Find your heart

GeschichteRomanze, Freundschaft / P6
Kate Beckett Richard Castle
21.01.2019
25.02.2019
6
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Als Kate am nächsten Morgen erwachte, war das erste was sie bemerkte, die Sonne, die durch ihr Fenster schien und den Raum erhellte. Sie setzt sich abrupt auf, griff nach ihrem Handy und entsperrte das Display um zu sehen, wie spät es war.

Erst als ihre Füße den Boden berührten und sie in der Bewegung erstarrte, weil es nicht der Boden in ihrer Wohnung war, erinnerte sie sich, dass sie sich in Castles Strandhaus befand. Sie hatte ihren Wecker nicht überhört, weil sie sich gar keinen gestellt hatte, und sie musste heute nicht auf Arbeit erscheinen, so wie die nächsten drei Tage.

Für einen Moment überlegte sie, sich wieder hinzulegen, aber jetzt war sie schon aufgestanden und das Wetter war zu schön, um den ganzen Tag im Bett zu verbringen, als zog sie sich an und ging die Treppe hinunter, dem Geruch nach Kaffee entgegen, der ihr entgegenkam, als sie die Tür zum Flur öffnete.

                                                                                                                                                                                                                             

Als Castle an diesem Morgen aufgewacht war, hatte er sich aktiv daran hindern müssen die Treppe hinauf zu gehen, um zu sehen, ob Kate schon wach war. Er glaubte nicht, dass sie von ihm geweckt werden wollte, aber selbst, wenn sie wach war, wollte sie wahrscheinlich nicht gestört werden. Also begab er sich in die Küche, um Frühstück zuzubereiten.


Er begann eine Kanne Kaffee zu kochen und machte sich dann daran Pancake-Teig vorzubereiten. Als er wenige Minuten später hörte, wie Kate die Treppe hinunterkam, schaute er hoch, ein lockeres Lächeln auf seinem Gesicht und ein Gruß auf seinen Lippen, den er schnell runterschlucken musste.

Er wusste nicht, warum er so unvorbereitet war, immerhin hatte er sie vorher schon in legerer Kleidung gesehen. Aber Kate Beckett in einer Bluse mit Blumenmuster, Jeans und barfuß zu sehen, ließ ihn erstarren.

„Morgen“, begrüßte sie ihn und ihre Stimme holte ihn aus seinen Gedanken.

„Morgen“, erwiderte er, bevor er sich daran erinnerte, dass er kochte. Der Pancake war dunkler, als er geplant hatte, als er ihn umdrehte, aber das konnte ihm im Moment nicht egaler sein.

Kate ging an ihm vorbei und goss ihnen beiden eine Tasse Kaffee ein, bevor sie um die Kücheninsel herum ging, die Tassen daraufstellte und sich auf einen Hocker niederließ.

„Pancakes, ja?“, fragte sie mit einem Zwinkern. „Immerhin ist Espo dieses Mal nicht hier.“

„Das ist Tradition“, verteidigte sich Castle bevor er aufsah und sah wie Kate ihr Schmunzeln versteckte, indem sie ihre Tasse hob und einen Schluck ihres Kaffees nahm.

„Und ein ‚Danke, dass du hier bist‘“, fügte er hinzu, bevor er sich aufhalten konnte. Kates neckendes Lächeln verschwand, für den Bruchteil einer Sekunde, konnte er sehen, wie es zu einem sanften Lächeln wurde, bevor sie ihr Gesicht hinter ihrer Tasse verbarg. Lächelnd wandte Rick sich wieder der Pfanne auf dem Herd zu und wendete den Pancake. Er hatte nicht vorgehabt, sie mit dieser Aussage in Verlegenheit zu bringen, aber es war die Wahrheit. Er war dankbar, dass sie mit ihm hier war. Nicht nur, weil er so die Chance hatte sie besser kennenzulernen, sondern auch, weil sie es verdiente Zeit außerhalb der Stadt und der Kriminalität, die sie fast jeden Tag sehen musste, zu verbringen. Und es waren noch nicht mal 24 Stunden vergangen und er konnte bereits sehen, dass sie entspannter war, als er sie je gesehen hatte.

Kate räusperte sich und schaute wieder hoch, schien ihre Emotionen wieder unter Kontrolle zu haben. „Ist die Schürze auch Tradition?“

„Ja ist sie“, erwiderte Castle ohne mit der Wimper zu zucken.

„Ein Geschenk von Alexis?“, fragte Kate. Sie konnte nicht viel von dem Aufdruck auf der Vorderseite der grünen Schürze sehen, die Castle anhatte, aber was sie erkennen konnte, sah wie die Zeichnung eines Kindes aus. Und sie kannte Castle gut genug, um zu wissen, dass er alles, was Alexis ihm schenkte, mit Stolz trug.

„Yep.“ Castle hatte den letzten Pancake aus der Pfanne genommen und stellte den Herd ab. „Ein Geburtstagsgeschenk als sie sieben war. Ich glaube, manchmal wünscht sie sich, ich würde aufhören sie zu tragen, aber ich liebe sie“, erklärte er schulterzuckend.

„Behältst du sie deswegen hier und nicht im Loft?“

„Nein, das tue ich, weil ich eine coole Schürze in diesem Haus brauchte.“

Kate grinste über seine Worte, Wärme breitete sich in ihrem Magen aus, als sie ihn ansah. Er war immer stolz auf Alexis und alles was sie tat, gewesen, und Kate wusste, er trug diese Schürze, weil er es wollte. Vor allem, wenn Alexis nicht da war, um ihn darin zu sehen. Das war nichts Neues für sie, immerhin hatte sie dieses Verhalten gesehen, als sie im Loft gewohnt hatte, und jedes Mal, wenn er auf dem Revier mit Alexis sprach. Es machte sie immer noch glücklich, diese Version von Castle zu sehen, erinnerte sie daran, dass was auch immer die Klatschpresse über ihn schrieb, nur Schau war.

„Jetzt iss deine Pancakes“, sagte er und stellte einen Teller vor sie, bevor er sich neben sie setze.



„Was machen wir heute?“, fragte Kate, nachdem das Geschirr abgespült war und Castle gerade den Schrank für die Teller geschlossen hatte.

„Ich habe nichts vor“, antwortete er und drehte sich zurück zur Kücheninsel. „Aber wir sollten wahrscheinlich einkaufen gehen, wenn wir nicht verhungern wollen, bis du wieder fährst.“

„Okay, dann fangen wir damit an. Irgendwelche Ideen, was wir essen wollen?“ Kate umrundete die Kücheninsel während sie ihr Handy rausholte um eine Liste zu schreiben.

„Oh, das müssen wir jetzt nicht entscheiden.“

„Du hast gerade gesagt, wir sollten einkaufen gehen.“

„Naja schon, aber wir brauchen doch keine Liste dazu“, erwiderte er schulterzuckend.

Kate schaute von ihrem Handy auf und hob eine Augenbraue. „O-kay.“

„Du würdest lieber eine Liste schreiben?“

„Du sagst das, als wäre es was Schlechtes.“

„Oh nein, das war nicht meine Absicht.“ Castle hob abwehrend seine Hände. „Es ist nur – ich weiß auch nicht, ich bin irgendwie überrascht, dass du mitkommen willst.“

„Warum?“

„Weil du nicht einkaufen gehst?“

„Das ist nicht wahr.“

„Hm“, Castle hob eine Augenbraue, „dein Kühlschrank hat aber was anderes gesagt“, sagte er, ein schelmisches Funkeln in seinen Augen, das sofort erlosch, als er Kates Blick traf.

Für eine Sekunde schaute sie ihn ungläubig an, hatte beinahe Spaß an dem besorgten Ausdruck, der sich auf Castles Gesicht ausbreitete. Aber dann schüttelte sie ihren Kopf, war nicht länger in der Lage vorzugeben, dass sie es nicht amüsant fand, und Castle entspannte sich wieder. Er umrundete die Kücheninsel ebenfalls und setzte sich neben Kate, damit sie über eine Liste nachdenken konnten.

                                                                                                                                                                                                                             

„Oh“, keuchte Castle neben Kate und sie drehte sich überrascht zu ihm, erwartete fast, dass er Zeuge einer Straftat geworden war. Offenbar hatte ihr Gehirn noch nicht ganz verstanden, dass sie Urlaub hatte. Natürlich gab es in der Nähe nichts Außergewöhnliches zu sehen und Kate runzelte ihre Stirn, fragte sich, ob sie sich das Geräusch nur eingebildet hatte und war kurz davor es mit einem Achselzucken abzutun, als Castle sich mit einer Tüte Marshmallows zu ihr umdrehte.

„Wir haben vergessen die auf unsere Liste zu schreiben“, sagte er und ließ sie in den Einkaufswagen fallen. „Siehst du, deswegen schreibe ich keine Listen, weil ich vergesse die wichtigen Dinge aufzuschreiben.“

Kate war gerade so in der Lage ihr Lächeln zu unterdrücken und musste sich für eine Sekunde abwenden, während sie den Wagen weiterschob und nach der nächsten Sache auf ihrer Liste suchte.


„Sag, Castle“, begann sie ein paar Augenblicke später. „Warum sind Marshmallows wichtig?“

Der beleidigte Ausdruck auf Castles Gesicht brachte sie fast dazu ihre Hände in Verteidigungsposition zu heben und sich zu entschuldigen, bis er seine Hand auf seine Brust legte und so tat, als wäre er zu tiefst verletzt.

„Beckett, das tut weh. Wie sollen wir denn S’mores essen, ohne Marshmallows?“

Nun, da hatte er recht. Und wenn sie ehrlich war, störte es sie gar nicht, immerhin war er derjenige, der für alles bezahlte, was sie kauften. Wenn er den ganzen Laden leer kaufen wollte, würde sie ihn nicht aufhalten. Das änderte an der Tatsache nichts, dass sie sich mit einer Einkaufsliste wohler fühlte, als ohne.

„Hey, wie wäre es, wenn du gehst und alles holst, was wir auf diese geniale Liste geschrieben haben“, unterbrach Castle ihre Gedanken. „Während ich gehe und all die Dinge hole, die wir vergessen haben?“

„Äh okay“, sagte Kate schulterzuckend und Castle grinste ihr freudig zu, bevor er sich umdrehte und um die nächste Ecke verschwand. Manchmal war er das größte Kind, das Kate kannte, aber dieses Mal störte es sie nicht im Geringsten. Tatsächlich hatte sie Schwierigkeiten damit, das Lächeln aus ihrem Gesicht zu verbannen während sie erneut auf die Liste schaute und sich dann umdrehte, um herauszufinden, wo sie finden konnte, was sie noch brauchten.



Castle war im Laden herumgewandert um die Schokolade und Cracker für die S’mores zu finden. Wie hatte er nur vergessen können, dass auf die Liste zu setzen? Es war eine essenzielle Mahlzeit an diesem Wochenende. Alexis wäre mit Sicherheit enttäuscht.

Aber jetzt hatte er alles gefunden und sich auf dem Weg zurück zu Kate gemacht. Zum Glück war dieser Laden nicht sehr groß und so dauerte es nicht besonders lange.

Er ließ beinahe die Schokolade fallen, als er sie am anderen Ende des Ladens fand, wo das Sonnenlicht durch die Fenster in den Laden scheinen konnte und sie von hinten erleuchtete.

Sie hob ihre Hand, um eine Strähne ihres Haars hinter ihr Ohr zu schieben, während sie die Regale auf der Suche nach was auch immer betrachtete.

Die Sachen, die er in der Hand hatte vergessend, nahm Castle das Notizbuch mit Stift, das er immer bei sich trug, aus seiner Tasche und öffnete es. Die Schokolade und Cracker fielen vor seinen Füßen zu Boden, aber er bemerkte es nicht.

Das Bedürfnis zu schreiben war gerade zu viel, die Szene, die sich in seinem Kopf formte, zu stark um unterdrückt zu werden, bis er zu Hause war und für eine oder zwei Stunden in sein Arbeitszimmer verschwinden konnte.

Er bemerkte kaum, wie Kate ein paar Minuten später vor ihm erschien, zu gefangen von seinem Schreiben, um sich um irgendetwas, das um ihn herum passierte, zu kümmern.

Kate beugte sich nach unten, um die Schokolade und Cracker vom Boden aufzuheben und in den Wagen zu legen, bevor sie ihre Hand auf seinen Ellbogen legte, um ihn zur Kasse zu führen, zu bezahlen und den Laden zu verlassen.

Als sie ein paar Minuten später wieder beim Haus ankamen, schaffte er es kaum eine kurze Entschuldigung an Kate zu richten und begab sich direkt in sein Arbeitszimmer, öffnete die Datei, an der er gearbeitet hate und fuhr dort mit dem Schreiben fort.


Kate stand für einen Moment im Flur, bevor sie sich an die Lebensmittel erinnerte, die weggeräumt werden mussten, und genau das tat.

Nachdem sie damit fertig war, wusste sie nicht, was sie tun sollte. Sie wollte Castle nicht stören, wenn er offensichtlich von irgendetwas im Laden inspiriert worden war – sie hatte keine Ahnung wie ein Lebensmitteleinkauf für irgendjemanden inspirierend sein konnte, aber was wusste sie schon vom Schreiben – aber sie fühlte sich auch nicht wohl dabei, einfach im Haus herumzuwandern ohne, dass er es wusste.

Sie begab sich zu seinem Arbeitszimmer, nur um zu sehen, ob er vielleicht an einem Punkt angekommen war, an dem er in der Lage war, mit ihr zu reden, und blieb in der Tür stehen.

Er war auf jeden Fall nicht in der Lage mit ihr zu reden, saß vor seinem Laptop, konzentriert azf was auch immer er sehr schnell tippte. Und Kate konnte nicht anders, als dort stehen bleiben. Entfernt dachte sie daran, wie sehr sie es hasste, wenn er sie auf dem Revier nur bei der Arbeit beobachtete, war sich bewusst, dass sie das jetzt auch tat, aber sie konnte nicht aufhören. Richard Castle dabei zuzusehen, wie er ein Buch über sie schrieb, von ihr inspiriert wurde, war etwas, das sie nie für möglich gehalten hatte, und es war aufregend.

Aber sie konnte hier nicht so rumstehen, ihm beim Arbeiten zusehen, wie er seine Brille – seit wann trug er eine Brille? – nach oben schob, ohne seine Konzentration zu verlieren. So aufregend es auch war, sie befürchtete, früher oder später würde er ihre Anwesenheit bemerken und sie wollte nicht der Grund sein, warum seine Konzentration flöten ging, oder ihm erklären, warum sie so offensichtlich das tat, was sie ihn ständig bat nicht zu tun.

Sie war dabei sich umzudrehen und ihn allein zu lassen, als ihr Blick auf das Bücherregal neben der Tür fiel. Sie konnte sich ein Buch nehmen und es lesen, bis er fertig war. Das schien eine gute Idee zu sein.

So leise wie möglich betrat sie sein Arbeitszimmer vollständig und ging zum Bücherregal, bereit sich ein Buch zu nehmen, das sie interessant fand. Aber stattdessen hob sie ihre Augenbrauen und schaute abermals zu Castle.

Sie konnte nicht genau erklären, warum es sie überraschte, aber sie hatte nicht erwartet, dass er seine eigenen Bücher in anderen Sprachen besaß. Aber hier waren sie. Alle Derrick Storm Romane neben Heat Wave in verschiedenen Sprachen. Ein Teil von ihr hatte das Bedürfnis sie zu lesen, aber ihre Sprachkenntnisse waren wahrscheinlich nicht gut genug, um sie auf die gleiche Art zu genießen, wie sie es auf Englisch tat, also entschloss sie sich dagegen.

Mit einem Lächeln wandte Kate sich von dem Regal ab und verließ den Raum. Castle tippte noch immer und sie war froh zu sehen, dass er kaum etwas löschte, also musste ihm gefallen, was er schrieb. Sie ging in die Bibliothek, die er ihr gestern gezeigt hatte und fand dort ein Buch, das sie lesen konnte, bevor sie sich auf die Terrasse begab, es sich in einem der Klubsessel gemütlich machte und das Buch öffnete.

                                                                                                                                                                                                                             

Castle schaute von seinem Laptop auf und von der Sonne ausgehend, die durch das Fenster schien, musste er stundenlang geschrieben haben. Es erklären würde, warum er so hungrig war. Er stand auf, streckte sich und verließ sein Arbeitszimmer um in der Küche etwas zu essen zu finden.

Als er den Kühlschrank saß, erinnerte er sich daran, warum er überhaupt angefangen hatte zu schreiben. Und daran, dass Kate hier irgendwo war, und er drehte sich schnell um. Hoffentlich war sie nicht zu sauer darüber, dass er sie einfach so an ihrem ersten Tag in den Hamptons hatte stehen lassen.


Er hatte sich einfach seit Wochen nicht so gut dabei gefühlt etwas zu schreiben und er konnte sich nicht aufhalten und auf einmal waren Stunden vergangen und er hatte eine Szene geschrieben, die leider so gar nicht in das Buch passte. Aber er würde sich darüber nicht beschweren. Vielleicht konnte er in einem späteren Buch Verwendung dafür finden, immerhin musste er mindestens zwei weitere schreiben. Zum Glück waren ihm, nachdem er diese Szene beendet hatte, Worte eingefallen, um ein Kapitel für sein eigentliches Buch zu beenden.


Er fand Kate auf der Terrasse in seinem der Sessel, eine Sonnenbrille bedeckte ihre Augen und sie las ein Buch, und er musste stehenbleiben.

Sie war wunderschön. Das war keine neue Erkenntnis, er wusste das, seit dem Moment, in dem sie ihn gebeten hatte mit aufs Revier zu kommen, damit sie ihm ein paar Fragen zu einem Mordfall, der an dem Tag geschehen war, stellen konnte. Aber jetzt in diesem Moment traf es ihn härter.

Wie ungezwungen sie in seinem Haus wirkte. Wie der Ort selbst kompletter wirkte, seit sie da war. Als würde sie hier hergehören.

Er musste einen Schritt zurücktreten, als ihm der Gedanke kam.

Er hatte immer das Gefühl gehabt, dass an diesem Haus etwas fehlte, aber er war nie in der Lage gewesen rauszufinden was genau. Jetzt wusste er es.

Kate passte perfekt hierher, passte makellos in sein Leben. Aber er konnte nicht wirklich etwas tun, oder? Zumindest nicht in diesem Moment. Er wäre zu viel zu schnell. Wahrscheinlich. Vielleicht. Was, wenn nicht? Was, wenn das etwas war, das Kate hören musste?

Aber was, wenn es zu viel war? Er wollte nicht riskieren, sie wieder zu verscheuchen. Dass sie hier mit ihm war, war zu wichtig, als dass er es falsch angehen konnte. Sie musste hierbei den Ton angeben.


Castle holte tief Luft und trat vor, ging auf Kate zu.

Sie schaute von ihrem Buch hoch, das er als eines aus seiner Bibliothek erkannte, schob einen Finger zwischen die Seiten, bevor sie es zuklappte und schob ihre Sonnenbrille auf ihren Kopf. Die Tatsache, dass sie sich in seinem Haus wohl genug fühlte, um seine Bibliothek zu durchstöbern, während er beschäftigt war, erfreute ihn und er fühlte, wie sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete.

„Hey“, begrüßte sie ihn mit einem Lächeln und folgte seiner Bewegung, als er sich mit einem Gruß in den anderen Klubsessel setzte. „Fertig mit Schreiben?“

„Ja. Sorry, dass ich einfach so gegangen bin.“

„Oh nein, dafür musst du dich nicht entschuldigen, Rick. Es ist dein Job und wenn du schreiben musst, dann schreibst du. Immerhin weiß ich jetzt, dass Gina keinen Grund hat, dich wirklich umzubringen.“

Castle lachte und nickte. „Ja und ich bin auch froh, das zu wissen.“

„Geht es mit dem Buch voran?“, fragte Kate. Sie wollte keine Details zur Geschichte, offensichtlich, wollte es genießen, sobald es veröffentlicht wurde, wollte sich von den Wendungen und Rätseln überraschen lassen. Aber der Moment, den sie damit verbracht hatte ihm bei seiner eigentlichen Arbeit zuzusehen, hatte etwas in ihr erweckt, was sie nicht ganz erklären konnte.

„Ich habe ein Kapitel beendet“, erzählte Castle mit Stolz.

„Oh, das klingt großartig“, sagte Kate und ihr Lächeln wurde breiter.

„Ich habe auch eine Szene geschrieben, die absolut nicht ins Buch passt, außer ich schreibe es komplett neu“, fügte er hinzu.

„Ist das schlimm?“, fragte Kate.

Castle zuckte mit den Schultern. „Im besten Fall kann ich sie irgendwie in ein anderes Buch einbauen. Im schlimmsten Fall wird niemand sie je zu lesen bekommen. Es ist nicht schlimm“, fügte er hinzu, als er bemerkte, wie Kate einen leicht besorgten Gesichtsausdruck bekam. „Sowas passiert.“

Auch wenn es schon seit langem nicht mehr vorgekommen war und wenn er ehrlich war, dann wusste er nicht, wann es das letzte Mal vorgekommen war. Auf jeden Fall in einem der ersten Derrick Storm Romanen. Damals als er noch Spaß daran hatte, sie zu schreiben, als er noch nicht wusste, wie sich sein Charakter verhalten würde noch bevor er das Buch angefangen hatte. Er hatte nicht erwartet, dass es jemals wieder passieren würde, hatte akzeptiert, dass er nur das schrieb, was er für ein Buch brauchte. Bis Detective Beckett vor etwas mehr als einem Jahr auf seiner Buchparty erschienen war und er zum ersten Mal seit Langem wieder Spaß am Schreiben hatte. Aber selbst dann, nachdem er einen neuen Charakter gefunden hatte, über den er ein Buch schreiben konnte, hatte er keine Szenen geschrieben, die nicht ins Buch passten. Sicher, manchmal schrieb er ein paar Worte hier und da um in den Flow zu kommen, aber nie eine ganze Szene. Geschweige denn, eine, die er weiterführen konnte, wenn er wollte.


Castle wurde schweigsam und schien in Gedanken versunken, schaute auf den Ozean, der in der Ferne im Sonnenlicht glitzerte. Kate wollte ihren Blick abwenden, wusste, wie sehr sie es hasste beobachtet zu werden, wenn sie nachdachte, versuchte Beweise in einem Fall zusammenzufügen, aber er trug noch immer die Brille, die sie zum ersten Mal in seinem Arbeitszimmer gesehen hatte und sie konnte nicht wegschauen, egal wie sehr sie es wollte.

Sie konnte den Moment sehen, in dem er es bemerkte, die Sekunde, in der aufhörte nachzudenken, aber sie schaute trotzdem nicht fort.

„Was?“, fragte er, Verwirrung in seiner Stimme.

„Nichts“, beeilte sie sich zu sagen, „Ich … wusste nur nicht, dass du eine Brille trägst.“Sein Kopf schnellte herum und er sah sie mit Überraschung – und Sorge? – in seinem Blick an und Kate zog sich einen Zentimeter zurück. Seine Hand hob sich und berührte das Gestell, als würde er kontrollieren, dass sie tatsächlich da war.

„Naja“, sagte er und setzte sie ab. „Ich mag es nicht sei zu tragen.“

„Warum nicht?“

„Ich fühle mich alt damit“, jammerte er und Kate lachte beinahe los, war kaum in der Lage weiterhin ernst zu schauen und ihre Belustigung nicht zu zeigen. „Aber wenn ich schreibe und stundenlang auf den Computer schaue … seit ich die Brille habe ist es einfacher. Aber wenn du irgendjemandem davon erzählst, rede ich nie wieder auch nur ein Wort mit dir.“

„Oh nein … wie soll ich das nur überleben.“

„Oh, jetzt machst du Witze darüber, aber wir wissen beide, Kate, dass du dich ohne mich auf der Arbeit langweilen würdest und, dass du mich nach einer Woche vermissen würdest.“

„Als ob du es schaffen würdest, mehr als zwei Tage nicht aufs Revier zu kommen.“

„Ich könnte es.“

„Mhm. Natürlich könntest du“, erwiderte Kate und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Buch, das sie aus seiner Bibliothek hatte, zeigte offenkundig, dass sie diese Unterhaltung damit beendete. Aber sie versuchte nicht, dass Lächeln auf ihrem Gesicht zu verbergen und Castle schüttelte den Kopf, bevor er aufstand, um seine Brille zurück in sein Arbeitszimmer zu bringen, wo sie hingehörte.

Aber bevor er das Haus betrat, drehte er sich noch einmal um, erinnerte sich daran, weswegen er überhaupt hier rausgekommen war. „Willst du was essen?“, rief er, zog Kates Aufmerksamkeit von ihrem Buch fort.

Sie dachte eine Sekunde darüber nach, bevor sie nickte und ihm ins Haus folgte. „Essen klingt super.“

                                                                                                                                                                                                                             

„Manchmal vergesse ich, wie viele Sterne man sehen kann, wenn man nicht in der Stadt ist.“

Sie hatten vor einer Weile ihr Abendessen beendet, eine Flasche Wein und zwei Gläser gegriffen und waren auf die Terrasse gegangen. Während die Sonne hinter dem Ozean unterging, hatte Castle eine Laterne angemacht, damit sie nicht in völliger Dunkelheit saßen.

Ohne die Sonne, die sie wärmte, war es ziemlich schnell kühl geworden und Kate hatte sich einen Pulli geholt, bevor Castle ihr eine Decke anbot, die sie jetzt auch um ihre Schultern gelegt hatte.

Warum er scheinbar nicht mehr als ein T-Shirt brauchte um sich warm zu halten, verstand sie absolut nicht, aber ihr Dad hatte in den Urlauben, die sie in der Holzhütte verbrachte hatten, auch nie mehr als ein T-Shirt getragen. Sie und ihre Mom hatten eine dritte Decke in Erwägung gezogen, bevor ihr Dad darüber nachdachte sich ein langärmliges Shirt anzuziehen. Sie war schon viel zu lange nicht mehr bei der Hütte gewesen.


„Mein Dad hat eine Hütte und wir haben die meisten unserer Urlaube da verbracht, als ich klein war“, begann Kate. „Wir haben auf der Veranda oder am See gesessen und uns die Sterne angeguckt.“ Sie fuhr mit ihrem Finger über den Rand ihres Weinglases, ein abwesendes Lächeln auf ihrem Gesicht. „Mein Dad hat versucht mir die Konstellationen zu erklären, aber ich kann immer noch keine davon finden.“

Castle gluckste, stellte sich eine jüngere Version von Kate vor, die den Geschichten lauschte, die ihr Dad ihr erzählte. Erinnerte sich daran, wie sehr Alexis es geliebt hatte, wenn er Geschichten erzählt hatte.

„Deinem Dad gehört eine Hütte?“, fragte er ein paar Momente später, als seine Neugier gewann.

„Ja“, sagte Kate mit einem Lächeln in ihrer Stimme. „Meine Eltern haben mir da Schwimmen beigebracht und wir sind in den Wäldern wandern gegangen. Als Kind habe ich es geliebt da zu sein.“

„Das kann ich mir vorstellen“, sagte er wehmütig. Natürlich liebte er sein Haus in den Hamptons, aber die Vorstellung einer kleinen Hütte an einem See, umgeben von einem Wald, war großartig.

„Du solltest mal vorbeikommen.“

Castle drehte seinen Kopf zu Kate. Hatte sie ihn gerade wirklich in die Hütte ihres Vaters eingeladen? War sie sich bewusst, was sie gesagt hatte, oder würde sie es in einer Sekunde mitbekommen und zurücknehmen?

Es war zu dunkel um ihr Gesicht richtig sehen zu können, die Laterne auf dem Tisch zwischen ihnen spendete nur genug Licht, um das Weinglas in ihrer Hand zu sehen, aber von ihrem Gesicht konnte er nur den Umriss sehen.

Es überraschte ihn selbst, wie sehr er die Einladung annehmen wollte. Wie sehr er sich danach sehnte mit ihr in der Hütte ihres Vaters Urlaub zu machen. Aber sie war mit ihm hier, oder? Also hatte sie die Einladung vielleicht doch ernst gemeint.

„Das wäre schön“, sagte er endlich mit einem Lächeln.
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