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Find your heart

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P6 / Gen
Kate Beckett Richard Castle
21.01.2019
25.02.2019
6
20.020
 
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18.02.2019 3.039
 
Der nächste Tag versprach wieder gutes Wetter. In der Nacht hatte der Regen aufgehört und am Morgen schien die Sonne wieder. Castle war erleichtert, er hatte befürchtet, dass sie die Pläne für den Abend absagen mussten. Feuerwerke waren bei Regen nur halb so schön anzusehen und Marshmallows könnte man zwar drinnen rösten, aber wer wollte das, wenn es draußen eine Feuerstelle gab.

Gelegentlich schaute er mit besorgtem Blick in den Himmel, als würde er erwarten, dass sich das Wetter auf einmal änderte, wie am Tag zuvor. Er konnte ein paar Wolken im Himmel sehen, aber sie stellten keine Gefahr für ihre Pläne dar.

„Warte“, sagte er, als er die Feuerwerkskörper zusammensuchte, um sie rauszubringen, bereit zum Anzünden. „Du musst mich doch nicht verhaften, nur weil die illegal sind, oder?“

Kate schaute vom Essen auf, das sie zubereitete, etwas für das sie aktiv kämpfen musste, da er immer wieder darauf bestanden hatte, dass sie sein Gast war und an diesem Wochenende keinen Finger zu rühren brauchte. Sie hatte angemerkt, dass Montag nicht mehr zum Wochenende gehörte und, dass sie auch am Wochenende nicht auf ihn gehört hatte, und so hatte er es widerwillig akzeptiert.

„Da du es mir gerade erzählt hast …“ Sie machte sich keine Mühe den Satz zu beenden, versuchte stattdessen weiterhin ernst zu schauen, während Panik sich auf seinem Gesicht breit machte. „Aber ich arbeite gerade nicht und habe hier auch gar keine Befugnisse. Also kommst du dieses Mal davon.“

„Ich Glückspilz“, sagte er und ging weiter seiner Arbeit nach, während Kate amüsiert ihren Kopf schüttelte.
                                                                                                                                                                                                                             

Die Nacht war erfüllt von Geräuschen, Feuerwerke gingen in alle Richtungen los – natürlich war Castle nicht der einzige der Feuerwerkskörper gekauft hatte, er war nicht mal derjenige, der das meiste gekauft hatte. Ihr Vorrat war vor wenigen Minuten aufgebraucht, aber seine Nachbarn schienen nicht sehr bald fertig zu sein.

Kate hatte ihm einen überraschten Blick zugeworfen, aber er hatte nur mit den Schultern gezuckt und erklärt, dass er zwar Spaß daran hatte, Feuerwerke zu zünden, aber es vorzog nur zuzuschauen.

Also waren sie hier, am Anfang des Pfades, der zum Strand führte, und schauten in den dunklen Himmel, der alle paar Sekunden rot und blau und grün aufleuchtete. Die lauschten dem rauschenden Geräusch, wenn die Raketen in die Luft gingen, gefolgt von dem Knistern und Krachen, wenn sie hoch über ihnen explodierten.


Er hatte ihr eine Decke gebracht, die jetzt über ihre Schultern lag, ihre Hände um die Ränder gewickelt, um sie zusammenzuhalten und die Nachtkühle von sich fernzuhalten. Das Licht der Raketen spiegelte sich in ihren Augen, der Wind hatte eine Haarsträhne in ihr Gesicht geweht, aber es kümmerte sie nicht genug, um sie wegzuwischen.

Kate musste bemerkt haben, dass er sie anstarrte und drehte ihren Kopf zu ihm. Er konnte nicht sagen, dass es ihn überraschte, immerhin war sie ein Cop und er hatte nicht versucht zu verbergen, was er tat. Dennoch fühlte er sich ertappt, erwartete, dass sie ihm mitteilte, dass Starren unangenehm war, aber sie lächelte nur strahlend. Der Ausdruck purer Freude auf ihrem Gesicht ließ sein Herz einen Schlag aussetzen und seine Lippen ebenfalls ein Lächeln formen.

Als sie ihren Kopf zu ihm gedreht hatte, hatte die Bewegung ihre Haare aus ihrem Gesicht gestrichen, aber als sie sich wieder dem Feuerwerk zuwandte, fiel die Strähne wieder in ihr Gesicht. Castle Finger zuckten mit der gleichen Energie vom vorherigen Tag. Er könnte sie heben und die Haare aus ihrem Gesicht streichen, vielleicht seine Finger etwas zu lange verharren lassen, die Wärmer ihrer Haut unter ihnen spüren. Aber er tat es nicht. Er schob seine Hände in die Taschen seiner Jacke und schweigend schauten sie zu, bis seine Nachbarn kein Feuerwerk mehr hatten.
                                                                                                                                                                                                                             

Es gibt einen Knall, dann ist da Feuer, orange und gelbe Flammen umgeben das Gebäude und er ist zu spät. Er muss hineingehen. Er muss sie retten, sie da herausholen. Aber er kann sich nicht bewegen, seine Beine sind erstarrt, weigern sich zu tun, was er ihnen sagt und er kann nur zusehen, wie das Haus vor ihm niederbrennt.

Castle schlug die Augen auf, ließ sie sich an die Dunkelheit in seinem Schlafzimmer gewöhnen, das einzige Licht vom Mond kommend erleuchtete einen Streifen auf dem Schlafzimmerboden, wo die Vorhänge nicht ganz zugezogen waren.

Er drehte sich auf seinen Rücken, hob eine Hand und rieb sie über seine Stirn, und seufzte.

Es war nicht das erste Mal, dass er von diesem Tag träumte, aber das letzte Mal war vor Wochen gewesen, kurz nachdem Kate eine neue Wohnung gefunden hatte und aus dem Loft gezogen war. Diese Nacht war die erste Nacht gewesen, in der er nicht einfach die Treppen zu seinem Gästezimmer erklimmen konnte, um sich zu vergewissern, dass es ihr gut ging. Er hatte den Großteil der Nacht damit verbracht, die Decke anzustarren, bis Kate ihn wegen eines Falls angerufen hatte. Und seitdem war der Traum nicht wiedergekommen.

Und er hatte nicht erwartet, dass er es jetzt tun würde. Aber hier war er, nicht in der Lage die Bilder aufzuhalten, die sich hinter seinen Augenlidern bildeten.


Aber oh, sie war hier, er konnte hochgehen und nach ihr sehen, sich vergewissern, dass es ihr gut ging, dass sie tief und fest in seinem Gästezimmer schlief, so wie im Loft.

Mit diesem Vorhaben stieg er aus dem Bett und verließ sein Zimmer, wandte sich bereits der Treppe zu, als er das Licht in der Küche bemerkte.

                                                                                                                                                                                                                             

Kate war nicht in der Lage gewesen überhaupt zu schlafen. Sie war müde und sehnte sich nach dem gemütlichen Bett im Gästezimmer. Aber als sie sich hingelegt und ihre Augen geschlossen hatte, sich langsam entspannte, fing ihr Gehirn an zu arbeiten, spielte das Wochenende, das sie mit Castle verbracht hatte wieder ab. Jedes Mal, wenn sie bemerkt hatte wie er sie angesehen hatte, aber beschloss es nicht zu sehen, die verpassten Gelegenheiten für eine ernsthafte Unterhaltung über sie, darüber was dieses Wochenende für sie bedeutet, als Freunde, und vielleicht auch als was anderes.

Und jedes Mal hatte ein kleiner Teil ihres Verstandes gewonnen, hatte sie daran erinnert, dass ein Mann wie Richard Castle – erfolgreich, charmant, reich – niemals jemanden wie sie für mehr als eine Nacht haben wollte.

Sie hatte versucht ihren Verstand zum Schweigen zu bringen, an irgendwas anderes zu denken. Aber es hatte nicht funktioniert. In der Vergangenheit hatte sie über ihre Arbeit nachgedacht, wenn sie vermeiden wollte, an bestimmte Dinge zu tun. Aber da Castle auch auf ihrer Arbeit präsent war, war das keine Möglichkeit gewesen.

Und als die Uhr auf ihrem Nachttisch 3Uhr angezeigt hatte, hatte sie beschlossen aufzustehen und sie eine heiße Schokolade zu machen, nur um irgendwas zu tun.


Sie war so leise wie möglich die Treppen hinuntergegangen, hatte sich innerlich dafür verflucht keine Socken angezogen zu haben, als ihre nackten Füße auf die kalten Fliesen des Küchenbodens trafen, und den Küchenschrank geöffnet, um sich eine Tasse zu nehmen.


Als sie nach der Schachtel mit Trinkschokolade greifen wollte, war sie mit ihrem Ellbogen dagegen gekommen, und hatte sie von der Anrichte gefegt. Sie kam mit einem dumpfen Schlag auf dem Boden auf, der durch den Raum klang und Kate fluchte. Nur weil Castle ihr gesagt hatte, sie solle sich wie zu Hause fühlen, hieß das nicht, dass sie ihn wecken musste, nur weil sie nicht schlafen konnte.

Sie lauschte, versuchte zu hören, ob sie ihn geweckt hatte, aber das einzige Geräusch, das sie hörte, war die Uhr über der Tür, die laut im sonst stillen Raum vor sich hin tickte.

Sie atmete aus, griff nach der Schachtel auf dem Boden und wandte sich wieder der Arbeitsfläche zu, fuhr fort damit sich eine heiße Schokolade zuzubereiten.


Gerade als sie fertig war, erschien Castle im Türrahmen. Sein Haar war vom Schlaf durcheinander und seine Augen blinzelten im Licht der Deckenlampe.

„Hey“, grüßte er, seine Stimme rau vom Schlaf und Kate sprang beinahe in die Luft, veranlasste ihn dazu sich hastig zu entschuldigen.

„Habe ich dich geweckt?“, fragte sie besorgt, aber er schüttelte nur den Kopf.

„Äh nein. Ich war noch wach.“

Sie schaute ihn einen Augenblick länger an, konnte sehen, dass er nicht die ganze Wahrheit sagte, aber entschied sich das Gefühl zu ignorieren. Wenn er nicht wollte, dass sie wusste, dass sie ihn geweckt hatte, würde sie ihn nicht dazu zwingen es ihr zu sagen.

„Willst du auch eine?“ Sie deutete auf ihre Tasse, bemerkte, wie Castles Blick über die Anrichte schweifte bis er die Schachtel erreichte, die sie gerade erst hatte fallen lassen. „Ich hoffe es ist okay, dass ich einfach so deine Küche benutze.“

„Natürlich ist das kein Problem. Und ich könnte eine vertragen.“


Kate machte sich daran, eine weitere Tasse aus dem Schrank zu holen, während Castle um die Kücheninsel herum ging und sich auf einem der Hocker niederließ, sie bei der Arbeit beobachtete, so wie es morgens tat, wenn er sich weigerte sie beim Zubereiten des Frühstücks helfen zu lassen.

„Also was hält dich wach?“, fragte er.

„Weiß nicht“, sagte Kate schulterzuckend und füllte Schokolade in die Tasse. „Viele Gedanken, denke ich.“

„Willst du drüber reden?“

Sie zuckt mit den Schultern. „Ich bin nicht sicher, ob ich die richtigen Worte dafür finde.“

Und im Ernst, was sollte sie ihm um 3 Uhr morgens in seiner Küche erzählen? Oh, weißt du noch gestern, als wir vom Regen überrascht wurde und da diese merkwürdige Elektrizität zwischen und war und ich weggelaufen bin? Und dann haben wir nicht drüber geredet? Lass uns jetzt darüber reden, um 3 Uhr morgens in deiner Küche, wenn wir beide müde sind und ich definitiv nicht in der Verfassung für so eine Unterhaltung bin.

Aber andererseits war das genau der richtige Moment für die Unterhaltung. Vielleicht war das Fehlen von Filter genau das, was sie brauchten, wenn sie es sonst nicht schafften eine Unterhaltung zu führen.

„Hmm, okay“, stimmte er zu und nahm die Tasse, die sie ihm anbot, aus ihrer Hand.


Sie verfielen in Schweigen, nippten an ihren Tassen und versanken in ihren eigenen Gedanken.

Kate wusste, dass sie Moment über sie zu reden vorbei war, als er zugestimmt hatte, das Thema fallen zu lassen, und sie suchte nach irgendetwas um diese Stille, die langsam unangenehm wurde, zu stören.

„Und was ist mit dir?“, fragte sie schließlich.

„Mir?“

„Was hält dich so lange wach?“

„Ach naja, viele Gedanken“, sagte er, wiederholte damit ihre Worte.

Kate schaute ihn scharf an und er seufzte, senkte seinen Kopf und schaute in seine Tasse, während er sprach. „Ich weiß nicht genau. Ich glaube, ich habe davon geträumt, wie deine Wohnung in die Luft geflogen ist.“

„Hast du?“ Kates Stimme war voll Überraschung und Sorge.

„Ja, das kommt hin und wieder vor.“

„Das wusste ich nicht.“

„Naja, es ist ja nicht so, als würde ich es dir sagen, wenn es passiert“, erwiderte Castle mit einem Schmunzeln.

„Stimmt, sorry.“„Nur damit du es weißt, ich bin sehr froh, dass es dir gut geht. Mein Verstand findet es nur ganz lustig, mich mit ‚was, wenn‘ Szenarien zu quälen. Für gewöhnlich, wenn ich schlafe.“

Er starrte jetzt auf seine Hände, als wäre er besorgt, dass er zu viel gesagt hatte, als könnte er es nicht ertragen aufzuschauen und zu sehen, was auch immer er befürchtete zu sehen. Kate legte ihre Hand auf seine und drückte sanft.

„Du weißt, was mit meiner Wohnung passiert ist, ist nicht deine Schuld, oder?“

Er schaute auf. „Meistens, ja.“


Da war es wieder. Der sanfte Ausdruck in ihren Augen, den er die letzten Tage so oft gesehen hatte. Der Ausdruck, den er versuchte zu verstehen, aber fürchtete fehlzuinterpretieren. Sie lächelte ihn an. Ein kleines Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte, immer noch voll Sorge gemischt mit etwas anderem.

„Es ist spät geworden.“ Castle räusperte sich. „Wie sollten noch ein wenig schlafen.“

Er zog seine Hand unter ihrer hervor, stand von seinem Hocker auf und ging davon. Dampf stieg aus seiner Tasse, noch immer halbvoll mit der heißen Schokolade, die Kate für ihn gemacht hatte. Und sie blinzelte, ihr Blick folgte ihm, bis er um die Ecke verschwand und sie das Klicken seiner Tür hören konnte, die geschlossen wurde.

                                                                                                                                                                                                                             

Als Kate am nächsten Morgen endlich aus ihrem Zimmer kam, war Castle schon dabei in der Küche etwas zuzubereiten. Weil sie wusste, dass er ihre Hilfe nicht akzeptieren würde, ging sie direkt um die Kücheninsel herum und setzte sich auf den Barhocker, den sie mittlerweile als ihren Barhocker bezeichnete.

„Pancakes?“, fragte sie und deutete mit ihrem Kopf auf den Teller, auf den er schon ein paar gestapelt hatte.

„Es ist traditionelles letzter-Tag-in-den-Hamptons-Frühstück.“

„Ich dachte, es ist traditionelles erster-Tag-in-den-Hamptons-Frühstück.“

„Hey, ich habe die Regeln nicht gemacht“, verteidigte er sich.

Ungläubig hob Kate eine Augenbraue.

„Nein wirklich. Alexis hat die Regel aufgestellt.“

Kate schüttelte lächelnd ihren Kopf. „Du weißt schon, dass du der Erwachsene bist und ‚nein‘ sagen kannst?“

„Aber … warum sollte ich zu Pancakes nein sagen?“, fragt er zurück, nahm den fertigen Pancake aus der Pfanne und legte ihn auf die anderen, bevor er den nächsten anfing.

„Auch wahr“, stimmte Kate zu. Es hatte eh keinen Sinn mit ihm darum zu streiten. Und warum sollte sie gegen Pancakes argumentieren? „Aber es ist nicht dein letzter Tag in den Hamptons“, fügte sie hinzu, bevor sie den ersten Schluck Kaffee nahm.

„Und? Es ist dein letzter Tag hier“, sagte er schulterzuckend. „Und es sind Pancakes.“

„Du kannst sie jeden Tag für den Rest des Sommers essen, eigentlich sogar den Rest deines Lebens.“

„Okay, auch wenn ich das liebend gern tun würde, wäre das eine schlechte Idee ich würde sehr bald aufhören sie zu mögen“, erwiderte Castle, nahm den letzten Pancake aus der Pfanne und stellte den Herd aus. „Außerdem, weiß ich nicht mal, ob ich die nächsten Tage dazu komme viel Essen zu kochen“, fügte er hinzu, bevor er um die Kücheninsel lief um sich neben Kate zu setzen und einen der Pancakes vom Teller zu nehmen.

„Wie meinst du das?“

„Ich werde schreiben. Und naja, manchmal, wenn es wirklich gut läuft, vergeht die Zeit wie im Flug und auf einmal sind Stunden vergangen.“

„Also isst du vielleicht gar nichts?“„Natürlich esse ich was. Nur keine Pancakes.“

„Außer an deinem letzten Tag hier.“

„Außer an meinem letzten Tag hier, das ist korrekt. Außer natürlich du beschließt nochmal vorbeizukommen. Da das dann ja wieder dein erster Tag in den Hamptons wäre.“

„Kann ich da ein Veto einlegen?“

Castle schnappte nach Luft. „Du würdest meine Pancakes ablehnen? Das tut weh, Beckett. Das tut wirklich weh.“

„Ich lehne es ab, dass du mir Frühstück machst, wenn ich das nächste Mal hier bin. Jetzt halt die klappe und iss“, antwortete sie und versteckte ihr Grinsen hinter ihrer Kaffeetasse.



Nachdem sie fertig waren, stand sie auf und nahm seinen Teller um ihn abzuwaschen, aber er hielt sie auf,

„Du musst das nicht tun.“

„Willst du mich loswerden?“

„Nein, ich will, dass du dich wie ein Gast fühlst, aber du lässt mich nicht.“

„Du hast auch gesagt, ich soll mich wie zu Hause fühlen“, erwiderte sie mit einem selbstgefälligen Grinsen und ging an ihm vorbei, während er sie mit offenem Mund anstarrte.

„Halt die Klappe“, sagte er endlich und Kate musste lachen.



Später, nachdem sie das Geschirr abgewaschen hatten und Kate ihre Sachen gepackt hatte, begleitete er sie zu ihrem Auto, ihre Tasche über seine Schulter geschwungen. Er hatte sie ihr abgenommen, als sie runterkam und sich geweigert ihrem Protest zuzuhören.

„Du musst das wirklich nicht machen“, versuchte Kate es zum fünften Mal.

„Ich habe es schon getan“, erwiderte er während er die Tasche in den Kofferraum legte. Dann ging er um das Auto herum und blieb vor ihr stehen.

„Also“, begann sie, unsicher was sie sagen oder tun sollte. Sollte sie ihn umarmen? Ihm die Hand schütteln? Nichts davon tun? Weiterhin alles was die letzten Tage beinahe zwischen ihnen passiert war ignorieren? Sie entschloss sich zu einem ‚wir sehen uns‘ und verfluchte sich sofort, als das Leuchten in seinen Augen fast unmerklich abnahm.

„Schreib mir, wenn du zu Hause bist?“

„Mach ich.“


Sie sollte gehen. Sie sollte in ihr Auto steigen und fahren, wie sie es geplant hatte. Aber ihre Beine bewegten sich nicht. Ihre Augen waren auf seine gerichtet und sie wusste, in ihnen lag etwas, was er versuchte zu verstecken. Etwas, das langsam größer wurde, je länger sie unbeweglich vor ihm stand.

Sein Blick flackerte zu ihren Lippen und bevor sie den Gedanken formulieren konnte, der davon ausgelöst wurde, lagen seine Lippen auf ihren, warum und sanft und besser als sie es sich dieses Wochenende – oh, wem machte sie eigentlich was vor, das letzte Jahr – wieder und wieder vorgestellt hatte.Seine Hände lagen auf ihren Wangen und sie wollen den Kuss erwidern. Sie wollte ihre Augen schließen und mit ihren Fingern durch sein Haar fahren, aber ihr Körper reagiert auf keines der Signale, die ihr Gehirn verzweifelt versandt.

Sie fühlte sich wie erstarrt und am liebsten hätte sie sich dafür in den Hintern getreten.


Es dauerte nicht lange.

Er zog sich zurück und ließ seine Hände fallen. Ihre eigenen Hände waren in der Luft erhoben – was das passiert war, konnte sie nicht sagen – und sie bemerkte ein Anzeichen von Reue in seinem Blick. Und oh Gott warum konnte sie den Kuss nicht einfach erwidern? Warum konnte sie nicht, die eine Sache tun, an die sie seit Monaten dachte?


Sein Mund öffnete sich, aber bevor die Worte, von denen sie wusste, dass es eine Entschuldigung wäre, über seine Lippen kommen konnten, unterbrach sie ihn. Es gab nichts, wofür er sich entschuldigen musste.

„Ich sollte gehen.“

Das war nicht was sie hatte sagen wollen. Das war nicht mal ansatzweise, was sie hatte sagen wollen. Sie wollte die Worte zurücknehmen, die Reue in seinem Blick löschen, die immer mehr wurde, aber er bewegte sich bereits rückwärts, brachte eine Distanz zwischen sie, die sich mehr als räumlich anfühlte. Sie holte tief Luft, suchte nach den richtigen Worten, damit er verstand, auch wenn sie es selbst nicht verstand. Es gab keine.

„Ja, natürlich“, stimmte er zu und sie wusste, es war gelaufen. Er hatte die eine Sache getan, die sie wollte, und sie hatte es ruiniert.


Es gab nichts mehr, was sie tun konnte und sie wandte sich ab, öffnete die Tür ihres Autos, setzte sich und seufzte, bevor sie den Motor startete und davonfuhr.
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