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Am Ende der Reise 2.0 - 3 Jahre später

von Julirot
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
G. Callen Henrietta "Hetty" Lange Kensi Blye Marty Deeks Sam Hanna
25.01.2019
18.06.2019
19
23.673
12
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Dieses Kapitel
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22.04.2019 1.475
 
Guten Morgen an alle meine treuen Leser,

ich melde mich zurück aus meiner Urlaubspause mit einem neuen Kapitel. Ich hoffe, es gefällt euch und ihr schreibt mir, ob ihr damit einverstanden seid.
Ich wünsche euch noch einen schönen Ostermontag. Genießt die Sonne.
Das nächste Kapitel ist leider noch nicht ganz fertig, da ich noch eine Person einbauen möchte, die ich ganz vergessen hatte. Danke an den lieben Tipp einer Leserin.

So und nun viel Spaß.

LG
Julirot

**************

Währenddessen


Anna



Sie öffnete langsam und leise die Tür einen Spalt und spähte ins Zimmer. Sie traute sich nicht, hineinzugehen, wusste sie doch nicht, was sie vorfinden würde. Doch sie musste nicht lange warten, denn eine ihr allzu vertraute Stimme, bat sie herein.
„Kommen Sie, meine Liebe. Ich beiße nicht.“ Anna grinste und öffnete die Tür etwas weiter. Sie hatte Klein-Hetty auf dem Arm und trat nun ins Zimmer. Das Kind blickte die kleine Frau fragend an und konnte sich offenbar nicht entscheiden, ob sie Hetty toll oder furchteinflößend finden sollte.
„Hetty, wir wollten Sie auch einmal besuchen“, rief Anna und schaute die ältere Dame freundlich an. Sie hätte erwartet, Hetty im Bett vorzufinden, aber dem war nicht so. Hetty saß, ein Buch auf dem Schoß, in ihrem Ohrensessel am Fenster und genoss die Sonne, die seitlich hereinfiel.
„Das ist lieb von Ihnen, Anna“, sagte Hetty und schaute dann auf ihre Namensfetterin. Henrietta begann zu weinen und drehte den Kopf zu ihrer Mutter. Anna strich ihr über den Kopf und hob entschuldigend die Schultern.
„Sie ist sonst nicht so, Hetty. Aber es ist alles ein bisschen viel.“
„Verstehe schon. Und ich bin ja auch nicht gerade ein gewohnter Anblick.“
„So, ist das nicht.“ Anna schaukelte das Kind hin und her und flüsterte ihr russische Kosenamen ins Ohr.
„Oh, machen Sie sich mal keine Gedanken. Das habe ich Ihnen schon immer gesagt, Anastacia. Sie machen sich zu viele Gedanken. Komm mal her, kleine Hetty. Weißt du eigentlich, dass du nach mir benannt bist?“ Hetty streckte die Arme nach dem Kind aus und Anna überließ sie ihr. Henrietta blickte zunächst irritiert, doch ziemlich schnell hatte sie vergessen, warum sie geweint hatte und dafür Hetty’s dunkle Brille entdeckt, die ihrem Gesicht etwas Fremdartiges verlieh. Sie griff danach und zog sie Hetty von der Nase. Die alte Frau ließ es geschehen, war die Brille doch mit einem Band festgemacht, das nun über ihre Brust hing. So konnte die Brille nicht hinunter fallen. Henriettas kleine Hände hielten die Brille fest und das kleine Mädchen drehte sie fasziniert hin und her. Anna schaute Hetty erstaunt an und diese drückte das Kind an sich. Dann deutete sie auf ihr Bett und nickte Anna zu, die sich daraufhin schüchtern auf die Kante setzte.
„Ich bedaure es manchmal, keine Kinder bekommen zu haben“, sagte Hetty plötzlich und Anna hob erstaunt den Kopf. Nie im Leben hätte sie mit solch einem Gespräch gerechnet. Leise sagte sie:
„Ich konnte es mir nie vorstellen, welche zu bekommen, bis Henrietta da war. Es hat mich überrascht, aber als ich Callens Blick gesehen habe, da wusste ich, es war vorherbestimmt.“ Hetty nickte wissend.
„Das Leben beschert einem, was es für einen bereitgehalten hat.“
„Und doch können wir eine ganze Menge selbst entscheiden“, sagte Anna.
„Ja, das ist wohl war. Aber manchmal ist das Leben einfach so. Manchmal passt so etwas nicht hinein und dennoch, hätte ich es gerne gehabt. Hätte gerne gespürt, wie etwas in mir heranwächst, wie ich es auf die Welt bringe, wie ich es lieben und beschützen kann und wie es mich liebt.“
„Warum haben Sie es nie gewagt?“ Hetty seufzte und streichelte Henriettas Wange, während sie nachdenklich auf ihre Hand schaute.
„Ich hatte meinen Beruf und dieser war in den früheren Zeiten noch weitaus schwieriger mit einer Familie zu kombinieren, als das jetzt vielleicht der Fall ist. Und irgendwie habe ich auch nie den richtigen Vater gefunden.“
„Ich verstehe.“
„Das heißt aber nicht, dass ich keine Mutterfreuden genießen durfte.“ Hetty richtete sich wieder auf.
„Sie meinen Callen?“, fragte Anna nach.
„Callen, Hunter und alle anderen aus dem Team.“ Hetty blickte verträumt in die Ferne und gedachte vor allem der Menschen, die nicht mehr da waren.
„Das haben Sie wirklich gut gemacht, Hetty“, flüsterte Anna und wusste nicht, warum sie plötzlich so sentimental wurde. Die kleine Henrietta war inzwischen auf Hettys Schoß eingeschlafen und Hetty strahlte übers ganze Gesicht.
„Passen Sie mir gut auf ihn auf, ja“, flüsterte Hetty.
„Mach ich“, versprach Anna und stand auf, nahm Hetty das schlafende Kind aus dem Arm und drückte der alten Dame einen Kuss auf die Wange.
„Und danke für alles, Henrietta Lange.“ Hetty nickte und schaute Anna hinterher, die so langsam, wie sie gekommen war, den Raum auch wieder verließ. Als Anna gegangen war, erhob sie sich und ging zum Bett, schlug die Decke beiseite und ließ sich hineinfallen. Sie seufzte und legte sich hin. Sie war müde. Das Reden hatte sie angestrengt und sie hatte vor ein kleines bisschen ausruhen, doch da klopfte es schon wieder an ihre Tür.



Arkady


„Hach, Henrietta“, stöhnte Arkady und ließ sich schwerfällig in den braunen Ohrensessel fallen, der in der Ecke von Hetty’s Schlafzimmer stand.
„Ruinieren Sie mir nicht meinen Sesselschoner, Arkady“, mahnte Hetty und setzte sich aufrecht hin, zog sich ihr Kissen zurecht und lehnte sich gegen die Wand.
„Ich wusste, dass Sie noch nicht tot sind, Hetty“, knurrte der alte Russe und streckte die Beine aus, wobei seine Knie eigenartig knackten.
„Sie aber auch noch nicht, Arkady“, spielte sie das Spielchen weiter mit. Die Hände hatte sie ganz ruhig über der Bettdecke gefaltet und ihre Stirn war so zerfurcht wie eh und je, ihre Miene unergründlich.
„Das ist ein Wunder, nicht wahr?“ Arkady streckte sich umständlich und zupfte dann an seinem grauen Jackett herum.
„Ja, in der Tat“, bestätigte Hetty und man konnte nicht erkennen, ob sie sich freute, ihn zu sehen oder nicht.
„Was haben Sie so getrieben, die letzten Jahre?“, fragte er mit einem Mal und beugte sich nach vorne, um sie besser ansehen zu können.
„Och, dies und das“, meinte Hetty. „Und Sie?“
„Naja, das und dies“, entgegnete er. Sie schauten sich an und mit einem Male, mussten sie tatsächlich lachen. Es war das Lachen von alten Leuten, die das Leben kannten. Die wussten, was Gefahr bedeutet, was Freude und was Leid war. Die die Liebe kennengelernt hatten und die Verluste kannten. Es war ein wissendes Lachen. Das Wissen des Lebens. Eines langen, ereignisreichen Lebens.
„Keine Waffengeschäfte mehr, Arkady?“, erkundigte sich Hetty mit einem Male unverfänglich.
„Ähm … nur hin und wieder“, sagte Arkady. „Man muss ja schließlich von was leben, nicht wahr?“ Er zuckte mit den Schultern und sein doch mittlerweile beachtlicher Bauch schwang bei seinem Lachen hin und her.
„Sie alter Schurke“, Hetty zwinkerte ihm zu.
„Und Sie, Henrietta? Sich in die Dinge eingemischt?“
„Nur hin und wieder.“ Sie hob eine Braue und er nickte wissend.
„Genau wie diese Mal, nicht wahr?“
„Ich weiß nicht, wovon Sie reden, Arkady Kolcheck. Ich tue nur meine Pflicht. Wie immer.“ Sie hatte sich nun vollständig aufgesetzt und schaute ihn an. Er stand auf und bückte sich, zog den Sesselschoner glatt und stopfte die Ecken fest. Als er der Meinung war, dass dieser nun wieder akkurat lag, drehte er sich zu Hetty um, die mittlerweile ihre Beine über die Bettkante geschwungen hatte. Es wunderte ihn nicht, dass sie vollständig bekleidet war und einen ihrer maßgeschneiderten braunen Anzüge trug. Langsam trat er auf sie zu und hielt ihr schließlich seine Hand entgegen. Er zitterte leicht, was Hetty auf sein Alter schob.
„Kommen Sie, Hetty“, forderte er sie schließlich auf.
„Wohin?“, fragte sie und er griff nach ihrer Hand.
„Sie haben eine Familie da unten. Die können Sie nicht einfach im Stich lassen.“ Hetty schaute ihn an. Schließlich nickte sie und ließ sich von ihm auf die Beine helfen.
„Ich bin alt, aber ich bin noch nicht senil, Arkady.“
„Hab ich auch nicht behauptet. Draußen scheint die Sonne“, sagte er Unnötigererweise, denn das Zimmer war von ihr durchzogen.
„Ich sehe sie“, entgegnete Hetty und hakte sich bei Arkady unter. Dieser griff nach ihrer Hand und führte sie zur Tür.
„Sie haben mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt, Henrietta“, murmelte er und räusperte sich leicht.
„Ich wusste nicht, dass man Sie erschrecken kann.“ Sie liefen langsam zur Tür hinaus und auf die Treppe zu.
„Och, hin und wieder. Aber mal ehrlich, Hetty. Sie werden doch nicht sterben wollen, bevor Sie dieses leckere Mahl dort unten genossen haben. Sam hat sich mächtig ins Zeug gelegt.“ Er schaute sie an und sie blickte zu ihm auf. Dann schüttelte sie den Kopf und verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen, welches so typisch für sie war.
„Ich hatte es nicht vor“, rief sie und zog ihn mit sich. Sie humpelten die Treppe hinunter in ihren geliebten Garten. Ein ungleiches, aber irgendwie auch gleichartiges Gespann.
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