Am Ende der Reise 2.0 - 3 Jahre später

von Julirot
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
G. Callen Henrietta "Hetty" Lange Kensi Blye Marty Deeks Sam Hanna
25.01.2019
18.06.2019
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Guten Abend,

wie versprochen, hier das erste Kapitel. Der erste Brief, den Hetty verschickt hat, ging an Sam.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und eine schöne Woche.
LG
Julirot

*****

Sam – ein Leben nach Michelle


Er legte den Telefonhörer auf die Gabel und widmete sich wieder den Hausarbeiten, die auf seinem Schreibtisch lagen. Seine Schüler hatten sich alle mächtig ins Zeug gelegt, um diesen Aufsatz über »das Leben an Bord eines Militärschiffes« zu verfassen. Er war nun seit über zwei Jahren ihr Ausbilder und er liebte seinen Job – fast genauso wie er seinen alten Job geliebt hatte. Er hatte L.A. verlassen und war ein wenig weiter nach Norden gezogen, hatte einen Job bei der »California Maritime Academy« angenommen und es hatte ihm gut getan. Er hatte sich ein neues Leben aufgebaut, zusammen mit seiner Tochter, die inzwischen beinahe erwachsen war. Ja, das, was er hier tat, war etwas völlig anderes und dennoch verdammt nahe an dem, was er immer getan hatte. Er vermittelte Menschen das Gefühl völlig sicher sein zu können. Er wollte Gutes bewirken und genau das tat er, hier für diese jungen Menschen. Nur tat er das nicht mehr mit einer Waffe in der Hand, sondern mit Worten, Taten und einer großen Portion Humor. Er ließ sie teilhaben an seinem riesigen Erfahrungsschatz und sie sollten aus seinen Fehlern lernen. Sam griff sich ein Heft und musste schmunzeln, als er die Sätze las. Sie hatten gut aufgepasst, das musste er ihnen lassen und die Woche, die er mit ihnen auf dem Schiff verbracht hatte, schien offenbar Früchte getragen zu haben. Er war so vertieft in diese Texte, dass er das Klopfen zunächst nicht wahrnahm. Erst als die Tür aufgedrückt wurde und eine dunkelhaarige, schlanke Frau in Uniform ihren Kopf vorsichtig hindurchsteckte, wurde er aufmerksam.
„Hi“, sagte er und auf seinem Gesicht erschien ein Lächeln.
„Ebenfalls Hi“, antwortete sie zurück und hob fragend eine ihrer geschwungenen Augenbrauen. Sie war dunkelhäutig, genau wie er, und sehr attraktiv. Ihr kurzes Haar betonte ihr schönes Gesicht und durch ihre großen Augen wirkte sie sehr exotisch. Doch ihre ganze Art vermittelte Wärme und Bodenständigkeit, genau die Mischung, die Sam mochte.
„Ich dachte, ich hole dich zu einem späten Mittagessen ab“, sagte sie und er winkte sie herein. Sie trat ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
„Ich bin in fünf Minuten fertig“, antwortete er ihr und schlug das Heft zu, legte es fein säuberlich auf den großen Stapel mit den bereits gelesenen Arbeiten und klappte dann seinen Laptop zu. Sie beobachtete ihn, wie er aufräumte und lächelte in sich hinein. Er war ein Perfektionist, ohne es zu wissen, aber das liebte sie an ihm. Er war groß und stark und er wusste, was er tat. Aber er war auch einfühlsam und verletzlich und genau diese Mischung hatte sie sich in ihn verlieben lassen.
„Du hast Post bekommen“, sagte sie dann und hielt ihm einen Brief entgegen. Er runzelte die Stirn und stand auf.
„Wer schreibt denn heutzutage noch Briefe?“, fragte er und sie zuckte mit den Schultern.
„Sag du es mir.“ Er trat auf sie zu und bevor er den Brief entgegen nahm, beugte er sich zu ihr hinab, um ihr einen sanften Kuss auf die Lippen zu drücken. Sie seufzte und schloss für einen Moment die Augen, umschlang ihn mit ihren Armen und zog ihn zu sich heran. Sam strich ihr über den Rücken und genoss die Nähe zwischen ihnen beiden. Sie dateten sich nun schon seit mehreren Monaten und es entwickelte sich langsam aber sicher eine zarte Beziehung. Sarah Albright arbeitete ebenfalls in der CMA, bei der Sam seit geraumer Zeit als Ausbilder tätig war. Sie erstellte die Dienstpläne und kümmerte sich darum, dass neue Dozenten die nötigen Informationen erhielten. Die ersten paar  Wochen nach seinem Dienstantritt hatte sie Sam herumgeführt und ihm geholfen, sich einzugewöhnen. Sie waren ziemlich schnell gute Freunde geworden, denn wie sich herausstellte, teilten sie viele gemeinsame Interessen. Sie waren beide sozial engagiert und sie liebten Sport. Sarah hatte einen halbwüchsigen Sohn, um den sie sich alleine kümmerte und dieser verstand sich erstaunlicherweise ziemlich gut mit Sams Tochter. Irgendwann hatte ihre Freundschaft kleine Wurzeln geschlagen und schließlich waren Pflänzchen von Liebe gewachsen, die sie nun nach und nach erkundeten.
„Willst du den Brief nicht lesen?“, fragte Sarah und löste sich von Sam.
„Sicher, aber ich brauche erst was zu Essen.“
„Na komm. Unten an der Ecke hat ein neues thailändisches Restaurant aufgemacht. Das sollten wir uns mal ansehen.“ Sam schnappte sich seine Jacke und sie verließen Hand in Hand den Raum.


                                                                                                                               ***

Am Abend saßen sie gemütlich auf der Couch und tranken Wein. Sarah hatte die Füße auf Sams Schoß gelegt und er hielt den Brief in der Hand. Er drehte ihn immer wieder hin und her und konnte sich nicht entschließen, ihn zu öffnen. Die verschnörkelte Handschrift hatte ihm verraten vom wem der Brief stammte und er hatte das Bild von ihr ziemlich genau im Kopf. Er hatte sie lange nicht gesehen. Sie hatten hin und wieder telefoniert und er wusste, dass es ihr nicht gut ging. Und jetzt hatte er Angst vor dem, was ihn erwarten würde. Sarah schaute ihn an und meinte:
„Wenn du möchtest, dann lese ich ihn dir vor, Sam.“ Er schaute hoch und in ihre braunen Augen, in denen so viel Liebe und Fürsorge steckte, wie er sich nur wünschen konnte. Er überlegte eine Weile. Dann nickte er und gab ihr den Brief. Sarah stellte ihr Glas auf den Tisch und nahm den Brief in die Hand. Mit geschickten Fingern öffnete sie ihn an der Oberseite und holte ein gefaltetes Blatt Papier heraus. Sie zog es auseinander und glättete es in ihrem Schoß. Sam sah ihr die ganze Zeit über dabei zu und war ihr dankbar für das, was sie da tat. Sie räusperte sich und begann zu lesen.


„Sam,
mein großer, unbeirrbarer Seal. Sie waren immer derjenige aus meinem Team, der am verlässlichsten war. Dem man die Dinge anvertraute in dem Wissen, dass sie so erledigt wurden, wie man selbst es wünschte. Sie haben mich immer unterstützt, haben mir Rückendeckung gegeben, wenn ich sie brauchte und sie haben mich nie im Stich gelassen. Dafür danke ich Ihnen. Sie haben mich mehr als einmal gerettet und immer zu mir gestanden, so wie ich zu Ihnen. Ich möchte danke sagen, für viele Jahre Ihrer Freundschaft, in der Sie Ihr Herz immer auf der Zunge getragen haben und nicht gezögert haben, Ihre Gefühle zu zeigen. Lange haben wir uns nicht mehr gesehen und ich weiß, dass Sie eine schwere Zeit hatten. Aber ich weiß auch, dass Sie ihr Glück wieder gefunden haben. Ja, ich weiß es. Fragen Sie mich nicht woher. Sie sollten inzwischen wissen, dass ich meine Quellen habe. Nach Michelles Tod hatten Sie das Gefühl Ihr Glück hätte sie verlassen und sie haben ihr Herz verschlossen. Der Schmerz hat sie in Beschlag genommen und ich kann mich nur immer wieder dafür entschuldigen, dass es so hatte kommen müssen. Doch nun ist das Glück zurück in Ihrem Leben und ich hoffe, es bleibt noch lange Zeit erhalten…“



Sarah hob den Kopf und schaute Sam an. Dieser war ganz still und in seinem Gesicht zeichneten sich so viele Emotionen gleichzeitig ab. Sie konnte sehen wie er schluckte und als er nun die Augen wieder öffnete, war da eine Träne, die sich heimlich hinauf geschummelt hatte.
„Lies‘ weiter!“, bat er sie mit rauer Stimme und griff nach ihrer Hand. Sie nickte und konzentrierte sich auf die Buchstaben.


„… Sam, ich werde nicht ewig leben und ich spüre, dass meine Zeit gekommen ist. Ich möchte aber nicht gehen, ohne Sie noch einmal zu sehen. Sie kennen meinen Aufenthaltsort und Sie wissen welcher Tag mein Lieblingstag ist. Kommen Sie mich besuchen, am nächsten Sonntag, wenn die Sonne aufgegangen ist.
Hetty. – PS. Und bringen Sie unbedingt die Cobra mit. Ich will mich vergewissern, dass sie noch Intakt ist.“



Sam blinzelte und die Träne rollte ihm aus dem Auge und lief seine Wange hinab. Er wischte sie weg und musste dann kurz auflachen.
„Sie will dieses verdammte Auto sehen“, schluchzte er und rieb sich wieder über die Augen.
„Was meint sie damit?“, fragte Sarah, die zwar wusste wer Hetty war, aber die natürlich nicht wusste, um was es bei der Cobra ging.
„Hetty besitzt eine Reihe wirklich schöner alter Autos. Sie sammelt sie. Eins davon ist ein wunderschönes Cabrio – ziemlich klein und eng und Hettys ganzer Stolz. Niemand durfte damit fahren und sie hat es immer mit Argusaugen bewacht. Als sie in Rente ging, hat sie es mir geschenkt. Wohlwissend, dass ich niemals damit fahren werde.“
„Warum nicht?“
„Weil … ach das musst du selbst sehen.“ Sam musste lachen und griff dann in seine Hosentasche, holte seine Geldbörse heraus und suchte nach einem ganz bestimmten Foto. Als er es gefunden hatte, reichte er es Sarah und nun musste sie ebenfalls lächeln. Das Foto zeigte Sam am Steuer der Cobra. Es sah reichlich komisch aus, da er so riesig war und das Auto so winzig. Er sah ziemlich eingequetscht aus und lächelte gequält in die Kamera.
„Ziemlich beengt“, meinte Sarah und reichte ihm das Foto zurück.
„Kann man wohl sagen. Ich komme nicht mal ans Gaspedal heran weil meine Knie fast an meinen Ohren hängen, wenn ich da drin sitze.“
„Wo ist das Auto?“, erkundigte sie sich.
„Ich habe es in einer Garage unweit von meiner Wohnung, gut bewacht und besuche es ab und zu.“
„Wie willst du das Ding am Sonntag zu Hetty kriegen?“, fragte sie weiter.
„Ich glaube, das ist eine gute Gelegenheit dich meiner ehemaligen Chefin und ältesten Freundin vorzustellen“, antwortete Sam und lächelte ihr zu.

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Danke fürs Lesen!
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