Einer von 36 Millionen

von Quesa
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18 Slash
25.01.2019
12.02.2019
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Januar  2019

[von: Jo, Mittwoch, 16:02]
Alter, Domi zwingt mich, mit ihm Shoppen zu gehen. Zum zweiten Mal diesen Monat. Ich habe ja nichts gegen Sneaker, aber wenn ich noch mal 3 Stunden warten muss bis er sich für ein paar Schuhe entschieden hat…

[an: Jo, Mittwoch, 16:10]
Spiel in der Zwischenzeit mit seinem Hund.

[von: Jo, Mittwoch, 16:10]
Assistenzhunde sind keine Kuscheltiere, Nate

[an: Jo, Mittwoch, 16:11]
:(


“Erde an MacKinnon, du hast noch genau 5 Sekunden Zeit, bis ich ohne dich losfahre.”

Nate hob den Kopf und sah in Richtung der Tür, wo Tyson Barrie mit seinem Autoschlüssel in der Hand und einer Sporttasche über der Schulter an die Wand gelehnt war und ihn fragend ansah. “Na?”, sagte er, als Nate ihn Sekunden später noch immer nur mit leerem Blick ansah.

Erst jetzt fiel ihm auf, dass die Kabine mittlerweile beinahe leer war; nur ein paar Mannschaftskameraden, die Physiotherapie  oder andere Sondertermine hatten, waren noch nicht auf dem Weg nachhause. “Ups, sorry.” Tyson lachte.

“Wie geht es Schatzi?”, fragte Tyson, als sie auf dem Weg in die Parkgarage waren, in der Tysons SUV stand, mit dem er Nate am Morgen abgeholt hatte. “Schatzi?”, fragte Nate abwesend. Er hatte keine Ahnung, wovon Tyson redete; er hatte keine Freundin, keine Haustiere und sowieso noch nie im Leben jemanden unironisch “Schatzi” genannt.

“Du hast doch gerade mit Drouin geschrieben, oder? Wie geht’s ihm?” Nate runzelte die Stirn, als er ins Auto stieg. “Wie gut die Saison für die Canadiens läuft, weißt du genau so gut wie ich. Die Playoffs sind so was von sicher.”

“Das beantwortet aber nicht meine Frage”, warf Tyson schmunzelnd ein. “Eh, Jo hat vorgestern im Training einen Schlagschuss von Webby geblockt.” Tyson gab einen jammernden Laut von sich, allein bei dem Gedanken daran, und sagte ohne jegliche Ironie, “Ugh… der Arme.”

“Ja, aber der Schienbeinschoner hat das Schlimmste abgefangen. Heute hat er rumgeheult, dass er mit Max Domi shoppen gehen muss.” “Ach, der Arme!”, rief Tyson erneut, diesmal jedoch mit Ironie in der Stimme. “Hat Domi nicht seinen Hund dabei?”

“Orion ist kein Kuscheltier, Tys”, sagte Nate kopfschüttelnd, als hätte er nicht gerade eben den selben Vorschlag gemacht, aber das musste Tyson ja nicht wissen.

“Aber warum nennst du Jo plötzlich Schatzi? Hab ich was verpasst?” Tyson lachte. “Wenn du was verpasst hast, dann die Existenz deiner eigenen langjährigen Fernbeziehung.” Nate schüttelte den Kopf. “Ich versuche einfach nicht, dich zu verstehen. Es klappt sowieso nicht.”

Tyson bog in Nate’s Auffahrt ein, brachte das Auto zum stehen und stellte den Schalthebel in die Parkposition, bevor er Nate mit hochgezogenen Augenbrauen ansah. “Alles klar… ich hole dich morgen um halb neun ab, grüß Dru später von mir.” Nate starrte ihn an. “Was reitest du da heute so drauf rum?” Er öffnete die Tür. “Ja, morgen halb neun, und grüß Jo selbst, du hast seine Nummer.” Damit stieg er aus und lief zu seinem Haus, ohne sich umzudrehen.

Nate machte sich einen ruhigen Abend, aß Gemüseauflauf, telefonierte mit seiner Mutter, und sah zu, wie die Blackhawks unerwarteterweise, durch einen Hattrick von Jonathan Toews, die Capitals schlugen.


[an: Jo, Mittwoch, 21:43]
Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Tazer her.

[von: Jo, Mittwoch, 21:45]
Nate, hier ist es zwei Stunden später als bei dir, lern es endlich. Soll ich Coach morgen erzählen, dass ich eine grottenschlechte Leistung bringe, weil du mich mit Gedichten wachgehalten hast?

[an: Jo, Mittwoch, 21:46]
Mist, tut mir leid :(

[von: Jo, Mittwoch, 21:47]
War ein Witz ;) Naja, so halb. Mega Hatty von Toews, ich weiß. Aber muss jetzt echt schlafen. Gute Nacht, Nate.

[an: Jo, Mittwoch, 21:47]
N8


Nate seufzte, steckte sein Handy in die Hosentasche und schaltete den Fernseher aus. Es war fast sechs Jahr her, dass Jo und er mit der Schule fertig geworden und von zwei verschiedenen NHL-Teams gedraftet worden waren. Und noch immer galt sein erster und sein letzter Gedanke des Tages – und die erste und letzte Textnachricht des Tages – Jo.

Eigentlich hatte Tyson recht mit der Fernbeziehungs-Sache. Naja. Abgesehen davon, dass sie noch nie miteinander geschlafen hatten. Und das auch nie passieren würde, auch wenn Nate nicht selten davon träumte. Träumte – im wahrsten Sinne des Wortes. Manchmal wachte er auf, mit einer massiven Latte und Jos Namen auf den Lippen, und er schickte Stoßgebete, dass er niemals tatsächlich im Schlaf von ihm sprach, wenn er bei Auswärtsspielen mit Tyson oder einem anderen Mannschaftskameraden ein Hotelzimmer teilte.

Das war ein Geheimnis, das niemals ans Licht kommen würde. Jo auf diese Weise zu verlieren, war undenkbar für ihn. Und so versuchte er, sich andere Bilder vor Augen zu halten, wenn er sich einen runterholte, als Jo, frisch geduscht nach dem Training auf dem Beifahrersitz von Nates Auto in Halifax. Oder Jo auf dem Eis, im Sprint allein auf den gegnerischen Torwart zu. Oder Jo, im Anzug an einem Spieltag. Oder Jo… verdammt. Er musste es einfach leise machen, wenn er seine Gefühle schon nicht ganz unterdrücken konnte.

Nate putzte sich die Zähne zuende und stellte seinen Wecker auf viertel vor acht, bevor er sich hinlegte. Morgen würde das Problem sich schon nicht mehr so akut anfühlen, wenn Tyson bereits wieder vergessen hatte, ihn mit seiner angeblichen Fernbeziehung aufzuziehen, und sich neues Material einfallen ließ, um Nate zu nerven. Ein Stolpern auf dem Eis, ein dummer Gesichtsausdruck  in einem Video-Interview… irgendwas war ja immer. Und alles war besser als die Möglichkeit, dass Nate sich doch irgendwann verriet wenn Tyson der Wahrheit zu nahe kam.

Nein, das würde nicht passieren.




30. Juni 2013

“Die Colorado Avalanche wählt mit Stolz an erster Stelle von den Halifax Mooseheads: Nathan MacKinnon!”


“Mit der dritten Wahl nimmt Tampa aus Halifax: Jonathan Drouin!”


Und schon trennen sie 2.448 Kilometer Luftlinie und zwei Zeitzonengrenzen.
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