alles andere. Diese Gesichtszüge würde er so schnell nicht vergessen. Zwar waren die Haare kürzer als damals, aber er war sich sicher, sie war die Frau von damals. Die Frau, welche ihn angesprochen hatte, während er sich im Schatten versteckt hatte, sie um sich gezogen hatte wie einen schützenden Mantel im Schneesturm.

Langsam trat sie an ihn heran und nur einige, wenige Schritte blieb sie vor ihm stehen, sah ihn durch die Gläser ihrer Sonnenbrille heraus an und ein sanftes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Fassungslos starrte er die Frau vor sich an, hatte sie sich in den letzten Jahren die er gefangen war und in denen davor, wo er sie getroffen hatte, nicht verändert, war keinen Tag gealtert. Sie schien in der Zeit stehen geblieben zu sein und selbst die Augen lagen wie damals verborgen. Verborgen hinter geschwärzten Glas. Doch was sie vor der Welt verbargen, lag offen für ihn frei. Konnte er wie damals durch die abschirmenden Objekte sehen. Direkt in ihre Augen, welche sich wie damals ebenfalls nicht verändert hatten und sich stetig dennoch trotz dessen veränderten. Sich wie eine Spirale in eine nicht vorhandene Tiefe ineinanderflochten. Das Azurblau verwob sich mit dem Katzenartigem grün, bildeten so eine ganz neue Komposition der Farben, welche nicht einmal Künstler zu beschreiben wüssten.

"Endlich bist du da. Ich habe lange gewartet. Wie lange ist es her das wir uns das letzte Mal getroffen haben, lieber Luca Imael Xavier? Einhundert, oder einhundertfünfzig Jahre schon? Ach wie die Zeit vergeht, nicht wahr?", grüßte sie ihn warm, doch bekam Jane nicht mit, wie alle anderen im Raum den Atem anhielten. Alle außer Lix, welcher nichts mehr mitbekam. Sich wie abgekapselt von seinem eigenen Körper fühlte. Unfähig einzugreifen oder etwas dagegen zu tun, sank er in sich zusammen, gen Boden und starrte die blonde Frau vor sich an.

"Du bist es...", war alles, was über seine spröden Lippen kam. Immer und immer wieder wiederholte er es wievein Mantra in Trance. Schien die Worte von ihr oder sich selbst nicht bewusst wahrzunehmen.