Am Ende der Reise 2.0 - 3 Jahre später

von Julirot
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
G. Callen Henrietta "Hetty" Lange Kensi Blye Marty Deeks Sam Hanna
25.01.2019
12.06.2019
18
23492
7
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Guten Abend,

ich hatte es schon erwähnt. Nach euren Reviews zum letzten Kapitel, war ich etwas verwirrt und mein Plan für das Ende hier, geriet ins Wanken. Ich habe lange mit mir gehadert, aber ich denke, ich habe nun eine Lösung gefunden. Ich hoffe, ihr seid mit meinem Schluss einverstanden, auch wenn es traurig ist.
Vielleicht poste ich meine Alternative noch einmal in einer separaten Story. Das weiß ich aber noch nicht.
Für mich fühlt es sich jetzt jedenfalls abgeschlossen an.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch mal für all die tollen Reviews bedanken. Für die Sterne und für die vielen Favoriteneinträge. Das freut mich alles sehr. Zumal ich dachte, dass ich keine Story mehr zu dieser Serie schreiben könnte. Aber wie ihr seht, es gibt immer noch was zu erzählen. ;-)

Ihr hattet euch ja gewünscht, dass die Abschiedsszenen mit Hetty noch einmal ausgebaut werden sollen. Das ist dann mein nächstes Projekt. Aber ich weiß noch nicht, wie schnell ich damit fertig werde. Also noch ein wenig Geduld.

Und nun hoffe ich, ihr könnte das letzte Kapitel doch ein wenig genießen und ihr schreibt mir, wie es euch gefallen hat.

Vielen Dank fürs Lesen.

Eure Julirot

************


Ein Brief – an Hetty


Die Zeremonie neigte sich dem Ende und die Türen der kleinen Kirche im Süden von L.A. wurden weit geöffnet. Die klassische Musik drang nun nach draußen und langsam folgten die Besucher dem Sarg durch die Tür hinaus in den gut gepflegten Friedhofsgarten. Es war ein rustikaler Eichensarg mit diversen Verzierungen und oben auf lagen Sonnenblumen, zu einem ordentlichen Strauß gebunden. Die Prozession war lang, denn sie war sehr bekannt gewesen, hatte Freunde und Kollegen, Liebschaften und Partner überall auf der ganzen Welt gehabt. Die Nachricht von ihrem Tod hatte sich wie ein Lauffeuer über den Globus verteilt und es waren nicht nur Leute aus der unmittelbaren Umgebung, sondern auch aus dem Ausland gekommen. Die Abschiedsworte wurden in so vielen Sprachen gesprochen, dass man sie kaum noch zählen konnte und alle hatten Blumen mitgebracht, die sie nun in das noch offene Grab fallen ließen. Der Sarg wurde hinabgesenkt und Direktor Vance hielt die Trauerrede. Er war Hetty’s unmittelbarer Vorgesetzter gewesen und so lag es nahe, dass er im offiziellen Teil der Feier ein paar Worte sagte.

Das Testament war vor zwei Tagen geöffnet worden und Nell hatte sich genau an Hetty’s Anweisungen gehalten. Eine davon war diese Zeremonie, eine andere eine große Feier, die Nell zusammen mit ihren Freunden organisiert hatte. Auch hatte Hetty darin gebeichtet, dass sie unheilbar krank gewesen war und dass ihr die Ärzte keine günstige Prognose gegeben hatten. Sie hatte gewusst, dass sie sterben würde und sie hatte es mit Würde angenommen. So wie sie jede Prüfung ihres Lebens angenommen hatte. Es war eine Erklärung für ihren Tod, wenn auch kein Trost für ihre Freunde und ihre Familie.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich alle verabschiedet hatten und sich schließlich auf den Weg zu Hetty’s Haus machten, in dem die Abschiedsfeier stattfinden sollte. Einer nach dem anderen blieb vor dem Grab stehen, flüsterte noch ein paar Worte oder schwieg bedächtig und schließlich leerte sich der Friedhof, bis am Ende nur noch Hettys Familie übrig war. Die Menschen, die ihr am nächsten gestanden hatten, waren geblieben, um ihrer Vorgesetzten und Freundin noch eine Weile nahe zu sein. Die Kinder schliefen auf den Armen ihrer Eltern und bekamen von dem Ganzen nichts mit. Sie waren gesegnet von der Unwissenheit, was es bedeutet, wenn ein geliebter Mensch stirbt und ihre Eltern beneideten sie in diesem Moment um diese Unschuld und Kindlichkeit. Denn ihrer aller Augen waren nicht trocken geblieben und keiner wusste, was er sagen sollte. Der Schock saß noch zu tief. Dieses Wissen, dass sie für immer fort sein würde, unwiderruflich. Aus ihren Blicken, aus ihrem täglichen Handeln, aber nicht aus ihren Sinnen und Herzen.

Eine ziemlich lange Weile starrten die Freunde auf den Boden, bis Nell sich schließlich räusperte und nach vorne trat. Acht Augenpaare waren auf die junge Frau gerichtet, die nun ein Blatt Papier aus ihrer Tasche holte und es langsam entfaltete. Ihre Hände zitterten, aber ihre Bewegungen waren zielgerichtet, wie immer.

„Okay“, begann sie und blinzelte kurz. Kensi berührte ihre Freundin am Arm und versuchte so, ihr ein wenig Halt zu geben, auch wenn sie selbst diesen im Moment ebenso nötig gehabt hätte. Nell war die Sache besonders nahe gegangen und es war ihre Idee gewesen, sich von Hetty auf eine ganz besondere Art und Weise zu verabschieden.
„Soll ich ihn vorlesen?“, fragte Eric sanft und schaute seine Freundin an. Nell schüttelte den Kopf.

„Ich schaff das schon“, meinte sie dann und straffte die Schultern. Sie trug ein schwarzes Kleid und dunkelrote Strümpfe, dazu Stiefel und ihre roten Haare glänzten in der Sonne, die mittlerweile schräg am Himmel stand. Der Tag neigte sich dem Ende zu. Ein Tag voller Trauer und voller Abschied. Nell tauschte noch einmal einen Blick mit Eric und dieser nickte ihr langsam zu. Schließlich entfaltete Nell das Papier. Es war ein Brief, auf Hetty’s Briefpapier geschrieben, das Nell in deren Büro gefunden hatte. Ein Brief, old school mit Tinte geschrieben. Ein Brief mit vielen Emotionen – ein Brief an Hetty.

Nell schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter und begann schließlich zu lesen:

„Liebe Hetty,

nun ist es passiert. Sie haben diese Erde für immer verlassen und wir sind zurück geblieben. Sie haben uns einen ziemlich großen Teil unseres beruflichen und privaten Lebens begleitet. Und Sie haben es geschafft, uns wieder zusammen zu bringen, als wir uns so gut wie verloren hatten. Sie schrieben uns Briefe, die uns stark berührt haben und nun sind wir an der Reihe, Ihnen einen Brief zu schreiben. Er ist nicht voller Trauer, denn wir wissen, Sie haben Ihr Leben gelebt und genossen. Sie haben viel erlebt, haben viele unterschiedliche Leute kennengelernt. Haben geliebt und gehasst. Haben Ihrem Land gedient und sich um andere, die in Not waren, gekümmert. Sie waren stets geheimnisvoll, gerecht und positiv. Sie haben es verstanden, die Leute für sich einzunehmen und sie waren immer da, wie ein Schatten. Wir werden niemals verstehen, wie Sie es geschafft haben, immer dann aufzutauchen, wenn man es am wenigsten erwartet hat, aber genau das werden wir am meisten vermissen.

Wir möchten jeder nur ein paar Worte sagen. Und damit diese mit Ihnen in den Himmel hinauf steigen können, haben wir sie aufgeschrieben …“


Sie reichte den Brief an Callen, der ihn nahm und mit tränenerstickter Stimme las:

„… Du warst die Mutter, die ich nie hatte. Du warst immer für mich da. Du hast mich aufgelesen und mir ein Zuhause gegeben und dafür danke ich Dir.“

Der Brief wanderte weiter an Sam, der sich kurz mit der Hand über die Augen wischte, bevor er zu lesen begann.

„… Sie haben immer an mich geglaubt und mich in meiner schwersten Stunde unterstützt. Sie waren meine beste Freundin und ich hoffe Sie finden Ihren Frieden.“

Als nächstes war Eric an der Reihe. Der junge Mann rückte seine Brille zurecht und nahm den Brief.

„… Sie haben mir einiges zugetraut und mich immer ermuntert, so zu sein wie ich bin. Sie haben mir immer vertraut, genauso wie ich Ihnen und ich weiß, dass die Zentrale ohne Sie nicht mehr dieselbe sein wird.“

Er schluckte kurz und überließ den Brief dann Kensi, die die friedlich schlafende Charlotta auf dem Arm hatte. Ihre Worte waren mehr ein Flüstern, aber sie waren aufrichtig und gut.

„… Neben meinem Dad waren Sie immer diejenige, die mich angeleitet hat und die mir Sachen beigebracht hat, von denen ich nicht wusste, dass ich sie kann. Ich liebe Sie Hetty, für alles, was sie sind und immer für mich sein werden.“

Der nächste war Deeks. Er drückte seinen Sohn fest an sich und richtete sich auf.

„… ohne Sie wäre ich niemals dort gelandet, wo ich jetzt bin. Sie haben mich gerettet und aufgenommen, als keiner an mich geglaubt hat. Ich kann Ihnen niemals genug danken. Grüßen Sie mir den da oben.“

Eine einsame Träne stahl sich aus seinem Auge und lief seine Wange hinab. Er ließ sie fallen und gab den Brief an Anna. Die blonde Frau hatte rotverweinte Augen und strich sich nervös eine Strähne aus dem Gesicht. Dann begann sie zu lesen:

„… Hetty, meine Gönnerin. Sie hatten ein großes Herz. Ein großes Herz für gefallene Persönlichkeiten und eine große Weisheit durch das Leben, was Sie gelebt haben. Ruhen Sie in Frieden.“

Ein Schnaufen erklang in ihrem Rücken und wenig später wurde ihr der Brief aus der Hand genommen. Arkady rückte seine Krawatte zurecht und versuchte vergebens seinen Bauch einzuziehen.

„… verdammt Henrietta. Musste das sein? Sie hatten mir versprochen noch nicht zu sterben. Ich hätte noch einige Sachen mit Ihnen besprechen wollen. Doch Sie haben schon immer Ihren eigenen Kopf gehabt. Und dafür liebe ich Sie.“

Er schüttelte den grauhaarigen Kopf und drückte dann Nate den Brief in die Hand.

„… Sie haben immer gewusst, was jeder von uns brauchte, im richtigen Augenblick. Das ist eine große Kunst, die nicht einmal ein Psychologe immer beherrscht. Ich weiß, Sie sind am richtigen Ort, irgendwo da oben. Ich werde Sie vermissen.“

Nate schniefte kurz und gab dann den Brief zurück an Nell, die gerade dabei war, ihr Taschentuch wieder in ihrer Handtasche zu verstauen. Jetzt räusperte sie sich kurz und begann ihren Part zu lesen:

„… Sie waren meine Mentorin und meine Freundin. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie sehr Sie mir fehlen werden. Aber ich weiß, Sie haben nichts bereut. Schlafen Sie gut.“

Sie wartete einen Augenblick, bevor sie weiterlas.

„… Liebe Hetty,

Sie haben stets über uns gewacht und uns zusammen gehalten. Sie waren immer der Verschluss unserer Kette, der uns gehalten hat, wussten genau, wann sie sich öffnen mussten, um uns hinaus in die Welt zu lassen und wann es Zeit war, sich wieder zu schließen, um uns zurück zu holen. Sie gehörten zu uns, so wie wir alle zueinander gehören. Wir sind eine Familie und werden es immer sein. Wir geben diesen Brief in Ihr Grab. Möge er Sie in den Himmel begleiten und stets ein Zeichen unserer Ehrfurcht, unserer Dankbarkeit und unserer Liebe sein.
Machen Sie es gut Hetty.

In Liebe

Callen, Sam, Deeks, Kensi, Eric, Nell und Nate nebst Familien“



Nells Stimme brach und sie begann zu zittern. Eric legte einen Arm um sie herum und Callen nahm ihr den Brief ab. Er faltete ihn sorgfältig zusammen, bis er nur noch ein paar Quadratzentimeter groß war. Schließlich hockte er sich vor das geöffnete Grab und steckte den Brief hinein. Dann nahm er ein wenig Erde und ließ diese hinunter fallen. Dabei liefen ihm die Tränen übers Gesicht. Doch dies war okay. Die anderen warfen nun ebenfalls Erde auf Hetty’s Sarg und zum Schluss streute Nell einen Strauß Blumen hinein. Als sie sich umdrehte, stand Deeks hinter ihr und hielt ihr ein Glas entgegen. Er war unbemerkt zum Auto gelaufen und hatte eine Flasche Whiskey sowie Gläser geholt. Die Kinder hatten sie inzwischen in ihre Wagen gelegt und in den Schatten gestellt. Nun standen sie alle in einem Halbkreis und Deeks öffnete die Flasche, die Hetty irgendwann einmal bei einem Pokerspiel gewonnen hatte. Keiner konnte sagen, wie alt der Schnaps tatsächlich war, aber er war vermutlich ziemlich teuer und genau das Richtige für einen Abschied von Hetty. Als alle ein Glas in der Hand hielten, hoben sie diese nach oben und stießen an. Das Kristall klirrte leicht.
„Auf Sie, Hetty. Machen Sie es gut“, rief Deeks.
„Auf Hetty“, riefen die anderen im Chor und alle führten ihre Gläser zum Mund. Sie tranken jeder einen Schluck. Dann stellten sie die Gläser einer nach dem anderen auf den Grabstein und wandten sich um, verließen den Friedhof - und Hetty. Sie ließen sie in Frieden ruhen. Und sie waren sich ganz sicher, dass sie irgendwo da draußen war, ein Lächeln auf den Lippen, die Brille auf der Nase, in ihrem besten Anzug mit glattgekämmten Haaren und auf sie achtete, so wie sie das immer getan hatte. Die halbvollen Whiskeygläser glänzten in der Abendsonne und das Team machte sich auf den Weg zu Hetty‘s Haus, welches nun ihr eigenes war. Es war sicher dort und es war ein Stück von Hetty. Heute feierten sie ihr Leben und nicht ihren Tod.


ENDE
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