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Commilitones 5 - Tod und Teufel

GeschichteDrama, Historisch / P18 Slash
Claudia Auditore da Firenze Desmond Miles Ezio Auditore da Firenze Leonardo da Vinci Lucy Stillman Shaun Hastings
22.01.2019
13.05.2019
32
111.260
18
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22.01.2019 613
 
~*~

„Die Wahrheit sorgt dafür,
dass die Lüge sich an den Lügenmäulern rächt.“
Leonardo da Vinci (1452 – 1519)

~*~


Tempo di merda!
Mariotto Fucheri klammerte sich an den Türrahmen und bewahrte sich so vor dem Sturz, den ihm die Eisschicht auf der Schwelle beinahe beschert hätte. Das fehlte noch, dass er vor seinem eigenen Haus ausrutschte und sich den Steiß prellte.
Wütend starrte er zum wolkenverhangenen Himmel hinauf. Seit nunmehr zwei Stunden fiel der Schnee, und die gestern noch schlammbraunen Straßen wirkten ungewohnt sauber. Lange würde dieser Anblick jedoch nicht währen. Der Ruß, den die zahlreichen Feuerstellen und Schornsteine in die Luft entließen, würde sich bald auf dem Boden absetzen und den Schnee grau färben.
Mariotto nahm den Kienspan aus dem Mund und entzündete mit ihm die Laterne neben der Haustür. Dann wandte er sich dem Schuppen zu, in dem das Feuerholz untergebracht war. Der Winter hatte gerade erst begonnen, und bereits jetzt war die Hälfte seiner Vorräte aufgebraucht. Im Kopf überschlug er das Geld, das er benötigte, um bei dem Händler an der Porta Ticinese eine neue Fuhre Holz kaufen zu können. Wucherer, der er war, hatte Zoane die Preise in Anbetracht der eisigen Kälte gewiss erhöht.
„Elender Halsabschneider!“, schimpfte Mariotto und schob den Riegel des Schuppens zurück. „An seinen Dukaten ersticken sollt’ er, dieser Geldgeier!“
Ein Schnauben erklang, und Mariotto drehte den Kopf. Es dauerte einen Moment, bis er den Reiter auf der Straße ausmachen konnte, dessen Schimmel sich vor dem Schnee kaum abhob. Es war ein kräftiges Tier – eines jener stolzen Rösser, die man bevorzugt bei Paraden oder auf Schlachtfeldern zu Gesicht bekam. Nur hatte Mariotto noch nie in seinem Leben ein Schlachtfeld gesehen, und er hoffte inständig, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändern würde.
Buonasera, signor.“
Der Reiter zügelte sein Pferd und blickte auf Mariotto hinab. Sein Gesicht lag im Schatten einer Kapuze verborgen. Eiskristalle hingen an dem dunklen Stoff.
‚Kluger Mann‘, dachte Mariotto bei sich. ‚Der hält sich so wenigstens den Kopf warm und trocken!‘
Buonasera, viaggiatore. Auf der Suche nach ’nem Quartier? Wenn Ihr nach der Osteria vom alten Guido Ausschau haltet, die findet Ihr ’ne Straße weiter.“
Während er sprach, betrachtete Mariotto die Kleidung des Fremden. Einen Waffenrock trug er, und darüber eine Lederrüstung, die sein Reisemantel nur notdürftig zu verdecken vermochte. Einige Taschen und ein in Leinen eingeschlagenes Bündel waren am Sattel des Pferdes befestigt. Als das Tier den Kopf senkte, entdeckte Mariotto die gefiederten Enden von Pfeilen, die in einem Köcher vor dem linken Bein des Reiters steckten.
„Ah, nach einer Osteria suche ich nicht. Aber nach dem Haus von Charlotte Moretti.“
„Ihr meint Carlotta.“
„Wenn Ihr sie so nennt.“
Mariotto neigte den Kopf. Dieser Mann war kein Einheimischer. Seine Aussprache war viel zu weich, vollkommen untypisch für diese Gegend.
„Florentiner, wa’?“, fragte Mariotto und schnaubte, als er den Fremden nicken sah. „Noch so einer, der sein Glück im Norden versuchen will. Ich hoff’ ja, Ihr seid nich zum Ärgermachen hier.“
Demonstrativ beäugte er die Pfeilenden, und der Fremde folgte seinem Blick.
„Der Weg hierher ist lang und in Zeiten wie diesen nicht ungefährlich.“
Bene, das leuchtet ein“, sagte Mariotto. Dann streckte er den Arm aus und deutete quer über die Straße zur gegenüberliegenden Seite. Die Flocken fielen so dicht, dass man das Gefühl hatte, durch einen Schleier hindurchzublicken. „Das dort drüben is Carlottas Haus. Das mit der roten Tür.“
Grazie, signor, e buona notte.
Der Fremde nahm die Zügel wieder auf und wendete sein Pferd. Mariotto beobachtete, wie er gemächlich über die Straße davonritt.
„Komischer Kerl“, murmelte er.
Dann öffnete er die Tür und betrat den Schuppen.

~*~


Glossar:
Tempo di merda! – Scheißwetter!
viaggiatore – Reisender
osteria – Gasthaus
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