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Am Ende der Reise 2.0 - 3 Jahre später

von Julirot
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
G. Callen Henrietta "Hetty" Lange Kensi Blye Marty Deeks Sam Hanna
25.01.2019
18.06.2019
19
23.673
12
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Guten Abend,

jetzt wird es etwas tränenreicher. Ich hoffe, es gefällt euch trotzdem.
Eine schöne Woche noch.
LG
Julirot

************

So einige Abschiede


Callen

Er stand am Fenster und schaute hinaus. Sie hatte die Augen geschlossen und doch wusste er, dass sie ihn beobachtete. Auf ihre eigene Art.
„Warum machen Sie das, Hetty?“, flüsterte er schließlich und drehte sich zu ihr herum.
„Was genau meinen Sie, Mr. Callen?“, fragte sie und öffnete endlich die Augen.
„Ich meine das hier.“ Er deutete um sich herum und seine Augen funkelten wütend.
„Ich bringe Sie alle wieder zusammen.“
„Schön“, murrte er und trat einen Schritt näher.
„Ich weiß, dass Ihnen das nicht gefällt, aber …“
„Ich hasse Abschiede“, rief er und sie konnte seine zornigen Tränen in seinen blauen Augen glitzern sehen.
„Ich auch.“
„Warum dann dieses ganze Theater. Konnten Sie nicht einfach sterben, wie jeder normale Mensch auch, ohne viel Tamtam, Hetty?“ Sie lachte auf und er holte tief Luft, schaute sie nun ein wenig milder gestimmt an. Seine Wut verrauchte allmählich und an ihre Stelle rückte die Liebe. Diese tiefen Gefühle, die er für sie entwickelt hatte, seit sie ihn auf der Straße aufgelesen hatte. Damals vor vielen, vielen Jahren.
„Kommen Sie zu mir, Mr. Callen und setzen Sie sich.“ Sie klopfte leicht auf die Bettkante und Callen nahm platz. Sie griff nach seiner Hand und drückte sie einmal, bevor sie zu sprechen begann.
„Es ist nicht so einfach. Ich bin dafür bekannt, außergewöhnlich zu sein.“
„Wohl wahr“, murmelte er.
„Hören Sie zu. Ich weiß, auch wenn es schwerfällt, meine Zeit ist gekommen. Ich freue mich, dass Sie hier sind und dass Sie ihre Familie mitgebracht haben. Ich bin so froh, dass Sie endlich eine eigene Familie gefunden haben. Das beruhigt mich ungemein und ich kann mit einem erleichterten Seufzer von dieser Erde verschwinden …“
„Hetty …“ Sie hob die Hand und er schwieg. Dann wechselte sie abrupt das Thema.
„Sie werden doch meinen Posten übernehmen, oder Mr. Callen?“
„Ja … ich … ja Hetty, werde ich.“
„Gut“, sagte sie nur und tätschelte seinen Arm.
„Und nun?“, fragte er und schaute sie an, versuchte sich ihre Züge einzuprägen und den Schmerz zu verbannen. Sie lächelte.
„Nun möchte ich, dass du wieder zu den anderen gehst und den Tag genießt, Grisha.“ Perplex hob er eine Braue. Sie hatte ihm das Du angeboten. Sie hatten die Ebene gewechselt, waren in einen vertraulicheren Modus gesprungen und es berührte sein Herz. Langsam beugte er sich zu ihr hinunter und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Dann stand er auf und lächelte ihr noch einmal zu.
„Ich danke dir, Hetty“, waren seine letzten Worte, bevor er den Raum verließ.


Sam

„Sie haben sich kein Stück verändert, Sam“, sagte Hetty und blickte Sam in die braunen Augen.
„Sie auch nicht“, entgegnete Sam und zog sich einen Stuhl heran, um sich neben sie ans Bett zu setzen.
„Charmant wie immer“, meinte sie und hustete ein wenig. Sam hob eine Braue, doch sie winkte nur ab.
„Es geht schon wieder.“
„Ich weiß, was Sie hier machen, Hetty“, sagte er und sein Blick war, wie immer undurchdringlich, allwissend und freundlich.
„Sie wissen eine ganze Menge, Sam.“
„Ja, sieht wohl so aus.“
„Werden Sie auf die anderen aufpassen?“, fragte sie ihn plötzlich und Sam nickte sacht.
„So, wie ich es schon immer getan habe, Hetty. Es wäre mir zwar lieber, Sie hätten ebenfalls ein Auge auf sie alle, aber ich weiß, dass Sie nicht ewig da sein werden.“
„Ach, Sie schaffen das schon.“
„Ich gebe mir Mühe.“
„Und als allererstes müssen Sie sich um das leibliche Wohl heute kümmern. Ich kann das leider nicht mehr.“
„Das ist eine meiner leichtesten Übungen, Hetty.“
„Ich weiß.“ Sie lächelte ihn an, bevor sie fortfuhr:
„Und nun kommen Sie her, Sam, ich will Sie noch einmal umarmen.“ Sie breitete die Arme aus und Sam drückte die kleine Frau an sich. Sie wirkte noch kleiner als sonst und versank fast an seiner großen Schulter, aber es tat gut, sie noch einmal zu berühren.


Kensi

„Sie werden doch noch auf meiner Hochzeit tanzen, oder Hetty?“, fragte Kensi und schaute Hetty mit ernstem Blick an.
„Aber natürlich“, entgegnete Hetty und Kensi wusste, dass es wahrscheinlich gelogen war. Aber sie war froh darüber, dass Hetty mit keinem Wort erwähnte, warum sie eigentlich hier waren. Sie hätte es nicht ertragen. Die Illusion noch ein klein wenig aufrecht zu erhalten, tat ihr gut. Sie hasste Abschiede und das wusste auch Hetty.
„Ich wollte noch einmal Danke sagen“, meinte Kensi dann.
„Danken Sie mir nicht“, entgegnete Hetty.
„Doch, ich muss. Sie haben so viel für uns, für mich getan. Danke.“
„Bleiben Sie einfach so, wie Sie sind Kensi. Eine starke Frau. Dann wird alles andere schon werden. Und nehmen Sie das an, was andere Ihnen geben wollen. Seien Sie nicht so bescheiden.“
„Ich werde es mir hinter die Ohren schreiben“, sagte Kensi grinsend und Hetty nickte. Sie wirkte müde und Kensi hatte das Gefühl, sie nicht länger stören zu können. Also trat sie ans Bett und beugte sich zu der alten Frau hinunter. Sie küsste ihre faltige Wange und mit einem Lächeln drehte sie sich um, um das Zimmer zu verlassen.


Deeks

Er konnte nicht anders. Es berührte sein Herz, sie so zu sehen, obwohl sie ja nur seine ehemalige Chefin war. Sie wirkte klein in diesem riesigen Bett und es schnürte ihm die Kehle zu. Sie war immer seine Stütze gewesen, hatte ihm geholfen, als es sonst niemand tun wollte und nun sollte es das gewesen sein?
„Machen Sie nicht so ein dummes Gesicht, Mr. Deeks.“ Er schaute hoch und konnte gerade noch die einzelne Träne, die ihm plötzlich aus dem rechten Auge entwischte, auffangen, bevor sie seine Wange berühren konnte.
„Hetty“, flüsterte er und räusperte sich dann, strich sie die Haare aus der Stirn und schaute sie an.
„Kommen Sie her! Setzen Sie sich!“, forderte sie ihn auf und er nahm neben ihrem Bett platz und schaute sie erwartungsvoll an.
„Erzählen Sie mir von Ihren Kindern, Mr. Deeks.“ Überrascht blickte er sie an. Doch dann dämmerte ihm, was sie vorhatte. Sie wollte ihn ablenken und grinsend begann er von Charlotte und Donald zu berichten. Vom ersten Streifen auf dem Schwangerschaftstest, über die dramatische Geburt bis hin zu jedem neuen Schritt, jedem Lächeln und jedem Wehwehchen, was ihm so einfiel. Irgendwann hatte er das Gefühl, genug erzählt zu haben. Hetty lag schon eine ganze Weile still und rührte sich nicht. Also stand er auf und drückte sanft ihre Hand. Dann ging er zur Tür und öffnete diese, hielt sich jedoch an der Klinke fest und flüsterte ein kurzes Danke in Hetty’s Richtung. Dann trat er hinaus auf den Flur und übergab den Staffelstab an Nell.


Nell

„Danke, meine Liebe“, flüsterte Hetty und lächelte Nell an.
„Wofür?“, fragte die junge Frau zurück.
„Für alles. Dafür, dass Sie mir helfen, dass Sie immer da sind, meine Wünsche respektierten und dass Sie eben so sind, wie Sie sind, Nell.“
„Ich habe zu danken, Hetty.“ Nell versuchte ihre Gefühle in den Griff zu bekommen, aber es gelang ihr nicht. Ihr Gesicht war ein offenes Buch. Ein trauriges Buch, in diesem Moment. Die ältere Frau machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Nein Nell. Es ist alles ok, so wie es ist.“
„Wirklich?“, fragte Nell und schniefte.
„Aber ja. Zweifeln Sie nie an sich selbst, Nell. Und nun … Kommen Sie her.“ Hetty breitete die Arme aus und Nell kam auf Hetty zu, setzte sich aufs Bett und legte dann ihren Kopf gegen Hettys Schulter. Sie hüllte sich in dieser Umarmung ein und die Tränen konnten endlich fließen. Alles, was sie die letzten Tage zurückgehalten hatte, brach mit einem Mal hervor und es tat gut, die Frau, die wie eine Mutter für sie war, noch einmal spüren zu können.


Eric

„Sie haben sie zum Weinen gebracht“, flüsterte Eric und legte die Hände auf das Gestell am Ende des Bettes.
„Ich weiß, Mr. Beal. Aber Weinen ist manchmal gut.“
„Ich kann sie nicht weinen sehen.“
„Ich weiß.“
„Was wissen Sie noch über uns?“, erkundigte sich der junge Mann schüchtern.
„Eine Menge.“ Eric rückte seine Brille zurecht und schaute Hetty an.
„Es ist alles okay. Sie müssen sich nicht verstecken, Mr. Beal. Ab sofort sind Sie für sie verantwortlich und ich gebe Ihnen meinen Segen.“
„Danke, Hetty. Ich werde auf sie aufpassen, das verspreche ich.“
„Das ist gut. Und nun gehen Sie zu den anderen. Dies ist eine Party.“ Sie lächelte ihn aufmunternd an und der junge Mann verließ eilig das Zimmer.


Hetty

Ich fühle mich ausgelaugt und schwach. Das ist ein ganz neues Gefühl für mich. Sie alle zu sehen, hat mich gefreut und gleichzeitig traurig gestimmt. Es sind schon so viele aus meinem Leben gegangen. Freunde, Verwandte – Leute, die ich alle geliebt habe. Und nun werde ich gehen. Mein Herz wird schwächer, mein Körper auch. Mich aufzurichten, fällt mir immer schwerer und ich weiß, dass ich mein Leben gelebt habe. Ich bin weit über 70 Jahre alt und habe viel gesehen, viel erlebt. Gutes und Schlechtes. Und ich bereue keinen einzigen Tag …


Fortsetzung folgt ...


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