Einer von 36 Millionen

von Quesa
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18 Slash
25.01.2019
12.02.2019
2
2797
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
Nate fühlte sich wie gerädert, als er von der ziemlich nervigen Weckmelodie aus dem Schlaf geholt wurde. Nicht sein eigener Wecker, aber das war nichts Außergewöhnliches, wenn man an Auswährtsfahrten und Hotelübernachtungen im Doppelzimmer gewöhnt war. Leider schien seinen Zimmernachbarn die eiserne Doppelzimmer-Regel, den Wecker so schnell wie möglich auszumachen (und nicht snoozen!) nicht zu kümmern. Nate stöhnte. “Mach den Scheiß aus!”

Nichts geschah. Sein Zimmernachbar hielt anscheinend Winterschlaf. Wer war es überhaupt… Tyson? Irgendwie hatte Nate Probleme, sich an den letzten Abend zu erinnern. In welcher Stadt waren sie eigentlich? Nate drehte sich in Richtung des Weckers um und sah verwundert, dass das Handy, mit heller Displaybeleuchtung, neben seinem eigenen Bett auf einem Nachttisch lag. Was zur Hölle?

Er schaltete den Wecker aus und die Nachttischlampe an, und sah sich um. Er war nicht in einem Hotelzimmer. Er war eindeutig in einem privaten Schlafzimmer, und zwar in dem eines – oder einer? Fremden. Er lag in einem großen Bett mit einem Berg Decken und Kissen, aber es gab kein Anzeichen dafür, dass eine zweite Person mit ihm im Bett gelegen hatte. Okay, er musste sofort herausfinden, wo er war.

Er sprang aus dem Bett und taumelte einen Schritt nach vorne. Irgendwas war falsch… sein Körper fühlte sich anders an, irgendwie wie aus der Balance geraten. Er war sich plötzlich nicht sicher, ob er sich vielleicht übergeben musste, und stürzte durch eine Tür, die zum Glück wie er es ewartet hatte, in ein angeschlossenes Badezimmer führte. Er tastete verzweifelt nach dem Lichtschalter und stolperte dann auf die Toilette zu.

Für einige Sekunden stand er schwer atmend vornübergebeugt auf den kalten Fliesen vor der Toilette, bis die Übelkeit zurückgegangen war.

‘Füße’, dachte er plötzlich, er und sah erneut nach unten. ‘Was ist mit meinen Füßen passiert?’ Und erst in diesem Moment fiel ihm auf, dass er seine eigenen Haare sehen konnte. Lang und… braun?? Er riss den Kopf hoch und sein Blick suchte den Spiegel über dem Waschbecken.

“Oh. Mein. Gott.”, kam es aus seinem Mund – und zurück von Jos Spiegelbild. Jos braune Augen waren erschrocken aufgerissen. Fasziniert strich er sich über das Gesicht und die Haare. “Das kann doch nicht sein.”

Er atmete bewusst ein paar Mal tief ein und aus, und lehnte sich dann an die glatten, kühlen Wandfliesen. Jos Körper. In Ordnung. Wenn er es unter der Prämisse betrachtete, dass spontaner Körpertausch etwas war, das auf der Welt möglich war, dann gab es definitiv Schlimmeres als Jos Körper.

Das allerdings nur unter Voraussetzung dass derzeit Jo, dem er alles anvertrauen würde, nicht einmal als Letztes seinen Körper, auch derjenige war, der sich gerade in diesem befand. Mist. Das sollte er wahrscheinlich zuallererst herausfinden.

Er ging zurück ins Schlafzimmer. Er kannte zwar die Wohnung nicht, doch wenn es Jos war, dann musste auch Jos Handy auf dem Nachttisch liegen, wo Nates Nummer eingespeichert war, und er konnte damit sein eigenes Handy anrufen, in dessen Nähe sich hoffentlich Jo befand.

Er entsperrte das Handy mit einem Fingerabdruck, und fand wie erwartet seinen eigenen Kontakt unter den aktuellsten Nachrichten.


[de: Nate, mercredi, 21:47]
N8


Er atmete noch einmal durch und drückte dann den Anrufknopf.

“Hein?”, kam es verschlafen vom anderen Ende der Leitung. Dann ein Räuspern, das zu Husten wurde. “Quoi….?” “Jo, ich bin’s. Nate.” Es war einige Sekunden still, bis Nate erneut seine eigene Stimme aus dem Telefon vernahm. “Nate? Was… wo bin ich?” “Jo, hör zu. Steh ganz langsam auf, geh ins Badezimmer und guck in den Spiegel.” Decken raschelten, und Jo räusperte sich erneut. “Was… Nate...” Dann brach er ab.

Crisse de câlisse!” Normalerweise hätte Nate über den quebecer Fluchschwall gelächelt, doch in diesem Augenblick konnte er selbst dafür nicht gerade genug denken. “Jo, sag mir was du siehst!” Nate hörte Jo schwer ins Telefon atmen, bevor er langsam und ruhig sagte: “Dich.” Nate ließ sich rückwärts auf Jos Matratze fallen. “Gott sei Dank.”

“Was…”, fragte Jo erneut. “Ist das echt? Nate, was ist los?” Nate zuckte unnötigerweise mit den Schultern. “Ich habe doch auch keine Ahnung. Ich bin gerade von deinem Wecker aufgewacht, bin ins Bad gerannt, hätte fast gekotzt weil sich alles so…”, er überlegte, “schief angefühlt hat, und habe dann dich im Spiegel gesehen. Und dann habe ich angerufen.”

Tabernak. Ist das ein Fluch? Oder ein Streich?”

Nate seufzte. “Ich frage mich eher, was wir jetzt machen sollen. Es ist mitten in der Saison. Wir haben doch jetzt keine Zeit, irgendwelche Indianerzauberer zu besuchen um das rückgängig machen zu lassen! Wir spielen morgen Abend! Mist! Spielt ihr heute Abend?” Er war von Satz zu Satz lauter geworden.

“Ah, tabernak, Nathan! Ich denke nicht direkt ans nächste Spiel, wenn ich mit jemandem den verdammten Körper tausche!” Nate verzog das Gesicht. “Mist, sorry, ich glaube, das ist eine Verdrängungstaktik. Aber im Ernst, was machen wir jetzt? Bei unseren Trainern abmelden, oder das Programm mitmachen? Ich weiß nichtmal, wie ich von hier in euer Trainingszentrum komme! Oder müssen wir am selben Ort sein, um zurückzutauschen? Dann müsste einer von uns...” “Sei still, Nate, du störst mich beim Denken.”

Nate schloss den Mund – und die Augen gleich mit dazu.

“Okay”, sagte Jo schließlich, nach einigen Sekunden Stille. “Um deine Frage zu beantworten: Ja, wir spielen heute Abend.” “Fuck!”, entfuhr es Nate. “Wir haben ein freiwilliges Training um zehn. Ich würde vorschlagen, du lässt dich von jemandem zum Training abholen und läufst einfach hinterher. Und wenn du auf dem Eis stehst, weißt du sowieso, was zu tun ist.”

Nate seufzte. “Das klappt doch nie.” “Hm… okay, also: Du lässt dich von jemandem zum Training abholen und weihst die Person auf der Fahrt ein?” “Das ist die unglaubwürdigste Geschichte ever, Jo. Wie soll ich das denn bitte beweisen?” “Crisse! Muss ich hier jetzt das ganze Denken für dich übernehmen? Keine Ahnung, Mann. Aber wenn alles schiefläuft, lässt du ihn hier anrufen und ich überzeuge ihn auf Französisch… schätze ich mal?”

Nate stimmte zögernd zu.

“Du kennst die Jungs besser als ich, du entscheidest, wer mich am besten abholt, okay? Oh, warte, außer Andrew Shaw. Nur über meine Leiche setze ich mich allein in ein Auto mit Andrew Shaw und erzähle ihm persönliche Dinge.” Jo kicherte, und Nate weigerte sich, zu glauben, dass seine Stimme für andere Menschen wirklich so bescheuert klang.

“Komm schon, Shawzy ist eine guter Kerl, wenns drauf ankommt. Außerdem ist er unser offizieller Gleichberechtigungs-Beauftragter.” “Auf. Keinen. Fall.” “Okay, ich dachte sowieso, dass es besser wäre, zuerst mit einem der Franzosen allein zu reden. Die wissen eh sofort, dass was nicht stimmt, bei deinem furchtbaren Französisch.” “Hey!”, protestierte Nate.

“Tims-Werbung, Nate. Muss ich mehr sagen?” “Hmpf, das war Sid!”, protestierte Nate halbherzig. Jo hatte trotzdem recht.

“Jaja. Wie auch immer, wir haben Wichtigeres auf dem Zettel. Wäre Philip Danault in Ordnung?”

Nate versuchte mit Mühe, sich das passende Gesicht in Erinnerung zu rufen. “Ja, wenn du willst. Soll ich  ihn einfach fragen, ob er mich zum Training abholt?” “Warte… ich schicke dir eine französische Nachricht, und du leitest sie einfach an ihn weiter, okay? Dann kannst du erklären, wenn er da ist.”

“Gut...”, sagte Nate. Er spürte, wie sich bereits leichte Kopfschmerzen hinter seiner Stirn einnisteten. Es würde ein langer, langer Tag werden, und wahrscheinlich würde er nicht weniger seltsam weitergehen, als er angefangen hatte.

“Jetzt müssen wir nurnoch überlegen, was du machen musst, um mir in Denver den Arsch zu retten, damit nicht morgen auf ESPN steht ‘Avalanche-Assistenzkapitän verliert den Verstand’, oder so.” Jo lachte. “Wir werden schon sehen, über wen ESPN das schreibt.”


--------------------------

[à: Phil Danault, jeudi, 07:26]
Viens me chercher avant l’entraînement svp? J’ai qc á te dire.*

[de: Phil Danault, jeudi, 07:29]
Bien**


-----------------------------------------------------------------------------------------
* Hol mich vor den Training ab, bitte? Ich muss mit dir reden.
** Gut




A/N: Die erwähnte Tim Horton's-Werbung auf Englisch und auf Französisch
Review schreiben