Minnekönig oder der verzauberte Kôji

GeschichteHumor, Parodie / P12 Slash
Katsumi Shibuya Koji Nanjo Takuto Izumi
22.01.2019
22.01.2019
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Minnekönig oder der verzauberte Kôji
eine Zetsu Ai - FunFiction ^.~
von Lady-Shanaee


Es war ungewöhnlich, dass Kôji und Izumi zur gleichen Zeit krank mit einer Grippe das Bett hüten mussten, aber der Fußballfanatiker hatte es sich am gestrigen Tag nicht nehmen lassen, trotz heftigen Regens noch drei Stunden auf dem Sportplatz zu trainieren. Kôji hatte ihn dabei fasziniert – und natürlich ohne Schirm, denn er war ja nicht aus Zucker – beobachtet.

Nun war der platinblonde Sänger heiser und hatte erhöhte Temperatur, so dass „Dr. Shibuya“ ihm Bettruhe verordnen musste. Izumi wäre auch mit 38,5°C noch Fußball spielen gegangen und so war es an Kôji, den Jungen fest- und vor allem warmzuhalten. Um die beiden davon abzubringen, auf sich einzuprügeln oder das zu tun, was Kôji beabsichtigte, blieb Katsumi bei ihnen.

„Nimm deine Hände weg, du Sexbesessener!“, fauchte Izumi gerade, als der blonde Junge das Schlafzimmer mit einem Tablett, auf dem dampfende Brühe stand, betrat.

„Aber du musst jetzt schwitzen, damit das Fieber wieder runtergeht“, versetzte Kôji eindringlich, doch der Tonfall in seiner Stimme verriet trotz seiner Heiserkeit, was er vorhatte.

„DAS WEIß ICH SELBST!“, brüllte Izumi. „Außerdem bin ich nicht krank! Das bisschen erhöhte Temperatur habe ich immer!“

Der Junge mit den schwarzen Haaren und den feurig glänzenden Augen hatte Mühe, die forschenden, neugierigen Hände festzuhalten, die unter der Decke über seinen halbnackten Körper strichen. Kôji war offenbar fest entschlossen, die sich so unerwartet bietende Gelegenheit zu seinem Besten zu nutzen.

„Scheiße, dass ich heute nicht trainieren darf“, knurrte Izumi. „Da würde ich genug ins Schwitzen kommen, und du würdest mich in Ruhe lassen.“

„Kôji, musst du denn immer und überall…?“, tadelte Katsumi, stellte das Tablett ab und stemmte die Hände in die Seiten. „Es ist ganz schön fies von dir, Taku-chans Verfassung so auszunutzen! Willst du, dass die Krankheit noch schlimmer wird?“

„Was geht’s dich an?“, gab der Sänger frostig zurück. „Verzieh’ dich, du störst!“

„Und was ist, wenn er morgen auf dem Platz zusammenbricht und ins Krankenhaus muss?“ Katsumi klang wie eine besorgte Mutter, völlig unbeeindruckt von Kôjis mürrischem Gesichtsausdruck. „Ich gehe nicht eher, als bis ihr das hier gegessen und ein wenig geschlafen habt.“

Lächelnd stellte er das Tablett auf den Nachttisch.

„DU hast gekocht?!“, fragte Izumi alarmiert und überlegte, wer das vermutete Chaos in der Küche wieder aufräumen sollte.

Der blonde Junge zwinkerte ihm kokett zu.

„Ja. Ich erbe immerhin ein Krankenhaus, also sollte ich wohl wenigstens ein paar Hausmittelchen wissen. Ich werd’ euch schon nicht vergiften.“ Er deutete einen Kuss an. „Außerdem gibt es keine Medizin, die so gut schmeckt, wie du kochst, Taku-chan…“

Der Gourmet kostete zögernd und befand es für besser, als er erwartet hatte. Ein bisschen lasch in der Würze aber gut.

„Und dann erzählst du uns wohl auch noch ein Märchen, damit wir gut einschlafen können?“, vermutete Kôji zynisch.

„Kleinen Kindern erzählt man eine Geschichte“, erwiderte Katsumi scheinbar gekränkt. „Und wenn es bei denen hilft…“

„Dann fang’ an, damit wir’s hinter uns haben.“

Izumi stimmte dem innerlich zu, aber immerhin würde der sexbesessene Sänger nicht auf dumme Gedanken kommen, so lange Shibuya mit im Zimmer war und ihn ablenkte.

„Es war einmal vor langer, langer Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat, in einem fernen Land, das heute keiner mehr kennt...“, begann Katsumi und schaute auf seine beiden Schützlinge, die in scheinbarer Eintracht friedlich nebeneinander im Bett lagen und irritiert die Stirn runzelten.

„Da lebte eine Königin, die drei Kinder hatte, zwei Söhne und eine Tochter. Die Prinzessin versprach eine große Schönheit zu werden und auch das Nesthäkchen, der kleine Prinz, fand in seiner schüchternen und ehrlichen Art keinen, der ihm glich. Am beeindruckendsten jedoch war der Kronprinz, schlank und athletisch, mit glänzendem, rabenschwarzem Haar… Er hatte funkelnde braune Augen, die selbst die Sonne, die doch schon so vieles gesehen hat, verwunderten, so oft sie ihm ins Gesicht schien. Sie war es auch, die den Körper des Prinzen bereits so häufig gestreichelt hatte, dass seine Haut zu einem tiefen Bronzeton geworden war. Nahe dem Schloss war ein großer Park mit einem dunklen Wald darin und wenn er Zeit hatte, so ging das Königskind hinaus und spielte Fußball. Ein Ball aus goldfarbenem Leder begleitete ihn dabei stets und war sein liebstes Spielwerk…“

„Die Geschichte fängt schon mal gut an“, meinte Izumi und grinste verträumt.

„Sie wird noch besser…“, entgegnete Katsumi lächelnd. „Nun trug es sich einmal zu, dass beim Morgenjogging im Schlosspark der Prinz an einen See kam. Die Entfernung abschätzend versuchte er, den Ball mit aller Kraft über die glitzernde, blaue Fläche zu schießen, doch sie war zu groß, und der Ball klatschte ins Wasser…“

„Idiot“, brummte Izumi. „So hat er beim Elfmeter keine Chance.“

„Da fing er an zu schimpfen und wurde immer wütender auf sich selbst und überlegte, ob er nun die prinzlichen Fußballshorts oder das höchsthoheitliche Trikot ausziehen und zu dem Ball ins Wasser springen sollte…“

Kôji wäre beides lieb gewesen. Man konnte ihm tatsächlich vom Gesicht ablesen, wie er den Märchenprinzen aus seiner Kleidung schälte.

„… um ihn wieder herauszuholen. Aber wenn er sich erkältete, könnte er nicht mehr an der Landesmeisterschaft im Fußballspielen teilnehmen, die am kommenden Tag anfing. Und wie er so grübelte, rief ihm eine Stimme zu: »Was hast du, Königssohn? Du tobst ja, dass jedes Tier hier im Walde wach wird.« Er sah sich um, woher die Stimme käme, da erblickte er einen düster gekleideter Minnesänger mit weißblonden Haaren, der den Kopf aus einem der Büsche herausstreckte.“

„Wie bitte, ich soll ein geschmackloser, klampfezupfender Minnespinner sein?!“, entrüstete sich Kôji.

„Reg’ dich wieder ab“, meinte Izumi ruhig und drückte ihn zurück in die Kissen. „Shibuya erzählt doch kein Märchen von dir. Den Fußballprinzen und den Minnesänger gibt es nur in seiner Erzählung.“

Kôji seufzte gereizt, beruhigte sich jedoch wieder, während Katsumi ein Lachen unterdrücken musste. Der platinblonde Riese warf ihm einen seiner finstersten Blicke zu.

„Ekhem, wo war ich? Ach ja: »Ach, du bist’s, Lautenquäler«, seufzte der Prinz. »Ich grübele über meinen goldenen Fußball, der dort hinten auf dem See schwimmt.« - »Sei still und verzage nicht«, antwortete der Minnesänger listig. »Ich kann wohl Rat schaffen, aber was gibst du mir, wenn ich hinausschwimme und dein Spielzeug wiederbeschaffe?« - »Was du haben willst, Sänger«, sagte der Prinz. »Einen Posten am Hof, Gold, du kannst sogar in der königlichen Nationalmannschaft mitspielen.« Der Minnesänger antwortete: »Deine Posten und Schätze mag ich nicht, aber wenn ich dein Freund und Spielkamerad sein soll, dein handgekochtes Essen speisen und mit dir auf deinem seidenen Futon schlafen darf, wenn du mich küssen und liebhaben willst… Wenn du mir das versprichst, hole ich dir deinen Fußball wieder.« - »Ach ja«, sagte der Prinz, der ihm sogar den Pokal der Fußball-Weltmeisterschaft aller Königreiche versprochen hätte. »Ich verspreche dir alles, was du willst, wenn du mir nur meinen Fußball wiederbringst.« Er dachte aber: Was dieser dumme Kerl da redet! Ich bin ein Mann und er auch, er gibt ein Konzert nach dem anderen und legt die Frauen reihenweise flach... Wie soll ich ihn da küssen und liebhaben können...?“

Genau genommen fragte sich auch das „Original“ des Prinzen, wie man so etwas bewerkstelligen sollte. Er warf Kôji einen Blick aus den Augenwinkeln zu und wunderte sich im Stillen, wie jemand sagen konnte, dass er einen liebte und trotzdem ständig mit anderen betrog. Er verstand es nicht… Aber wenigstens hielt der Idiot jetzt die Hände still über Izumis Brust ineinander verschränkt.

„Als der Minnesänger die Zusage erhalten hatte, grinste er lüstern, warf seine Laute in die Büsche, sprang in den See und kehrte nach einer Weile mit dem Ball in der Hand zurück. »Vielen Dank!«, rief der Prinz voller Freude und dribbelte zum Palast zurück, so schnell, dass ihm der Minnesänger mit seinen nassen Sachen nicht folgen konnte. Er war so glücklich, vor dem Mittagessen noch ein wenig trainieren zu können, dass er alles andere darüber vergaß.“

Kôji nahm sich vor, Izumi solche Gelegenheiten nicht zu bieten, der friedlich in seinen Armen lag und die Augen geschlossen hatte.

„Am anderen Tag, als nun der Prinz, die königliche Familie und der gesamte Hofstaat bei Tisch saßen, da kam, quietsch, quietsch, quietsch, quietsch etwas die Marmortreppe heraufgestapft und als es oben angelangt war, klopfte es an die Tür und rief dunkel: »Königssohn, schönster, mach mir auf!« Der Prinz lief hin und wollte sehen, wer draußen wäre, als er aber aufmachte, stand da der Minnesänger davor. Da warf er die Tür heftig zu, setzte sich erbleichend an den Tisch und überlegte, was er machen sollte. »Was hast du?«, fragte die Schwester des Prinzen. »Ist da wieder ein Bote der Prinzessin aus dem Nachbarland, die sich so sehr in die verschossen hat?« - »Nein«, murmelte er, »es ist kein Bote, sondern ein völlig irrer Minnesänger.« - »Will er dich etwa zu einem Duett überreden?« - »Schwesterherz, weißt du, als ich gestern beim Joggen war und den Fußball über den kleinen See im Park schießen wollte, fiel er ins Wasser. Er hatte zu wenig Drall, und der Spin war auch nicht so gut, sonst hätte es geklappt. Während ich so überlegt habe, wie ich ihn wohl wieder rauskriege, ohne mich hinterher zu erkälten, ist der Minnesänger ins Wasser gesprungen und hat ihn geholt. Aber als Belohnung dafür wollte er mein Liebhaber werden… und jetzt steht er draußen und will rein.« Nun klopfte es zum zweiten Mal und rief: »Königsohn, schönster, mach mir auf! Weißt du nicht, was gestern du zu mir gesagt am kühlen See? Königssohn, schönster, mach mir auf!« Da sprach die Mutter: »Ein Versprechen muss man halten, geh’ und mach ihm auf.« Die Schwester, die diese unerwiderte Liebe sehr romantisch fand, ging jedoch schon und öffnete die Tür. »KÔJI VON DER NANJÔWEIDE!« kreischte sie dann, und schlug die Hände begeistert vor den Mund.“

Katsumi unterstrich das Gesagte mit passender Miene und ahmte auch die Reaktion eines Groupies perfekt nach. Kôji überlegte, was sich diese selbsternannte Scheherazade noch für Verrücktheiten ausdenken würde. Ein Minnesänger mit Groupies… Er hätte keinen ganzen Tag vergeudet.

„Der Minnesänger schlurfte in den Saal und nahm den Prinzen kurzerhand auf den Schoß, der davon nicht allzu begeistert war. Zufrieden ließ er sich von diesem füttern und die königlichen Speisen schmecken. Der Prinz hingegen hätte ihn erwürgen können...“

Katsumi kicherte.

„Endlich sprach der Minnesänger: »Ich habe mich satt gegessen und getrunken, nun bin ich müde. Gehen wir in dein Zimmer, damit wir uns schlafen legen.« Der Prinz haute ihm eine runter, doch auch die Königin ward zornig und sagte: »Wer dir geholfen hat, als du in Not warst, den sollst du nachher nicht verachten!« Da hob der Minnesänger den Prinzen hoch, trug ihn hinauf und warf ihn auf den Futon. »Was soll DAS?!«, brüllte der Prinz. »Ich habe dir versprochen, dass du auf meinem Futon schlafen darfst, ABER DAS HER GEHT ZU WEIT!!!« - »Du hast es versprochen«, entgegnete der Minnesänger verletzt. »Ich will neben dir schlafen, oder ich sag’s deiner Mutter.« - »DU MUSST ES JA NICHT ÜBERTREIBEN!« Der Prinz packte den Sänger und schleuderte ihn gegen die Wand, völlig außer sich vor so viel Frechheit. »Wer übertreibt jetzt?«, fragte der Minnesänger und zerrte den armen Prinzen zum Futon zurück, wo er über ihn herfiel. Draußen brach ein Gewitter los, dessen Blitze das einzige Licht im Raum waren. Und keiner im Schloss wusste, was im Zimmer passierte...“

Das Funkeln in Katsumis Augen verriet genauso wie Kôjis verträumter Blick, dass es sich beide gerade bildlich vorstellten - der eine vielleicht etwas lebhafter als der andere.

„Danach entschuldigte sich der Minnesänger für seine Worte. »Du hast mich erlöst«, flüsterte er. »Ich bin in Wirklichkeit in dich verliebt, seit ich dich das erste Mal sah, mit deinen wilden Augen und deiner braungebrannten Haut, doch ein böser Hirose verzauberte mich in einen wilden Lüstling, dem die Frauen zu Füßen liegen…« Hirose war… “

Ein geworfenes Kissen fegte Katsumi vom Stuhl, dem vor unterdrücktem Lachen die Tränen in den Augen standen. Izumi war längst eingeschlafen, teilweise vor Erschöpfung, teilweise, weil er wirklich krank war und - nicht zu vergessen - weil ein Fußballturnier vor der Tür stand, für das er wieder auf den Beinen sein musste.

^.~ Owari ~.^
Entstehungszeit: März 2001
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