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Am Ende der Reise 2.0 - 3 Jahre später

von Julirot
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
G. Callen Henrietta "Hetty" Lange Kensi Blye Marty Deeks Sam Hanna
25.01.2019
18.06.2019
19
23.673
12
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Dieses Kapitel
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07.03.2019 1.788
 
Hallo und guten Abend,

nun kommt der letzte Brief. Ich muss sagen, dass mir dieses Kapitel ziemlich schwer gefallen ist, weil ich zu Eric nicht so den Bezug habe. Aber ich hoffe es gefällt euch trotzdem ein wenig.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.
LG
Julirot

************

Eric – (k)eine Hose ist auch eine Lösung


Er saß in der Kommandozentrale und starrte konzentriert auf den Bildschirm, kniff die Augen zusammen und runzelte die Stirn. Er war hochkonzentriert und hatte alles und jeden um sich herum ausgeblendet. Das, was sein Bildschirm zeigte, war ungewöhnlich. Es war ein eingescannter Brief. Die Papierversion desselben hatte er am Morgen auf seiner Tastatur gefunden, mit der Instruktion ihn zu scannen und genauestens zu untersuchen. Das hatte er getan, aber er hatte noch nicht herausgefunden, wonach er suchen sollte. Er liebte Rätsel, aber dieses war irgendwie anders. Ein wenig unheimlich und er fragte sich gerade, ob er ihm überhaupt auf die Spur kommen wollte.
„Guten Morgen, Mr. Beal.“ Er zuckte derart heftig zusammen, dass er aus Versehen die falsche Taste drückte und der Bildschirm dunkel wurde.
„Mist“, fluchte er leise, drehte sich auf seinem Stuhl herum und starrte die Frau vor sich mit einer Mischung aus Vorsicht und Wagemut an.
„Habe ich Sie etwa erschreckt?“, fragte die dunkelhäutige Frau und musterte Eric leicht skeptisch. Sie trug derart hohe Schuhe, dass Eric sich fragte, ob sie im nächsten Augenblick umfallen würde. Doch sie stand fest wie ein Fels und zeigte keinerlei Anzeichen dafür, dass diese High-Heels in irgendeiner Weise unbequem waren. Eric setzte sich aufrecht hin und stammelte:
„Äh, nein, Assistant Director Mosley … ich … ich …“
„Was?“, fragte seine Chefin noch einmal nach und runzelte die Stirn. Ihre Haare waren straff zurück gekämmt und im Nacken als Knoten gebunden, was sie noch strenger wirken ließ, als sie es ohnehin schon war.
„Ich war nur in Gedanken“, beeilte Eric sich zu sagen und schob sich nervös die Brille nach oben, die ihm vor Schreck ein wenig von der Nase gerutscht war.
„Sie sollten sich mehr Gedanken um den aktuellen Fall machen, Mr. Beal. Ich habe Sie schon mehrfach gerufen, ehe Sie mich gehört haben.“
„Ttttut mir leid.“ Eric senkte den Blick und Mosley schüttelte leicht mit dem Kopf.
„Also …“, begann sie dann. „Was ist los?“ Ihre bis dato harten Gesichtszüge wurden ein wenig weicher und Eric meinte sogar ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht zu sehen. Doch ansonsten zeigte sie keinerlei Gefühlsregung.
Hach, wie er Hetty vermisste. Bei ihr hatte er sich stets sicher gefühlt. Sie war zwar ebenfalls unnahbar und man konnte ihre Reaktionen oft nicht einschätzen, aber Eric war sich bei Hetty immer zu tausend Prozent sicher gewesen, dass sie ihm nie etwas Böses wollte, dass sie das, was sie tat, stets zum Wohlergehen des Teams machte und dass sie ihn und seine Kollegen als Familie betrachtete. Da war er sich bei Mosley niemals sicher. Sie schien eher auf ihren Vorteil bedacht und zeigte einem oftmals die kalte Schulter. Es hatte sich viel verändert seit Hetty weg war und Eric seufzte innerlich. Und genau aus diesem Grund, wollte er auch nicht mit Mosley reden.
„Nichts“, sagte er deshalb und setzte noch hinterher: „Sie wollten Infos zum aktuellen Fall haben?“
„Äh … ja, das wollte ich, aber vielmehr interessiert mich, was Sie da gerade gemacht haben.“ Sie trat näher, beugte sich über Erics Tastatur und drückte die Enter Taste, so dass der Bildschirm wieder hell wurde und der Brief sich zeigte, den Eric bearbeitet hatte, bevor sie gekommen war.
„Ach das“, versuchte er abzuwinken. „Das ist nichts.“
„Sieht mir aber gar nicht nach Nichts aus“, meinte sie.
„Der ist von Hetty“, sagte er schnell und Mosleys Mine wurde noch finsterer.
„Und?“
„Er lag heute Morgen auf meinem Schreibtisch und ich habe ihn eingescannt und …“  
„Warum?“
„Weil … weil Hetty das so geschrieben hat“, sagte er schlicht.
„Und Sie machen immernoch, was Hetty sagt? Sie ist seit drei Jahren in Rente, Mr. Beal.“
„Aber …“
„Was schreibt sie denn?“, erkundigte sich Mosley nun.
„Ich soll mir eine ordentliche kurze Hose anziehen und am Sonntag zu ihr kommen.“
„Was?“ Mosley schien verwirrt, doch Eric hatte nicht vor, ihr irgendetwas Genaueres darüber zu erzählen, was es damit auf sich hatte. Das war ein Insider, den nur er, Hetty und das ehemalige Team verstanden und den er ganz sicher nicht mit Mosley teilen würde.  
„Und ich muss jetzt auch weiter an unserem aktuellen Fall arbeiten“, beeilte Eric sich nun zu sagen und drückte das Dokument weg. Er würde sich später damit befassen.
„Okay“, sagte Mosley nur und wandte sich zum Gehen. Bevor sie den Raum verließ, warf sie jedoch noch einen Blick auf Erics Beine, die in ordentlichen beigen Jeans steckten. Sie runzelte die Stirn und ging dann in ihr Büro.


                                                                                                               ****


„War Mosley sehr sauer?“, erkundigte sich Nell bei Eric, als sie zusammen beim Abendessen saßen. Er hatte ihr soeben von Hetty’s Brief erzählt und dass Mosley ihn dabei erwischt hatte, wie er private Dinge mit dienstlichem Equipment erledigte.
„Nicht säuerlicher als sonst auch“, sagte Eric und nahm sich etwas Käse und Wurst, um damit sein Brot zu belegen. Nell nickte wissend und biss dann von ihrem Sandwich ab. Sie und Assistand Director Mosley waren nicht gerade die besten Freundinnen, so viel stand fest, aber sie respektierten einander und das war für die Arbeitsatmosphäre durchaus von Vorteil. Privat wollte Nell jedoch nichts mit ihrer unnahbaren Chefin zu tun haben.
„Und? Was stand denn nun in Hetty’s Brief“, wollte Nell schließlich ungeduldig wissen, als das Thema um Mosley abgehakt war.
„Warte, ich lese ihn dir vor“, sagte Eric und wischte sich seine Hände an einer Serviette ab, bevor er in die Hosentasche griff und ein gefaltetes Stück Papier herausholte. Er räusperte sich und Nell stützte den Kopf auf ihrer rechten Hand ab, um ihm aufmerksam zuhören zu können. Sie hatte ihm von ihrem Brief nur zum Teil berichtet, da Hetty sie um Stillschweigen gebeten hatte. Ein wenig plagte sie deswegen das schlechte Gewissen, aber sie wusste, dass Eric sie letztendlich verstehen würde. So wie er das immer tat. Nun begann Eric mit leiser Stimme vorzulesen:

„Lieber Mr. Beal,
Sie sollten den Brief einscannen, da ich weiß, dass Sie aus einem elektronischen Dokument mehr herauslesen können, als aus einem handschriftlich verfassten Brief. Sie werden sehen, dass er ein Geheimnis enthält. Und egal, wann Sie es entschlüsseln, es wird immer zur rechten Zeit geschehen…“


Eric hielt inne und schaute Nell fragend an.
„Hast du eine Ahnung, was sie damit meinen könnte?“, fragte Eric seine Freundin. Nell schüttelte nur mit dem Kopf.
„Bei Hetty weiß man nie, was sie wie meint, bis man es herausgefunden hat“, sagte sie.
„Mmmmm“, machte Eric nur und begann dann weiter zu lesen.

„… Mr. Beal, Sie haben sich sicherlich manchmal gefragt, ob ich Sie weniger schätze als alle anderen. Dem ist nicht so. Sie haben ein großes Herz und einen wachen Verstand. Sie sind ein Genie und sie haben das Team immer vervollständigt. Sie fühlen sich in der Kommandozentrale zu Hause und ich kann mir diese heiligen Hallen ohne Sie nicht vorstellen. Sie halten dort alles zusammen und mit Ihrer Hilfe wurde so mancher Fall gelöst. Deshalb habe ich Ihnen auch dieses Rätsel in den Brief gesteckt. Sie haben viele Talente und ich weiß, dass Sie sie weiterhin nutzen werden. Ich bin froh, dass sie Mosley in Schach halten. Ich weiß, sie ist nicht einfach, aber ich glaube es lohnt sich. Denn es wird Veränderungen geben. Schon bald. …“

„Weißt du was davon?“, fragte Eric.
„Nein, keine Ahnung.“
„Vielleicht bekommen wir jemanden Neues?“ Eric zog eine Braue in die Höhe.
„Das wäre aber gar nicht mal so schlecht“, meinte Nell leichthin und Eric nickte.
„Es kann aber auch schlimmer werden“, gab er zu bedenken.
„Glaub ich nicht. Ich denke, Hetty hat da jemand bestimmten im Visier.“
„Mmmmm …“, brummte Eric und nahm dann den Brief wieder auf, um weiterzulesen.

„… Mr. Beal, sorgen Sie sich nicht. Es ist alles geregelt. Überwachen Sie immer noch meine Häuser? Tun Sie das bitte auch weiterhin. Ich möchte mich auch in Zukunft sicher fühlen können. Und nun besuchen Sie mich am Sonntag in meinem derzeitigen Domizil. Sie wissen garantiert, wo das im Moment ist. Kurz nach Sonnenaufgang möchte ich mich von Ihnen verabschieden.

Ihre Hetty

PS. Und kommen Sie mir ja in Ihrer besten kurzen Hose, die Sie finden können.“



„Das klingt sehr ernst“, meinte Eric, nachdem er den Brief beiseitegelegt hatte.
„Ich fürchte, das ist es auch“, bestätigte Nell.
„Weißt du noch mehr als ich?“, fragte Eric und Nell schüttelte nur mit dem Kopf.
„Nein, nicht wirklich. Aber du hast sie doch gesehen, sie sieht nicht gut aus.“
„Das stimmt“, brummte Eric.
„Weißt du, ob sie die anderen auch zu sich bestellt hat?“, fragte er nach einer Weile, in der sie sich wieder schweigend ihrem Essen gewidmet hatten.
„Ja, hat sie.“
„Gott sei Dank“, stöhnte Eric und ließ die Luft aus seinen Lungen geräuschvoll entweichen.
„Wieso? Hattest du etwa Angst vor Hetty?“
„Naja … ich … also irgendwie ist sie doch immer ein wenig unheimlich, oder?“, flüsterte Eric Nell zu wie als fürchte er, dass Hetty irgendwie mithören konnte, was er sagte, obwohl dies eindeutig nicht der Fall sein konnte.
„Ach Beal“, sagte Nell, legte ihre Gabel beiseite und stand auf. Dann trat sie auf ihn zu und schaute ihn an. Er hob den Blick und ihre Augen versanken ineinander. „Ich liebe dich“, flüsterte sie und zog ihn nach oben, so dass sie ihn umarmen konnte. Er legte seine Arme um sie herum und antwortete:
„Ich dich auch.“ Sie drückte ihm einen leichten Kuss auf den Mund. Doch er wich vor ihr zurück und runzelte beinahe verzweifelt die Stirn.
„Was ist?“, fragte sie leicht verärgert.
„Was meinst du Nell? Welche Hose soll ich am Sonntag anziehen?“, fragte er und schaute an sich hinunter. Er trug eine karierte kurze Strandhose und dazu Flip Flops. So fühlte er sich wohl. Früher war er so auch oft zur Arbeit gegangen, bis es ihm verboten wurde. Das war nach Hettys Weggang gewesen. Nell verdrehte die Augen und griff dann nach unten an seinen Hosenbund, begann langsam die Short hinunter zu schieben und entblößte nackte Haut. Und während Sie das tat, raunte sie ihm ins Ohr:
„Ich glaube, keine Hose ist auch eine Lösung, Beal.“  Eric lief rot an, doch bevor er irgendetwas sagen konnte, hatte sie schon ihre Lippen auf die seinen gelegt und küsste ihn, dass ihm beinahe die Luft wegblieb.
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