Weil es so sein sollte #Currbi

von Nonamw
GeschichteRomanze / P18 Slash
21.01.2019
18.02.2019
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Kevin:

Ich konnte es einfach nicht ertragen, wenn es meinem Tobi nicht gut ging. Ich wusste was es bedeutete, wenn man Selbstzweifel nach einer Trennung hatte. Auch wenn ich derjenige war, der Schluss machte. Ich wollte es mir damals noch nicht eingestehen, dass ich auf Tobias stand, aber heute konnte ich nicht eine Nacht schlafen, wenn er nicht in meinen Träumen erschien. Für eine kurze Zeit, hatte ich damals Depressionen und habe mich vielleicht vier bis fünf mal selbst verletzt. Zum Glück konnte ich schon immer alles gut überspielen.
„Alles gut?“, fragte Tobi besorgt.
„Hä? Ja klar! Bin ja mit dir auf Discord.“, meinte ich anzüglich, wobei ich ganz nah ans Mikro rückte. Ich vernahm ein heiseres Lachen des Bärtigen und ein weiteres kleines Stück in meinem Herzen brach in tausend kleine Teile. Wie jedes Mal, wenn wir uns gegenseitig aus Spaß anschwulten. Bei jedem erotischen Wortgefecht.
„Ich muss hier mal aufräumen in der Bude. Hier sieht es ja aus wie in der Messi-Höhle.“ ‚ gab Tobi zu und ich meinte, Trauer in seiner Stimme zu hören. Noch bevor ich etwas sagen konnte, hatte er aufgelegt.
Ich möchte mir garnicht vorstellen was er jetzt am Liebsten für einen Müll machen würde... Vielleicht sollte ich ihn einfach mal besuchen. Zum Einen, weil das schon lange überfällig war und zum Anderen, damit ich kontrollieren konnte, dass er sich nichts antat.
„Ja ja, wem willst du das denn erzählen?“.
„Dich hat keiner nach deiner Meinung Gefragt!“‚  schrie ich meine innere Stimme an.
„Er würde eh niemals etwas von mir wollen...“ ‚ hauchte ich in die Stille hinein. Das altbekannte Verlangen kam wieder hoch, stärker als jemals zuvor,  seitdem ich meine Antidepressiva abgesetzt hatte.  Eine Klinge hatte ich noch.
„Na los! Vielleicht hat er dann Mitleid mit dir.“‚ raunte mir meine  Stimme wieder zu. Nur gehässiger als sonst. So setzte sich mein Körper gegen meinen Willen in Bewegung. In Richtung Bad. Ich konnte überhaupt nichts dagegen machen. Innerlich empörte ich mich und versuchte die Beherrschung über mein Handeln wieder zu erlangen.
„Du willst es doch auch!“‚ klang die Stimme in mir mittlerweile bösartig. Schneller als ich gucken konnte, stand ich auch schon mit der Klinge in der Hand vor dem Spiegel. Langsam lief mir kalter Schweiß über den Rücken und ich setzte an. Unkontrolliert. Blut tropfte ins Waschbecken. Dieser Schmerz war so befreiend. Ich wollte nicht mehr aufhören, aber ich musste.
 „Fünfzehn.“
Fünfzehn neue, tiefe Schnitte also.
„Bist du jetzt zufrieden?!“‚ fragte ich genervt, doch ich bekam keine Antwort.
Ich fing schon wieder an mit mir selbst zu reden. Kein gutes Zeichen.
Panisch suchte ich zwischen sämtlichen Medikamenten nach den Pillen die mir helfen würden.
FUCK! Sind die ernsthaft leer?
Ich ließ mich an der Wand zu Boden gleiten und bettete mein Gesicht in meinen Händen.
Nein! Tobi braucht dich! Mühsam stemmte ich mich wieder auf meine Beine, Probleme das  Gleichgewicht zu halten. Ich schleppte mich ins Schlafzimmer um meinen Rucksack zu packen. Ohne einen Blick zurück, verließ ich die einsame Wohnung und machte mich auf zu den Zügen.


Ohne wirklichen Plan, steuerte ich auf den Klever Bahnhof zu und hatte zu  viel Glück um wahr zu sein. Die einzige Linie, die nach Darmstadt fuhr, stand am Gleis und ich musste mich sputen wenn ich nicht zwei Stunden warten wollte. Erst erhöhte ich mein Tempo langsam, doch mittlerweile rannte ich, da der Zug schon ein Mal zum Abfahren hupte.
Beeil dich! Wer weiß, was Tobi in der Zeit anstellen könnte! ‚ feuerte ich mich an und schaffte es in letzter Sekunde in den Zug.  Erschöpft ließ ich mich auf den nächstbesten Sitz fallen und rang  nach Luft.
Noch 3 Stunden.
Panik stieg in mir hoch.
Wie zur Hölle komme ich zu Tobi. Schnell öffnete ich meine App, die mir die Übersicht auf alle Bus-, Bahn- und Zugstrecken gab. Müde fuhr ich mir mit meiner rechten Hand durch die Haare und merkte wie etwas an meiner Haut zog. Ich wurde kreidebleich. Habe ich vergessen das Blut vor der Fahrt abzuwischen?
Klasse. Na hoffentlich kann ich das unbemerkt bei Tobi wegmachen, bevor er es sieht.
Ich scrollte den Chat von Tobi und mir nach oben um die Adresse herauszufinden die er mir mal vor Monaten gegeben hatte. Warum auch immer.
„Wo ist sie, verdammt noch mal!“, fluchte ich so leise, dass es unmöglich  jemand mitbekommen konnte.  
Da! Schnell suchte ich die passende Verbindung heraus, entspannte mich langsam und stellte den Wecker. Sobald der losging, würde ich noch eine Stunde bis zu meinem Ziel haben. Ich krallte mich in meinen Rucksack und schlief innerhalb weniger Minuten ein.

*

Nachdem der Wecker losging, musste ich feststellen, dass ich mich leicht verschätzt hatte.
In 1,5 Stunden bin ich erst da.
Typisch Deutsche Bahn...  Als ich endlich aussteigen konnte, streckte ich mich erstmal ausgiebig und atmete die frische Luft ein. Ich erkundigte mich nach den Haltestellen für die Busse und wurde schnell fündig. Genervt seufzte ich auf.
30 Minuten warten. Knapp verpasst.
Die Zeit  verging so langsam, bis der erlösende Bus kam. Dieser würde mich nur wenige Hundert Meter vor meinem Hauptziel absetzen.

Verunsichert stieg ich aus und folgte meinem Handynavi. Als ich vor der Tür stand wurde mir klar, dass ich mir gar keine Gedanken  machte.
Egal jetzt! Mein Herz machte einen Sprung. Ich nahm meinen Mut zusammen und klingelte bei der Liebe meines Lebens.  Überrascht und mit starken Augenringen machte er mir die Türe auf und ihm feie die Kinnlade runter. Geschockt von seinem vernachlässigtem Aussehen, hielt ich mir die Hand vor den Mund.
„Mein Gott, Tobi!“, schockiert nahm ich ihn in den Arm. Unfähig sich zu bewegen ließ er es geschehen.
„W.. was machst du hier?“, er schien wieder einen klaren Gedanken gefasst zu haben und löste sich von meiner Umarmung.
„Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass du mich so abspeisen könntest. Außerdem weiß ich genau, was du durchmachst.“, sofort bereute ich meinen letzten Satz.
„Was meinst du damit?“, hackte Tobi nach und zog eine Augenbraue nach oben. Wie süß er dabei aussah.
„Du bist einfach kein guter Schauspieler.“
„Kevin. Du weißt was ich meine. Verarsch mich nich!“
Oh man.
Es hatte keinen Sinn.
„Ich bin Single.“, gab ich achselzuckend zu und sah wie Tobis Augen immer größer wurden.
„Komm erstmal rein.“, befahl er mir und ich leistete folge.
„Seit wann?“, kaum sitzen wir in Tobi‘s Wohnzimmer, fing die Fragerei an.  
„Ne ne ne ne. Ich bin nicht gekommen um über mich zu reden, sondern über dich.“, wich ich seiner Frage aus. Instinktiv legte ich ihm die Hand auf die Schulter, welche er sofort hängen ließ und ein tiefes Schluchzen entwich ihm. Danach Stille.


Ich gab mir einen Ruck, damit Tobi nicht so enttäuscht war. Schließlich hatte er es mir auch verraten.
„Seit 7 Monaten. Ich habe Schluss gemacht.“, gestand ich ruhig. Im Augenwinkel sah ich, wie Tobias sich kerzengerade aufsetzte und mich fixierte.
„Warum?“, in seinem Tonfall liegt etwas Ernstes, Fürsorgliches, aber auch Bedrohliches.
„Tobi. Nimm mir das bitte nicht böse, aber es geht hier um dich.“, angetrieben von meinem Redeschwall, um Tobi davon zu überzeugen, dass wir nicht über mich, sondern über ihn reden sollten, legte ich ihm meine Hand  auf den Arm.
Böser Fehler. Es war die falsche Hand und am Handgelenk  konnte man noch getrocknetes Blut sehen. Bevor ich etwas machen konnte, schob Tobi meinen Ärmel hoch und verfiel in eine Schockstarre.

„Toll gemacht!“, maulte mich mein Inneres an.
„Wie toll gemacht? Du hast doch...“, versuchte ich mich zu verteidigen, doch sie schnitt mit das Wort ab.
„Nein. DU hast das getan!“, zischte sie mich an. Tobis Miene verfinsterte sich, was für mich das Zeichen war, dass er sich gefangen hatte.
„S..Seit wann?“, stocherte er nach und Besorgnis lag in seiner Stimme.
„3 Monate.“, formulierte ich knapp, befreite mich aus seinem Griff und zog mir schnell den Ärmel runter.
„Und seit wann rauchst du?“, fragte ich um von mir abzulenken, als ich die Zigaretten erblickte.
„Gestern.“, flüsterte er, „aber DAS ist viel Schlimmer!“, donnerte er hinterher und machte meine Narben wieder sichtbar.
„Ist gut jetzt!“, schnauzte ich ihn an. In der nächsten Sekunde ziehe ich die Beine an mich.
„Ich hätte nicht her kommen dürfen...“, hauchte ich.

Wortlos stand Tobi auf und holte zwei Tassen mit warmen Kakao.
„Woher weißt du das?“ Tobi tat so, als hätte er das nicht gehört und setzte zum sprechen an:
„Ich glaube wir haben uns eine Menge zu erzählen.“, tröstend umarmte er mich und eine Gänsehaut machte sich über meinen Körper breit. Unmerklich zuckte ich zusammen.
Nicht jetzt!
Angstschweiß lief mir über die Schläfen. Hoffentlich merkt er die entstehende Beule nicht. Ich versuchte mich aus seiner Umklammerung zu befreien.
„Ich muss mal.“, log ich und Tobi zeigte mir wo das Bad war und ich stürmte hinein.
Hektisch schloss ich hinter mir ab.
Ich spürte etwas komisches in meiner Jackentasche und holte den unbekannten Gegenstand hervor.
„Was...“, ungläubig starrte ich auf die Klinge in meiner Hand.
„Gerngeschehen.“, hauchte meine Stimme verschwörerisch.
Die blutverschmierte Klinge...  
Ich drehte sie in meinen Händen und spielte mit dem Gedanken das befreiende Gefühl wieder zu spüren bis...

„Curry?“, Tobi hämmerte gegen die Tür und ich ließ den Gegenstand in meiner Hand fallen. Leider war es nicht leise genug, denn Tobi schloss die Tür mit dem Ersatzschlüssel auf.  
"Tobi..!“, entfuhr es mir schreckhaft.
Tobi hob zitternd die Klinge auf  und schaute mich an, als hätte er einen Geist gesehen.
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