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Am Ende der Reise 2.0 - 3 Jahre später

von Julirot
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
G. Callen Henrietta "Hetty" Lange Kensi Blye Marty Deeks Sam Hanna
25.01.2019
18.06.2019
19
23.673
12
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Dieses Kapitel
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03.02.2019 1.620
 
Guten Abend,
kommen wir also zu Callen und seinem Brief. Ich hoffe ihr könnt meine kleine Geschichte nachvollziehen und sie gefällt euch. Eine angenehme Woche schon mal. Bis bald.
Julirot

******

Callen – und Familie gibt es doch


Sein T-Shirt war vorn und hinten durchgeschwitzt und das Wasser lief ihm den Rücken hinab. Er fühlte sich ausgepowert und glücklich. Er griff fester um den Lenker des Sportbuggys und rannte die letzten paar Meter zum Haus hinauf, schob den Wagen mit Leichtigkeit vor sich her und lächelte seiner Nachbarin, die gerade den Rasen sprengte, zu.
„Hallo Mrs. Newman“, rief Callen über den Zaun und die ältere Dame hob grüßend eine Hand.
„Wie geht es Ihnen, Grisha? Und der Kleinen?“ Callen musste sich noch immer daran gewöhnen, dass die Leute ihn mit seinem richtigen Vornamen ansprachen. Doch es war sein Name, nach dem er lange gesucht hatte und er gehörte zu ihm, wie seine Tochter nun seit einem Jahr ebenfalls zu ihm gehörte.
„Mir geht’s gut und Henrietta ebenfalls“, rief er zurück. „Sie hält uns ganz schön auf Trab.“
„Das kann ich mir vorstellen. Sie ist Ihnen wie aus dem Gesicht geschnitten.“ Callen musste grinsen. Er war sich nicht sicher, ob er wollte, dass seine Tochter nach ihm kam. Viel lieber sollte sie die Schönheit ihrer Mutter geerbt haben, aber seine blauen Augen, die gönnte er ihr von Herzen. Er winkte Mrs. Newman noch einmal zu und stellte dann den Kinderwagen in die Garage, hob seine Tochter heraus und trug das schlafende Kind hinein ins Haus.
„Wir sind wieder da“, rief er in halber Lautstärke in Richtung Küche, aus der ein verführerischer Duft von Essen kam. Eine blonde Frau mit langen Locken trat in den Flur und begrüßte ihn mit einem Kuss. In der Hand hielt sie einen Holzlöffel, um den sie ein paar Spaghetti gewickelt hatte. Sie steckte ihm den Löffel in den Mund und er zog die Nudeln herunter.
„Mmmmm, lecker“, meinte er, als er die Tomatensoße von seinem Kinn wischte. „Du wirst immer besser.“
„Hey.“ Sie schlug ihm gegen die Schulter und in ihren Augen blitzte es. Sie war eine miserable Köchin, aber sie gab nicht auf, es immer wieder zu versuchen.
„Sie schläft. Gott sei Dank“, kommentierte sie dann den Zustand des kleinen Mädchens, nachdem sie einen Blick auf sie geworfen hatte.
„Sie liebt die Strecke durch den Park. Schon nach ein paar Metern war sie eingeschlafen“, meinte Callen und legte das Kind in das Laufgitter, welches sie neben der Küchentür deponiert hatten, um die knapp Einjährige besser im Blick zu haben.
„Und du?“ fragte sie und strich ihm übers schweißnasse Shirt.
„Ich auch.“
„Und ich liebe dich“, sagte sie und er zog sie zu sich heran und umarmte sie fest. Seine Lippen waren nicht weit entfernt von den ihrigen und sie bog sich ein wenig nach hinten, hielt dabei den Holzlöffel nach oben und schaute ihm in die Augen.
„Ich dich auch, Anna.“ Sie grinste und wollte ihn küssen, als sie jäh unterbrochen wurden.
„Ah, meine Lieblingsenkeltochter ist zurück“, rief eine männliche Stimme mit starkem russischem Akzent. Anna und Callen fuhren auseinander und starrten den älteren, etwas untersetzt wirkenden Mann mit den weißen Haaren böse an. Dieser rollte mit den Augen und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Lasst euch von mir nicht stören.“ Damit trabte auf das Laufgitter zu, beugte sich darüber und kitzelte das Kind am Bauch.
„Nicht, Dad. Du weckst sie nur wieder auf“, rief Anna entsetzt und wollte ihren Vater beiseiteschieben. Doch der ließ sich nicht beirren und spielte weiter mit dem Kind, was natürlich sofort erwachte und anfing zu weinen.
„Na super“, murmelte Callen und verdrehte die Augen.
„Dad“, mahnte Anna erneut.
„Keine Sorge. Ich mach das schon“, brummte Arkady und hob die Kleine aus ihrem Bett in die Luft, begann mit ihr hin und her zu laufen und summte dabei ein altes russisches Kinderlied. Anna und Callen wechselten einen Blick und sie zuckte leicht mit den Schultern, wie als wollte sie sagen, er ist eben mein Dad. Callen wusste, er verzieh Arkady fast alles und somit ließ er den älteren Mann einfach gewähren, der so voller Freude über seine einzige Enkeltochter war.
„Ich glaube, ich geh dann mal duschen“, sagte Callen, zwinkerte Anna zu und wandte sich in Richtung Treppe.
„Ich würde ja gerne mitkommen“, flüsterte Anna Callen zu, doch in Richtung ihres Vaters rief sie:
„Das Essen ist gleich fertig, Dad. Du bleibst doch zum Abendessen, oder?“ Die Frage war eigentlich eher rhetorischer Natur, denn sie alle wussten, dass Arkady Kolcheck sich sehr wohl fühlte im Hause Callen und natürlich niemals eine Einladung zu einem Abendessen ausschlug.
„Natürlich“, rief dieser auch sogleich und verschwand mit der kleinen Henrietta im Wohnzimmer. Seit die Kleine geboren war, war er Dauergast im Hause Callen, was den Eltern nicht immer gefiel. Aber es kam einer heilen Familie ziemlich nahe und so akzeptierten sie es.
„Callen“, rief Anna ihm nach, als er schon halb auf der Treppe war.
„Was?“, fragte er und drehte sich noch einmal um.
„Hier ist ein Brief für dich gekommen.“
„Ein Brief? Was für ein Brief?“, fragte er erstaunt.
„Keine Ahnung. Ein Brief eben.“
„Ich wusste gar nicht, dass heutzutage noch irgendjemand Briefe schreibt, es sei denn es wäre eine Rechnung oder sowas.“ Anna zuckte nur mit den Schultern und deutete dann auf die kleine Kommode neben dem Eingang. Callen lief schnell hin und schnappte sich den Brief, drehte ihn herum und runzelte die Stirn.
„Ich lese ihn oben“, sagte er dann und gab Anna noch einen Kuss, bevor diese mit ihrem Kochlöffel wieder in der Küche verschwand.


                                                                              ***

Callen nahm immer zwei Stufen auf einmal und ging ins Schlafzimmer. Er holte sich ein Handtuch aus dem Schrank und henkte es sich über die Schultern. Dann setzte er sich aufs Bett und öffnete neugierig  Brief.

„Mr. Callen,
erschrecken Sie nicht, wenn Sie plötzlich diese Nachricht von mir erhalten, obwohl wir uns erst letzte Woche gesehen haben. Ich möchte alle meine Schäfchen noch einmal sehen. Wie geht es der kleinen Henrietta? Ich hoffe sie wächst ordentlich. Bei Ihnen fällt es mir am schwersten, die richtigen Worte zu finden. Vielleicht weil wir uns so ähnlich sind. Wir kennen uns schon ziemlich lange und ich habe eine ziemlich lange Zeit meine Hände schützend über Sie gehalten. Das werde ich nicht ewig machen können und wir beide wissen das. Sie sind für mich immer wie ein Sohn gewesen. Sie sind der Sohn, den ich nie hatte und den ich mir immer gewünscht habe und ich hoffe, ich konnte eine Mutter für Sie sein, nachdem Ihre Mutter gestorben war. Ich weiß, ich habe Sie oft hart angefasst, habe versucht einen guten Agenten aus Ihnen zu machen und ich denke, das ist mir auch gelungen. Und ich glaube auch, dass ich einen guten Menschen aus Ihnen gemacht habe. Denn das sind Sie. Ein guter Mensch, ein viel besserer, als ich das oftmals gewesen bin. Ich danke Ihnen für viele Jahre gemeinsame Zeit, für die Hilfe, für Ihr Vertrauen und für Ihre Liebe. Grisha -  nach diesem Namen haben Sie lange gesucht und ich weiß, dass Ihnen der Tod Ihres Vaters sehr nahe gegangen ist. Möge er in Frieden ruhen. Ich bin so froh, dass Sie es geschafft haben. Dass Sie eine Familie gefunden haben, die Ihnen viel bedeutet und dass Sie mein Vermächtnis fortsetzen werden. Mr. Callen, ich denke, es ist an der Zeit, dass Sie zurückkommen zum NCIS. Nicht als Agent, nein. Sie haben jetzt eine Familie. Ich habe mich stark gemacht und einen letzten Gefallen eingefordert. Wenn Sie wollen, dann überlasse ich Ihnen mein Büro, was die letzten drei Jahre meistens unbesetzt gewesen ist. Nicht ohne Grund natürlich – und ich denke, das wissen Sie. Also, Mr. Callen, die Entscheidung liegt bei Ihnen. Ich erwarte Sie am Sonntag nach Sonnenaufgang. Sie wissen, wo Sie mich finden können.

In Liebe Ihre Hetty. – PS. Und bringen Sie mir bloß diesen alten Mistkerl Arkady mit.“



Er ließ die Arme sinken und starrte auf das Papier. Er hatte keine Ahnung, was er davon halten sollte. Ihre Worte machten ihn traurig. Er wollte sie nicht verlieren, doch er wusste auch, dass sie nicht jünger wurde. Sie bot ihm ihren alten Job an. Er hatte gar nicht gewusst, dass dieser noch frei war. Er war die letzten drei Jahre nicht sonderlich daran interessiert gewesen, zu erfahren was beim NCIS so los war. Er hatte sich eine Auszeit genommen. Er war gereist, zuerst allein, hatte hier und dort gejobbt, und dann hatte er Anna wieder getroffen. Sie hatten viel Zeit zusammen verbracht und plötzlich war sie schwanger. Ungeplant, aber nicht unwillkommen. Sie hatten sich entschieden, dass sie arbeiten ging und er auf das Kind aufpasste. Ein Arrangement, das ihm eine Zeitlang ziemlich entgegen gekommen war. Er brauchte immer noch seine Ruhe. Er brauchte den Abstand zum Dienst, um sich selbst wieder zu finden. Und er lernte ganz neue Seiten an sich kennen. Sein Herz begann zu heilen und das verdankte er diesem kleinen Wesen, was sich in sein Leben geschmuggelt hatte. Sam wäre sicherlich stolz auf ihn. Und nun stand er vor diesem Angebot. Er wusste nicht, ob er schon bereit dazu war. Andererseits brauchte er wieder eine Aufgabe. Seine Tochter würde nicht ewig so klein bleiben und er konnte nicht ewig den Hausmann spielen. Er spürte, sein Leben würde sich wieder verändern. Ob er dazu bereit sein würde, konnte er noch nicht sagen.
„Callen?“ Anna war zur Tür hereingetreten. „Das Essen ist fertig“, sagte sie und blieb vor ihm stehen, schaute ihn an und er blickte zu ihr empor.
„Was ist? Ist etwas passiert?“, fragte sie erschrocken. Langsam stand er auf und zog sie in seine Arme.
„Nein, noch nicht“, murmelte er und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar.


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