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Wundersame Erlebnisse aus dem Leben des Eddy Spenser

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer / P12 / Gen
Eddie Jake Jessica OC (Own Character) Prime Evil Tracy
20.01.2019
01.01.2021
100
261.220
9
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.06.2020 2.528
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern wie immer am Ende des Kapitels.
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Eddy ist eigentlich fernseherprobt und kann auch gut mit surrealen Situationen umgehen. In dem folgenden Kapitel erzählt er eine Geschichte, die genau dort endet, und frei dem Motto folgt, »und wenn man meint, es kann nicht schlimmer kommen…«

Wer bin ich?

Skelevision zu schauen ist eigentlich eine feine Sache. Man kann seine Lieblingsfilme und -serien automatisch immer zusammen mit einem besten Freund schauen, der auch selbsttätig umschaltete. Im Grunde liebte ich die Skelevision-Abende, die ich entspannt auf dem Sofa vor unserem Schädelfernseher mit Herz und Seele verbrachte, den ich mit Fug und Recht meinen besten Freund nannte. Aber es gab immer Ausnahmesituationen. Und so eine hatten wir heute, als ich »Das Spukschloß im Spessart« gucken wollte, und Jake sich zur gleichen Zeit berufen fühlte, das Büro, in dem Skeli und ich es uns üblicherweise gemütlich machten, grundlegend aufzuräumen.
      Ich will nicht sagen, daß unser Büro es nicht nötig gehabt hätte. Hier war seit einiger Zeit nicht mehr ordentlich aufgeräumt worden, und mittlerweile sah es aus wie auf einem Basar. Mußte es aber ausgerechnet jetzt sein? Während ich versuchte, mich auf den Film zu konzentrieren, wurde der ganze Raum auf den Kopf gestellt. Es wurde alles umgeräumt, die Regale wurden geleert, alles sauber gemacht, neu und schick wieder eingeräumt… Kurz gesagt, es war ein einziges Geruschel. Zwei Mal hatte ich überlegt, mit Skeli zusammen einfach in ein anderes Zimmer zu gehen. Aber dafür hätte ich den Film unterbrechen müssen. Außerdem war ich zuerst da gewesen.
      Die Störungen nahmen aber kein Ende. Ich wußte, je länger ich es herauszögerte, desto weniger würde ich den Film genießen können. Als ich mich schließlich doch dazu entschied, mit Skeli in die Küche zu wechseln, passierte gleichzeitig etwas hinter mir. Jake stand auf einer Leiter, um das Gerümpel von den Schränken zu holen. Ich hörte noch das „Ach, da ist er hingekommen!“, drehte mich zu ihm um und sah, wie er einen lang vermißten und bald vergessenen Basketball vom Schrank fischte. Er bekam ihn kaum zu fassen, als er ihm auch schon prompt aus den Händen glitt und in den Raum fiel. Das war der Moment, in dem aus der Ausnahmesituation eine Katastrophe wurde…

Was genau da passierte, kann ich nicht einmal mehr im Nachhinein rekonstruieren. Der Basketball sprang auf den Boden, direkt auf das Skelevision zu, das nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte, und kam so ungünstig an die Schalter, daß das Programm umgeschaltet wurde. Auf dem Monitor war - ich nenne es jetzt mal, dem Zufall geschuldet - ebenfalls ein Basketball zu sehen. In dem Augenblick verschmolzen zwei Wirklichkeiten miteinander – zuerst schienen sich die beiden Basketbälle anzuziehen und zu einem zu verschmelzen, dann hatte ich das Gefühl, als würde es mich in das Skelevision ziehen, als wäre ich in den Sog mit hinein geraten.
      Einen Moment war ich wie benommen, hatte jeglichen Sinn für Perspektive eingebüßt und die Orientierung verloren. Als ich wieder zu mir kam, schwankte ich, fühlte mich förmlich fremd in meinem eigenen Körper. Als ich an mir herabsah, merkte ich, daß es gar nicht mehr mein Körper war, in dem ich steckte, und ich merkte auch, warum ich so schwankte. Ich war in meinem ganzen Leben nie so groß und dünn gewesen! Das kam meiner Höhenangst gerade nicht sehr entgegen!
      Ich versuchte, das Gleichgewicht zu wahren und sah mich dabei gleich einmal hektisch in der Umgebung um, damit ich wußte, wohin ich fiel, wenn es mir nicht gelang. Ich war in der Eingangshalle eines Cartoonhauses gelandet. Es kam mir vage vertraut vor, ich hatte mal zwischendurch in die Serie reingezappt. »Fosters Haus für Fantasiefreunde« hieß die Serie. Jetzt ärgerte ich mich, daß ich nie lange genug daran hängen geblieben war, um mich gut genug damit auszukennen. Ich kannte nicht einmal den Charakter, dessen Rolle ich gerade übernommen zu haben schien. Ich wußte nur, ich hatte jetzt einen sehr langen, roten Körper mit sehr langen roten Beinen und gerade mal ein Nummernshirt an. Das hatte mir der kurze Blick an mir herab gezeigt.
      Zu meinen Füßen - meinen riesigen, mit Sportschuhen bestückten Füßen - rannte gerade ein aufgeregtes Vogel… Flugzeug… Irgendwas entlang und rief ein aufgebrachtes „Co-co-co-co-co…“, das mir in den Ohren klingelte, bis es mich zu Fall brachte, und ich lang hinschlug, mit direktem Blick in das Gesicht eines blauen… Zylinders, der gerade stoisch mit einem Trinkbecher in der Hand das Vogel-Flugzeug-Dings verfolgt zu haben schien. Ich war fix und fertig. Nicht zuletzt, weil ich erst beim Fall bemerkt hatte, daß ich nur einen Arm zur Verfügung hatte. Welche kranken Kinder dachten sich solche Phantasiefreunde aus?
      Ich versuchte wieder auf die laaangen Beine zu kommen, als ich hinter mir eine neue Stimme hörte, die sich anscheinend direkt an den blauen Hydranten richtete. „Master Bloo! Wie oft muß ich noch erwähnen, daß Sie Miss Co-Co nicht mit Eiswürfeln bewerfen sollen?“ Der Sprecher stellte sich mir als Hase in einem Anzug dar und hatte einen britischen Akzent.
      Miss Co-Co war auf der anderen Seite stehen geblieben, hatte sich zu uns umgedreht und kurzerhand ein buntes Ei gelegt. Als es aufsprang, fiel ein Haufen Eiswürfel daraus auf den Boden. Ich beschloß, es unkommentiert zu lassen. Ich vermutete ohnehin, daß mein Sinn für Logik hier vollkommen gegen die Wand fahren würde. Eigentlich mochte ich Serien, die völlig abstrus waren. Aber nicht, wenn ich sie auf eine solche Weise kennen lernte. Mir behagte es nicht, in dieser Welt zu sein, und ich wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause zurück. Nur, wie sollte ich das anstellen…?
      Zusätzlich zu dem Hasen gesellte sich nun eine junge Frau zu uns, die Bloo ebenfalls noch einmal ankeifte und mir dann versuchte auf die Füße zu helfen, nicht ohne ein besorgtes und fast liebevolles „Alles in Ordnung, Wilt?“ Aha! Ich hatte einen Namen!

Nach einem halben Tag in Fosters Haus für Fantasiefreunde hatte ich eine Menge gelernt. Einfacher wäre es gewesen, ich hätte mir einfach mal die Serie angesehen.
      Die Situation, als ich in die Serie hineingezogen worden war, hatte sich gerade wie folgt dargestellt: Wilt, ein passionierter Basketballer, hatte in der Halle gerade mit dem Basketball trainiert, als es zu der Auseinandersetzung mit Co-Co und Bloo gekommen war. Die Ansprache von Frankie - so hieß die junge Frau, die sich als Nichte der Gründerin des »Waisenheims für Fantasiefreunde« (anders konnte man es nicht bezeichnen) herausstellte - hatte den blauen zylinderförmigen Fantasiefreund gar nicht interessiert. Als sie so etwas ähnliches wie fertig war, war er mit einem Achselzucken wieder gegangen. Und ich saß jetzt auf der Treppe im Eingangsbereich des Hauses und wußte nicht, was ich machen sollte. Ich traute mich nicht aufzustehen, weil ich so immens groß war, daß ich Höhenangst bekam, und als ich einmal einem Zufall geschuldet in einen Spiegel gesehen hatte, hatte ich mich so vor dem breiten Grinsen in dem roten Kopf mit den Stilaugen, von dem eines etwas desolat hin- und herrollte, erschrocken, daß es mich ein zweites Mal auf die Bretter gehauen hatte. Seitdem traute ich mich noch weniger, aufzustehen. Und es gab niemanden, mit dem ich darüber reden konnte, weil ich meine Rolle zu spielen hatte, in dieser irren Welt. Wie zur Hölle war ich hier hergekommen, und wie zur Hölle kam ich wieder zurück?
      Als ich noch trübselig über diese Fragen nachdachte, flog mir auf einmal der Basketball zu. Als ich aufsah, bemerkte ich Frankie nicht weit entfernt stehen. Sie hatte mir den Ball zugeworfen. „Was ist los, Wilt? Warum so niedergeschlagen?“
      Ich stützte das Gesicht in die Hand, die mir zur Verfügung stand, und entschied mich zu einer ausweichenden Antwort. „Ach, ich weiß auch nicht…“
      „Komm schon!“ rief sie aufmunternd. „Wirf ein paar Körbe! Das muntert dich doch immer auf!“
      „Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, ich habe den alten Drive verloren.“ Das konnte man mit Fug und Recht so stehen lassen. Ich konnte meiner Gegenüber nur nicht vermitteln, warum!
      Frankie ließ nicht locker. „Ach was. Jetzt laß dich nicht so hängen! Wenn du drei Körbe geworfen hast, bist du wieder ganz der Alte!“
      Das war genau mein Problem! Ich war nicht einmal der, der ich den Anschein hatte zu sein! Das wußte Frankie nur nicht. Und ich wagte nicht, ihr das zu erzählen. Als ich beim Essen eine leichte Andeutung gemacht hatte, daß ich nicht Wilt bin, sondern nur in dessen Körper steckte, hatte sie den Finger an der Schläfe kreisen lassen, und ich hatte den Eindruck, den Anschein, verrückt geworden zu sein, nur dadurch kaschieren können, indem ich es als Sinnkrise abgetan hatte. Frankie hatte sich ernsthaft Sorgen um mich gemacht. Und jetzt wollte sie mich aufmuntern, und konnte es nicht, weil sie das Problem gar nicht verstand! Es war tatsächlich zum verrückt werden. Nicht, daß man das in diesem Haus nicht ohnehin gekonnt hätte.
      Wenn mir nach einem jedenfalls nicht der Sinn stand, dann danach, Basketball zu spielen. Ich war schon in meinem eigenen Leben nicht gut darin, in einem fremden Körper noch viel weniger, und außerdem hatte ich ganz andere Probleme, die für mich, Eddy, vorrangig waren. Diese Gedanken schwirrten mir noch durch den Kopf, als mir Frankies Worte noch einmal durch den Kopf gingen. Moment mal. Was hatte sie gesagt? Wenn ich drei Körbe warf, war ich wieder der Alte? War das eventuell der Schlüssel? Immerhin, ein Basketball war auch dafür verantwortlich gewesen, daß ich hier überhaupt gelandet war!
      Die Sache war es zumindest wert, ausprobiert zu werden. Zwar wußte ich nicht, wie ich überhaupt einen Korb zustande bringen sollte; ich fand mich in dem Körper immer noch nicht zurecht – dennoch ging ich mit einem ganz besonderen Elan an die Sache, faltete mich auseinander und stellte mich Frankie entgegen. Ich muß noch lächerlicher ausgesehen haben, als die Figur, die ich darstellte, es war. Aber Frankie war zufrieden. Und schon ging es los!
      Frankie wollte es mir wohl extra schwer machen, um meinen Elan zu fordern. Für mich wurde es dadurch erst recht zur Tortur. Ich wollte doch nur die drei Körbe werfen, um zu gucken, was passierte! Aber dafür mußte ich ihr den Ball abjagen, an ihr vorbei, und das Ding auch noch in den Korb kriegen! Die Aktion kostete eine Mingvase, eine Büste von Madame Foster und einen Haufen Eier von Co-Co das Leben. Ich hatte den Körper einfach nicht unter Kontrolle, und selbst Frankie stellte fest, daß ich jenseits der üblichen Form war. Einen Zufallstreffer hatte ich bereits gelandet, wahrscheinlich der puren Verzweiflung geschuldet.
      Ich sah Frankie an, daß sie nicht recht mit der Situation umzugehen wußte. Sollte sie auf dem Level weiter machen, um mich, oder besser, Wilt, zu motivieren? Oder sollte sie es ruhiger angehen, damit ich erst mal wieder in Form kommen konnte? Oder sollte sie doch besser gleich einen Psychiater kontaktieren, wobei ein Psychiater für einen Fantasiefreund natürlich schon etwas ironisches hatte… Ich war ihr dankbar, daß sie den Mittelweg wählte. Sie versuchte immer noch, das alte Wilt-Ich in mir zu wecken, einem Wunsch, mit dem ich ganz konform ging, solange ich nur wieder nach Hause konnte, aber sie ging jetzt eine sanftere Gangart, damit ich mich und meine Gliedmaßen erst einmal sammeln konnte. Ich vermute, sie hatte begriffen, daß es augenblicklich nicht an meinem Elan lag, sondern an meiner fehlenden Körperbeherrschung, daß ich nicht so agieren konnte, wie Wilt es sicher getan hätte.
      Der erste Treffer mußte ein Zufallstreffer gewesen sein! Der Basketball landete überall, nur nicht dort, wo er hingehörte. Das brachte noch einen Fernseher und ein Fenster zu Bruch, und fast auch noch einen kleinen, grünen, stabförmigen Fantasiefreund, der gerade mit einem kleinen Auto durch die Halle fuhr, und sich dabei mit unerwartet tiefer Stimme beschwerte. Ich war verzweifelt. Ich hatte geahnt, daß es eine Katastrophe werden würde. Und dabei mußte ich noch zwei Treffer landen, wenn meine Theorie über Frankies Bemerkung stimmte!
      Als ich den zweiten Treffer landete, war ich nicht mehr so sicher. Was, wenn ich viel zu viel in Frankies Worte hinein interpretiert hatte, und mein Körbewerfen gar nichts brachte? Dann machte ich mich lächerlich und verschwendete meine Zeit! Aber jetzt konnte ich auch nicht mehr zurück, wo ich schon mal so weit gekommen war…
      Ich schwankte Wilts Körper also abermals Frankie entgegen um zu versuchen, ihr den Ball abzunehmen. Ich weiß nicht, ob sie es mir extra leicht machte. Sie sah so sorgenvoll aus. Immerhin, es gelang mir den Ball zu bekommen, und aufgrund der fehlenden Gegenwehr von ihr brachte ich den Ball auch in sein Ziel. Ich spürte die Anspannung in mir. Würde gleich etwas hilfreiches geschehen und mich in meine Welt zurückbefördern, oder würde Frankie resignieren und einen Arzt für ihren Freund rufen? Der Moment der Wahrheit war gekommen…
      In dem Augenblick, als der Ball in dem Netz landete, passierte etwas. Die Welt um mich herum begann zu flackern. Ich stürzte, einmal wieder, verlor für einen Moment das Bewußtsein, und fand mich kurz darauf auf dem Boden wieder. Auf dem Boden vom GhostCommand, wie ich feststellte, als ich vorsichtig wagte, die Augen zu öffnen. In meinem Körper. Neben mir sprang der Basketball vom Skelevision in den Raum. Am Rande nahm ich wahr, daß auf dem Monitor Wilt und Frankie zusammen Körbe warfen. Ich war fix und fertig!

Was genau da passiert war, weiß ich nicht. Ich weiß nur, daß Jake von alldem nichts mitbekommen hatte. Er erzählte mir freudestrahlend, daß er neben seiner Putzarbeit eine alte Cartoonserie auf dem Skelevision gesehen hatte, die er früher als Kind gerne gesehen hatte. Fosters Haus für Fantasiefreunde. In dieser Folge wäre es darum gegangen, daß sein Lieblingscharakter aus der Serie, Wilt, eine Sinn-des-Lebens-Krise gehabt hätte, die sich darin geäußert hatte, daß er keinen Drive mehr zum Basketballspielen gehabt hatte, und Frankie ihn dort später wieder rausgeholt hätte. Nachdem er drei Körbe geworfen hatte, war es, als wäre ein Schalter umgelegt worden, und der alte Wilt war wieder da!
      Erstaunlich! Jake betitelte diese als eine der besten Folgen, die er aus der Serie je gesehen hatte. Ich wollte nur noch ins Bett!


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 24 war (von Mozambique):
      Durch einen längst vergessenen Gegenstand landet dein Protagonist plötzlich in einer Fernsehserie. Das Problem – er kennt die Rolle nicht, die er auf einmal ist.
      Eine der beiden Zusatzaufgaben muss erfüllt werden:
      a) Der Gegenstand lässt deinen Protagonisten erst wieder zurück in die Realität, wenn er einen Tag lang die Rolle gespielt hat.
      b) Der Gegenstand lässt deinen Protagonisten erst wieder zurück in die Realität, wenn er eine bestimmte Aufgabe erfüllt hat.
      [inspiriert von einer Folge der TV-Serie Supernatural]


CrossOver mit »Foster’s Haus für Fantasiefreunde«
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