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Wundersame Erlebnisse aus dem Leben des Eddy Spenser

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer / P12 / Gen
Eddie Jake Jessica OC (Own Character) Prime Evil Tracy
20.01.2019
01.01.2021
100
261.220
9
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.09.2020 1.649
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern wie immer am Ende des Kapitels.
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Eddy ist sehr hilfsbereit, und immer offen für neues. Er interessiert sich für verschiedene Themen, und dadurch lernt er immer wieder spannende Dinge. Eine Geschichte, in der er wieder einmal eine ganz neue Erfahrung macht, erzählt er uns in seinem heutigen Kapitel.

Sag’ es mit Blumen

Von Babysitten hat sicher jeder schon einmal etwas gehört, oder es selber gemacht. Selbst ein Kapitel meines Buches widmet sich ja dem Thema. Aber, habt ihr auch schon mal etwas von Blumensitten gehört? Das ist das Thema, mit dem sich dieses Kapitel beschäftigen wird. Denn genau damit habe ich kürzlich eine erstaunliche Erfahrung gemacht.
      Ich unterhielt mich mit einer älteren Dame aus der weitläufigen Nachbarschaft, dort wo die Hochhäuser niedriger wurden und es mehr kleine Grundstücke mit niedlichen kleinen Häusern gab. Jake würde es nicht mehr zu unserer Nachbarschaft zählen; für mich war jeder, den ich beim Einkaufen traf, ein Nachbar, und diese Dame hatte ich schon das eine oder andere Mal in unserem Reformhaus getroffen.
      Dieses Mal begegneten wir uns beim Friseur, das gab uns Gelegenheit, uns ausführlicher zu unterhalten. So erfuhr ich, daß sie gerade einen Urlaub plante, und auch, daß sie noch jemanden suchte, der sich in ihrer Abwesenheit um ihren Garten kümmerte. Ihr kennt mich! Ich konnte nicht widerstehen!
      Die Dame, Misses Daniels, war glücklich, und ich war gespannt auf die Arbeit, die mich erwartete. Ein paar Instruktionen gab sie mir bereits vorab, die ich zwar aufnahm, aber nicht weiter zu Ende dachte. So wies sie mich bereits darauf hin, daß die Rosen sehr eitel seien, man die Iris nicht in ihrer künstlerischen Phase stören sollte und man sich ein wenig vor den Löwenmäulern in Acht nehmen sollte – die würden viel brüllen, wären aber im Grunde harmlos. Ich kannte mich nicht allzu gut in der Bedeutung von Blumen aus, aber ich war mir sicher, wenn ich den Garten immer schön goß, dann würden die Blumen es sicher zu schätzen wissen.

Mit einem euphorischen Gefühl machte ich mich also gleich am Tag ihrer Abreise auf den Weg, um mir den Garten einmal anzuschauen, und mir den Überblick zu verschaffen. Zwar sahen wir uns nicht mehr, da sie schon früh aufgebrochen war, aber sie hatte mir - neben dem Schlüssel unter der Fußmatte - noch einen Haufen Instruktionen dagelassen. Ich beschloß, mich damit später zu befassen und mich erst einmal umzusehen.
      Der Garten war an sich gar nicht so groß, aber er wirkte riesig, weil es so viele Blumen hier gab. Ein Weg führte einmal im Kreis. Das war ganz komfortabel. Ich beschloß, den Rundgang einmal in Ruhe zu machen, und mir dann die Notizen von Misses Daniels anzusehen.
      Ich ging also langsam in diesen prachtvollen Garten hinein und betrachtete die vielen verschiedenen bunten Blumen, um die ich mich nun gut kümmern mußte, als ich plötzlich eine Stimme hinter mir hörte, die sagte: „Oh, was für ein wundervolles Motiv! Bitte genau so stehen bleiben!“
      Ich drehte mich zu der Stimme um, und bemerkte die winzige Staffelei in dem Beet vor mir. Aber, wer hatte da gesprochen? Eine Blume regte sich, als wolle sie einen Maßstab ausloten. „Ein bißchen mehr nach rechts, bitte!“
      In meiner Überraschung konnte ich gar nicht reagieren, obwohl ich offenbar angesprochen war. Dann erinnerte ich mich an die Instruktionen von Misses Daniels. Dies mußte also die künstlerische Iris sein. Auch wenn mir nicht bewußt gewesen war, daß es so wörtlich zu verstehen war!
      Hinter mir wurden indes andere Stimmen laut. „Sie sollte besser uns malen! Wir sind gute Motive für die Malerei!“
      Als ich mich umdrehte, entdeckte ich hinter mir die Rosen. So langsam wurde mir klar, worauf ich mich eingelassen hatte, auch wenn ich einen Moment brauchte, um mich daran zu gewöhnen. Von Blumensprache hatte ich schon gehört – sprechende Blumen waren mir neu!
      „Euch habe ich schon so oft gemalt!“ stellte die Iris nüchtern fest. „Ich brauche kein weiteres Rosenbild.“
      „Es kann gar nicht genug Rosenbilder geben!“ beschwerten sich die Rosen.
      „Jetzt geht das schon wieder los!“ hörte ich eine andere Stimme, und gleich darauf stimmten andere darin mit ein: „Ja! Letzte Woche gab es schon die gleiche Diskussion, als sie die Calla malen wollte.“ – „Und habt ihr das letzte Woche mitbekommen, als es darum ging, das Rotkehlchen zu malen?“ – „Natürlich! Einfach verscheucht haben sie es, damit sie sich wieder in Szene setzen können, und ihnen niemand die Show stiehlt.“ – „Unmöglich, diese Rosen!“
      Ich konnte nicht anders als zu schmunzeln, als ich den Tratschereien der Stiefmütterchen zuhörte.
      „Ach, jetzt nehmt das Leben doch nicht so ernst.“ hörte ich eine ruhige Stimme von weiter hinten. Das mußte die Sonnenblume gewesen sein. Sie hatte sich gelassen der Sonne zugewandt und genoß sichtlich die Wärme, und genau so gelassen klang sie auch.
      „Die hat gut reden!“ ging es bei den Stiefmütterchen weiter. „Macht den ganzen Tag nichts anderes als sich zu sonnen. Na, die Ruhe möchte ich mal weg haben!“ – „Ganz richtig! Habt ihr mitbekommen, was die Calla vor zwei Tagen zu ihr gesagt hat? Ihr sonniges Gemüt würde sie depressiv machen!“ – „Ach, die Calla ist doch immer depressiv. Ich habe sie jedenfalls noch nie anders erlebt!“
      Aus dem Hintergrund klang plötzlich ein Weinen, und in dem gleichen deprimierten Timbre sagte jemand: „Ihr wißt ja gar nicht, wie das ist!“ Das mußte die Calla gewesen sein, eine schöne, weiße, aber offenbar gerade auch sehr traurige Blume. Ich fühlte den Drang in mir, sie zu trösten. Doch da wurde ich schon wieder von den Stiefmütterchen in meinen Gedanken unterbrochen.
      „Siehst du, was habe ich gesagt? Dauernd so negativ!“ – „Ja, fürchterlich! Da sind mir ja fast die Rosen noch lieber. Die sind zwar…“
      Ein Brüllen von hinter mir ließ mich zusammenschrecken. Ich wirbelte herum und entdeckte die Löwenmäuler, denen das Gequatsche offenbar zu viel geworden war. Mit ihrem Brüllen brachten sie aber nur ein neues Thema auf den Plan.
      „Ach, die schon wieder. Die kann man ja gar nicht ernst nehmen…“
      Ich schmunzelte und ging den Weg weiter. Auf einer Seite sah ich eine hübsche Blume, das mußte ein Vergißmeinnicht sein. Als ich vorbei ging, sprach es die Blume neben sich an. „Oh? Ist unsere alte Lady heute gar nicht da?“
      „Naja, sie hat doch gesagt, daß sie für ein paar Tage in Urlaub ist, und daß dann jemand anderes nach uns sieht.“ erwiderte die Nachbarin, die sich eher unscheinbar im Hintergrund hielt. Das mußte eine Margerite sein, wenn ich richtig informiert war.
      „Das brauchst du ihr nicht zu erzählen!“ rief ein Stiefmütterchen herüber. „Sie vergißt doch sowieso alles gleich wieder!“
      Die Margerite traute sich daraufhin gar nichts mehr zu sagen. Offenbar war sie recht zurückhaltend.
      Ich wandte den Blick auf die andere Seite, wo gerade ein paar Kommandos geprobt wurden. „Und eins, zwei, Step, und eins, zwei, Step…“ Ich sah einige Tulpen in Reihen stehen und sich zum Takt bewegen. So wie es aussah, wurde hier eine neue Tanznummer einstudiert. Das gefiel mir! Aber auch das wurde durch ein paar Stiefmütterchen auf dieser Seite durchbrochen.
      „Hast du gehört, daß die Margerite bei der Tanzgruppe mitmachen wollte?“ – „Die? Die ist doch viel zu schüchtern dafür. Kriegt ja kaum den Mund auf, ganz zu schweigen, daß die sich trauen würde, öffentlich zu tanzen!“
      Langsam gingen die mir auf die Nerven! Meine Aufmerksamkeit wurde aber gerade sowieso auf etwas anderes gelenkt, als ich einen Aufschrei hörte. Eine Tulpe hatte sich anscheinend bei der Probe verletzt. Sofort lehnte sich eine Kamille zu ihr herüber. „Oh je, was ist denn passiert? Laß mich dir helfen!“
      Das brachte mich wieder zum lächeln. Es war schön zu sehen, daß die Blumen untereinander füreinander sorgten. Und die Kamille schien sehr hilfsbereit zu sein.
      „Wie wäre es, wenn die Lilie mal helfen würde?“ tratschte ein Stiefmütterchen. „Die ist doch am dichtesten dran!“ – „Das kannst du von der nicht erwarten!“ gab eine Schwester von ihr zurück. „Die träumt doch ständig in den Tag hinein!“
      Ich sah, welche Blume sie meinte, und die wurde gerade von der Kamille angesprochen. Wie aus einer fernen Welt erwacht schreckte sie auf. „Was?“
      „Ich könnte hier ein bißchen Hilfe gebrauchen!“ gab die Kamille angenervt zurück.
      Ich ließ das kleine Szenario hinter mir und ging langsam weiter. Vorne links, da wo es schon zurück zur Terrassentür ging, hörte ich einige wunderschöne Stimmen im Einklang. Ein Narzissenchor! Auch hier fand gerade eine Probe statt. Ich blieb einen Moment stehen und lauschte fasziniert. Plötzlich bemerkte ich, wie sich etwas von hinten an mich schmiegte. Als ich mich umwandte, bemerkte ich, daß auch der Flieder lauschte. Er neigte sich in der Mitte des Gartens zu allen Seiten, und schien allem um sich herum zu lauschen. Sicher hatte er dadurch auch die meisten Informationen über das, was um ihn herum geschah, einfach, indem er zuhörte.
      Beeindruckt ging ich ins Haus zurück, schloß die Tür und lehnte mich dagegen. Ich konnte nicht anders als zu grinsen. Das würde eine interessante Zeit werden, die nächsten Tage…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 38 war:
      Prompt: Von Blumensprache hat wohl jeder schonmal gehört. Jetzt aber plötzlich mit sprechenden Blumen zu tun zu haben, das kam doch etwas unerwartet.
      Aufgabe: Gebt jeder Blumenart einen ganz eigenen Charakter. So sind Rosen beispielsweise äußerst eitel, während Vergissmeinicht sehr vergesslich sind.
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